{"id":5902,"date":"2009-06-28T20:26:16","date_gmt":"2009-06-28T18:26:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/?p=5902"},"modified":"2009-07-08T20:27:01","modified_gmt":"2009-07-08T18:27:01","slug":"christiane-ruff","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/5902\/christiane-ruff\/","title":{"rendered":"Christiane Ruff"},"content":{"rendered":"<p>Es k\u00f6nnte sein, dass sich dieser Text gleich ein bisschen zu sehr wie ein Nachruf lesen wird, aber keine Sorge: Christiane Ruff lebt. Sie verabschiedet sich nur in der kommenden Woche aus dem Fernsehgesch\u00e4ft. Das ist allerdings besonders schade. Nicht nur, weil die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Produktionsfirma Sony Pictures (fr\u00fcher: Columbia Tristar) mit ihrer lauten, undiplomatischen, leidenschaftlichen Art einer Frau aus dem Ruhrgebiet so ein sympathischer Fremdk\u00f6rper in der Branche war. Sondern auch, weil sie uns das Genre der deutschen Sitcom schenkte. <\/p>\n<p>Dabei waren die Anf\u00e4nge gruselig: Als RTL-Unterhaltungsredakteurin war sie zu Beginn der neunziger Jahre mitverantwortlich f\u00fcr die Idee, amerikanische Erfolgsserien wie &#8222;Eine schrecklich nette Familie&#8220; einfach w\u00f6rtlich ins Deutsche zu \u00fcbersetzen und unter Titeln wie &#8222;Hilfe, meine Familie spinnt&#8220; nachspielen zu lassen. Aber der Sender lie\u00df sie weiter probieren, und irgendwann schien sie als Produzentin eine Formel gefunden zu haben f\u00fcr warmherzige und lustige Sitcoms, die ihre Protagonisten ernst nahmen und vom Publikum und von der Kritik geliebt wurden: &#8222;Nikola&#8220;, &#8222;Ritas Welt&#8220;, &#8222;Mein Leben und ich&#8220;. (Wenn man die Kritik wegl\u00e4sst, z\u00e4hlen noch &#8222;Die Camper&#8220; und &#8222;Alles Atze&#8220; dazu.) <\/p>\n<p>Es war sehr ansehnliches, wiederholbares, kommerziell h\u00f6chst erfolgreiches Unterhaltungsfernsehen, und nichts sprach daf\u00fcr, dass dieses Genre &#8211; mit all seinen mehr und weniger gelungenen Nachahmern &#8211; je wieder verschwinden w\u00fcrde. Tat es aber. Nachdem der j\u00fcngste Versuch, &#8222;Der kleine Mann&#8220; mit Bjarne M\u00e4del auf Pro Sieben, gerade auf sensationelles Zuschauerdesinteresse stie\u00df, kann selbst ein sehr ungeschickter S\u00e4gewerksarbeiter die Zahl der erfolgreichen deutschen Comedyserien an einer Hand abz\u00e4hlen. <\/p>\n<p>Bei RTL glaubt man nicht einmal an seine eigenen Auftragsproduktionen: Die von Sony produzierte Schulcomedy &#8222;Der Lehrer&#8220;, die der Sender schon im Mai 2007 vorgestellt hat und die 2008 f\u00fcr die &#8222;Goldene Rose&#8220; nominiert wurde, wird erst jetzt im Sp\u00e4tsommer, fast widerwillig, ins Programm genommen und schnell in Doppelfolgen versendet. Was man in Zukunft von RTL an fiktionalen Serienproduktionen erwarten darf, zeigt die Tatsache, dass der Sender die entsprechenden Mitarbeiter gerade entl\u00e4sst und die Abteilungen de facto aufl\u00f6st. <\/p>\n<p>Die gro\u00dfen Erfolge von Sony liegen nun auch schon einige Jahre zur\u00fcck, die Versuche mit Dramaserien waren ambitioniert, aber vergleichsweise erfolglos, stattdessen funktionierte Schrott wie das Versteckte-Kamera-Fake &#8222;B\u00f6se M\u00e4dchen&#8220;, und die Spielr\u00e4ume werden in Zukunft eher schrumpfen. Besser wird&#8217;s nicht, sagt Christiane Ruff und geht. Sie wird dem Fernsehen fehlen, auch wenn das Fernsehen das nicht merkt. <\/p>\n<p style=\"font-variant:small-caps;text-align:right\">(c) Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es k\u00f6nnte sein, dass sich dieser Text gleich ein bisschen zu sehr wie ein Nachruf lesen wird, aber keine Sorge: Christiane Ruff lebt. Sie verabschiedet sich nur in der kommenden Woche aus dem Fernsehgesch\u00e4ft. Das ist allerdings besonders schade. Nicht nur, weil die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Produktionsfirma Sony Pictures (fr\u00fcher: Columbia Tristar) mit ihrer lauten, undiplomatischen,<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[935,90,416,936],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5902"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5902"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5902\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5902"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5902"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5902"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}