{"id":8927,"date":"2010-04-07T14:50:56","date_gmt":"2010-04-07T12:50:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/?p=8927"},"modified":"2010-04-07T18:05:05","modified_gmt":"2010-04-07T16:05:05","slug":"guenther-und-johannes-naehkastenfrosch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/8927\/guenther-und-johannes-naehkastenfrosch\/","title":{"rendered":"G\u00fcnther und Johannes N\u00e4hkastenfrosch"},"content":{"rendered":"<p>Vergangene Woche habe ich G\u00fcnther Jauch in seinem unaufger\u00e4umten B\u00fcro in K\u00f6ln besucht, um ihn zu \u00fcberreden, endlich mit &#8222;Stern-TV&#8220; aufzuh\u00f6ren. Es hat nicht ganz geklappt, obwohl ich <em>so<\/em> dicht dran war. Aber den Versuch kann man <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub510A2EDA82CA4A8482E6C38BC79C4911\/Doc~EA393607116F3467B90FC64502438576F~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">auf FAZ.net nachlesen<\/a> (oder, f\u00fcr die ganz Harten, in einer <a href=\"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/20-jahre-stern-tv\/\">noch l\u00e4ngeren Version hier im Blog<\/a>). <\/p>\n<p>Das Interview ist \u00fcbrigens (weil wir neulich die Diskussion hier hatten) nat\u00fcrlich autorisiert. Anders h\u00e4tte man aus einem solchen fast zweist\u00fcndigen Gespr\u00e4ch auch keinen druckbaren Text machen k\u00f6nnen. Es ist f\u00fcr mich immer wieder erstaunlich, beim Abtippen der Aufzeichnung zu merken, welche Irrwege ein solches Gespr\u00e4ch nimmt, wieviele S\u00e4tze, die in der Situation v\u00f6llig klar waren, aufgrund des reinen Wortlautes v\u00f6llig unverst\u00e4ndlich in der Luft h\u00e4ngen. Ohne die M\u00f6glichkeit, das gr\u00fcndlich zu redigieren, Doppelungen herauszunehmen, missverst\u00e4ndliche Formulierungen zu kl\u00e4ren, ganze Fragen und Antworten umzustellen, um sie in den passenden Kontext zu heben, w\u00e4re das Lesen eines solchen Textes eine Qual. Und dadurch, dass ich wei\u00df, dass mein Gespr\u00e4chspartner ohnehin die Chance hat, seine S\u00e4tze zu \u00e4ndern, kann ich auch Fragen und Antworten zuspitzen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es Interviewformen, bei denen man sich f\u00fcnfzehn Minuten sehr konzentriert unterh\u00e4lt und schon das w\u00f6rtliche Gespr\u00e4chsprotokoll publikationsreif w\u00e4re. (Und es gibt Themen und Gespr\u00e4chspartner, bei denen es notwendig ist, darauf zu pochen: Was gesagt ist, ist gesagt.) Und bestimmt gibt es auch Kollegen, die es schaffen, ein l\u00e4ngeres Gespr\u00e4ch besser im Griff zu behalten, so dass weniger Nachbearbeitung n\u00f6tig ist. Aber in solchen F\u00e4llen wie dieser Plauderei mit Jauch ist eine Autorisierung f\u00fcr alle von Vorteil: den Interviewer, den Interviewten und ich behaupte: auch den Leser. (Jauch ist ohnehin angenehm, weil er zwar den ein oder anderen Schlenker herausnimmt, aber auch gerne nachtr\u00e4glich pointiert.)<\/p>\n<p style=\"text-align:center;\">&#183;  &#183;  &#183;<\/p>\n<p>Einen ganzen Artikel w\u00fcrde ich aber auch ihm nicht zur Autorisierung schicken, schon aus Prinzip, und schmerzhaft gelernt habe ich das &#8212; ausgerechnet &#8212; als ich zum ersten Mal Johannes B. Kerner traf. Es war 1996, er war damals aufstrebender Moderator einer t\u00e4glichen Sat.1-Talkshow und &#8222;ran&#8220;-Moderator und ich Praktikant in der Medienredaktion der &#8222;S\u00fcddeutschen Zeitung&#8220;, ich habe ihn besucht und ihm (ich glaube schlicht: der Einfachheit halber) vor der Ver\u00f6ffentlichung nicht nur seine Zitate geschickt, sondern den fertigen Artikel.<\/p>\n<p>Oder genauer: Das, von dem ich annahm, dass es der fertige Artikel sein w\u00fcrde. Mein Ressortleiter fand das St\u00fcck n\u00e4mlich missraten. Er meinte (nicht zu unrecht), dass ich mich von dem Charme des Profis v\u00f6llig habe blenden lassen und forderte eine neue, distanziertere Version meines Artikels.<\/p>\n<p>Als die dann erschien, machte Kerner einen Riesenaufstand. Obwohl nie ausgemacht war, dass er \u00fcber den Text jenseits seiner w\u00f6rtlichen Zitate bestimmen d\u00fcrfe, f\u00fchlte er sich &#8212; nicht zu Unrecht &#8212; von mir b\u00f6sartig in die Irre gef\u00fchrt: Ich hatte ihm ein \u00fcberfreundliches Portrait geschickt. Erschienen war eine kritische W\u00fcrdigung.<\/p>\n<p>Es war mir eine Lehre. (Und der Beginn keiner wunderbaren Freundschaft.)<\/p>\n<p style=\"text-align:center;\">&#183;  &#183;  &#183;<\/p>\n<p>\u00dcbrigens habe ich im Zusammenhang mit dem Jauch-Interview die schlimmste Internetseite \u00fcberhaupt gefunden: meinesammlung.com. Ich w\u00fcrde n\u00e4mlich gerne mal &#8222;R\u00e4tselflug&#8220; wiedersehen, die legend\u00e4re Abenteuershow, bei der G\u00fcnther Jauch (gef\u00fchrt durch Kandidaten im Studio, die Hinweise und Karten hatten, aber kein Fernsehbild) durch ferne L\u00e4nder rannte und mit dem Hubschrauber flog und irgendwelche Dinge finden musste. Bei der Suche danach sto\u00dfe ich auf einen Eintrag bei meinesammlung. Da <a href=\"http:\/\/www.meinesammlung.com\/DVD\/TV-Serien\/824287-raetselflug-guenther-jauch-alle-folgen.html\">schreiben also irgendwelche Leute hin<\/a>, dass sie alle Folgen von &#8222;R\u00e4tselflug&#8220; haben (&#8222;Folge 7,9 10 mit kleinen Bild+Tonst\u00f6rungen&#8220;), wo mich schon gl\u00fccklich machen w\u00fcrde, <em>eine<\/em> Folge zu haben. Und sie schreiben das dahin, um das dahin zu schreiben. Sie verkaufen das nicht. Sie laden das nicht irgendwo hoch. Sie haben das einfach. Und schreiben das dahin, damit ich das beim Googlen finde und mich \u00e4rgere.<\/p>\n<p>Ich halte das f\u00fcr einen Fall f\u00fcr den Europ\u00e4ischen Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte.<\/p>\n<p style=\"text-align:center;\">&#183;  &#183;  &#183;<\/p>\n<p>Jedenfalls zeigt RTL heute Abend H\u00f6he- und Tiefpunkte aus 20<s>00<\/s> Jahren &#8222;Stern-TV&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vergangene Woche habe ich G\u00fcnther Jauch in seinem unaufger\u00e4umten B\u00fcro in K\u00f6ln besucht, um ihn zu \u00fcberreden, endlich mit &#8222;Stern-TV&#8220; aufzuh\u00f6ren. Es hat nicht ganz geklappt, obwohl ich so dicht dran war. Aber den Versuch kann man auf FAZ.net nachlesen (oder, f\u00fcr die ganz Harten, in einer noch l\u00e4ngeren Version hier im Blog). 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