{"id":7260,"date":"2009-10-18T18:42:35","date_gmt":"2009-10-18T16:42:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/?p=7260"},"modified":"2009-10-19T09:58:14","modified_gmt":"2009-10-19T07:58:14","slug":"die-schwulen-sollen-wieder-verschwinden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/7260\/die-schwulen-sollen-wieder-verschwinden\/","title":{"rendered":"Die Schwulen sollen wieder verschwinden"},"content":{"rendered":"<p>Philipp Gut mag keine Schwulen mehr sehen. Wo er auch hinguckt, sind Homosexuelle: in der Politik, im Milit\u00e4r, auf der Stra\u00dfe, im Internet, selbst in den Schulen. Philipp Gut f\u00fchlt sich davon bel\u00e4stigt. Er hat nichts gegen die Leute an sich, und eigentlich auch nichts gegen ihre Homosexualit\u00e4t. So lange sie sie nur verstecken. Jetzt, da Homosexualit\u00e4t nicht mehr diskriminiert werde, sagt er, gebe es auch keinen Grund mehr, sie zu zeigen.<\/p>\n<p>Philipp Gut ist Kultur- und Gesellschaftschef der &#8222;Weltwoche&#8220;. Die Schweizer Wochenzeitung hat sich unter Roger Koeppel geschickt eine publizistische Nische erobert, indem sie all die \u00fcberwundenen geglaubten Ressentiments von ihrem muffigen Geruch befreit und neu als frischen Kampf gegen vermeintliche Denkverbote des vermeintlichen Mainstreams verkauft.<\/p>\n<p>Guts Beschwerde \u00fcber die &#8222;Homosexualisierung der Gegenwart&#8220; <a href=\"http:\/\/www.weltwoche.ch\/ausgaben\/2009-27\/artikel-2009-27-handschellen-in-rosarot.html\">erschien dort im Sommer<\/a>, und der Text war dumm und homophob genug, um <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/article4878502\/Homosexualitaet-ist-zu-einer-Art-Religion-geworden.html\">gestern von der &#8222;Welt&#8220; recyclet zu werden<\/a>. \u00dcber dreieinhalb Monate sp\u00e4ter wirken die konkreten Beispiele in dem Artikel zwar merkw\u00fcrdig inaktuell, aber die Ignoranz und B\u00f6sartigkeit der Argumentation ist zweifellos zeitlos.<\/p>\n<p><img src='http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-content\/schwulenkult.jpg' alt='' \/><\/p>\n<p>Philipp Gut verbr\u00e4mt seine Ablehnung von Homosexualit\u00e4t hinter der Behauptung, sie sei &#8222;zu einer Art Religion&#8220;, ein &#8222;Glaubenssystem&#8220; geworden:<\/p>\n<blockquote><p>Wer sich outet, wird zum leuchtenden M\u00e4rtyrer einer bekennenden Kirche.<\/p><\/blockquote>\n<p>Nun ist es ein bisschen bedr\u00fcckend, dass ein Kulturchef die Bedeutung des Wortes <a href=\"http:\/\/wissen.de\/wde\/generator\/wissen\/ressorts\/bildung\/index,page=1186542.html\">&#8222;M\u00e4rtyrer&#8220;<\/a> nicht kennt. Vermutlich wollte er einfach &#8222;Helden&#8220; oder gar &#8222;Heiligen&#8220; sagen. Aber er belegt ohnhin nicht einmal im Ansatz, worin eigentlich dieses &#8222;Glaubenssystem&#8220; besteht, was das quasi Religi\u00f6se daran sein soll, dass viele Menschen ihr Schwul- und Lesbischsein nicht mehr verstecken. <\/p>\n<p>Nein, es geht nicht um Religion. Es geht darum, dass Philipp Gut eine Art gesamtgesellschaftliches <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Don%E2%80%99t_ask,_don%E2%80%99t_tell\">&#8222;Don&#8217;t Ask Don&#8217;t Tell&#8220;<\/a> fordert. Er schreibt:<\/p>\n<blockquote><p>Man braucht nur ein paar Minuten im Internet zu surfen, um auf alle m\u00f6glichen Interessen- und Lobbygruppen zu sto\u00dfen.<\/p>\n<p>Das Angebot reicht von den Schwulen Eisenbahnfreunden in Deutschland \u00fcber die Schwulen V\u00e4ter und den LesBiSchwulen Jugendverband bis zu schwulen Offizieren und Polizisten.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ist das nicht sch\u00f6n? Menschen mit gleichen Interessen tun sich zusammen. Solange der Verein Schwuler Eisenbahnfreunde niemanden zwingt, bei sich Mitglied zu werden, w\u00fcsste ich nicht, was man dagegen haben k\u00f6nnte &#8211; oder was es Herrn Gut \u00fcberhaupt angeht. Andererseits kann ich mir vorstellen, dass es gerade f\u00fcr  Soldaten oder Polizisten auch im Jahr 2009, auch in Deutschland nicht immer ganz einfach ist, schwul zu sein oder gar zur eigenen Homosexualit\u00e4t zu stehen, und so ein Verband sehr hilfreich sein kann.<\/p>\n<p>Philipp Gut spricht von einem &#8222;Siegeszug des schwulen Lifestyles&#8220;. Ich wei\u00df nicht, was er damit meint. Ich wei\u00df allerdings, dass sich ein Guido Westerwelle von den Oliver Pochers dieser Welt immer noch schlechte Schwulenwitze anh\u00f6ren muss. (Gut selbst macht auch einen kleinen Witz, der aus den sechziger Jahren oder der sechsten Klasse kommen k\u00f6nnte, und spricht von der &#8222;pardon: Penetrierung des \u00f6ffentlichen Lebens mit der Homosexualit\u00e4t&#8220;. Da wei\u00df man wenigstens, wovor er sich am meisten f\u00fcrchtet.) <\/p>\n<blockquote><p>Der Punkt scheint erreicht, wo die Propagierung des eigenen Lebensstils auf Kosten der Meinungs\u00e4u\u00dferungsfreiheit ins Intolerante kippt. J\u00fcngstes Beispiel ist der Fall von Carrie Prejean, die den Titel einer Miss California wegen kritischer \u00c4u\u00dferungen zur Homo-Ehe abgeben musste.<\/p><\/blockquote>\n<p>Mal abgesehen davon, dass ich nicht sehe, wo Schwule ihren Lebensstil &#8222;propagieren&#8220; (das Wort kn\u00fcpft wohl nicht zuf\u00e4llig an die uralte M\u00e4r an, man k\u00f6nne oder wolle heterosexuelle junge Menschen f\u00fcr sich rekrutieren), und mal abgesehen davon, dass es ja so dramatisch nicht zu sein scheint, mit der Einschr\u00e4nkung der Meinungsfreiheit, wenn das &#8222;j\u00fcngste Beispiel&#8220; Monate zur\u00fcckliegt: Carrie Prejean musste den Titel einer Miss California <em><a href=\"http:\/\/www.foxnews.com\/story\/0,2933,525716,00.html\">nicht<\/a><\/em> wegen kritischer \u00c4u\u00dferungen zur Homo-Ehe abgeben.<\/p>\n<p>Philipp Gut behauptet, Homosexuelle \u00fcbten &#8222;heute selbstverst\u00e4ndlich alle erdenklichen B\u00fcrgerrechte aus&#8220; und spricht von einer &#8222;rechtlichen Gleichstellung&#8220;. Ich wei\u00df nicht, von welchem Land er spricht, aber in Deutschland haben schwule Paare nicht die gleichen Rechte wie heterosexuellen Paare, und in den Vereinigten Staaten fliegen sie sogar aus der Armee, wenn ihre Homosexualit\u00e4t bekannt wird.<\/p>\n<p>Gut schreibt:<\/p>\n<blockquote><p>In Berlin zogen auch dieses Jahr aus Anlass des Christopher Street Day Zehntausende von Lesben und Schwulen zur Siegess\u00e4ule, angef\u00fchrt vom schwulen B\u00fcrgermeister Klaus Wowereit (SPD). Riegelt man f\u00fcr diskriminierte Minderheiten ganze Innenst\u00e4dte ab?<\/p><\/blockquote>\n<p>Das ist die verquere Logik des Herrn Gut: Wenn die Schwulen noch diskriminiert w\u00fcrden, d\u00fcrften sie nicht auf die Stra\u00dfe. Wenn sie aber nicht diskriminiert werden, haben sie auch auf der Stra\u00dfe nichts zu suchen.<\/p>\n<p>Nun gebe ich zu, dass die CSD-Veranstaltungen eine verwirrende Mischung sind: Es sind Partys, in denen man \u00f6ffentlich die eigenen Sexualit\u00e4t feiert, es sind ultra-kommerzielle Werbeveranstaltungen, und es gibt gleichzeitig einen von Stadt zu Stadt unterschiedlich gro\u00dfen Rest politischer Demonstration f\u00fcr echte Gleichberechtigung und Toleranz. Das muss man nicht m\u00f6gen, als Schwuler so wenig wie als Hetero, aber man muss es hinnehmen, jedenfalls in dem gleichen Ma\u00dfe wie man jede andere Gro\u00dfveranstaltung mit Absperrung der Innenstadt hinnehmen muss. Und was ist schlimm daran, wenn relativ weltoffene St\u00e4dte wie Berlin, Z\u00fcrich und Amsterdam erkannt haben, dass es sich auch wirtschaftlich f\u00fcr sie lohnt, sich dieser Zielgruppe positiv zu verkaufen?<\/p>\n<blockquote><p>Die Opferrolle, mit der [Homosexuelle] nach wir [sic!] vor kokettieren, passt nicht mehr. Ihre Demonstrationen sind zu hohlen Ritualen gutmenschlicher Bekenntnisse geworden, die nichts kosten. Wer hingeht, kann sich besser f\u00fchlen &#8212; eine Gratistoleranz.<\/p><\/blockquote>\n<p>Er war offensichtlich nie da. Die Gay-Pride-Veranstaltungen sind keine Gutmenschen-, sondern Hedonisten-Veranstaltungen. Man hat Spa\u00df und feiert sich und die Vielfalt menschlicher Lebensformen. Und die Heteros, die mitfeiern oder zugucken, tun dies sicher nicht aus dem Gef\u00fchl, damit ein Opfer gebracht zu haben und bessere Menschen zu sein. Sondern weil das &#8222;gutmenschliche Bekenntnis&#8220; f\u00fcr sie eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit ist, und weil sie Spa\u00df daran haben. Weil sie das, was Philipp Gut als eine Bedrohung und eine Bel\u00e4stigung empfindet, als eine Bereicherung erleben: dass Menschen verschieden sind.<\/p>\n<p>Und dann, nat\u00fcrlich, die armen Kinder. Gut schreibt, dass &#8222;selbst vor Kindern und Schulen die schwulen Pressure-Groups nicht halt machen&#8220;. Er reibt sich daran, dass es Forderungen gibt, das Thema der sexuellen Orientierung &#8222;sowohl mit der allgemeinen Sexualerziehung als auch f\u00e4cher\u00fcbergreifend im jeweiligen Kontext in allen Altersstufen&#8220; zu behandeln. Vielleicht wei\u00df er nicht, was es bedeuten kann, in der Provinz oder in einem traditionellen muslimischen Milieu in einer deutschen Gro\u00dfstadt als Schwuler aufzuwachsen. Vielleicht glaubt er, man d\u00fcrfe Kindern in der Schule deshalb nicht \u00fcber Homosexualit\u00e4t und die Normalit\u00e4t von Homosexualit\u00e4t aufkl\u00e4ren, weil sie dann alle schwul werden.<\/p>\n<p>Er schreibt:<\/p>\n<blockquote><p>Ein bekannter Schriftsteller, der in Berlin lebt, erz\u00e4hlt, dass der Lehrer seines Sohnes der Klasse schon am ersten Schultag die Information aufdr\u00e4ngte, dass er schwul sei.<\/p><\/blockquote>\n<p>Nun wei\u00df ich nicht, ob Philipp Gut oder der unbekannte bekannte Schriftsteller dar\u00fcber weniger emp\u00f6rt w\u00e4ren, wenn der Lehrer seinen Sch\u00fclern das am dritten Tag oder erst bei der Abi-Feier erz\u00e4hlt h\u00e4tte. Ich kann mir nur vorstellen, was es hei\u00dft, als schwuler Lehrer Sch\u00fcler zu unterrichten, f\u00fcr die &#8222;schwul&#8220; eines der schlimmsten Schimpfw\u00f6rter ist; in der Angst zu leben, dass das rauskommt und irgendwann Ger\u00fcchte und b\u00f6se Spr\u00fcche die Runde machen. Ich kann mir vorstellen, warum sich ein schwuler Lehrer, der einen wesentlichen Teil seines Lebens nicht verleugnen will, in dieser Situation daf\u00fcr entscheidet, es gar nicht erst darauf ankommen zu lassen, sondern vom ersten Tag an reinen Tisch zu machen und zu sagen: So ist das. Nehmt&#8217;s hin. Ein solcher Lehrer kann das machen, um ein Vorbild zu sein f\u00fcr die, statistisch gesehen, vermutlich zwei, drei, vier Kinder in seiner Klasse, die auch homosexuell sind. Oder er kann es machen, damit es, im Gegenteil, gar kein Thema mehr ist. <\/p>\n<p>Philipp Gut ist ein besonders heuchlerischer Schwulengegner: Er hat nichts gegen schwule Lehrer, solange sie ihr Schwulsein verstecken. Im Klartext hei\u00dft das: Er hat nichts gegen schwule Lehrer, solange sie nicht schwul sind. Ich bin mir sicher, er findet sich aufgekl\u00e4rt, tolerant und modern.<\/p>\n<p>Sein Artikel endet mit einem Missverst\u00e4ndnis, das f\u00fcr seinen Text zentral und leider weit verbreitet ist:<\/p>\n<blockquote><p>Nach der erfolgreichen Emanzipation der Schwulen d\u00fcrfte man eigentlich erwarten, dass die Homosexuellenbewegung etwas lockerer wird. Welche Bedeutung hat die penetrante, ja das \u00f6ffentliche Leben bedr\u00e4ngende &#8222;Sichtbarkeit&#8220; noch?<\/p>\n<p>Schwulsein w\u00e4re dann einfach eine sexuelle Veranlagung, eine Privatsache, die nach den Regeln des guten Geschmacks in der \u00d6ffentlichkeit endlich wieder diskret behandelt w\u00fcrde. Man l\u00e4uft ja auch sonst nicht dauernd mit offenem Hosenladen herum.<\/p><\/blockquote>\n<p>Man darf nicht auf die treuherzige Harmlosigkeit hereinfallen, in der er das formuliert. Philipp Gut will, dass Schwule und Lesben aus der \u00d6ffentlichkeit verschwinden und ihr Schwul- und Lesbischsein wieder verstecken. Aber es geht nicht um eine &#8222;sexuelle Veranlagung&#8220;, um die eigene Intimsph\u00e4re, um Diskretion und &#8222;guten Geschmack&#8220;. Jemand, der sagt, dass er schwul ist, gibt damit nicht mehr von sich Preis als jemand, der sagt, dass er verheiratet ist. Als Klaus Wowereit \u00f6ffentlich verk\u00fcndete, dass er schwul sei, hat er damit nicht mehr von sich verraten als jeder Politiker, der sich mit seiner Frau zeigt, genau genommen weniger. <\/p>\n<p>Komisch, dass Herr Gut sich von sichtbaren Schwulen bel\u00e4stigt f\u00fchlt, aber nicht von sichtbaren Heterosexuellen. Wo bleibt sein Aufschrei, dass die deutsche  Bundeskanzlerin, zum Beispiel, kein Geheimnis daraus macht, dass sie mit einem Mann zusammenlebt? Ist das nur Ausdruck ihrer &#8222;sexuellen Veranlagung&#8220;? Warum, k\u00f6nnte man mit Gut fragen, m\u00fcssen Heterosexuelle (Ehe-)M\u00e4nner und (Ehe-)Frauen ihr Intimleben auf diese Art \u00f6ffentlich machen und damit, man merke sich die Formulierung: &#8222;das \u00f6ffentliche Leben bedr\u00e4ngen&#8220;? <\/p>\n<p>Philipp Gut, Ressortleiter bei der sich auf irgendeine verquere Art f\u00fcr liberal und freiheitlich haltenden &#8222;Weltwoche&#8220;, meint, dass nur Heterosexuelle das Recht haben, ihre Partner der \u00d6ffentlichkeit vorzustellen. Nat\u00fcrlich f\u00fchlt er sich von denen nicht bedr\u00e4ngt, denn die sind ja wie er: normal. (Es sei denn, ich t\u00e4te ihm Unrecht, und er sagt bei jeder Veranstaltung, wo ihm ein Mann seine Lebensgef\u00e4hrtin vorstellt: &#8222;Iiiieh, verschonen Sie mich mit diesen sexuellen Details, ich renne hier ja auch nicht mit offener Hose rum.&#8220;) Er spricht damit sicher vielen anst\u00e4ndigen B\u00fcrgern <a href=\"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/udo-walz\/\">(und dem Udo Walz nat\u00fcrlich)<\/a> aus der Seele, die es auch eklig finden, wenn zwei M\u00e4nner sich auf offener Stra\u00dfe k\u00fcssen. <\/p>\n<p>Es geht nicht um eine &#8222;sexuelle Veranlagung&#8220; und nicht um das Intimleben, weshalb es nicht nur diskriminierend, sondern vor allem dumm ist, wenn Gut fragt: &#8222;Wie sehr interessiert es uns eigentlich, wer welchen sexuellen Praktiken nachgeht und warum? Kommt als N\u00e4chstes die Latexfraktion? Oder begl\u00fccken uns die Tierliebhaber mit ihren Vergn\u00fcgungen?&#8220;<\/p>\n<p>Es gibt bei der Emanzipation von Homosexuellen einen entscheidenden Unterschied zu anderen Gruppen wie Frauen, Schwarzen oder Behinderten, die gegen ihre Diskriminierung k\u00e4mpfen: Homosexualit\u00e4t ist unsichtbar. Die Schwulenbewegung hat nicht nur um Rechte gek\u00e4mpft wie das, <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/%C2%A7_175\">\u00fcberhaupt einen anderen Mann lieben zu d\u00fcrfen<\/a>, sondern auch darum, sich nicht l\u00e4nger verstecken zu m\u00fcssen. Jemand m\u00fcsste dem sich so bedr\u00e4ngt f\u00fchlenden Philipp Gut vielleicht erkl\u00e4ren, was der Begriff des &#8222;Coming Out&#8220; bedeutet und warum er so zentral ist f\u00fcr Schwule und Lesben. Dass das Sichtbarmachen von Homosexualit\u00e4t nicht nur ein Mittel war im Kampf um B\u00fcrgerrechte, sondern wesentliches Ziel dieses Kampfes: das Recht, sein Schwul- oder Lesbischsein nicht verstecken zu m\u00fcssen. <\/p>\n<p>Philipp Gut pl\u00e4diert daf\u00fcr, dass die Homosexuellen sch\u00f6n wieder in den Schrank zur\u00fcck gehen. In diesem Schrank, soweit reicht seine Scheintoleranz, d\u00fcrfen sie dann machen, was sie wollen, da gelten dann auch die B\u00fcrgerrechte und so. <\/p>\n<p>Gut schreibt:<\/p>\n<blockquote><p>Die Schwulen bestimmen heute, wie \u00fcber Schwule zu denken und zu sprechen ist &#8212; und vor allem, wor\u00fcber man nicht sprechen darf.<\/p><\/blockquote>\n<p>Er merkt nicht, wie ironisch der Satz ist, wenn man den ganzen Rotz nun schon zum zweiten Mal in eine gro\u00dfe Zeitung schreiben durfte.<\/p>\n<p>Aber das darf man den modernen Schwulengegnern wie ihm am wenigsten durchgehen lassen: dass sie sich auch noch als Opfer stilisieren. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Philipp Gut mag keine Schwulen mehr sehen. Wo er auch hinguckt, sind Homosexuelle: in der Politik, im Milit\u00e4r, auf der Stra\u00dfe, im Internet, selbst in den Schulen. Philipp Gut f\u00fchlt sich davon bel\u00e4stigt. 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