{"id":16250,"date":"2013-09-10T08:13:46","date_gmt":"2013-09-10T06:13:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/?p=16250"},"modified":"2013-09-26T13:36:32","modified_gmt":"2013-09-26T11:36:32","slug":"die-fdp-wahlhelfer-von-der-bild-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/16250\/die-fdp-wahlhelfer-von-der-bild-zeitung\/","title":{"rendered":"Die FDP-Wahlhelfer von der &#8222;Bild&#8220;-Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Der &#8222;Spiegel&#8220; hat seine Dokumentare und Datenjournalisten zehntausend Ausgaben der Rubrik <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/gesellschaft\/a-921253.html\">auswerten lassen<\/a>, in der die &#8222;Bild&#8220;-Zeitung jeden Tag einen &#8222;Gewinner&#8220; und einen &#8222;Verlierer&#8220; des Tages k\u00fcrt. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" align=\"left\" src=\"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-content\/gewinnerverlierer.gif\" alt=\"\" \/>Politiker der Linken tauchen fast nur als Verlierer auf. Nur bei Vertretern von CDU\/CSU und FDP ist das Verh\u00e4ltnis einigerma\u00dfen ausgewogen. &#8222;Je weiter links die Partei eines Politikers steht&#8220;, analysiert der &#8222;Spiegel&#8220;, &#8222;desto geringer die Chance als &#8218;Gewinner&#8216; dargestellt zu werden&#8220;. <\/p>\n<p style=\"clear:both;\">\n<p>Das ist eine sch\u00f6ne Flei\u00df\u00fcbung, und das Ergebnis ist auch nicht uninteressant. Aber aufgrund des extrem langen Beobachtungszeitraums von 16 Jahren &#8212; damals war Kai Diekmann noch <s>Quark im Schaufenster<\/s> nicht einmal &#8222;Bild&#8220;-Chefredakteur &#8212; verpasst der &#8222;Spiegel&#8220;, wie gro\u00df die politische Schieflage dieser Rubrik in entscheidenden Jahren wirklich sein kann. <\/p>\n<p>Betrachtet man nur das Wahljahr 2013, ist das einzigartige Ausma\u00df der \u00f6ffentlichen Huldigung, die die FDP durch die &#8222;Bild&#8220;-Zeitung erf\u00e4hrt, un\u00fcbersehbar. Als einzige Partei \u00fcberhaupt kommt sie auf mehr Gewinner- als Verlierer-Meldungen, und das gleich in einem erstaunlichen \u00dcberma\u00df: <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-content\/saldo2013.jpeg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Bei der Union halten sich positive und negative Erw\u00e4hnungen die Waage; Parteien des linken Spektrums produzieren bei &#8222;Bild&#8220; systematisch Verlierer-Meldungen. <\/p>\n<p>Betrachtet man Gewinner- und Verlierer-Zahlen getrennt, wird die Sonderstellung der FDP f\u00fcr &#8222;Bild&#8220; besonders deutlich: Die F\u00fcnf-Prozent-Partei generiert fast so viele positive Erw\u00e4hnungen wie die CDU, muss sich aber fast nie als Verlierer beschimpfen lassen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-content\/gewinnerverlierer2013.jpeg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Bei SPD und Gr\u00fcnen gleicht die &#8222;Bild&#8220;-Redaktion einzelne positive Erw\u00e4hnungen durch ein Mehrfaches an Negativmeldungen aus. F\u00fcr Politiker der Linken gilt wom\u00f6glich ein internes Verbot, sie als &#8222;Gewinner&#8220; einzusortieren.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist die &#8222;Gewinner\/Verlierer&#8220;-Rubrik nur ein kleiner Teil der &#8222;Bild&#8220;-Berichterstattung und vermutlich nicht einmal der, dem das Publikum die gr\u00f6\u00dfte Aufmerksamkeit schenkt. Gerade an diesen winzigen Meldungen und klaren Einsortierungen l\u00e4sst sich aber der Wille der Verantwortlichen erkennen, jemanden &#8212; sogar weitgehend unabh\u00e4ngig von der Nachrichtenlage &#8212; hoch- oder runterzuschreiben.<\/p>\n<p>FDP-Spitzenkandidat Rainer Br\u00fcderle zum Beispiel sollte neulich in der seltsamen ZDF-Politik-Game-Talk-Show &#8222;Wie geht&#8217;s Deutschland&#8220; den Begriff &#8222;Wahlversprechen&#8220; umschreibe. Er sagte: &#8222;Wenn man viel sagt, Erwartungen hat und nix rauskommt.&#8220; Das Publikum rief: &#8222;FDP!&#8220; Fast jeder Politiker h\u00e4tte es f\u00fcr diese lustige \u00f6ffentliche Dem\u00fctigung in die &#8222;Verlierer&#8220;-Ecke gebracht. &#8222;Bild&#8220; machte ihn zum &#8222;Gewinner&#8220;, weil er mitlachen musste. (&#8222;BILD meint: Gesunde Portion Humor!&#8220;)<\/p>\n<p>Sein Bundeswehr-K\u00e4ppi machte den FDP-Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel in diesem Jahr gleich zweimal zum Gewinner, zuletzt weil es &#8222;demn\u00e4chst in einer Ausstellung des Milit\u00e4rhistorischen Museums in Dresden zu sehen sein&#8220; soll. &#8222;BILD meint: Hut ab!&#8220;<\/p>\n<p>Und der FDP-Vorsitzende Philipp R\u00f6sler, der die &#8222;Bild&#8220;-Zeitung <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/fdp-chef-roesler-und-bild-boss-diekmann-eine-umarmung-und-viele-viele-fragen-1.1678934\">nicht nur metaphorisch<\/a> umarmt und sich von ihr umarmen l\u00e4sst, wurde Ende Juni so zum Gewinner gelobhudelt:<\/p>\n<blockquote><p>Vizekanzler Philipp R\u00f6sler (40) und Ehefrau Wiebke (34) besuchten Samstagabend das Robbie-Williams-Konzert in Hannovers HDI-Arena. Cool: Der FDP-Chef verzichtete auf Logenplatz und VIP-Bespa\u00dfung, sa\u00df im knallengen Muskelshirt mitten auf dem Rang &#8212; und trank Bier aus dem Plastikbecher. BILD meint: Locker-Rocker!<\/p><\/blockquote>\n<p>Solche Ranwanzerei ist, wie gesagt, eher nicht der Kern der Kampagne, mit der die &#8222;Bild&#8220;-Zeitung seit Monaten versucht, die FDP zum Gewinner zu schreiben. Sie macht die Absicht nur in besonders plumper Weise sichtbar. Der Kern der Kampagne ist eine systematisch positive bis werbliche Berichterstattung \u00fcber die FDP und ihre Protagonisten und zum Beispiel die kontinuierliche Komplizenschaft bei der Wahlkampfstrategie gegen den Erzfeind, die Gr\u00fcnen. Dazu geh\u00f6rt es, Philipp R\u00f6sler in heiklen Momenten <a href=\"http:\/\/www.stern.de\/politik\/deutschland\/der-roesler-diekmann-komplex-bild-liebt-mr-cool-2014782.html\">zum &#8222;Mr. Cool&#8220; gesund zu schreiben<\/a>: <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/politik\/inland\/philipp-roesler\/gelassen-trotz-rassismus-attacken-joerg-uwe-hahn-28451954.bild.html\">&#8222;Cool, cooler, R\u00f6sler&#8220;<\/a>. Und dazu geh\u00f6rt offenbar auch, Vermittler einer FDP-Zweitstimmenkampagne mit Helmut Kohl zu sein.<\/p>\n<p>Denn gestern gab sich &#8222;Bild&#8220; kaum noch den Anschein, etwas anderes zu sein als eine Wahlkampfzeitung. Das Blatt inszenierte gro\u00df, wie <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/politik\/inland\/helmut-kohl\/was-helmut-kohl-der-fdp-fuer-den-wahlkampf-raet-32308952.bild.html\">&#8222;Das Spitzen-Duo der Liberalen zu Gast beim Kanzler der Einheit&#8220;<\/a> war:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-content\/helmutkohlraet.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Es ist ein spr\u00f6der Text, der die unbedingte Pflicht zur Parteilichkeit atmet; der sich liest, als h\u00e4tten mehrere Zentralkomitees m\u00fchsam darum gerungen, ihn mit m\u00f6glichst vielen h\u00f6lzernen Werbeformulierungen zu vert\u00e4feln. Oder wie Friedrich K\u00fcppersbusch <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=PpjlzZ1YCtM\">gestern im &#8222;Tagesschaum&#8220; formulierte<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>Wenn das &#8222;Neue Deutschland&#8220; so hart nachgesetzt h\u00e4tte, w\u00fcrde Honecker heute noch regieren.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dazu passt, dass kein Autor des Artikels angegeben ist &#8212; wom\u00f6glich gelangte das Protokoll direkt aus der FDP-Parteizentrale unredigiert ins Blatt. Das liest sich dann so:<\/p>\n<blockquote><p>Sch\u00f6ne Unterst\u00fctzung im Wahlkampf f\u00fcr Schwarz-Gelb &#8212; FDP-Spitzenkandidat Rainer Br\u00fcderle und Parteivorsitzender Philipp R\u00f6sler gestern Nachmittag bei Altkanzler Helmut Kohl in Ludwigshafen.<\/p>\n<p>Bei sp\u00e4tsommerlichem Wetter und selbst gebackenem Pflaumen- und Blaubeerkuchen tauschten die drei Politiker im Garten des Ludwigshafener Bungalows von Helmut Kohl Erfahrungen aus, sprachen \u00fcber k\u00fcnftige Notwendigkeiten und diskutierten \u00fcber den Wahlkampf.<\/p>\n<p>Helmut Kohl begr\u00fc\u00dfte den FDP-Spitzenkandidaten Br\u00fcderle mit den Worten: &#8222;Sch\u00f6n, dass es Ihnen wieder so gut geht. Ihre Auftritte im Wahlkampf gefallen mir sehr. Dies gerade auch deshalb, weil Sie immer wieder auch von den Werten reden, die unsere b\u00fcrgerliche Politik immer ausgemacht haben und heute noch ausmachen.&#8220;<\/p>\n<p>R\u00f6sler erg\u00e4nzte: &#8222;Und es waren gerade diese Werte, die in den vergangenen vier Jahren dazu beigetragen haben, dass es Deutschland so gut geht. Und wir wollen, dass genau dies auch in Zukunft so weitergeht.&#8220;<\/p>\n<p>Einig waren sich die drei darin, dass es am 22. September wichtig ist, dass die Menschen w\u00e4hlen gehen. Zugleich m\u00fcssten die W\u00e4hler \u00fcberzeugt werden, dass die b\u00fcrgerliche Koalition aus CDU\/CSU und FDP fortgesetzt werde.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das geht noch viele Zeilen so weiter. Ich empfehle sehr, <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/politik\/inland\/helmut-kohl\/was-helmut-kohl-der-fdp-fuer-den-wahlkampf-raet-32308952.bild.html\">das Werk in seiner kompletten inhaltlosen Floskeligkeit<\/a> nachzulesen. Es ist ein Artikel zum Aufheben und Abschrecken. (Und, Spoiler: &#8222;Was Helmut Kohl der FDP f\u00fcr den Wahlkampf r\u00e4t&#8220;, steht nat\u00fcrlich nicht darin, au\u00dfer nat\u00fcrlich indirekt so etwas wie: &#8222;Macht doch mit mir eine sch\u00f6ne Zweitstimmenkampagne; die &#8218;Bild&#8216;-Zeitung ist da gern willenloser Werbepartner, wisst ihr ja.&#8220;)<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float:right;border:none;\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/b5cfe770e7aa468fb724ce4a2c60240f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der &#8222;Spiegel&#8220; hat seine Dokumentare und Datenjournalisten zehntausend Ausgaben der Rubrik auswerten lassen, in der die &#8222;Bild&#8220;-Zeitung jeden Tag einen &#8222;Gewinner&#8220; und einen &#8222;Verlierer&#8220; des Tages k\u00fcrt. Politiker der Linken tauchen fast nur als Verlierer auf. 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