{"id":14184,"date":"2009-01-14T12:50:23","date_gmt":"2009-01-14T11:50:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/?p=14184"},"modified":"2012-10-14T17:53:10","modified_gmt":"2012-10-14T15:53:10","slug":"schwieriges-auswaertsspiel-fuer-die-tsg-merkel-09","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/14184\/schwieriges-auswaertsspiel-fuer-die-tsg-merkel-09\/","title":{"rendered":"Schwieriges Ausw\u00e4rtsspiel f\u00fcr die TSG Merkel 09"},"content":{"rendered":"<p>Bundeskanzlerin Angela Merkel sollte den Satz vervollst\u00e4ndigen: &#8222;Wer nicht wei\u00df, was sich hinter dem K\u00fcrzel TSG verbirgt&#8230;&#8220; Sie hatte sogar noch den Tipp bekommen, dass es um Wiesbaden geht. Aber sie schaute von einem Interviewer zum anderen, schwieg, schaute vom anderen Interviewer zum einen, schwieg immer noch und entschied sich schlie\u00dflich kurzzeitig f\u00fcr diesen Ausdruck v\u00f6lliger Ratlosigkeit: <\/p>\n<p><img src='http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-content\/merkel_tsg.jpeg' alt='' \/><\/p>\n<p>Thorsten Sch\u00e4fer-G\u00fcmbel? &#8222;TSG hab ich, ehrlich gesagt, jetzt eher f\u00fcr &#8217;nen Sportverein gehalten in diesem Zusammenhang.&#8220;<\/p>\n<p>Gut, andererseits hatte sie auch weder vier Alternativen zur Auswahl, noch durfte sie jemanden anrufen. \u00dcberhaupt war es ein ungew\u00f6hnlicher Abend bei ARD und ZDF. Beide Sender hatten sich in einer spektakul\u00e4ren konzertierten Aktion entschieden, ein Einzelgespr\u00e4ch mit einem nicht unbedeutenden Politiker ausnahmsweise weder von Reinhold Beckmann noch von Johannes B. Kerner f\u00fchren zu lassen, sondern Nachwuchskr\u00e4ften eine Chance zu geben: sogenannten politischen Journalisten. Anl\u00e4sslich des irgendwie historischen Konjunkturpaketes tingelte Frau Merkel durch die Hauptstadtstudios und stellte sich unter anderem den Fragen von Thomas Baumann und Ulrich Deppendorf im Ersten <a href=\"http:\/\/www.ardmediathek.de\/ard\/servlet\/content\/1369186\">(Video)<\/a> sowie Bettina Schausten und Peter Frey im Zweiten <a href=\"http:\/\/www.zdf.de\/ZDFmediathek\/content\/650886\">(Video)<\/a>.<\/p>\n<p>Verbl\u00fcfft erinnerte sich der Zuschauer, dass es tats\u00e4chlich die alten Interviewformate noch gibt, die sogar schicke moderne Vorsp\u00e4nne haben, allerdings nur noch selten den Beginn des \u00f6ffentlich-rechtlichen Unterhaltungsprogramms verschieben. 2002 lief &#8222;Was nun, &#8230;?&#8220; noch etwa monatlich im ZDF &#8211; inzwischen sind es im Schnitt nur noch zwei Sendungen j\u00e4hrlich. Es ist zudem eine reine Kanzlerfragesendung geworden: Frau Merkel war jetzt das dritte Mal in Folge da. Alle anderen gehen wohl zu Kerner. Das ARD-Gegenst\u00fcck &#8222;Farbe bekennen&#8220; hatte ohnehin nie eine gr\u00f6\u00dfere Pr\u00e4senz im Programm.  <\/p>\n<p>Nun haben solche Programm-Entscheidungen immer zwei Seiten. Gut war, dass kein Beckmann Frau Merkel fragte, wie sich das &#8222;anf\u00fchlt&#8220;, so ein Konjunkturpaket beschlossen zu haben. Nicht so gut war, dass ARD-Chefredakteur Baumann stattdessen glaubte, das Interesse der Zuschauer am besten dadurch zu gewinnen, dass er die Monumentalit\u00e4t des Ereignisses in den ersten Satz gerinnen lie\u00df: &#8222;Der zw\u00f6lfte Tag des Jahres war politisch wahrscheinlich schon einer der wichtigsten.&#8220; Von diesem Tonfall sollte sich die ganze Sendung nicht mehr berappeln, Kanzlerin und Moderatoren tauschten entschlossen bis grimmig technische Fachbegriffe und b\u00fcrokratische Superw\u00f6rter aus.<\/p>\n<p>ZDF-Innenpolitikchefin Schausten hatte dagegen offenbar beschlossen, dass N\u00fcchternheit und Details was f\u00fcr Weicheier sind, und schon mal Frank Plasberg im Fernsehen gesehen. &#8222;Sind Sie, Frau Merkel, eine Schuldenkanzlerin&#8220;, lautete ihre erste Frage, und die Angesprochene brauchte sichtlich eine Sekunde, bis ihr einfiel, dass sie die Frage nat\u00fcrlich nicht beantworten muss. Die ZDF-Leute hatten sogar einen Einspielfilm mit den markigen, nur wenige Monate alten Schuldenabbau-Zitaten Merkels und Peer Steinbr\u00fccks vorbereitet. Und tats\u00e4chlich sorgte ihr Wille zur Zuspitzung f\u00fcr das munterere und ergiebigere Gespr\u00e4ch &#8211; auch wenn sich die Kanzlerin vor lauter Bem\u00fchen um fluffige Volksn\u00e4he und Anschaulichkeit gleich am Anfang h\u00fcbsch in ihrer eigenen Metapher verstrickte:<\/p>\n<blockquote><p><strong>Peter Frey:<\/strong> Sie haben sich beim CDU-Parteitag als schw\u00e4bische Hausfrau pr\u00e4sentiert: sparsam, nur das ausgeben, was man wirklich hat. Jetzt ist es eine richtige Kehrtwende eigentlich, dieses Kulturpaket.<\/p>\n<p><strong>Angela Merkel: <\/strong>Ich hab das \u00fcberhaupt nicht kehrtgewendet. Sondern die schw\u00e4bische Hausfrau ist das Modell f\u00fcr das Wirtschaften in der Welt. Und dass wir in diese Krise gekommen sind, ist der Ausdruck dessen, dass sich nicht alle wie die schw\u00e4bische Hausfrau verhalten haben. Jetzt sind wir aber in einer Ausnahmesituation. Und wenn Not am Mann ist, dann bin ich ganz \u00fcberzeugt, dass auch eine kluge Hausfrau vielleicht beim Nachbarn fragt, ob man etwas tun kann, damit auch der Patient wieder aufgep\u00e4ppelt werden kann. <\/p><\/blockquote>\n<p>Ob die schw\u00e4bische Hausfrau sich in diesem Bild beim Nachbarn Aspirin borgt oder ihm ihrerseits Schirme, Schals und Pakete vorbeibringt, blieb offen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bundeskanzlerin Angela Merkel sollte den Satz vervollst\u00e4ndigen: &#8222;Wer nicht wei\u00df, was sich hinter dem K\u00fcrzel TSG verbirgt&#8230;&#8220; Sie hatte sogar noch den Tipp bekommen, dass es um Wiesbaden geht. 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