{"id":14291,"date":"2010-11-05T16:19:48","date_gmt":"2010-11-05T15:19:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/?p=14291"},"modified":"2012-10-18T16:22:30","modified_gmt":"2012-10-18T14:22:30","slug":"schleichwerbung-bei-ruth-moschner-sieht-der-mdr-das-nicht-so-eng","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/14291\/schleichwerbung-bei-ruth-moschner-sieht-der-mdr-das-nicht-so-eng\/","title":{"rendered":"Schleichwerbung? Bei Ruth Moschner sieht der MDR das nicht so eng"},"content":{"rendered":"<p>Die Moderatorin Ruth Moschner l\u00e4sst sich daf\u00fcr bezahlen, Sendungen zu moderieren, die aussehen wie redaktionelle Kochshows, in Wahrheit aber dazu dienen, bestimmte Produkte ins Bild zu r\u00fccken. Erstaunlicherweise scheint diese T\u00e4tigkeit eine Arbeit als Moderatorin beim \u00f6ffentlich-rechtlichen MDR nicht auszuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p><img src='http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-content\/ruth_kocht_gut.jpg' alt='' \/><\/p>\n<p>&#8222;Ruth kocht gut&#8220; hei\u00dft die Kochshow auf Bild.de, die Unternehmen und Verb\u00e4nde f\u00fcr Werbung buchen k\u00f6nnen. Pr\u00e4sentiert wie ein redaktioneller Inhalt wirbt sie mal f\u00fcr Seafood aus Norwegen, mal f\u00fcr Putenfleisch aus Deutschland. Ruth Moschner r\u00fcckt Tiefk\u00fchlgerichte ins positive Licht, zeigt die vielf\u00e4ltigen Einsatzm\u00f6glichkeiten von Produkten der Marke Iglo, schw\u00f6rt auf K\u00e4se der Marke Bavaria Blu oder l\u00e4sst Tetra-Paks gut aussehen. Die Karton-Leute zum Beispiel freuten sich: <\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Mit der Unterst\u00fctzung des innovativen Kochformats &#8218;Ruth kocht gut&#8216; k\u00f6nnen wir den Getr\u00e4nkekarton erfolgreich auf dem wachsenden Markt der Onlineratgeber platzieren. Ziel ist es, den Getr\u00e4nkekarton weiterhin positiv im \u00f6ffentlichen Bewusstsein zu verankern.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Das w\u00e4re nicht problematisch, wenn die Show klar als Werbung gekennzeichnet w\u00e4re. Andererseits w\u00e4re es dann vermutlich nicht so reizvoll.<\/p>\n<p>So aber scheint Moschner einfach unschuldig zum Beispiel mit einer Kollegin belgische Waffeln zu kochen, bis eine Stelle kommt, an der sie Milch zum Teig gibt: <\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Bei mir kommt &#8217;n Schl\u00fcckchen Milch rein, aus dem Tetra Pak. Da taucht jetzt immer \u00f6fter dieses FSC-Siegel auf, das ist ein unabh\u00e4ngiger, gemeinn\u00fctziger Verein. Und dieses Siegel bekommt man nur, wenn die Rohstoffe f\u00fcr die Verpackung aus einem verantwortungsvoll geforsteten Wald stammen. Das ist ganz, ganz wichtig, denn da tut man auch was f\u00fcrs Kilma und f\u00fcr die Umwelt.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Und mitten im Gespr\u00e4ch kann es passieren, dass unvermittelt, aber nur scheinbar unmotiviert eine Sammlung von Tetra Paks im Bild herumsteht. <\/p>\n<p>Auch f\u00fcr die &#8222;Abendzeitung&#8220; kocht Moschner seit kurzem, oder genauer: nicht f\u00fcr die &#8222;Abendzeitung&#8220;, sondern f\u00fcr Iglo. Ihre Kolumne, <a href=\"http:\/\/www.bildblog.de\/23678\/wes-brot-ich-ess-des-brot-ich-back\/\">die auf der Startseite von abendzeitung.de als redaktioneller Inhalt angek\u00fcndigt wird<\/a>, handelt zwar scheinbar mal von K\u00fcchenpannen, mal von leeren K\u00fchlschr\u00e4nken und mal vom Kochen mit Kindern. Am Ende steht aber bislang immer ein Rezept um ein Tiefk\u00fchl-H\u00e4hnchenprodukt der Marke Iglo. <\/p>\n<p>Nun sollte man denken, dass gerade die Redaktion der MDR-Talkshow &#8222;Riverboat&#8220; sensibilisiert sein sollte, was die Werbeaktivit\u00e4ten ihrer Moderatoren angeht. Andrea Kiewel musste gehen, nachdem nicht mehr zu ignorieren war, dass sie diverse Fernsehauftritte dazu genutzt hatte, Schleichwerbung f\u00fcr Weight Watchers zu betreiben. G\u00fcnther Jauch muss, bevor er im Ersten eine politische Talkshow moderieren darf, sogar seine regul\u00e4ren Werbevertr\u00e4ge aufgeben. Aber wenn Ruth Moschner, die &#8222;Riverboat&#8220; seit zwei Wochen zusammen mit Jan Hofer pr\u00e4sentiert, in gr\u00f6\u00dferem Stil Werbung macht, die als redaktioneller Inhalt verkauft wird, soll das unproblematisch sein?<\/p>\n<p>Sechs Tage braucht der MDR, bis er eine Antwort auf diese Frage formuliert hat. Dann l\u00e4sst der Unternehmenssprecher Dirk Th\u00e4richen von einer Kollegin ausrichten, dass man ihn wie folgt zitieren d\u00fcrfe:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Nach unserem Kenntnisstand pr\u00e4sentiert Ruth Moschner auf Online-Portalen Kochshows, die Sachbeistellungen nutzen. Diese Videos sind entsprechend der gesetzlichen Vorgaben mit dem Hinweis &#8222;Unterst\u00fctzt durch Produktplatzierung&#8220; gekennzeichnet.<\/p>\n<p>Soweit uns bekannt ist, tritt Ruth Moschner dar\u00fcber hinaus nicht als Werbetr\u00e4gerin f\u00fcr die entsprechenden Hersteller in Erscheinung.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich ist zwischen dem MDR und der Moderatorin vereinbart, dass Ruth Moschner m\u00f6gliche werbliche Aktivit\u00e4ten im Vorfeld mit uns abstimmt.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Das ist eine in vielerlei Hinsicht bemerkenswerte Antwort. Tats\u00e4chlich sind die Videos auf Bild.de jetzt pl\u00f6tzlich mit dem Hinweis &#8222;Unterst\u00fctzt durch Produktplatzierung&#8220; gekennzeichnet &#8211; das waren sie bislang aber nicht. Ein Tetra-Pak-Werbevideo ist komplett verschwunden.<\/p>\n<p>Vorher:<br \/>\n<img src='http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-content\/moschner_vorher.jpg' alt='' \/><\/p>\n<p>Nachher:<br \/>\n<img src='http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-content\/moschner_nachher.jpg' alt='' \/><\/p>\n<p>Aber der Hinweis &#8222;Unterst\u00fctzt durch Produktplatzierung&#8220; ist ohnehin merkw\u00fcrdig: Die Formulierung stammt n\u00e4mlich aus den Werberichtlinien f\u00fcr das Fernsehen &#8211; mit Online-Videos hat das eigentlich gar nichts zu tun. Nach diesen Werberichtlinien ist aber Product Placement zum Beispiel in Ratgeber- und Verbrauchersendungen verboten. Die inkonsequente \u00dcbernahme von Fernseh-Regeln scheint ein halbgarer Kompromiss zu sein, um das unmissverst\u00e4ndliche Wort &#8222;Werbung&#8220; zu vermeiden. <\/p>\n<p>Auch wenn der MDR von &#8222;Sachbeistellungen&#8220; spricht, ist das in h\u00f6chstem Ma\u00dfe irref\u00fchrend. Solche Sachbeistellungen sind in der Regel Produkte, die von einem Partner kostenlos zur Verwendung in einer Sendung zur Verf\u00fcgung gestellt werden &#8211; zum Beispiel das Traumschiff im &#8222;Traumschiff&#8220;. Es spricht aber nichts daf\u00fcr, dass zum Beispiel Tetra Pak einfach nur ein paar Kartons Milch und Wein zur Verf\u00fcgung gestellt hat, ohne dass Geld geflossen w\u00e4re. Alles spricht daf\u00fcr, dass das Pr\u00e4sentieren der Produkte \u00fcberhaupt der Sinn des Formates ist.<\/p>\n<p>Ruth Moschners Kochshow und ihre Kochkolumne auf abendzeitung.de erf\u00fcllen viel eher die Definition von &#8222;Schleichwerbung&#8220;. Im Rundfunkstaatsvertrag wird der Begriff definiert als: <\/p>\n<p>&#8222;die Erw\u00e4hnung oder Darstellung von Waren, Dienstleistungen, Namen, Marken oder T\u00e4tigkeiten eines Herstellers von Waren oder eines Erbringers von Dienstleistungen in Sendungen, wenn sie vom Veranstalter absichtlich zu Werbezwecken vorgesehen ist und mangels Kennzeichnung die Allgemeinheit hinsichtlich des eigentlichen Zweckes dieser Erw\u00e4hnung oder Darstellung irref\u00fchren kann. Eine Erw\u00e4hnung oder Darstellung gilt insbesondere dann als zu Werbezwecken beabsichtigt, wenn sie gegen Entgelt oder eine \u00e4hnliche Gegenleistung erfolgt.&#8220;<\/p>\n<p>Der MDR scheint die wie Schleichwerbung wirkenden Aktivit\u00e4ten seiner neuen Moderatorin nicht nur zu billigen. Er hilft auch noch dabei, ihren wahren Charakter zu verschleiern. <\/p>\n<p>Ruth Moschner moderiert heute um 22 Uhr im MDR zum zweiten Mal &#8222;Riverboat&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Moderatorin Ruth Moschner l\u00e4sst sich daf\u00fcr bezahlen, Sendungen zu moderieren, die aussehen wie redaktionelle Kochshows, in Wahrheit aber dazu dienen, bestimmte Produkte ins Bild zu r\u00fccken. 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