Es ist schon richtig. Man darf über die lustigen Quatschveranstaltungen nicht das Elend dieser Welt vergessen. Am Sonntag kam diese erschütternde Nachricht: Cherno Jobatey ist der deutsche »Journalist« mit den meistern Followern auf Facebook.

Der »TV-Liebling« (Cherno Jobatey über Cherno Jobatey), »a secure interviewer on any topic« (Cherno Jobatey über Cherno Jobatey), der »lustige Clown aus dem ›ZDF-Morgenmagazin‹« (Silke Burmester über Cherno Jobatey) »gefällt« auf Facebook 5554 Personen.

»Das kann ich nicht auf unserem Berufsstand sitzen lassen«, findet die Journalistin Burmester, »und auch nicht auf mir.« Sie hat die Kampagne »Beat Jobatey« ins Leben gerufen und ruft dazu auf, bei ihrer Facebook-Seite »Die Kriegsreporterin« auf »Gefällt mir« zu klicken.

»Kriegsreporterin« ist der Name ihrer mittwöchlichen »taz«-Kolumne, in der sie von der »Medienfront« berichtet. Zum Beispiel so:

Immerhin sind Frauen heutzutage flexibel. Darauf wies auch der Mediendienst von Peter Turi letzte Woche hin, der schrieb: »Glamour-Chefredakteurin Andrea Ketterer sieht veränderte Anforderungen der Leserinnen an Frauenmagazine.« Diese hatte nämlich den Satz gesagt: »Keine Leserin nimmt sich die Zeit, einen Artikel zweimal zu lesen. Wenn sie im Vorspann nicht versteht, worum es geht, ist sie weg.« Es ist gut, dass diese Entwicklung endlich einmal laut benannt wurde, jetzt können auch die Dozenten der Journalistenschulen endlich damit aufhören, den Schülern das recht aufwendige Formulieren komplizierter, verschachtelter und missverständlicher Vorspänne beizubringen.

Für das, und ich rede hier aus Erfahrung, die meisten Schüler auch immer etwas zu blöd waren. Nichtsdestotrotz eine Notwendigkeit, als es noch weder Fernseher, Internet noch Vibratoren gab und die Frauen ihre Abende damit verbrachten, Artikel wieder und wieder zu lesen. Bereits mit der Erfindung des Strickzeugs sank die Bereitschaft, einen Text mehr als viermal zu lesen um 27,8 Prozent.

Die Burmesterin, die Anfang des Jahres kurz neben Frank Schirrmacher stehen durfte, hat mich gefragt, ob ich nicht für ihre Aktion trommeln mag. Das tue ich gerne, denn sie ist eine Nette. Auch wenn Sie sie nicht kennen, können Sie ruhigen Gewissens mitmachen, denn Sie kennen ja Cherno Jobatey.

Nachtrag, 5. Mai. Silke Burmester hat Post vom Management von Cherno Jobatey bekommen:

Sehr geehrte Damen und Herren,

anbei die Infos zur unglaublichen Hetzkampagne gegen Herrn Jobatey, die seine Persönlichkeitsrechte verletzt.

Wir gehen davon aus, dass

1. Sie den Artikel löschen
2. Sie die Facebook Seite löschen
3. Die TAZ sich bei Cherno Jobatey entschuldigt.

Danke.