{"id":8915,"date":"2010-04-04T22:14:19","date_gmt":"2010-04-04T20:14:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/?p=8915"},"modified":"2010-04-09T12:09:03","modified_gmt":"2010-04-09T10:09:03","slug":"20-jahre-stern-tv","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/8915\/20-jahre-stern-tv\/","title":{"rendered":"20 Jahre &#8222;Stern-TV&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><b>Eine Sendung wie Wasser aus dem Hahn.<\/b> Moderator G\u00fcnther Jauch \u00fcber ein merkw\u00fcrdig unbeachtetes, aus der Zeit gefallenes Magazin und seine fehlende Lust auf Neues.<\/p>\n<p><small><em>(Langversion eines <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub510A2EDA82CA4A8482E6C38BC79C4911\/Doc~EA393607116F3467B90FC64502438576F~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">Interviews f\u00fcr die &#8222;Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung&#8220;<\/a>)<\/em><\/small><\/p>\n<p style=\"text-align:center;\">&#183;  &#183;  &#183;<\/p>\n<p><b>Neulich war meine Fernbedienung kaputt. Ich lag auf dem Sofa, war zu faul aufzustehen und habe versehentlich eine ganze Sendung &#8222;Stern-TV&#8220; gesehen, ohne ein einziges Mal umzuschalten. Herr Jauch, das war hart.<\/b><\/p>\n<p>Na, mit dem Sehverhalten sind Sie auch in der Minderheit. Nur etwa ein Drittel der Zuschauer sieht die komplette Sendung. Klar: Wer um Viertel nach Zehn guckt, h\u00e4lt nicht zwangsl\u00e4ufig bis Zw\u00f6lf durch. Daf\u00fcr kommen Leute um elf Uhr von irgendwo anders und bleiben eine Stunde dran. Uns hilft es auch, wenn wir eine Serie \u00fcber mehrere Sendungen haben, dass wir sie mal am Anfang platzieren und mal am Ende, und nicht jeder sagt: Ach das Thema kenn&#8216; ich ja schon. Das bringt nat\u00fcrlich den Zwang mit sich, die Filme immer so selbsterkl\u00e4rend zu machen, dass sie auch derjenige versteht, der es zum ersten Mal mitkriegt.<\/p>\n<p><b>Da lief jedenfalls die erste Folge eines Experimentes <a href=\"http:\/\/www.stern.de\/tv\/sterntv\/das-grosse-stern-tv-experiment-ploetzlich-alt-1549286.html\">&#8222;Pl\u00f6tzlich alt&#8220;<\/a>, in dem acht junge Leute vier Tage lang k\u00fcnstlich eingeschr\u00e4nkt wurden und wie in einem Altersheim lebten. Schon die Vorstellung hat Ewigkeiten gedauert, alles war endlos pseudodramatisch ausgewalzt und schleppte sich gef\u00fchlt eine Stunde lang hin.<\/b><\/p>\n<p>Es waren knapp 30 Minuten. Aber genau das ist auch die Qualit\u00e4t von &#8222;Stern-TV&#8220;. Nat\u00fcrlich kriegen Sie das zur Not auf &#8222;Tagesthemen&#8220;-Beitrags-L\u00e4nge, 3:30: Spezialanzug angezogen \/  zwei in den Rollstuhl gesetzt \/ eine ist jetzt blind \/ schwierig f\u00fcr sie \/ harte Nummer. Das machen wir eben so nicht. Andere haben f\u00fcr ihre Magazine gerade mal insgesamt 30 Minuten &#8212; wir g\u00f6nnen uns so viel Zeit, wie ein Thema braucht oder vertr\u00e4gt. Sie k\u00f6nnen dann immer noch n\u00f6rgeln: Mir ist das langweilig, mich interessiert das Thema nicht. Das ist aber bei &#8222;Stern-TV&#8220; seit 20 Jahren so. Sie werden kaum Leute finden, die immer vom ersten bis zum letzten Thema gleicherma\u00dfen elektrisiert sind. <\/p>\n<p><b>Aber ist es nicht alles sehr aufgeblasen? Es ist ein extremer Aufwand, den Sie da betrieben haben &#8230;<\/b><\/p>\n<p>Ja, der Aufwand war gewaltig. Wir haben ein halbes Jahr daran gearbeitet, alles wissenschaftlich begleiten und pr\u00fcfen lassen. Das war richtig teuer. Aber am Ende hat diese Reihe ganz besonders viele junge Leute interessiert,es war weltweit der erste Versuch dieser Art, die Bundesfamilienministerin war im Studio und die Ausbilder f\u00fcr Pflegeberufe wollen das jetzt alle auf DVD. Wissen Sie, wie man das auch nennen kann? Qualit\u00e4tsfernsehen!<\/p>\n<p><b>F\u00fcr die schlichte Erkenntnis: Alt werden ist auch nicht sch\u00f6n?<\/b><\/p>\n<p>Na gut, man kann es sich so einfach machen. Aber ich finde es schon interessant, dass da acht reflektierte junge Leute sind, die in so kurzer Zeit alle vollkommen aus der Fassung geraten und sagen, dass sie einen v\u00f6llig neuen Blick gekriegt haben, wie das ist, wenn man alt ist. Also, ich habe da sehr interessiert zugeschaut und mich k\u00f6nnen Sie ja nicht mehr so leicht begeistern. <\/p>\n<p><b>&#8222;Stern-TV&#8220; hat Redundanz zum Prinzip gemacht. Nach jedem Beitrag setzen Sie die Leute aus dem Film ins Studio und quatschen alles noch mal mit denen durch.<\/b><\/p>\n<p>Das ist nur selten so, dass ein Film tats\u00e4chlich so komplett ist, dass sich da im Studio etwas wiederholt. Aber glauben Sie im Ernst, dass es die Sendung und mich noch geben w\u00fcrde, wenn wir feststellen, dass die Filme allein eigentlich reichen? Die Zuschauer wollen beides &#8212; Film und Studioaktion. Sonst w\u00e4re ich ja nur ein \u00fcberbezahltes Moderationsmaskottchen, dass den Betrieb aufh\u00e4lt.<\/p>\n<p><b>Auf mich wirkt das oft wie die Not, mit m\u00f6glichst wenig Stoff m\u00f6glichst viel Zeit zu f\u00fcllen, um Geld zu sparen.<\/b><\/p>\n<p>Im Gegenteil. Die Sendung ist sehr aufwendig gemacht und damit auch teuer. Es sind auch nicht weniger Themen geworden. Ich finde auch, dass die Filme bei uns sehr oft eine h\u00f6here Qualit\u00e4t haben, als das, was Sie sonst so an allgemeiner Schnipselware sehen. Ohne diesen Standard bei den Filmen h\u00e4tten wir ein Problem &#8212; also stecken wir da Geld rein. Nein, was sich ge\u00e4ndert hat, sind unsere Sehgewohnheiten. Zum Beispiel dadurch, dass Sie am Computer immer das Tempo bestimmen k\u00f6nnen, wie es weitergeht. Die gef\u00fchlte Geschwindigkeit hat sich komplett ver\u00e4ndert. So gesehen mag die Sendung aus der Zeit gefallen sein. Wenn Sie das heute als neues Konzept irgendwo anbieten w\u00fcrde, diese Eindreiviertel-Stunden, auch bei den \u00d6ffentlich-Rechtlichen, das bek\u00e4men Sie nicht unter.<\/p>\n<p><b>Sie empfinden diese Langsamkeit als Gl\u00fcck, als Luxus.<\/b><\/p>\n<p>Ja, sehr. Dieses lange Erz\u00e4hlen, sich ausf\u00fchrlich um Themen zu k\u00fcmmern, das ist schon seltener geworden. Das erleben Sie noch bei 3sat-Dokumentationen oder arte-Themenabenden. Und wir holen damit jeden Mittwoch um die drei Millionen Zuschauer und Bestwerte in der jungen Zielgruppe! Vielleicht liegt das auch an dem wirklich breiten Spektrum, das wir abdecken. Dass Sie Unsinn genauso machen k\u00f6nnen wie wichtige Themen, dass Sie da Minister auflaufen lassen k\u00f6nnen und danach Seehunde, die aus dem Maul stinken und den Moderator k\u00fcssen. &#8222;Stern-TV&#8220; ist, wie der &#8222;Stern&#8220; zu Henri Nannens Zeiten war. Eine Wundert\u00fcte. Da kam auch alles drin vor, und die Leute haben das gern gelesen. <a href=\"http:\/\/www.stern.de\/tv\/sterntv\/sendung-vom-31032010-ploetzlich-alt-das-finale-1554772.html\">In dieser Woche<\/a> hatten wir das Finale der Alters-Serie, eine Geschichte \u00fcber Video\u00fcberwachung bei Schlecker, Missbrauch in der Kirche, einen Mann, der das Turiner Grabtuch perfekt mit mittelalterlichen Methoden kopiert hat sowie Berliner Jungs, die Break Dance auf Bach tanzen. Da k\u00f6nnen Sie bei jedem Thema sagen: Geht die Welt unter, wenn das nicht l\u00e4uft? Nein. Aber es ist eine gute, unterhaltsame, klassische Mischung.<\/p>\n<p><b>So einfach scheint es ja nicht zu sein, eine Wundert\u00fcte zu verkaufen, das merkt Johannes B. Kerner gerade.<\/b><\/p>\n<p>Dazu kann ich schlecht was sagen. Wir sind vor 20 Jahren angetreten, das \u00f6ffentlich-rechtliche Monopol auf die Beschreibung der Zust\u00e4nde in der Gesellschaft aufzubrechen. Aber wir hatten auch den Ehrgeiz, damit am Markt erfolgreich zu sein. Dabei ist &#8222;Stern-TV&#8220; am Anfang ziemlich gefloppt. Da war die Heerschar derjenigen, die glaubten, uns genau erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen, woran es liegt, riesig. Bis hin zum Vorstandsmitglied von Bertelsmann, das  uns einen Brief schrieb, er habe das zentrale Problem der Sendung erkannt. In Zukunft d\u00fcrften wir eines nicht mehr tun: weibliche G\u00e4ste ohne einen Blumenstrau\u00df verabschieden. Aber es gab fr\u00fcher \u00f6fter die Haltung, lass es mal laufen &#8212; entweder aus Bequemlichkeit, aus Arroganz, oder weil jemand gewusst hat: Dinge entwickeln sich. Die hektische Ungeduld bestimmt heute das Fernsehen. Einem Neustart von &#8222;Stern-TV&#8220; w\u00fcrde kein Senderchef mehr zwei Jahre Bew\u00e4hrungszeit geben. Da werden Programme ja manchmal schon nach zwei Wochen gekillt.<\/p>\n<p><b>Das hei\u00dft, die Leute gucken es auch aus Gewohnheit?<\/b><\/p>\n<p>Wir stellen zumindest fest, dass die Sendung f\u00fcr die Leute eine gro\u00dfe Bedeutung hat, weil so viele sie regelm\u00e4\u00dfig schauen. Wir beobachten aber gleichzeitig , dass sie publizistisch  kaum mehr wahrgenommen wird. Oft sind wir mit brisanten Themen die ersten auf dem Markt. Wenn Monate sp\u00e4ter zum Beispiel ein \u00f6ffentlich-rechtliches Magazin nachzieht, landet das Thema auf einmal in den Zeitungen. Das ist einerseits angenehm, weil wir in Ruhe arbeiten k\u00f6nnen und nicht dauernd einer reinquatscht. Und auf der anderen Seite ist es eigentlich  ungerecht. &#8222;Stern-TV&#8220; hat in zwanzig Jahren noch nie einen Fernsehpreis bekommen. Es gab einmal eine Nominierung f\u00fcr den Deutschen Fernsehpreis f\u00fcr eine rechtsradikale Familie in drei Generationen, die wir \u00fcber 15 Jahre begleitet haben. Ich bin deshalb nicht beleidigt, aber seltsam ist es schon. Mit &#8222;Stern-TV&#8220; verh\u00e4lt es sich vielleicht so:  Es wird dunkel, und Sie kommen nach Hause  und machen das Licht an. Da stehen Sie dann auch nicht, starren an die Decke und sagen: Boah! Oder beim H\u00e4ndewaschen geht Ihnen auch nicht durch den Sinn: Donnerwetter, Trinkwasser! K\u00f6nnt&#8216; ich mir sogar die Z\u00e4hne mit putzen! Vielleicht funktioniert auch &#8222;Stern-TV&#8220; ein bisschen so.<\/p>\n<p><b>Das erkl\u00e4rt vielleicht auch, warum Sie nicht f\u00fcr das gepr\u00fcgelt werden, f\u00fcr das andere gepr\u00fcgelt werden.<\/b><\/p>\n<p>Das stimmt auch wieder.<\/p>\n<p><b>Kerner und Lanz sind schnell Symbole geworden f\u00fcr all das, was schwierig ist an dieser Art Boulevard-Fernsehen. Sie sind erstaunlicherweise fast v\u00f6llig davon verschont worden.<\/b><\/p>\n<p>Ja, manchmal sitzen wir hinterher auch da und sagen  bei irgendeinem Thema: Hoffentlich hat das keiner gesehen. Am n\u00e4chsten Tag waren dann aber doch \u00fcberdurchschnittliche  3,5 Millionen Leute dabei &#8230;<\/p>\n<p><strong>&#8230; aber zumindest niemand, der dann noch dr\u00fcber schreibt.<\/strong><\/p>\n<p>Genau.<\/p>\n<p><strong>Macht Ihnen RTL keinen Druck, \u00f6fter Schlagzeilen zu produzieren?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn Sie 20 Jahre lang zuverl\u00e4ssig zwischen 16 und 23 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe produzieren,sind sie wechselseitig doch etwas entspannter. Vor allem haben wir ja schon an vielen Ufern gestanden. Frau Schreinemakers gegen uns, stundenlang, als Raab anfing mit &#8222;TV-Total&#8220;, Kerner sowieso. Da hat man viele kommen und gehen sehen.Und fast jeden Mittwoch Champions-League, DFB Pokal oder L\u00e4nderspiele gegen uns. Und trotzdem: Ich behaupte, dass es kein Magazin gibt, das sowohl formal als auch inhaltlich so frei arbeiten kann wie wir. Uns sagt wirklich keiner was. Das ist ein unglaubliches Privileg gerade im Fernsehen, wo es von Controllern, Bedenkentr\u00e4gern, Marktforschungsgl\u00e4ubigen und CD-Verk\u00e4ufern nur so wimmelt. &#8222;Stern-TV&#8220; hat zum Beispiel regelm\u00e4\u00dfig Produkttests. Da gibt es wichtige Werbekunden, die negative Ergebnisse nicht lustig finden. Der Sender steht da seit 20 Jahren, in guten wie in schlechten Zeiten, wie eine Eins hinter uns und l\u00e4\u00dft uns testen und kommentieren was und wie wir das wollen. Dabei sind da zuweilen siebenstellige Budgets in Gefahr. Soviel R\u00fcckendeckung k\u00f6nnen Sie woanders mal suchen.<\/p>\n<p><b>Kann es sein, dass Sie die Sendung auch aus einer Art Gewohnheit machen? Es ist bestimmt angenehm, da reinzuschl\u00fcpfen wie in einen alten Bademantel. Aber haben Sie mit Ihrer Popularit\u00e4t nicht auch Lust, mal wieder richtig was zu rei\u00dfen, zu \u00fcberraschen?<\/b><\/p>\n<p>Die Frage kommt gerne auch in der Form: Haben Sie nicht noch einen Traum? Wenn ich den habe, werde ich ihn nicht verraten. Ich gebe aber auch zu, dass die Zahl meiner Tr\u00e4ume inzwischen \u00fcberschaubar ist.<\/p>\n<p><strong>Aufs Fernsehen bezogen.<\/strong><\/p>\n<p>Ja, nur! Vor 25 Jahren w\u00e4re es f\u00fcr mich das Gr\u00f6\u00dfte gewesen, das &#8222;heute-journal&#8220; zu moderieren. Die wollten mich ja mal haben.<\/p>\n<p><strong>Das &#8222;heute-journal&#8220;?<\/strong><\/p>\n<p>Ich sollte zweiter Mann hinter Ruprecht Eser werden. Da passte ich allerdings proporzm\u00e4\u00dfig nicht, den Platz bekam dann Siegmund Gottlieb. Die Sendung gef\u00e4llt mir, aber das zu moderieren ist f\u00fcr mich heute nicht mehr so reizvoll wie damals. Dazu kommt, dass ich Sachen gerne l\u00e4nger mache. Ich war zehn Jahre beim Radio, habe zehn Jahre das &#8222;Aktuelle Sportstudio&#8220; gemacht. Ich mache jetzt im elften Jahr &#8222;Wer wird Million\u00e4r&#8220;. Und jetzt im 20. Jahr &#8222;Stern-TV&#8220;&#8230; Dabei habe ich immer gesagt: &#8222;Ich will nicht zum Klaus Bednarz von RTL werden&#8220;, weil der doch ewig in seinem Pullover &#8222;Monitor&#8220; moderiert hat. Bis ich mal nachgeguckt habe, wie lange der das gemacht hat: nur 18 Jahre. Seitdem lasse ich den Bednarz-Vergleich weg.<\/p>\n<p><strong>Schon nach Ihrer Aufz\u00e4hlung liegt doch auf der Hand, dass ein neues Projekt f\u00fcr die n\u00e4chsten zehn Jahre hermuss.<\/strong><\/p>\n<p>Wenn ich jetzt mit &#8222;Wer wird Million\u00e4r&#8220; aufh\u00f6ren w\u00fcrde &#8230;<\/p>\n<p><strong>Nein, mit &#8222;Stern-TV&#8220; sollen Sie aufh\u00f6ren!<\/strong><\/p>\n<p>Sie sind wirklich der herzlichste Gratulant, der mir zum 20. Geburtstag der Sendung begegnet ist. Ich nehme das jetzt mit geb\u00fchrender Abscheu und Emp\u00f6rung zur Kenntnis, und werte es als exotische Einzelmeinung. &#8212; Aber erinnern Sie sich an &#8222;W\u00fcnsch Dir was&#8220;? Die haben gesellschaftliche Ver\u00e4nderungsprozesse auf r\u00fchrend spielerische Weise ersp\u00fcrt und abgebildet. So etwas w\u00e4re reizvoll. Aber das scheitert heute oft daran, dass es kaum noch Tabus gibt. Alles was mit Sexualit\u00e4t zu tun hat, mit Reichtum, Armut, Neid und Korruption  findet schon in einer teilweise derart grotesken Weise im Tagesprogramm statt, dass da kaum etwas \u00fcbrig bleibt.<\/p>\n<p><strong>Warum kommt alle paar Tage wieder die Meldung, dass Sie doch noch zur ARD gehen?<\/strong><\/p>\n<p>Das fragen Sie einfach mal die, die den Knochen dauernd wieder neu ausbuddeln. Ich \u00e4u\u00dfere mich nicht dazu. Wie sich die Dinge damals entwickelt haben, ist bekannt. Mein Eindruck ist, dass es danach auf beiden Seiten Bedauern gab, wie das gelaufen ist.<\/p>\n<p><strong>Das gescheiterte Projekt Ihrer Christiansen-Nachfolge ist nat\u00fcrlich auch ein Ursprung vieler Fragen danach, ob Sie nicht mal was anders machen wollen. Seitdem ist das als unerf\u00fcllter Traum dokumentiert.<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin ja noch jung.<\/p>\n<p><strong>Wenn Sie mit &#8222;Stern-TV&#8220; aufh\u00f6ren, setzt das auch neue Energie frei.<\/strong><\/p>\n<p>Das ist schon toll, wie Sie mir eine seit 20 Jahren erfolgreiche Sendung madig zu machen versuchen. Ich m\u00f6chte aber kein Buch schreiben oder in die Politik gehen. Das k\u00f6nnen andere besser. Aber demn\u00e4chst mu\u00df ich mich um ein Weingut an der Saar k\u00fcmmern, dass seit 1805 in Familienbesitz ist und dessen Riesling zum Gl\u00fcck einen Spitzenruf genie\u00dft. Wenn ich es nicht \u00fcbernehme, wird es aus der Familie herausverkauft.Jetzt gehe ich aus Famiientradition sogar in die Landwirtschaft.Das wird noch ein Abenteuer.<\/p>\n<p><strong>Das &#8222;Zeit Magazin&#8220; hat Sie im vergangenen Jahr als eine Art Arbeitstier beschrieben, fast wie ein Bergmann, der nie aus dem Stollen kommt.<\/strong><\/p>\n<p>Seit meinem 20. Lebensjahr stehe ich regelm\u00e4\u00dfig in Studios. Dadurch, dass ich jede Woche eingetaktet bin, habe ich von der Welt tats\u00e4chlich nicht viel gesehen. Und ich kann nicht so leicht sagen, ich m\u00f6chte jetzt mal die \u00fcblichen zwei Jahre Weltreise machen.<\/p>\n<p><strong>Kann es sein, dass Sie andererseits auch eine Art Bequemlichkeit entwickelt haben?<\/strong><\/p>\n<p>Man kann es Bequemlichkeit nennen, aber vielleicht auch Weitsicht. Sie k\u00f6nnen nat\u00fcrlich alle Vierteljahre mit einer neuen Idee mit fliegenden Fahnen untergehen. Dazu habe ich aber keine Lust und es w\u00e4re auch nicht sehr klug.<\/p>\n<p><strong>In zwei Wochen feiern Sie in zwei gro\u00dfen Shows &#8212; die nat\u00fcrlich Ihre Firma produziert &#8212; sechzig Jahre ARD. Da sieht man dann auch den jungen, abenteuerlustigen G\u00fcnther Jauch, der in der legend\u00e4ren Action-Spielshow <a href=\"http:\/\/www.fernsehlexikon.de\/7811\/raetselflug\/\">&#8222;R\u00e4tselflug&#8220;<\/a> am Hubschrauber h\u00e4ngt.<\/strong><\/p>\n<p>Das finde ich sch\u00f6n, dass Sie da nostalgisch dran h\u00e4ngen. Ich treffe auch immer wieder Leute, die schon im fortgeschrittenen Alter sind und sagen: Als Schulkind habe ich Sie im Radio geh\u00f6rt. Da zucke ich dann schon immer zusammen. Aber es ist wirklich so, dass alles seine Zeit hat.<\/p>\n<p><strong>Sie klingen da weniger verkl\u00e4rt als Ihr Publikum.<\/strong><\/p>\n<p>Doch, das hat mir damals gefallen. Aber es wird davon nichts bleiben.<\/p>\n<p><strong>Na, die Erinnerung.<\/strong><\/p>\n<p>Ja, aber wenn ich mir heute Loriot ansehe, finde ich den immer noch so witzig wie damals. Das ist bei meinen Sachen nicht so. Es ist tats\u00e4chlich Gebrauchsfernsehen: Das ist f\u00fcr den Moment okay. Deshalb stehe ich auch zu &#8222;Stern-TV&#8220;. Formal sind wir da vielleicht zehn, 15 Jahre zur\u00fcck, aber es funktioniert, und so gesehen halte ich die Sendung immer noch f\u00fcr absolut zeitgem\u00e4\u00df. Und das Sch\u00f6nste ist: Ein paar Millionen &#8212; au\u00dfer Ihnen &#8212; sehen das jeden Mittwoch Abend auch so.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Sendung wie Wasser aus dem Hahn. Moderator G\u00fcnther Jauch \u00fcber ein merkw\u00fcrdig unbeachtetes, aus der Zeit gefallenes Magazin und seine fehlende Lust auf Neues. (Langversion eines Interviews f\u00fcr die &#8222;Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung&#8220;) &#183; &#183; &#183; Neulich war meine Fernbedienung kaputt. 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