{"id":80,"date":"2006-07-30T00:44:45","date_gmt":"2006-07-29T22:44:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/wp\/?p=25"},"modified":"2006-07-30T00:44:45","modified_gmt":"2006-07-29T22:44:45","slug":"elisabeth-volkmann","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/80\/elisabeth-volkmann\/","title":{"rendered":"Elisabeth Volkmann"},"content":{"rendered":"<p>Als erstes w\u00fcrde ich das Wort \u201eUlknudel\u201c verbieten. Daf\u00fcr wenigstens mu\u00df man dem Privatfernsehen dankbar sein, dass es das Wort \u201eKomikerin\u201c endg\u00fcltig in der deutschen Sprache etabliert hat und vielleicht k\u00fcnftige Generationen von Unterhalterinnen nicht auch noch in ihren Nachrufen das Wort \u201eUlknudel\u201c lesen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich war Elisabeth Volkmann nicht kalkwei\u00df. F\u00fcr mich ist sie sattgelb. Sie tr\u00e4gt einen Turm aus blauen Haaren, eine Kette aus roten Perlen, die sich tief in ihren Hals eingedr\u00fcckt haben, und ein tr\u00e4gerloses hellgr\u00fcnes Kleid. F\u00fcr mich ist Elisabeth Volkmann seit 15 Jahren Marge Simpson. Sie ist vielleicht der einzige Grund, warum man sich die \u201eSimpsons\u201c gelegentlich auch auf Deutsch ansehen sollte, trotz der grotesken \u00dcbersetzungsfehler. <\/p>\n<p>Man braucht nur drei W\u00f6rter von dieser Marge zu h\u00f6ren, um Elisabeth Volkmann f\u00fcr diese Rolle zu verehren. Am Anfang einer Folge w\u00fcrzt Marge die Koteletts f\u00fcr ihren Ehemann Homer und sagt: \u201eEin bisschen Rooosmarin, eine Prise Thyyymian, eine Prise Maaajoran\u201c, und wie sie die Vokale gleichzeitig br\u00fcchig und heiser macht und sie dennoch schwingen und tanzen l\u00e4\u00dft, das macht ihr keiner nach. Im Gegensatz zu den Knallchargen aus \u201eKlimbim\u201c war ausgerechnet Marge Simpson keine Comicfigur, und Elisabeth Volkmann sprach sie auch nicht so. Sie verlieh dieser Marge mit ihrer Stimme eine ungeschliffene Bodenst\u00e4ndigkeit, durch die jederzeit die F\u00e4higkeit zur Hysterie und Extravaganz durchschimmert. Elisabeth Volkmann schien mir in der \u00d6ffentlichkeit ganz \u00e4hnlich und genau umgekehrt: Ihre \u00e4u\u00dfere Schicht war das \u00dcberkandidelte, aber das Solide, Bodenst\u00e4ndige, In-sich-Ruhende schimmerte immer durch. <\/p>\n<p>Volkmann gab Marge Simpson in Deutschland eine Seele, und da\u00df ihr das gelang, obwohl sie daf\u00fcr in einem dunklen Studio mehrere hundert kleinste Szenenschnipsel an einem Tag aufnehmen mu\u00dfte, macht es noch erstaunlicher. Pro Sieben zeigte gestern eine Folge der \u201eSimpsons\u201c, in der Marge fast nicht vorkam. Der Gedanke, zur Ehre von Elisabeth Volkmann einfach die selbstironische Folge zu zeigen, in der Marge gegen die Gewalt im Fernsehen k\u00e4mpft, oder die wunderbar romantische Geschichte, wie sie beinahe dem Charme eines franz\u00f6sischen Verehrers erliegt, dieser Gedanke ist bei Pro Sieben nat\u00fcrlich niemandem gekommen.<\/p>\n<p style=\"font-variant:small-caps;text-align:right\">(c) Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als erstes w\u00fcrde ich das Wort \u201eUlknudel\u201c verbieten. Daf\u00fcr wenigstens mu\u00df man dem Privatfernsehen dankbar sein, dass es das Wort \u201eKomikerin\u201c endg\u00fcltig in der deutschen Sprache etabliert hat und vielleicht k\u00fcnftige Generationen von Unterhalterinnen nicht auch noch in ihren Nachrufen das Wort \u201eUlknudel\u201c lesen m\u00fcssen. F\u00fcr mich war Elisabeth Volkmann nicht kalkwei\u00df. F\u00fcr mich ist<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=80"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=80"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=80"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=80"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}