{"id":17248,"date":"2014-02-12T01:50:47","date_gmt":"2014-02-12T00:50:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/?p=17248"},"modified":"2015-06-10T14:06:40","modified_gmt":"2015-06-10T12:06:40","slug":"der-unterschied-zwischen-schwulen-gegnern-und-schwulen-gegner-gegnern","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/17248\/der-unterschied-zwischen-schwulen-gegnern-und-schwulen-gegner-gegnern\/","title":{"rendered":"Der Unterschied zwischen Schwulen-Gegnern und Schwulen-Gegner-Gegnern"},"content":{"rendered":"<p>Gegen Ende <a href=\"http:\/\/www.daserste.de\/unterhaltung\/talk\/menschen-bei-maischberger\/sendung\/07022014-homosexualitaet-auf-dem-lehrplan-100.html\">ihrer Talkshow<\/a> wollte Sandra Maischberger demonstrieren, wie hoch die Emotionen auf beiden Seiten der Debatte gehen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"border:none;\" src=\"http:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/80b78d0a7720489593297a1d3563611a\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n<p>Sie zitierte aus Kritik, die das Publikum gegen\u00fcber dem Deutschlandfunk einerseits und ihrer Redaktion andererseits \u00e4u\u00dferte. &#8222;Dem Deutschlandfunk wurde im Prinzip vorgeworfen, zu schwulenfreundlich zu sein&#8220;, sagte sie. &#8222;Uns wurde im Vorfeld der Sendung vorgeworfen, zu schwulenfeindlich zu sein. Und das Interessante ist dabei&#8220; &#8212; sie z\u00f6gerte und schaute betroffen in die Kamera &#8212; &#8222;die Wahl der Worte.&#8220;<\/p>\n<p>Dann zeigte sie Beispiele. Einerseits:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Homosexualit\u00e4t ist und bleibt pervers. In vielen L\u00e4ndern ist sie bei Strafe verboten. Sie war es bei uns auch, als es noch keine falsch verstandene Liberalit\u00e4t gab.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Homosex ist nicht die Norm der Sch\u00f6pfung.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Mich w\u00fcrde interessieren, wie eine Gesellschaft, die einheitlich auf die gleichgeschlechtliche Ehe setzt, die sp\u00e4teren Renten finanzieren will.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Andererseits:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Keine Plattform f\u00fcr Homo\u2013 und Transhasser.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Von Lesben und Schwulen geht keine Gefahr aus! Hier wird keiner umerzogen! Es droht auch nicht der Niedergang des Abendlandes, nur weil man \u00fcber sexuelle Vielfalt informiert.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Beim Thema Homosexualit\u00e4t darf jeder zu Wort kommen, egal welchen Hass er predigt.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Sie las hinterher noch weitere Beispiele vor, von der &#8222;einen Seite&#8220; und von der &#8222;anderen Seite&#8220;, und suggerierte, dass die Extreme auf beiden Seiten nat\u00fcrlich gleicherma\u00dfen zu verurteilen seien.<\/p>\n<p>Und l\u00f6schte damit die Resthoffnung aus, dass sie wenigstens im Ansatz verstanden haben k\u00f6nnte, was so <a href=\"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/maischberger-sorgt-sich-um-traditionelle-werte-und-umerziehung-der-kinder\/\">kritikw\u00fcrdig an der Konstellation der Sendung und ihrer Ank\u00fcndigung war<\/a>.<\/p>\n<p>Die Deutschlandfunk-Kritiker verurteilen Menschen f\u00fcr das, was sie sind: homosexuell.<\/p>\n<p>Die &#8222;Maischberger&#8220;-Kritiker verurteilen Menschen f\u00fcr das, was sie tun: Homosexuelle diskriminieren.<\/p>\n<p>Das ist nicht dasselbe. Das hat nicht dieselbe Qualit\u00e4t. Objektiv nicht.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen dar\u00fcber streiten, was der richtige Umgang mit Menschen wie Birgit Kelle und Hartmut Steeb ist. Ob ihre Positionen richtig sind oder wenigstens satisfaktionsf\u00e4hig oder nicht. Wir k\u00f6nnen dar\u00fcber streiten, ob die Schm\u00e4hungen, denen sie ausgesetzt waren, angemessen oder \u00fcbertrieben waren. Aber Gegenstand der Diskussion ist, welche Positionen sie vertreten.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen auch \u00fcber dar\u00fcber streiten, ob die Kritik an Maischberger berechtigt war. Sie entz\u00fcndete sich vor allem an der Art, wie sich ihre Redaktion im Vorfeld die Thesen der Verfechter einer vermeintlich traditionellen Moral zu eigen machte.<\/p>\n<p>Es sind Angriffe darauf, wie Menschen handeln und welche Positionen sie vertreten. Das ist die eine Seite.<\/p>\n<p>Und die andere Seite sagt: Ihr seid weniger wert, weil ihr lesbisch oder schwul seid. Ihr seid krank. Eure Liebe m\u00fcsste man verbieten (wie es in vielen L\u00e4ndern geschieht). Es sind Angriffe auf die Identit\u00e4t von Menschen.<\/p>\n<p>Das ist nicht dasselbe. Das sind nicht zwei gleichartige Extreme, hier die \u00fcbertriebenen Schwulenhasser, da die \u00fcbertriebenen Schwulenfreunde. Es sind zwei v\u00f6llig unterschiedliche Arten von Angriffen.<\/p>\n<p>Nicht f\u00fcr Sandra Maischberger. Sie pr\u00e4sentierte vermeintlich schlimme Zitate von beiden Seiten und war schockiert \u00fcber die Wahl der Worte, auf beiden Seiten.<\/p>\n<p>(Ich w\u00fcsste gern, was an dem zweiten Zitat der Maischberger-Kritiker \u00fcberhaupt problematisch ist, aber um das zu verstehen, muss man vielleicht in einer Redaktion arbeiten, die es tats\u00e4chlich zun\u00e4chst unproblematisch fand, der Sendung den Titel zu geben: &#8222;Homosexualit\u00e4t auf dem Lehrplan: Droht die moralische Umerziehung?&#8220; Es gab da in der Sendung selbst nicht den Hauch einer Andeutung von Einsicht, warum das heikel sein k\u00f6nnte, oder gar Selbstkritik.)<\/p>\n<p>Ich halte den <a href=\"http:\/\/www.der-appell.de\/\">&#8222;Waldschl\u00f6sschen-Appell gegen die Verharmlosung homosexualit\u00e4tsfeindlicher Diffamierungen&#8220;<\/a>, wie gesagt, f\u00fcr problematisch. Weil man ihn so verstehen kann, als sollten bestimmte, missliebige Positionen aus der \u00f6ffentlichen Debatte ausgeschlossen werden. Aber <a href=\"http:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=3149\">er hat das Ziel<\/a>, genau das zu verhindern, was bei Maischberger nicht nur passierte, sondern von der Moderatorin auch noch aktiv gef\u00f6rdert wurde: Dass der Eindruck entsteht, Diskriminierung von Minderheiten und Nicht-Diskriminierung von Minderheiten seien zwei gleichwertige Positionen oder &#8222;Meinungen&#8220;, die man in einem Duell gegeneinander antreten lassen kann. Als sei &#8222;zu schwulenfreundlich&#8220; ein nat\u00fcrlicher und sinnvoller Gegensatz zu &#8222;zu schwulenfeindlich&#8220; und das gesunde Ma\u00df irgendwas in der Mitte. Und als sei nicht &#8222;schwulenfeindlich&#8220; an sich schon eine Haltung, die im \u00f6ffentlichen Diskurs so inakzeptabel sein sollte wie &#8222;ausl\u00e4nderfeindlich&#8220;, &#8222;frauenfeindlich&#8220; oder &#8222;schwarzenfeindlich&#8220;, ohne dass man sie \u00fcberhaupt steigern m\u00fcsste.<\/p>\n<p>Und so bleibt von dieser ARD-Talkshow dank Sandra Maischberger die Botschaft, dass wir es nicht \u00fcbertreiben sollten: Nicht mit der Akzeptanz von Schwulen und Lesben und nicht mit ihrer Ablehnung.<\/p>\n<p>Und wenn Sie diesen letzten Satz f\u00fcr sinnlos halten, dann haben Sie es schwer in der Redaktion von Sandra Maischberger, die jeden Dienstag im \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland eine Talkshow moderiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gegen Ende ihrer Talkshow wollte Sandra Maischberger demonstrieren, wie hoch die Emotionen auf beiden Seiten der Debatte gehen. 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