{"id":14411,"date":"2012-11-18T23:01:22","date_gmt":"2012-11-18T22:01:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/?p=14411"},"modified":"2012-11-18T23:41:34","modified_gmt":"2012-11-18T22:41:34","slug":"wie-die-wirtschaftswoche-ard-und-zdf-erledigt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/14411\/wie-die-wirtschaftswoche-ard-und-zdf-erledigt\/","title":{"rendered":"Wie die &#8222;Wirtschaftswoche&#8220; ARD und ZDF erledigt"},"content":{"rendered":"<p>Er ist ein gro\u00dfer Hit: <a href=\"http:\/\/www.wiwo.de\/finanzen\/steuern-recht\/milliardenteures-oeffentlich-rechtliches-system-warum-die-gez-ueberfluessig-geworden-ist\/7265590.html\">Der Online-Artikel, in dem die &#8222;Wirtschaftswoche&#8220; die Abschaffung des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks und der GEZ fordert.<\/a> Auf den Seiten von Geb\u00fchrengegnern wird er gefeiert. Laut &#8222;Wiwo&#8220; war er einer der am h\u00e4ufigsten abgerufenen Artikel auf der Seite im Oktober. <\/p>\n<p>Zwischendurch war er allerdings eine Weile verschwunden. Und als er wieder da war, war er nicht mehr, wie er war. Auf Nachfrage hie\u00df es, er sei &#8222;zum Erg\u00e4nzen&#8220; offline genommen worden; &#8222;Kleinigkeiten&#8220; seien ge\u00e4ndert worden.<\/p>\n<p>Nach weiterem Dr\u00e4ngen, das Hin und Her zu erkl\u00e4ren, ver\u00f6ffentlichte &#8222;WiWo&#8220;-Online-Chefredakteurin Franziska Bluhm <a href=\"http:\/\/blog.wiwo.de\/betriebssystem\/2012\/11\/08\/ruckfragen-zu-unserem-gez-kommentar\/\">einen Eintrag im Redaktionsblog<\/a> der &#8222;WiWo&#8220;. &#8222;Der Text enthielt missverst\u00e4ndliche Formulierungen und einen kleinen Fehler&#8220;, schrieb sie. Die Offline-Phase habe man dazu genutzt, &#8222;die Argumente des Kommentars noch klarer zu formulieren. Wir haben sie dabei nicht abgeschw\u00e4cht, sondern eher noch zugespitzt. Daf\u00fcr haben den Text teilweise inhaltlich gestrafft.&#8220;<\/p>\n<p>In Wahrheit hat die &#8222;WiWo&#8220; mehrere gravierende Fehler berichtigt, ganze Abs\u00e4tze gestrichen oder umformuliert. Das ist prinzipiell zu begr\u00fc\u00dfen, denn den urspr\u00fcnglichen Text hat jemand ohne Sachkenntnis und mit best\u00fcrzenden Artikulationsschwierigkeiten geschrieben. Blo\u00df hat die umfassende \u00dcberarbeitung daran nicht so viel ge\u00e4ndert. <\/p>\n<p>Es lohnt sich, die &#8222;Kleinigkeiten&#8220; anzusehen, die die &#8222;Wiwo&#8220; ge\u00e4ndert hat, und \u00fcber den Text zu staunen, den das Blatt nun f\u00fcr vorzeigbar h\u00e4lt. <\/p>\n<div class=\"tabellevollkorn\">\n<table>\n<tr>\n<td width=\"50%\"><b>Alte Fassung<\/b><\/td>\n<td width=\"50%\"><b>Neue Fassung<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Wen betrifft die neue Rundfunkgeb\u00fchr?<\/p>\n<p>Sie wird f\u00fcr jeden Haushalt und Betrieb f\u00e4llig. <span style=\"background:yellow;\">Es soll auch nicht mehr wie bislang Befreiungen f\u00fcr Hartz-IV-Empf\u00e4nger von der Beitragspflicht geben.<\/span> Sie bek\u00e4men aber entsprechend mehr Geld vom Staat. Ausnahmen sind nur wegen &#8222;ersichtlicher Empfangsunf\u00e4higkeit&#8220; oder langer Abwesenheit vorgesehen.<\/td>\n<td>Wen betrifft die neue Rundfunkgeb\u00fchr?<\/p>\n<p>Sie wird zun\u00e4chst f\u00fcr jeden Haushalt und Betrieb f\u00e4llig. Hartz-IV-Empf\u00e4nger k\u00f6nnen einen Antrag auf Befreiung stellen. Menschen mit Behinderungen werden mit einem reduzierten Beitrag eingestuft.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ja, das war keine richtig gute Idee, dass die &#8222;Wirtschaftswoche&#8220; f\u00fcr ihre Antworten auf die &#8222;wichtigsten Fragen zur neuen Rundfunkabgabe&#8220; einfach <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/rundfunkgebuehren-ab-2013-wird-pro-haushalt-bezahlt-1993005.html\">eine \u00fcber zweieinhalb Jahre alte \u00dcbersicht<\/a> unbesehen \u00fcbernommen hat. Die Ministerpr\u00e4sidenten haben bei ihrem Beschluss der neuen Haushaltsabgabe im Juni 2010 n\u00e4mlich vom urspr\u00fcnglichen Konzept Abstand genommen, Hartz-IV-Empf\u00e4nger nicht direkt zu befreien.<\/p>\n<div class=\"tabellevollkorn\">\n<table>\n<tr>\n<td width=\"50%\"><b>Alte Fassung<\/b><\/td>\n<td width=\"50%\"><b>Neue Fassung<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Erhalten ARD und ZDF durch die Reform der Rundfunkgeb\u00fchren mehr Geld?<\/p>\n<p>Das Geb\u00fchrenaufkommen f\u00fcr ARD, ZDF und Deutschlandradio soll unver\u00e4ndert bei j\u00e4hrlich rund 7,2 Milliarden Euro bleiben. Aber: Die Zahl der Haushalte wird sich in den kommenden Jahren eher vergr\u00f6\u00dfern wegen des Trends zu Single-Haushalten. Hinzu kommen noch Unternehmen (Mehreinnahmen von rund eine Million Euro).<\/p>\n<p>Auch die Basis wird sich vergr\u00f6\u00dfern, weil diejenigen, die bislang f\u00fcr Radio nur 5,76 Euro bezahlten, vorraussichtlich h\u00f6her zu <em>[sic]<\/em> Kasse gebeten werden. Zudem m\u00fcssen k\u00fcnftig auch Zweitwohnungsbesitzer zahlen. Somit ist mit Mehreinnahmen zu rechnen.<\/td>\n<td>&#8212;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>Eine der Standardl\u00fcgen in Bezug auf die Haushaltsabgaben: Kommt es tats\u00e4chlich zu Mehreinnahmen durch das neue System, d\u00fcrfen ARD und ZDF sie nicht behalten. Sie w\u00fcrden verrechnet und zu geringeren Betr\u00e4gen in der Zukunft f\u00fchren. <\/p>\n<div class=\"tabellevollkorn\">\n<table>\n<tr>\n<td width=\"50%\"><b>Alte Fassung<\/b><\/td>\n<td width=\"50%\"><b>Neue Fassung<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Welche Regelungen gelten f\u00fcr Betriebe?<\/p>\n<p>Die Beitr\u00e4ge f\u00fcr Firmen werden k\u00fcnftig pro Betriebsst\u00e4tte erhoben und nach der Zahl der Mitarbeiter gestaffelt. <span style=\"background:yellow;\">F\u00fcr Kleinstbetriebe gilt ein erm\u00e4\u00dfigter Satz von einem Drittel des Rundfunkbeitrags.<\/span><\/td>\n<td>Welche Regelungen gelten f\u00fcr Betriebe?<\/p>\n<p>Die Beitr\u00e4ge f\u00fcr Firmen werden k\u00fcnftig pro Betriebsst\u00e4tte erhoben und nach der Zahl der Mitarbeiter gestaffelt.\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>Ich wei\u00df nicht, warum die &#8222;WiWo&#8220; den Satz gestrichen hat. Er stimmt. Selbstst\u00e4ndige und Betriebe mit bis zu acht Besch\u00e4ftigten profitieren oft von der neuen Abgabe, weil sie nur noch ein Drittel des Beitrages zahlen. Vielleicht war es ein Versehen, dass die &#8222;WiWo&#8220; urspr\u00fcnglich auch einen positiven Aspekt an der Reform erw\u00e4hnt hatte. <\/p>\n<div class=\"tabellevollkorn\">\n<table>\n<tr>\n<td width=\"50%\"><b>Alte Fassung<\/b><\/td>\n<td width=\"50%\"><b>Neue Fassung<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Sicher: Das neue System ist einfacher und transparenter, denn niemand hat mehr die freie Wahl, entscheiden zu k\u00f6nnen, ob er die \u00f6ffentlich-rechtlichen Angebote nutzen m\u00f6chte oder nicht. Die Zwangsabgabe gilt f\u00fcr jeden, es sei denn, er ist arm oder behindert. <\/td>\n<td>&#8212;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>Ob jemand die \u00f6ffentlich-rechtlichen Angebote tats\u00e4chlich nutzt, war auch bisher schon nicht entscheidend bei der Frage, ob er Geb\u00fchren zahlen muss. Schon das Vorhandensein eines Empfangsger\u00e4tes gen\u00fcgte.<\/p>\n<div class=\"tabellevollkorn\">\n<table>\n<tr>\n<td width=\"50%\"><b>Alte Fassung<\/b><\/td>\n<td width=\"50%\"><b>Neue Fassung<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Doch die von Kirchhof geforderte Freude und Dankbarkeit, dass es die \u00d6ffentlich-Rechtlichen \u00fcberhaupt gibt, will sich bei n\u00e4herer Betrachtung nicht so recht einstellen. <span style=\"background:yellow;\">Schlie\u00dflich will niemand die Existenz \u00f6ffentlich-rechtlicher Kan\u00e4le in Frage stellen,<\/span> sondern die fehlenden M\u00f6glichkeiten, entscheiden zu d\u00fcrfen, ob Mediennutzer diese Jederzeit-Empfangbarkeit wirklich nutzen wollen. Vor allem, wenn sich der geneigte Medienkonsument die Frage nach dem Prinzip von Preis und Gegenleistung stellt. <span style=\"background:yellow;\">Liest man sich Webseiten wie gez-abschaffen.de oder openpetition.de ein, die \u00fcber aktuelle Pl\u00e4ne, Entwicklungen und Reaktionen zum Thema berichten, wird schnell klar, dass ungefragtes Abkassieren das Hauptproblem f\u00fcr die ablehnende Haltung verantwortlich ist. Insbesondere die Neuregelung ab 1. Januar erregte die Gem\u00fcter.<\/span><\/td>\n<td>Doch die von Kirchhof geforderte Freude und Dankbarkeit, dass es die \u00d6ffentlich-Rechtlichen \u00fcberhaupt gibt, will sich bei n\u00e4herer Betrachtung nicht so recht einstellen. Zum einen, weil Mediennutzer nicht entscheiden d\u00fcrfen, ob sie das Angebot mitfinanzieren wollen oder nicht. Zum anderen, weil sich das Prinzip des von der Gesellschaft gef\u00f6rderten Rundfunks \u00fcberholt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>Dass die &#8222;WiWo&#8220; den Halbsatz gestrichen hat, wonach niemand die Existenz \u00f6ffentlich-rechtlicher Kan\u00e4le in Frage stellen will, k\u00f6nnte daran liegen, dass die &#8222;WiWo&#8220; die Existenz \u00f6ffentlich-rechtlicher Kan\u00e4le in Frage stellt. <\/p>\n<p>Andererseits kann es nat\u00fcrlich auch sein, dass der ganze Satz einfach herausgefallen ist, weil die deutsche Sprache angerufen und dringend darum gebeten hat: &#8222;&#8230; die fehlenden M\u00f6glichkeiten [in Frage stellen], entscheiden zu d\u00fcrfen, ob Mediennutzer diese Jederzeit-Empfangbarkeit wirklich nutzen wollen&#8220;?<\/p>\n<p>Warum der Hinweis auf die Seite gez-abschaffen.de verschwunden ist, erkl\u00e4rt sich vielleicht am besten durch einen Blick auf die Seite <a href=\"http:\/\/gez-abschaffen.de\/\">gez-abschaffen.de<\/a>.<\/p>\n<div class=\"tabellevollkorn\">\n<table>\n<tr>\n<td width=\"50%\"><b>Alte Fassung<\/b><\/td>\n<td width=\"50%\"><b>Neue Fassung<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Richtig ist, dass 1968 das Bundesverwaltungsgericht eine Rundfunkgeb\u00fchr best\u00e4tigt hat, die den Sendern zugute kam. Mit dem Anspruch einer Grundversorgung und Sendungsvielfalt sollte Meinungsbildung im Sinne des Grundgesetzes garantiert werden. 1976 nahm schlie\u00dflich die GEZ ihre Arbeit auf und wurde als nicht staatliche Instanz etabliert, die das Geld eintreibt. Angesichts der damals nicht vorhandenen Sendungsvielfalt eine sinnvolle Entscheidung.<\/td>\n<td>&#8212;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>Der Begriff der &#8222;Grundversorgung&#8220; stammt erst aus dem Jahr 1986, aus dem <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/4._Rundfunk-Urteil\">4. Rundfunk-Urteil des Bundesverfassungsgerichts<\/a>. Warum die &#8222;WiWo&#8220; Rundfunkgeb\u00fchren damals &#8222;sinnvoll&#8220; fand, obwohl sich die Menschen doch auch damals schon aus Zeitungen informieren konnten, bleibt unklar. Vielleicht fiel es auch der &#8222;WiWo&#8220; nicht mehr ein, und sie hat deshalb den ganzen Absatz gestrichen.<\/p>\n<div class=\"tabellevollkorn\">\n<table>\n<tr>\n<td width=\"50%\"><b>Alte Fassung<\/b><\/td>\n<td width=\"50%\"><b>Neue Fassung<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Als in den Achtzigern die privaten Sender ihre Arbeit aufgenommen haben, lie\u00df sich die Debatte um Sinn, Unsinn oder Notwendigkeit des Systems auch noch schnell und einfach abb\u00fcgeln. Das Verfassungsgericht urteilte: Private Sender sind erlaubt, werden aber die Vielfalt nicht schaffen, die es braucht, um Meinungsbildung im Sinne des Grundgesetzes zu garantieren. Private Anbieter m\u00fcssten massenattraktive Programme zu m\u00f6glichst niedrigen Kosten verbreiten, um Gewinne zu machen, hie\u00df es damals.<\/td>\n<td>&#8212;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>Naja, die Debatte um den Sinn des \u00f6ffentlich-rechtlichen Systems wurde damals gerade nicht &#8222;abgeb\u00fcgelt&#8220;, sondern angesichts der neuen Konkurrenz ausf\u00fchrlich gef\u00fchrt, aber das ist vielleicht l\u00e4ppisch. <\/p>\n<div class=\"tabellevollkorn\">\n<table>\n<tr>\n<td width=\"50%\"><b>Alte Fassung<\/b><\/td>\n<td width=\"50%\"><b>Neue Fassung<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Doch heute geht es nicht mehr um die Frage, ob \u00f6ffentlich-rechtliche Sender uns vor v\u00f6lliger Verbl\u00f6dung durch Skripted-Reality-Dokus der Privatsender retten m\u00fcssen. Es geht in Zeiten eines radikalen Mediennutzungswandels auch nicht mehr um die Frage einer Grundversorgung. Es geht auch nicht nur um die GEZ. Es geht um das milliardenteure \u00f6ffentlich-rechtliche System selbst. Es geht um die Frage, ob die Marktwirtschaft im Medienbereich heute noch immer so massiv versagt, dass es eine staatlich verordnete Regulierung unter dem Deckm\u00e4ntelchen der Qualit\u00e4tssicherung und des Meinungsbildungsauftrags notwendig macht. <\/td>\n<td>\u00d6ffentlich-rechtliche Sender m\u00fcssen uns nicht mehr vor v\u00f6lliger Verbl\u00f6dung durch Skripted-Reality-Dokus der Privatsender retten. Und in Zeiten von umf\u00e4nglicher Medienverf\u00fcgbarkeit verbunden mit einem radikalen Mediennutzungswandel m\u00fcssen die \u00d6ffentlich-Rechtlichen auch keine nachrichtliche Grundversorgung mehr absichern. Es geht auch nur im zweiten Schritt um die Existenzberechtigung der GEZ als Geb\u00fchreneintreibe-Instanz. Es geht darum, dass wir das milliardenteure \u00f6ffentlich-rechtliche System unter dem Deckm\u00e4ntelchen der Qualit\u00e4tssicherung und des Meinungsbildungsauftrags nicht mehr brauchen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>Schwer zu sagen, ob hier Wutschaum die Gedanken verklebt oder es sich eher um eine allgemeine Unf\u00e4higkeit (oder einen grunds\u00e4tzlichen Unwillen) handelt, verst\u00e4ndlich zu formulieren. Jedenfalls l\u00e4sst die &#8222;WiWo&#8220; offen, warum wir heute, anders als fr\u00fcher, keinen \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk mehr brauchen und nicht mehr vor dem RTL-Schrott &#8222;gerettet&#8220; werden m\u00fcssen. Weil es das Internet gibt? Das ist ein schwaches Argument, solange sich journalistische Online-Angebote immer noch so schwer tun, sich privatwirtschaftlich zu finanzieren. <\/p>\n<div class=\"tabellevollkorn\">\n<table>\n<tr>\n<td width=\"50%\"><b>Alte Fassung<\/b><\/td>\n<td width=\"50%\"><b>Neue Fassung<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Immerhin geht es um eine Summe von <span style=\"background:yellow;\">fast acht Milliarden Euro<\/span>, die eine GEZ allein 2011 eingetrieben hat. Ein sattes S\u00fcmmchen f\u00fcr die elf Rundfunkanstalten mit <span style=\"background:yellow;\">weit mehr als einem Dutzend<\/span> Haupt- und Spartensendern im Fernsehen sowie 70 Radiowellen.<\/td>\n<td>Immerhin geht es um eine Summe von <span style=\"background:yellow;\">7,5 Milliarden Euro<\/span>, die die Geb\u00fchreneinzugszentrale allein 2011 von B\u00fcrgern eingesammelt hat. Ein sattes S\u00fcmmchen f\u00fcr die Rundfunkanstalten mit <span style=\"background:yellow;\">dutzenden<\/span> Haupt- und Spartensendern im Fernsehen sowie 70 Radiowellen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>&#8222;Dutzende&#8220; Fernsehsender&#8220;? Ich komme beim Nachz\u00e4hlen auf ARD, ZDF, neun Dritte, sechs Digitalkan\u00e4le = 17 Programme. [Nachtrag, 23:30 Uhr: Ich hatte f\u00fcnf vergessen: 3sat, arte, Ki.Ka, Phoenix, BR alpha. Macht 22, wovon man, wenn man will, Radio Bremen und den SR abziehen kann, die keine richtigen eigenen Dritten haben.]<\/p>\n<div class=\"tabellevollkorn\">\n<table>\n<tr>\n<td width=\"50%\"><b>Alte Fassung<\/b><\/td>\n<td width=\"50%\"><b>Neue Fassung<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>J\u00fcrgen Doetz, Pr\u00e4sident des Verband [sic] Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT), sagte im Gespr\u00e4ch mit der WirtschaftsWoche Online: &#8222;Die geb\u00fchrenfinanzierten Anstalten haben ein wachsendes Legitimationsproblem. Sie haben ihren Programmauftrag aus den Augen verloren. Immer mehr setzen sie auf Kopien erfolgreicher privater Programme, begeben sich so in direkten Wettbewerb zu ihnen und bauen hierzu ihre Sparten- und Onlineangebote aus.&#8220;<\/td>\n<td>&#8212;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Und wer genauer durch die Programme zappt, findet statt Hochkultur vor allem schlecht aufbereitete Talkshows, Boxen, Fu\u00dfball (laut einem Bild-Bericht planen die Sender f\u00fcr die \u00dcbertragung der Fu\u00dfball-WM 2014 in Brasilien 210 Millionen Euro f\u00fcr die Rechte und weitere 30 Millionen Euro f\u00fcr die Produktion ein) und reichlich Wiederholungen von Tatort aus den Achtzigern. Der Etat f\u00fcr Sportrechte der ARD insgesamt betrug laut eines Spiegelberichts 1,03 Milliarden Euro in der Geb\u00fchrenperiode 2009 bis 2012. Und laut Focus haben Gaststars wie Oliver Pocher eine Million Euro f\u00fcr ihre Auftritte kassiert.<\/td>\n<td>Wer genauer durch die Programme zappt um die Gegenleistung f\u00fcr den gezahlten Beitrag zu beurteilen, kommt zu einem klaren Ergebnis: Er findet statt Hochkultur unz\u00e4hlige Talkshows, Boxen, Fu\u00dfball (Laut einem Bild-Bericht planen die Sender f\u00fcr die \u00dcbertragung der Fu\u00dfball-WM 2014 in Brasilien 210 Millionen Euro f\u00fcr die Rechte und weitere 30 Millionen Euro f\u00fcr die Produktion ein.) und Wiederholungen alter Tatort-Folgen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Und ob ARD-Telenovelas \u00e0 la &#8222;Rote Rosen&#8220; bei Selbstverwirklichungspl\u00e4nen betrogener Ehefrauen weiterhelfen oder wenigstens dem Unterhaltungsauftrag nachkommen, m\u00fcsste zumindest diskutiert werden. Denn auch die \u00d6ffentlich-Rechtlichen entscheiden beim Programm nicht nur nach Meinungsvielfaltsangebot und Qualit\u00e4tsfernsehen, sondern nach Quote und Zuschauerinteresse &#8211; anders lie\u00dfe sich die Ausstrahlung des samst\u00e4glichen Musikantenstadls oder selbst produzierten [sic] Telenovelas, in denen erst Julia, danach Luisa und schlie\u00dflich Nora ihr Gl\u00fcck gesucht haben, nicht rechtfertigen.<\/td>\n<td>Und ob ARD-Telenovelas \u00e0 la &#8222;Rote Rosen&#8220; bei Selbstverwirklichungspl\u00e4nen betrogener Ehefrauen weiterhelfen oder wenigstens dem Unterhaltungsauftrag nachkommen, darf bezweifelt werden. Die Sendungsauswahl zeigt vielmehr, dass auch die \u00d6ffentlich-Rechtlichen beim Programm nicht nur nach Meinungsvielfaltsangebot und Qualit\u00e4tsfernsehen, sondern nach Quote und Zuschauerinteresse entscheiden &#8211; anders lie\u00dfe sich die Ausstrahlung des samst\u00e4glichen Musikantenstadls oder selbst produzierten [sic] Telenovelas, in denen erst Julia, danach Luisa und schlie\u00dflich Nora ihr Gl\u00fcck gesucht haben, nicht rechtfertigen. Oder dass die investigativen und aufw\u00e4ndigen Geschichten nur selten zur Primetime ausgestrahlt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>Bei aller &#8212; berechtigten &#8212; Kritik an der Quotenfixiertheit von ARD und ZDF: Dass die \u00d6ffentlich-Rechtlichen sich bei der Gestaltung ihrer Programme auch vom &#8222;Zuschauerinteresse&#8220; leiten lassen, kann man ihnen angesichts der Tatsache, dass es die Zuschauer sind, die f\u00fcr diese Programme zahlen, doch eher nur begrenzt vorwerfen. <\/p>\n<p>(Bonustipp f\u00fcr die &#8222;WiWo&#8220;: Nach Julia und vor Luisa und Nora hat auch noch Nina ihr Gl\u00fcck gesucht.)<\/p>\n<div class=\"tabellevollkorn\">\n<table>\n<tr>\n<td width=\"50%\"><b>Alte Fassung<\/b><\/td>\n<td width=\"50%\"><b>Neue Fassung<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Das wiederum sind aber nichts anderes als marktwirtschaftliche Aspekte, die durch eine Bezuschussung durch die Allgemeinheit aber nicht in ausreichendem Ma\u00df greifen k\u00f6nnen.<\/td>\n<td>&#8212;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>Tja, da hatte noch so ein Worthaufen rumgelegen.<\/p>\n<div class=\"tabellevollkorn\">\n<table>\n<tr>\n<td width=\"50%\"><b>Alte Fassung<\/b><\/td>\n<td width=\"50%\"><b>Neue Fassung<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Das Geld flie\u00dft f\u00fcr die Sendeanstalten so oder so, also warum Gedanken daran verschwenden, ob sich Produktionen auch g\u00fcnstiger durchf\u00fchren oder Talkshowformate tats\u00e4chlich zum Bildungsfernsehen aufwerten lassen, als nur gl\u00fccklich \u00fcber die teure Einstellung von G\u00fcnther Jauch als Moderator zu sein.<\/td>\n<td>Doch das \u00f6konomische Denken, das sinnvolle Haushalten mit Budgets und das intensive Nachdenken \u00fcber Produktionen m\u00fcssen zum ganzheitlichen Prinzip \u00f6ffentlich-rechtlicher Programmgestaltung werden. So lange GEZ-Beitr\u00e4ge so oder so flie\u00dfen, ist die Abw\u00e4gung \u00fcberfl\u00fcssig, ob sich Produktionen auch g\u00fcnstiger durchf\u00fchren oder Talkshowformate tats\u00e4chlich zum Bildungsfernsehen aufwerten lassen. Und vor allem: F\u00fcr welche Art Bildungsfernsehen man wirklich stehen m\u00f6chte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>Jetzt sprechen wir diesen Satz alle einmal laut mit: &#8222;Das \u00f6konomische Denken, das sinnvolle Haushalten mit Budgets und das intensive Nachdenken \u00fcber Produktionen m\u00fcssen zum ganzheitlichen Prinzip \u00f6ffentlich-rechtlicher Programmgestaltung werden.&#8220; Ich vermute, die &#8222;WiWo&#8220; wollte uns damit sagen, dass auch ARD und ZDF mehr aufs Geld achten sollten, fand aber niemanden, der das formulieren konnte.<\/p>\n<p>Wenn &#8222;\u00f6konomisches Denken&#8220; aber tats\u00e4chlich umfassend die &#8222;Programmgestaltung&#8220; von ARD und ZDF bestimmen sollte, w\u00fcrde das doch bedeuten, nur noch m\u00f6glichst billige Programme f\u00fcr ein m\u00f6glichst breites Publikum zu senden. War nicht der Grundgedanke \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks, sich von solch &#8222;\u00f6konomischem Denken&#8220; freizumachen?<\/p>\n<div class=\"tabellevollkorn\">\n<table>\n<tr>\n<td width=\"50%\"><b>Alte Fassung<\/b><\/td>\n<td width=\"50%\"><b>Neue Fassung<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Keine Frage &#8211; es gibt auch hochwertige Arbeiten, investigative und aufw\u00e4ndige Geschichten, die immerhin auch mit Fernseh- oder Grimmepreisen belohnt werden. Doch sollte der Geb\u00fchrenzahler als Gegenleistung nicht viel davon erwarten d\u00fcrfen? Oder sind die Produktionen in Relation zur Quote dann doch zu teuer? Anders erkl\u00e4rt es sich dem Fernsehkonsumenten jedenfalls nicht, dass gerade derart hochwertige Beitr\u00e4ge nie zur Primetime ausgestrahlt werden.<\/td>\n<td>&#8212;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>Ich mag, wie die Autorin sich in Wischi-Waschi-Formulierungen wie &#8222;hochwertige Arbeiten&#8220; und &#8222;aufw\u00e4ndige Geschichten&#8220; fl\u00fcchtet, um nicht m\u00fchsam irgendein konkretes Beispiel raussuchen zu m\u00fcssen. Aber verstehe ich sie richtig, dass sie ARD und ZDF hier vorwirft, \u00f6konomisch zu denken? Oder was meinte sie, als sie schrieb, anspruchsvolle Programme w\u00fcrden im Nachtprogramm versteckt, weil sie zu teuer sind f\u00fcr die Primetime?<\/p>\n<div class=\"tabellevollkorn\">\n<table>\n<tr>\n<td width=\"50%\"><b>Alte Fassung<\/b><\/td>\n<td width=\"50%\"><b>Neue Fassung<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Und wo werden die Leistungen von Zeitungen, Fachmagazinen oder Onlinediensten ber\u00fccksichtigt, die genauso eine Grundversorgung f\u00fcr die (politische) Kultur in diesem Lande sicherstellen? W\u00e4re es angesichts schwieriger Marktbedingungen dann nicht an der Zeit f\u00fcr eine F\u00f6rderungspflicht all dieser medialen Produkte? Immerhin hat eine Allensbach-Studie ermittelt, dass nicht das Konsumieren \u00f6ffentlich-rechtlicher Programme, sondern die Nutzung unterschiedlicher Medien Bildungs- und Zukunftschancen offenbart.<\/td>\n<td>Denn hochwertige Produktionen werden auch in Fernsehen und Radio ihre Konsumenten finden. Wie jedes andere Unternehmen auch m\u00fcssten sich die Sendeanstalten dann aber Gedanken um die Finanzierung machen, sei es durch Bezahlangebote oder Werbung. \u00dcberlegungen, die in der Medienlandschaft t\u00e4glich auf der Tagesordnung stehen. Dass das aber kein unm\u00f6gliches Unterfangen ist, beweisen viele Zeitungen und Magazine &#8212; die im \u00dcbrigen genauso eine Grundversorgung f\u00fcr die (politische) Kultur in diesem Lande sicherstellen &#8212; und sich erfolgreich am Markt etabliert haben. Allesamt Publikationen, die noch nie Geb\u00fchrengelder erhalten und gerade sehr mit schwierigen Marktbedingungen zu k\u00e4mpfen haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>Ich versuche mal, die Argumentation zu verstehen: Private Medien tun sich gerade angesichts sinkender Vertriebs- und Anzeigenerl\u00f6se sehr schwer. Warum sollten es ARD und ZDF also nicht genauso schwer haben? Um die &#8222;Grundversorgung&#8220; sicherzustellen? Aber die stellen doch Zeitungen und Magazine auch sicher. Obwohl man nicht wei\u00df, wie lange und wie gut sie das noch schaffen. Die tun sich gerade angesichts sinkender Vertriebs- und Anzeigenerl\u00f6se n\u00e4mlich sehr schwer.<\/p>\n<p>\u00c4h. Ja. <\/p>\n<div class=\"tabellevollkorn\">\n<table>\n<tr>\n<td width=\"50%\"><b>Alte Fassung<\/b><\/td>\n<td width=\"50%\"><b>Neue Fassung<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Und wenn es um die Sicherung von Vielfalt und Meinungsbildungsm\u00f6glichkeiten geht, warum unternimmt der Staat dann nichts gegen Google und gr\u00fcndet eine eine \u00f6ffentlich-rechtliche Suchmaschine? Jeder wei\u00df, dass die undurchschaubaren Algorithmen daf\u00fcr sorgen, dass User ein ganz bestimmtes Bild von Relevanz und Wirklichkeit erhalten. <a href=\"http:\/\/www.wiwo.de\/politik\/europa\/eurospezial\/rundschau-stuerzt-uns-europa-in-die-rezession\/7263348.html\">L\u00e4ngst nicht alle Treffer, die oben in der Liste stehen, sind auch die relevanten Informationen zu einem Thema.<\/a><\/td>\n<td>Und wenn es um die Sicherung von Vielfalt und Meinungsbildungsm\u00f6glichkeiten geht, m\u00fcsste der Staat konsequenterweise auch etwas gegen Google unternehmen und beispielsweise eine \u00f6ffentlich-rechtliche Suchmaschine gr\u00fcnden. Jeder wei\u00df, dass die undurchschaubaren Algorithmen daf\u00fcr sorgen, dass User ein ganz bestimmtes Bild von Relevanz und Wirklichkeit erhalten. <a href=\"http:\/\/www.wiwo.de\/politik\/europa\/eurospezial\/rundschau-stuerzt-uns-europa-in-die-rezession\/7263348.html\">L\u00e4ngst nicht alle Treffer, die oben in der Liste stehen, sind auch die relevanten Informationen zu einem Thema.<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>Das Huuiiiii, das sie gerade beim Lesen geh\u00f6rt haben, war das Ger\u00e4usch, wie es die &#8222;WiWo&#8220; vollends aus der Kurve getragen hat. Der Staat soll &#8222;etwas gegen Google unternehmen&#8220;. Man m\u00fcsste so viel dazu sagen, aber man kann mit Verr\u00fcckten so schlecht diskutieren. Klicken Sie mal auf den Link, den die &#8222;WiWo&#8220; wie zum Beweis unter den Satz &#8222;L\u00e4ngst nicht alle Treffer, die oben in der Liste stehen, sind auch die relevanten Informationen zu einem Thema&#8220; gelegt hat.<\/p>\n<p>(Anscheinend ist die Autorin mal \u00fcber das Konzept der &#8222;Filter-Bubble&#8220; gestolpert, hat es aber nicht aufgehoben.)<\/p>\n<div class=\"tabellevollkorn\">\n<table>\n<tr>\n<td width=\"50%\"><b>Alte Fassung<\/b><\/td>\n<td width=\"50%\"><b>Neue Fassung<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Fragen, denen die Verantwortlichen der Politik lieber ausweichen. Denn sonst w\u00fcrde sich zeigen: <span style=\"background:yellow;\">Der Glaube an eine funktionierende Medienlandschaft ohne staatliche Lenkung muss endlich greifen.<\/span> Dann erledigt sich die zweite Diskussion um die Organisation GEZ gleich mit. Die ist dann nicht mehr notwendig und muss sich der unangenehmen Frage aussetzen, warum das einfache, transparente System und der damit verbundene Wegfall von Pr\u00fcfern vor Ort die Einstellung von weiteren hunderten Mitarbeitern statt einer Verschlankung des Apparats erfordern. Oder die absurde Tatsache, dass zu einer Eintreibung einer Rundfunkabgabe eine Institution mit mehr Kompetenzen ausgestattet wird als deutsche Strafverfolgungsbeh\u00f6rden &#8211; etwa durch den uneingeschr\u00e4nkten Datenzugriff der Melderegister.<\/td>\n<td>Fragen, denen die Verantwortlichen der Politik lieber ausweichen. Denn sonst w\u00fcrde sich zeigen: <span style=\"background:yellow;\">Die Medienlandschaft muss ohne Geb\u00fchrengelder funktionieren.<\/span> Dann erledigt sich die zweite Diskussion um die Organisation GEZ gleich mit. Die ist dann nicht mehr notwendig und muss sich der unangenehmen Frage aussetzen, warum das einfache, transparente System und der damit verbundene Wegfall von Pr\u00fcfern vor Ort die Einstellung von weiteren hunderten Mitarbeitern erfordern. Oder die absurde Tatsache, dass zu einer Eintreibung einer Rundfunkabgabe eine Institution mit mehr Kompetenzen ausgestattet wird als deutsche Strafverfolgungsbeh\u00f6rden &#8211; etwa durch den uneingeschr\u00e4nkten Datenzugriff auf Melderegister.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>Erinnern Sie sich an den Satz von oben, dass niemand <s>eine Mauer b<\/s> die Existenz \u00f6ffentlich-rechtlicher Kan\u00e4le in Frage stellen will?<\/p>\n<div class=\"tabellevollkorn\">\n<table>\n<tr>\n<td width=\"50%\"><b>Alte Fassung<\/b><\/td>\n<td width=\"50%\"><b>Neue Fassung<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Doch von derartigen Denkans\u00e4tzen will man bei den \u00d6ffentlich-Rechtlichen nichts wissen. In einem Interview mit der Bild-Zeitung verteidigte ZDF-Intendant Markus Sch\u00e4chter vor einigen Wochen die neue Geb\u00fchr. Als das Blatt auf eine Emnid-Umfrage verwies, dass 42 Prozent aller B\u00fcrger auf ARD und ZDF zugunsten eines Geb\u00fchrenerlasses verzichten w\u00fcrden, antwortete Sch\u00e4chter sogar: &#8222;Wahrscheinlich w\u00fcrden genauso viele antworten, sofort auf den Wohlfahrtsstaat zu verzichten, wenn sie keine Steuern mehr zahlen m\u00fcssten.&#8220;<\/p>\n<p>Mit dieser steilen These beweist Sch\u00e4chter einmal mehr, dass es das geb\u00fchrenfinanzierte Vielfaltsprogramm mit Bildungsm\u00f6glichkeit schon lange nicht mehr gibt. Sonst w\u00fcrde er seinem Publikum wohl nicht so wenig Unterscheidungskompetenz zutrauen.<\/td>\n<td>Doch naturgem\u00e4\u00df sind \u00d6ffentlich-Rechtliche Sendeanstalten gegen derartige Denkans\u00e4tze. Sicher ist wohl nur, dass deren Repr\u00e4sentanten k\u00fcnftig vorsichtiger bei ihren Interviews sind: In einem Gespr\u00e4ch mit der Bild-Zeitung verteidigte der ehemalige ZDF-Intendant Markus Sch\u00e4chter die neue Geb\u00fchr mit einem fragw\u00fcrdigen Vergleich. Als das Blatt auf eine Emnid-Umfrage verwies, dass 42 Prozent aller B\u00fcrger auf ARD und ZDF zugunsten eines Geb\u00fchrenerlasses verzichten w\u00fcrden, antwortete Sch\u00e4chter sogar: &#8222;Wahrscheinlich w\u00fcrden genauso viele antworten, sofort auf den Wohlfahrtsstaat zu verzichten, wenn sie keine Steuern mehr zahlen m\u00fcssten.&#8220;<\/p>\n<p>Mit dieser These hat Sch\u00e4chter gezeigt, dass das geb\u00fchrenfinanzierte Vielfaltsprogramm wohl doch nicht zu mehr Bildung f\u00fchren kann. Sonst w\u00fcrde er seinem Publikum wohl nicht so wenig Unterscheidungskompetenz zutrauen..\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>Bl\u00f6d: Das &#8222;Bild&#8220;-Interview von Markus Sch\u00e4chter erschien nicht vor einigen Wochen, sondern <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/politik\/inland\/interview\/zdf-indendant-markus-schaechter-mehr-rundfunkgebuehren-20101454.bild.html\">vor \u00fcber einem Jahr<\/a>, und damals war er, anders als heute, auch noch ZDF-Intendant.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kann man dar\u00fcber streiten, ob die Parallele, die er zieht, \u00fcberzeugend ist. Aber darin, dass man sie f\u00fcr abwegig h\u00e4lt, einen Beweis zu sehen, dass die Programme von ARD und ZDF die Leute nicht kl\u00fcger machen, ist argumentativ derart trostlos, dass <a href=\"http:\/\/www.medienpiraten.tv\/blog\/?p=2114\">sogar<\/a> Markus Sch\u00e4chter dagegen wie ein brillanter Rhetoriker wirkt.<\/p>\n<p>Bleibt die Frage: Darf man von einem journalistischen Medium, das seiner Konkurrenz die Existenzberechtigung abspricht, erwarten, dass es dabei fair und korrekt ist (von verst\u00e4ndlich ganz zu schweigen)? Und wenn dies nicht im ersten Anlauf gelungen ist, dass es sich transparent korrigiert? Nahahain, lacht die &#8222;Wirtschaftswoche&#8220;, das kann man von uns wirklich nicht erwarten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er ist ein gro\u00dfer Hit: Der Online-Artikel, in dem die &#8222;Wirtschaftswoche&#8220; die Abschaffung des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks und der GEZ fordert. Auf den Seiten von Geb\u00fchrengegnern wird er gefeiert. Laut &#8222;Wiwo&#8220; war er einer der am h\u00e4ufigsten abgerufenen Artikel auf der Seite im Oktober. Zwischendurch war er allerdings eine Weile verschwunden. Und als er wieder da<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[35,1243,1346,575],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14411"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14411"}],"version-history":[{"count":27,"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14411\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14491,"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14411\/revisions\/14491"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14411"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14411"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14411"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}