{"id":14725,"date":"2012-08-13T19:13:44","date_gmt":"2012-08-13T17:13:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/?p=14725"},"modified":"2013-01-19T19:17:23","modified_gmt":"2013-01-19T18:17:23","slug":"medienlexikon-sissifizierung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/14725\/medienlexikon-sissifizierung\/","title":{"rendered":"Medienlexikon: Sissifizierung"},"content":{"rendered":"<p><em><b>Sissifizierung<\/b>, Quotenoptimierung von Dokumentationen durch Hofberichterstattung und fl\u00e4chendeckenden Streichereinsatz.<\/em><\/p>\n<p>Es geh\u00f6rt zu den vornehmsten Aufgaben des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks, \u00fcber Menschen zu berichten, deren Leiden allzu oft vergessen wird. Menschen wie Georg Friedrich Prinz von Preu\u00dfen. Ein junger Mann, der tapfer sein Schicksal tr\u00e4gt, Ururenkel von Kaiser Wilhelm II. zu sein.<\/p>\n<p>Seine Kindheit endete &#8222;j\u00e4h&#8220;: Mit &#8222;gerade mal 18&#8220; Jahren wurde er Chef des Hauses Preu\u00dfen. &#8222;Auf seinen jungen Schultern lasten jetzt Jahrhunderte wechselvoller Geschichte. Und zum ersten Mal in seinem Leben muss er ohne den Rat des Gro\u00dfvaters zurechtkommen.&#8220; Dramatisch, mit Anteilnahme und Bewunderung, schildert das ZDF am kommenden Dienstag um 20.15 Uhr, wie Georg Friedrich das Leben als Adeliger in Deutschland meistert. L\u00e4sst ihn erz\u00e4hlen, dass man als &#8222;Prinz von Preu\u00dfen&#8220; nicht einfach zu sp\u00e4t kommen kann, weil es sonst hei\u00dft, er nehme sich was heraus. Zeigt, wie er den tollsten Edelstein f\u00fcr Millionen Euro versteigern muss. Staunt, wie &#8222;bescheiden&#8220; der Herr Prinz sich gibt: &#8222;F\u00fcr ihn ist der Titel nur ein Name&#8220;, sagt der Sprecher. F\u00fcrs ZDF nicht?<\/p>\n<p>Georgs Frau Sophie, geborene Prinzessin von Isenburg, schildert, wie &#8222;bodenst\u00e4ndig&#8220; ihre Kindheit im Schloss Birstein war, mit blo\u00df zwei Damen, die kochten, wuschen und putzten. Eigentlich h\u00e4tte sie ganz privat heiraten wollen. Aber &#8222;schlie\u00dflich gibt das Paar dem \u00f6ffentlichen Dr\u00e4ngen doch noch nach&#8220; &#8212; und schenkte der Welt Aufnahmen von adeligen Herrschaften in Potsdam, die sich nun vom ZDF mit Geigen unterlegen und als Dokumentation verkaufen lassen.<\/p>\n<p>Es ist eh ein einziges musikalisches Gejuchze und Trompeten. Der zweiteilige Film l\u00e4uft in der Reihe &#8222;ZDFzeit&#8220;, die der Chefredakteur Peter Frey zum Start als &#8222;filmisch opulent, intensiv, kritisch und analytisch&#8220; angek\u00fcndigt hat. Hier solle es &#8222;um die gro\u00dfen Fragen unserer Zeit gehen: Wie leben wir? Was ver\u00e4ndert unsere Gesellschaft? Was ist uns wirklich wichtig?&#8220; <\/p>\n<p>Was dem ZDF also wirklich wichtig ist in diesen Wochen: das Schicksal von Charl\u00e8ne und Kate, die Queen, die H\u00f6hen und Tiefen des schwedischen K\u00f6nigshauses. Und weil es so viel hofberichtzuerstatten gibt, r\u00e4umte der Sender auch Samstage daf\u00fcr frei. Unter dem Namen &#8222;ZDF Royal&#8220; wurde dort nun ebenfalls gejuchzt und trompetet: &#8222;Blaues Blut und schwarze Schafe&#8220;, &#8222;Doppelgl\u00fcck in D\u00e4nemark&#8220;, &#8222;Die kleinen K\u00f6niginnen kommen&#8220;.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich erscheinen die lustigen Abenteuer des Schimpansen Charly, der sonst diesen Sendeplatz regierte, im Vergleich wie brisante zeitgeschichtliche Sozialdramen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sissifizierung, Quotenoptimierung von Dokumentationen durch Hofberichterstattung und fl\u00e4chendeckenden Streichereinsatz. 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