{"id":4449,"date":"2009-03-13T18:19:45","date_gmt":"2009-03-13T17:19:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/?p=4449"},"modified":"2009-03-13T18:19:45","modified_gmt":"2009-03-13T17:19:45","slug":"zielgruppe-an-arte-welches-datum-ist-heute","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/4449\/zielgruppe-an-arte-welches-datum-ist-heute\/","title":{"rendered":"Zielgruppe an arte: Welches Datum ist heute?"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe zwei P\u00e4sse, einen deutschen und einen franz\u00f6sischen. Meine Mutter ist Franz\u00f6sin, mein Vater Deutscher. Ich habe Geistes- und Sozialwissenschaften in Frankreich und Deutschland studiert. Ich arbeite auf dem weiten Feld von Kunst und Kultur. Ich schaue nie arte. <\/p>\n<p>Das sagt sicher viel und nichts Gutes \u00fcber mich aus, es sagt aber auch etwas \u00fcber den Sender aus. Anders formuliert: Wenn vierzigj\u00e4hrige deutschfranz\u00f6sische Feuilletonredakteure nicht diesen Sender schauen &#8212; wer dann? <\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen die Frage noch zuspitzen. Es gibt auf arte eine Magazin mit dem sch\u00f6nen Namen &#8222;Paris-Berlin. Die Debatte.&#8220; (Es gibt auch ein Magazin &#8222;arte Kultur&#8220;, was mich vor das gleiche R\u00e4tsel stell wie amerikanische Wochen bei McDonalds oder &#8222;Brigitte Woman&#8220;, aber lassen wir das.) Schon der Name. Eine Debatte braucht ein Thema und idealerweise eines, das in eine Frage passt: Soll man Rauchen verbieten, ist Kernkraft gesund, macht Buttermilch sch\u00f6n?<\/p>\n<p>Paris-Berlin ist eine Nachtzugverbindung, aber keine Debatte. Ich kenne beide St\u00e4dte gut und bin da oft, aber ich fasse dieses Magazin ganz einfach nicht. In der gestrigen Sendung ging es um das Thema irgendwie moderne Kunst. Damian Hirst war der Einstieg, und ob es noch mit rechten Dingen zugeht, wenn er so viel kassiert. Anlass war sein mit Diamanten besetzter Sch\u00e4delabguss &#8222;For the Love of God&#8220;. Hundert Millionen wurden f\u00fcr den bezahlt &#8212; im August 2007! <\/p>\n<p>Ich hielt es f\u00fcr eine Wiederholung. Das Thema ist uralt. Von den Auswirkungen der Krise auf den Kunstmarkt, \u00fcber die die Zeitungen allerdings nun auch schon vor Wochen schrieben, war in der Sendung kaum was zu h\u00f6ren. Es war eine ewig sch\u00f6ne Sendung, die manwei\u00dfnichtwann manwei\u00dfnichtwo aufgezeichnet wurde. Alles sah gut aus. Moderatorin, G\u00e4ste, Bildsprache, Musik &#8212; alles h\u00f6chste Qualit\u00e4t. Nur der Inhalt war leider von 2004.<\/p>\n<p>Oh, ich w\u00fcsste noch weitere Themen: Die Zukunft des Romans. War Athen besser oder Rom. Macht der Tonfilm das Kino kaputt. F\u00fcr die folgende Ausgabe ist etwas \u00fcber das moderne Essen vorgesehen. Auch immer wieder interessant. Aber nie zwingend, nie mutig, nie riskant. <\/p>\n<p>Was mich besonders \u00e4rgert: Am selben Tag war zuf\u00e4llig das politische Paris in Berlin, wo ein deutsch-franz\u00f6sisches Ministertreffen stattfand. Am selben Tag hatten beide L\u00e4nder mit dem Amoklauf von Winnenden, der auch in der franz\u00f6sischen \u00d6ffentlichkeit eine riesige Resonanz hatte, ein gemeinsames soziokulturelles Thema. Nichts davon fand sich in dieser &#8222;Debatten&#8220;-Sendung. arte muss solche Magazine live senden. Es muss etwas passieren in den Studios. <\/p>\n<p>Die Krise, die so vermieden wurde, ist auch ein Moment der Weichenstellung. Wenn man schon die M\u00f6glichkeiten hat, so ein hochwertiges Magazin zu machen, in einer Zeit, in der es um die deutsch-franz\u00f6sischen Beziehungen nicht immer zum besten steht, dann hat man aber auch eine Pflicht: Es aufregend zu machen, brisant, unabdingbar. So, dass ich es schauen MUSS. Ich bin in diesem Fall einfach angewandte Soziologie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe zwei P\u00e4sse, einen deutschen und einen franz\u00f6sischen. Meine Mutter ist Franz\u00f6sin, mein Vater Deutscher. Ich habe Geistes- und Sozialwissenschaften in Frankreich und Deutschland studiert. Ich arbeite auf dem weiten Feld von Kunst und Kultur. Ich schaue nie arte. 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