Katja Burkard
— 3. Mai 2009
Die eine Möglichkeit ist, dass Katja Burkard irgendein dunkles Geheimnis über RTL kennt, das niemals an die Öffentlichkeit kommen darf und mit dem sie die Verantwortlichen erpresst. Es wäre eine vergleichsweise plausible Erklärung, warum sie seit dreihundert Jahren das Mittagsmagazin »Punkt 12″ moderieren darf.
Sie steht als eine Art Rauschgoldengelroboter in der Kulisse einer Nachrichtensendung und meldet mit großer Ernsthaftigkeit über Britney Spears: »Die 27-Jährige ist ziemlich mopsig geworden.« Das würde allein schon für eine »Punkt 12″-Reportage samt Straßenumfrage reichen, aber diesmal kommt hinzu, dass während eines Auftrittes der Sängerin ihr Tamponbändchen zu sehen war. »Punkt 12″ dokumentiert das in Großaufnahme, Zeitlupe und mit rotem Pfeil, und Katja Burkard sagt: »peinlich, peinlich, peinlich«.
Wenn ein Beitrag läuft wie der über schlimme Vorwürfe gegen eine Kita, nimmt sie sich hinterher eine Sekunde Zeit, um fassungslos auf den Monitor zu schauen, bevor sie fassungslos den Kopf schüttelt und sicherheitshalber hinzufügt: »Man fasst es nicht.« Nach süßen Tierfilmen sagt sie: »süß«, und das ist süß, weil sie einen Sprachfehler hat und S-Laute immer so sehr verzischt, dass man denkt, sie könne alles werden außer Fernsehmoderatorin.
Gelegentlich passieren allerdings Sachen, die noch krasser sind, als dass Prinz Charles zu spät zu einer Ausstellungseröffnung kommt. Amokläufe zum Beispiel. Dann muss Katja Burkard — trotz Sprachfehler und allem — Dinge tun, für die sie gar nicht programmiert ist. Bei Winnenden führte sie mehrere traumatische Gespräche mit einer hoffnungslos überforderten RTL-Reporterin vor Ort; am Donnerstag musste sie ahnungslos Bilder kommentieren, wie ein Autofahrer in den Niederlanden in eine Menschenmenge raste, und plapperte: »Hier sehen wir, wie einer durch die Luft flog, regelrecht … Auf jeden Fall ist hier ein großes Tohuwabohu …«
In den Nachrichten am Abend moderierte Peter Kloeppel einen Beitrag zum Thema mit den Worten an: »Mein Kollege hat die schlimmsten Bilder herausgeschnitten, dennoch bleiben viele Szenen verstörend.« Wie nett. Zur Mittagszeit hatte RTL die schlimmsten Bilder von blutenden Körpern und über die Straße schleudernden Menschen weder herausgeschnitten noch vor ihnen gewarnt. Direkt zuvor informierte der Sender seine jungen Zuschauer über Neues von den »DSDS«-Kandidaten, direkt danach lockte Katja Burkard goldig mit tausend Euro, wenn jemand wisse, ob der Mai der »Wonne-« oder der »Wannemonat« sei.
Die andere Möglichkeit ist, dass man bei RTL irgendein dunkles Geheimnis über Katja Burkard kennt, das niemals an die Öffentlichkeit kommen darf und mit dem man sie zwingt, diese Sendung zu moderieren.
© Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
7 Kommentare
· · ·
Anzeige
· · ·



Ich tippe auf Vermutung 1: Sie weiß es!
Und auch wenn ich zugestehen muss, dass die Dauer der Tätigkeit Frau Burkard’s stark rekordverdächtig ist, wurde es doch Zeit, ihr dieses Statement zu widmen. Danke Stefan!
Mann kann einfach nicht genug darauf hinweisen; denn welche Motivation für all die kleinen unentdeckten Prinzessinnen da draußen muss sein, sie so ausdauernd in diesem Job zu wissen. Wer mag da nicht denken, »aus mir kann alles werden«?
RTL’s Lach– und Sachgeschichten sei Dank!
— MA — 21. September 2009, 16:12 #
Ja unsere täglich über den Bildschirm zischende Katja war mir schon immer etwas suspekt. Wirklich ein sehr schöner Artikel. Leider hab ich grade diese wundervoll beschriebene Sendung mit der Amokfahrt verpasst, aber zum Glück kann man ja genug ähnliche Fälle bei Punkt 12 begutachten.
Wer weiß was Katja gegen RTL in der Hand hat, obwohl ich meine gelesen zu haben das sie in »bildungsfernen Schichten« eine große Fangemeinde besitzt.
Ich erinner mich grade an einen Umschwung von einem Bericht über Eisbärknuts mögliche erste Sexualpartnerin auf einen kurzen Hinweis darauf das der Washington Sniper hingerichtet wurde. Wirklich eine großartige Abfolge von Meldungen!
Hoffentlich macht RTL mit Katja und Punkt 12 noch lange so weiter, ich hab noch einen Vorrat an bemitleidenen Schmunzeln für diese Sendung parat.
Danke für diesen Artikel, trifft es einfach perfekt.
— S — 30. November 2009, 14:27 #
http://www.welt.de/fernsehen/a.….nicht.html
Wenigstens Sie selbst stört ihr lispeln nicht! Na bitte.
— maxl — 2. Dezember 2009, 15:54 #
Bin zwar etwas spät dran mit nem Comment, kann mir allerdings nen Kalauer nich verkneifen:
Hab die Katja die Tage mit ner Menge anderm schrägen Privatsendergemüse im Öffentlich-Rechtlichen gesehn. Die Frau hat mal keine Mine verzogen — ich tippe auf ne Botoxgrosspackung — wobei ich mich bei dem Thema nicht wirklich gut auskenne.
Von daher passt sie schon ins Programm — alles hübsch künstlich.
PS: is die nich mit irgend nem Cheffe bei RTL verheiratet? Sawas könnte ihren Dauereinsatz eventuell begünstigen ;)
— rofl — 11. April 2010, 22:04 #
[…] darüber, ob das Ganze real ist beziehungsweise wahr, oder doch nur ein wirrer Traum. Katja Burkard begleitet ganz ungeniert die unfreiwillig komische Farce, in der neben unbekannten Laien auch […]
— Mein erstes Leben - Vergangenheitsbewältigung mit der Burkard | Der Flimmerkasten — 7. August 2010, 18:55 #
@ rofl; du hast recht. die katja burkhard ist mit dem österreicher und ehemaligen rtl chef hans mahr verheiratet, der bei uns in wien mit dem ehemaligen rtl gründer helmut thoma und niki lauda im sacher speist und in jedem 2. österreichischen society magazin zu wort kommt. der hat ihr bestimmt damals schon ein moderatoren recht auf lebenszeit beschert. muss auch ehrlich sagen, das ich die lispel-tante früher recht hübsch fand, aber durch ihren übertriebenen botox-einsatz, damit sie mit den weitaus jüngeren und hübscheren moderatorinnen konkurrenten mithalten kann, mittlerweile unausstehlich ist. ich bin eigentlich ganz zufällig auf dieser seite gelandet und finde den artikel. sowie die intelligenten und durchaus niveauvollen comments eine wohltat. ich find es auch immer wieder lustig, wie sie zu diesen laienhaft dargestellten beiträgen a´la »frau s. wurde 10 monate lang von ihrem ex-freund in einer holzkiste eingesperrt« beiträgen diese besorgte und bestürzte miena macht. zornfalten kann sie aus vorher erwähnten gründen ja keine mehr machen. aber das mit dem dunklen geheinis find ich auch ganz witzig. sowie teilweise4 den ganzen sender wo strunzdumme themen vom frühstücksfernsehen über punkt 12 bis zu explosiv das magazin ausgekaut werden. wirklich teilweise beiträge für die bildungsferne schicht
— Snipermatic — 28. August 2010, 21:08 #
ich verstehe das nicht soo ganz ?!!kann mir das mal jemanden erklären!! bitte
— keri hilson — 22. Juni 2011, 14:11 #