Autor: Stefan Niggemeier

Zeitungskrise? „Die Lösung bin ich!“

— Ein Gastbeitrag von Sascha Lobo

Die „Spiegel“-Zeitungsdebatte wäre aus vielen Gründen eine fantastische Gelegenheit für mich, den Mund zu halten. Leider verpasse ich diese Gelegenheit hiermit. Denn mir ist etwas Bemerkenswertes aufgefallen. Jeder einzelne bisherige Teilnehmer der Debatte empfiehlt als Lösung der Zeitungskrise letztlich: sich selbst.

  • Jeff Jarvis sieht im Internet die „noch nie dagewesene Chance, einige Dinge ganz neu zu erfinden: unsere Beziehung zur Öffentlichkeit, der wir dienen“. Bekannt geworden ist Journalistikprofessor Jarvis auch dadurch, dass er seine eigene Beziehung zur Öffentlichkeit radikal neu entwickelt hat, indem er seine Prostata-Krebserkrankung zum Thema machte.
  • Der Werber Sebastian Turner spricht in der Debatte als einziger von der „Kreativwirtschaft“ — denn dieser Begriff schließt neben den Medien auch die Werbung, also sein Tätigkeitsfeld ein. Seine Empfehlung an Zeitungshäuser ist, in kleineren Einheiten regional zu operieren und profitable Unternehmen dazuzukaufen. Exakt so hat Turner die Agentur Scholz & Friends aufgebaut.
  • Thomas Knüwer erklärt zur digitalen Revolution: „Die Zeitungskonzerne reagierten darauf mit Ignoranz. Sie mochten keine Chance im Internet erkennen, nicht dessen Möglichkeiten ausloten.“ Knüwer selbst hat offensichtlich mit Nichtignoranz reagiert, seine Chance im Internet erkannt und dessen Möglichkeit ausgelotet: Er verabschiedete sich weitgehend vom Journalismus und wurde Internet-Berater.
  • Laut Richard Gutjahr brauchen Zeitungen „mehr Experimentierfreude“. Es gibt wenige Figuren in der deutschsprachigen Medienlandschaft, die so offensiv experimentierfreudig wären wie Gutjahr: seine spontane Reise auf den Tahrir-Platz 2011, das Fernsehexperiment „Rundshow“ beim Bayrischen Rundfunk 2012, sein Lobbyismus-Projekt lobbyplag.eu 2013.
  • Hatice Akyün schreibt: „Vielfalt, Erkennbarkeit und Kante brauchen alle Medien.“ Sie ist wegen ihrer meinungsstarken Debattenartikel Trägerin des Berliner Integrationspreises sowie des Preises für Toleranz und Zivilcourage der Stadt Duisburg. Und damit ein perfektes Beispiel für genau die Eigenschaften „Vielfalt, Erkennbarkeit und Kante“.
  • Stephan Weichert plädiert unter anderem für staatliche Subvention von Journalismus, aber warnt zugleich: „Es ist hilfreich, wenn sich die Verleger auch mit alternativen Finanzierungsmodellen befassen“. Er bringt dazu private Stiftungen und Crowdfunding ins Spiel. Weichert ist Gründungsherausgeber des Portals VOCER, das von mehreren Stiftungen finanziert wird, staatliche Förderung von der Bundeszentrale für politische Bildung erhält und Crowdfunding in Form einer ständigen Bitte um Geldspenden betreibt.
  • Constantin Seibt empfiehlt der Zeitung, sich auf einzelne, urbane Szenen zu konzentrieren und dort den Inhalt zu verbessern: „Es wird Zeit, in die Erneuerung des Handwerks zu investieren: in Stil, Raffinesse, Überraschung und Schönheit.“ Seibt betreibt das Blog Deadline, das sich an Journalisten wendet und praktisch ausschließlich davon handelt, wie man mit Raffinesse, Überraschung und Schönheit seinen Stil verbessert.
  • Mario Sixtus verfasst einen Artikel, der gegenüber Zeitungsmachern von oben heraber kaum sein könnte, und fragt „Wer lässt sich schon gerne von oben herab behandeln?“ Eine genaue Lösung kennt er nicht, aber als Möglichkeit vermutet er, dass „mutige Ausprobierer, wilde Experimenteure völlig neue Methoden erfinden werden, um Journalismus zu finanzieren.“ Sixtus ist mit seiner Medienproduktion Blinkenlichten ein mutiger Ausprobierer, sein „Elektrischer Reporter“ hat im Jahr 2011 für ZDFinfo eine Reihe so benannter „Laborexperimente“ veranstaltet.
  • Christian Lindner analysiert: „Zeitungsredaktionen, die auch im Web 2.0 verwurzelt sind, verändern ihre Blätter mutiger, schneller, konsequenter“. Er ist Chefredakteur der „Rhein-Zeitung“, der mit Abstand Social-Media-affinsten Regionalzeitung in Deutschland.
  • Der ORF-Nachrichtenmann Armin Wolf ist zwar sicher, dass „Menschen Nachrichten wollen und brauchen“. Wie sich dieser Umstand unternehmerisch umsetzen lässt, kann er aber nicht sagen: „Ich habe keine Ahnung, wie die Zukunft des Journalismus aussieht und wie sie sich finanzieren lässt“. Die eigene Ahnungslosigkeit zuzugeben, erscheint sympathisch. Aber es ist auch symptomatisch, dass die beiden einzigen Debattanten, die das tun — Armin Wolf und Mario Sixtus — für öffentlich-rechtliche Anstalten arbeiten, die sich nicht am Markt refinanzieren müssen. „Ich weiß nicht“, bezogen auf Journalismusfinanzierung, ist damit auch als Argument für die Notwendigkeit öffentlich-rechtlicher Anstalten zu verstehen.
  • Wolfram Weimer sieht die Zeitungskrise weniger im Internet als vielmehr darin, dass „niemand mehr nach dem Eigentlichen: den Inhalten“ frage. Dafür kennt er die richtigen Absender: „Die altmodischen, querköpfigen Wahrheitssucher also haben Qualitätsmedien groß und vor allem wichtig gemacht.“ Natürlich hat er ein Rezept für besseren Journalismus: „Der Drang in die politisch korrekte Mitte erzeugt einen Journalismus, der sich massen- und mehrheitskonform seicht dahin biegt.“ Er selbst ist auf altmodische und querköpfige Weise geradezu klassisch politisch unkorrekt: Er zweifelt an den Ergebnissen des Weltklimarates, spricht von einer „Multi-Kulti-Lüge“ und schrieb islamkritische Artikel wie „Der kulturelle Dschihad“.
  • Christian Jakubetz‘ Text bietet keine direkte Lösung an. Indirekt dagegen schon: Nicht genannte Zeitungsmacher würden sich eine Zukunft vorstellen, die von „Internet, von Apps, Smartphones, sozialen Netzwerken“ handelt. Jakubetz arbeitet als Berater, Journalist und Dozent zum Thema crossmediales Publizieren.
  • Wolf Schneider schließlich behauptet, dass die Gesellschaft bald in den Zustand zurückkehre, der vor Erfindung der Zeitung angeblich die Regel gewesen sein soll: „dem der öffentlichen Ahnungslosigkeit.“ Schneider sieht also gar keine Zukunft und gar keine Lösung. Er ist 88 Jahre alt.

Natürlich lässt sich diese Erstaunlichkeit — alle sehen in sich selbst die Lösung — auch positiv betrachten: Die Debattanten arbeiten konsequent nach den Prinzipien, die sie als richtig erkannt haben. Und lassen die Welt nun an ihren für sie erfolgversprechenden Erkenntnissen teilhaben. Die ebenso vorhandene Kehrseite aber ist größer, schwerer, unangenehmer: Die deutsche Mediendebatte krankt daran, dass ihre Teilnehmer unfähig oder unwillig sind, die eigene Perspektive zu verlassen. „Ein Gespräch setzt voraus, dass der andere Recht haben könnte“, sagte der Philosoph Hans-Georg Gadamer im Jahr 2000. Wenn man selbst die Lösung ist, wäre demnach keine Debatte möglich.

Die schwierigen Stellen Mindestlohn und Elektroautos: Wählwerbung ohne Politik

— Ein Beitrag von Jan Böhmermann* —

Ich bin bekanntermaßen kein engagierter Power-Blogger, nicht im entferntesten ein ernstzunehmender, spitzfedriger Sonntagszeitungs-Journalist, bin weder akribisch, noch pedantisch und mein polizistensohnmäßig stark ausgeprägtes Unrechtsbewusstsein tobt sich für gewöhnlich lieber im Privaten aus. Kurz: Ich neige nicht zum Niggemeiern. Da sich der verbgewordene Powermeinungsmacher und Fernsehkritiker Stefan „Flauschi“ Niggemeier seit kurzem jedoch in einem sympathischen Anflug von, vermutlich, eitelkeitsbedingter Selbstkorrumpierung in meinem Metier, dem unseriösen Fernsehquatschfach (Klick: Küppis Tagesschaum, WDR) ausprobiert, sei mir der temporäre Seitenwechsel auch mal verziehen.

Ich möchte Dir, liebes Internet, mal eine kleine Person-des-öffentlichen-Lebens-Geschichte zur Kenntnis geben, Du kannst damit machen, was Du möchtest, ich brauche sie (die Geschichte) nicht mehr. Vielleicht ist sie ja bei Dir gut aufgehoben, liebes Internet. Hier kommt sie:

Als Digitalspartensuperpromi (z.B. „NEO MAGAZIN“ ab Ende Oktober auf ZDFneo) hat mich die staatliche, aber nach meiner bisherigen Einschätzung dennoch recht freundliche Bundeszentrale für politische Bildung (BZpB) gebeten, zur Bundestagswahl (nicht vergessen: am 22. September!) ein die politikverdrossene Teenie-Community zu den Wahlkabinen peitschendes, 30-sekündiges Werbesprüchlein zur Sendung in deutschen Radiostationen aufzunehmen.

Die Grundregeln: Lustig, motivierend, politische, wenn möglich clever, aber bitte keine parteipolitische Werbung und Geld gibt es natürlich nicht — ist ja für die gute Sache: die politische Meinungsbildung der jugendlichen Hörer und der Motivation notorischer Nicht-Wähler. Diese „Promis-rufen-zur-Wahl-auf“-Spots im Hörfunk gibt es schon seit einigen Bundestagswahlen, ich habe mich — niggi-niggi-niggi, can’t you see? — vermutlich in einem Anflug eitelkeitsbedingter Selbstkorrumpierung, dazu entschlossen, bei diesem kleinen Aktiönchen mal mitzumachen. Ist ja für die gute Sache. Folgenden Mini-Hörfunkspot habe ich aufgenommen und dem für die Wahlwerbeinitiative zuständigen „Projektbüro W-On-Air“ der BZpB zugeschickt:

Ein leicht bekömmliches, lau witziges und im Abschluss nicht ganz so unoriginelles Minisprüchlein, geeignet zur Politisierung von Millionen Nichtwählern, die Wahlkabinen werden schon um 17 Uhr dichtmachen müssen am 22. September, freute ich mich: Alle Urnen voll, nix geht mehr rein. Meinem Wahlmotivationsspot sei Dank! Als auf totale Unparteilichkeit vereidigter Bezieher öffentlich-rechtlicher Gebührengelder habe ich natürlich sicherheitshalber weder CDU, noch SPD, FDP, LINKE, GRÜNE, NPD, AfD, PIRATENPARTEI, FREIE WÄHLER oder GRAUE PANTHER gesagt. Ich habe einfach nur mal halbherzig pointiert auf 30 Sekunden zusammengefasst, was bei mir als aktivem, familienorientierten Mittdreißiger so auf der persönlichen Politagenda steht und mich ins Wahllokal treibt. Am 22. September 2013, dem Tag der Bundestagswahl. Ich bin von keiner Partei vereinnahmt, betrachte mich als Westeuropas wildesten Wechselwähler und hielt darum, mein Werbesprüchlein für voll promimäßig BZpB-konform und parteipolitisch neutral bis an die Grenze zur Selbstverleugnung. So weit, so charity.

Doch nach einigen Tagen kam eine etwas überraschende Antwort von der BZpB auf meinen Werbespot, nämlich eine freundliche Ablehnung, mit der Bitte, meinen Spot in Bezug auf die „schwierigen Stellen Mindestlohn und Elektroautos“ zu entschärfen. Die nämlich seien nicht parteipolitisch neutral. Ein Vorschlag zur „Verallgemeinerung“ lag der E-Mail auch bei. Nämlich dieser hier:

„Es geht um den Verkehr — also den auf der Straße, um Ihr leckeres und gesundes Essen, um die gute Luft, die Sie zum Atmen brauchen, um die Steuern, die sie brav zahlen müssen … ja, darum geht’s. Also eigentlich um ALLES!!!“

Dass ich als „subversiver Moderator“ (Markus Lanz über Jan Böhmermann) mit meinem Charity-Spot mal ausloten wollte, wie die BZpB die Grenzen von „parteipolitischer Neutralität“ definiert, wäre eine üble Unterstellung. Aber welche Partei ich jetzt mit meinem Werbespot unterstütze, weiß ich wirklich nicht. CSU, CDU und FDP wegen meiner BMW-i3-freundlichen Unterstützung von Serienelektroautos? Grüne, Linkspartei und SPD wegen des Mindestlohnes? Oder keine der im Bundestag vertretenen Parteien wegen der geforderten aber von niemandem betriebenen, ernsthaften und durch Kompetenz fundierten Ablehnung und Bekämpfung von totaler Internetüberwachung durch ausländische Geheimdienste? Beziehungsweise alle Parteien, weil es unsere öffentlichen Kindergärten wirklich nötig haben?

Ich bin verwirrt. Auch, weil ich niemals gedacht hätte, dass wir Promis (sogar wir Promis aus der Digitalsparte!!), ginge es nach der BZpB, nicht mehr leisten müssten, um das lethargische, politikverdrossene Wahlvolk an die Urnen zu bekommen, als allgemeinen Nonsens à la „Es geht um den Verkehr — auf der Straße“ ins Mikro zu tröten. Parteipolitisch neutral? Wohl eher: unpolitisch.

Und damit genauso geeignet zur Wahlmotivation wie der Twitter-Account von Peer Steinbrück, das Gesicht von Christian Ströbele, die Frisur von Hannelore Kraft, Angela Merkel im Allgemeinen und Ronald Pofalla im Speziellen, ein witzig gemeinter Wahlsong der CDU, Rainer Brüderle, Reiswaffeln und Kölner Grüngürtelkaninchen.

Ich habe mich letztlich dagegen entschieden, einen neuen Wahlmotivationsspot einsenden, allein aus Angst davor, einen weiteren Verallgemeinerungsvorschlag der Bundeszentrale für politische Bildung zu erhalten. Mein kurzzeitig aufgeflammtes, öffentliches Gutmenschenengagement hat sich auch wieder gelegt. Für jugendaffine Hörfunkmotivationsspots „für die gute Sache“ oder ähnlichem also bitte demnächst dann wieder Ross Anthony, Hundecoach Martin Rütter oder das Taff-Team anfragen. Oder mir ganz, ganz viel Geld bezahlen, als Schmerzensgeld, für jeden Verallgemeinerungsvorschlag. Und auch nur, wenn mir die Bundeszentrale für politische Bildung vorher in einem mehrseitigen, handschriftlichen Besinnungsaufsatz darlegt, warum ihrer Meinung nach so wenige Bürger zur Wahl gehen und was wohl der Grund für deren angenommene Politikverdrossenheit sein könnte.

Bis in vier Jahren dann, Dein

Jan Niggemann

*) ursprünglich auf seiner Facebook-Seite erschienen; hier mit freundlicher Genehmigung des Autors veröffentlicht, auch aus Gründen selbstkorrumpierender Eitelkeit. Foto: RBB.

Was die Zahl von 47.000 digitalen „Welt“-Abonnenten wirklich aussagt

Gibt es in Deutschland genug Menschen, die bereit sind, für Journalismus im Internet zu zahlen? Die Branche wartet ungeduldig auf Indizien. Die Axel Springer AG tut so, als würde sie sie endlich liefern.

„Bereits mehr als 47.000 zahlende digitale Abonnenten“ habe die „Welt“, gab das Unternehmen gestern bekannt. Die Pressestelle nannte das einen „Meilenstein“. „Welt“-Chefredakteur Jan-Eric Peters sprach von einer „richtig guten Zahl“.

Aber das heißt ja nichts.

47.000 klingt nach einer sehr hohen Zahl — im Vergleich zu der Zahl der Abonnenten der gedruckten „Welt“, die nur doppelt so hoch liegt, und angesichts der nur sechs Monate, seit die „Welt“ ihre Online-Inhalte für häufige Benutzer kostenpflichtig gemacht hat.

Aber was bedeutet sie wirklich? Die Axel Springer AG macht keine genauen Angaben, wie sich die Zahl zusammensetzt. Man kann das natürlich als Zeichen werten, dass Details das Bild einer Erfolgsgeschichte nur unnötig trüben würden.

Interessant wäre zum Beispiel, wie viele Menschen über eines der Paket-Angebote (Bundles) mit einem iPad Mini zu „Welt“-Digital-Abonnenten wurden. Aktuell lockt das Blatt mit einem Preisvorteil von „über 800 €“, wenn man das iPad für 19,99 Euro monatlich mit einem Zwei-Jahres-Abonnement von „Welt Digital komplett“ sowie „Welt“ und „Welt am Sonntag“ als E-Paper bestellt.

Aber es geht noch besser: Anfang Mai konnte man zum Beispiel ein iPad-Mini samt „Welt Digital komplett“ für monatlich 14,99 Euro bekommen. Das entsprach über zwei Jahre Mindestlaufzeit einem Preis von gerade einmal 1,25 Euro im Monat für das „Welt“-Abo. Oder wie es ein Kommentator auf der Schnäppchen-Seite treffend formulierte:

Das ipad wird praktisch mit 0,0 % finanziert! Und man bekommt das Abo noch umsonst dazu!

Es ist natürlich legitim, mit solchen Angeboten Kunden zu locken, und womöglich ist es sogar wirtschaftlich oder wenigstens strategisch sinnvoll. Nur lassen sich Menschen, die unter solchen Bedingungen gratis ein journalistisches Produkt abonnieren, um günstig in den Besitz eines Computers zu kommen, schwerlich als Beleg dafür nehmen, dass es, wie Springer formuliert, „eine Zahlungsbereitschaft für Journalismus auch in der digitalen Welt gibt“.

Wie viele der 47.000 Digital-Abonnenten der „Welt“ solche Käufer eines subventionierten iPad-Paketes sind, verrät Springer nicht. Auf Nachfrage erklärt eine Sprecherin nur:

Wir freuen uns, dass wir schon drei starke Vertriebskanäle entwickeln konnten, über die wir die 47.000 digitalen Abonnenten gewonnen haben: unsere eigene Webseite, die Stores mit Apples iTunes an der Spitze und Hardware-Bündel. Die iPad-Mini-Aktion trägt einen wesentlichen Teil zum Erfolg der dritten Säule bei.

Jan-Eric Peters hauchkonkretisierte das auf seiner Facebook-Seite mit der vagen Formulierung, der „Abo-Erfolg“ sei nicht „hauptsächlich“ dem iPad-Mini-Angebot zu verdanken.

Ein weiterer erheblicher Teil der 47.000 Abonnenten wird noch in der einmonatigen Probephase sein und bloß 99 Cent gezahlt haben. Angeblich entscheiden sich drei Viertel der Nutzer nach dem Test für die teurere Fortführung des Abonnements.

Unerwähnt bleibt in den Erfolgsmeldungen zudem, dass bei den 47.000 Digital-Abonnenten auch diejenigen mitgerechnet sind, die keines der Pakete abgeschlossen haben, die es seit einem halben Jahr gibt und zwischen 4,99 Euro und 14,99 Euro monatlich kosten. Als „Abonnent“ zählt nämlich auch, wer sich nur die deutlich billigere Smartphone-App leistet (1,79 Euro im Monat oder, inklusive „Welt kompakt“-PDF, 3,59 Euro im Monat).

Nach Angaben einer Sprecherin machen diese Kunden „nur einen sehr kleinen Teil der Abonnenten aus“. Wie klein, sagt sie nicht. Die häufigsten In-App-Käufe in der Smartphone-App sind allerdings im iTunes-Store solche 1,79-Euro-Angebote.

Angesichts all dieser Einschränkungen und Unbekannten: Sind 47.000 Abonnenten eine gute Zahl?

Im Mai 2010 kam das iPad in Deutschland auf den Markt. Ein halbes Jahr später behauptete Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner, dass allein die „Welt High Definition“-App schon „viele Tausende von zahlenden Abonnenten“ für 11,99 Euro im Monat habe.

Vor zwei Jahren, im August 2011, gab Springer bekannt, dass die „Welt“ täglich knapp 17.000 digitale Ausgaben verkaufe, davon mehr als die Hälfte über das iPad. Die Kategorien „digitale Ausgaben“ und „digitale Abonnements“ sind nach Ansicht von Springer nicht vergleichbar. „Die Zahl der digitalen Ausgaben wäre heute natürlich deutlich höher als die Zahl digitaler Abonnenten“, heißt es. Andererseits bedeutete die frühere Messgröße offenbar, dass sich am konkreten Tag jemand für eine digitale „Welt“-Ausgabe entschieden hat, während er heute schon zählt, wenn bloß sein Abo weiter läuft.

Es spricht einiges dafür, dass die Zahl 47.000 nicht so imposant ist, wie sie klingt. Aber sie lässt sich nicht seriös bewerten, weil die Axel Springer AG, wie es ihrer Geschäftskultur entspricht, keine detaillierten, nachvollziehbaren Angaben macht, sondern bloß eine Black Box in den Raum stellt, deren Größe eindrucksvoll, deren tatsächlicher Inhalt aber unbekannt ist. Für Pressemitteilungsabschreiber reicht das natürlich.

Seit fast zehn Jahren verschweigt das Unternehmen, wie viele Exemplare es von seiner Light-Zeitung „Welt kompakt“ verkauft und wie viele noch von der Vollfett-„Welt“, und gibt nur eine Gesamtauflage an. Es wäre abwegig, ausgerechnet von diesem Laden zu erwarten, dass er brauchbare, transparente Antworten auf die Frage liefert, in welchem Maß die Menschen in Deutschland bereit sind, für Journalismus im Netz zu bezahlen.

Veggie Day: Wie man aus alten Fleischabfällen der „Bild“-Zeitung Nachrichten macht

Seit mehr als drei Jahren unterstützen die Grünen Vorstöße zur Einführung eines „Veggie Days“ — einen Tag in der Woche, in dem es in Kantinen kein Fleisch gibt. Es gibt dazu diverse Fraktionsentscheidungen und Positionspapiere, Beschlüsse der Bundesdelegiertenkonferenzen 2010 und 2013. Der Wunsch findet sich im Wahlprogramm der Grünen, das im April beschlossen wurde:

Öffentliche Kantinen sollen Vorreiterfunktionen übernehmen. Angebote von vegetarischen und veganen Gerichten und ein „Veggie Day“ sollen zum Standard werden. Wir wollen ein Label für vegetarische und vegane Produkte.

Gestern hat die „Bild“-Zeitung das bemerkt. Und daraus eine typische, eine typisch falsche Überschrift gemacht:

Na gut. So macht die „Bild“-Zeitung halt Schlagzeilen und Politik.

Die „Nachrichten“-Agentur dpa bringt eilig eine Meldung zum Thema. Darin heißt es erstaunlicherweise nicht: „‚Bild‘-Zeitung skandalisiert mit Jahren Verspätung längst bekannte Position der Grünen zum fleischlosen Tag in deutschen Kantinen“, was eine treffende Beschreibung der Neuigkeit wäre.

Stattdessen meldet dpa schon um kurz nach Mitternacht:

Künast will Veggie-Tag in Kantinen

Berlin (dpa) — Die Grünen wollen nach der Bundestagswahl einen fleischlosen Tag in Kantinen einführen. Wie die „Bild“-Zeitung (Montag) berichtet, soll an dem sogenannten Veggie Day einmal in der Woche ausschließlich vegetarisch und vegan gekocht werden.

Mit sieben Stunden (bzw. drei Jahren) Verspätung zieht AFP nach und meldet um 7:11 Uhr:

Grüne wollen fleischlosen Tag in deutschen Kantinen einführen

Die Nachricht beruht vollständig auf dem Inhalt des „Bild“-Zeitungs-Artikels.

Um 12:21 Uhr kann AFP etwas Neues vermelden: Den Inhalt der „Bild“-Zeitung von morgen.

Berlin, 5. August (AFP) – Der Grünen-Vorschlag zur Einführung eines „Veggie Days“ in öffentlichen Kantinen kommt in der FDP nicht gut an: „Was kommt als nächstes: Jute-Day, Bike-Day, Green-Shirt-Day?“, kritisierte FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle in der „Bild“-Zeitung (Dienstagsausgabe).

Eine Dreiviertelstunde später liefert AFP einen Hintergrund samt Infografik: „Der Verzicht auf Fleisch hat verschiedene Spielarten — Flexitarier und Vegetarier in Deutschland auf dem Vormarsch“.

13:10 Uhr. dpa fasst die Berichte der „Bild“-Zeitung von heute und morgen sowie weitere Wortmeldungen von Politikern zusammen:

Bundesregierung und FDP warfen den Grünen Bevormundung der Bürger vor. Damit ist das Reizthema Ernährung im Bundestagswahlkampf angekommen.

(Die Frage, wo es vorher war und was es aufgehalten hat, beantwortet dpa nicht.)

Bis 15:54 Uhr dauert es, bis es der Agentur gelingt, ihren Kunden Fragen & Antworten unter der Überschrift „Es geht um die Wurst“ anzubieten.

Andere Online-Medien sind inzwischen auch selbst in die „Bild“-Berichterstattung-Berichterstattung eingestiegen und halten sich dabei überwiegend an die alte „Der Preis ist heiß“-Regel: „Aber nicht überbieten!“

Der „Münchner Merkur“ hat einige relevante Wortmeldungen seiner Kommentatoren zum Thema ausgewählt und zusammengestellt. Einer spricht von „Zwangsernährung“. Ein anderer, der sich „Gesetzloser“ nennt, schreibt vom „Dogmatismus der Ernährungsreligiösen und selbsternannten Bessermenschen“ und meint: „Was du freiwillig isst oder nicht isst, ist deine Privatangelegenheit.“

Die „WAZ“ diskutiert gleich selbst in einem Pro & Contra ungefähr auf diesem Niveau.

n-tv.de stellt der Grünen-Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke treudoof die Frage, ob der „Vorstoß von Renate Künast abgesprochen“ gewesen sei. (Der Vorstoß, der, wie gesagt, im Wahlprogramm steht und jahrealten Beschlüssen der Partei entspricht.)

Die „Neue Westfälische“ informiert die Öffentlichkeit in einer Pressemitteilung darüber, dass in ihrer morgigen Ausgabe stehen werde, dass CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe die Grünen-Forderung überraschend doof findet und sich mit den Worten zitieren lässt: „Der abstruse Vorschlag von Frau Künast ist ein weiterer Baustein für die grüne Bundes-Verbots-Republik: Jetzt wollen uns Trittin, Roth & Co. auch noch vorschreiben, was wir wann essen dürfen. Die CDU lehnt diese Bevormundungspolitik entschieden ab.“

Und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ schäumt in einem Kommentar: „Ein Veggie Day wäre unverschämt“ — und spricht, ganz im Sinne der „Bild“-Schlagzeile, mit der alles begann, von einem „staatlichen Fleischverbot“.

Und ich frage mich:

Wenn die Anregung der Grünen, fleischfreie Tage in Kantinen einzuführen, so ein Aufregerthema ist — warum hat es dann niemand vorher in den Beschlüssen von Partei und Bundestagsfraktion entdeckt?

Kann ich davon ausgehen, dass in den Redaktionen der Nachrichtenmedien die Wahlprogramme der Parteien nicht gelesen werden?

Oder, wenn sie doch gelesen werden und die Redaktionen den Grünen-Vorschlag nur nicht so spektakulär und skandalös fanden: Warum ändern die Medien dann plötzlich ihre Einschätzung, nur weil die „Bild“-Zeitung anderer Meinung ist?

Für die „Nachrichten“-Agentur dpa ist eine Meldung, was die „Bild“-Zeitung zur Meldung macht. Die Redaktionen des Landes haben die Entscheidung über das, was eine Neuigkeit darstellt und was einen Nachrichtenwert hat, weitgehend an die „Bild“-Redaktion outgesourct. Sie trotten treuherzig hinterher und versuchen bestenfalls die Wellen zu reiten, die „Bild“ produziert.

Im Ergebnis bestimmt das Blatt nicht nur, worüber „ganz Deutschland“ diskutiert, sondern auch auf welchem Niveau. Konkret auf dem Die-Grünen-wollen-uns-das-Fleisch-verbieten-Niveau.

Ich weiß, dass nichts daran neu ist. Das macht es nur kein Stück erträglicher.

Nachtrag, 18:45 Uhr. Auch „Zeit Online“ hat die Geschichte hinter der Hysterie aufgeschrieben.

Wenn Sie uns das Leistungsschutzrecht so lange zurücklegen könnten…?

Ich bin mir nicht so sicher wie viele andere, dass die Sache mit dem Leistungsschutzrecht schon gelaufen ist und die vorläufige Einwilligung fast aller Verlage, bei Google News gelistet zu bleiben, einer Kapitulation gleich kommt. Für „Zeit Online“ habe ich versucht, das zu erklären.

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Es ist aber für die Verlage fraglos ein gigantisches PR-Debakel.

Jahrelang lobbyieren sie für ein solches Gesetz, und nun ist es da und sie wissen noch nichts damit anzufangen. „Das LSR wird schnell, unbürokratisch und leistungsstark von den Verlagen umgesetzt werden“, hatte der Zeitschriftenverlegerverband VDZ im Januar angekündigt. Auf Nachfrage von ix, ob es nun soweit sei und was damit überhaupt gemeint sei, tat der Verband, was ihm naturgemäß am leichtesten fällt: Er stellte sich tot.

Der Hauptgeschäftsführer des Zeitungsverlegerverbandes BDZV, Dietmar Wolff, war in den vergangenen Tagen dagegen auskunftsfreudig. Er sagte am Telefon in Bezug auf die vorläufige Einwilligung der Verlage, dass Google News kostenlos Snippets von ihren Texten anzeigen darf, den bemerkenswerten Satz, dass damit für die Übergangszeit doch beiden gedient sei: Google habe weiterhin die Inhalte, und die Verlage den Traffic.

Als beschriebe dieses Profitieren beider Seiten nicht ohnehin das Verhältnis zwischen Suchmaschinen und Inhalte-Produzenten — und den Grund, warum ein Leistungsschutzrecht so aberwitzig erscheint.

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Viele Verlage haben ihre Google-News-Einwilligungserklärung mit einer Zusatzerklärung relativiert. Sie stammt von der Kanzlei Raue, die die Verlegerverbände juristisch bei diesem Thema berät. VDZ und BDZV hatten ihren Mitgliedern in einem Rundbrief diese Variante als eine Möglichkeit vorgeschlagen. Die Erklärung lautet wörtlich:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Sie haben im Zuge des zum 1. August 2013 in Kraft tretenden Leistungsschutzrechtes ein Opt-In-Verfahren für die Anzeige von Presseerzeugnissen in Google News eingeführt. Dafür stellen Sie im Internet ein vorformuliertes Formular bereit.

In dem Formular erklären Sie, dass die von Google betriebenen Dienste in Übereinstimmung mit dem neuen Leistungsschutzrecht stehen. Ferner stellen Sie Presseverlage vor die Wahl, der Anzeige Ihrer Presseerzeugnisse in Google News entweder zu widersprechen oder in die unentgeltliche Nutzung einzuwilligen. Hierzu möchten wir klarstellen:

Unser Haus befindet sich derzeit in Vorbereitungen zur langfristigen Wahrnehmung der Leistungsschutzrechte an unseren Presseerzeugnissen. Die technischen Voraussetzungen für eine Lizenzierung liegen noch nicht vor. Auch muss abgewartet werden, ob es in naher Zukunft die Möglichkeit geben wird, die Leistungsschutzrechte in eine Verwertungsgesellschaft einzubringen und kollektiv wahrnehmen zu lassen. Die Abgabe der Einwilligung durch unsere Verlag erfolgt vor diesem Hintergrund in dem Verständnis der jederzeitigen Widerrufbarkeit nur vorläufig.

Eine Anerkennung Ihrer Position, wonach Ihre Dienste in Übereinstimmung mit dem Leistungsschutzrecht stünden, ist mit unserer Einwilligung nicht verbunden. Wir behalten uns vielmehr — auch mit Rücksicht auf andere Aggregatoren — vor, unsere Leistungsschutzrechte zukünftig zu anderen als den von Ihnen vorgegebenen Konditionen wahrzunehmen.

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Trotz der Nähe der Kanzlei Raue und Verlegerverbänden distanzierte sich BDZV-Hauptgeschäftsführer Wolff von einem Aufsatz, den zwei Raue-Anwälte zum Leistungsschutzrecht veröffentlich haben. Der BDZV habe diesen Text nicht in Auftrag gegeben.

In dem Aufsatz, der in der Ausgabe 3/2013 von „AfP Zeitschrift für Medien– und Kommunikationsrecht“ erschienen ist, deuten die Anwälte Robert Heine und Felix Stang das neue Gesetz extrem verlegerfreundlich. Sie erklären (wie berichtet), warum von möglichen Erlösen fast nichts an die Urheber abgegeben werden muss, obwohl die Verleger ein solches „faires“ Teilen immer versprochen gestellt hatten.

In demselben Aufsatz kommen die verlegernahen Autoren auch zu einer verblüffend einfachen Antwort, wieviel Zeichen so ein „Snippet“, also ein angezeigter Textschnipsel in Suchergebnissen oder Aggregatoren, denn haben darf, um nicht genehmigungspflichtig zu sein. Die Antwort: null.

Sie verweisen auf den im Gesetz genannten Superlativ, es seien „kleinste Textausschnitte“ erlaubt, und folgern:

Die Privilegierung umfasst also nur Textausschnitte, die nicht kleiner sein könnten, um den von der Privilegierung umfassten Zweck, die Beschreibung des verlinkten Inhalts, noch zu erreichen.

Der angezeigte Text müsse zudem den verlinkten Inhalt beschreiben. Deshalb sei die übliche Praxis von Suchmaschinen, beispielsweise die dem gesuchten Begriff vorangehenden und folgenden fünf Wörter anzuzeigen, ohne Einwilligung des jeweiligen Verlages unzulässig.

Die Funktion der möglichst kurzen Bezeichnung eines Presseartikels bzw. der Benennung seines Inhalts übernehmen (…) nicht ganze Sätze eines Artikels, sondern regelmäßig die Überschrift, gegebenenfalls in Verbindung mit einer Unterzeile oder einer Oberzeile.

Das ist nach Ansicht der Anwälte der Kanzlei, die sonst die Verleger bei diesem Thema berät, also das, was Suchmaschinen ab heute nur noch ohne Lizenz anzeigen dürfen: Überschriften.

Auch wenn der BDZV sich das Papier nicht zu eigen machen wollte, kann man davon ausgehen, dass diese Argumente schon einmal als Munition für die zu erwartenden rechtlichen Auseinandersetzungen platziert wurden.

Bräsig und verlogen: Die Tricks des „Stern“

Eigentlich wollte ich mich nur ein bisschen über die „Stern“-Titelgeschichte von vergangener Woche mokieren und die Frage stellen, ob sie darauf hindeutet, dass die Illustrierte sich aufgegeben hat — oder doch nur ihre Leser.

Die Zeitschrift, die in den vergangenen Monaten deutlich Abo- und Kiosk-Käufern verloren hat, machte mit einer beschlagenen Brille und der Schlagzeile „Die Tricks der Optiker“ auf. (Achtung, Spoiler: Die versuchen gerne mal, unnötige Zusatzleistungen zu verkaufen, und machen Superschnäppchen-Angebote, die in Wahrheit teurer sind. Ja, echt.)

Ein Button wies darauf hin, dass es sich um den Auftakt einer Serie handelt, mit der der „Stern“ auf die „Check“-Welle aufspringt. Der brisante Titel: „JETZT MAL EHRLICH!“

Eigentlich wollte ich mich bloß über die sensationelle Bräsigkeit dieses ganzen Arrangements lustig machen, die mit dem Titel anfängt und bei den Worten nicht endet, die neben dem Autorenbild unter der Geschichte stehen:

Ein schöner Lernerfolg: Während der Recherche zu dieser Geschichte erstand Silke Gronwald drei Brillen. Am besten sitzt die, die sie am Schluss gekauft hat.

Mit der Schwafeligkeit eines Erzählers, der davon ausgeht, dass sein Publikum in diesem Jahr eh nichts mehr vorhat, wird dazwischen alles erzählt, was man immer schon über Brillen fragen wollte, aber nicht zu wissen wagte.

Lady Gaga trage eine Brille. Heute sei die Brille ein Fashion-Statement. Die Brille entscheide sogar über den Verlauf von Politiker-Karrieren: „Als sich etwa Außenminister Guido Westerwelle 2011 von seinem randlosen Modell lossagte und stattdessen eine Fassung mit Kontur wählte, galt dies als Beleg für die neue Ernsthaftigkeit des einstigen Spaßpolitikers.“ Das halte ich vom zeitlichen Zusammenhang für eindeutig falsch, es spricht jedenfalls nicht für die Brille: Im selben Jahr musste Westerwelle sein Amt als FDP-Vorsitzender aufgeben.

Ein Thomas Truckenbrod vom Zentralverband der Augenoptiker (ZVA) hat einen spektakulären Gastauftritt in der Mitte des Textes, um ausschließlich den offenbar ihm persönlich am Herzen liegenden Satz zu sagen: „Die zehn größten deutschen Ketten erzielten 2012 fast 40 Prozent des Gesamtumsatzes.“

Zwischendurch wird der Artikel zu einer drögen Stadtführung: „Beginnen wir mit einem kleinen Bummel durch die Optikerläden vor Ort“, steht — keineswegs am Anfang des Textes.

Wenn Sie mir versprechen, dass Sie, wenn Sie wieder aufgewacht sind, diesen Blog-Eintrag weiterlesen, verrate ich Ihnen, wie packend diese Titelgeschichte anfängt:

Wann haben Sie zum letzten Mal ein Pfund Kaffee gekauft? Und wie viel haben Sie dafür bezahlt? Wahrscheinlich um die fünf Euro — wenn es ein Sonderangebot war, vielleicht auch nur vier. Und was glauben Sie, wie viel ihr Lebensmittelhändler daran verdient hat? Rund fünf Prozent, also etwa 20 Cent.

Jetzt zum Vergleich: Wissen Sie noch, wie teuer Ihre Brille war? Vermutlich lag der Preis bei etwa 400 Euro. So viel gaben die Deutschen im vergangenen Jahr im Schnitt beim Fachhandel für ihre Sehhilfen aus.

Und wie viel, glauben Sie, sind davon in den Taschen Ihres Optikers gelandet? Über 260 Euro. Zum Nachrechnen:

Bei einem Einkaufspreis von 133 Euro ist das ein Plus von sagenhaften 200 Prozent. Manche Optiker verkaufen gerade mal eine Brille am Tag, eine einzige. Und überleben.

Wie kann das sein? Warum kostet ein einfaches Stück Plastik mit zwei runden Kunststoffpresslingen drin mehr als eine Digitalkamera? Warum ist die Optiker-Gilde eine der letzten Branchen im Einzelhandel, in der es keine öffentlich zugänglichen Preislisten gibt? Und wie kommt es, dass ausgerechnet hiezzzzzzzzzzzzzzz

HEY!

Das jedenfalls wollte ich aufschreiben. Ich wollte fragen, für wie blöd der „Stern“ seine Leser hält. Also, nicht als rhetorische Frage, sondern wirklich. Wenn er ihnen etwa erklärt, dass es sich beim Brillenkauf lohnt, Preise zu vergleichen.

(Weiter vorne im Heft haben sie mit einem Experten vom ADAC gesprochen, der den „Stern“-Lesern auf einer halben Seite und samt Zeichnung auf der Serviette erklärt, wie man günstig tankt. Lösung: Indem man tankt, wenn es billig ist. Und vielleicht nicht auf Autobahnen. Und besser bei Freien Tankstellen. Lesen Sie im nächsten „Stern“: Warum man besser in den Urlaub kommt, wenn man Staus vermeidet. Und: Wie man an das schmackhafte Innere einer Banane gelangt.)

Also, über all das wollte ich mich mokieren. Aber dann habe ich bei einem Blick ins neue Heft noch etwas anderes entdeckt: Mit welchen Tricks der „Stern“ seinen Lesern vortäuscht, für seriös gehalten zu werden.

Im neuen Heft druckt das Blatt vier Leserbriefe zu der Optiker-Geschichte ab: Einen positiven groß, drei negative klein. Es wirkt, als würde der „Stern“ offensiv mit der Kritik an der Geschichte umgehen, die anscheinend — natürlich — vor allem von den Angegriffenen kam. Unter der Zeile „Es stand im ‚Stern'“ schreibt die Redaktion:

Eine Zunft in Aufruhr: Zahlreiche Optiker äußerten per Facebook, Mail, Brief oder Telefon [Anm. von mir: die haben wirklich zuviel Platz in dieser Zeitschrift] ihre Empörung über das Bild, das der stern von ihrer Branche zeichnete. Der Zentralverband der Augenoptiker schrieb uns: „Mit Ihrer Titelstory verunglimpfen Sie pauschal einen ganzen Berufsstand.“ Vorwürfen, der Artikel sei schlecht recherchiert, schloss sich der ZVA jedoch nicht an.

Ach. Nicht?

In Wahrheit widersprach der ZVA in einer Pressemitteilung mehreren Behauptungen des Artikels, sprach vom „berechtigterweise negativen Feedback der Augenoptiker“ und nannte es „extrem bedenklich“, dass „der ’stern‘-Ressortleiter im RTL-Fernsehen Tipps und ‚fachmännische‘ Ratschläge zum Brillenkauf gibt“. Und weiter:

Es wird nicht der letzte Artikel dieser Art gewesen sein, nicht in der Augenoptik und über die nun sechs folgenden Brachen-Checks im erwähnten Magazin hinaus. Sieben Wochen lang, das hört sich dann irgendwie doch stark nach einem Sommerloch an, vielleicht erklärt sich auch auf diese Weise die lange Recherche, die von den Augenoptikern — und ziemlich sicher auch von vielen deren Kunden — als besonders schlecht empfunden wird.

Das ist sprachlich zwar mittelschwer verunglückt, aber ich würde aus diesen Sätzen sehr wohl lesen, dass der ZVA dem „Stern“ vorwirft, schlecht recherchiert zu haben.

Und dann ist da noch Wolfgang Hirt, der Sachverständige für das Augenoptiker-Handwerk, den der „Stern“ im Artikel als eine Art Kronzeuge zu Wort kommen lässt, um vor den Tricks der Optiker zu warnen. Er hat sich schon am Tag des Erscheinens der Ausgabe in drastischen Worten öffentlich gegen den „Stern“ gewandt. Er schreibt:

Ich distanziere mich mit Nachdruck von diesen Darlegungen und glauben Sie bitte nicht, daß dieser Artikel in grundlegenden Dingen dem Wissensstand eines vereidigten Sachverständigen — auch nur im Ansatz — entsprechen würde.

Die getätigten Aussagen sind fachlich in überwiegender Mehrheit falsch und entsprechen auch nicht meiner Ansicht.

Die Nennung meiner Person (des vereidigten Sachverständigen) erweckt beim Leser den Eindruck, daß ich den Aussagen der Autorin inhaltlich zustimmen würde oder zugestimmt hätte. Das ist grundsätzlich falsch.

Auf insgesamt acht Seiten „entzieht“ er nach eigenen Worten den „Darstellungen im Artikel des Stern die Grundlage“, bezeichnet dessen „Tipps“ als „Humbug aus Hamburg“, nennt einzelne Darstellungen „grob falsch“ und bestreitet die Kernaussage des Textes, dass es am „Willen der Augenoptiker-Branche mangelt, Transparenz zu schaffen“.

Dass dieser Sachverständige, der im Artikel selbst eine größere Rolle spielte, sich in deutlichsten Worten von dem Text distanziert und ihm in zahlreichen Punkten sachliche Fehler vorwirft, erfährt der „Stern“-Leser: nicht. Irgendwie schien das der Redaktion keine Information, die relevant genug war, um sie unter der Rubrik „Echo“ zu erwähnen. Die sah ja so auch wirklich selbstkritisch genug aus, ohne dass es nun ernsthaft wehtun müsste.

(Scheinbar hatte die Autorin des Stücks schon am Freitag vergangener Woche auf stern.de eine „Antwort“ auf die Kritik der Optiker an ihrem Stück verfasst. Tatsächlich war darin aber weder konkrete Kritik erwähnt, noch wurde auf sie geantwortet. Stattdessen erzählte die Verfasserin, dass sie „nicht durch Einkaufsstraßen gehen will, wo sich eine H&M-, Zara-, Media-Markt und Kaufhof-Filiale an die andere reiht“, was auch immer das mit irgendwas zu tun hat.)

Das sind also, jetzt mal ehrlich!, die Tricks des „Stern“.

Unter der „Es stand im Stern“-Rubrik zur Optiker-Geschichte im neuen Heft heißt es übrigens noch:

In den weiteren Folgen der Serie „Jetzt mal ehrlich“ wird sich die Redaktion mit der gleichen Gründlichkeit andere Branchen vornehmen.

Mit der „gleichen Gründlichkeit“, das steht da wirklich. Gut, da verspricht man den Leuten wenigstens nichts.

Wo die Lokalzeitung gar nicht mehr sterben kann

Einer der erstaunlichsten Sätze zum Quasi-Abschied der Axel Springer AG aus dem Zeitungs- und Zeitschriftengeschäft steht auf den Seiten des unaussprechlichen „Think Tanks zur Medienkritik“ namens „Vocer“. Janko Tietz schreibt dort, der Verkauf der diversen Print-Produkte werde sich für Springer rächen. Es sei nämlich ein Irrglaube, dass das Geschäft mit gedruckten Medien tot sei. Dann folgt der Satz:

Auch in zwanzig Jahren werden die Menschen noch Zeitung lesen, werden sich in ihren Regionalausgaben informieren, welcher Eckladen schließt, wie die Öffnungszeiten des Freibades sind, welcher Künstler in der Stadt auftritt.

Wer behauptet zu wissen, wie die Menschen in zwanzig Jahren Medien nutzen werden, muss ziemlich bekloppt oder größenwahnsinnig sein. Aber ich halte den Satz nicht nur als Prognose für die Zukunft gewagt, sondern auch als Beschreibung der Gegenwart.

Ich lebe in Friedrichshain, einem Berliner Ortsteil mit 120.000 Einwohnern. Es gibt für diese Menschen de facto keinen Lokaljournalismus.

„Berliner Morgenpost“, „Berliner Zeitung“, „Tagesspiegel“ und „taz“, „B.Z.“ und „Berliner Kurier“, sie alle haben zwar den Anspruch, über das zu berichten, was in Berlin passiert. Aber das ist in aller Regel Regionalberichterstattung: Es geht politisch um den Regierenden Bürgermeister, den Senat und das Abgeordnetenhaus, inhaltlich um Themen wie den Schloss-Neubau, den neuen Flughafen, die BVG. Was in den einzelnen Bezirken passiert, Gebieten mit mehr Einwohnern als die meisten Großstädte, kommt hier nur in kurzen Notizen oder zufälligen Schlaglichtern vor. Von meinem persönlichen Kiez mit den gefühlt stündlich wechselnden Eckläden ganz zu schweigen.

Reden wir nicht von Eckläden und Freibädern. Reden wir von einer gewaltigen Brachfläche, deren Bebauung den zukünftigen Charakter der Gegend, in der ich lebe, entscheidend beeinflussen wird. Es handelt sich um den Block 74, das sogenannte Freudenberg-Areal, benannt nach der Firma, die hier bis vor wenigen Jahren angesiedelt war. Das Gelände ist 26.000 Quadratmeter groß, nun sollen hier 550 Wohnungen entstehen. So will es der Investor; einer Gruppe von Anwohnern ist das viel zu viel.

Es gibt heftige Diskussionen, lautstarke Bürgerversammlungen, überzeugende und weniger überzeugende Versuche, die Anwohner in die Planungen einzubeziehen, Kompromissvorschläge.

Was es nicht gibt: eine kontinuierliche Berichterstattung über all das in der Zeitung.

Im Januar war ich bei einer Versammlung in der Aula der Grundschule. Die über 200 Anwohner fanden kaum alle Platz. Sie stritten mit dem Investor und dem Bezirksbürgermeister, forderten größere Grünflächen und mehr erschwingliche Wohnungen, ließen sich die aktuellen Pläne und die echten oder vermeintlichen Zugeständnisse erklären.

Nur die „taz“ berichtete zwei Tage später über die Veranstaltung, in einem ausführlichen und grundsätzlichen Bericht. Im Mai gab es, ebenfalls in der „taz“, einen Artikel über die weiteren Entwicklungen. Die anderen Tageszeitungen haben in diesem Jahr noch nicht über dieses für Friedrichshain entscheidende Bauprojekt und die Diskussionen darum berichtet.

Womöglich werden sie das irgendwann wieder tun. Der „Tagesspiegel“ zum Beispiel hatte Ende vergangenen Jahres einen größeren Artikel. Aber ist das die Idee einer Lokalzeitung, dass ich sie Tag für Tag kaufen soll, in der Hoffnung, dass irgendwann, vielleicht nach Wochen, etwas Relevantes aus meiner Umgebung darin steht?

Ich weiß nicht, wie typisch Berlin ist. Aber ich möchte behaupten, dass in dieser Stadt auch heute schon die Menschen nicht Zeitung lesen, um sich zu informieren, welcher Eckladen schließt, schon deshalb, weil ihre Zeitung sie nicht darüber informiert, welcher Eckladen schließt.

Zu einem gewissen Anteil haben diese Aufgabe immerhin noch die Anzeigenblätter „Berliner Woche“ (Springer) und „Berliner Abendblatt“ (Dumont Schauberg) übernommen. Aber die Redaktion des „Berliner Abendblattes“ wurde im vergangenen Jahr komplett entlassen, und ich bin mir nicht sicher, ob Janko Tietz mit seinem Postulat vom dauerhaften Bestand des gedruckten Lokaljournalismus ausgerechnet auf das berufen wollte, was kostenlose Anzeigenblätter darunter verstehen.

Und sollte die Zukunft der Tageszeitung wirklich davon abhängen, dass es auf Dauer genug Menschen gibt, die die Öffnungszeiten des Freibades oder die Auftrittsdaten von Künstlern zuhause auf Papier nachlesen wollen? — Informationen, für die es, egal ob sie nun umständlich gedruckt und durchs Land gekarrt werden oder nicht, jedenfalls keine Journalisten braucht, um sie zusammenzutragen.

Den beiden Berliner Stadtmagazinen „Tip“ und „Zitty“ geht es übrigens miserabel. Der Berliner Verlag hat den „Tip“ gerade an eine kleine Servicejournalismus-Agentur verkauft.

Ich wünschte mir, es gäbe dort, wo ich lebe, einen Lokaljournalismus, der diesen Namen verdient. Vielleicht wird irgendwann jemand kommen, der es versucht. Mein Tipp wäre aber eher, dass es ein Online-Projekt wird, ähnlich wie es die „Prenzlauer Berg Nachrichten“ versuchen.

Der Gedanke, dass Zeitungen schon deshalb nicht sterben werden, weil in ihnen steht, was mich angeht, weil es in meiner Nachbarschaft passiert, erscheint jedenfalls aus der Perspektive eines Bewohners von Berlin-Friedrichshain doppelt weltfremd.

In Berlin wurden 2010 pro 100 Einwohner 26 Zeitungen verkauft. Zwei Jahre später waren es noch 23,3. Wenn es eine Hoffnung für lokale Tageszeitungen gibt — hier lebt sie nicht.

„die aktuelle“-Bingo (8)

An schlechten Tagen kann ich mich sehr hineinsteigern in meine Verachtung für die Menschen, die bei der WAZ-Schwesterillustrierten „Die aktuelle“ arbeiten und ein Verkaufsmodell entwickelt haben, das in dieser Woche darauf beruht, so zu tun, als hätte Fürstin Charlene eine Fehlgeburt erlitten. Im Inneren klärt das Blatt auf, um welche „furchtbare Tragödie“, die „auf ihrer Seele lastet“ es sich wirklich handelt: Ein Adoptivkind der Tochter ihres Arztes sei ertrunken. Drei Monate zuvor hätte Charlene die Leute bei einem Besuch noch darauf hingewiesen, dass der Pool nicht kindersicher sei.

In den Worten der „aktuellen“:

Ein Kind, tot — ein Alptraum. Zu Tode gekommen ausgerechnet im Wasser, in Charlenes Element.

Vielleicht kein gutes Thema für ein lustiges „aktuelle“-Bingo. Also widmen wir uns stattdessen einer anderen Titelgeschichte, dem Teaser rechts in der Mitte.

Verona Pooth: Eiszeit! Traurige Familienszenen.

Die Frage lautet wie immer: Was ist passiert? Welche (womöglich wahre) Begebenheit, die die „Aktuelle“ im Inneren erzählt, verbirgt sich hinter dieser aufregenden Schlagzeile? Ist eigentlich ganz leicht.

(Mehr über diese Art von „Journalismus“ im Topf voll Gold.)

Nachtrag, 22. Juli. Auflösung hier.

Wahlwerbung in Springer-Blättern: Die Linke muss draußen bleiben

Der Springer-Verlag wird auch in diesem Bundestagswahlkampf keine Anzeigen der Linkspartei akzeptieren. In einer internen Anweisung heißt es, dass Werbeschaltungen der Linken „in jedem Fall abgelehnt werden“.

Die Linke befindet sich damit in einer Gruppe von acht zur Bundestagswahl zugelassenen Parteien, bei denen die die Springer-Blätter Werbung unbesehen ablehnen:

Parteien, deren Werbeschaltungen in jedem Fall abgelehnt werden
Name der Partei Ausrichtung –
Erklärende Hinweise
Bürgerbewegung pro Deutschland (pro Deutschland) rechtspopulistisch, islamfeindlich
Deutsche Kommunistische Partei (DKP) linksextremistisch
DIE LINKE (DIE LINKE) sozialistisch, teilweise linksextremistisch
DIE RECHTE rechtsextremistisch
DIE REPUBLIKANER (REP) rechtspopulistisch, ausländerfeindlich
Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) linksextremistisch
Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) linksextremistisch
Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) rechtsextremistisch
Quelle: Axel Springer AG

Bei den anderen 30 zur Wahl zugelassenen Parteien ist eine Anzeige in „Bild“ und den den anderen Zeitungen des Verlages nicht von vornherein ein Tabu. Dazu gehören u.a. auch:

  • Bündnis 21/RRP (Springer-Einschätzung: „nationalkonservativ“)
  • Bürgerrechtsbewegung Solidarität BüSo („Verschwörungstheorien“)
  • Christliche Mitte („national-konservativ“)
  • die PARTEI („Satire-Programm (Wiederaufbau der Mauer etc.)“)
  • Partei für Soziale Gleichheit, Sektion der Vierten Internationale („sozialistische Orientierung“)

Es gelte aber grundsätzlich: „Alle Werbeschaltungen zur Bundestagswahl sind der Rechtsabteilung und der Abteilung Marktanalyse vor Veröffentlichung zur inhaltlichen Prüfung vorzulegen.“

Eine Sonderrolle nimmt die Partei Alternative für Deutschland AfD ein, die Springer als „rechtspopulistisch“ bezeichnet. Ob sich die innerhalb des von Springer akzeptierten politischen Spektrums befindet, hatten die Verantwortlichen im Konzern zumindest vergangene Woche offenbar noch nicht abschließend entschieden.

Werbeschaltungen der AfD seien nicht ausgeschlossen, aber „sehr kritisch“ zu prüfen, heißt es in dem internen Papier. „Über die grundsätzliche Behandlung dieser Partei wird noch entschieden.“

Auch in den vergangenen Jahren hatte die Springer-Anzeigenabteilung die Linke, wie zuvor schon die PDS, boykottiert. Die Unternehmenssprecherin begründete das damals mit der Beobachtung der Linkspartei durch den Verfassungsschutz.