{"id":3090,"date":"2008-11-25T08:14:47","date_gmt":"2008-11-25T07:14:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/?p=3090"},"modified":"2008-11-25T12:40:27","modified_gmt":"2008-11-25T11:40:27","slug":"ein-preis-fuer-theo-zwanziger","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/3090\/ein-preis-fuer-theo-zwanziger\/","title":{"rendered":"Ein Preis f\u00fcr Theo Zwanziger"},"content":{"rendered":"<p>Nachher erh\u00e4lt dann also DFB-Pr\u00e4sident Theo Zwanziger den Preis <a href=\"http:\/\/www.gegen-vergessen.de\/archiv\/zwanziger_18092008.html\">&#8222;Gegen Vergessen &#8211; F\u00fcr Demokratie&#8220;<\/a>. Der gleichnamige Verein w\u00fcrdigt damit &#8222;sein \u00fcberzeugendes Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Rechtsextremismus und die begonnene Auseinandersetzung mit der Geschichte seines Verbandes im Nationalsozialismus&#8220;.<\/p>\n<p>Mangels Interesse am Fu\u00dfball habe ich mich nie ernsthaft mit dem DFB, seiner Geschichte und seinen Pr\u00e4sidenten besch\u00e4ftigt. Deshalb kann ich die Preisw\u00fcrdigkeit Zwanzigers nicht fundiert beurteilen. Vieles, was sich von ihm und \u00fcber ihn lesen l\u00e4sst, spricht aber daf\u00fcr, dass sein gesellschaftspolitisches Engagement tats\u00e4chlich bemerkens- und preisenswert ist &#8212; dass ein DFB-Pr\u00e4sident <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/sport\/Theo-Zwanziger-DFB-Homosexualitaet;art272,2536961\">Schwulenfeindlichkeit im Fu\u00dfball und \u00fcberhaupt zum Thema macht<\/a>, ist ein Beispiel daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Aber den Respekt, den er sich damit verdient, verspielt er, wenn er den Eindruck erweckt, dass es ihm gar nicht um die Sache geht, sondern darum, sich mit der Sache zu schm\u00fccken.<\/p>\n<p>Das ist an der ganzen <a href=\"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/tag\/theo-zwanziger\/\">Auseinandersetzung zwischen ihm und dem Journalisten Jens Weinreich<\/a> f\u00fcr mich ein besonders ekliger Nebeneffekt: Zu sehen, wie Theo Zwanziger nicht z\u00f6gert, sein Engagement dazu zu missbrauchen, sich so zu erh\u00f6hen, dass Kritik an ihm fast wie Blasphemie wirkt. Er l\u00e4sst auf diese Weise Kritik an ihm wie Kritik an den guten Sachen erscheinen.<\/p>\n<p>Dieser Reflex durchzieht die Auseinandersetzung fast von Anfang an. Schon in der Beschwerde gegen den Beschluss des Landgerichtes Berlin, das es ablehnte, eine einstweilige Verf\u00fcgung gegen Jens Weinreich auszusprechen, wies Zwanzigers Anwalt auf die damals noch zwei Monate entfernte Preisverleihung hin. In einem <a href=\"http:\/\/www.direkter-freistoss.de\/2008\/11\/16\/ich-bin-kein-prozesshansel\/\">Interview mit Oliver Fritsch<\/a> betonte Zwanziger, wie zur Rechtfertigung seines harten Vorgehens gegen Weinreich, in Yad Vashem gewesen zu sein. Zus\u00e4tzlich instrumentalisierte er noch seinen Kampf gegen Homophobie, indem er erkl\u00e4rte, im Falle einer Niederlage an die <a href=\"http:\/\/www.eglsf.info\/\">European Gay &amp; Lesbian Sports Federation<\/a> (EGLSF) zu spenden, &#8222;weil ich dort die Arbeit von Tanja Walther sehr sch\u00e4tze&#8220;, und Weinreich aufforderte, es ihm gleich zu tun. An Stelle der EGLSF-Leute h\u00e4tte ich mich schmutzig gef\u00fchlt, dass Zwanziger sich nicht sch\u00e4mte, ihre gute Sache ohne Not durch einen solch billigen PR-Gag zu missbrauchen und ihre Arbeit zu einem Pfand in seinem Feldzug gegen einen Journalisten zu entwerten. Und jeder, der sich auskennt oder ein bisschen googelt, kommt schnell darauf, dass Zwanzigers Lob f\u00fcr Tanja Walther auch ein Lob f\u00fcr sich selbst ist: Im Oktober erst sind sie gemeinsam f\u00fcr ihr Eintreten gegen Homophobie im Sport <a href=\"http:\/\/www.dfb.de\/index.php?id=500014&#038;no_cache=1&#038;tx_dfbnews_pi1[showUid]=15966&#038;cHash=b6495cdac0\">mit dem &#8222;Tolerantia-Preis&#8220; ausgezeichnet worden<\/a>.<\/p>\n<p>Das DFB-Pr\u00e4sidium hat die Instrumentalisierung der guten Taten des Theo Zwanziger dann in <a href=\"http:\/\/www.dfb.de\/index.php?id=500014&amp;tx_dfbnews_pi1[showUid]=16381\">seiner ber\u00fcchtigten Erkl\u00e4rung<\/a> auf die Spitze getrieben und den Eindruck erweckt, er sei deshalb sakrosankt: &#8222;Wer die Vita und das konsequente Engagement von Theo Zwanziger im Kampf gegen Neo-Nazis kennt&#8220;, sagt darin Zwanzigers Stellvertreter Rainer Koch, &#8222;versteht selbstverst\u00e4ndlich seine Reaktion&#8220;, n\u00e4mlich das juristische Vorgehen gegen Jens Weinreich. In dem Satz steckt die erstaunliche Logik, dass jemand, der sich gegen Rassismus engagiert (ebenso wie jemand, der in der Holocaust-Gedenkst\u00e4tte in Jerusalem war), besonders verletzlich sei und ganz besonders vor Angriffen gesch\u00fctzt werden m\u00fcsse. Die umgekehrte Logik f\u00e4nde ich \u00fcberzeugender: Jemand, der von sich selbst wei\u00df, wie engagiert er gegen Volksverhetzung k\u00e4mpft, und regelm\u00e4\u00dfig in seinem Pressespiegel nachlesen kann, dass es auch die \u00d6ffentlichkeit wei\u00df, m\u00fcsste doch gen\u00fcgend Selbstbewusstsein haben, eine f\u00fcr ihn unerkl\u00e4rliche Beschimpfung als &#8222;Demagoge&#8220; auszuhalten oder sogar zu erkennen, dass sie nicht im Sinne eines Nazi-Vergleichs gemeint sein kann, weil das offensichtlich abwegig w\u00e4re. Stattdessen hat Zwanziger mit seinem Verhalten ungewollt den urspr\u00fcnglichen Vorwurf Weinreichs teilweise best\u00e4tigt &#8212; indem er gezeigt hat, dass sein Verband bereit ist, nicht nur juristisch, sondern auch durch die Verbreitung von Unwahrheiten gegen Kritiker vorzugehen.<\/p>\n<p>Zwanziger l\u00e4sst seinen Generalsekret\u00e4r Wolfgang Niersbach dann in der Presseerkl\u00e4rung auch noch ausf\u00fchrlich darauf hinweisen, dass er den Preis &#8222;Gegen Vergessen &#8212; F\u00fcr Demokratie&#8220; bekommen wird, und bringt die Namen Hans-Joachim Vogel und Joachim Gauck in Spiel, fast als w\u00e4ren sie Zeugen gegen Weinreich. Der Verein selbst (der zehnmal so viele Mitglieder hat wie der DFB schreibt) und seine Aufgaben scheinen dem DFB dabei herzlich egal. Er dient nur als Integrit\u00e4tsausweis und Leumundszeuge f\u00fcr Zwanziger. Ligaverbands-Pr\u00e4sident Reinhard Rauball darf das dann besonders plump aussprechen: &#8222;Es ist f\u00fcr mich unvorstellbar, wie ein Journalist eine so integre Person wie Dr. Theo Zwanziger als Demagogen diffamieren kann.&#8220; Da zu diesem Zeitpunkt selbst der DFB akzeptiert hat, dass Jens Weinreich den Pr\u00e4sidenten nicht in die N\u00e4he des Nationalsozialismus r\u00fccken wollte, kann dieser Satz nur hei\u00dfen, dass der DFB glaubt, durch das gesellschaftspolitische Engagement des Pr\u00e4sidenten verbiete sich jede harte Kritik an ihm, einer &#8222;so integren Person&#8220;.<\/p>\n<p>Es mag sein, dass Theo Zwanziger den Preis, den er heute bekommt, verdient hat. Er hat ihn aber bereits entwertet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachher erh\u00e4lt dann also DFB-Pr\u00e4sident Theo Zwanziger den Preis &#8222;Gegen Vergessen &#8211; F\u00fcr Demokratie&#8220;. Der gleichnamige Verein w\u00fcrdigt damit &#8222;sein \u00fcberzeugendes Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Rechtsextremismus und die begonnene Auseinandersetzung mit der Geschichte seines Verbandes im Nationalsozialismus&#8220;. 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