{"id":10020,"date":"2010-09-01T00:24:13","date_gmt":"2010-08-31T22:24:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/?p=10020"},"modified":"2010-09-01T00:47:47","modified_gmt":"2010-08-31T22:47:47","slug":"hauck-bauer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/10020\/hauck-bauer\/","title":{"rendered":"Hauck &#038; Bauer"},"content":{"rendered":"<p><img align=\"left\" src='http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-content\/hauck_bauer_sackgasse.gif' alt='' \/><em>Vorwort zum Buch <b><a href=\"http:\/\/www.kunstmann.de\/Kunstmann\/TXTSIArtikel\/978-3-88897-685-8_Hier%20entsteht%20f%C3%BCr%20Sie%20eine%20neue%20Sackgasse\">&#8222;Hier entsteht f\u00fcr Sie eine neue Sackgasse&#8220;<\/a><\/b>.<\/em> <\/p>\n<p>Ich finde die Cartoons von Hauck &#038; Bauer total lustig.<\/p>\n<p>In einer perfekten Welt w\u00fcrde dieser Satz reichen. Man w\u00fcrde ihn einfach aufs Cover schreiben, und die Leute in den Buchhandlungen w\u00fcrden beim Vorbeigehen stutzen und zueinander sagen: &#8222;Kuck mal, Ulla, ich wei\u00df zwar nicht, wer dieser &#8218;Niggemeier&#8216; ist, aber der kennt sich bestimmt aus; lass uns doch ein Buch mitnehmen oder besser gleich zwei, weil Lustiges kann man ja nie genug haben&#8220;, und allen w\u00e4re gedient: mir, den am\u00fcsierbereiten K\u00e4ufern, dem Verlag und nicht zuletzt den sympathischen jungen Herren namens Elias Hauck und Dominik Bauer.<\/p>\n<p>Dass es keine perfekte Welt ist, merken Sie schon daran, dass dieser Text nicht auf dem Cover steht, sondern sich im Buch versteckt. Und nun wei\u00df ich zwar weder, was das f\u00fcr Menschen sind, die sich in einem Buch mit Witzbildchen ausgerechnet den witz- und bildlosen Text durchlesen, noch, was sie sich davon versprechen, aber ich f\u00fcrchte: jedenfalls mehr als einen Satz.<\/p>\n<p>Ich habe mir deshalb Gedanken gemacht, was die Cartoons von Hauck &#038; Bauer so lustig macht. Ich bin daf\u00fcr nicht besonders pr\u00e4destiniert, ich bin ja kein Experte, sondern schreibe nur zuf\u00e4llig eine Fernsehkolumne in der &#8222;Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung&#8220;, in der am Rande des Gesellschaftsteils die wunderbare Reihe &#8222;Am Rande der Gesellschaft&#8220; erscheint (wenn Sie die Wirtschaftsteile unauff\u00e4llig entfernen, liegen sie direkt aufeinander, meine Texte und deren Cartoons). Aber ich bin Fan, und nach l\u00e4ngerem Gr\u00fcbeln ist mir eine Erkl\u00e4rung eingefallen: Diese gezeichneten Szenen funktionieren wie Stenographie, wie eine Kurzschrift auf das Leben. Im Geist erg\u00e4nzen wir die d\u00fcrren Linien zu kompletten Portraits und die kargen Dialoge zu vollst\u00e4ndigen Geschichten. <\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, wie sie das machen, und ich will nicht ausschlie\u00dfen, dass es nur meine Einbildung ist, aber das Schaf zum Beispiel, das da auf einem H\u00fcgel steht und versuchsweise &#8222;M\u00f6\u00f6h&#8220; sagt, bis es vom Sch\u00e4fer zur Ordnung gerufen wird &#8211; ich bin \u00fcberzeugt davon, dass es mich im vierten Panel mit hochgezogenen Augenbrauen anguckt, wie ein Komiker, der am Ende eines Sketches stumpf in die Kamera schaut. Nun haben nicht nur Schafe keine richtigen Augenbrauen, sondern das Zeichenschaf auch nicht einmal ein Gesicht. Nur einen Kreis mit einem Blumenkohlkringel als Flauschkopf. Und trotzdem guckt es mich provozierend an. <\/p>\n<p>Zwei, drei Striche auf einem Kopf identifizieren wir sofort als einen Scheitel, und den Mann, der ihn tr\u00e4gt, als eine typische Figur aus der Nachbarschaft. Die Leute, die die Cartoons von Hauck &#038; Bauer bev\u00f6lkern, sehen nat\u00fcrlich selten so aus wie wir oder unsere Freunde, sondern wie die etwas komischen Leute, die im Supermarkt vor einem stehen oder in der Bahn hinter einem sitzen. Es sind keine Karikaturen von Extremen: Der gr\u00f6\u00dfte Teil des Personals, das in der Welt von Hauck &#038; Bauer lebt, sind mittelalte, unauff\u00e4llige, ein bisschen spie\u00dfige Menschen. Aber sie haben Charakter, sie scheinen auch au\u00dferhalb der Umrandung der Zeichnung zu existieren, man kann sie wieder erkennen: Sie sind lebensecht. Das ist erstaunlich angesichts der minimalistischen, fl\u00fcchtig hingeworfen wirkenden Art, in der sie gezeichnet sind. Aber die paar Striche sind alles, was wir brauchen, um die Figuren im Kopf selbst auszumalen. <\/p>\n<p>Jener Mann zum Beispiel, der vor der Seminart\u00fcr steht und feststellen muss, dass der Kurs &#8222;Positiv denken&#8220; leider ausf\u00e4llt. Der Witz lebt nicht zuletzt von der echten Tragik, die sich in in seinen Augen spiegelt und dadurch noch verst\u00e4rkt wird, dass er ganz offenkundig seine Hausaufgaben gemacht hat: Worin auch immer sie bestanden haben m\u00f6gen, er tr\u00e4gt sie als Stapel brav unter dem Arm. Sie sind Papier gewordenes Symbol f\u00fcr die Hoffnung, die sich dieser Mann gemacht hat, und f\u00fcr die unverschuldete Entt\u00e4uschung, die sicher Spuren hinterlassen wird. Wir wissen ungef\u00e4hr nichts \u00fcber diese traurige Figur, aber wir ahnen alles.<\/p>\n<p>Die Cartoons sind Alltagsbeobachtungen, mal b\u00f6se, mal tragikomisch. Die Geschichten, die Dominik Bauer sich ausdenkt und Elias Hauck zeichnet, schaffen das Kunstst\u00fcck, gleichzeitig wahr und abseitig zu sein.<\/p>\n<p>Es sind Miniaturen, die die Natur des Menschen und die Komplexit\u00e4t der modernen Welt als Resonanzk\u00f6rper&#8230; <\/p>\n<p>Nein, Moment. Das ist Unsinn. Vermutlich tut man Hauck &#038; Bauer und ihren Cartoons damit Unrecht. Auch ein Strichm\u00e4nnchen hat ein Recht darauf, einfach Strichm\u00e4nnchen zu sein und ein Witz nur ein Witz.<\/p>\n<p>Denn auch und vor allem das zeichnet die Werke in diesem Buch aus: Die hemmungslose Lust am Unfug. Eine bekloppte Situation zu schaffen, einen Kalauer auszureizen, eine billige Pointe zu veredeln &#8211; herrlich albern zu sein. Sie schaffen das mit einem traumwandlerischen Gesp\u00fcr f\u00fcr das Absurde, das im Normalen steckt und nur einen winzigen Millimeter neben dem Bekannten liegt, und einer bewundernswerten Leichtigkeit.<\/p>\n<p>Aber ich f\u00fcrchte, ich bin damit dann doch wieder bei dem Satz: Ich finde die Cartoons von Hauck &#038; Bauer total lustig. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorwort zum Buch &#8222;Hier entsteht f\u00fcr Sie eine neue Sackgasse&#8220;. Ich finde die Cartoons von Hauck &#038; Bauer total lustig. 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