{"id":13938,"date":"2012-09-05T23:04:45","date_gmt":"2012-09-05T21:04:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/?p=13938"},"modified":"2012-09-05T23:04:45","modified_gmt":"2012-09-05T21:04:45","slug":"im-kampf-fuer-die-verlage-und-gegen-die-wahrheit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/13938\/im-kampf-fuer-die-verlage-und-gegen-die-wahrheit\/","title":{"rendered":"Im Kampf f\u00fcr die Verlage und gegen die Wahrheit"},"content":{"rendered":"<p>Roland Pimpl, der Hamburg-Korrespondent der Medien- und Marketing-Fachzeitung &#8222;Horizont&#8220;, hat in der vorigen Ausgabe ein flammendes Pl\u00e4doyer geschrieben gegen die &#8222;Missachtung dessen, was Verlage eigentlich so machen&#8220;.<\/p>\n<p>Er staunt, dass Autoren wie &#8222;Don Alphonso&#8220;, Thomas Kn\u00fcwer und ich uns angeblich &#8222;stets mit Furor an der Verlagswirtschaft abarbeiten&#8220;, aber &#8222;dann, wenn\u2019s ums Geldverdienen geht, nun doch gerne mal an eines dieser ewiggestrigen H\u00e4user binden&#8220;. Er lobt, was die Verlage alles tun und wie sie die Aufmerksamkeit f\u00fcr unsere Texte und unsere Einnahmen erh\u00f6hen. Und damit hat er auch nicht grunds\u00e4tzlich Unrecht, au\u00dfer dass er so tut, als t\u00e4ten die Verlage das uneigenn\u00fctzig und nicht, weil es ihr Gesch\u00e4ft ist.  <\/p>\n<p>Pimpl folgert daraus, dass es richtig und gerecht und notwendig ist, dass die Verlage ein eigenes Leistungsschutzrecht bekommen. Und dass sie auch in Zukunft einen Teil des Geldes bekommen, das zum Beispiel die Hersteller von Kopierern und Betreiber von Copy-Shops daf\u00fcr zahlen m\u00fcssen, dass urheberrechtlich gesch\u00fctzte Inhalte auf ihren Ger\u00e4ten vervielf\u00e4ltigt werden. <\/p>\n<p>Diese pauschalen Verg\u00fctungen sammelt die Verwertungsgesellschaft VG Wort ein und sch\u00fcttet sie an die Urheber aus &#8212; gibt aber einen erheblichen Teil (bei der sogenannten &#8222;Reprographieabgabe&#8220; 30 Prozent) vorher an die Verlage weiter. Diese Praxis hat das Landgericht M\u00fcnchen in einem (noch nichts rechtskr\u00e4ftigen) <a href=\"http:\/\/www.irights.info\/index.php?q=node\/2223&#038;Kategorie=Homepage\">Urteil vor einigen Monaten in Frage gestellt<\/a>. <\/p>\n<p>Roland Pimpl schreibt nun in seinem Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Verlage, dass es aufgrund ihrer Leistungen, von denen auch der Autor profitiert, &#8222;nur recht und billig ist, dass ebenso die Verlage an VG-Wort-Aussch\u00fcttungen beteiligt werden&#8220;<\/p>\n<blockquote><p>Denn, nur noch mal zur Erinnerung: Kein Autor, kein Journalist, kein Schreiber muss einen Wahrnehmungsvertrag mit der VG Wort abschlie\u00dfen. Man kann auch auf eigene Faust nach Zweitnutzungen seiner Texte fahnden und Tantiemen eintreiben &#8212; dann w\u00fcrde der Verlag erstmal au\u00dfen vor bleiben. Und, nochmals, man muss auch nicht f\u00fcr einen Verlag schreiben, sondern kann auch seine eigene Website betreiben &#8212; und dann alle Inhalte gro\u00dfherzig und netzweltig zum Kopieren freigeben. Viel Spa\u00df mit diesem Gesch\u00e4ftsmodell, liebe Kollegen!<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Schluss ist nat\u00fcrlich reine Polemik. Aber die S\u00e4tze davor zeugen von erschreckender Ahnungslosigkeit. <\/p>\n<p>Man kann als Urheber eben nicht auf eigene Faust die Verg\u00fctungen f\u00fcr das Kopieren seiner Texte etwa in Copy-Shops eintreiben. Das ist auch nicht, wie Pimpl auf meine Nachfrage <a href=\"http:\/\/www.presseschauder.de\/dokumentiert-wer-braucht-schon-einen-verlag-zum-schreiben\/#comment-3780\">behauptet hat<\/a>, blo\u00df eine Frage der Praktikabilit\u00e4t, sondern des Gesetzes. <\/p>\n<p>Im Urheberrechtsgesetz hei\u00dft es in Paragraph 54h:<\/p>\n<blockquote><p>Die Anspr\u00fcche nach den \u00a7\u00a7 54 bis 54c, 54e Abs. 2, \u00a7\u00a7 54f und 54g k\u00f6nnen nur durch eine Verwertungsgesellschaft geltend gemacht werden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Zu den genannten Anspr\u00fcchen geh\u00f6ren die Verg\u00fctungen f\u00fcr Hersteller und Betreiber von &#8222;Speichermedien&#8220; wie Kopierern.<\/p>\n<p>Um es <a href=\"http:\/\/www.vgwort.de\/einnahmen-tarife\/vervielfaeltigen.html\">mit der VG Wort selbst<\/a> zu sagen:<\/p>\n<blockquote><p>Der Verg\u00fctungsanspruch der Urheber f\u00fcr Vervielf\u00e4ltigungen ihrer Werke zum privaten und eigenen Gebrauch ist im UrhG (\u00a7\u00a7 54 &#8211; 54 h) geregelt.<\/p>\n<p>Der Verg\u00fctungsanspruch kann allerdings nur durch eine Verwertungsgesellschaft geltend gemacht werden. Hier beginnt die Zust\u00e4ndigkeit der VG WORT. Sie legt die Verg\u00fctungsh\u00f6he fest, stellt Tarife auf und schlie\u00dft Gesamtvertr\u00e4ge mit den Verb\u00e4nden der Verg\u00fctungspflichtigen ab.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich kann die mir als Urheber (und nicht dem Verlag) zustehenden Verg\u00fctungen also nur bekommen, wenn ich einen Wahrnehmungsvertrag mit der VG Wort abschlie\u00dfe. Dann muss ich aber in Kauf nehmen, dass die VG Wort einen Teil des mir als Urheber (und nicht dem Verlag) zustehenden Geldes an die Verlage weiterreicht.<\/p>\n<p>Dem Hamburg-Korrespondenten der Medien- und Marketing-Fachzeitung &#8222;Horizont&#8220; scheint das nicht bekannt zu sein. Auch auf meinen Einspruch hin <a href=\"http:\/\/www.presseschauder.de\/dokumentiert-wer-braucht-schon-einen-verlag-zum-schreiben\/#comment-3780\">wiederholte er in verschiedenen, aber gleicherma\u00dfen falschen Variationen<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>Sie als Autor m\u00fcssen keinen Wahrnehmungsvertrag mit der VG Wort abschlie\u00dfen, sondern Sie k\u00f6nnen Ihre laut Gesetz Ihnen als Urheber zustehenden Verg\u00fctungen auch alleine eintreiben. Das hei\u00dft: Bei allen Copyshops kontrollieren, wer Ihre Texte kopiert und Ihre Anspr\u00fcche geltend machen. (&#8230;) Mir ist schon klar, dass das kaum praktikabel ist, weil die Transaktionskosten f\u00fcr jeden einzelnen Autor h\u00f6her sind als die zu erwartende Verg\u00fctung. F\u00fcr eine saubere Diskussion ist es aber wichtig festzuhalten: Es ist (de jure) m\u00f6glich \u2013 aber eben ineffizient. (&#8230;)<\/p>\n<p>Jetzt kann man nat\u00fcrlich dar\u00fcber diskutieren, ob es &#8222;gerecht&#8220; ist, dass die Verlage einen Teil der Einnahmen abbekommen, wenn Autoren freiwillig (!) die VG Wort mit der Wahrnehmung ihrer Rechte betrauen. (&#8230;)<\/p><\/blockquote>\n<p>Unabh\u00e4ngig davon, wie man zum Leistungsschutzrecht und zur Verlagsbeteiligung an den Aussch\u00fcttungen der VG Wort steht, ist Pimpls Argumentation sachlich falsch.<\/p>\n<p>Nun h\u00e4tte ich mich daran vermutlich nicht so abgearbeitet, wenn der Axel-Springer-Oberlobbyist Christoph Keese, der in seiner Freizeit f\u00fcr seinen Arbeitgeber bloggt, diesen Artikel nicht <a href=\"http:\/\/www.presseschauder.de\/dokumentiert-wer-braucht-schon-einen-verlag-zum-schreiben\/\">stolz zweitver\u00f6ffentlicht h\u00e4tte<\/a>. Weil Pimpls &#8222;pointierter Text&#8220; nach seiner Meinung &#8222;illustriert, was Verlage tun und welchen Beitrag in der Wertsch\u00f6pfungskette sie erbringen&#8220;.<\/p>\n<p>Keese hatte schon im M\u00e4rz dieses Jahres <a href=\"http:\/\/www.presseschauder.de\/unbegrundete-sorgen-anlasslich-des-leistungsschutzrechts\/#comment-2209\">zun\u00e4chst falsch behauptet<\/a>: &#8222;Ger\u00e4te- und Kopierabgaben flie\u00dfen nur den Autoren zu, nicht den Verlagen.&#8220;<\/p>\n<p>Und nun <a href=\"http:\/\/www.presseschauder.de\/dokumentiert-wer-braucht-schon-einen-verlag-zum-schreiben\/\">ver\u00f6ffentlicht er diesen Text<\/a> mit diesem zentralen sachlichen Fehler. Es gibt zwei M\u00f6glichkeiten: Entweder hat Christoph Keese, Konzerngesch\u00e4ftsf\u00fchrer &#8222;Public Affairs&#8220; der Axel-Springer-AG, keine Ahnung, wie die VG Wort funktioniert. Oder er schreckt nicht davor zur\u00fcck, die Unwahrheit zu\u00a0verbreiten, wenn sie der Sache seines Verlages und der Verlage insgesamt dient.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Roland Pimpl, der Hamburg-Korrespondent der Medien- und Marketing-Fachzeitung &#8222;Horizont&#8220;, hat in der vorigen Ausgabe ein flammendes Pl\u00e4doyer geschrieben gegen die &#8222;Missachtung dessen, was Verlage eigentlich so machen&#8220;. Er staunt, dass Autoren wie &#8222;Don Alphonso&#8220;, Thomas Kn\u00fcwer und ich uns angeblich &#8222;stets mit Furor an der Verlagswirtschaft abarbeiten&#8220;, aber &#8222;dann, wenn\u2019s ums Geldverdienen geht, nun doch<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[86,724,942,1349,1350],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13938"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13938"}],"version-history":[{"count":9,"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13938\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13947,"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13938\/revisions\/13947"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13938"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13938"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13938"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}