{"id":14715,"date":"2012-01-16T01:11:29","date_gmt":"2012-01-16T00:11:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/?p=14715"},"modified":"2013-01-19T01:12:01","modified_gmt":"2013-01-19T00:12:01","slug":"medienlexikon-b-promi","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/14715\/medienlexikon-b-promi\/","title":{"rendered":"Medienlexikon: B-Promi"},"content":{"rendered":"<p><em><b>B-Promi<\/b>, der (meist pejorativ): nicht g\u00e4nzlich unbekannter Mensch, der von und in den Medien lebt.<\/em><\/p>\n<p>B-Promis sind die Mistk\u00e4fer der Mediengesellschaft: Obwohl sie n\u00fctzlich sind, mag sie keiner. Im Gegensatz zu den K\u00e4fern verdauen sie allerdings den Kot nicht, sondern produzieren ihn &#8212; auf ihrem Mist wachsen ungez\u00e4hlte Magazinbeitr\u00e4ge und bunte Seiten. <\/p>\n<p>Wenn es den B-Promi nicht g\u00e4be, l\u00e4ge ein gro\u00dfer Teil der Inhalteproduktionsindustrie brach. Die Medien brauchen heute mehr Prominente, als die Menschen kennen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Man m\u00fcsste ihn lieben, aber daf\u00fcr ist er nicht da. Er ist daf\u00fcr da, dass man ihn behandeln kann wie eine Ber\u00fchmtheit, als h\u00e4tten seine Erlebnisse und Meinungen einen Nachrichtenwert, aber ohne dass man zu ihm aufschauen m\u00fcsste. Er erz\u00e4hlt uns, wenn er frisch getrennt oder operiert ist, und wir k\u00f6nnen ihn, nachdem wir das aufgesogen haben, daf\u00fcr verfluchen, dass er uns damit behelligt. <\/p>\n<p>Der damalige Talkmaster Karl Dall hatte schon 1999 <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-13880948.html\">in einem SPIEGEL-Gespr\u00e4ch<\/a> gesagt, B-Promis seien die dankbarsten Opfer: &#8222;Die sind noch hungrig und lassen sich gerne qu\u00e4len.&#8220; Auf die Frage nach seinen G\u00e4sten sagte er damals schon: &#8222;Ich habe eine Liste von mehr als 300 Leuten, die ich in A- und B-Prominenz aufgeteilt habe. Ein Drittel hat mir RTL wieder rausgestrichen und daf\u00fcr ein paar aus ihrem Laden reingeschrieben.&#8220; <\/p>\n<p>Die Nomenklatur ist ein bisschen un\u00fcbersichtlich geworden. Fr\u00fcher war ein B-Promi jemand, der kein A-Promi war. Dann gab es immer mehr Menschen, von denen man immer weniger wusste, wof\u00fcr sie eigentlich nicht ber\u00fchmt waren, und schlie\u00dflich sogar solche, die nur noch daf\u00fcr prominent waren, prominent zu sein. Es folgte eine Buchstaben-Inflation, die einige Journalisten im Bem\u00fchen, sich von ihrer eigenen Arbeit zu distanzieren, dazu brachte, nur noch reflexartig von &#8222;Z-Prominenten&#8220; zu sprechen. In diesem Kontext steht der B-Promi nicht mehr am Ende der Hackordnung, sondern ist jemand, der es fast geschafft hat. Jemand, der mit etwas Gl\u00fcck oder Pech sogar in die &#8222;Tagesschau&#8220; kommen kann, wenn er mit einem Gurkenlaster kollidiert. Jemand, der in die Jahreskonferenz der B-Promis in den australischen Dschungel geladen wird wie Brigitte Nielsen. Jemand, der uns, wenn wir ihm jetzt beim Madenessen zuschauen, das Gef\u00fchl schenkt, ihm \u00fcberlegen zu sein.<\/p>\n<p>Wir sollten ihn daf\u00fcr lieben, dass wir ihn verachten d\u00fcrfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>B-Promi, der (meist pejorativ): nicht g\u00e4nzlich unbekannter Mensch, der von und in den Medien lebt. B-Promis sind die Mistk\u00e4fer der Mediengesellschaft: Obwohl sie n\u00fctzlich sind, mag sie keiner. Im Gegensatz zu den K\u00e4fern verdauen sie allerdings den Kot nicht, sondern produzieren ihn &#8212; auf ihrem Mist wachsen ungez\u00e4hlte Magazinbeitr\u00e4ge und bunte Seiten. 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