{"id":15284,"date":"2013-03-11T18:58:32","date_gmt":"2013-03-11T17:58:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/?p=15284"},"modified":"2013-03-12T07:44:54","modified_gmt":"2013-03-12T06:44:54","slug":"guenther-jauchs-gebuehrend-finanzierte-gehaltlosigkeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/15284\/guenther-jauchs-gebuehrend-finanzierte-gehaltlosigkeit\/","title":{"rendered":"G\u00fcnther Jauchs geb\u00fchrend finanzierte Gehaltlosigkeit"},"content":{"rendered":"<p>So sprach G\u00fcnther Jauch, als er vor Jahren neben Carsten Maschmeyer vor einem gro\u00dfen AWD-Logo auf der B\u00fchne stand:<\/p>\n<p><img src='http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-content\/jauchawd.jpg' alt='' \/><\/p>\n<blockquote><p>Ich mach solche Veranstaltungen relativ selten. Zum einen, weil ich ja relativ viel zu tun habe, und zum anderen, weil man nat\u00fcrlich dann ja immer fragt: Was kommen da f\u00fcr Leute, wer ist da der Chef, in welchem Rahmen ist das?<\/p>\n<p>In diesem Fall war das furchtbar einfach. Weil: Ich frage zu diesem Zweck immer den Kollegen Thomas und sage: &#8222;Pass mal auf. Da hat jemand angerufen und hat gefragt.&#8220; Und dann runzelte er so ein wenig die Stirn. Und als ich ihm dann erz\u00e4hlte, wo ich da hingehe und mit wem das ist und f\u00fcr wen das ist, sagte er: &#8222;Kenn ich, kenn ich. War ich auch schonmal. Hab ich doch selber schon gemacht. Kannste hingehen, \u00fcberhaupt kein Problem. Die Leute sind prima, und der Chef&#8220; &#8212; hat er mir zumindest gesagt, ich wei\u00df nicht, wie gut Sie sich kennen &#8212; hat er gesagt, &#8222;ist auch in Ordnung.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>G\u00fcnther Jauch war jung, brauchte aber mutma\u00dflich damals schon nicht mehr das Geld. (Ich wei\u00df nat\u00fcrlich nicht, ob er \u00fcberhaupt Geld f\u00fcr diesen Auftritt vor AWD-Mitarbeitern bekommen hat, aber als reiner Freundschaftsdienst w\u00e4re es ja noch schlimmer.)<\/p>\n<p>Das <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Z1raIG7o9T8\">Video von diesem Besuch G\u00fcnther Jauchs bei Carsten Maschmeyer<\/a> machte in den vergangenen Tagen die Runde, als bekannt wurde, dass Carsten Maschmeyer zu Besuch bei &#8222;G\u00fcnther Jauch&#8220; sein w\u00fcrde. Es tr\u00e4gt bei YouTube die \u00dcberschrift &#8222;Auch G\u00fcnther Jauch stand auf der Payroll des Dr\u00fcckerk\u00f6nigs&#8220;. <\/p>\n<p>Wer es gesehen hatte, fragte sich, wie Jauch in der Sendung mit seiner so dokumentierten eigenen Rolle umgehen w\u00fcrde, insbesondere weil das Verh\u00e4ltnis zwischen Jauchs Sender, dem NDR, und Maschmeyer sonst einigerma\u00dfen zerr\u00fcttet ist. <\/p>\n<p>Jauch tat es fast beil\u00e4ufig und mit einer Flucht in eine Achtelwahrheit. Nachdem er einen Film von einem Auftritt Maschmeyers gezeigt hatte, sagte er:<\/p>\n<blockquote><p>Ich hab selber mal vor mehr als 20 Jahren bei Ihnen erlebt, wie Sie da Leute motivieren.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das war alles. Jauch hielt es offenbar f\u00fcr notwendig, die Sache nicht ganz unangesprochen zu lassen, aber nicht f\u00fcr zweckdienlich, irgendetwas zu sagen, das eine ehrliche Erkl\u00e4rung seiner eigenen Befangenheit dargestellt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Ich kann das schon verstehen. Er m\u00f6chte nicht Thema seiner eigenen Talkshow werden. Das Problem ist nur: Er ist es l\u00e4ngst.<\/p>\n<p>Er war es schon, als er mit Peer Steinbr\u00fcck \u00fcber Transparenz redete, der ihn auf seinen eigenen geheimen Vertrag mit der ARD ansprach und Jauch <a href=\"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/programmhinweis-44\/\">sich in die Unwahrheit fl\u00fcchtete<\/a>, zu behaupten, der sei \u00f6ffentlich.  <\/p>\n<p>Gestern in der Sendung mit dem Titel <a href=\"http:\/\/mediathek.daserste.de\/sendung-verpasst\/13680636_guenther-jauch\/13680656_den-managern-ans-gehalt-brauchen-wir-ein-gesetz?datum=20130310\">&#8222;Den Managern ans Gehalt! Brauchen wir ein Gesetz gegen die Gier?&#8220;<\/a> ging es sechzig Minuten lang um Chefs, die unfassbar viel mehr verdienen als ihre Mitarbeiter, um die Frage, unter welchen Voraussetzungen das gerecht sein k\u00f6nnte, und darum, wer dar\u00fcber bestimmen sollte. <\/p>\n<p>Im Englischen gibt es die sch\u00f6ne Redensart vom <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Elephant_in_the_room\">&#8222;Elefanten im Raum&#8220;<\/a>: einer gro\u00dfen, eigentlich un\u00fcbersehbaren Wahrheit, die trotzdem von allen ignoriert wird. Der Elefant in G\u00fcnther Jauchs Studio war G\u00fcnther Jauch: die Tatsache, dass all die kritischen Fragen, was denn jemand verdienen d\u00fcrfe, nicht zuletzt ihm selbst gestellt werden m\u00fcssten. <\/p>\n<p>Jauch spielte den millionenschweren Anwalt des kleinen Mannes gegen\u00fcber den Million\u00e4ren &#8212; mit der besonderen Ironie, dass er seinen unbekannten, aber mutma\u00dflich \u00fcppigen Lohn f\u00fcr diese Sendung von uns Zuschauern und Nicht-Zuschauern bekommt. Maschmeyer sprach das einmal kurz an, als er fragte, was wohl dabei rausk\u00e4me, wenn die Geb\u00fchrenzahler \u00fcber sein Honorar abstimmen d\u00fcrften, aber zum Gl\u00fcck f\u00fcr Jauch fiel ihm jemand ins Wort, bevor er h\u00e4tte antworten k\u00f6nnen oder m\u00fcssen, und f\u00fchrte das Gespr\u00e4ch von ihm weg. Es gab auch sp\u00e4ter noch eine Situation, in der Jauch wirkte, als m\u00fcsste er die Richtung f\u00fcrchten, in die Maschmeyer den Ball dribbelte. <\/p>\n<p>W\u00e4re es nicht sch\u00f6n, wenn der Moderator der am wichtigsten gemeinten \u00f6ffentlich-rechtlichen Talkshow im deutschen Fernsehen einem Carsten Maschmeyer frei von Angst und Interessenskonflikten gegen\u00fcbertreten k\u00f6nnte? W\u00e4re das nicht, genau genommen, das Mindeste? <\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich w\u00e4re es populistisch, Jauch zu fragen, ob es nicht gut w\u00e4re, wenn er mit der Sendung nicht mehr als das 20-fache eines Cutters verdienen w\u00fcrde. Aber genau das ist die Frage, die bei Jauch verhandelt wurde, und wo, wenn nicht bei einem von Geb\u00fchrengeldern finanzierten Programm, w\u00e4re es legitim, sie zu stellen?<\/p>\n<p>Jauch hat offenbar in keiner Weise das Gef\u00fchl, dass er seinen Zuschauern und den Finanzierern seines ARD-Einkommens Rechenschaft schuldig ist. Das ist schon traurig genug. Besonders scheinheilig wird es aber, wenn er glaubt, stellvertretend f\u00fcr seine Zuschauer anderen solche heiklen Fragen stellen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, ob das Kalk\u00fcl ist oder nur Selbstblindheit, weil er als einziger den Elefanten im Raum wirklich nicht sieht: Dass es eine Unm\u00f6glichkeit ist, als jemand, dessen mutma\u00dflich exorbitantes Einkommen in der Diskussion ist, \u00fcber exorbitante Einkommen zu diskutieren, ohne die eigene Rolle in irgendeiner Weise zu thematisieren, und sei es, wenn schon nicht mit Transparenz, dann wenigstens mit einem Augenzwinkern und einem Hinweis auf die eigene Befangenheit.<\/p>\n<p>Aber wenn er es nicht einmal schafft, offen und ehrlich mit einem zwanzig Jahre alten Werbe-Einsatz f\u00fcr Carsten Maschmeyer umzugehen, ist das nat\u00fcrlich viel zu viel erwartet.<\/p>\n<div class=\"kenkel\">\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/mediathek.daserste.de\/sendung-verpasst\/13680636_guenther-jauch\/13680656_den-managern-ans-gehalt-brauchen-wir-ein-gesetz?datum=20130310\">Die Sendung in der Mediathek<\/a> (aber nur f\u00fcr sechs Tage; <a href=\"http:\/\/daniel-bouhs.de\/2013\/01\/22\/gunther-jauch-setzt-die-6-tage-regel-durch\/\">l\u00e4nger will Jauch das nicht<\/a>)<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So sprach G\u00fcnther Jauch, als er vor Jahren neben Carsten Maschmeyer vor einem gro\u00dfen AWD-Logo auf der B\u00fchne stand: Ich mach solche Veranstaltungen relativ selten. 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