Sicherlich haben Sie sich auch schon einmal gefragt, wie es hinter den Kulissen dieser großen aufwändigen Fernsehshows zugeht. Wie man sich das vorstellen muss, wenn ein großes Team von Autoren zusammensitzt und in mühsamer Frickelarbeit aus dünnen Humorfäden filigrane Pointen spinnt.
Nun habe ich ja gerade das Glück, beim Fernsehen zu arbeiten, und kann deshalb hier enthüllen — so:
Die Aufgabe der Redaktion lässt sich hier vielleicht am besten mit dem Dreiklang beschreiben: Zuhören, Staunen, Applaudieren. Solche Elemente gehen natürlich danach noch in einen komplexen Ver- und Entedelungsprozess, bis sie in der fertigen Sendung dann so aussehen:
Seit zwei Wochen sind wir nun mit „Tagesschaum“ auf Sendung, und es ist immer noch ein großes Abenteuer, nicht nur für mich, als (mehr oder weniger) Fernsehneuling. Immerhin ist es nicht mehr ganz so knapp wie in den ersten Tagen — bei der zweiten Sendung haben wir sogar den Ausstrahlungstermin auf Eins Festival gerissen, der immer zwanzig bis dreißig Minuten vor der WDR-Sendung liegt.
Wovon man sich man kein Bild macht: In welchem Maße das Fernsehen noch auf analoges Kassetten-durch-die-Gegend-Tragen angewiesen ist. Zwischen irgendwelchen Außenstellen des WDR und unseren Büros auf dem Abbruchgelände der Kölner Oper wird quasi ununterbrochen Archivmaterial hin- und hergebracht, und wenn die Sendung aufgezeichnet ist, läuft tatsächlich der Aufnahmeleiter mit dem Band auf schnellen Turnschuhen zum WDR. Andererseits ist die Digitaltechnik auch faszinierend: Wie Küppersbusch in einem riesigen virtuellen Studio sitzt, für das eine ganze Batterie von Computern live die Details der Raufasertapete errechnet, um diese Illusion zu erzeugen, es handele sich bloß um ein schäbiges Büro, aus dem wir senden. (Kl. Scherz.)
Anders als beim „Echo“ damals regiert beim „Tagesschaum“ definitiv nicht das Bedenkenträgertum, eher im Gegenteil: Manchmal fragen wir uns sogar, ob wir uns nicht häufiger fragen müssten, ob eine Idee, für die wir uns begeistern können, eine wortspielverliebte Gedankenverknotung überhaupt eine Chance hat, von den Menschen an den Empfangsgeräten verstanden zu werden. Letztlich sind die einzigen relevanten Bedenken bei der Arbeit aber: Ist das originell und schlau genug? (Oder anders gefragt: Gefällt’s Küppersbusch?)
Wenn wir uns an der unfassbaren Fassungslosigkeit Sigmund Gottliebs abarbeiten wollen, ist das trotz ARD-Verwandtschaft kein Problem, und ich wette, wenn wir die Sache interessant genug gefunden hätten, wäre es auch möglich gewesen, in unserer WDR-Sendung die Kontroverse um Carolin Kebekus und ihre vermeintlich zensierte WDR-Sendung zum Thema zu machen.
Die Kritiken waren teilweise so wohlwollend, dass wir froh waren, jetzt noch mehrere Dutzend Sendungen lang die Chance zu haben, so gut zu werden, wie die Kollegen uns fanden. Die Quote ist dagegen überschaubar (zwischen 70.000 und 250.000 Zuschauer hatten die Sendungen im WDR-Fernsehen), was bei einer Show, die erkennbar nicht auf größtmögliche Massenattraktivität angelegt ist, vielleicht auch kein Wunder ist. Was mich ein bisschen enttäuscht: Dass der „Tagesschaum“ im Netz nicht mehr Blasen schlägt — für ein bisschen Viralität müssten Beiträge wie der über Gottlieb, unser Kandidat für den Grand Prix Eurovision de la Schaumson, die Kalauer-Kaskade zu Dieter Hundt oder die Miniatur „Meilensteine der Gesäß-Fotografie“ doch eigentlich taugen.
Na, schaumermal, was da noch geht. Ich freue mich, dass ich an dem Experiment bis zur Bundestagswahl mitwerkeln darf. Und wenn Sie sich nicht durch unseren ganzen Zwei-Wochenschaum klicken wollen, empfehle ich für einen guten Eindruck die Folgen 6 oder 2.
„Tagesschaum“ läuft montags, dienstags und donnerstags um 23:15 Uhr im WDR, kurz davor auf Eins Festival und sobald es fertig ist auf YouTube.










Allerdings hatten die Mitreisenden eine hilfreiche „Delegationsbroschüre“ bekommen (links), und in der war auch Dr. Dietrich von Klaeden von der Axel Springer AG aufgeführt — einsortiert mit Journalisten unter anderem von dpa, N24, NDR und Bild.de als „Vertreter der Presse und Medien“.




