{"id":15660,"date":"2013-07-14T19:24:55","date_gmt":"2013-07-14T17:24:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/?p=15660"},"modified":"2013-09-26T13:46:03","modified_gmt":"2013-09-26T11:46:03","slug":"die-vg-wort-gibt-8-aufs-wort-aufs-geld-und-aufs-recht-vielleicht-nicht-so","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/15660\/die-vg-wort-gibt-8-aufs-wort-aufs-geld-und-aufs-recht-vielleicht-nicht-so\/","title":{"rendered":"Die VG Wort gibt 8 aufs Wort. Aufs Geld und aufs Recht vielleicht nicht so."},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-content\/wirgeben8_martenstein.jpeg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Erinnern Sie sich an die <a href=\"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/die-vg-wort-gibt-8-braeuchte-aber-was-auf-die-12\/\">merkw\u00fcrdige Kampagne<\/a>, die die VG Wort vor einigen Wochen zum Urheberrecht gestartet hat, \u00fcber die sie <a href=\"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/vg-wortlos-das-schweigen-der-treuhaender\/\">keine Auskunft geben wollte<\/a>? Es stellt sich heraus: Das lag an mir.<\/p>\n<p style=\"text-align:center;\">&#183;  &#183;  &#183;<\/p>\n<p>Anfang Juni bin ich nach M\u00fcnchen gefahren, zur Versammlung der Wahrnehmungsberechtigten der VG Wort. Einmal im Jahr stellen sich die Verantwortlichen bei dieser Veranstaltung mit sichtlichem Widerwillen den Leuten, f\u00fcr die sie theoretisch arbeiten.<\/p>\n<p>Ich bin dorthin gefahren, um auf diesem Wege zu versuchen, doch noch Antworten zu bekommen.<\/p>\n<p>Und tats\u00e4chlich. Robert Staats, gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Vorstand der Verwertungsgesellschaft, beantwortete meine Fragen. Die Kampagne &#8222;Wir geben 8 aufs Wort&#8220; habe bisher &#8222;knapp unter 40.000 Euro&#8220; gekostet, sagte er. Das seien &#8222;keine besonders hohen Kosten&#8220;. Die Kampagne sei &#8222;sehr erfolgreich&#8220;, habe &#8222;erhebliche Klickzahlen&#8220;: &#8222;\u00fcber 10.000 &#8212; das sind doch viele Aufrufe!&#8220;<\/p>\n<p>(Zum Vergleich: Dieses Blog hatte im gleichen Zeitraum 335.228 Seitenaufrufe. Das <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=juJNcjfIuE0\">Video<\/a> mit dem Beitrag des nicht v\u00f6llig unprominenten Kolumnisten Harald Martenstein zur Kampagne, das vor f\u00fcnf Wochen ver\u00f6ffentlicht wurde, ist seitdem 2-mal t\u00e4glich angesehen worden.)<\/p>\n<p>Konzipiert wurde die Aktion mit dem Titel &#8222;Wir geben 8&#8220; nach Staats Worten von einer Arbeitsgruppe der VG Wort, die parit\u00e4tisch mit Urheber- und Verlegervertreter besetzt gewesen sei. Die Initiative dazu sei vom Verwaltungsrat ausgegangen.<\/p>\n<p>Bleibt die Frage, warum diese Informationen so geheim waren, dass ich eigens nach M\u00fcnchen reisen musste, um sie zu bekommen. Staats Antwort:<\/p>\n<blockquote><p>Es war vielleicht ein bisschen die Form der Frage, mit Verlaub, die uns etwas hat zur\u00fcckhaltend sein lassen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn Sie sich selbst ein Bild davon machen wollen, wie unziemlich ich meine Anfrage formuliert hatte, k\u00f6nnen Sie sie <a href=\"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/e-mail-wechsel-mit-der-sog-pressesprecherin-der-vg-wort\/\">hier im Wortlaut<\/a> nachlesen. Meinen Wortwechsel mit Herrn Staats auf der Versammlung k\u00f6nnen Sie <a href=\"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wortwechsel-mit-vg-wort-vorstand-robert-staats\/\">hier<\/a> nachlesen.<\/p>\n<p style=\"text-align:center;\">&#183;  &#183;  &#183;<\/p>\n<p>Dass die VG Wort schon auf eine so l\u00e4ppische Anfrage wie meine durch Totstellen reagiert, sagt viel aus \u00fcber die allgemeine Kommunikationsunf\u00e4higkeit und -unwilligkeit dieses Vereins. Die Versammlung Anfang Juni im K\u00fcnstlerhaus am Lenbachplatz war in dieser Hinsicht eine eindrucksvolle Veranstaltung.<\/p>\n<p>Die VG Wort ist so etwas wie die Gema f\u00fcr Texte. Sie kassiert zum Beispiel von Copy-Shop-Betreibern, Festplattenherstellern und Bibliotheken Pauschalen und verteilt diese als Tantiemen an Urheber und Verlage, deren Werke vervielf\u00e4ltigt oder verbreitet werden. Knapp 170.000 Schriftsteller, Journalisten und Wissenschaftler profitieren davon; gut einhundert &#8222;Wahrnehmungsberechtigte&#8220; waren gekommen. <\/p>\n<p>Entscheiden konnten sie nichts, aber Fragen stellen an die Verantwortlichen. Die erste war so naheliegend wie abwegig: K\u00f6nnte man vielleicht diese schlechte Laune abstellen? &#8222;Ihr macht uns wirklich nicht gl\u00fccklich&#8220;, rief eine extrovertierte Frau mittleren Alters den Griesgramen auf dem Podium zu. &#8222;Es kommt von euch nichts Herzliches, Verbindliches, Warmes.&#8220; Die Angesprochenen reagierten mit L\u00e4chelversuchen, die die Frau so kommentierte: &#8222;Jetzt wird ein bisschen geschmunzelt, das ist aber blo\u00df Unsicherheit.&#8220;<\/p>\n<p>Das war richtig, aber nicht hilfreich.<\/p>\n<p style=\"text-align:center;\">&#183;  &#183;  &#183;<\/p>\n<p>Die VG Wort ist 1958 von Verlegern und Journalisten gegr\u00fcndet worden und versucht gerade, im 21. Jahrhundert anzukommen. Seit kurzem verschickt sie zur Aussch\u00fcttung der Tantiemen nicht mehr Schecks in sechsstelliger Zahl mit der Post durch das Land, sondern hat ein modernes Verfahren entdeckt, das sich &#8222;Bank\u00fcberweisung&#8220; nennt. Weiters gab der Vorstand bekannt, dass die VG Wort Anfang des Jahres eine &#8222;Arbeitsgruppe Zukunft&#8220; ins Leben gerufen habe.<\/p>\n<p>Die Zukunft scheint, verglichen mit der Vergangenheit, generell nicht der beste Freund der VG Wort zu sein. Dabei ist das Modell, das ihr zugrunde liegt, eigentlich gerade in digitalen Zeiten attraktiv: Als &#8222;eine Art &#8218;Kulturflatrate'&#8220; bezeichnet sie selbst das Modell, dass Kopien von Werken f\u00fcr private Zwecke erlaubt sind und durch Pauschalen abgegolten werden.<\/p>\n<p>Doch diese Pauschalen m\u00fcssen mit jedem Industriezweig, mit jedem potentiellen Ort der Vervielf\u00e4ltigung verhandelt werden. Der Gesch\u00e4ftsbericht, den Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Robert Staats vortrug, war im Kern eine Aufz\u00e4hlung von teils jahrelang anh\u00e4ngigen juristischen Verfahren, endlosen  Verhandlungen und kaum einem Anlass f\u00fcr Optimismus.<\/p>\n<p style=\"text-align:center;\">&#183;  &#183;  &#183;<\/p>\n<p>Der gr\u00f6\u00dfte Schlechte-Laune-Generator aber ist ein Prozess, der das Vorgehen der VG Wort grunds\u00e4tzlich in Frage stellt. Martin Vogel, ein Patentrichter und Experte der komplexen Materie, <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/38\/38909\/1.html\">wirft dem Verein vor<\/a>, das Geld der Urheber zu veruntreuen, indem er pauschal eine H\u00e4lfte der Verg\u00fctungen den Verlegern gibt. In erster Instanz bekam er recht. Die VG Wort ist in Berufung gegangen.<\/p>\n<p>Wegen des unsicheren Ausgangs hat die VG Wort die Aussch\u00fcttung der Tantiemen erst einmal wieder verschoben, was nicht zur guten Stimmung der Empf\u00e4nger beitr\u00e4gt, die auf ihre j\u00e4hrlichen Schecks &#8212; oder neuerdings gar \u00dcberweisungseing\u00e4nge &#8212; warten m\u00fcssen und \u00fcberwiegend Vogel als B\u00f6sewicht in dem Drama ausgemacht haben, obwohl der sich als K\u00e4mpfer f\u00fcr die Sache der Urheber versteht.<\/p>\n<p>Vogel war erstaunt, dass sie ihn \u00fcberhaupt in den Saal gelassen hatten, und nutzte die Gelegenheit zu ein paar provozierenden Fragen. Zum Beispiel der, wieviel Geld die VG Wort bisher f\u00fcr Gutachten ausgegeben hat, die ihre Position in dem Prozess st\u00fctzen sollen. Es ist Geld, das die Aussch\u00fcttungen mindert, und zwar m\u00f6glicherweise um einen deutlich sechsstelligen Betrag.<\/p>\n<p>Vogel meint, dass die VG Wort Geld nimmt, das eigentlich den Urhebern zusteht, um damit eine rechtliche Position zu st\u00fctzen, die den Interessen der Urheber schadet. Selbst wenn man diese Meinung nicht teilt, k\u00f6nnte man die Frage nach den Kosten f\u00fcr die Gutachten f\u00fcr legitim halten. (Insbesondere auch, weil Vogel seinerseits den Rechtsstreit ganz allein, ohne solchen Etat und ohne R\u00fcckgriff auf eingekaufte Expertise bestreitet.) <\/p>\n<p>Die Herren von der VG Wort hielten sie nicht f\u00fcr legitim. Sie redeten sich in Rage. Sie meinten, Vogel als Kl\u00e4ger in diesem Prozess h\u00e4tte nun wirklich kein Recht, diese Frage zu stellen. (Als ich die Frage dann hilfsweise wiederholte, schien das aber auch nicht zu helfen.)<\/p>\n<p>Nein, die VG Wort sah keine Veranlassung, Rechenschaft abzulegen. Lutz Franke, der Vorsitzende des Verwaltungsrates, k\u00fcndigte aber d\u00fcster an: &#8222;<em>Hinterher<\/em> werden wir abrechnen, und dann werden Sie sehen, wieviel Geld Ihnen verloren gegangen ist.&#8220;<\/p>\n<p>(Verloren gegangen, so die Insinuation, durch die Boshaftigkeit eines einzelnen Querulanten. Nicht dadurch, dass ein Fachmann und Betroffener den legitimen Weg gegangen ist, auf sein Recht zu pochen, und damit offengelegt hat, wie erstaunlich wackelig die verlegerfreundliche Rechtsgrundlage der VG Wort ist.)<\/p>\n<p>Als ein Kollege und Delegierter der Wahrnehmungsberechtigten versuchte, die Gem\u00fcter zu beruhigen, aber sagte, dass auch er die Geheimniskr\u00e4merei nicht verstehe, musste er sich vom VG-Wort-Mann abkanzeln lassen: &#8222;Sie sind hinter den Diskussionsstand zur\u00fcckgefallen.&#8220;<\/p>\n<p>Was f\u00fcr ein sympathischer, kommunikativer Verein. <\/p>\n<p style=\"text-align:center;\">&#183;  &#183;  &#183;<\/p>\n<p>Das Oberlandesgericht M\u00fcnchen will sein Urteil \u00fcber die Klage von Martin Vogel gegen die VG Wort am 25. Juli verk\u00fcnden.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"border:none;\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/55ea03f80a154c52b14c05641e740ee2\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n<p><small>Mehr \u00fcber die Hintergr\u00fcnde des Prozesses habe ich im vergangenen Jahr f\u00fcrs &#8222;Medium Magazin&#8220; <a href=\"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/einer-gegen-die-vg-wort-martin-vogel-und-die-zweifelhaften-ansprueche-der-verlage\/\">aufgeschrieben<\/a>.<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erinnern Sie sich an die merkw\u00fcrdige Kampagne, die die VG Wort vor einigen Wochen zum Urheberrecht gestartet hat, \u00fcber die sie keine Auskunft geben wollte? Es stellt sich heraus: Das lag an mir. &#183; &#183; &#183; Anfang Juni bin ich nach M\u00fcnchen gefahren, zur Versammlung der Wahrnehmungsberechtigten der VG Wort. 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