Oliver Bierhoff

27 Mrz 11
27. März 2011
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

Eine Möglichkeit ist, dass Oliver Bierhoff den „Tatort“ nicht gesehen hat, über den er sich in der „Bild“-Zeitung beschwert. Eine andere, dass er ihn nicht verstanden hat.

In diesem „Tatort“ am letzten Sonntag ging es um einen fiktiven schwulen Bundesliga-Spieler. Tatsächlich sagt der an einer Stelle: „Wissen Sie, die halbe Nationalmannschaft ist angeblich schwul, einschließlich Trainerstab. Das ist doch schon so eine Art Volkssport, das zu verbreiten.“ Bierhoff sieht in diesen Sätzen einen Beweis für sinkende moralische Werte; einen Angriff auf sich und seine Familie, „die Familie der Nationalelf“; einen Missbrauch der Prominenz der Mannschaft.

Dabei sind die Sätze erstens unbestreitbar wahr und zweitens ganz anders gemeint. Gibt man „Jogi Löw“ oder „Hansi Flick“ ein, schlägt Google jeweils als ersten passenden Suchbegriff „schwul“ vor. Das funktioniert auch bei „Oliver Bierhoff“ und vielen Spielern. Google tut das, weil die Menschen massenhaft nach diesen Wortkombinationen suchen. Das heißt nicht, dass die halbe Nationalmannschaft schwul ist. Es heißt, dass es ein Volkssport ist, dieses Gerücht zu verbreiten und zu diskutieren.

Im „Tatort“ aber sagt der fiktive Spieler die Sätze nicht, um ein Gerücht zu verbreiten, sondern um seine Haltlosigkeit zu betonen. Er selbst wurde gerade von der Kommissarin mit dem Verdacht konfrontiert, schwul zu sein, und sagt abwinkend: Uns Profi-Fußballern wird doch allen vorgeworfen, heimlich homosexuell zu sein, das hat doch nichts zu sagen. Ist der Gedanke aussichtslos, einem Oliver Bierhoff diesen Kontext in einer Nachhilfestunde „Filme richtig verstehen“ zu erklären?

Bierhoff hat nur gehört, dass da jemand gesagt habe, die seien alle schwul. Dass er darauf so heftig reagiert und das Wort „Familie“ als Kontrast und vermeintlichen Gegensatz zur Homosexualität benutzt, ist entlarvend.

Man kann lange darüber diskutieren, wie groß die positive Wirkung ist, die ein gut gemeinter „Tatort“ haben kann. Eine Antwort aber ist leicht: Sicher nicht so groß wie die negative, die ein „Bild“-Interview von Bierhoff hat. Immerhin ist deutlich geworden, dass das Problem nicht nur irgendwelche Schwulenhasser in den Fankurven sind, sondern auch die sich für aufgeklärt haltenden Verantwortlichen ganz oben im Verband. Oliver Bierhoff hat der Homophobie im Fußball ein Gesicht gegeben.

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136 Gedanken
  1. 1
    C says:

    Danke! Ich hatte auch in keinster Weise verstanden, worüber sich Herr Bierhoff da gerade aufregt.

  2. 2
    Gruene Nase says:

    So wahr.

  3. 3
    Lena says:

    Traurig. Dummheit und Homophobie gehen schon auffällig oft miteinander Hand in Hand, nicht?

  4. 4
    Vergeltsgott says:

    Jetzt hab ichs erst selber kapiert, danke.

  5. 5
    j4k3 says:

    Nachdem Bierhoff der Atomsympathiekampagne ein Gesicht gegeben hat, fällt es mir ja eher schwer, mich über seine mangelnde Auffassungsgabe zu wundern.

    Den Inhalt des Interviews, reduziert auf die Quintessenz, nehme ich mir hier mal zu zitieren heraus: „In der Zeitung habe ich von Internetseiten gelesen, in denen sich Jugendliche gegenseitig anonym beschimpfen.“

  6. 6
    Muriel says:

    Kann man eigentlich irgendwo nachlesen, warum ausgerechnet Homosexualität immer ein Angriff auf die Familie ist?
    Sind Singles dann nicht auch ein Angriff auf die Familie?
    Witwer/n?
    Kinderlose Paare?
    Ich verstehe das nicht.

  7. 7
    5zjunge says:

    Das ist doch alles nur stille Post — mit BILD in der Mitte. Bierhoff hat den Tatort nicht gesehen und weiß nur, was ihm die Reporter gesagt haben. Also wahrscheinlich nicht das, was abgedruckt wurde und seine Antwort wurde sicher auch etwas dramatisiert, wenigstens aus dem Zusammenhang gerissen. Die hier beschriebenen Feinheiten werden da keine der Schnittstellen überwunden.

    So what. Bild schreibt was zur schwulen Nationalmannschaft. Wen interressierts?

  8. 8
    Stefan Niggemeier says:

    @5zjunge:

    Wen interessierts?

    Mich, wie Sie der Existenz dieses Artikels entnehmen können.

    Aber vielleicht auch: Schwule Fußballspieler, die sich fragen, ob das Klima in der Gesellschaft, unter den Fans und im DFB inzwischen so ist, dass sie mit dem Versteckspielen aufhören können. Der DFB und insbesondere sein Präsident Theo Zwanziger behaupten in Sonntagsreden, sich für Akzeptanz gegenüber Homosexuellen einzusetzen. In der Praxis regiert dort aber, wie ihr gemeinsames Interview in „Bild“ beweist, die ganze normale dumpfe Ablehnung von Schwulen. Ihre Äußerungen stehen in einem solch fundamentalen Gegensatz zu ihren Lippenbekenntnissen, dass sie unter normalen Umständen zurücktreten müssten.

  9. 9
    Chris Kurbjuhn says:

    Als im letzten Sommer ein Ballack-Berater noch hanebüchenes Zeugs über eine „Schwulen-Combo in der Nationalmannschaft“ verbreitet hat, meinte Bierhoff noch „Dazu muss man nichts sagen. Da erübrigt sich jeder Kommentar.“ Nuja.

  10. 10
    Martin says:

    Danke! Ein guter Kommentar!

  11. 11
    Matthias says:

    der, der am lautesten schreit, ist wohl im mark erwischt worden. ist meine meinung.

  12. 12
    Marcel says:

    Eine alte Binsenweisheit sagt: Getroffene Hunde bellen…

  13. 13
    Matthias says:

    @stefan: ich glaube, es wird sich erst was ändern, wenn ein schwuler spieler sich outet und dann ne ansprache hält, alle beschuldigt und sich vor laufender kamera erschiesst. noch schockierender als robert enke’s tod muss es wohl sein, weil schliesslich hat sich seitdem ja kein bisschen was geändert. traurig aber wahr.

  14. 14
    janosch says:

    @ 5zjunge
    Problematisch ist doch vor allem Bierhoffs Reflex; Schwulengeruechte = Angriff auf die Nationalelffamilie.
    Dass er den Tatort nicht gesehen hat, ist weniger dramatisch. Aber auch ich werde das Gefuehl nicht los, dass es in seinem kopfballmaltraetierten Schaedel zusaetzlich spukt: „Schwuler Spross der Familie = Angriff auf die Nationalmannschaft“.
    Dabei legt er tragikkomischer Weise genau das gleiche Verhalten an den Tag wie der fussballverrueckte Kollege der Kommissarin, der den halbwegs gebildeten Fussballfan repraesentieren soll.
    Hat sich Bierhoff nicht immer als der Zeitungsleser unter den Fussballern inszeniert? Welche Zeitung war das?

    Naja, gestern hat Thomas Broich sehr kluge Dinge ueber den deutschen Fussball gesagt, die man an dieser Stelle gerne auf Bierhoff uebertragen moechte.
    Vllt hat sonst noch jmd das Sportstudio geguckt, hat Broich die Bundesliga nicht sogar menschenverachtend genannt?

    Ansonsten muss ich angesichts der Mentalitaet beim DFB an einen Verwandten denken, der zwar stets betont, dass er sich gut mit schwulen Kollegen und Bekannten versteht. Ein schwuler Sohn jedoch, das wuerde ihm nicht behagen.

    Zuletzt, hat eigentlich schon mal jmd ergruenden koennen, warum sowohl beim Fussball als auch beim Nachwuchs eine moralische Trennung zwischen schul und lesbisch existiert?

  15. 15
    JO says:

    @Matthias
    Quatsch — Hochzeit geht immer: Zwei Spieler aus zwei befeindeten Mannschaften müssten heiraten und mit Hilfe einer Leihmutter ihr privates Glück komplettieren wollen. Für die Gedankenwelt von Fußballern mal anders ausgedrückt: Was für ein Schlagzeilen– und Werbepotential wäre das denn? „Fan-Chaos vor der Kirche — BGS greift ein. Bierhoff schwer getroffen“ „Mein erstes mal Spielerfrauen-Tribüne.“ „Letzter Spieltag: Kampf gegeneinander! Wer bleibt beim Kind?“ Von Alkoholischen Kaltgetränken bis hin zu Windeln wäre plötzlich alles möglich! Aber leider scheinen diese Sportler noch immer ihren eigenen Vorurteilen hinterher laufen zu müssen, sie seien super dumm.

  16. 16
    nona says:

    @Szjunge/#7: Der Haken ist garnicht mal so sehr, dass die Bildzeitung (der er sowieso nicht so kritisch gegenüber steht wie er das als denkender Mensch eigentlich müsste) ihm Informationshäppchen hinwirft, die er dann geräuschvoll herunterschlingt. Der entlarvende und viel wichtigere Haken ist der, dass er Homosexualität — selbst fiktive oder hypothetische — als einen „Angriff auf die Familie“ deklariert, als etwas, dass man jemandem „vorwerfen“ kann. Selbst wenn er das nur im Affekt dahingesagt haben mag während seine bewusstere und aufgeklärtere Meinung eine andere sei, was wir nicht wissen aber in dubio pro reo nicht ausschliessen sollten, es sagt viel über seine Gedankenwelt aus.

  17. 17
    Martin says:

    Ich denke die deutsche Abwehr ist durch die Bank schwul und das ist auch in Ordnung so.
    Die Kritik an Bierhoff ist völlig berechtigt. Aber: Die Gerüchte sind natürlich nicht besonders angenehm, stören das Klima und die Arbeit. Auch wenn genau darüber reflektiert wird in einem Film ist das inhaltlich begrüßenswert, aber etabliert diesen Themenkomplex „DFB und schwul“ noch stärker in den Medien. Der DFB hätte es lieber, wenn darüber gar nicht mehr gesprochen würde, um einfach die Diskussionen und Gerüchte zu beenden.

  18. 18
    janosch says:

    @ 16 nona: Genauso haette ich es auch gerne schreiben wollen =)

  19. 19
    Sebastian says:

    Oliver Bierhoff hat der Homophobie im Fußball ein weiteres Gesicht gegeben. Es sei an den jetzt von Frankfurt eingesetzten Christoph Daum erinnert, der 2008 sein Coming out hatte und seit dem ganz offen homophob lebt und vor allem die Kinder in Gefahr durch etwaige Liberalisierungsgedanken sieht.

  20. 20
    ring2 says:

    Ich finde die Theorie je stimmig, dass Schwulsein im Fußball deswegen so ein Tabu darstellt, weil Heten sich ungehemmt in den Armen liegen im Stadion und vor den Fernsehern, und dies nur können, weil sie das schwule darin tabuisieren … http://s.ring2.de/25

  21. 21
    mike says:

    @8:„dass sie unter normalen Umständen zurücktreten müssten.“

    Also das ist ja wohl der Gipfel der Frechheit, dass hier Leute, die das eigene Weltbild und die eigene Meinung nicht widerspiegeln und sich erdreisten die freie Rede zu nutzen rausgeschmissen gehören? Sind wir hier bei der Reichsschriftusmkammer?

    Darüberhinaus Bierhoff diese Dinge zu unterstellen, dass er bewusst das Wort Familie einsetzt, ist unter journalistischen Methoden unhaltbar.

    Und zu den „Wer was gegen schwule hat, ist selber schwul“ Kommentaren: Geniale Logik. Dann sind also Antifa Mitglieder auch heimlich Nazis und wollen nur davon ablenken. Gut zu wissen.

  22. 22
    haju says:

    ich kann die aufregung von bierhoff genauso wenig verstehen wie die von niggemeier.

    „Oliver Bierhoff hat der Homophobie im Fußball ein Gesicht gegeben.“, genauso wie Stefan Niggemeier der Arroganz.

  23. 23
    Matthias says:

    Die Trolle #21 und #22 am besten nicht füttern.

  24. 24
    theo says:

    Bierhoff bestreitet, dass es eine Art Volkssport ist, die halbe Nationalmannschaft als schwul zu bezeichnen. Man kann darüber diskutieren, ob das so ist. Ob die Google-Stichwort-Analyse aussagekräftig genug ist?

    Man kann aber aus dem Bild-Artikel heraus keine Homophobie von Bierhoff ablesen. Das geben die Zitate nicht her.

  25. 25
    Stefan Niggemeier says:

    @theo: Bierhoff bestreitet gar nicht, dass es eine Art Volkssport ist, die halbe Nationalmannschaft als schwul zu bezeichnen. Darauf geht er gar nicht ein. Er bestreitet, dass die halbe Nationalmannschaft schwul ist. Er glaubt, jemand hätte das behauptet. Und er sieht in dieser Behauptung einen Beweis für das Sinken moralischer Werte und einen Angriff auf die Familie der Nationalmannschaft. Es erinnert ihn an das anonyme „Beschimpfen“ von Jugendlichen.

    Offenbarer würde seine Homophobie nur, wenn er sagen würde: „Ich kann Schwule nicht ausstehen.“ Aber Bierhoff hat natürlich nichts gegen Schwule. Es empört ihn nur maßlos, wenn jemand glaubt, es gäbe welche in der Nationalmannschaft.

  26. 26
    nona says:

    @janosch/#18: Jawie, so mit Schreibfehlern und allem?

  27. 27
    Stefan K says:

    @ring2
    Genau das ist es, was ich auch nie verstehen werde. Im Stadion ist es ganz normal, dass man sich in den Hintern kneift, sich umarmt, selbst übereinander herfällt, Küsschen auf die Wange, neuerdings am Daumen nuckeln… Nicht, dass man Homosexualität auf solche Dinge reduzieren kann. Keineswegs, gerade letzteres damit zu verbinden, wäre lächerlich. Aber dass Gesten, die unter heterosexuellen Männern grundsätzlich als schwul betrachtet werden, im Fußball dazu gehören, will mir nicht in Kopf hinein, zumindest nicht, wenn man bedenkt, wie homophob die Bundesliga insgesamt ist. Man kann doch auch nicht über die Gefahren des Alkoholtrinkens sprechen und dann erstmal einen Humpen nehmen, nur weil man gerade im Bierzelt sitzt.
    Aber auch das werden die DFB-Herren irgendwann verstehen. Mit den Frauen hat es irgendwann ja auch geklappt, obwohl sie jahrelang ein Tabu im Fußball waren. Schade nur, dass sie mit solchen Aussagen wie die des Herrn Bierhoff ein erbärmliches und unverantwortliches Vorbild für die Jugend geben.

  28. 28
    Stefan Niggemeier says:

    @Stefan K: Aber genau deshalb muss Homosexualität doch im Fußball so tabuisiert werden, damit man als heterosexueller Mann „gefahrlos“ andere Männer drücken und sogar küssen kann. Man kann das auch in jugendlichen Subkulturen oder in südländischen Kulturen sehen: Je stärker Homosexualität tabu ist, umso eher können Männer miteinander Arm in Arm herumlaufen.

    Das ist schlimm, aber logisch.

  29. 29
    theo says:

    Stefan:
    Mir ist das alles nicht eindeutig genug, um von einer Homophobie zu sprechen.

    Da ist zum einen nicht wirklich klar, welchen Satz Bierhoff meint.

    Aber wenn er es so meint, wie Sie das interpretieren, dann wäre auch das kein Beweis für eine Homophobie.

    Ich selbst bin Hetero, habe schwule Freunde und möchte mich nicht öffentlich als schwul bezeichnen lassen. Wenn Sie daraus eine Homophobie ablesen, wäre ich erstaunt.

    Ich bin kein Freund von Oliver Bierhoff. Seine Atomkraft-Aussage hat mir nicht gefallen. Ich mag auch das Klima im Fußball nicht, was ein Outing so schwer bis nahezu unmöglich macht. Mir gefällt es auch nicht, dass „schwul“ überhaupt noch ein Schimpfwort ist.

    Ich bin aber auch nicht davon überzeugt, dass man jemanden allein wegen eines „Bild“-Artikels in eine Ecke stellen sollte. Wir wissen nicht zuletzt wegen Ihrer Arbeit, dass man dieser Zeitung nicht immer vertrauen kann, auch und gerade bei der Wiedergabe von Aussagen.

    Und ich habe Zweifel, dass man dem offenen und entspannten Miteinander wirklich dient, wenn man gleich zur großen Keule greift.

  30. 30
    Muyserin says:

    @ #14 janosch:
    Ich bin mir nicht sicher, was unter „moralischer Trennung“ zu verstehen ist. Ich gehe mal davon aus, Sie meinen damit, dass es als weniger „schlimm“ empfunden wird, wenn eine Frau/Fußballspielerin lesbisch ist, als ein Mann/Fußballspieler.

    Kommentare #20 und #28 liefern eine Erklärung, was den Fußball betrifft. – Was Schwul-/Lesbischsein ganz allgemein betrifft, kursiert folgende Legende: In viktorianischen Zeiten war männliche Homosexualität strafbar. Als man Queen Victoria I. darauf hinwies, dass für dasselbe „Verbrechen“ unter Frauen kein vergleichbarer Strafparagraph existiert, soll sie erwidert haben: „So etwas tun Frauen nicht.“

    Tatsächlich nimmt man an, das es deswegen keine Gesetze dagegen gab, weil man die Frauen nicht mit der Nase auf diese Spielart der Sexualität stoßen wollte. ;)

    Gleichgeschlechtliche Zuneigung ist im Teenageralter unter Mädchen aber weit weniger tabuisiert. Wie oft sieht man händchenhaltende Mädchen, die sich mit Küsschen begrüßen … unter Jungs ist das eher unüblich.

    Ich vermute, dass männliche Identität immer noch viel mehr von Wettbewerb geprägt ist — Jungs sollen sich lieber kloppen oder miteinander im Sport messen. Ein zärtliches Miteinander wäre dem eher abträglich.

    Das sind nur meine Vermutungen, vielleicht liege ich auch daneben.

  31. 31
    S. Schwarzmeister says:

    Oliver Bierhoff denkt also, jemand hätte gesagt, dass die Hälfte der Nationalmannschaft verkappte Schwule sind.
    Oliver Bierhoff denkt also, jemand hätte gesagt, dass die Hälfte der Nationalmannschaft Angst vor einem Coming Out hätte, und „feige„eine Lüge lebt und in der Öffentlichkeit aufrecht erhält.
    Was soll das denn sein, wenn kein Angriff?
    Wenn ich sage Wowereit ist in Wirklichkeit hetero und sein Pressesprecher weist das als Diffamierung zurück, ist der dann heterophob?

  32. 32
    haju says:

    @Matthias:

    Also für dich bin ich ein Troll?

    Darf man nicht anderer Meinung sein?

  33. 33
    theo says:

    „Wenn ich sage Wowereit ist in Wirklichkeit hetero und sein Pressesprecher weist das als Diffamierung zurück, ist der dann heterophob?“

    Der Unterschied ist doch, dass „homo“ im Unterschied zu „hetero“ in leider weiten Teilen der Gesellschaft als Schimpfwort benutzt wird.

    Muyserin: Ich finde es nicht schlimm, wenn es zwischen Mädchen und Jungs Unterschiede gibt.

  34. 34
    janosch says:

    @ nona: Fast, mit den Umlauten hab ichs nicht so…

    @ Stefan N und K: Man denke innerhalb der Mannschaft auch ans Duschen. Dass jemand, mit dem man als Hetero regelmaessig nackt duscht, schwul sein koennte — das darf nicht sein.

    Aber wenn die Fussballmanager und –funktionaere wie selbstverstaendlich mit (GEZ-)Millionen Euro jonglieren. Warum schaffen sie es dann nicht, ueber die Dorffussballerdenke hinauszukommen?
    Oder andersherum, warum darf ein Aushaengeschild Deutschlands mit (GEZ-)Millionen Euro jonglieren, wenn er gleichzeitig Millionen Menschen verletzt?

  35. 35
    janosch says:

    @ 30: Genau das meinte ich damit. Hoffentlich hab ich mich mit meiner Formulierung nicht selbst in die Nesseln gesetzt.

  36. 36
    holz says:

    Stefan, wie es der Zufall wollte, lief heute auf Sport 1 ein Dokumentarfilm, der Theo Zwanziger in einem wohlwollenderen Licht zeigte als dein Kommentar Nr. 8.

    In einem Interview, das auch als Inhaltswiedergabe taugt, sagt der Autor über Zwanzigers Engagement gegen Homophobie „Er müsste das alles nicht tun, aber er macht es mit einer solchen Überzeugung.“. Das macht der Film halbwegs plausibel. Man erfährt unter anderem auch, dass dieser „Tatort“ Zwanzigers eigene Idee gewesen sei. (Eine Google News-Suche pflichtet bei und behauptet, Zwanziger habe das Thema Maria Furtwängler vorgeschlagen.)

    Das würde es besonders infam machen, wenn sich jetzt ausgerechnet Zwanziger über den Krimi beschwert, aber auch zu etwas, das stärkere Belege braucht als diesen windigen „Bild“-Artikel.

    Wir erfahren aus dem Artikel, dass jemand von „Bild“ mit Zwanziger gesprochen hat. Der „Bild“-Mensch stellte Zwanziger Fragen, die wir nicht kennen, und erhielt Antworten, von denen zwei abgedruckt wurden. Eine dieser Antworten lautete:

    „Natürlich wird in einem Fernsehfilm auch mal die Realität überzeichnet, weil nur so Nachdenken, Toleranz und Respekt entwickelt werden können. Allerdings sollte man bei schwierigen Themen auch sensibel bleiben und nicht durch unwahre oder unnötige Randbemerkungen von der eigentlichen Aufgabe ablenken.“

    Dieser Satz ist unnötig geschraubt, besagt aber inhaltlich „Über Oliver Bierhoffs sexuelle Orientierung zu spekulieren, hilft gegen Homophobie auch nicht weiter“. Ich finde es nicht skandalös, dass ihn Zwanziger gesagt hat; eine bohrende Frage, ob im Fernsehen denn überhaupt absolut alles erlaubt sei, wird ihm vorausgegangen sein.

    Skandalös wäre es, wenn dieser Satz der einzige oder der erste wäre, der Zwanziger zum Thema einfällt. Wir wissen aber nur, dass er ihm überhaupt eingefallen ist und dass es einer von zwei Passagen ist, die „Bild“ abzudrucken geruhte.

    Skandalös wäre es auch, wenn Zwanziger sich die Äußerungen von Bierhoff unwidersprochen angehört hätte. Ich glaube aber nicht, dass sich die beiden Platz im Terminkalender für das von dir vermutete „gemeinsame Interview“ freiräumen, wenn es nur um einen kleinen Artikel geht. Wahrscheinlich hat „Bild“ aus zwei Telefonaten selektiv zitiert.

    Darum sollte sich Zwanziger m. E. weiter dafür schämen, Jens Weinreich terrorisiert zu haben. Für das Kneifen vor Homophobie braucht er sich nur zu schämen, wenn er den Eindruck aus dem „Bild“-Artikel nicht demnächst in einem Interview richtig stellt.

    Ungeschickt war die Sache natürlich. Warum gibt Zwanziger nicht eigeninitativ Interviews, wenn der von ihm selbst angeregte „Tatort“ ausgestrahlt wird? Trotzdem halte ich ihn für einen DFB-Präsidenten, der ungeschickt gegen Homophobie vorgeht, nicht für einen, der geschickt vorgibt, gegen Homophobie vorzugehen.

  37. 37
    holz says:

    Nach erneuter Durchsicht möchte ich meinen letzten Satz in Kommentar 36 ändern in:

    Trotzdem halte ich ihn für einen DFB-Präsidenten, der ungeschickt gegen Homophobie vorgeht, nicht für einen, der geschickt vorgibt, ungeschickt gegen Homophobie vorzugehen.

  38. 38
    Erbloggtes says:

    Hier gilt wie so oft: Es gibt kein richtiges Leben im falschen.
    Darüber hinaus glaube ich, dass es eine technische Panne mit diesem Beitrag gab: In meinem Feedreader hat der Artikel keinen Titel, dafür ist der gesamte Text wiedergegeben (was sonst nie so ist). Und auf http://www.stefan-niggemeier.de/blog/ fehlt der Eintrag zwischen „Was ich beim “Echo” gelernt habe“ und „Ein Dogma muss kein Dogma sein“.

  39. 39
    JensE says:

    Moin Jungs und Mädels,

    der Beitrag aus der FAS ist wie meistens ein gelungener. ;o)

    Ich finde nur, dass sich hier auch ein grundlegenderes Problem darstellt: Das inhaltliche Nichtverstehen von gelesenem oder gehörtem.

    Es ist ja immer wieder interessant, wie sich Jemand schon beim Verstehen von etwas anspruchsvolleren Texten, inhaltlich manchmal komplett verhaut (etwas was ich in diesem und anderen Blogs immer wieder lesen kann); Geschweige denn den Sinn von etwas erfasst, das durch Jemand anderen nur kolportiert wurde.

    Manche Menschen lesen oder hören nicht einfach nur etwas, sondern fangen gleich dabei zu interpretieren an: Z.B. was sich der Schreiber oder Redner gedacht hat, um dann auf einer virtuellen — nur im Kopf des Rezipienten existierende — Metaebene zu gelangen, in der eben jener Zuhörer oder Leser alles ausdenken kann, was er dem Schreiber oder Redner vorwerfen will.

    Es kommt mir dann manchmal so vor, wie in der Geschichte mit dem Typ, der zum Nachbar geht, nur um sich einen Hammer zu leihen. Auf dem Weg dahin stellt er sich aber vor, warum der Nachbar ihm den Hammer nicht leihen möchte, und steigert sich darin so sehr, dass er — wütend am Nachbarhaus angekommen — klingelt und dem verdutzten Nachbar erklärt, was für ein Arschloch er sei, dass er ihm den Hammer nicht leihen will.

    Man hält seine Interpretationen des Inhalts der Informationen, für den eigentlichen Inhalt!

    Das macht es — meiner Meinung nach — auch so schwierig gute Texte zu schreiben. Der Verfasser dieses Blogs wird wohl auch wissen, dass selbst die verständlichsten Texte oft (absichtlich?!) fehlinterpretiert werden.

    Bis denn
    JensE

  40. 40
    Muyserin says:

    @ #33 theo: „Ich finde es nicht schlimm, wenn es zwischen Mädchen und Jungs Unterschiede gibt.“

    Ääähhh … ja, und? Ich auch nicht, aber was hat das mit meinem Beitrag zu tun?

  41. 41
    Dexter says:

    Ich habe keine Ahnung von Fussball und auch nicht von der BILD-Zeitung. Ich finde es aber erstaunlich, dass sich anscheinend sehr viele Leute für die Sexualität der Balltreter interessieren.

    Aber man lernt nie aus: Die Blödheit der Massen treibt wundersame Blüten!

  42. 42
    Wolfgang says:

    Nachdem’s schon in #5 kurz erwähnt wurde, hier noch mal die Erinnerung an die Atomkraft-Kampagne vom August 2010, an der Bierhoff beteiligt war. Liest sich angesichts der neuen Ereignisse noch absurder als damals schon.

  43. 43
    Links anne Ruhr (28.03.2011) » Pottblog says:

    […] Oliver Bierhoff (Stefan Niggemeier) – In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) widmet sich Stefan Niggemeier der Kritik des DFB-Teammanagers am Tatort der vergangenen Woche. In diesem Tatort ging es um einen fiktiven schwulen Bundesliga-Spieler und die Nationalmannschaft wird an einer Stelle erwähnt. Niggemeiers Fazit: „Oliver Bierhoff hat der Homophobie im Fußball ein Gesicht gegeben.“ […]

  44. 44
    schabracke says:

    @muriel

    Ich erkläre Ihnen das gerne: Eine FAMILIE ist eine Lebensgemeinschaft (nicht nur, aber auch) zum Zwecke der Fortpflanzung und zur Versorgung der Nachkommen.

    Da mag es noch so politisch korrekt sein, auch homosexuelle Lebenspartnerschaften als Familie zu bezeichnen: Zwei Schwule können von Natur aus keine Kinder zeugen. Political Correctness endet da, wo einfach Tatsachen im Wege stehen.

    Was der unsägliche Bierhoff da will, it mir aber dennoch gänzlich unklar. Der erinnert mich in seiner Rolle als glatter, glitschiger Intellektueller für die Massen erschreckend an den ehemaligen Verteidigungsminister — und das, obwohl er ja Stürmer war.

  45. 45
    Muyserin says:

    @ #44 Schabracke: Schwule können sehr wohl Kinder zeugen, und zwar mit jeder Frau, die sich zur Austragung bzw. jedem Mann, der sich zur Samenspende zur Verfügung stellt.

    Abgesehen davon, können gleichgeschlechtliche Lebenspartner sehr wohl Kinder großziehen, was mir beim Modell Familie im Vergleich zur Zeugung der wichtigere Gesichtspunkt scheint. Ich denke, der Fortbestand der Menschheit ist angesichts von Überbevölkerung und Waisen durch Schwule noch nicht aktiv gefährdet! ;)

  46. 46
    Matthias says:

    @32: Wenn ich Ihnen Unrecht getan habe, dann tut mir das leid. Ihre pauschale und argumentativ nicht untermauerte Unterstellung, Herr Niggemeier sei arrogant, klang sehr nach Provokation um der Provokation willen (vulgo Troll).

    @44: Sie sagen es: Es ist eine Lebensgemeinschaft, die nicht nur(!) zum Zwecke der Fortpflanzung gegründet wird. Dann kann also ein homosexuelles Paar ebenso eine Lebensgemeinschaft begründen, die nicht den Zweck der Fortpflanzung verfolgt. Darüber hinaus: Wenn ein heterosexuelles Paar ein Adoptivkind hat, ist es eine Familie. Wenn ein homosexuelles Paar ein Adoptivkind hat (hypothetisch gespochen), soll es keine Familie sein?

  47. 47
    rofl says:

    „Ich finde es schade und ärgerlich, dass die Prominenz der Nationalelf missbraucht wird, um irgendein Thema zu entwickeln oder einen Scherz zu machen.“

    Und das von demjenigen, der mit seiner Prominenz diese nette pro-Atom-Zeitungsanzeige vom letzten Jahr unterschrieben hat?

    Was für ein verlogenes …

  48. 48
    Mitleserin says:

    @schabracke
    zu Familie (lat. familia: Hausgemeinschaft)
    Ihre Erklärung von Familie als Lebensgemeinschaft zum Zwecke der Fortpflanzung und Versorgung von Nachkommen entspricht anscheinend der von Ihnen favorisierten Bedeutung, erhebt aber keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit.
    Homosexuelle Männer sind sehr wohl zeugungsfähig, da die Zeugungsfähigkeit von der Anzahl und Güte der produzierten Spermien und nicht von der sexuellen Orientierung abhängt. Im Übrigen nimmt die Zahl der ungewollt zeugungsunfähigen Männer rasant zu. Um der Menschheit zum Nachwuchs zu verhelfen, gibt es inzwischen die Reproduktionsmedizin.
    Warum auch immer die sexuelle Orientierung eines Fußballers für andere Mitmenschen ein Problem darzustellen scheint, ist für mich ebenso schwer nachzuvollziehen wie die umständliche Darstellung eines Coming Out im Tatort, die in Bild zitierte komische Reaktion von Bierhoff auf ein Filmzitat und die aufgeregte Diskussion hierüber. Möglicherweise wollte sich Bierhoff nur schützend vor Mitglieder seiner Nationalelf-Familie stellen, die nicht über ihre sexuelle Orientierung sprechen möchten. Von mir aus könnten die Herren gerne auch alle asexuell sein. Hauptsache, der Ball fliegt ins (gegnerische) Tor.
    Das Thema „Ball ins Tor“ ist aber anscheinend oft mit heterosexuellen Fantasien verbunden, die Vorstellung von gemeinsamem Nacktduschen mit lächerlichen Ängsten vor homosexuellen Übergriffen besetzt.
    Männlichkeit und sportlicher Erfolg werden offenbar automatisch mit heterosexueller Orientierung in Verbindung gebracht.
    Lebenswirklichkeit und Ehrlichkeit bleiben auf der Strecke.
    Meine Oma hätte gesagt: Überzwercher geht net.

  49. 49
    Elektronischer Verweis vom 28.03.2011 | Schallgrenzen | Blog: Musik & Kultur says:

    […] über den Tatort “Mord in der ersten Liga” (den ich natürlich gesehen habe) aufgeregt. Der DFB auch. Und noch viele mehr.  Google: Tatort + schwul. Es wird sogar gemunkelt, das unser […]

  50. 50
    Dexter says:

    @schabracke:
    Ihre Definition von FAMILIE ist genau so beknackt, wie ihre Definition von INTELLEKTUELLER.
    Sie Witzbold.

  51. 51
    schabracke says:

    @Matthias

    Ich bin nicht der Meinung, dass homosexuelle Paare Kinder adoptieren sollen. Manchmal muss man im Leben Entscheidungen treffen: Wenn man z.B. Kinder haben will, dann muss man sich mit einem Menschen des anderen Geschlechts zusammentun.

    Mich kotzt es an, dass einige ihren verquasten Modernitätswahn über die Natur des Menschen stellen.

  52. 52
    Oliver says:

    Noch mehr als die latente Homophobie Bierhoffs schockt mich seine Medieninkompetenz.

    Selbst wenn es im Tatort geheißen hätte, dass die halbe Nationalelf schwul sei, wäre das kein „Angriff“ gewesen, weil der Tatort keine Dokumentation ist, sondern Fiktion.

    Wahrscheinlich ist er einfach etwas durcheinander, weil er aus Emmerichs Film „2012“ gelernt hat, dass nächstes Jahr die Welt untergeht und es daher nix mehr wird mit dem Weltmeistertitel.

  53. 53
    Wolfgang says:

    Erstaunlich. Bei manchem Kommentar hier wäre ich mir nicht sicher, ob er von einer IP des Vatikans oder der NPD aus gesendet worden sein könnte.

    Vielleicht sollte der Hausherr — ähnlich wie bei einem früheren Fall hier — die entsprechenden Beiträge purpur oder braun unterlegen.

  54. 54
    Muyserin says:

    @ #53 Wolfgang: Das mit den purpurnen Wimpeln gab es leider schon mal. Man muss doch nicht gleich wegen jeder anders lautenden Meinung nach dem Hausherrn oder, schlimmer noch, nach einer Stigmatisierung rufen. Viel besser gefällt mir, wenn die Damen und Herren sich mit ihrer Definition von Familie selbst ad absurdum führen.

  55. 55
    Linus says:

    Ich find das immer wieder toll, dass Schwulsein als etwas „modernes“ bezeichnet wird, und man es mit dem Modernitätswahn ja auch übertreiben könne, wenns um Kinderkriegen und –großziehen geht. Komischerweise kommt das aus der gleichen Ecke, aus der sonst lautstark gefordert wird, man möge doch bitte um des lieben Fortschritts willen Bahnhöfe verbuddeln, Atomkraftwerke länger laufen lassen und und und.

  56. 56
    schabracke says:

    @Linus

    Sie wissen anscheinend ganz genau, aus welcher Ecke ich komme, Respekt. Ich bezeichne nicht „Schwulsein“ als modern, ich bezeichne Modelle wie Adoption, künstliche Befruchtung usw. als modern, modern im Vergleich zu dem herkömmlichen Weg „Mann schläft mit Frau und Frau bringt Kind zur Welt“.

    @Wolfgang

    Ihr Wunsch, unliebsame, abweichende Meinungen direkt farblich zu unterlegen ist auf so vielen Ebenen verräterisch, ist eine so steile Vorlage, dass es mir regelrecht unangenehm ist, sie zu verwandeln. Ich stolpere dann mal kurz über den auf der Torlinie liegenden Ball.

  57. 57
    Linus says:

    @Schabracke

    Jau, und was nu ist an dem „herkömmlichen Weg“ besonders, außer dass er halt der „herkömmliche Weg“ ist? Also so besonders, dass er vor den Schwulen geschützt werden muss…

  58. 58
    schabracke says:

    @Linus

    Es ist DER Weg, Kinder zu bekommen. Genauso wie der Darm DER Weg ist, Verdauungsendprodukte auszuscheiden. Ein künstlicher Darmausgang ist auch nicht eine moderne Alternative, sondern schlicht und ergreifend: Scheiße, aber manchmal nötig.

    Schwulen Paaren steht kein normaler Weg offen, Kinder zu bekommen, nur einige wenige artifizielle Konstrukte, die immer auch sozial selektiv bleiben werden. Ich respektiere und schätze schwule Lebenspartnerschaften. Ich empfinde es auch nicht als Angriff, wenn ich eine derartige Partnerschaft nicht als Familie ansehe. Eine Familie ist etwas Tolles, ein anderer Lebensentwurf aber auch — jeder so, wie er mag und er sich am wohlsten fühlt.

    Ist es diskriminierend wenn ich — grob vereinfacht — sage: Keine Frau = kein Kind? Sagt das irgendetwas über meine Sicht auf Schwule aus? Oder gar über meine sonstigen Standpunkte? Bin ich jetzt auch automatisch für Atomkraft und ein Großdeutschland?

    Für mich ist Familie auch ein Kontrast zu Homosexualität, aber ohne jede Wertung. Bierhoff ist ein Idiot, aber irgendwie auch kein richtig wichtiger.

  59. 59
    Spielkind says:

    @schabracke:

    Auf die Gefahr hin, dass es sich bei dieser Antwort um Trollfutter handelt…

    Ist es diskriminierend wenn ich – grob vereinfacht – sage: Keine Frau = kein Kind?

    Ja. Natürlich. Sie sagen: „Wer schwul ist, kann keine Familie haben.“ Da das faktisch nicht stimmt (Denn es gibt ja Möglichkeiten, auch wenn die Ihnen nicht gefallen.) handelt es sich um ein normatives Urteil. Sie sagen also „Wer schwul ist, sollte keine Familie haben.“ Und das ist diskriminierend — Sie enthalten Schwulen auf Basis eines Werturteils etwas vor, was sie problemlos haben könnten. Das ist ihre Meinung und damit in Ordnung, aber kleben Sie bitte dann auch das richtige Etikett darauf.

  60. 60
    schabracke says:

    @Spielkind

    Wenn Etiketten in Ihrer Welt eine so große Rolle spielen, dann klebe ich mir eben das Ihnen genehme Etikett auf.

    Dann bin ich eben einer, der Schwule diskriminiert. Ich hoffe, in Ihrer Welt ist jetzt wieder alles schön in den Schubladen verstaut und es liegt nichts mehr rum.

  61. 61
    Wolfgang says:

    @schabracke: Offensichtlich kennen Sie die Vorgeschichte der farblichen Unterlegungen in diesem Blog nicht und haben meinen Einwurf deshalb ins falsche Eck verlängert.

  62. 62
    Earonn says:

    @schabracke
    Ich denke, das Problem liegt da, *wo* die „Grenze“ gezogen wird. Zwei Homosexuelle könnten „nur“ mit Hilfe einer zusätzlichen Person des anderen Geschlechts ein Kind bekommen. Das ist — nach Ihrer Aussage — kein „normaler Weg“. Doch genau dieser Weg wird ja auch bei Paaren genutzt, bei denen ein Partner zeugungsunfähig ist. Gesetzt den Fall, ein ihnen bekanntes heterosexuelles Paar mit unfruchtbarer Frau bekommt ein Kind via Leihmutter — würden Sie diesem Paar auch absprechen, eine „Familie“ zu sein, wie bei einem schwulen Paar, das den selben Weg geht?

    anders als Sie sehe ich in Homosexualität nicht zwangsläufig einen Verzicht auf eigene Kinder. Man kann doch das eigene Geschlecht sexuell bevorzugen und dennoch starke Mutter-/Vatergefühle haben? Beides liegt m.W. weder biologisch noch psychisch zwingend zusammen.

    Und Sie mögen „Das ist keine Familie“ ja nicht als Beleidigung empfinden — doch erstens geht es ja um die Ansicht Herrn Bierhoffs und zweitens ist das, was wir selbst mit einer Botschaft verbinden, ja nicht der einzige Punkt. Es gibt auch noch den Empfänger.

  63. 63
    Schallallallala says:

    @schabracke:
    Die Paten meines Kindes sind schwul und sorgen sich leidenschaftlich um die Zukunft und das Wohl des Kindes. Und nun? Soll ich die jetzt aus der Familie verstossen?
    (Ich frag mich allerdings, wozu ich mich überhaupt mit Leuten wie ihnen beschäftige …)

  64. 64
    schabracke says:

    @Earonn

    Erstmal danke für eine wirkliche Auseinandersetzung mit dem, was ich schreibe, ohne Etiketten und ähnliches.

    Ich denke gar nicht, dass Schwule nicht auf irgendeinem Weg „Kinder bekommen“ dürfen. Ein schwules Paar kann die Elternrolle genauso gut oder schlecht ausüben wie jedes andere Paar auch.

    Nur denke ich, dass das Ausnahmen sind. Die grundlegende gesellschaftliche Einheit Familie ist ein „Paar“, dass durch „Paarung“ Kinder bekommt. Ich möchte auch gar nicht dogmatisch mit dem Begriff Familie umgehen, von mir aus darf sich als Familie empfinden, wer will.

    Aber ich finde es nun einmal so konstruiert, so gezwungend korrekt, wenn natürliche Zusammenhänge so weggeglättet werden, damit ja nichts Unkorrektes gesagt wird. Das Fluglotsenwesen wird nie eine Domäne der Blinden, und die gesellschaftliche Grundfunktion „Fortpflanzung“ nie die der Schwulen.

    Noch mal: Ich habe keine Zweifel daran, dass Bierhoff ein fieser Typ mit rückwärtsgerichtetem Gedankengut ist. Meine Güte, der Mann arbeitet für den DFB! ;-)

  65. 65
    schabracke says:

    @Schallallallala

    Wie wär’s, wenn Sie die Beißreflexe aus– und das differenzierte Denken anschalten würden? Das einige meiner Aussagen in Ihnen eine Assoziationskette auslösen, an deren Ende dann derartig ungeheuerliche Unterstellungen stehen, das ist wirklich einer sachlichen Diskussion nicht förderlich. Nichts von dem, wonach sie da beißen, hab ich je geschrieben oder gedacht.

  66. 66
    theo says:

    dieser Thread hat vielversprechende Ansätze, zu einem Selbstläufer zu werden…

    ;-)

  67. 67
    Anderer Gregor says:

    @Schwarzmeister, 31: Wenn besagter hypothetischer Presseprecher Gerüchte um die Heterosexualität Wowereits als „Diffamierung“ zurückweist, wäre das tatsächlich heterophob — weil hier die Auffassung mitschwingt, Heterosexualität an sich sei etwas Beleidigendes.

    Insofern zeugt auch die _empörte_ Zurückweisung, die Bundesliga habe auch nur den Durchschnittsgehalt von 5–10% an Schwulen, klipp und klar von Homophobie.

    Nicht-homo/heterophob wäre beides genau dann, wenn solche Gerüchte/Behauptungen völlig nicht-wertend dementiert würden, so als würde die Behauptung widerlegt, X habe 5 Geschwister, braune Haare, oder würde demnächst zu Schalke/der CDU wechseln.

  68. 68
    David R. says:

    Die Aussagen von Bierhoff hören sich eher so an als würde er allgemein über Homosexualitätsvorwürfe gegen Löw und Flick oder auch ihn selbst klagen. Ich denke den Zusammenhang mit dem Tatort hat die Bild eher konstruiert. Lest euch das Originalinterview nochmal mit diesem Gedanken im Kopf durch.
    Außerdem finde ich es auch nicht förderlich für die Toleranz wenn alle Männer die etwas besser gekleidet sind, in den Medien nebeneinander zusehen sind und sich ab und an umarmen schwul sein müssen. Homosexualität ist ein sexuelle Ausrichtung das hat erstmal nichts mit Kleidung und sanfter Art zu tun!
    Der Angriff auf die Familien findet aber meines Erachtens schon statt. Nicht weil schwul sein böse ist oder so, sondern weil ganz persönlich behauptet wird dass die Ehe von z.B. Löw nur Schein ist. (Ich meine dabei nicht den Tatort) Das ist doch nicht in Ordnung!

  69. 69
    Schallallallala says:

    @schabracke:
    Sie ermahnen MICH, differenziert zu denken? Ich lag anscheinend richtig mit meiner Witzbold-Vermutung!

    Ihre wenig differenzierende Sicht auf die Dinge lässt sich doch im wesentlichen folgendermaßen beschreiben (siehe #44):

    heterosexuelles Paar = Familie
    schwules Paar = keine Familie
    Begründung: Schwule können nicht gebären!

    Nun, ziemlich simpel ihre Sichtweise. Aber wahrscheinlich genügt diese, um die Vorgänge in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld abzubilden. Schreiben sie evtl. aus einem Dorf in der Provinz, wo es keine Schwulen mehr gibt, da diese längst in die nächste größere Stadt „weggemobbt“ wurden?
    Oder sind sie gar Katholik? Oder ein irrer Rationalist (dafür spricht ihre plumpe Zweckbindung der „Familie“)?

    Auch ihre Eingrenzung der Familie auf ein „Paar“ finde ich, gelinde gesagt, einfältig und wenig differenzierend.

    Wer solchen Müll schreibt, braucht sich nicht wundern, wenn er dafür unter Rechtfertigungsdruck gerät …

  70. 70
    schabracke says:

    @Schallallallala

    Sie bezeichnen das, was ich schreibe, als Müll — von mir aus. Sie haben Spaß daran, sich auszumalen, wo ich wohne und woran ich glaube. Nur zu.

    Einen Rechtfertigungsdruck empfinde ich nicht, nicht so lange Ihre Denkmuster so erfrischend einfach sind: Im Dorf werden die Schwulen gemobbt und am allermeisten von den bösen Katholiken. Ein kleiner Tipp: Neben den katholischen Dorftrotteln hassen ja auch die anatolischen Ziegentreiber Schwule sehr. Vielleicht bin ich ja auch einer von denen.

    Und nun viel Erfolg dabei, das was ich schreibe wieder so hinzubiegen, dass es irgendwie ins Bild passt.

  71. 71
    David R. says:

    Schade das es hier nicht mehr um das Thema geht.

  72. 72
    Matthias says:

    Es ist leider bezeichnend, dass jedes Diskussion, die auch nur entfernt das Thema Homosexualität streift, fast automatisch äußerst emotionsgeladen und aggressiv geführt wird und dabei nicht selten in Grundsatzdiskussionen über sexuelle Orientierungen und Beziehungsmodelle ausartet, so dass das ursprüngliche Diskussionsthema darüber in Vergessenheit gerät.

  73. 73
    schabracke says:

    Das ursprüngliche Thema ist eine Aussage von Oliver Bierhoff über Homosexuelle und Familie, die Niggemeier hier herausgreift und durchleuchtet. Im Kommentarbereich diskutieren hier Menschen Ihre Vorstellungen von Familie und von deren homosexuellen Ausprägungen oder Pendants (je nach Standpunkt). Emotionsgeladen finde ich nicht als negatives Attribut für eine Diskussion, Aggressivität kann ich ehrlich gesagt nirgendwo ausmachen.

  74. 74
    David R. says:

    Ach so. Alles klar! Ich bin dann zumindest raus…

  75. 75
    Matthias says:

    ^Jemandem eine NPD-Zugehörigkeit zu unterstellen, finde ich schon aggressiv. Sicher eine Frage der Empfindlichkeit.

  76. 76
    schabracke says:

    @Matthias

    Um es aggressiv zu finden, ist es mir wahrscheinlich zu wirr.

    Aber ich bin mir sicher: Gleich kommen drei Kommentare, in denen geschrieben wird, dass ich das nicht als aggressiv empfinde, weil es ja stimmt.

    Bei Diskussionen über Homosexualität darf man nur eine ganz bestimmte Richtung vertreten, alles andere ist homophob. Schwule leben lassen, lieben lassen, heiraten lassen, Kinder haben lassen, aber für sich selbst einen anderen Begriff von Familie? Eindeutig homophob, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit faschistisch und meine Frau schlag ich auch. So ist das nun einmal in der pluralistischen Gesellschaft: Jede Meinung, die der eigenen zu 100% entspricht, wird gerne akzeptiert.

  77. 77
    Oliver Bierhoff, der zweite says:

    Nur so am Rande: Ratet mal, welches Wörtchen „Google“ an zweiter Stelle zur Ergänzung vorschlägt, wenn man dort „Stefan Niggemeier“ eingibt … ;-)

  78. 78
    Anderer Gregor says:

    Ich finde es immer wieder überraschend, wie viel Leute über sich preisgeben, wenn sie herumerzählen, welche Ergebnisse Google bei eingeschaltetem Tracking (Instant läuft ja nur mit JS) anhand ihrer Suchvorlieben und ihres Profils als am Besten ihren Interessen entsprechend vorschlägt. Ist besonders bei Failblog sehr schön, könnte hier in den Kommentaren aber auch klappen :)

  79. 79
    Schallallallala says:

    @Schabracke:
    Sorry, aber ihre müllige Definition bleibt nunmal Müll. Da hilft auch ihre ganza Aufregung und das zugehörige herumgetrolle nix …

  80. 80
    schabracke says:

    Auf der niedrigsten Stufe werden dann die Beiträge des anderen als „Herumgetrolle“ bezeichnet. Ich muss Sie da berichtigen: Das ist WIRKLICH meine Meinung. Und ich finde, mit Verlaub, dass ich sie auch sprachlich auf anständigem und sachlichem Niveau ausarbeite.

    Aber ich sollte das lassen, das hat ja so keinen Wert.

  81. 81
    janosch says:

    @ 68
    Also ich weiss nicht recht. Dann muss schon ein Rechtschreibfehler vorliegen.
    Statt „Angriff auf meine Familie – die Familie der Nationalelf“ muesste es heissen „die Familie*n* der Nationalelf“.
    Koennte aber sein, beides klingt gestelzt.

  82. 82
    Earonn says:

    @Schallallallala
    Ich bin nicht schabrackes Meinung (allerdings verstehe ich Ihren Standpunkt jetzt besser, schabracke — das Beispiel mit den „blinden Fluglotsen“ war sehr hilfreich). Und dennoch sehe ich in seinen (?) Beiträgen keine Herumgetrolle, sondern schlichtweg eine argumentative Verteidigung einer anderslautenden Meinung. Wo ist das Problem?
    Ihre Beiträge, Schallallallala, mit den billigen Unterstellungen und Beleidigungen, stellen viel eher ein „Herumgetrolle“ dar. Und darum höre ich jetzt auf, Sie zu füttern.

  83. 83
    Jan says:

    Ich stimme Earonn absolut zu. Ich bin seiner/ihrer (der Name ist mir nicht geläufig ;) ) Meinung, bin nicht Schabrackes Meinung aber angekotzt von dem destruktiven, nicht auf Argumente eingehendem Gepöbel, das Schabracke von einzelnen entgegengeworfen wird.

    Sorry, wenn ich nur einen Meta-Kommentar abgebe und nichts zum eigentlichen Thema, aber mir fällt dazu überhaupt nichts ein. Dass es immer nervig ist, wenn „schwul sein“ als Beleidigung/Angriff aufgefasst wird, ist bekannt, trivial…

  84. 84
    Mitleserin says:

    schabracke hat die Diskussion um die Bierhoff-Bemerkungen von sich aus auf die Zeugungsfähigkeit von Schwulen gelenkt, dann sehr vornehm ausgeführt, dass er Homosexuellen das Adoptionsrecht abspricht und betont: „Mich kotzt es an, dass einige ihren verquasten Modernitätswahn über die Natur des Menschen stellen.“ Das (den Mann-Frau-Geschlechtsverkehr) arbeitet er –wie er selbst von sich sagt– dann noch sprachlich auf anständigem und sachlichem Niveau aus: „Es ist DER Weg, Kinder zu bekommen. Genauso wie der Darm DER Weg ist, Verdauungsendprodukte auszuscheiden. Ein künstlicher Darmausgang ist auch nicht eine moderne Alternative, sondern schlicht und ergreifend: Scheiße, aber manchmal nötig.„
    Ich bin beeindruckt von schabrackes Argumenten für die traditionelle Familie und sehe dabei einen knallharten heterosexuellen Elfmeter ins Tor fallen. TOR, TOR, TOR!

  85. 85
    Linus says:

    @Mitleserin

    Heterosexueller Elfmeter? Nuja, ich frage mich, was für ein Interesse daran herrscht, sich über die Festlegung einer allgemeingültigen Definition der Funktionen eines Darmausgangs auszulassen. Was interessiert mich, wie und für was Leute ihren Darmausgang benutzen und wie sie das dann nennen?

  86. 86
    Koller says:

    Ich höre immer wieder das Gerücht, dass Oliver Bierhoff schwul sei. Es ist eine Frechheit, wenn der Wahrheitsgehalt dieser Behauptung dann vehement von Leuten bestritten wird, die Bierhoff gar nicht kennen. Bierhoff hat das verdammte Recht, schwul zu sein — und ebenso darf er es geheim halten, wenn er möchte. Warum sollten für ihn andere Regeln gelten als für Philipp Lahm??

  87. 87
    Jan says:

    @Koller das hat doch nichts mit.dem Problem zu tun, mit dem Problem, dass Bierhoff mit seinen Aussagen die Homophobie im deutschen Fußball-Kosmos bestärkt.
    @Mitleserin, all das berechtigt m.E. nicht, jemanden als provonziellen, schwulen-mobbenden Dorftrottel, alternativ als irre zu bezeichnen, wie in Kommentar 69 geschehen. Besonders entlarvend an jenem Kommentar ist auch, dass „Katholik“ offenbar als Beleidigung verwendet wird. Das finde ich nicht weniger schlimm, als die Verwendung von „schwul“ als Beleidigung.

  88. 88
    schabracke says:

    Na ja, vielleicht hab ich einen Teil des Öls selbst ins Feuer gegossen, indem ich am Anfang etwas undurchsichtig formuliert habe.

    Was z.B. das Thema Adoption angeht: Hierfür bestehen, wahrscheinlich zurecht, sehr große Hürden. Diese Hürden zu überspringen ist nur wenigen vergönnt, ab nun schwul oder nicht. Aus meiner Sicht können schwule Paare genauso gut Kinder erziehen wie jedes andere Paar auch, nur fällt bei Schwulen der normale (und ja, ich verwende den gefährlichen Begriff „normal“, bin mir aber bewusst, dass er so gefährlich ist wie wandelbar) Weg ohne Adoption nun einmal weg. Während eine Adoption bei heterosexuellen Paaren eben ein Weg ist, bei missglückter Zeugung trotzdem den Kinderwunsch zu befriedigen, fehlt bei schwulen Paaren einfach der natürliche Vorgang, der durch den künstlichen zu ersetzen, nachzuahmen wäre.

    Übrigens: Wenn ein Rechter sagt, „er habe ja auch ausländische Freunde, aber…“ dann ist das meist die Einleitung zu übelstem Gehetze. Deshalb wollte ich meine schwulen Freunde auch eigentlich nicht erwähnen. Ich erwähne sie jetzt, weil sie gestern Abend beim Bier meiner Argumentation zugestimmt haben. „Ja, sagten sie, die ist etwas dran, es können so viele aus so vielen Gründen keine Kinder haben, zwei Männer zu sein ist davon vielleicht nicht der nichtigste.“

    Danke all denen, die mir sachlich und fair gesagt haben, dass sie nicht meiner Meinung sind. Ich bin auch nicht eurer, aber ich lese gerne andere Meinungen und sehe meine auch nicht als für alle Zeiten unverrrückbar an.

  89. 89
    5zjunge says:

    @Stefan Niggemeier @janosch @nona

    Seit wann „beweist“ das, was in BILD steht, irgendetwas?

  90. 90
    Mädchenmannschaft » Blog Archive » Homophobie & Fußball, Folge 312 says:

    […] Glaubwürdige Antidiskriminierungspolitik ist das nicht. Oder, wie es Stefan Niggemeier in der FAS formulierte: „Oliver Bierhoff hat der Homophobie im Fußball ein Gesicht gegeben.“ […]

  91. 91
    knorke says:

    Jaja, der Fussball und die Schwulen. Genau wie die Bundeswehr und die Schwulen. Oder auch die Politik und die Schwulen (da hats ja wahrlich lange gehakt und tuts sicher immer noch).

    Ich würde nicht zuviel darauslesen, wenn der Bierhoff sich da angegriffen fühlt. Meine Wahrnehmung ist, dass er dies als diffamierung empfindet, weil so etwas traditionell in diffamierender Absicht angebracht wird. Einem (Ex-)Fussballer kann man sicherlich differenziertes Denken nicht generell absprechen, und Medienkompetenz schon gar nicht, aber zwischen der Haustür mit einem soclhen Thema (in diesem Falle: vermeindlich) konfrontiert kann man glaube ich schwerlich irgendwas unverfängliches sagen. Ausser vielleicht: „Ach tut mir leid, ich habs nicht gesehen“. Nun, wenn alle das täten, dann gäbe es gar keine Schlagzeile. Ein netter Medienfilter.

    Warum denken eigentlich manche bei Schwulen und Fussball gleich an Duschen? Ich habe mich als Hetero auch schon in gemischten Duschen befunden, ohne gleich das Bedürfnis verspürt zu haben, ein paar haploide Zellkerne zu verteilen. Naja, schlüpfrige Fantasien sind uns ja allen zu eigen, die zu den Schwulen snd leider etwas einseitig.

  92. 92
    VonFernSeher says:

    @Wolfgang 61
    Ob schabracke die Vorgeschichte kennt, weiß ich nicht; und ich bin auch nicht ihrer Meinung. Die Vorgeschichte aber kenne ich: Die Ecke bleibt die richtige.

  93. 93
    “Oliver Bierhoff hat der Homophobie im Fußball ein Gesicht gegeben.” | Andersrum rut-wiess – Erster schwullesbischer Fanclub des 1. FC Köln says:

    […] Hier geht’s zum Blogeintrag. Dieser Beitrag wurde unter Homosexualität im Fußball veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. ← Oliver Bierhoff hat nichts verstanden […]

  94. 94
    Wolfgang says:

    @92: Ich habe keine Meinung geäußert, sondern nur meine Vermutung, woher Kommentare dieser Art kommen könnten (weil sie aus diesen Ecken auch tatsächlich schon so gekommen sind). Sie haben andere Vermutungen? Auch gut.

  95. 95
    janosch says:

    @ knorke
    nackt = ungeschuetzt ^^
    Ich denk bei der Gelegenheit immer ans Duschen, weil man ansonsten unter Fussballern selten nackt ist.
    Beim Rugby ist das was anderes, da hopsen wir nach dem Spiel und bei Weihnachtsfeiern auch gerne ohne Wasser in der Naehe nackig herum =)

  96. 96
    Fußball, Umarmung, männliche Zärtlichkeiten – je offener, desto homophober? Oder andersrum? #schwul |Buffen says:

    […] den Aufreger von Oliver Bierhoff über den Tatort neulich. Ich möchte einen Kommentar von ihm hierherzitieren, weil er gut beschreibt, welch perfider Logik Heten* hier folgen. — genau deshalb muss […]

  97. 97
    B.Schuss says:

    Stefan, nur so aus Neugier: hast du versucht, Herrn Bierhoff für eine Stellungnahme zu erreichen, bevor du ihn in der FAS als homophob bezeichnest ? ^^

    Denn wenn man deine bisherige Arbeit als Maßstab nimmt, wäre ein Interview in der BILD normalerweise kaum geeignet, als Vorlage für einen Beitrag in einer .… sagen wir mal … seriöseren Publikation wie der FAS zu dienen.

    Oder bist du dieses Mal ausnahmsweise davon ausgegangen, dass die BILD Herrn Bierhoffs Aussagen korrekt wieder gegeben hat ? ;)

  98. 98
    schabracke says:

    Ethik wird doch nur dann aus dem Schrank geholt, wenn man sie braucht.

    BILD kritisieren, aber Urteile auf Grundlage von BILD fällen: Aber gerne doch! Vor allem, wenn die ganze Geschichte so wunderbar ins Weltbild passt.

    Ich mag Bierhoff nicht, aber ich glaube, hier wird ihm hintenrum einer reingewürgt. Wäre ich Bierhoff, würde ich mich wehren.

    Auf diesen Aussagen und mit dieser Quelle ‚Homophobie“ zu attestieren, das ist schon sehr gewagt.

    Nebenbei: Muss es denn immer gleich „Homophobie“ sein? Darf man sich nicht auch ärgern, wenn man fälschlicherweise als schwul bezeichnet wird, ohne Schwulsein gleich schlimm zu finden?

  99. 99
    Alberto Green says:

    Weshalb sollte man sich denn über die Bezeichnung ärgern, wenn man Schwulsein nicht schlimm findet?

  100. 100
    Ommelbommel says:

    @schabracke: Ihre Kritik an der Quelle finde ich berechtigt. Was Bierhoff da tatsächlich zu gesagt hat, lässt sich schwer beurteilen. Stefan, hattest du das bestätigen lassen?
    Dem letzten Absatz würde ich aber widersprechen: Ich kann mich zwar darüber ärgern, für schwul gehalten zu werden, obwohl ich es nicht bin, so wie ich mich ärgere, wenn jemand zum dritten Mal meinen Namen falsch ausspricht, aber es als Angriff oder Diffamierung aufzufassen, ist dann eine Dimension der Verärgerung, zu der man schon etwas gegen Schwule generell haben muss.

  101. 101
    Stefan Niggemeier says:

    @Ommelbommel: Nein, habe ich nicht.

  102. 102
    schabracke says:

    @Ommelbommel

    Das stimmt: Ein Angriff ist das nicht. Ich wurd auch schon desöfteren für schwul gehalten, weil ich ein recht körperlicher Mensch bin, der auch seinen beiden schwulen Freunde öfter mal in den Arm nimmt. Geärgert hat mich das nie, geärgert hat mich höchstens, dass dieser Reflex so schnell kommt und der „skandalisierende“ Tonfall: „Bist du SCHWUL ?!?!“.

    Ich hab übrigens gerade mal die angeblichen Aussagen von Bierhoff genauer gelesen und muss mich korrigieren. WENN er das so gesagt hat, dann ist das schon recht heftig. Vielleicht nicht heftig homophob, aber heftig engstirnig.

  103. 103
    martin says:

    hab ich was verpasst? oder wurde jetzt Stefan Niggemeiers artikel hier als offener brief von einem schwulen fußballfans-verein verwendet? http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,754332,00.html

  104. 104
    schabracke says:

    @martin #103

    Und da kommen wir dann doch sehr stark dahin, was mich an dieser ganzen Diskussion so stört: Wenn es doch egal ist, ob jemand schwul ist oder nicht (Mir z.B. ist es egal), warum wird dann darüber gemutmaßt, wie viele Fußballer schwul sind? Welches Interesse haben andere Schwule daran, dass sich ein Fußballer als schwul outet?

    Warum in aller Welt gibt es einen Zusammenschluss schwul-lesbischer Fußballfanclubs? Ich dachte, da ginge es um Fußball und nicht um Homosexualität? Muss die Homosexualität wirklich immer thematisiert werden? Muss man das „Ich bin schwul.“ wie eine Monstranz vor sich hertragen? Um nicht missverstanden zu werden: Von mir aus können auch alle Fußballer und alle Fans außer mir schwul sein. Ich finde nur nicht, dass man dass ungefragt bei jeder Gelegenheit nach außen tragen muss. Ich mach das mit meiner sexuellen Ausrichtung auch nicht. Gäbe es dezidiert heterosexuelle Fußballfanclubs, dann wäre das Geschrei groß. Jeder isoliert sich eben, so gut er kann. Wenn man dann noch in die Rolle des unverstandenen und womöglich ausgegrenzten Opfers schlüpfen kann, umso „besser“.

  105. 105
    Stefan Niggemeier says:

    @#104: Lustig, das Wort „Monstranz“ kommt immer bei dem Thema.

    Beschweren Sie sich auch über Leute, die heiraten und dadurch ihre heterosexuelle Ausrichtung wie eine Monstranz vor sich hertragen?

  106. 106
    palosalto says:

    @105: seit wann ist heirat ein zeichen für heterosexualität?

  107. 107
    schabracke says:

    Wie gesagt: Für mich können die Männer auch Hand in Hand zum Fußball gehen.

    Mir geht es um die Organisation in einem dezidiert schwul-lesbischen Fanclub. Was ist in diesem Fanclub anders als in einem anderen? Warum ist das besser, als wenn ein Fanclub sagen würde: „Hier nur heterosexuelle weiße Männer!“?

    Ich glaube, es gibt genug Schwule, die auch ohne derartige Clubs Fußballfans sind. Die auf die Frage „Was sagt denn deine Frau dazu, wenn du jede Woche auf Schalke bist?“ sagen „Ich hab keine, ich hab einen Freund/Lebenspartner.“ Und damit ist die Sache dann durch.

    Zwischen „einen Ehering tragen“ und „Mitglied im homosexuellen Fanclub sein“ besteht in bezug auf Nach-Außen-Tragen der sexuellen Orientierung wohl ein gewisser Unterschied. Außerdem dachte ich, Heiraten wäre für alle da.

  108. 108
    Stefan Niggemeier says:

    @palosalto: „Seit wann“ ist die falsche Frage. „Bis wann“ wäre die richtige.

    @107: Wenn Sie den Unterschied nicht verstehen, wenn Heterosexuelle und Homosexuelle dasselbe tun, machen Sie mal den Selbstversuch. Gehen Sie Hand in Hand mit einem anderen Mann zum Fußball und schauen Sie, wie die fremden Menschen in Ihrer Umgebung darauf reagieren.

  109. 109
    schabracke says:

    @Stefan Niggemeier

    Das hab ich doch nie bestritten: Homosexuelle, die das (mit allem Recht der Welt) offen nach außen zeigen, hätten in den allermeisten Fußballstadien mit einigen Problemen zu kämpfen. Sie hätten aber auch in den allermeisten Fußballstadien viele, die für sie eintreten würden — hoffe ich. Und ich bezweifle einfach, dass homosexuelle Fanclubs da der richtige Weg sind, um ein Umdenken zu erreichen. Oder auch nur der richtige Weg sind, mit der eigenen Homosexualität umzugehen. Klar kann man sich selbst ghettoisieren — aber will man das?

    Die Reaktionen, die ich erwarte, wenn beim Fußball zwei Männer Hand in Hand auftauchen sind übrigens dieselben, die ich überall sonst auch erwarte, wo viele Menschen zusammenkommen. Das ist kein fußballspezifisches Phänomen. Das kann es ja gar nicht sein, die zig Millionen Fußballfans sind ja auch sonst überall in der Mehrheit.

  110. 110
    Stefan Niggemeier says:

    „aber will man das?“ — Manche Ja, manche Nein.

    Warum wollen Sie Menschen verbieten, frei im Kreise von Gleichgesinnten zum Beispiel für die geilen Beile eines Fußballspielers zu schwärmen? Was ist das für eine Haltung, Menschen, die täglich erleben, in der Minderheit zu sein, nicht die Freiheit zuzugestehen, sich Freiräume zu schaffen, wo sie in der Mehrheit oder sogar unter sich sind?

    (Ich mag übrigens nicht mehr mit Ihrem Pseudonym diskutieren.)

  111. 111
    janosch says:

    @ schabracke: Das Kernproblem ist doch der noch mangelnde Minderheitenschutz, der auch Homosexuellen zustehen muss.

    Und ein Verein, (der eine Minderheit repraesentiert und) in dem gemeinsame Erfahrungen oder Probleme besprochen werden, kapselt sich doch nicht ab!
    Wenn man nur noch in dieser Community bleibt und ueberhaupt keinen Kontakt „nach draussen“ sucht, dann vielleicht, aber das macht der angesprochene Fussballfanclub offenkundig nicht.
    Ich finde es gesellschaftlich sinnvoll, dass sich alte Saenger, junge Muetter, glaeubige* Studierende oder schwule Fussballfans auch mal „unter sich“ treffen.
    Das Problem scheint mir zu sein, dass nur drei dieser Gruppen von Ihrer Kritik ausgenommen bleiben.

    * das ist natuerlich selten angeboren

  112. 112
    Mark says:

    @45: „Schwule können sehr wohl Kinder zeugen, und zwar mit jeder Frau, die sich zur Austragung bzw. jedem Mann, der sich zur Samenspende zur Verfügung stellt.“

    *amkopfkratz* Wie das ohne Frau jetzt genau gehen soll, kapier ich zwar nicht, aber ich bin immer bereit, dazu zu lernen.

  113. 113
    janosch says:

    @ SN: Mist, zu langsam..

  114. 114
    schabracke says:

    @Stefan Niggemeier

    Ich mit Ihrem Echtnamen und Ihrer ins Groteske übersteigerten Selbstgerechtigkeit auch nicht mehr.

    Jeder, der auch nur irgendetwas näherungsweise Kritisches über Schwule und deren Schwulitäten schreibt, ist gleich ein böser Homophober. Wissen Sie was: Wenn es Ihnen und Ihrem Selbstbild hilft, dann bin ich das eben. Das erleichtert die Sache ja auch irgendwie ungemein.

    Wenn übrigens ich das Klischee von schwulen Fußballfan gebracht hätte, der sich nur für die Körper der Spieler interessiert…

    Aber lassen wir das, das führt zu nichts.

  115. 115
    peter wolf says:

    Das Perfide an Gerüchten ist, daß man sie trotz ausdrücklichem Hinweis auf ihren spekulativen Charakter weiter verbreiten kann, ohne daß sie etwas an der Wirkung verlieren. Wenn ich also in der Firma das Gerücht aufschnappe, daß der Abteilungsleiter Müller etwas mit der jungen Sekretärin Meier habe, ist es natürlich eine wahre Tatsachenbehauptung, wenn ich meinem Kollegen zuraune, daß in der Firma seit neuestem „gerüchteweise beahuptet werde, Herr Müller habe etwas mit Frau Meier“. Gleichwohl verbreite ich mit dieser wahren Tatsachenbehauptung ein Gerücht weiter. Es ist deshalb völlig verständlich, wenn sich Opfer von Gerüchten auch dann gegen die Verbreitung von Gerüchten wehren, wenn dies in der eben beschriebenen Form geschieht. Es bedarf schon eines gehörigen Mangels an Empathie, wenn man hier nicht zumindest einen Funken Verständnis für die beherrschte Verärgerung Bierhoffs hat, da Bierhoff ja neben Löw und Flick genauso Opfer dieser Gerüchte war.

    Ebenso ist es völlig verständlich, wenn sich jemand über Gerüchte in Bezug auf die eigene Person allein dehalb wehrt, weil es Gerüchte (also falsche oder zumindest unbewiesene Tatschenbehauptungen) sind — unabhängig davon, ob die Behauptungen ehrenrührig sind oder nicht. Wenn jemand von mir behaupten würde, ich hätte bei der letzten Wahl die CDU gewählt, würde mich das ärgern, auch wenn ich es nicht sonderlich schlimm finde, wenn jemand die CDU wählt. Es würde mich sogar ärgern, wenn ich tatsächlich die CDU gewählt hätten und zwar allein aus dem Grund, weil die Person ja gar nicht wissen kann, wen ich gewählt habe, da ich das in aller Regel nicht herausposaune.

    Von einem verheirateten Mann zu behaupten, er sei schwul, ist natürlich auch ein Angriff auf die Familie, weil die Aussage notwendigerweise die Behauptung beinhaltet, dieser Mann liebe seine Ehefrau nicht. Das ist sowohl gegenüber der Frau als auch gegenüber den Kindern eine ziemliche Anmaßung — ohne dass man damit ein Werturteil über Homosexualität ansich verbinden muss. Aber Bierhoff sprach hier ja gar nicht von seiner richtigen Familie, sondern von der „Familie der Nationalmannschaft“. Daß dieser Begriff hier als bewusster Kontrast zu Homosexualität benutzt werde und damit homosuxuellen Lebensentwürfen grundsätzlich das „Familiäre“ abgesprochen werde, ist schlicht nur eine Böswilligkeit des Autors.

  116. 116
    Muyserin says:

    @ #112: Mark, das war jetzt Ihr heutiger Aprilscherz, wie das genau gehen soll, nicht wahr?

    Oder ist in Ihrem Weltbild die Weltbevölkerung exakt 1:1 nach Männlein und Weiblein aufgeschlüsselt? Möglichst noch ab Geschlechtsreife lebenslang monogam und mit staatlich kontrollierter Einkindfamilie?

    Ich verrat‘ Ihnen was: es gibt das so Einrichtungen, die nennen sich Samenbanken …

    Na, macht’s jetzt vielleicht *klick*?

  117. 117
    theo says:

    „die geilen Beile eines Fußballspielers“

    Stefan, das mit der Blutgrätsche ist nicht so, wie Sie denken.

  118. 118
    Jan says:

    @117 :-)

  119. 119
    Stefan Niggemeier says:

    @peter wolf: Anliegen sowohl dieses „Tatorts“ als auch offiziell des DFB ist es, zu einem Klima beizutragen, in dem schwule Profi-Fußballer nicht so tun müssen, als wären sie heterosexuell. Dass von all den Profi-Fußballern in Deutschland niemand schwul sein soll, ist extrem unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist, dass es den ein oder anderen gibt, der aber alles tut, um nicht aufzufliegen.

    Man kann Oliver Bierhoffs Reaktion auf die (von ihm mindestens missverstandenen) Sätze im „Tatort“ ganz nüchtern nach einem Kriterium beurteilen: Vergrößert oder verringert sie die Chance, dass sich in Zukunft schwule Spieler trauen, zu ihrer Homosexualität stehen? Für mich liegt die Antwort auf der Hand.

    Oliver Bierhoff ist nicht persönlich angegriffen worden. Ich kann mir vorstellen, dass es lästig und nervig ist, wenn Leute einem immer wieder (fälschlicherweise) unterstellen, dass das eigene Leben eine Lüge ist. Ich finde das aber vergleichweise harmlos gegen das Leiden eines Menschen, der tatsächlich eine Lüge lebt und glaubt, dass ihm keine andere Wahl bleibt.

  120. 120
    Anderer Gregor says:

    @107: „Die Reaktionen, die ich erwarte, wenn beim Fußball zwei Männer Hand in Hand auftauchen sind übrigens dieselben, die ich überall sonst auch erwarte, wo viele Menschen zusammenkommen. Das ist kein fußballspezifisches Phänomen.“

    Vielleicht verkehre ich einfach nur in etwas glücklicheren Kreisen als die der schabrackschen Erwartungshaltung — aber „überall sonst“ habe ich bis jetzt praktisch keine nennenswerte Reaktion beobachten können, wenn zwei Männer Hand in Hand auftauchen. Fußball scheint da doch eher die Ausnahme zu sein.

  121. 121
    peter wolf says:

    Ich kenne nun nur die drei wörtlichen Zitate aus der BILD. Nach meinen Eindruck beziehen sich diese Zitate allein auf den im Tatort gefallenen Satz, daß ja angeblich(!) die halbe Nationalmannschaft schwul sei. Damit wird dieses Gerücht, das seine Blüte vor der WM hatte und das ich bis Sonntag kaum noch gehört habe, weiter am Leben gehalten und vermutlich einer breiteren Öffentlichkeit vermittelt. Dieses Gerücht ist deshalb so ärgerlich, weil es allein aus dem Klischee, daß ein Mann, der auf sein Äußeres besonders achtet, schwul sein müsse, genährt wird.

    Ich glaube im übrigen nicht, daß sich schwule Fußballer nach Bierhoffs Aussage noch schwerer tun, sich öffentlich zu ihrer Sexualität zu bekennen. Was es schwerer macht, ist sicher die öffentliche Diskussion über schwule Fußballer. Man kann sich gut vorstellen, was für ein mediales Echo solch ein Outing hätte. Da würde ich auch die Klappe halten — geht ja letztlich sowieso niemanden etwas an.
    Bierhoffs Sätze für sich genommen sind recht unverfänglich — er wehrt sich zurecht allein gegen das Gerücht. Zu einer allgemeinen Kritik am Tatort werden Bierhoffs Zitate nur durch den Zusammenhang in der BILD und durch die Interpreatation von BILD. Dass Sie darauf reinfallen, überrascht ist aber auch ein wenig tröstlich.

  122. 122
    Stefan Niggemeier says:

    @peter wolf: Haben Sie meinen Text oben gelesen? Im „Tatort“ fallen die Sätze nicht im Sinne von: „Kennen Sie schon das Gerücht?“ Sondern im Sinne von: „Über die halbe Nationalmannschaft sagen das auch alle — ist doch nix dran.“

  123. 123
    JO says:

    @Mark @Muyserin
    Da am Anfang des Satzes Schwule und nicht Homosexuelle steht und danach ein bzw. folgt, gibt es also zwei Möglichkeiten:

    1. “Schwule können sehr wohl Kinder zeugen, und zwar mit jeder Frau, die sich zur Austragung (…) zur Verfügung stellt.”
    2. “Schwule können sehr wohl Kinder zeugen, und zwar mit (…) jedem Mann, der sich zur Samenspende zur Verfügung stellt.”

    Beim 2. muss auch ich schmunzeln und Männer bekommen scheinbar
    Angst, oder?

  124. 124
    theo says:

    Stefan,

    wenn Journalisten in irgendeiner Weise selbst betroffen sind, ist es meist besser, diese Dinge nicht von Berufs wegen zu begleiten. Die Emotionen sind oft schlechte Ratgeber.
    Man kann die Aussage von Bierhoff kritisieren, der Vorwurf der Homophobie aber scheint mir keinesfalls eindeutig belegt. Überhaupt fände ich es sinnvoller, den Homophobie-Vorwurf sparsamer und gezielter zu verwenden, um ihn nicht womöglich zu entwerten.

  125. 125
    5zjunge says:

    @schabracke #98
    Gegen wenn sollte Bierhoff sich wehren?
    Gegen Bild, wegen einer falschen Geschichte? Gegen Bild kann er nur verlieren und für den Bild-Leser steht da auch nichts Ehrenrühriges.
    Gegen Niggemeier, wegen des Homophobie Vorwurfs? Also in der Wunde wühlen? Lieber nicht beachten, das ist ja noch kein Shitstorm.

  126. 126
    peter wolf says:

    @SN:

    1. So konkret, wie Sie es darstellen, wird dem Gerücht im Tatort nicht widersprochen. Bei einigen Zuschauern, die das Gerücht nicht kannten, wird der Satz auch in dieser Form diese Reaktion auslösen: „Haha, Nationalmannschaft schwul. Naja, beim Löw kann man das schon glauben. Der zieht doch immer so modische enge Hemden an. Und wie der den Schal trägt, ist schon ein bißchen schwul…“

    2. Und selbst wenn der Satz so eindeutig gefallen wäre, wie Sie es darstellen, wäre es egal. Gerüchten kann man nicht durch dementieren begegnen. Es hilft einzig und allein, sie totzuschweigen. Der Gedanke „Naja, irgendetwas wird schon dran sein…“ liegt offenbar in der menschlichen Natur.

    Wäre der Tatort ohne den Bezug auf das Gerücht irgendwie schlechter gewesen? Wäre die Story weniger rund gewesen? Hat der Bezug dem Verständnis geholfen? War es irgendwie lustig? Nein, nein, nein,… Kann man vor dem Hintergrund nicht ein Funken Verständnis für Bierhoff aufbringen, wenn ihn das Wiederaufkochen des Gerüchts nervt? Muss Bierhoff wirklich seine eigene Betroffenheit in Relation dazu setzen, daß es einem tatsächlich schwulen Fußballer viel schlimmer ergeht als einem heterosexuellen, über den in der Öffentlichkeit das Gerücht, er sei schwul, kreist und selbst durch Dementis am Leben erhalten wird? Nö.

    Man kann ja Bierhoff ruhig doof finden. Aber aus dem bloßen Umstand, daß er einen überflüssigen Satz mit Schwulenbezug im Tatort als überflüssig bezeichnet, gleich Homophobie abzuleiten, geht ein bißchen zu weit.

  127. 127
    SvenR says:

    Niemand hat die Idee, eine Mauer zu bauen…

  128. 128
    polyphem says:

    @SvenR (#127): …außer beim Freistoß.

  129. 129
    Marc-Oliver says:

    @peter wolf: „Kann man vor dem Hintergrund nicht ein Funken Verständnis für Bierhoff aufbringen, wenn ihn das Wiederaufkochen des Gerüchts nervt?“

    Mir kommen die Tränen.

    Bierhoff ist Medienprofi, prominenter Vertreter einer populären Sportart und offizieller Repräsentant eines nationalen Verbandes, und er hat sich hier ausdrücklich in dieser Funktion geäußert. Es mag Fälle geben, in denen „Verständnis“ für latent homophobe Äußerungen angebracht ist. Dieser gehört mit Sicherheit nicht dazu.

    Es hätte viele Wege gegeben, gelassen und souverän mit der Thematik umzugehen. Bierhoff hätte sagen können, er habe den TATORT noch nicht gesehen. Er hätte mit den Schultern zucken und sagen können, dass er keine Krimis schaut und es im Übrigen auch Schlimmeres gibt, als schwul zu sein. Er hätte die Chance ntzen können, um eine Aktion zu starten, in der die gesamte Nationalmannschaft sich kollektiv vor der versammelten Presse „outet“, um den ganzen ewiggestrigen Schmierenmechanismus der leider nicht-fiktiven Gerüchte und Medienberichte ein für allemal auszuhebeln und zu entlarven und ein eindrucksvolles Zeichen gegen Vorurteile und Diskriminierung zu setzen.

    Was macht er stattdessen? Er zeigt sich „genervt“ und „getroffen“, dass seine „Familie“ auch nur über zwölf Ecken überhaupt mit Homosexualität in Verbindung gebracht wird. Das ist nichts anderes als der klassische „Ich hab nix gegen Schwule, solange ich nix von ihnen sehe“-Reflex. Was bitte gibt es da noch zu diskutieren?

  130. 130
    inga says:

    @ peter wolf:
    Noch mal langsam zum Mitschreiben. Der Satz im Tatort lautete:
    „Wissen Sie, die halbe Nationalmannschaft ist angeblich schwul, einschließlich Trainerstab.„
    Da wird kein Gerücht wiedergekaut. Da sagt jemand, „hey, ist doch wurscht, wenn mich einer schwul nennt, bin ja nicht der erste, dem das unterstellt wird. Das nehme ich gar nicht ernst.“ Die „halbe Nationalmannschaft einschließlich Trainerstab“ ist hier eine Übertreibung, wie man sie ständig verwendet („Ich hab dir doch schon hundert mal gesagt…“, „Die halbe Belegschaft ist mal wieder krank.“ etc.). Noch mal: Niemand hat das behauptet, auch keiner im Tatort.

  131. 131
    Bundesliga 28 | Spreeblick says:

    […] einen halben Liter Bier zu vergeuden, zu welchem Zweck auch immer.5. Immer unerträglicher ist das verlogene, homophobe Gehabe des DFB, überhaupt im Fussball. In Frankreich hat ein Amateurverein einen Spieler suspendiert, […]

  132. 132
    Eich says:

    Der letzte Post ist zwar schon eine Weile her, aber gerade hab ich „Stefan Niggemeier“ gegoogelt. Der dritte Vorschlag war „Stefan Niggemeier schwul“. Ich dachte mir so, die Leute googeln neuerdings aber auch jeden Scheiß. Dann lese ich diesen Blogeintrag und musste mich spontan kaputt lachen ^^

  133. 133
    Bierhoff, der zweite says:

    Ich hatte hier vor einer Weile einen Kommentar abgegeben, der in die gleiche Richtung ging, wie jener ovn „Eich“. Aber meiner ist wieder verschwunden. Zensiert Niggemeier neuerdings sein eigenes Blog?

  134. 134
    Stefan Niggemeier says:

    @Bierhoff, der zweite: #77

    (Doof und blind ist aber auch eine schlechte Kombination.)

  135. 135
    gnaddrig says:

    @ Bierhoff, der zweite (#133): Welches Blog soll der Mann denn zensieren wenn nicht sein eigenes? Wenn er denn zensiert.

  136. 136
    Ronsen says:

    @SN, #134: Volltreffer! ;-)

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