Unglaublich: SO macht „Focus Online“ Stimmung gegen Flüchtlinge

05 Aug 15
5. August 2015

Vor drei Wochen veröffentlichte der österreichische Privatsender ATV auf seiner Facebook-Seite einen Spendenaufruf. Er bat darum, Dinge wie Hygieneartikel, Handtücher und Windeln bei der Caritas in Wien abzugeben, damit Flüchtlinge damit versorgt werden können.

Wir sammeln fleißig für Flüchtlinge. Hilf‘ auch du mit und bring Dinge, die du nicht mehr benötigst, andere aber…

Posted by ATV on Dienstag, 14. Juli 2015

 
Als Reaktion gab es viele wütende Proteste und Kommentare wie diese:

Wäre besser ihr sammelt/ spendet zuerst für Österreicher die Hilfe brauchen!

Einen feuchten furtz könnt ihr haben meinetwegen!!!! Wir müssen schauen wie wir allein zurecht kommen weil uns keiner hilft und denen alles in Arsch stecken? Ihr spinnt doch alle!

Ich spenden für die Österreicher aber nicht für die Asylanten!

Es ist nicht meine Aufgabe etwas für das Bildungssystem, Öffis, Obdachtlose etc zu tun. Dafür bezahle ich die Regierungsverbrecher. Es ist auch nicht die Aufgabe von ATV für Flüchtlinge zu sammeln, denn die Aufgabe von ATV ist es OBJEKTIV Bericht zu erstatten, doch das wird leider schon lange nicht mehr wahr genommen.

Wenns a Seife ham brauchen sie kein Duschgel ,können sich mit der Seife waschen oder was für ein Theater da gemacht wird ,lächerlich!

Schenkt Ihnen doch Autos auch noch und gebt jeden noch 10000euro als start kapital wir Österreicher zahlen das gerne

Der Sender selbst äußerte sich dann „erschrocken“ darüber, „welche Reaktionen ein paar Windeln, Zahnbürsten und Duschgel auslösen können“. Andere Medien machen in diesen Tagen ähnliche erschreckende Erfahrungen, wie ihre Beiträge über Flüchtlinge wütende fremdenfeindliche Kommentatoren anziehen.

Nun ist so ein fremdenfeindlicher Mob aber letztlich ja auch nur eine große Zahl von potentiellen Lesern. Mit der richtigen Ansprache kann man deren Zorn in etwas Produktives verwandeln: Klicks.

Und wenn es darum geht, aus Scheiße Klicks zu machen, macht „Focus Online“ so schnell keiner was vor.

Im konkreten Fall nahm das gestern folgende Form an:

Der verlinkte Artikel selbst ist einfach ein Hintergrundstück der Nachrichtenagentur dpa, eine sachliche Darstellung der Ansprüche nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Aber mit der entsprechenden Anmoderation auf Facebook — „Unglaublich: DAS bekommt jeder Flüchtling monatlich!“ — erhält so ein Stück natürlich einen ganz anderen Schwung. Geteilt wurde es unter anderem mit Sätzen wie:

KEINE BARGELDLEISTUNG, NUR SACHLEISTUNGEN !!! WOZU BRAUCHEN DIE BARGELD? TABAK, NUTEN UND ALKOHOL GEHÖREN NICHT ZUM LEBENSUNTERHALT !!!

Und die beliebtesten Kommentare lesen sich zum Beispiel so:

Wieso Bargeld. Eintopf und gebrauchte Sachen. Fertig. Die eigenen leute bekommen noch nicht mal das.

Bargeld ist vollkommen überflüssig…ne Dose Eierravioli und gebrauchte Sachen reichen vollkommen aus..
Asylanten haben es besser in Deutschland als manch deutsche..echt traurig

Wusste gar nicht, dass iPhone und die neuesten Markenklamotten als Existenzminimum gelten. So laufen nämlich die Gelderschleicher hier bei uns rum.

Ob die „Focus Online“-Redaktion auch „erschrocken“ ist über die Reaktionen, ist nicht bekannt. In der Diskussion meldet sie sich nicht zu Wort; antwortet auch nicht auf die – immerhin auch von vielen mit „gefällt mir“ markierte – Frage der „taz“-Journalistin Helke Ellersiek:

Ist das jetzt „unglaublich“ weil es unglaublich wenig ist oder weil man so mehr Klicks (von Rechtspopulisten) bekommt?

Sie nennt es „rassistisches Clickbaiting“.

Nachdem gestern Nacht Kritik an dem Eintrag laut wurde, wurde heute die Anmoderation immerhin stillschweigend geändert:

Vermutlich waren da aber eh kaum mehr Klicks zu holen.

98 Gedanken
  1. 1
    freiwild says:

    Immer wenn ich anfange, Mitleid mit auflagenleidenden Zeitungsverlagen zu haben, denke ich daran, dass die deutschen Zeitungsverlage Focus-Verleger Hubert Burda seit Jahren als Präsidenten des VDZ akzeptieren, und schon ist mein Mitleid wieder weg.

    Focus Online ist wirklich eine bemerkenswerte Mischung aus unfassbar doof und unbeschreiblich niederträchtig. Max Goldts berühmte Aussage über die BILD-Zeitung gilt uneingeschränkt auch für Focus und Focus Online.

  2. 2
    Linus says:

    Das ist derselbe widerliche Focus, der mit seinem „Die Wahrheit über Falsche Flüchtlinge“-Titel letzte Woche den geifernden Stammtischen mal so richtig Material lieferte, bei dem man sich gut fühlen können, weil man ja gar nichts gegen edle Kriegsflüchtlinge haben kann, wenn denen nicht diese dreckigen schmarotzenden Albaner die Asylverfahren wegnehmen würden.

    Was mich dagegen wundert (oder auch nicht), dass das Schwesterblatt Huffington Post zumindest ab und zu mal wie die Stimme der Vernunft in der Debatte wirkt.

  3. 3
    Anderer Max says:

    Danke für diesen Artikel! Rechtspopulistisches Clickbaiting ist so ziemlich das Allerletzte und soltle in jedem Fall prominent aufgeschrieben werden; je eher nach Veröffentlichung, desto besser.
    Interessant jedoch immer wieder: Diejenigen, die ihr Kulturgut durch ein paar Flüchtlinge in Gefahr sehen sind meist nicht in der Lage, ihre Muttersprache korrekt zu nutzen. Da kommt die Frage auf, inwiefern sich diese Menschen überhaupt zu dem Kulturkreis zählen können, deren Ausprägungen sie nicht adäquat vertreten können. Scheint für den gesamten deutschsprachigen Raum zu gelten.

  4. 5
    Thomas Mrazek says:

    Besonders eklig empfand ich gestern diese Geschichte bei Focus Online: Bleibe gefiel ihnen nicht – Flüchtlinge weigern sich, Wohnung zu beziehen. Die Geschichte wurde bei Focus Online am 03.08.2015 veröffentlicht, am 31.07.2015 erschien sie bereits bei den „Stuttgarter Nachrichten“. Da die Geschichte offenbar so gut ins Konzept passte, konnte man ein paar Tage Verfallszeit gut hinnehmen. Dass man vielleicht mal die Betroffenen selbst zu diesem Vorgang befragt hätte? Nix da, da wäre die Geschichte am End noch kaputt. Dass diese verdammt gut ankam, versteht sich von selbst …

    Ich habe letztes Jahr mal versucht, den Chefredakteur von Focus Online, Daniel Steil, zu medienethischen Sachverhalten zu befragen, heraus kam das: „Über das Thema Medienethik im Online-Journalismus möchte Steil nicht reden: „Für das Thema gibt es bessere Kollegen, die dazu bestimmt gerne was sagen“. Was Medienjournalisten schreiben sei ihm egal, für ihn zählten nur die Nutzer und da habe man es geschafft immer mehr an sich zu binden: „Wir machen den Content, den die User lieben“. Er gebe auch jungen Journalisten eine Chance, und schließlich biete er sichere Arbeitsplätze. Die „Bedenkenträger“ seien nicht mehr in der Redaktion und freilich sei sein Angebot nicht der Spiegel. Ob es den Verleger Hubert Burda bei der Nutzung von Focus Online nicht wie einst Axel Springer zuweilen vor seiner Bild grusele? Steil, der die Springer-Journalistenschule absolvierte und in der Bild-Chefredaktion arbeitete, verneint grinsend, Burda gefalle die Mischung von Nachrichten auf Focus Online bestens und bei Redaktionsbesuchen zeige er sich stets gut gelaunt.“ (BJVreport 5/2014)

  5. 6
    gebimmel says:

    fast noch schlimmer als die überschrift ist dann noch die STILLSCHWEIGENDE änderung…

  6. 7
    Vinzenz says:

    vor ein paar Tagen kam bei Focus eine Story über Flüchtlinge, die nicht die vorgeschlagene Wohnung beziehen wollten, weil sie ihnen nicht gepasst hat. (Gründe waren unbekannt, Darstellung so, als ob die Flüchtlinge wählerisch seien)
    Das hat System!

  7. 8
    Frank Reichelt says:

    Focus? Focus! War da nicht kürzlich was mit einer Flüchtlingsfamilie, die nicht in die vorgeschlagene Wohnung einziehen wollte und dadurch kam es zu einem Polizeieinsatz?

  8. 9
    gebimmel says:

    @7, schaust du kommentar 5. Diese geschichte wurde von verschiedenen rechten facebookgruppen sofort aufgegriffen und entsprechend „kommentiert“. der blog „perlen aus freital“ sammelt derartige kommentare. es ist wirklich erschreckend, was man da alles so lesen muss.

  9. 10
    Sigmund says:

    Ich frage mich, woher immer die Annahme kommt, die Pegida-Heinis und „Islam-/Asylkritiker“ seien Verschwörungstheoretiker?
    Die Annahmen über Ausländer/Flüchtlings/Islam-Boni oder gierige Pleite-Griechen stehen doch nicht in irgendwelchen „Internet-Blogs“, sondern in den großen Medien.
    Und die, und das habe ich ja im letzten Jahr gelernt, würden NIE, ich betone NIE tendenziös oder irgendwie hetzend berichten.
    Nö, Pegida, AfD, oder das ganze Griechenland-Hating ist eigentlich ein Eigengewächs der großen Medien. (Letzeres gilt aber komischerweise nie als Shitstorm.)

    Und ernsthaft, warum werden Blätter wie Focus oder Welt eigentlich immer als ganz normale Zeitungen behandelt? Einen von der „jungen welt“ würde man nicht in den presseclub einladen, aber hey, für focus oder Ulfkotte findet sich ein Plätzchen.

    P.S. Ich finde eher das Design der Tigertasche unglaublich.

  10. 11
    Daniel says:

    Das hat System ist ja nicht nur Focus. Dass „Asyl“ ganz dolle dringend überarbeitet gehört, ist inzwischen Konsens. Deswegen gibt es auch „Runde Tische“ und jemand wie Volker Bouffier kann von „Sachleistungen“ erzählen, ohne dass ihm jemand mit Fakten kommt.
    Das ist ein politisches Problem und auch nicht das, was mich an der Focus-Geschichte am meisten aufregt.
    Da kotzt es mich an, dass der Focus für den Klick alles macht. Und dass es diesmal Rassismus ist, ist dabei nur moralisch widerlich. Aber der Grundton, irgendeinen Artikel von Focus Online via Facebook zu bewerben, auch wenn in dem Artikel keine Arbeit steckt, sondern er vom dpa-Hintergrunddienst übernommen wird, das kotzt mich an. Diese Klick-Optimierung von allem, die keine Klick-Optimierung ist denn am Artikel wird nichts gemacht. Der bleibt, wie er ist. Nur die Facebook-Meldung ist klick-optimiert. Zwölf Sekunden inhaltliche Arbeit und das nennen die dann „Social Media Strategie“.
    So vernichten wir den Wert von Content, den die Verlage doch angeblich so hochhalten wollen. Das nervt. Mich.

  11. 12
    gebimmel says:

    wie abwegig ist eigentlich der gedanke, dass es nicht nur um die klicks geht, sondern dass da vielleicht auch der ein oder andere asylgegner in der redaktion sitzt?

  12. 13
    Linus says:

    @Gebimmel

    Was ist denn ein Asylgegner? Sollte man nicht lieber, weniger euphemistisch, von völkisch nationalen unempathischen Rassisten reden?

  13. 14
    jmk says:

    Asylgegner passt in dem Sinne schon, weil die meist auch gegen jegliche Grundrechte sind.
    Verfassungsfeinde könnte meist auch passen.
    Aber Rassisten sind das natürlich auch.

  14. 15
    Sigur Ros says:

    Abgesehen von den widerlichen Flüchtlinge-Bashing zeigt das leider auch, auf welch erbärmliches Niveau der Focus und insbesondere sein Online-Ableger mittlerweile gesunken sind. Schon alleine der Teaser: „Unglaublich: DAS bekommt jeder Flüchtling monatlich!“ hätte nun wirklich 1:1 auch die Schlagzeile der Bild zum Thema sein können .

  15. 16
    Daniel says:

    @gebimmel

    Das Eine und das Andere sind nicht zwei verschiedene Schuhe. Natürlich sitzen beim Focus Fremdenfeinde. Deswegen kommen die auf diese Ideen. Aber den Raum, denen ihnen der Focus gibt, läd dann noch dazu ein, so zu schreiben.
    Anders formuliert. Früher musste man seinen Hass noch in zwei Spalten ausbreiten, heute kann man auf zwei Sätze verkürzen – und wird dafür noch mehr belohnt.

  16. 17
    wonko says:

    „auf welch erbärmliches Niveau der Focus und insbesondere sein Online-Ableger mittlerweile gesunken sind.“
    Aha, das Niveau ist also gesunken? Setzt das nicht voraus, mal irgendwann auf einem höheren Niveau gelegen zu haben?

  17. 18
    Susanne says:

    Der Titel hat derartige Kommentare doch nahegelegt. Und die Tatsache, dass er stillschweigend geändert wurde, ist ja wie ein Schuldeingeständnis. Gratulation zu dieser Erkenntnis! Oder war es doch keine?

  18. 19
    hans-lutz oppermann says:

    Der Ex-FAZ-Herausgeber Nonnenmacher kommentierte suffisant den aufklärerischen Tenor des anderen EX Herausgebers FS, „all seine klugen Artikel hätten nicht den Rückzug von Anzeigenkunden und Lesern verhindert, noch die Verkaufszahlen der FAZ erhöht“ ….
    Es bleibt die Beobachtung: nur bei dem klingelt die Kasse, der reißerisch skandalisiert und polarisiert.

    Die Pressefreiheit ist nicht erst seit Maaßens Anzeige unter Feuer, die Pressefreiheit ist längst gefährdet und die Gründe dafür sind ausführlich besprochen, auch hier in diesem Blog.

    Der Focus hat es schon lange vorgemacht, kein Leser erwartet informationelle Vollständigkeit, angerissen ist schon genug informiert, solange Emotionen angesprochen bleiben. Emotionen wie Neid und Geiz, das funktioniert.

    Crowdfunding als ein weiterer Weg zur Finanzierung journalistischer Arbeit funktioniert, wie wir am Beispiel von netzpolitik.org beobachten können. Niemals war die Redaktion selbst existentiell bedroht, aber das drohende Ermittlungsverfahren mobilisierte die Öffentlichkeit und ihre Spendenbereitschaft. Gratulation, die Kampagne hat funktioniert. Es gehört zum Geschäftsmodell der Macher von netzpolitik.org die Grenzen auszureizen, siehe Konflikt mit den DB. Ohne zu skandalisieren und ohne den Mythos von David gegen Golliath wären nicht 50 TSD € in ihre Kassen gespült. Wer wird als nächstes seine IBAN Nr. ebenso aggressiv unters Volk bringen? Spread your IBAN!

    Fast mutet es wie eine Graswurzelbewegung an, aber es ist alles nur PR. Tragisch für die Piraten, die auf ihrem originären Terrain nicht Fahrt aufnehmen konnten, sondern es anderen Leuten überlassen.

    PR ist alles und wer die Stilblüten beherrscht, der macht den Reibach. Man kann das bedauern und beklagen, man kann es hinnehmen, als das was es inzwischen ist, das Geschäftsmodell, das der Kreditwürdigkeit nicht schadet und wohl auch deshalb immer mehr Nachahmer finden wird.

    Man kann auch sagen von Bild lernen, heißt wohl siegen lernen. Wer die bewusste Provokation scheut, der ist weg vom Fenster, das geht in die eine, wie auch in die andere Richtung, wie uns der Focus und die Blogger von netzpolitik.org anschaulich demonstrieren.

  19. 20
    JUB 68 says:

    „Vermutlich waren da aber eh kaum mehr Klicks zu holen.“

    Das sah man bei Focus-online wohl etwas anders und hat offenbar eine weiteres Mal die Schlagzeile geändert:

    „Sicherung des Existenzminimums
    Zwischen 85 und 392 Euro im Monat: Das bekommen Flüchtlinge in Deutschland“

    Nach den aufgezählten Konstellationen im Artikel selbst gibt es keinerlei Anhaltspunkte, wie man auf die 392 Euro bekommt. Letztlich sind 392 Euro Taschengeld höher als die Leistung zur Lebenssicherung beim ALG II (Hartz IV). Das befeuert wiederum das Vorurteil, dass es den Flüchtlingen hier besser geht als den ALG II – Empfängern.
    Ein paar Klicks mehr wollte man dann doch noch abgreifen.

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  20. 21
    JUB 68 says:

    „copy and paste“-Fehler am Ende, sorry.

  21. 22
    Kristine says:

    @11, Daniel: Auf Focus Online wird jede Menge Werbung eingeblendet (so man keinen Werbefilter hat). Die Artikel sind bloß Mittel zum Zweck, um Menschen dazu zu bringen, diese Werbung anzuschauen, denn über die Werbung kommt das Geld in die Kasse. Und da wird dann frei nach dem Motto „Geld stinkt nicht“ jedwede Ethik über Bord geworfen.

  22. 23
    yvonne schulz says:

    Sehr geehrter Herr Niggemeier, vielleicht bin ich zu dumm, leicht durch Populismus und Demagogie zu lenken, habe auch nichts mit Politik oder Medien zu tun. Auch habe ich nur einfache Eltern aus der Arbeiterklasse gehabt. Als derart schlichter Mensch frage ich mich, da ich täglich den empathischen, temperamentvollen, verbalen Kampf der meisten Journalisten, Politiker und Lobbyisten erlebe, warum das Elend der Menschen, besonders von Kindern, offensichtlich keinerlei Emotionen bei unserer Meinungselite geweckt hat.
    ich habe das Buch „Deutschland misshandelt seine Kinder“ gelesen, auch hat meine Familie durch ehrenamtliche Arbeit viel Altersarmut zu sehen bekomnen. Einfache Menschen wie ich leiden wahrscheinlich eher mit anderen einfachen oder hilflosen Menschen und helfen da, wo sie sehen, dass es die Eliten nicht interessiert. Das Flüchtling-Thema ist wahrscheinlich für die nicht so reichen, arbeitenden Bürger ein Promi-Thema, das schon so unglaublich viel Aufmerksamkeit und Empörung bekommt, dass wir lieber weiter still im Kleinen helfen. Wahrscheinlich fehlt uns einfach der Blick auf das große Ganze, wir wollen lieber helfen, wo die Mächtigen wegsehen, auch haben wir kein Umfeld, wo es wichtig ist, ein besonders guter Mensch in den Augen der anderen zu sein, da ein Image für uns unwichtig ist. Die meisten Menschen haben genug mit ihrem täglichen Kampf um die Existenz zu tun. Deswegen sind wir glücklich zu schätzen, dass es in Deutschland üblich ist, dass eine moralisch überlegene, geisteswissenschaftliche Elite uns immer wieder ins Gewissen redet, Danke an Sie und alle, die hier kommentieren.

  23. 24
    Nobbse says:

    Focus könnte zur Wiedergutmachung denselben Link nochmal umrahmen, aber diesmal mit:

    UNGLAUBLICH! Mit so wenig Dingen müssen Asylbewerber zurechtkommen!

    Und dann die Reaktionen vergleichen :) Ideal für die Wirkanalyse,

  24. 25
    Thomas says:

    Ich staune ja, wie viele Leute den Focus kennen – ich blätter den nicht mal in Arztpraxen durch. Und zum Fischeinwickeln ist Hochglanzpapier nicht geeignet.

  25. 26
    toxicbuddha says:

    Liebe Yvonne Schulz, auch ich bin Mitglied der Arbeiterklasse und möchte Ihnen für Ihren exzellenten bitter-leisen Kommentar danken. Inhaltlich möchte ich nichts weiter hinzufügen, denn es würde mir ohnehin nur den Titel des „Terroristen“ (Sascha Lobo) einbringen, den heute jeder sich zuzieht, der fragt, wie verantwortungsvoll eine Politik des unbegrenzten Zuzugs von Flüchtlingen ist, gerade gegenüber den Armen in diesem Land. Aber vermutlich genügt schon diese gemeine, unverfrorene Spitze gegenüber den Besseressern und Besserwissern für dieses Verdikt. Denn Abweichler von der Einheitsmeinung werden – wie anno dazumal in Lenins und Stalins Sowjetunion – eben als Irre oder Verbrecher abgeurteilt. Schöne neue Demokratie, die wir da haben. Aber wie könnte diese deutsche Untertanen-Welt auch etwas wie Pluralismus ertragen, wo der Führer (der freien Welt) doch den gnadenlosen Unilateralismus predigt, also die totale Unterwerfung unter die uSA? Also trösten Sie sich: Ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode, Frau Schulz. Wir von der Arbeiterklasse waren für die da oben IMMER nur die Deppen und werden es immer bleiben.

  26. 27
    marcus says:

    Aus Interesse eben zum ersten mal Focus.de besucht. Absolut gruselig. Zum BILD-Niveau sehe ich da keinen Unterschied mehr.

    Folgende Überschriften sind gerade beim Focus online zu lesen, direkt auf der Hauptseite:

    „Guten Morgen aus Athen
    Mit diesem Wort reden sich die Griechen ihr Versagen in der Krise schön“

    „Berliner Aktivisten-Kollektiv fordert
    Urlauber sollen Flüchtlinge über die Grenze nach Deutschland schmuggeln“

    „+++ Deutschland-Ticker +++
    Beim Spaziergang: Drei Wölfe beißen kleinen Hund tot“

    „+++ Ukraine-Krise im News-Ticker +++
    Joghurt aus Deutschland, Wein aus Italien: Putin will hunderte Tonnen Lebensmittel verbrennen“

    usw.

  27. 28
    Martin Vogt says:

    Guten Tag,

    nur zwei Anmerkungen zum Artikel bzw. dem Thema „Nicht-Deutsche in Deutschland“

    1. Zu fragen wäre durchaus, auf welchem Fundament die Berichterstattung der Medien steht. Vorschlag: Man nehme als Koordinatensystem und klares Fundament die in diesem Land vorhandene Recht- und Gesetzeslage. Die können Journalisten natürlich hinterfragen, aber sie ist und sicherlich die eindeutigste und klarste Basis. Ich habe nicht den Eindruck, dass im Journalismus derzeit überwiegend so gearbeitet wird.

    2. Zur Anspitzung und Boulevardisierung bei Focus Online kann man seine Meinung haben. Ich war dort knapp 12 Jahre als Redakteur – und bin es seit 2012 nicht mehr. Was es aber zu berücksichtigen gilt: Focus Online mit dem Chefredakteur Daniel Steil ist extrem erfolgreich mit der Ausrichtung der Website und ihrer Themen. Das gilt es in meinen Augen zu respektieren. Der einfache „bäh“-Reflex greift zu kurz.

  28. 29
    schmidt123 says:

    Daniel Steil, Focus-Chefredakteur, einst der Springer Journalismusschule entsprungen, arbeitete für die BILD-Chefredaktion.

    Muß man sich da über dessen Ideologie und solche Artikel wundern?

    Und nein, es greift zu kurz, wenn man meint, man müsse auch respektieren, daß Daniel Steil extrem erfolgreich ist mit der Ausrichtung der Website und ihrer Themen.

    Erfolg ist hier kein Gradmesser. Erfolg haben auch rechte Demagogen.

  29. 30
    yxz says:

    @toxicbuddha, 26:

    der fragt, wie verantwortungsvoll eine Politik des unbegrenzten Zuzugs von Flüchtlingen ist, gerade gegenüber den Armen in diesem Land.

    Sie haben jetzt nur das Land mit einer Politik des unbegrenzten Zuzugs zu nennen vergessen. Sicherlich ein bedauerliches Versäumnis. Und ich wette mit ihnen, dass kein Renter, kein Kind und kein Geringverdiener oder Arbeitsloser auch nur einen Euro mehr bekommen würde, wenn die von ihnen diagnostizierte Politk sich ändern würde. Wenn man sich allein das Gezerre um Flüchtlingsquoten ansieht, kann in Deutschland schwerlich eine Politik des unbegrenzten Zuzugs herrschen.

  30. 31
    Thomas says:

    Ich möchte bei dieser Gelegenheit auf meine wichtige (und nur Minuten alte) Kampagne hinweisen: Nazis wieder Nazis nennen.

    „Nennt uns Asylkritiker, während wir schreien, dass Ausländer raus sollen und ihre Häuser anzünden!“ Nichts da, Nazis seid ihr!

    Der Focus macht seit Monaten Stimmung gegen jeden, dessen Oberlippenbart nicht korrekt genug getrimmt ist: „Die wollen nur die Aufmerksamkeit, die zündeln, die meinen das nicht so…“ Nichts da, Nazis sind das! Man muss kein Bild vom Führer überm Bett haben, um die Kriterien zu erfüllen.

    Also, Ladys und Gentlemen, denkt dran:
    NAZIS WIEDER NAZIS nennen!

  31. 32
    gebimmel says:

    @13, Linus: du hast recht.

  32. 33
    Stefan Niggemeier says:

    @Martin Vogt: Exakt den Respekt, den Sie da einfordern, habe ich durch die Formulierung „Und wenn es darum geht, aus Scheiße Klicks zu machen, macht ‚Focus Online‘ so schnell keiner was vor“ auszudrücken versucht.

  33. 34
    Habe ich says:

    Ja überall nur nazis schlimm das es Leute mit einer anderen Meinung gibt die eben nicht einsehen das leute , die mit iphones durch die Gegend rennen als Flüchtling bezeichnet und dafür spenden soll

  34. 35
    Th. Koch says:

    @34. Sie haben vergessen, ihren Beitrag ordnungsgemäß zu beginnen. Es mus heißen: Ich bin kein Nazi, aber…“.

    Diese Einleitung ist zur sicheren Identifikation eines Rassisten erforderlich.

    Siehe auch hier:

    https://www.pinterest.com/pin/323485185710613181/

  35. 36
    kdm says:

    @19 „Tragisch für die Piraten, die auf ihrem originären Terrain nicht Fahrt aufnehmen konnten, sondern es anderen Leuten überlassen.“
    .
    „konnten“?
    Also dann waren sie zu doof dazu?
    Die WOLLTEN nicht.
    Sogar als Fefe sie mehrmals deutlich mit der Nase auf „ihr originares Terrain“ stieß: nix kam von denen.

  36. 37
    Markus Wilhelms says:

    Ebenso schlimm ist es, aus Leuten, die für die vielen „Flüchtlinge“ aus Serbien, Montenegro, Kosovo, Moldawien etc., die eine Anerkennungsquote von 0,2% haben, zahlen müssen, pauschal als „fremdenfeindlichen Mob“ zu beschimpfen, Herr Niggemeier.Auch Sie sollten Ihre Wortwahl kritisch hinterfragen.

  37. 38
    Piet says:

    @23, Yvonne Schulz
    Einen größeren Gefallen können Sie der Elite gar nicht tun, als sich als tapfer um ihre Existenz kämpfende Arbeiterin mit noch schwächeren um die Krümel zu prügeln. Wollen Sie das 2,1 Billionenschwere Tortenstück sehen, das Ihnen, mir und anderen Werte Schaffenden vorenthalten wird?

    http://www.maskenfall.de/?page_id=4011

    Haben Sie auch so lautstark protestiert, als man Ihre Rente kürzte? Haben Sie protestiert, als man den Arbeitern Leiharbeit und prekäre Werkverträge verordnete, als Banken und steinreiche Banker mit öffentlichen Mitteln gerettet wurden? Können Sie sich erinnern, als sich Schröder in Davos vor der Weltöffentlichkeit und der Wirtschaftelite der Welt brüstete, den am schnellsten wachsenden Niedriglohnsektor geschaffen zu haben? Ist schon lange her, und im Focus stand wahrscheinlich zu dieser Zeit irgendetwas über einen „faulen Arbeitslosen“ , der uns allen die Haare vom Kopf frisst. Da waren die Leute abgelenkt.

    Hat es Sie eigentlich gestört, dass die aktuelle Bundesregierung den Etat für neue Rüstungsgüter erhöht hat ( – man könnte auch sagen, ein Geschenk für die deutsche Kriegsindustrie, finanziert aus Steuermitteln. Aber nein, als „teure Wohltaten“ werden ja nur solche überflüssigen Dinge wie „Mütterrenten“ bezeichnet.) Mit dem Geld wird eine neue bewaffnete Drohne finanziert. Das sorgt dann auch für Nachschub auf den Schlepperbooten, da können Sie von ausgehen.

    Wollen Sie sich wirklich weiter über Shampoo- und Windelspenden empören?

  38. 39
    yxz says:

    @Markus Wilhelms, 37

    Es ist Fremdenfeindlichkeit, wenn man pauschal Menschen aus bestimmten Gegenden elementare Rechte absprechen will. Dazu gehört auch ein ordentliches Asylverfahren. Es ist nicht die Verantwortung der Flüchtenden, wenn die Verfahren lange dauern. Das ist ein Problem der Exekutive.

    @Habe ich, 34

    […]das leute , die mit iphones durch die Gegend rennen als Flüchtling bezeichnet […]

    Und sie wissen ganz genau, wie diese Leute an das iphone gekommen sind? Ein Iphone ist jetzt nicht so unbedingt der Luxusgegenstand – bei welcher Telefonversion sind sie jetzt gerade? Gut, sie werden natürlich gleich sagen: die (!) haben alle die neuste Version!!!! Existenzminimum und Soziale Teilhabe ist mehr als nur Nahrung, Luft und Wohnung. Begreift das doch endlich.

  39. 40
    kundentests.com says:

    Vielleicht sind die ein oder anderen Reaktionen berechtigt, dennoch die Hilfe für bedürftige Menschen, die aus erschwerten Lebensumständen stammen, in Frage zu stellen ist irgendwo sehr traurig.

  40. 41
    Linus says:

    @Yvonne Schulz

    habe auch nichts mit Politik oder Medien zu tun

    Doch, haben Sie. Oder haben Sie Sich vor Ort selbst davon überzeugt, dass das Geld, was den Kindern der Arbeiterklasse weggenommen wird, nun an die Flüchtlinge ausgeschüttet wird?

  41. 42
    Linus says:

    @Markus Wilhelms

    Was zahlen Sie denn so an diese „Flüchtlinge“ (nur echt mit Anführungszeichen)? So ganz persönlich, jetzt?

  42. 43
    Sigur Ros says:

    @Habe Ich (#34): Zeigen Sie mir einen gerade auf Lampedusa oder im Flüchtlingsheim angekommen Flüchtling, der ein IPhone hat. Das ist mal wieder nur typische rechte Dumpf-Propaganda. Sammeln Sie lieber mal Spenden für neue Shift- und Zeichensetzungstasten auf ihrem PC.

  43. 44
    DaW says:

    @ xyz:

    Zumal die iPhone-„Argumentation“ erstaunlich dämlich ist. Da wird ständig rumgeplärrt, man solle doch zwischen „Wirtschaftsflüchtlingen“ und „echten Flüchtlingen“ unterscheiden – aber dass Geflüchtete aus Krisengebieten nicht zwangsläufig arm sein müssen, wird vergessen.

  44. 45
    DaW says:

    @ Martin Vogt:

    „Focus Online mit dem Chefredakteur Daniel Steil ist extrem erfolgreich mit der Ausrichtung der Website und ihrer Themen. Das gilt es in meinen Augen zu respektieren.“

    Hitler, Mao und Kim Il-Sung waren extrem erfolgreich mit der Auswahl ihrer Themen in ihren Büchern. Gilt es das auch zu respektieren?

    Ich möchte jetzt den Focus nicht mit diesen Machwerken vergleichen – aber ich hoffe, Sie verstehen, auf welch‘ dünnes Eis Sie sich mit der Argumentation „Der Erfolg gibt ihm Recht“ begeben.

  45. 46
    gebimmel says:

    @39, yxz: diese geschichten, dass asylbewerber oder flüchtlinge das geld ja nur so hinterher geworfen bekommen, über iphones und teure markenkleidung verfügen, während es den deutschen teilweise an allem mangelt, liest man ständig auf den einschlägigen facebookseiten. dort scheint man zu erwarten, dass sich die menschen in lumpen hüllen oder am besten gleich nackt unterwegs sein sollen. nicht auszudenken, wenn da jemand über ein telefon verfügt. und dankbar sollen sie alle sein! ganz unglaublich dankbar! den guten deutschen, die sie in containern und zeltstädten unterbringen und ihnen ausrangierte kleidung geben. ich habe kurzzeitig an der einrichtung einer kleiderkammer in einem flüchtlingsheim mitgewirkt und kann das so alles gar nicht bestätigen. da waren jetzt nicht wirklich modetechnische überlegungen auszumachen, zumal die spenden oft eher von älteren menschen kamen. ich hatte dann doch eher den eindruck, dass man froh war, überhaupt etwas in seiner größe zu finden…

  46. 47
    Sigur Ros says:

    @xyz und gebimmel: Ganz zu schweigen davon, dass die Rechten, die jetzt rumplärren, wie viel schlechter es ihnen geht als den bösen Flüchtigen, natürlich auch ignorieren, dass keiner sie zwingt, arm zu sein und weniger Geld zu haben als ein Flüchtling, da ein deutscher Staatsbürger im Gegensatz zu einem Flüchtling arbeiten und Geld verdienen kann, wo und so viel er will. Aber diejenigen, die jetzt rumheulen, sind doch in der Tat großenteils diejenigen, die selbst nur allzu gern von Staat profitieren und von ihm lieber Geld kassieren, als ihm welches zukommen zu lassen und somit ohnehin diejenigen sind, die am wenigsten für die Flüchtlinge bezahlen.

  47. 48
    Cornelia Bemelmann says:

    Focus online muss entweder schizophren sein oder spielt ein falsches Spiel:
    „Huffington Post“ ist auch von Focus online und ergreift in den letzten Tagen massiv Partei für Flüchtlinge. Ich hatte mich schon ob dieser Verbindung gewundert, da ich vom FOCUS nichts halte.
    Aber wie kann das alles sein?

  48. 49
    civichief says:

    Ich bin kein Nazi, finde es aber geil wie ein privater Medienblog immer wieder diese Angsthasen auf seine Seite lockt:
    Angst vor Moslems, Angst vor Flüchtlingen, Angst vor Komplexität und Angst vor dem, was sich hinter dem Horizont befindet.

    Der Focus hatte auf seiner Online-Seite eine tendenziöse Überschrift, die Vorurteile bedient. Dies wurde über Facebook verbreitet. Focus Online hat stundenlang unmoderiert Kommentare gesammelt, die auch für CSU-Anhänger unerträglich waren. Focus Online hat erst spät – wohl als nur noch wenig bis gar nicht mehr geklickt wurde – die tendenziöse Überschrift geändert.

    Ich bin kein Nazi, forder aber alle „Nazis“ auf, mutig zu sein und in die Flüchtlingsunterkünfte friedlich (!!!) zu gehen und sich das Elend dort mal anzuschauen. Das Elend fängt schon in den Ursprungsländern der Flüchtdenden an, denn dort ist es so schlecht (Armut, ethnische Konflikte, mangelnde Menschenrechte, Terror, Krieg, Perspektivlosigkeit), dass die Motivation da ist, zu flüchten. Dann geht das Elend weiter, indem Tausend Kilometer mit allen Verkehrsmitteln über Land, Luft und Wasser irgendwann und irgendwie (Zwang zur Prostitution, Zwang zu Diebstahl, Zwang zu sklavenähnliche Arbeit) die Reise in die EU (Spanien, Portugal, Frankreich, Italien, Griechenland, Slowenien, Kroatien, Bulgarien, Rumänien, Slowakei, Polen) zunächst gelingt.
    Doch dann kommt die Desillusion: Hier gibt es zunächst keine Arbeit für Flüchtlinge, 99% von denen würden heute sofort arbeiten wollen, dürfen aber nicht. Dann sind die Flüchtlinge mind. 6 Monate im Ungewissen, ob sie überhaupt bleiben dürfen oder nach diesen mühseligen vielen Tausend Kilimetern doch wieder zurückgeschickt werden. Die Kinder gewöhnen sich an Deutschland, sie gehen in den Kindergarten, sie gehen in die Schule, lernen die Sprache, haben ihren Lebensmittelpunkt hier und müssen vlt wieder weg – aber erst nachdem sie hier zu Hause sind, nachdem sie angekommen sind. Deshalb hat das Mädchen geweint und Merkel wollte mal kurz streicheln.

    Allen Nazis – ich bin keiner – rate ich, nur für einige wenige Sekunden, sich realistisch in irgendeinen Flüchtling hineinzuversetzen. Dann kann man auf einem sachlichen Niveau diskutieren.

    Ach ja, es geht hier um die tendenziöse kalkulierende Überschrift der Bild, äähhh Focus Online.

  49. 50
    gebimmel says:

    @sigur ros, 47: dazu fällt mir jetzt etwas ein, was ich bei fefe gelesen habe, ich kopiere das mal rein: Das Aufbauen und Aufrechterhalten von Selbstwert geschieht ganz selbstverständlich über die Identität zu einer Gruppe, der ein gewisser Wert beigemessen wird. Dieser Wert wird natürlich durch soziale Vergleiche gesetzt. (Zu tun hat es auch mit dem grundsätzlichen Funktionieren des menschlichen Hirns, das in Kategorien denkt bzw. denken muss, will es vor lauter Informationsflut nicht handlungsunfähig werden.) Ich kann mich natürlich bemühen, meinen Selbstwert ohne Vergleiche hoch zu halten oder zu erhöhen, so im Sinne von Affirmationen. Aber viel leichter und im Alltag auch ganz unbewusst geschieht das durch soziale Vergleiche. Es reicht durch die Stadt zu gehen und im Augenwinkel viele Obdachlose mitzubekommen, ohne am Ende des Tages wirklich zu wissen, warum man sich, abends in der Wohnung angekommen, tendenziell ziemlich zufrieden fühlt. Wenn du aber dennoch unzufrieden bist, dir deine Eigengruppe nicht genügend Selbstwert liefert, weil du beispielsweise als Hartz IV-Bezieherin Anfeindungen in der Gesellschaft ausgesetzt bist, dann beginnst du viel leichter, Obdachlose ganz bewusst abzuwerten („Faul? Von wegen, ich organisiere mir hier meine eigene Wohnung, halte die in Schuss und liege nicht faul unter der Brücke“), um dich selbst aufzuwerten.

    Natürlich ist das nur ein Mechanismus von vielen, die zu gruppenbezogenen Abwertungen beitragen. Zustimmung zu natürlichen Hierarchien spielt z. B. eine Rolle. Das wird besonders beim Item „Die Weißen sind zu Recht führend in der Welt“ deutlich, das gerne beim Abfragen von Rassismus benutzt wird. Aber das ist ja auch wieder eng mit dem Eigengruppe-aufwerten-Fremdgruppe-abwerten-Mechanismus verwandt: Weiße vs. Nicht-Weiße.

    An den Korrelationen zwischen den verschiedenen Abwertungsarten sieht man gut, dass *alle* diese Abwertungen ein gemeinsames Muster haben, zu dem gewiss auch das rechnen kann, was du in einem Blogpost ansprichst. Und es findet sich dann nicht nur bei Antisemitismus, sondern auch bei Islamfeindlichkeit und anderen Abwertungen: Wer eine Gruppe abwertet, der tendiert eher dazu, auch andere Gruppen abzuwerten, einige eher als andere, aber grundsätzlich steckt da was in dem Menschen, eine Ideologie, ein Denken, ein psychologischer Mechanismus, etwas, das unabhängig von konkreten Gruppen ist. Bei passender Gelegenheit würden wohl auch Marsmännchen abgewertet werden, nur um sich selbst einen Selbstwertsboost zu verschaffen.

  50. 51
    jmk says:

    @48 Focus Online und die deutsche Huff Po sind beide Burda-Töchter, haben inhaltlich aber nichts gemein. Die Vermarktung läuft gemeinsam über Tomorrow Focus, der Digitalsparte von Burda.

    Und in der Huffpo steht leider auch ganz ganz viel Müll.
    Wobei ich die Aktion für Flüchtlinge nicht abwerten will, ganz im Gegenteil.

  51. 52
    yxz says:

    @Sigur Ros, 47

    Runterzubrechen auf „keiner zwingt sie arm zu sein“ und „sie könnten ja arbeiten“ finde ich aber auch recht problematisch und unfair. So rosig ist der Arbeitsmarkt in Deutschland dann doch nicht. Aber auch daran sieht man ja wirre Argumentationsmuster. Entweder „ich muss schuften, um mir ein iPhone kaufen zu können, der Flüchtling hockt nur faul rum und kriegst geschenkt.“ oder (arbeitet der Flüchtling, was er ja aktuell nicht darf) „Die Ausländer nehmen die Jobs weg.“

    Ich glaube beinahe, der Otto Normal-„Asylkritiker“ hätte am liebesten, wenn man schon Menschenrechte wie Aysl nicht wegmachen kann, dann sollen die gefälligst in den Zeltstädten hausen und darben, die man im Fernsehen sieht. Aber natürlich irgendwo in der Pampa, wo man die nicht sieht.

    Was ein Leben am Existenzminimum mit minimaler Sozialer Teilhabe (wozu herrjeminie, in der heutigen welt natürlich auch ein smartphone gehört!) sieht man doch auch an vereinsamten Rentern und Arbeitslosen. Selbst Kinder können nicht ohne soziale Teilhabe ordentlich aufwachsen. Flüchtlinge sind doch ganz normale Menschen (und etliche von ihnen sicherlich auch traumatisiert). Ich verstehe daher echt nicht, wie man auf die Idee kommt, gerade diese Personengruppen gegeneinanderaufrechnen zu wollen. Der einen Gruppe wird es nicht bessergehen, wenn es der anderen Gruppe schlechter geht.

    Man darf ja nie vergessen, dass Deutschland von recht vielen „sicheren Drittstaaten“ umgeben ist, also die Zahl der Asylanten eh schon sehr gedrückt werden kann, was ja die Politik gerne auch macht, wenn mal wieder ein „sicherer Drittstaat“ erklärt wird. Ich finds auch immer echt schlimm, wenn auf Asylbewerber gehasst wird. Die nehmen nur Rechte in Anspruch, die doch zum ordentlichen Zivilisationsgrad einer „1.Welt-Nation“ wie Deutschland nur zustehen könnte. Und wenn die Verfahren so lange dauern, müsste doch der logische Schluss sein, dass man für eine effizientere Verwaltung plärrt, anstatt gegen Menschen.

    @DaW, 44

    Oh, die Dämlichkeit der Argumentation ist mir soo noch garnicht sichtbar gewesen. Herrje. Das werde ich mir auf alle Fälle für den nächsten Fall solcher Scheinargumentation merken. Die kommt ja garantiert. Wobei natürlich „Wirtschaftsflüchtling“ so ein furchtbares Wort ist.

  52. 53
    DaW says:

    @ xyz:

    Im Nachinein ist mir noch aufgefallen, dass selbst „Krisengebiet“ das ganze ziemlich einengt. Man kann ja auch als aus stabilen Staaten fliehen, z.B. als Oppositionelle/r, als Homosexuelle/r oder als Frau, der aus irgendwelchen Gründen in einem islamistisch geprägten Staat die Todesstrafe droht.

    Davon abgesehen halte ich „Wirtschaftsflüchtling“ auch für ein furchtbares Wort – und für ein unglaublich verlogenes: wer wegen eines Krieges um seine Existenz fürchten muss, ist willkommen, wer dies aus Hunger tut, soll verschwinden? Das ist doch absolut unglaubwürdig.

  53. 54
    yxz says:

    @DaW,

    jetzt fühlte ich mich an die böse-zynische Asylbewerbung-Szene aus „Die Anstalt“ erinnert. Chodorkowski bringt sicher sein eigenes Smartphone mit..

  54. 55
    Daniel says:

    @DaW
    Und da haben wir noch nicht darüber gesprochen, dass die Rückständigkeit dieser Regionen aus der Ferne betrachtet für Fremdenfeinde ein Grund zu Schelte ist. Die finden die arabische Welt zwar mittelalterlich aber die Leute sollen doch bitte dort bleiben, hier ist das Boot voll!

  55. 56
    Karl Kraus says:

    Unglaublich – SO wenig braucht’s, um eine Zeitung zu machen!

  56. 57
    Habe ich says:

    Ja geht mal ins Flüchtlings heim und schaut euch mal an welche Leute dort Asyl beantragen. Nämlich fast nur Leute die sowieso keins kriegen und nur hier sind weil sie genau wissen was sie an Kohle ind Leistungen Kriegen und sich dazu auch noch wie der letzte arsch benehmen,weil sie genau wissen das ihnene sowieso keine Konsequenzen drohen.

    Und nein Leute aus Krisengebieten die wirklich hilfe brauchen haben keine Smartphones oder tragen Marken Klamotten.

    Und der größte Witz ist doch das alle arbeiten wollen denn das wollen die meisten eben nicht da sich die Menschen nämlich was verdienen können es aber nicht tun.

    Und warum soll man uberhaubt shampoo spenden? Schließlich gibt es jede Woche Geld wovon man sich das zeug kaufen kann. Aber ist eh vergebene Mühe hier zu schreiben da es einfacher ist alle als nazi zu bezeichnen statt sich mal wirklich damit zu beschäftigen was in den ganzen Heimen abgeht.

  57. 58
    DaW says:

    @ Habe ich:

    Immerhin dürften die meisten Bewohner von Flüchtlingsheimem die deutsche Rechtschreibung und Interpunktion besser beherrschen als Sie…

    Wieviele Heime haben Sie denn besucht und mit wievielen Menschen dort gesprochen, dass Sie zu diesem Ergebnis kommen? (Wir wissen alle: ein rein rhetorische Frage…)

  58. 59
    DaW says:

    @ Habe ich, Teil II:

    „Und nein [KOMMA] Leute aus Krisengebieten [KOMMA] die wirklich hilfe [Substantiv > Großschreibung*] brauchen [KOMMA] haben keine Smartphones oder tragen Marken Klamotten [richtig: Markenklamotten].“

    Okay, nehmen wir einmal an, dass einer der in Deutschland ganz arg politisch Verfolgten ins Ausland flüchten muss (so Lutz Bachmann, Thilo Sarrazin oder Pidingens, diese ganzen selbst ernannten politisch Verfolgten) – dann muss er also auf der Flucht sein Handy zerstören und sich Altkleidung zulegen, damit er Asyl beantragen kann?
    ____
    * Es überrascht mich nicht, dass „Hilfe“ bei Ihnen nicht großgeschrieben wird.

  59. 60
    DaW says:

    Huch, es ist natürlich etwas peinlich, Vertipper drin zu haben, wenn man sich über Rechtschreibung und Interpunktion anderer lustig macht. Daher: „ein*e* rein rhetorische Frage“.

  60. 61
    DaW says:

    Und noch was (tut mir Leid, dass ich nun schon den vierten Beitrag schreibe):

    „Ja [KOMMA] geht mal ins Flüchtlings heim [wozu das Leerzeichen?] und schaut euch mal an [KOMMA] welche Leute dort Asyl beantragen. Nämlich fast nur Leute [KOMMA] die sowieso keins kriegen und nur hier sind [KOMMA] weil sie genau wissen [KOMMA] was sie an Kohle ind [na gut, ein Tippfehler…] Leistungen Kriegen [kriegen, mit dem bewaffneten Kampf hat das erstmal nicht viel zu tun] […]“

    Stimmt. Leute nehmen eine mehrmonatige bis -jährige, entbehrungsreiche, z.T. lebensgefährliche… ähm… „Reise“* auf sich, bei der sie jeden Tag schauen müssen, wie sie die einfachsten Bedürfnisse (Trinken/Essen, Schlafen, Hygiene) befriedigen können, weil sie auf der faulen Haut liegen möchten.

    Eine bestechende Logik, der neuesten PEGIDA-Erhebungen zufolge 570 % der Deutschen (aka schweigende Mehrheit) uneingeschränkt zustimmen.

    ____
    * Fällt irgendwem ein besseres Wort für diese Tortur ein?

  61. 62
    Daniel says:

    @Habe ich
    Nur, weil es mal in der Nähe von derlei Tiraden stehen sollte.

    1.) Die Leute kommen nicht her, weil sie Smartphones und Leistungen wollen. Die kommen her, weil es hier besser ist als dort, wo sie herkommen. Das hat in der Regel mehrere Ursachen die sich stapeln. Armut. Rechtlosigkeit. Krieg. Perspektivlosigkeit. Wenn man also will, dass die nicht mehr kommen, muss man in Deutschland noch mehr Armut und Rechtlosigkeit und Krieg und Perspektivlosigkeit einführen, als es in Syrien, Albanien oder Sonstwo herrscht. Ich habe zwar das Gefühl, dass das machbar ist bei dem Talent dass Leute wie Sie an den Tag legen. Ich will das aber nicht.
    2.) Ich nenne nicht alle Nazis, nur die Leute, die laut meinen, Asylanten nähmen ihnen irgendwas weg. Das sind Nazis und Leute, die noch dümmer sind als Nazis weil sie Nazis hinterher laufen.

    @DaW
    Flucht

  62. 63
    yxz says:

    @Habe ich, 57

    Bitte entschuldigen Sie, dass ich um die Uhrzeit nur eine schnelle Suche durchführen wollte. Wenn sie andere Zahlen auf die Schnelle finden, nur her damit. Von hier: http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Downloads/Infothek/Statistik/Asyl/201505-statistik-anlage-asyl-geschaeftsbericht.pdf?__blob=publicationFile

    Herkunftsländer gesamt 141.905
    Kosovo 29.747
    Albanien 16.250
    Serbien 13.502
    Mazedonien 5.140
    Bosnien und Herzegowina 3.429

    Ich war mal so frei, die Zahlen der Balkanstaaten gleich mitzunehmen. Erleichtert Ihnen auf die schlechte Anerkennungsquote zu verweisen. Aber etwas mehr als die Hälfte _ist nicht_ „Nämlich fast nur Leute die sowieso keins kriegen und nur hier sind weil sie genau wissen was sie an Kohle ind Leistungen Kriegen […]“. Schließlich sind es die Menschen der Balkanstaaten, die sie meinen, nicht wahr? Sieht man sich aber auch an, dass dann (mit Ausnahme des Kosovo und teilweise Albanien) sehr häufig (beinahe die Hälfte bis quasi alle) mit „davon sonstige Verfahrenserledigungen“, was nichts anderes als ein Verweis auf sichere Drittstaaten und sonstige Reglungen ist, abgehandelt werden, relativiert sich die Ablehnungsquote schon wieder etwas. Aber das sind ja für sie bestimmt „nur“ „Wirtschaftsflüchtlinge“.

    Die hohen Zahlen aus den Balkanstaaten sind eine üble Schande für Europa, die EU und den europäischen Gedanken.

    Und nein Leute aus Krisengebieten die wirklich hilfe brauchen haben keine Smartphones oder tragen Marken Klamotten.

    Schade, ich hatte gehofft meine Erwähnung des Smartphones von Chodorkowski würde helfen. Soziale Teilhabe ist noch immer mehr als Nahrung, Luft, ein (Zelt)Dach über dem Kopf.

    Und der größte Witz ist doch das alle arbeiten wollen denn das wollen die meisten eben nicht da sich die Menschen nämlich was verdienen können es aber nicht tun.

    Ich wette mit ihnen, die meisten Flüchtlinge haben auch in ihren Heimatländern gearbeitet, aber dann kam ein Krieg dazwischen. Was zur Hölle haben sie denn für ein Menschenbild? Arbeitslose sind auch alle nur faul? Hier daher mal wikipedia:

    Im Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) sind seit 1993 die sozialen Leistungen an Asylbewerber geregelt. In den ersten drei Monaten ihres Aufenthalts (vor dem 6. November 2014: in den ersten 9 Monaten ihres Aufenthalts; vor dem 6. September 2013: in den ersten 12 Monaten ihres Aufenthalts[9]) gilt für Asylbewerber ein absolutes Arbeitsverbot. Auch danach wird die Beschäftigung nur in Ausnahmefällen gestattet.

    Beschäftigung ist nur in Ausnahmefällen gestattet und auch hier wette ich mit ihnen, dass die Argen und Jobcenter lieber einen Arbeitslosen auf solche Stellenmöglichkeiten vermitteln wollen, anstatt an einen Ayslbewerber. Also eine Beschäftigungsmöglichkeit in Ausnahmefällen heißt noch lange nicht, dass man solch eine Möglichkeit überhaupt ergreifen kann. Denn schließlich gilt für einen Asylbewerber auch zumeist eine Rezidenzpflicht. Während jeder ALG II-Empfänger aus jahrelanger sozialer Umgebung gerissen werden kann, weil ein zumutbarer Job auftaucht.

  63. 64
    Martin Vogt says:

    @Stefan Niggemeier: Danke für Ihre Präzisierung – ich meinerseits hatte auch weniger Sie als vele Kommentatoren hier bei meiner Bemerkung im Kopf.

    Damit allgemein: Das Medienunternehmen Wirtschaftsberiebe sind, scheint ja eine triviale Erkenntnis zu sein – aber so trivial wohl nun auch nicht, wenn ich mir viele Kommentare hier durchlese. Es ist ermüdend zu registrieren, das Erfolg (wie bei Focus Online) offenkundig als anrüchig gilt und die Methoden und Inhalte generell massiv abgewertet werden. Ist das so allgemeiner Journalistenattitüde? Kommt wie wie eine sehr, sehr öde linke, kapitalismuskritische Sichtweise aus den 60er-Jahren vor: Erfolg ist anrüchig, Erfolg ist schlecht.

    Inhaltlich habe ich zugegeben erhebliche Probeme mit vielen Inhalten von Focus Online, wie sie inzwischen gespielt werden. Das war vor Daniel Steil anders.

    Aber wir sollten uns hier doch bitte von der binnenjournalistischen Perspektive, die nur eine handvoll Menschen juckt, trennen. Und da muss man sagen. Vor Daniel Steil war Focus Online nicht sehr erfolgreich, sondern wuchs einfach mit, ohne herauszuragen. Jetzt sieht das anders aus – und, man mag dazu als Journalist so oder so stehen, treffen Angebot und Ausrichtung und Useransprache offenbar dermaßen viele User, dass die Seite einfach sehr erfolgreich ist. Das lässt sich auch mit Hinweisen auf Mao oder Hitler nicht vom Tisch wischen. Solche Hinweise sind eher die Ohnmacht, weil man wütend ist, sich nicht erklären kann – oder besser einfach nicht wahrhaben will – dass mit Trash und Boulevard viele Menschen ganz offenbar glücklich sind. Nochmal: Mir gefällt das auch nicht. Aber man miuss die Leistung der Kollegen in meinen Augen respektieren: Vielleicht sich damit auseinandersetzen, weniger dogmatisch das alte Bild vom Journalisten als Erzieher und Weltverbesserer hochhalten.

  64. 65
    Habe ich says:

    Ich war schon in einigen Flüchtlingsheime weil ich nämlich jeden Tag mit Flüchtlinge arbeite.Und daher weis ich auch mit was für ein Gepäck die Leute in Deutschlands ankommen.
    Wie oft hatten sie den schon mit Asyl Bewerber zu zu tun um sich so ein genaues Bild zu machen? Und keine sorge meine Rechtschreibung ist in Ordnung achte aber nicht darauf wenn ich am Handy schreibe. Trotzdem danke für den Hinweis.

    Und auch wenn es in viele Koppe nicht reingeht, geht es bei der ganzen Diskussionen in letzter Zeit nicht um Flüchtlinge die aus Krisengebieten kommen in denen Krieg herrscht. Sondern um die Leute die eben nicht aus Krisengebiete kommen und den Leuten die Plätze weg nehmen die dringend Hilfe brauchen. Und Menschen die mit dicke reise Koffer nach Deutschland kommen und mehr Kohle in der Tasche haben als andere auf dem Bank Konto brauchen keine spenden.

    Die kommen nur um sich sechs Monate das Geld ein zu sacken und dann wieder zu gehen. Woher kommt eigentlich der Gedanke das Asyl Bewerber alles arme Schweine wären die mit Sandalen durch die gegen trampen bis sie endlich bei der zab sind.

    Und natürlich dürfen die Leute arbeiten und zwar in den Unterkünften gegen geld, aber das machen die wenigsten und lassen lieber alles verdrecken.

    Und ich behaupte nicht das mir irgendjemand etwas wegnimmt, im Gegenteil momentan sichert mir das sogar meine job, ändert aber nichts daran das ich nicht einsehen warum man Leute helfen soll die keine Hilfe benötigen. Aber danke für den Hinweis wusste gar nicht das es in Albanien so viele politisch verfolge Menschen gibt

  65. 66
    Martin says:

    @Daniel: „Die Leute kommen nicht her, weil sie Smartphones und Leistungen wollen. Die kommen her, weil es hier besser ist als dort, wo sie herkommen.“

    Hier bin ich mir persönlich nicht so sicher wie Sie. Ich habe ein paar Damen im Bekanntenkreis die als Zahnarzthelferinnen arbeiten. Die sagen mir, dass die Zahl der Asylbewerber, die sich bei ihnen in der Praxis behandeln lassen sehr stark zugenommen hat. Die kommen auch dann, wenn Sie wieder abgeschoben werden sollen, da die Damen und Herren trotzdem einen Anspruch auf Versorgung nach AsylbLG haben. Soweit haben die Kritiker zumindest nicht vollständig Unrecht – es geht schon ein Stück weit um Leistungen, ein bequemeres Leben usw.

    Nicht, dass ich Grundversorgung und Gesundheitsversorgung falsch finde, aber ich kann auch ein gutes Stück weit die Gegner verstehen. In Zeiten, in denen vielen Leuten immer weniger unterm Strich bleibt – ein Umstand der hierzulande vielfältige Gründe hat und sich mehr Leute überlegen müssen wie sie über die Runden kommen, fällt Missgunst leichter als wenn man selbst kaum Sorgen hat.

    Ich arbeite in einem Industrieunternehmen als Angestellter. Wir haben in der Produktion Arbeiterinnen und Arbeiter, die einen Zweit-, manche auch einen Drittjob haben, um über die Runden zu kommen. Die Spekulationen an diversen Märkten schaffen derzeit, wieder einmal, Spekulationsblasen, die viele Dinge unnötig verteuern und uns irgendwann um die Ohren fliegen. Die Versorgungslücken wachsen beständig weiter, die Leistungen der Versorger nehmen stetig ab, die Grenze der Mittelschicht verschiebt sich (lt. Armutsbericht) auch immer weiter nach unten, die Lebenshaltungskosten verteuern sich,…. usw. Das kann man lange fortsetzen.

    Ich will die Meinungen nicht schön reden, aber mit einem „Ihr seid alles Nazis!“ ist das nicht vom Tisch. Wenn ich überlege wie viele Leute, die öffentlich keinen Pieps zu dem Thema von sich geben, hinter vorgehaltener Hand beim Gespräch im Garten über „die Asylanten“ tuscheln, merkt man dass das nicht alles nur die Molotow-Flaschen Werfer sind wie die Medien das gerne suggerieren, sondern durchaus auch der Nachbar von nebenan. Es wäre durchaus interessant, was passieren würde, wenn wir alla Schweiz Volksentscheide hätten. So sicher wie viele bin ich mir da nämlich nicht, dass das Ergebnis so humanitär wäre.

    Das Problem ist ein altes. Man nimmt die Sorgen einer Gruppe unter der Bevölkerung nicht ernst und geht nicht auf die Gründe ein, sondern sammelt sie und packt sie in eine bequeme Schublade. Dort gärt das vor sich hin, steckt vielleicht andere noch mit an, verbreitet sich, wird landläufig/gesellschaftsfähig und dann warten wir wieder darauf bis einer die Schublade aufreisst und alle auf einmal rauslässt – hatten wir schon einmal mit einem anderen „Feinbild“.

    Aber zum Glück lernen wir schlauen Menschlein ja immer so toll aus unserer Vergangenheit. /ironie

  66. 67
    Linus says:

    @Habe ich

    Ihr Geld-Fetisch und Ihre kalte, hämische Sprache sind ekelig. Egal, wieviele Flüchtlingsheime Sie von Innen gesehen haben, Sie haben nichts verstanden.

  67. 68
    DaW says:

    @ Daniel:

    Danke. Auf dieses naheliegende Wort kam ich nicht…

  68. 69
    DaW says:

    @ Martin Vogt:

    „Solche Hinweise sind eher die Ohnmacht, weil man wütend ist, sich nicht erklären kann — oder besser einfach nicht wahrhaben will — dass mit Trash und Boulevard viele Menschen ganz offenbar glücklich sind.“

    Boulevard/ Trash = menschenverachtende Hetze? Das finde ich wiederum stark vereinfachend.

    „Nochmal: Mir gefällt das auch nicht. Aber man miuss die Leistung der Kollegen in meinen Augen respektieren:“

    Nö.

  69. 70
    Butzelmen says:

    Seit dem Bild-artigen Gebashe gegen Weselsky in Person, indem man sein Haustürklingelschild, Adresse, Telefonnummer etc. abbildete war mir endgültig klar, dass ich täglich ein riesiges Schundblatt online anschaue. Ich bin komplett zur Papierzeitung Zeit gewechselt und fühle mich sehr wohl damit. Keine Polemik, keine Hatz keine Bild-Aufmachung.

    Der schleichende Shift zur Bild 2 hat sich scheinbar mit dem neuen Springer Chefredakteur (2012?) ergeben. Klar, der muss seine Werbung an den Mann mit möglichst viel Zugriff bringen. Aber dieses Idiotensystem auf Kosten Anderer trage ich nicht mit.

  70. 71
    Kristine says:

    @64, Martin:
    >das Erfolg (wie bei Focus Online) offenkundig als anrüchig gilt und die Methoden und Inhalte generell massiv abgewertet werden. Ist das so allgemeiner Journalistenattitüde? Kommt wie wie eine sehr, sehr öde linke, kapitalismuskritische Sichtweise aus den 60er-Jahren vor: Erfolg ist anrüchig, Erfolg ist schlecht.

    Diese Art von Erfolg ist meinem Empfinden nach in der Tat schlecht. Ganz unabhängig von irgendwelchem „herp derp, die bösen Linken“.

    > Aber man muss die Leistung der Kollegen in meinen Augen respektieren

    Mein Respekt gehört mir, und den zolle ich, wem ich will. Und erfolgreich Hetze zu verbreiten fällt bei mir nicht unter respektierenswürdige Taten. Soll ich auch deutsche Rüstungsfirmen respektieren, die immerhin seit Jahren mit ihrer Leistung dafür sorgen, daß Deutschland drittgrößter Rüstungsexporteur der Welt ist?

  71. 72
    DaW says:

    @ Martin Vogt:

    „Es ist ermüdend zu registrieren, das[s] Erfolg (wie bei Focus Online) offenkundig als anrüchig gilt und die Methoden und Inhalte generell massiv abgewertet werden.“

    Da gehe ich mit Kristina mit: ich habe überhaupt nichts gegen Erfolg, aber nicht um jeden Preis. Ich habe zum Beispiel totalen Respekt vor Madonna, weil sie sich seit 30 Jahren im Haifischbecken Musikbusiness hält (obwohl ich kein großer Fan ihrer Musik bin). Und den Spruch „Mainstream = schlecht“ (oft zu hören von Leuten, die kein WM-Spiel auslassen) ist mir auch zu flach.

    Mindestens ebenso alt wie die „sehr, sehr öde linke, kapitalismuskritische Sichtweise aus den 60er-Jahren“ ist übrigens die (hier indirekte) Unterstellung, Kritik an Erfolgreichen sei mit Neid begründet.

    Nochmal @ habe ich:

    Davon abgesehen, dass ich Ihnen Ihre Geschichten nicht abnehme: natürlich gibt es nicht nur gute, arme Asylbewerber, sondern auch Betrüger. Dafür kann aber die Familie aus Syrien oder der Flüchtling aus Eritrea erstmal nichts. Nicht umsonst ist das Motto von Pro Asyl: „Der Einzelfall entscheidet.“

  72. 73
    Frank Reichelt says:

    @Linus

    Zum Glück sind Ihre Beiträge stets durchdrungen von menschlicher Wärme und völlig frei von Sarkasmus und ätzender Ironie gegenüber den Mitdiskutanten! Nur das gibt Ihnen ja auch das natürliche Recht, andere für deren kalte Sprache zu kritisieren!

  73. 74
    JUB 68 says:

    @71 DaW
    Sie bringen mich da auf eine (möglicherweise etwas unangemessene) Frage:

    Was haben Madonna und Flüchtlinge gemeinsam?
    Ich löse direkt auf:
    Madonnas zahlreiche Gegner finden ihre Musik grottenschlecht, aber nahezu jeder von denen findet dann doch ein, zwei Titel, die er als die große Ausnahme empfindet und der ihm gefällt.
    Die zahlreichen Gegner der Flüchtlinge finden deren Anwesenheit schlecht, aber nahezu jeder von denen findet dann doch ein, zwei „Dönermänner“, die als große Ausnahme empfunden werden, weil sie in Ordnung sind.

  74. 75
    DaW says:

    @ JUB 68:

    Wobei dabei natürlich mal wieder „Asyl“ und „Einwanderung“ vermengt werden. Und ich würde nicht behaupten, dass ich Madonnas Musik grottenschlecht finde, eher so Fahrstuhlmusik (stört nicht, wenn sie da ist, ich höre die Songs aber auch nicht bewusst).

    Mmmh… von Flüchtlingen über Hitler und Mao zu Madonna – interessanter Gesprächsverlauf.

    @ ich:

    „Und DER Spruch […] ist mir auch zu flach.“ (Das kommt davon, wenn man einen anderen Satz beendet als angefangen hat.)

  75. 76
    Stefan Niggemeier says:

    @Martin Vogt: Nein, ganz falsch. Nicht der Erfolg ist anrüchig. Die Art, wie „Focus Online“ ihn erzielt, ist anrüchig. Durch das systematische Ausschlachten der journalistischen Leistungen anderer, durch systematisches Ausschlachten des Leides anderer (Michael Schumacher), durch skrupellose Klickmaximierung um jeden Preis, auch den solcher Facebook-Einträge wie dem, um den es hier ging.

  76. 77
    Sigur Ros says:

    @65: Hach ja, und jetzt kommt wieder die Nummer mit den vielen Asylheimen, die man schon gesehen haben will. Genauso wie Rassisten und Homophobe sich auch immer gerne damit rechtfertigen, wie viele Türken bzw. Schwule sie (angeblich) in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis haben. Ihre eiskalte, zynische Ausdrucksweise entspricht viel zu gut der tiefbraunen Anti-Flüchtlings-Propaganda, um Ihnen das abzunehmen.

  77. 78
    gebimmel says:

    @66, Martin: Also, wenn meine Abschiebung ausgemachte Sache ist und ich die Möglichkeit habe, mich vorher noch einer notwendigen Zahnbehandlung zu unterziehen, dann mache ich das. Auch, wenn das hier in Deutschland nicht mehr allzu häufig passiert, aber an einem eiternden Zahn bzw. einer daraus resultierenden Blutvergiftung kann man problemlos sterben. Finden Sie, es gilt, dieses Verhalten zu verurteilen?

  78. 79
    JUB 68 says:

    @78
    Außerdem:
    Der Zahnarzt arbeitet ja dennoch nicht für lau. Was wiederum den Erhalt der Arbeitsplätze der Zahnarzthelferinnen sichert, weswegen nicht ganz nachvollziehbar ist, warum diese in ihrer Aufregung sogar gegen (die auch für sie geltenden) Regeln der Schweigepflicht bzw. des Datenschutzes verstoßen müssen.

  79. 80
    jmk says:

    @Martin Vogt
    „Damit allgemein: Das Medienunternehmen Wirtschaftsberiebe sind, scheint ja eine triviale Erkenntnis zu sein — aber so trivial wohl nun auch nicht, wenn ich mir viele Kommentare hier durchlese.“
    Ist natürlich richtig, greift aber zu kurz, weil Medienunternehmen eben keine Schrauben herstellen sondern verfassungsmäßig garantierte Rechte ausüben. Die somit gewisse Privilegien besitzen.
    Somit sollte eben mit Augenmaß agiert werden und der Verweis auf die reine Wirtschaftlichkeit führt nicht weiter.

  80. 81
    Kristine says:

    @80, jmk: Unternehmen stellen niemals bloß Schrauben dar, unabhängig von etwaigen Privilegien. Sie sind zwar ausschließlich am eigenen Erfolg interessiert, aber das entläßt sie nicht aus der Verantwortung für ihr Handeln. Schließlich sind es im Endeffekt Menschen, die handeln, und Menschen sind in der Lage, das eigene Handeln zu reflektieren und Maßstäbe für richtiges und falsches Handeln aufzustellen.

    Und: Ist überhaupt gesicherte Erkenntnis, daß Medienunternehmen mit seriöserer Berichterstattung *keinen* Erfolg hätten?

  81. 82
    Linus says:

    @Frank Reichelt

    Schön, dass es für Sie keinen Unterschied zu machen scheint, ob ich mich über Flüchtlinge erhebe oder über Kommentatoren in Medienblogs. Soweit ich weiß, ist noch keinem Kommentator aufgrund meiner Wärme sein Heim unterm Arsch angezündet worden.

  82. 83
    Daniel says:

    @Martin #66
    In Anlehnung an Anja Reschke:
    Ihr Beitrag zeigt das grundlegende Problem.
    Ich habe gesagt, die Leute kommen, weil es uns (und ihnen) hier besser geht als dort, wo sie herkommen. Sie meinen nun, das stimme nicht. Den Leuten ging „es …schon ein Stück weit um Leistungen, ein bequemeres Leben usw.“ (Das sagen Sie und verweisen als Quelle auf „die Leute“)

    Ja, meine Rede.

    Meine Vorstellung und die der Nazis unterscheidet sich also nicht darin, dass es den Leuten hier besser geht als dort, wo sie herkommen. Sie unterscheidet sich hier:
    „In Zeiten, in denen vielen Leuten immer weniger unterm Strich bleibt — ein Umstand der hierzulande vielfältige Gründe hat und sich mehr Leute überlegen müssen wie sie über die Runden kommen, fällt Missgunst leichter als wenn man selbst kaum Sorgen hat.“
    MIssgunst. „Die Leute“ missgönnen den Flüchtlingen also die Leistungen. Es geht also nicht darum, dass es den Flüchtlingen hier besser geht als in ihrer Herkunftsländern. Es geht darum, dass es den Flüchtlingen hier angeblich zu gut geht.

    „Man nimmt die Sorgen einer Gruppe unter der Bevölkerung nicht ernst und geht nicht auf die Gründe ein, sondern sammelt sie und packt sie in eine bequeme Schublade. Dort gärt das vor sich hin, steckt vielleicht andere noch mit an, verbreitet sich, wird landläufig/gesellschaftsfähig und dann warten wir wieder darauf bis einer die Schublade aufreisst und alle auf einmal rauslässt — hatten wir schon einmal mit einem anderen „Feinbild“.“
    Ich kann nur hoffen, dass das kein Vergleich mit dem Nationalsozialismus ist, in der Antisemitismus „gärte“ bis die Nazis die Schublade aufrissen und alles auf einmal rausließen.
    Ich gehe also mal davon aus dass nicht und verweise nur auf den logischen Fehler im Bild: Die Sorgen kommen also in eine Schublade, gären vor sich hin, verbreiten sich aber dennoch und am Ende kommt alles auf einmal raus. Trotz Verbreitung. Das ist nicht schlüssig.
    Lange Rede kurzer Sinn: Ja, wer gegen Flüchtlinge hetzt, ist ein Nazi. Wer die Hetze glaubt, weil „Nachbarn“ etwas erlebt haben, folgt Nazis. Wer Brandbomben auf Häuser wirft, ist ein gewalttätiger Nazi. Weil die Debatte nur dann ehrlich ist, wenn wir auch anerkennen, mit wem wir sie führen.

  83. 84
    yxz says:

    @Habe ich, 65

    Und natürlich dürfen die Leute arbeiten und zwar in den Unterkünften gegen geld, aber das machen die wenigsten und lassen lieber alles verdrecken.

    Könnten sie bitte einmal näher erläutern, welcher Arbeit „die Leute“ in den Unterkünften nachgehen können. Welche Arbeitsmöglichkeiten / auswahlmöglichkeiten? Dauerhaftigkeit der Arbeit? Arbeitspensum? Art der Bezahlung? Angemessenheit der Bezahlung? Solcher Art nährerer Erläuterung. Danke.

    Sondern um die Leute die eben nicht aus Krisengebiete kommen und den Leuten die Plätze weg nehmen die dringend Hilfe brauchen. […] Die kommen nur um sich sechs Monate das Geld ein zu sacken und dann wieder zu gehen.

    DaW hat ja oben schon geschrieben, dass ja selbst Krisengebiet einengt. Es ist Es ist immer noch das Recht eines jeden Menschen um Asyl ersuchen zu dürfen. (Ersuchen zu dürfen, nicht es auch in jedem Falle zu erhalten!) Und es ist immer noch das verdammte Problem der Exekutive und nicht der Schutzsuchenden, wenn der Prozess sich lange hinzieht. Ich würde glatt wetten meist dauert die Prüfung, ob man den Asylbewerber nicht irgendeinem „sicheren Drittstaat“ zuschieben kann, deutlich länger dauert als die eigentliche inhaltliche Prüfung des Asylantrages, die ja auch garnicht mehr stattfindet, wenn man einen „sicheren Drittstaat“ findet.

    Aber davon ab, ist es nicht absolut beschämend für Europa und die EU, dass es anscheinend mitten in Europa Staaten gibt, aus denen „massenhaft“ Menschen die Tortur und Risiken einer Flucht mit Sack und Pack und gerne auch dem Gesparten eines ganzen Lebens auf sich nehmen, sich dabei Fremdenfeindlichkeit und anderen Übeln ausgesetzt sehen, – und sogar möglicherweise mit dem Wissen der Aussichtslosigkeit des Versuchs – nur um für die paar Tage, Wochen, Monate des Asylverfahrens aus Not, Elend, Perspektivlosigkeit entkommen zu können? Es ist eine Schande.

    Hinter Migration in jeglicher Form steckt ein zutiefst menschlicher Gedanke: Die Hoffnung, einen Ort für sich und seine Kinder und deren Kinder zu finden, an dem es einfach besser ist.

  84. 85
    yxz says:

    @Martin, 66

    Aber zum Glück lernen wir schlauen Menschlein ja immer so toll aus unserer Vergangenheit. /ironie

    Sie haben offensichtlich das Ende Ihres kleinen Geschichtleins nicht gelernt: Eine Welt in Trümmern. Millionen Tote und ein besiegtes und geteiltes Deutschland. Ganz ohne Ironie.

    Es wird immer eine zivilisierte Welt geben, die dann auch Schubladen aufreißen kann.

    Und ich werden jeden als Nazi bezeichnen, der meint, den Holocaust erklären zu können, indem er schreibt: Ja, aber die Ängste der Bevölkerung Wären die Juden einfach ausgewandert oder zumindest weniger jüdisch gewesen oder hätten wenigstens weniger jüdisch ausgesehen, wäre alles gut gewesen.

  85. 86
    Daniela says:

    Mir tun die Menschen leid, die flüchten müssen. Asyl beantragen ist ein Grundrecht und auch Kriegsflüchtlingen muss die EU helfen – das ist gar keine Frage. Und natürlich verstehe ich es, wenn es Menschen in ihren Herkunftsländern wirtschaftlich schlecht geht und sie flüchten bzw. migrieren.
    Die meisten der Flüchtlinge wollen nach Deutschland oder Schweden. Und da locken eben auch die guten Leistungen und die gute Wirtschaftslage. Verständlich. Aber das Problem ist nur, dass es so viele Menschen gibt, die gerne hier arbeiten wollen. Und die wollen alle nach Duisburg, Stuttgart, München. Ganz ehrlich, ich finde die Einwanderungsquoten zu hoch und Deutschland jetzt schon überbevölkert.
    Mal in letzter Zeit die Immobilienpreise angeschaut, grade in den Ballungsgebieten? Eine Autobahn angeguckt, wieviel Stau da ist? Immer nur Wachstum, auch bei der Bevölkerung, das funktioniert einfach nicht. Viele Menschen in Deutschland sind auch arm – und da heißt es immer, dass „die“ schon genug Leistungen bekommen.
    Es kann nunmal nicht die ganze Welt hierher kommen, so viel Ressourcen hat D nicht, um jedem zu helfen; das ist die traurige Wahrheit.

  86. 87
    inga says:

    @Daniela: Das ist nicht die „traurige“ sondern die vereinfachte „Wahrheit“. Deutschland hat quasi gar keine Ressourcen, jedenfalls keine natürlichen. Was Deutschland hat, ist Wissen. Und es ist ziemlich egal, welche Herkunft die Leute haben, die dieses Wissen reproduzieren. Diese Das-Boot-ist-voll-Metapher ist schon deswegen ziemlicher Käse. Und den Zuzug von Flüchtlingen für eine verfehlte Wohnungspolitik in Ballungsräumen und eine verfehlte Arbeitsmakrtpolitik verantwortlich zu machen, zeugt schon von einer gewissen Denkfaulheit.

  87. 88
    Sebastian_1972 says:

    @Daniela: Deutschland ist überbevölkert?!? Die Bürgermeister von Hoyerswerda, Cottbus, Chemnitz oder auch einigen Städten im Ruhrgebiet werden da nur müde lächeln können (von ländlichen Regionen ganz zu schweigen). Das so ziemlich größte Risiko für die wirtschaftliche Zukunft und den Reichtum unseres Landes ist der demographische Wandel und der Rückgang an Bevölkerung. Selbst für das Umland derzeitiger Boom-Regionen wie bspw. Hannover werden bis 2030 Bevölkerungrückgänge prognostiziert; die Stadt Stuttgart(!) erwartet ab 2020 sinkende Einwohnerzahlen.

    Mir ist bewusst, dass das viele Menschen in der derzeitigen Debatte nicht hören wollen: Was wir brauchen ist kontinulierlich Zuwanderung in erheblichem Umfang. Insbesondere jene „Wirtschaftsflüchtlinge“ sind eigentlich das Beste, was unserem Land passieren kann: junge, motivierte, oftmals gut ausgebildete Menschen. Dieses Potential müssen wir nutzen, wenn die deutschen Sozialsysteme auch 2040 oder 2050 noch funktionieren sollen. Und auch das wollen viele Menschen vermutlich nicht wahrhaben: Die Zahl der Migranten, die dieses Jahr Deutschland erreichen, ist ungefähr die Menge an Zuwanderung, die wir bis 2050 jedes Jahr brauchen, um die dezeitige Bevölkerungszahl einigermaßen zu halten. Von Wachstum der Bevölkerung kann dabei keine Rede sein, es geht ausschließlich um das Verhindern von Schrumpfung. Das Boot ist voll? Von wegen: Das Boot leert sich. Jenseits aller humanitären Verpflichtungen und der Pflicht zum Gewähren von Grundrechten für Flüchtlinge braucht Deutschland diese Flüchtlinge schon aus wirtschaftlichen Gründen.

  88. 89
    DaW says:

    @ Sebastian_1972:

    Jein. Die Aussage, dass Deutschland Zuwanderung braucht (einfache Mathematik: 1,4 Kinder pro Frau reichen bei zwei Personen, die im Regelfall zur Zeugung eines Kindes notwendig sind, nicht aus, um die Bevölkerungszahl zu halten), und jene, dass es vielerorts noch voller wird, widersprechen sich nicht. Denn die meisten Zuwanderer gehen eben nicht nach Hoyerswerda, Cottbus oder Chemnitz, sondern nach Berlin, München oder Hamburg – dorthin, wo auch viele derer gehen, die Hoyerswerda, Cottbus oder Chemnitz verlassen.

    Allerdings: so zu tun, als ob deutsche Großstädte kurz vorm Kollaps stehen, ist auch übertrieben. So lange in Berlin z.B. keine U-Bahnlinie öfter als im 4-min-Takt fährt, scheint es ja so schlimm noch nicht zu sein. Vom ÖPNV-„Angebot“ im größten deutschen Ballungsraum (dem Ruhrgebiet) ganz zu schweigen.

  89. 90
    Sigur Ros says:

    @Daniela: Flüchtlinge dürfen nur eingeschränkt arbeiten, weshalb das Argument, dass die Flüchtlinge den Deutschen die Arbeit wegnehmen würden, Quatsch ist und auch schon wieder gefährlich nah an rechter Propaganda. Und dass die Flüchtlinge dafür verantwortlich sind, dass die Immobilienpreise steigen und die Autobahnen voll sind – das glauben Sie doch selbst nicht, oder?

  90. 92
    Mirko says:

    „Rassistisches Clickbaiting“. trifft es leider sehr gut. Schlimm genug, dass das funktioniert.

  91. 93
    cg says:

    Zunächst: Herzlichen Dank für ihr Blog, Herr Niggemeier. Sie klären nicht nur auf, sie geben auch (etwas) Hoffnung zurück.

    Focus. Nun, was gibt es dazu zu sagen? Ist das nicht die Bild im Silicondruckverfahren?
    Ich kann mich auch irren, denn wenn ich mir den Tagebucheintrag des werter Focus-Menschen Klonovsky durchlese(nolink; bitte googlen: acta-diurna 22.Oktober 2015 oder eigentümlich frei „Der Kitzel des guten Gewissens“), in dem er sich zum Pirincci-Verteidiger aufschwingt, am Ende den KZ-Spruch übernimmt und mit dem Hitlergruß „krönt“, dann denke ich, dass die Springerei bei aller Mühe und trotz aller „Verdienste“ einen solchen Vergleich nicht verdient hat.

  92. 94
    Dennis Manthei says:

    Hey,

    nun entspannt Euch mal! Momentan habt Ihr doch Erfolg mit Eurem Meinungsfaschismus. Es funktioniert doch ganz gut, jeden Menschen, der auch nur ansatzweise etwas sagt, was nicht Eurem verko(r)ksten Weltbild entspricht, als Rechten, Nazi, Blödmann, Ostbirne oder alles zusammen zu beschimpfen. Was wollt Ihr noch? Man könnte diese Konterrevolutionäre natürlich noch zwingen, immer und überall eine besondere Markierung an ihrer Kleidung zu tragen. Endlich haben wir die wahre Demokratie in Deutschland. Also, machen wir uns alle jetzt ein Müsli, stricken zusammen und freuen uns über ein neues Poster von unserer Sarah Wagenknecht, welches ab heute bei „Die Linke“ kostenlos verteilt wird.

  93. 95
    Rüdiger Krick says:

    Möchte nicht erst das Gedankengut mancher Focus-Online Redakteure genauer beleuchten, aber die sind teilweise anscheinend genauso drauf ! Einfacher Test : Ganz schlimme Kommentare, die eigentlich nicht ihrer Netiquette entsprechen, werden veröffentlicht. Übernimmt man fast Wort für Wort so einen Kommentar, wird er auf einmal abgelehnt., obwohl genau der selbe Inhalt, ein paar Kommentare vorher, ja schon veröffentlicht wurde. Das machte ich ein paar Mal und musste feststellen, das einige Leute beim Focus ihre eigene Netiquette missachten und Kommentare ganz bewusst freigeben oder ablehnen, je nachdem welcher Gesinnungsgenosse dort gerade sitzt und wie er gerade so drauf ist !

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