{"id":10394,"date":"2010-11-22T19:42:32","date_gmt":"2010-11-22T18:42:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/?p=10394"},"modified":"2010-11-23T21:45:10","modified_gmt":"2010-11-23T20:45:10","slug":"dumont-kommunizieren-wie-nordkorea","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/10394\/dumont-kommunizieren-wie-nordkorea\/","title":{"rendered":"DuMont: Kommunizieren wie Nordkorea"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt sind sie wirklich verr\u00fcckt geworden bei M. Dumont Schauberg (MDS), und ich meine damit nicht den Verlegersohn. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"border:0;\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/81588228ceeb4567ad27f92f42c9f86d\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n<p>Seit Wochen demonstriert das Unternehmen, dass es ein Kommunikationsproblem hat, das viel gr\u00f6\u00dfer ist als der merkw\u00fcrdige Mitteilungsdrang von Konstantin Neven DuMont. Im Verlag glaubt man, selbst bestimmen zu k\u00f6nnen, wie viel in anderen Medien \u00fcber den Machtkampf, der im Haus tobt, berichtet wird. Zun\u00e4chst versuchte man es mit Totstellen und Schweigen, dann mit einer politb\u00fcrohaften Verlautbarung. Weil sich beides als untauglich erwies, die Berichterstattung zu stoppen oder wenigstens im eigenen Sinne zu beeinflussen (was au\u00dferhalb des Verlages niemanden \u00fcberrascht haben wird), greift das Haus nun zum n\u00e4chsten klassischen Mittel und geht zum propagandistischen Gegenangriff \u00fcber. <\/p>\n<p><img align=\"left\" src='http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-content\/mds_form.gif' alt='' title='Ausriss: \"K\u00f6lner Stadt-Anzeiger\"' \/>Es ist ein groteskes Zerrbild, das Chefredakteur Peter Pauls am vergangenen Samstag in seinem Kommentar im &#8222;K\u00f6lner Stadt-Anzeiger&#8220; zeichnet. Einerseits spielt er die spektakul\u00e4re Auseinandersetzung zwischen Konstantin Neven DuMont und seinem Vater zu einem &#8222;internen Vorgang&#8220; herunter. &#8222;Solche Umst\u00e4nde&#8220;, wie Pauls sie mit erkennbarem Willen zur Verschleierung nennt, gebe es &#8222;t\u00e4glich in Wirtschaftsbetrieben&#8220;. Es handele sich um eine &#8222;interne Personalie&#8220;. Andererseits tut er so, als w\u00fcrde ausschlie\u00dflich die Axel-Springer-AG \u00fcber die Vorg\u00e4nge im Haus berichten, und vergleicht deren aktuelle Berichterstattung \u00fcber die Vorg\u00e4nge im Unternehmen allen Ernstes mit der Hetze von &#8222;Bild&#8220; auf die Studenten Ende der sechziger Jahre. &#8222;Ununterbrochen und in kampagnenhaft anmutender Weise&#8220; berichte das Blatt und blase die Sache zur &#8222;Staatsaff\u00e4re&#8220; auf.<\/p>\n<p>Als Motivation f\u00fcr den &#8222;Angriff auf K\u00f6ln&#8220; vermutet Pauls, dass Springer die Konkurrenz ausschalten will. Zu DuMont geh\u00f6ren inzwischen auch die &#8222;Bild&#8220;-Konkurrenzbl\u00e4tter &#8222;Berliner Kurier&#8220; und &#8222;Hamburger Morgenpost&#8220;; &#8222;solcher Wettbewerb&#8220; sei Springer wohl &#8222;ein Dorn im Auge&#8220;. Dass Springer b\u00f6se \u00fcber DuMont Schauberg berichtet, erscheint besonders sch\u00e4big angesichts der paradieshaften Zust\u00e4nde, die in dem K\u00f6lner Unternehmen zu herrschen scheinen. Es stehe &#8222;im Wettbewerb gl\u00e4nzend da&#8220;, habe &#8222;auch in der j\u00fcngeren Vergangenheit mehrfach positiv von sich reden gemacht&#8220;, und eine iPad-Anwendung f\u00fcr den &#8222;Stadt-Anzeiger&#8220; herausgebracht, die &#8222;von Beginn an erfolgreich&#8220; sei, schreibt Pauls, und wer wei\u00df, vielleicht kommt ja dank seines aufopferungsvollsten Einsatzes bald die Bernd-Stromberg-Ehrenmedaille f\u00fcr die peinlichste Selbstglorifizierung eines Mediums hinzu. <\/p>\n<p><img align=\"right\" style=\"margin-right:0px;margin-left:10px;\" src='http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-content\/express_kampagne.gif' alt='' title='Ausriss: \"Express\" (via \"Meedia\")' \/>Er m\u00fcsste sich dazu nat\u00fcrlich erst gegen Berndt Thiel durchsetzen, der in einer konzertierten Aktion (lustigerweise exakt das, was Pauls Springer vorwirft) am selben Tag im &#8222;Express&#8220; einen Kommentar mit teils wortgleichen Formulierungen ver\u00f6ffentlicht hat. Sein Artikel beginnt mit den Worten: &#8222;Ein Vater, ein Sohn, ein Unternehmen, unterschiedliche Ansichten &#8212; ein Stoff f\u00fcr Schlagzeilen? Ein Stoff f\u00fcr H\u00e4me?&#8220; Das fragt der stellvertretende Chefredakteur eines Blattes, das dieselben Fragen bei ungleich nichtigeren Anl\u00e4ssen entschieden mit &#8222;Ja&#8220; beantwortet. Man muss ihn fast bewundern daf\u00fcr, dass er sich diese Fassungslosigkeit abringen konnte.<\/p>\n<p>Thiel zitiert aus einem Brief, den DuMont-Vorstand Franz Sommerfeld an den Springer-Vorstand Mathias D\u00f6pfner geschrieben habe: <\/p>\n<blockquote><p>Die &#8222;Bild&#8220;-Zeitung badet sich in den Schwierigkeiten einer Familie, die sich um die deutsche Zeitungslandschaft und um Deutschland verdient gemacht hat  \u2026 Man kann in den Umbr\u00fcchen der Internetzeit \u00fcber einen allgemeinen R\u00fcckgang ethischer Normen klagen, aber in meinem Verst\u00e4ndnis gelten gerade im publizistischen Gewerbe die einfachen Regeln menschlichen Anstandes und journalistischer Wahrhaftigkeit. Sie werden in den Bl\u00e4ttern Ihres Hauses zurzeit t\u00e4glich verletzt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ohne Frage &#8212; aber doch eher weniger in der Berichterstattung dar\u00fcber, wer in Zukunft dieses pr\u00e4chtige, ehrenwerte Verlagshaus f\u00fchrt. <\/p>\n<p>Die Wortwahl der DuMont-Leute l\u00e4sst keinen Zweifel, dass sie sich nicht nur an der konkreten Berichterstattung von &#8222;Bild&#8220; st\u00f6ren, sondern es f\u00fcr eine Zumutung halten, es \u00fcberhaupt hinnehmen zu m\u00fcssen, dass \u00fcber ihr Haus berichtet wird. Ihre Emp\u00f6rung ist ein gutes Indiz daf\u00fcr, wie wenig selbstverst\u00e4ndlich Medienjournalismus in Deutschland immer noch ist, und in welchem Ma\u00dfe Journalisten es ablehnen, Gegenstand von Journalismus zu werden.<\/p>\n<p>Es mag schon sein, dass die &#8222;Bild&#8220;-Zeitung die Situation <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/regional\/koeln\/aktuell\/2010\/11\/20\/zoff-bei-neven-dumont\/sohn-ungeduldig-aber-der-vater-macht-urlaub-auf-malle.html\">genie\u00dft und ausschlachtet<\/a>. Aber dass der Stoff daf\u00fcr \u00fcberhaupt so reichhaltig vorhanden ist, liegt am Kommunikationsverhalten Konstantin Neven DuMonts, der ununterbrochen mit ihr zu reden scheint, und des Verlages, der durch sein Schweigen und unglaubw\u00fcrdiges Sch\u00f6nreden die Spekulationen befeuert.<\/p>\n<p>Pauls erinnert an die sechziger und siebziger Jahre, als K\u00f6ln mit &#8222;seinem <em>(sic!)<\/em> &#8218;Express&#8216; f\u00fcr Springer das gewesen ist, was das kleine gallische Dorf f\u00fcr die R\u00f6mer war&#8220;. Tats\u00e4chlich ist in K\u00f6ln heute eher Springer in dieser Rolle: MDS beherrscht in dramatischer Weise die Stadt und ihre Publizistik. Ausgerechnet &#8222;Bild&#8220; kommt hier die Rolle zu, gelegentlich fast so etwas wie Gegen\u00f6ffentlichkeit herzustellen \u2013 jedenfalls wenn es, wie hier, um den die Stadt dominierenden Verlag selbst geht.<\/p>\n<p>&#8222;Das Haus hat die neuen Herausforderungen der digitalen Welt gl\u00e4nzend gemeistert&#8220;, schreibt Berndt Thiel, und der Satz w\u00e4re schon unter normalen Umst\u00e4nden eine Anma\u00dfung. Aber zu den &#8222;Herausforderungen der digitalen Welt&#8220; geh\u00f6rt auch, dass es schwieriger geworden ist f\u00fcr ein Unternehmen, auch ein Beinah-Monopol-Unternehmen, Dinge totzuschweigen. Jemand wie Konstantin Neven DuMont br\u00e4uchte gar nicht mehr die &#8222;Bild&#8220;-Zeitung, um PR-Formulierungen wie das von seiner <a href=\"http:\/\/www.dumont.de\/dumont\/de\/101962\/presse\">&#8222;Beurlaubung auf eigenen Wunsch&#8220;<\/a>, als L\u00fcgen zur Gesichtswahrung zu entlarven. Er kann sich auf Twitter und Facebook \u00e4u\u00dfern und in Blogs kommentieren. Und auf der anderen Seite ist die Unternehmenskommunikation damit besch\u00e4ftigt, zu schweigen, an dem festzuhalten, was niemand mehr glaubt, und das nicht mehr zu Leugnende weder zu dementieren noch zu best\u00e4tigen. Alfred Neven DuMont ist sogar noch stolz darauf und <a href=\"http:\/\/meedia.de\/nc\/details-topstory\/article\/alfred-neven-dumont-bricht-sein-schweigen_100031556.html\">betont in einem Brief an die Mitarbeiter<\/a>: &#8222;Die Firma hat, wie Ihnen bekannt ist, nicht zuletzt auf meine Initiative hin, auf jede Art von Stellungnahmen oder Kommentaren verzichtet.&#8220; <\/p>\n<p>Der Verlag l\u00e4sst Konstantin Neven DuMont <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/medien\/konstantin-neven-dumont-kein-fr-herausgeber-mehr-1.1025132\">als Herausgeber aus dem Impressum der &#8222;Frankfurter Rundschau&#8220; streichen<\/a>, hofft aber einfach mal, dass das niemandem auff\u00e4llt. Er verschenkt die Chance, selbst aktiv der \u00d6ffentlichkeit mitzuteilen, was da passiert, warum es passiert ist und was da noch passieren wird. Er tr\u00e4gt dazu bei, dass die Geschichte in der \u00d6ffentlichkeit als eine Seifenoper in vielen Fortsetzungen wahrgenommen wird. An keiner Stelle kommuniziert er transparent oder auch nur vorausschauend.<\/p>\n<p>Bei MDS hat man offenbar geglaubt, man m\u00fcsse nur hartn\u00e4ckig genug so tun, als handele es sich nur um &#8222;interne Vorg\u00e4nge&#8220;, die niemanden interessiern, damit sie tats\u00e4chlich niemanden interessieren. Man muss sich immer wieder gewaltsam in Erinnerung rufen, dass wir es hier mit Leuten zu tun haben, deren Beruf die Kommunikation ist. <\/p>\n<p>Nun, da die eigene Strategie (wenn man das Chaos einmal euphemistisch so nennen will) gescheitert ist, stilisiert man sich als Opfer einer Kampagne und gibt sich vollends der L\u00e4cherlichkeit Preis: &#8222;Die Mediengruppe M. DuMont Schauberg ruft auch den Deutschen Presserat \u2013 das Kontrollorgan der deutschen Medien \u2013 an&#8220;, verlautbart Berndt Thiel ausgerechnet im &#8222;Express&#8220;. Gegen die Formulierung von &#8222;Welt&#8220;-Autor Michael St\u00fcrmer, wenn der Verlegerssohn sich seinen Anteil auszahlen lassen wolle, k\u00f6nnte das &#8222;in der gegenw\u00e4rtigen Lage f\u00fcr das Verlagshaus zu einer ernsten Krise f\u00fchren, f\u00fcr deren Bew\u00e4ltigung das Geld fehlt&#8220; will MDS sogar juristisch vorgehen. Der Satz ist aus der <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/print\/die_welt\/debatte\/article11014478\/Machtkampf-im-Hause-DuMont.html\">Online-Version des Artikels<\/a> gel\u00f6scht worden.<\/p>\n<p>Der &#8222;Express&#8220; zitiert Alfred Neven DuMont mit dem Satz: &#8222;Ich bin \u00fcberzeugt, dass die K\u00f6lner wissen, wo die Wahrheit liegt.&#8220; Woher die K\u00f6lner die &#8222;Wahrheit&#8220; kennen sollen, l\u00e4sst er offen. Aus seinen Zeitungen haben sie sie nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt sind sie wirklich verr\u00fcckt geworden bei M. Dumont Schauberg (MDS), und ich meine damit nicht den Verlegersohn. Seit Wochen demonstriert das Unternehmen, dass es ein Kommunikationsproblem hat, das viel gr\u00f6\u00dfer ist als der merkw\u00fcrdige Mitteilungsdrang von Konstantin Neven DuMont. 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