{"id":14744,"date":"2013-01-20T18:33:14","date_gmt":"2013-01-20T17:33:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/?p=14744"},"modified":"2013-01-26T15:47:57","modified_gmt":"2013-01-26T14:47:57","slug":"die-westfaelische-rundschau-wird-vor-dem-tod-schon-stumm-gemacht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/14744\/die-westfaelische-rundschau-wird-vor-dem-tod-schon-stumm-gemacht\/","title":{"rendered":"Die &#8222;Westf\u00e4lische Rundschau&#8220; wird vor dem Tod schon stumm gemacht"},"content":{"rendered":"<p>In der vergangenen Woche gab die WAZ-Gruppe bekannt, aus der &#8222;Westf\u00e4lischen Rundschau&#8220; einen Zeitungszombie zu machen. Die komplette Redaktion mit 120 Redakteuren und einer noch gr\u00f6\u00dferen Zahl freier Mitarbeiter wird geschlossen, aber die H\u00fclle bleibt erhalten. Gef\u00fcllt wird sie von Februar an mit Inhalten anderer, teils bisher konkurrierender Bl\u00e4tter.<\/p>\n<p>Politiker und Leser protestierten gegen die Entscheidung. Der nordrhein-westf\u00e4lische Arbeitsminister Guntram Schneider sagte, er k\u00f6nne sich nicht vorstellen, dass das dadurch entstehende &#8222;Meinungsmonopol&#8220; auf dem Dortmunder Zeitungsmarkt im Interesse der Dortmunderinnen und Dortmunder sei. Hermann Hupe, B\u00fcrgermeister in Kamen, h\u00e4tte sich &#8222;angesichts der Finanzkraft der WAZ-Gruppe&#8220; gew\u00fcnscht, dass nicht 120 Existenzen in Frage gestellt werden: &#8222;Die Rigorosit\u00e4t dieser Entscheidung ist nicht zu verstehen.&#8220; Die SPD-Bundestagsabgeordneten aus der betroffenen Region sprachen von einem &#8222;Schlag gegen Meinungsvielfalt und guten Journalismus&#8220;. <\/p>\n<p>So stand es am Donnerstag auch in der &#8222;Westf\u00e4lischen Rundschau&#8220;:<\/p>\n<p><img src='http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-content\/westf_rundschau_alt.jpg' alt='' \/><\/p>\n<p>Doch zu sehen bekam diese Seite nur ein kleiner Teil der Leserschaft: jene, die die Zeitung per Post zugeschickt bekommen. Diese Ausgabe hat einen besonders fr\u00fchen Redaktionsschluss. Danach wurde offenbar ein Aufpasser, vielleicht in der Zentrale des Konzerns in Essen, aufmerksam auf die Berichterstattung &#8212; und lie\u00df sie aus den sp\u00e4teren Ausgaben entfernen. Dort wich der Artikel der brisanten Nachricht, dass Autofahrer bei Schnee mehr Zeit f\u00fcr den Arbeitsweg brauchen, es aber nach Angaben der Beh\u00f6rden aktuell f\u00fcr die Jahreszeit nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig viele Unf\u00e4lle gibt:<\/p>\n<p><img src='http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-content\/westf_rundschau_neu.jpg' alt='' \/><\/p>\n<p>Die Seite war abends, als die Redakteure der &#8222;Westf\u00e4lischen Rundschau&#8220; schon zu Hause waren, ausgetauscht worden. Sie sollen das erst am n\u00e4chsten Morgen bemerkt haben. <!--more--><\/p>\n<p>Nicht verhindern konnten oder wollten die Verantwortlichen nur, dass die Redaktionsschlie\u00dfung Thema der t\u00e4glichen Glosse in der Zeitung war:<\/p>\n<p><img src='http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-content\/wr_glosse.jpg' alt='' \/><\/p>\n<p>Auch die Kollegen von der &#8222;WAZ&#8220; nutzten diesen Ort f\u00fcr einen solidarischen Witzstreik:  <\/p>\n<p><img src='http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-content\/waz_glosse.jpg' alt='' \/><\/p>\n<p>(&#8222;Sicherheit war einmal&#8220; ist allerdings ein merkw\u00fcrdiger Satz in diesem Zusammenhang. Als ob das Ungeheure an dem Vorgang oder das Bedrohliche an der Entwicklung in der Zeitungsbranche insgesamt darin bestehen w\u00fcrde, dass Redakteure sich nicht mehr darauf verlassen k\u00f6nnen, einen Arbeitsplatz auf Lebenszeit zu haben.) <\/p>\n<p>Am Donnerstagnachmittag machte Lars Reckermann, der stellvertretende Chefredakteur der &#8222;Westf\u00e4lischen Rundschau&#8220; den Maulkorb quasi offiziell. In einer Mail an die Lokalredaktionen schrieb er: <\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Liebe Kollegen, aus \u00fcbergeordnetem Interesse und mit Blick auf Verhandlungen, die zumindest noch einigen Kollegen die M\u00f6glichkeit geben k\u00f6nnten, weiterzuarbeiten, darf im lokalen eine Berichterstattung die WR betreffend nicht stattfinden.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Wessen Interesse hier das &#8222;\u00fcbergeordnete&#8220; ist, dar\u00fcber kann man spekulieren. Sicherlich nicht das der \u00d6ffentlichkeit. Und im Zweifel auch nicht das der betroffenen Journalisten. Dann schon eher das der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung, die die Nachricht, dass sie die WR-Redaktion abschafft, <a href=\"http:\/\/www.waz-mediengruppe.de\/fileadmin\/template\/Inhalte\/Downloads\/PDF\/Pressemitteilungen_2013\/20130115_PM_Umstrukturierungen_bei_der_WAZ_Mediengruppe.pdf\">auf Neusprech formuliert<\/a> und mit dem Satz begonnen hatte: &#8222;Die WAZ Mediengruppe stellt sich in ihrem nordrhein-westf\u00e4lischen Kerngebiet zukunftssicher auf.&#8220; Und dann ist da nat\u00fcrlich das noch \u00fcbergeordnetere Interesse von Petra Grotkamp, die gerade sehr viel Geld daf\u00fcr ausgegeben hat, die Mehrheit an der WAZ-Gruppe zu \u00fcbernehmen, weshalb die WAZ-Gruppe jetzt mehr Gewinn machen muss, damit sie diese Schulden abbezahlen kann. (Zuf\u00e4llig steht Grotkamp f\u00fcr den konservativen Teil der Eigent\u00fcmer, und die WR ist bzw. war eher SPD-nah.)<\/p>\n<p>Auch der Hinweis, dass eine Berichterstattung die Chancen von Mitarbeitern gef\u00e4hrden k\u00f6nnte, \u00fcbernommen zu werden, l\u00e4sst tief blicken. Was vordergr\u00fcndig wie Sorge um die Kollegen klingt, bedeutet letztlich wohl eher, dass die Angst und Resthoffnung der Redakteure genutzt wird, selbst in den letzten Tagen der Existenz ihrer Redaktion noch Wohlverhalten und Schweigen zu erkaufen.<\/p>\n<p>Und so durfte die WR also auch nicht dar\u00fcber berichten, dass gestern in Dortmund <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/panorama\/aus-aller-welt\/westfaelische-rundschau-viel-zuspruch-bei-demo-gegen-redaktionsschliessung\/7658134.html\">viele Hundert Menschen<\/a> gegen den &#8222;Kahlschlag&#8220; bei der WR demonstriert haben. Auch die anderen Bl\u00e4tter der WAZ-Gruppe und der gemeinsame Online-Auftritt schweigen die Proteste tot.<\/p>\n<p>Bernd Berke, der fr\u00fcher selbst f\u00fcr die WR gearbeitet hat, <a href=\"http:\/\/www.revierpassagen.de\/15203\/auf-der-demo-gegen-die-rundschau-demontage\/20130119_1611\">berichtet im &#8222;Revierpassagen&#8220;-Blog<\/a>, dass am Rande der Veranstaltung das Ger\u00fccht zu h\u00f6ren war, dass selbst eine WR-Schlagzeile zur K\u00e4ltewelle (&#8222;Es hat uns eiskalt erwischt&#8220;) vor Drucklegung gestrichen worden sei, weil man sie als Anspielung auf die Schlie\u00dfung der WR-Redaktion h\u00e4tte verstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<div class=\"kenkel\">\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/rundschau-retten.de\/\">rundschau-retten.de<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/WRMussBleiben\">Facebook: Westf\u00e4lische Rundschau muss bleiben<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!109356\/\">&#8222;taz&#8220;: &#8222;Zensur in eigener Sache&#8220;<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<p><b>Nachtrag\/Korrektur, 21. Januar.<\/b> In der heutigen Ausgabe berichtet die WR in einem Fotokasten \u00fcber die Demonstration:<\/p>\n<p><img src='http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-content\/wr_demo.jpg' alt='' \/><\/p>\n<p>Auch online findet sich seit gestern Abend <a href=\"http:\/\/www.derwesten.de\/wr\/staedte\/dortmund\/kundgebung-id7502244.html\">eine Fotostrecke<\/a>.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der vergangenen Woche gab die WAZ-Gruppe bekannt, aus der &#8222;Westf\u00e4lischen Rundschau&#8220; einen Zeitungszombie zu machen. Die komplette Redaktion mit 120 Redakteuren und einer noch gr\u00f6\u00dferen Zahl freier Mitarbeiter wird geschlossen, aber die H\u00fclle bleibt erhalten. Gef\u00fcllt wird sie von Februar an mit Inhalten anderer, teils bisher konkurrierender Bl\u00e4tter. 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