{"id":5970,"date":"2009-07-12T10:10:20","date_gmt":"2009-07-12T08:10:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/?p=5970"},"modified":"2009-07-13T10:15:48","modified_gmt":"2009-07-13T08:15:48","slug":"ijoma-mangold","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/5970\/ijoma-mangold\/","title":{"rendered":"Ijoma Mangold"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe Angst vor den Augenbrauen von Ijoma Mangold. Das ist, zugegeben, nicht die fundierteste Kritik an der neuen ZDF-B\u00fcchersendung und ihrem Moderator, aber es ist wahr. Ijoma Mangolds Augenbrauen k\u00f6nnen Dinge, die Augenbrauen nicht k\u00f6nnen sollten. Sie k\u00f6nnen hoch oben auf der Stirn einen kleinen Tisch mit exakten rechten Winkeln bilden und sich nur einen Moment sp\u00e4ter in Form von F-L\u00f6chern einer Geige ganz dicht \u00fcber den Augen kringeln. Sie k\u00f6nnen zwei strenge Dreiecke bilden und asymmetrische Muster, und manchmal korrespondiert das mit den H\u00e4nden, die unentwegt schrauben und wischen, winken und f\u00e4chern &#8212; einmal pumpen sie sogar abwechselnd, als w\u00fcrden sie eine Hei\u00dfe-Luft-Matratze aufblasen. <\/p>\n<p>Es schien, als h\u00e4tten Mimik und Gestik beschlossen, auf eigene Faust den Versuch zu unternehmen, die Blutleere in Mangolds Sprache zu kompensieren. Er hatte, vermutlich aus der Redaktion der &#8222;Zeit&#8220;, wo er arbeitet, das Wort &#8222;Assoziationsechoraum&#8220; mit ins Fernsehen gebracht. Er sprach von einem Mann aus &#8222;prek\u00e4ren Lebensverh\u00e4ltnissen, der am Rande dieser B\u00fcrgerlichkeitswelt situiert ist&#8220;, freute sich, das alte Dresden &#8222;in seinem Glanz illuminiert&#8220; zu sehen, und erkl\u00e4rte: &#8222;&#8218;Cool&#8216; ist eine Eigenschaft, die auch \u00e4sthetische Valeurs haben kann.&#8220; <\/p>\n<p>Mangold hat in der Sendung den Part, neben der eher gef\u00fchligen Amelie Fried den Intellektuellen zu geben. Das ist eine ohnehin undankbare Aufgabe, die nicht leichter dadurch wird, dass sein Verh\u00e4ltnis zur Literatur ein ausschlie\u00dflich akademisches zu sein scheint. Er freute sich, wenn ein Buch &#8222;tolle Rollenmodelle gegen\u00fcberstellt&#8220; oder &#8222;von der Komposition erstaunlich&#8220; war, und als der Gast Walter Sittler gerade so etwas wie Leidenschaft f\u00fcr Erich K\u00e4stner und sein Werk &#8222;Als ich ein kleiner Junge war&#8220; verspr\u00fcht hatte, warf Mangold ein, dass ihn so begeistert h\u00e4tte, in dem Buch Motive wie die &#8222;enge Sohn-Mutter-Beziehung&#8220; aus &#8222;Emil und die Detektive&#8220; wieder gefunden zu haben, und die Magie war dahin. <\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich darf so eine B\u00fccherwerbesendung, wie sie &#8222;Die Vorleser&#8220; sein will, auch ohne die Kaufaufforderungsrhetorik einer Elke Heidenreich auskommen. Aber die erste Sendung wirkte tats\u00e4chlich wie vorgelesen und aufgesagt. Sie vermittelte das Gef\u00fchl, dass B\u00fccherlesen doch etwas f\u00fcr sehr spezielle Leute ist, die sich f\u00fcr merkw\u00fcrdige Dinge begeistern und zu selten aus ihren Assoziationsechor\u00e4umen rauskommen. <\/p>\n<p style=\"font-variant:small-caps;text-align:right\">(c) Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung<\/p>\n<div class=\"kenkel\">\n<ul>\n<li><b><a href=\"http:\/\/www.zdf.de\/ZDFmediathek\/content\/794416\">Die Sendung in der ZDF-Mediathek.<\/a><\/b><\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe Angst vor den Augenbrauen von Ijoma Mangold. Das ist, zugegeben, nicht die fundierteste Kritik an der neuen ZDF-B\u00fcchersendung und ihrem Moderator, aber es ist wahr. Ijoma Mangolds Augenbrauen k\u00f6nnen Dinge, die Augenbrauen nicht k\u00f6nnen sollten. 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