{"id":55,"date":"2002-06-23T20:38:40","date_gmt":"2002-06-23T18:38:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/wp\/artikel\/bild-zeitung\/"},"modified":"2002-06-23T20:38:40","modified_gmt":"2002-06-23T18:38:40","slug":"bild-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/55\/bild-zeitung\/","title":{"rendered":"Bild-Zeitung"},"content":{"rendered":"<p><b>Nichts zu danken.<\/b> Die \u201eBild\u201c-Zeitung wird f\u00fcnfzig Jahre alt \u2013 und alle, alle gratulieren. Doch gibt es was zu feiern?<\/p>\n<p>Vielleicht mu\u00df man das einfach mal erlebt haben, da\u00df einem Familienmitglieder wegsterben in einem furchtbaren Unfall und man am n\u00e4chsten Tag nicht die paar Schritte von der Haust\u00fcr zum Auto gehen kann, weil Fotografen und Reporter von der &#8222;Bild&#8220;-Zeitung am Grundst\u00fcck lauern und einen verfolgen und fotografieren und wenig sp\u00e4ter anrufen und fragen, ob man sich wirklich ganz sicher sei, da\u00df man nicht in einem Interview \u00fcber die eigene Trauer reden wolle, weil man die Fotos von einem selbst und seinen Angeh\u00f6rigen ver\u00f6ffentlichen werde, so oder so, aber so w\u00e4re es vielleicht besser.<\/p>\n<p>Vielleicht mu\u00df man das einfach mal erlebt haben, da\u00df man mit seinem Laster einen tragischen Unfall verursacht, der zwei Menschen das Leben kostet, um festzustellen, da\u00df damit der Tiefpunkt noch nicht erreicht ist, sondern erst am n\u00e4chsten Tag, als die &#8222;Bild&#8220;-Zeitung ein riesiges Foto von einem abdruckt und einen Pfeil und daneben die Schlagzeile: &#8222;Er hat gerade zwei Berliner totgefahren.&#8220;<\/p>\n<p>Vielleicht mu\u00df man das einfach mal erlebt haben, da\u00df man vor Gericht steht, weil man m\u00f6glicherweise als Handwerker einen Fehler gemacht hat und durch eine ungl\u00fcckliche Verkettung von Umst\u00e4nden ein Kind einen Stromsto\u00df erleidet, der bleibende Sch\u00e4den bei ihm ausl\u00f6st, und am n\u00e4chsten Tag sein eigenes Gesicht in der &#8222;Bild&#8220;-Zeitung sehen und daneben die Frage: &#8222;Hat der Elektriker Timmi auf dem Gewissen?&#8220;<\/p>\n<p>Vielleicht w\u00fcrde es schon reichen, wenn man einmal erlebt h\u00e4tte, wie das ist, als halbwegs prominenter Mensch von der Klatsch-Kolumnistin der &#8222;Bild&#8220;-Zeitung angerufen zu werden und sinngem\u00e4\u00df gesagt zu bekommen: &#8222;Sag mir, mit wem du v\u00f6gelst. Wenn du es mir nicht sagst, schreiben wir morgen, du v\u00f6gelst mit XY.&#8220;<\/p>\n<p>Wahrscheinlich w\u00fc\u00dfte man dann, da\u00df die &#8222;Bild&#8220;-Zeitung l\u00fcgt, wenn sie, wie gestern, schreibt: &#8222;,Bild&#8216; feiert Geburtstag. Ganz Deutschland freut sich, ganz Deutschland feiert mit.&#8220; Wahrscheinlich w\u00fcrde man dann versuchen, die Jubil\u00e4umsfeierlichkeiten in der &#8222;Bild&#8220;-Zeitung weitr\u00e4umig zu umfahren. Und wahrscheinlich w\u00fcrde man dann verzweifeln, weil man feststellen m\u00fc\u00dfte, da\u00df &#8222;Bild&#8220; in diesen Tagen nicht nur Geburtstag hat, sondern heiliggesprochen wird, nicht nur von den angeschlossenen Springer-Bl\u00e4ttern, nicht nur von den Konservativen und Staatstragenden, sondern auch von der halben liberalen Presse. Vor ein paar Jahren war es noch so, da\u00df &#8222;Bild&#8220; b\u00e4h war; alle lasen sie, aber wer sich bekannte, es gerne und interessiert zu tun, war in aufgekl\u00e4rten Kreisen schnell ein Au\u00dfenseiter. Heute ist es so, da\u00df &#8222;Bild&#8220; cool ist; alle lesen sie, und wer sich bekennt, sie f\u00fcr ein entsetzliches menschenverachtendes Blatt zu halten, ist in aufgekl\u00e4rten Kreisen schnell ein Au\u00dfenseiter.<\/p>\n<p>Sie hat sich diese schillernde Oberfl\u00e4che aus Nebens\u00e4chlichem, Harmlosigkeiten und Selbstironie zugelegt, die Medienprofis und Intellektuellen gef\u00e4llt. Die freuen sich \u00fcber den Einfall, zum Fu\u00dfball-Spiel am fr\u00fchen Morgen die &#8222;Bild&#8220;-Zeitung mit zwei Titelseiten erscheinen zu lassen &#8211; je nach Sieg oder Niederlage. Sie interpretieren \u00f6ffentlich, wie man das zu werten habe, da\u00df die &#8222;Bild&#8220;-Zeitung, im kalkulierten Schein-Tabubruch, vor dem USA-Spiel schreibt: &#8222;Ami go home&#8220;, h\u00f6h\u00f6. Sie sind s\u00fcchtig nach dem t\u00e4glichen Brief von Franz-Josef Wagner und neidisch auf seine F\u00e4higkeit, den Wirrwarr in seinem Kopf ohne Umweg \u00fcber Filter im Gehirn auf die Seiten flie\u00dfen zu lassen. Sie schauen mit ein bi\u00dfchen Abscheu und viel Faszination auf die Abgr\u00fcnde, die sich jeden Tag auf Seite eins auftun, auf die x-te Wendung im Uschi-Glas-Drama, staunen, wie &#8222;Bild&#8220; es an guten Tagen schafft, wenn man glaubt, nun k\u00f6nnte ihnen dazu unm\u00f6glich noch etwas einfallen, sogar mehrere Dauer-Handlungsstr\u00e4nge zusammenlaufen zu lassen und die Schicksale von Klaus-J\u00fcrgen Wussow, Uschi Glas und Ireen Sheer unendlich kunstvoll ineinander zu verweben.<\/p>\n<p>Sie lesen die &#8222;Bild&#8220;-Zeitung, kurz gesagt, als Fiktion. Und die &#8222;Bild&#8220;-Zeitung f\u00f6rdert das, indem sie &#8211; selbstbewu\u00dft und selbstreflexiv, fest verankert im postmodernen und postideologischen Zeitalter &#8211; ihre eigene Rolle im Blatt zum Thema macht und zum Beispiel das endlos weitergedrehte Wussow-Scheidungsdrama selbst zur Soap erkl\u00e4rt und mit eigenem Logo &#8222;Die Wussows&#8220; samt Angabe der &#8222;Folge&#8220; versieht.<\/p>\n<p>&#8222;Kampagnen&#8220; hat man dem Chefredakteur Kai Diekmann kurz nach seinem Amtsantritt vorgeworfen, und er hat das emp\u00f6rt von sich gewiesen. So ein Unfug: Seit Diekmann Chefredakteur ist, finden auf der Seite eins der &#8222;Bild&#8220;-Zeitung fast ausschlie\u00dflich Kampagnen statt &#8211; nur da\u00df man sie, angesichts der Themen, eher &#8222;Fortsetzungsromane&#8220; nennen m\u00fc\u00dfte. Jedes Thema wird \u00fcber Tage, Wochen, Monate gar weitergedreht, bis auch die letzte dramaturgische Wendung und irre Pointe herausgepre\u00dft ist. Im Februar standen an vierzehn von vierundzwanzig Erscheinungstagen die privaten Sorgen von Uschi Glas und ihrer Familie auf der Titelseite der &#8222;Bild&#8220;. Ein Thema so ernst zu nehmen verlangt einen gewissen Unernst, ein Augenzwinkern. Das ist hohe Kunst. Da staunt die Branche. Und lacht.<\/p>\n<p>Ob es auch dem durchschnittlichen Leser gef\u00e4llt, ist eine andere Frage. Ausgerechnet im ersten Quartal, jenem mit den Uschi-Glas-Trennungs-Festspielen, sackte die Auflage der &#8222;Bild&#8220;-Zeitung um 200 000 St\u00fcck gegen\u00fcber dem Vorjahr ab, ein R\u00fcckgang um heftige f\u00fcnf Prozent. Diekmann erkl\u00e4rt das damit, da\u00df die Leser nicht mehr abgez\u00e4hlte Groschen r\u00fcberschieben konnten, sondern nach Cent kramen mu\u00dften. Frage: W\u00fcrde die &#8222;Bild&#8220;-Zeitung einem Wirtschaftsbo\u00df oder Minister diese Erkl\u00e4rung durchgehen lassen?<\/p>\n<p>In einer Lobhudelei attestierte die &#8222;Welt&#8220; ihrem Schwesterblatt in der vergangenen Woche, da\u00df &#8222;das heutige Blatt erheblich j\u00fcnger und sexier wirkt als die Protestierenden von damals&#8220; (was nat\u00fcrlich kein Kunstst\u00fcck ist, da es Menschen ein bi\u00dfchen schwerer f\u00e4llt als Zeitungen, den Alterungsproze\u00df durch den Austausch von Chefredakteuren aufzuhalten). Die &#8222;Welt&#8220; weiter: &#8222;Die Intellektuellen haben aufgeh\u00f6rt, sich \u00fcber ,Bild&#8216; aufzuregen.&#8220; Das Furchtbare an diesem Satz ist, da\u00df er in doppelter Hinsicht stimmt. Er beinhaltet n\u00e4mlich auch die Analyse, da\u00df es nicht die &#8222;Bild&#8220;-Zeitung ist, die sich ver\u00e4ndert hat, zahmer geworden sei etwa, sondern die Intellektuellen diejenigen sind, die sich ge\u00e4ndert haben. Die Orientierungspunkte haben sich verschoben, die Medienwelt insgesamt, nur deshalb ist &#8222;Bild&#8220; pl\u00f6tzlich kein Schmuddelkind mehr. Heute erz\u00e4hlt der nette Herr R\u00f6bel, der bis vor eineinhalb Jahren &#8222;Bild&#8220;-Chefredakteur war, im &#8222;Tagesspiegel&#8220; ganz offen, wie das geht, dieses Witwensch\u00fctteln, das ihm sein Chef beigebracht hat, \u00fcber den er &#8222;nichts Schlechtes sagen&#8220; kann: &#8222;Hatte man etwa bei einem Ungl\u00fcck die Adresse von Hinterbliebenen herausgefunden, ist man sofort hingefahren, klar. Beim Abschied aber hat man die Klingelschilder an der T\u00fcr heimlich ausgetauscht, um die Konkurrenz zu verwirren. Ich war damals oft mit demselben Fotografen unterwegs, wir hatten eine perfekte Rollenaufteilung. Er hatte eine Stimme wie ein Pastor und begr\u00fc\u00dfte die Leute mit einem doppelten H\u00e4ndedruck, herzliches Beileid, Herr . . . Ich mu\u00dfte dann nur noch zuh\u00f6ren. So kamen wir an die besten Fotos aus den Familienalben. . . . Es war einfach geil.&#8220;<\/p>\n<p>Schwer zu sagen, ob all die Intellektuellen, die sich nicht mehr aufregen, all die liberalen Journalisten mit ihren Eigentlich-ist-sie-doch-gut-Artikeln zum Geburtstag, ob sie diese Methoden auch geil finden oder ob sich ihre &#8222;Bild&#8220;-Lekt\u00fcre auf die witzigen, schr\u00e4gen, spannenden ersten beiden Seiten, den Sport und den Klatsch am Schlu\u00df beschr\u00e4nkt. Dazwischen n\u00e4mlich, vor allem in den Lokalteilen, l\u00e4uft das Blut wie eh und je. Es vergeht kein Tag, ohne da\u00df zum Beispiel &#8222;Bild Berlin&#8220; der Leserschaft die Beteiligten eines Unfalls, eines Prozesses, irgendeiner Trag\u00f6die mit gro\u00dfen Fotos zum Fra\u00df vorwirft. Eine Viertelseite f\u00fcllt das Foto von Christian S. neben der Schlagzeile: &#8222;Ich habe eine nette Oma totgefahren. Was ist mein Leben jetzt noch wert?&#8220; Verd\u00e4chtige werden nicht dann zu M\u00f6rdern, wenn sie verurteilt sind, sondern wenn &#8222;Bild&#8220; sie dazu erkl\u00e4rt: &#8222;Anna (7) in Schultoilette vergewaltigt. Er war&#8217;s&#8220; steht dann da und ein Pfeil und ein Bild, und im Text ist schon vom &#8222;Beweis seiner Schuld&#8220; die Rede.<\/p>\n<p>Jeder Beteiligte wird abgebildet und trotz eines Alibi-Balkens \u00fcber seinen Augen (den auch nicht alle bekommen) mit Vornamen, abgek\u00fcrztem Nachnamen und Ortsangabe f\u00fcr sein Umfeld eindeutig identifizierbar. &#8222;Weil sie sich mit ihrem Freund am\u00fcsierte &#8211; diese Berliner Mutter lie\u00df ihren Sohn verhungern&#8220;, &#8222;Dominik (15) erh\u00e4ngte sich auf dem Dachboden&#8220; &#8211; sie alle d\u00fcrfen wir sehen. Es reicht schon, eine blinde H\u00fcndin ausgesetzt haben zu sollen, um mit Foto an den &#8222;Bild&#8220;-Pranger gestellt zu werden.<\/p>\n<p>Das Blatt Axel C. Springers k\u00e4mpft immer noch jeden Tag die alten K\u00e4mpfe. Wenn die PDS mitregiert in Berlin, schreibt &#8222;Bild&#8220;: &#8222;PDS krallt sich drei Senatoren-Posten&#8220;. Wenn Gregor Gysi Wirtschaftssenator wird, steht da an einem Tag die Frage: &#8222;Was wird jetzt aus Berlin&#8220; und an einem anderen Tag die Antwort: &#8222;Gute Nacht, Berlin&#8220; und nur ganz klein darunter in Klammern: &#8220; . . . sagt Edmund Stoiber&#8220;. &#8222;Neue Stasi-Akten \u00fcber Gysi gefunden&#8220;, hei\u00dft die \u00dcberschrift neben einem Bild, auf dem man ihm den b\u00f6sen Spitzel schon anzusehen glaubt, doch im Text sagt ein Sprecher der Gauck-Beh\u00f6rde nur: &#8222;Hier und da wurde noch ein Blatt \u00fcber ihn gefunden&#8220; und der Autor erg\u00e4nzt: &#8222;Ob brisant, dazu wurden keine Angaben gemacht&#8220;. Wenn es sein mu\u00df, wie vor einigen Monaten in Bremen, wird t\u00e4glich neu gegen &#8222;Schein-Asylanten&#8220; gehetzt. Sexualstraft\u00e4tern wird konsequent das Mensch-Sein abgesprochen; sie sind &#8222;Monster&#8220;, deren Leben &#8222;im Knast sch\u00f6ner&#8220; wird, &#8222;beinahe wie im Hotel&#8220;. Die Leser verstehen, ohne da\u00df &#8222;Bild&#8220; es hinschreiben m\u00fc\u00dfte: Ihre Zeitung k\u00e4mpft t\u00e4glich f\u00fcr die Todesstrafe f\u00fcr Kindersch\u00e4nder und -m\u00f6rder.<\/p>\n<p>Nein, neu ist das alles nicht. Das ist es ja: Im Kern ist die &#8222;Bild&#8220;-Zeitung die alte. Ein entsetzliches, menschenverachtendes Blatt.<\/p>\n<p>Bitter daran, da\u00df dies von weiten Teilen der ver\u00f6ffentlichten Meinung nicht mehr so gesehen wird, ist auch, da\u00df es Kai Diekmann ermuntert, ein Bild von seiner Arbeit und seiner Zeitung zu zeichnen, das h\u00f6chstens in einem Springerschen Paralleluniversum Ber\u00fchrungspunkte zu dem hat, was t\u00e4glich nachzulesen ist. Der Mann, dessen Zeitung vom Presserat immer wieder wegen der immer gleichen Verst\u00f6\u00dfe ger\u00fcgt wird, dieser Mann sagt gegen\u00fcber der Katholischen Nachrichtenagentur: Die Grenzen des Boulevards seien dort, &#8222;wo Menschen verletzt werden k\u00f6nnten&#8220; &#8211; daher messe sich die Zeitung regelm\u00e4\u00dfig an den journalistischen Leitlinien des Deutschen Presserats. Messen schon, nur verfehlt sie sie regelm\u00e4\u00dfig.<\/p>\n<p>Der &#8222;Frankfurter Rundschau&#8220; erz\u00e4hlt Diekmann: &#8222;Ich bin ein Streiter f\u00fcr journalistische Sorgfalt, gegen die Verluderung der Sitten.&#8220; Jeder Reporter m\u00fcsse selbst entscheiden, wo die Grenzen sind, aber er sage ihnen: &#8222;,Lieber haben wir dreimal das Bild nicht, als da\u00df wir den Angeh\u00f6rigen der Opfer zu nahe treten.&#8216; Schlie\u00dflich sind das Menschen, die ohne eigenes Zutun ins Licht der \u00d6ffentlichkeit ger\u00fcckt sind.&#8220; Das ist ein Satz, der so atemberaubend ist, da\u00df er in jedes Schulbuch geh\u00f6rt. Und daneben der &#8222;Bild&#8220;-Artikel samt Foto von dem Maurer, der in seinem Dachstuhl verbrannt ist. Oder der &#8222;Bild&#8220;-Artikel samt Foto von dem dreizehnj\u00e4hrigen Unfallopfer: &#8222;Tot, weil er eine Sekunde nicht aufgepa\u00dft hat&#8220;. Oder der &#8222;Bild&#8220;-Artikel samt Foto von dem Vizeb\u00fcrgermeister, der sich &#8222;in Pf\u00fctze totgefahren&#8220; hat. Oder der &#8222;Bild&#8220;-Artikel samt Foto von dem Achtzehnj\u00e4hrigen, der nach einem Unfall auf regennasser Stra\u00dfe im Auto seines besten Freundes starb.<\/p>\n<p>Dann sagt Kai Diekmann der &#8222;Frankfurter Rundschau&#8220; noch dies: &#8222;Ganz im Ernst: Wer wirklich privat sein will, kann das selbstverst\u00e4ndlich sein. Es gibt Menschen, Politiker, die setzen bewu\u00dft ihre Familie ein. Und andere, wie G\u00fcnther Jauch oder Harald Schmidt, tun&#8217;s nicht. Die haben unbedingten Anspruch auf Schutz ihrer Privatsph\u00e4re.&#8220; Wirklich privat wollte, nach eigenen Angaben, Alfred Biolek mit seinem Partner sein. Kai Diekmanns &#8222;Bild&#8220;-Zeitung gew\u00e4hrte ihm diese Ehre nicht. Zwei Tage lang zelebrierte sie eine Home-Story, die auch noch den Eindruck erweckte, sie sei von Biolek selbst initiiert. Wirklich privat wollte auch Anke S. sein, die Geliebte des Ehemanns von Uschi Glas. Anders als die &#8222;Luder&#8220;-Fraktion wollte sie entschieden nicht in die Presse, ging gegen die Ver\u00f6ffentlichung ihrer Bilder vor, doch im Februar gab es Zeiten, in denen sie Tag f\u00fcr Tag auf der ersten Seite der &#8222;Bild&#8220;-Zeitung nackt abgebildet war, einen schwarzen Balken nicht \u00fcber den Augen, sondern ihrem Busen, als w\u00e4re der das Merkmal, an dem sie zu erkennen w\u00e4re. Biolek und Anke S. gehen juristisch gegen die &#8222;Bild&#8220;-Zeitung vor, wie Hunderte Prominente vor ihnen. Einige bekommen vor Gericht recht, die meisten einigen sich irgendwie mit der Zeitung, weil Recht eine Sache ist, die Feindschaft der &#8222;Bild&#8220;-Zeitung eine andere.<\/p>\n<p>Selbst einige von jenen, denen die &#8222;Bild&#8220;-Zeitung \u00fcbel mitgespielt hat, haben ihre Einwilligung gegeben, da\u00df der Verlag ihr Foto f\u00fcr die Jubil\u00e4ums-Kampagne benutzen darf, die auf geschickte Weise offenl\u00e4\u00dft, ob &#8222;Bild&#8220; ihnen dankt oder sie &#8222;Bild&#8220; danken. \u00d6ffentlich nicht mitfeiern wollen nur die Wallraffs dieser Welt, die man leicht als Ewiggestrige, Miesepeter, Spielverderber darstellen kann. Ach, und vielleicht der ein oder andere Mensch, dessen privates Ungl\u00fcck so ungleich unertr\u00e4glicher dadurch wurde, da\u00df die &#8222;Bild&#8220;-Zeitung davon lebt, es der ganzen Nation zu zeigen.<\/p>\n<p style=\"font-variant:small-caps;text-align:right\">(c) Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nichts zu danken. Die \u201eBild\u201c-Zeitung wird f\u00fcnfzig Jahre alt \u2013 und alle, alle gratulieren. Doch gibt es was zu feiern? 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