Andrea Ballschuh

12 Aug 07
12. August 2007

Es fehlen einem dann doch die Kategorien, um Qualitäten in diesem speziellen Beruf bewerten zu können. Natürlich ist es eine Form von Arbeitsverweigerung, eine Sendung „Zauberwelt der Berge“ mit dem Satz zu beginnen: „Den besten Blick hat man einfach immer von oben.“ Und natürlich müsste die Überleitungspolizei einschreiten, wenn die Moderatorin sagt, die „Klostertaler“ würden perfekt ins Salzkammergut passen, weil ihre Karriere nur einen Weg kenne: „steil nach oben – sie sind also richtige Gipfelstürmer“. Aber beim Abspann stellt sich dann heraus, dass die Texte gar nicht von ihr waren, und man weiß nicht, ob das für oder gegen sie spricht.

Das wichtigste für jemanden, der volkstümliche Musik im Fernsehen präsentiert, muss diese Teflonhaftigkeit sein: dieses Lächeln, das immer auf das gleiche Maß an interesseloser Zustimmung eingestellt ist, egal, auf was es sich bezieht, und seien es Nacktschnecken oder gar Brunner & Brunner. Die 35-jährige Andrea Ballschuh macht das schon so glatt wie einst Caroline Reiber, und das Kunststück ist, dass sie dabei jünger, frischer und moderner aussieht, ohne die Zuschauer durch Jugendlichkeit, Frische und Moderne zu verschrecken.

Man muss diese Show übrigens nicht kennen, auch wenn man gerade den Eindruck bekommen konnte, so wie ihre geplante Verlegung plötzlich ein Beleg für die angeblich seniorenfeindliche Entsorgung von Plastikmusikshows aus dem ZDF-Programm wurde. Die „Zauberwelt der Berge“ war in den vergangenen fünf Jahren exakt zweimal zu sehen. Anders als Frau Ballschuh, die sich sonst im ZDF-Vormittagsprogramm einen Wolf moderiert und im MDR ein Quiz hat. Im Osten scheint sie ein „Superstar“ zu sein, jedenfalls nennt die „Super-Illu“ sie so und verfolgt jede berufliche und private Wendung mit größter Anteilnahme und Sympathie.

Zum Konzept der Show gehört, dass Andrea Ballschuh auch Einheimische… nein, „kennenlernt“ wäre falsch. Trifft. Sicherheitshalber gibt man ihr während des, nun ja: Gesprächs aber immer etwas anderes zu tun, lässt sie töpfern mit dem Töpfer, die Krähen füttern mit der Krähen-Aufzieherin, reiten mit dem Wildparkbesitzer. Am schönsten war diese Woche nicht einmal, als eine der Krähen sie nachhaltig, mehrmals und offenkundig leidenschaftlich in den Finger biss. Sondern wie sie und der Wildparkmensch noch mehrere Sekunden noch durchs Bild ritten, aber ihr Gesprächstext schon zuende war: Da sah man allen Beteiligten (die Pferde inklusive) an, dass hier keiner die Landschaft, die Stille oder die Gesellschaft genoß, sondern alle die Sekunden zählten, bis jemand „Schnitt“ rufen würde. Es war eine Szene von frappierender Leere und vielleicht der einzig wahre Moment in der ganzen Show.

© Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

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Die Rückkehr des Königs

von Lukas
12 Aug 07
12. August 2007

Bevor meine kleine Schwangerschaftsvertretung hier vorbei ist und der Hausherr wiederkommt (es sei denn, er ist wirklich geflohen), schnell noch ein kleines Rätsel:
Welche prominente Person wird hier gesucht?

Samentier Gingfee

Erwischen Sie einen Kommentar, dessen laufende Nummer durch 3 oder 4 teilbar ist, und nennen Sie die Lösung. Zu gewinnen gibt es drei gelbe Pakete und einen Flachwitz.

Bitte kommentieren Sie maßvoll. Kommentare von Minderjährigen werden nicht berücksichtigt. Wer seinen Namen vergessen hat, sollte besser seine Eltern anrufen. Die freuen sich auch, wenn sie mal wieder was hören. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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Werbeblocksitting

von Lukas
11 Aug 07
11. August 2007

Das menschliche Gedächtnis arbeitet – das wissen wir spätestens, seit irgendjemand irgendwas veröffentlicht hat – höchst selektiv. So war ich davon überzeugt, irgendwo gelesen zu haben, dass die ARD nicht mehr so viel Werbung in der „Sportschau“ bringen wollte.

Korrekt lautete die Meldung aber:

Mit weniger Platz für Sonderwerbeformen als im Vorjahr geht im August die „Sportschau“ an den Start. Die bestehenden werden dadurch teurer. Bei klassischer Werbung bleibt alles beim Alten.

Und so ist es wohl völlig normal, dass ich jetzt seit 18 Uhr mehr Werbeblöcke als Erstligaspiele gesehen habe.

Andererseits: Was guck ich mir das überhaupt an? Borussia Mönchengladbach spielt ja eh erst am Montag.

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Ortskenntnisse

von Lukas
10 Aug 07
10. August 2007

Das menschliche Gedächtnis arbeitet — das wissen wir spätestens, seit dieser Forscher da sein Buch veröffentlicht hat — höchst selektiv. Das lässt sich gut an dem überprüfen, was einem zu bestimmten Personen oder Orten einfällt.

Geht es beispielsweise um die Stadt Remscheid, fällt mir immer nur ein, dass dort mal ein US-Kampfjet abgestürzt ist, als ich noch recht jung war. Zwar sind meinen unzuverlässigen Kindheitserinnerungen zufolge (s.o.) in den achtziger Jahren ständig irgendwelche Flugzeuge abgestürzt, aber „Remscheid“ war für mich immer das Schlagwort dafür. (Als mein Patenonkel mich einmal an einem Arm und einem Bein durch das Wohnzimmer meiner Eltern schleuderte und mich auf dem Sofa „aufschlagen“ ließ, nannte ich das „Flugzeugabsturz in Remscheid“.)

Mit Wuppertal verbinde ich hingegen ausschließlich die dortige Schwebebahn (bzw. noch genauer die Elefantendame Tuffi, die Jahrzehnte vor meiner Geburt aus dieser Schwebebahn in die Wupper sprang), mit Leverkusen die Bayer-Werke und würde mich jemand fragen, was mir denn zu Böblingen einfiele, ich könnte allenfalls „Wetten dass…?“ antworten.

Ich habe gut Reden, denn ich bin in Dinslaken aufgewachsen. Lange Jahre war diese Stadt, die sich nicht so recht entscheiden kann, ob sie nun noch zum Ruhrgebiet oder doch schon zum schönen Niederrhein gehört, vor allem für eines bekannt: den „Glaspalast“. Das war eine sogenannte „Edeldisco“, in der glaube ich kein Dinslakener je drin war, obwohl dort Acts wie Scooter, Brooklyn Bounce, Dr. Alban, Boney M. und Culture Beat auftraten. Traf man aber Leute von außerhalb und sollte sagen, wo man denn so hersei, führte die Antwort „Dinslaken“ in der Regel immer zur gleichen Reaktion: „Aaaaach, da wo der Glaspalast ist!“ Heute „ist“ der Glaspalast (oder „Glasi“, wie er manchmal liebevoll genannt wurde) nicht mehr. Das Gebäude wurde vom Präsidenten des MSV Duisburg in Büros (zurück-)verwandelt und beherbergt jetzt Teile der Dinslakener Stadtverwaltung.

Dinslaken hat aber viel mehr zu bieten: Auf der dortigen Trabrennbahn fanden in den ersten Ausgaben der ZDF-Spielshow „Nase vorn“ Prominentenrennen statt, deren genaueren Zweck heute niemand mehr so ganz genau rekonstruieren kann. Für Roger Willemsen war „Dinslaken“ eine Zeit lang ein Synonym für „irgend so ein total hinterwäldlerisches Kaff“, was er meinen Erinnerungen zufolge mindestens zwei Mal in „Willemsens Woche“ unter Beweis stellte: Als Jörg Kachelmann zu Gast war, forderte Willemsen, das Klimaphänomen El Niño möge doch Dinslaken holen, und die Sopranistin Sandra Schwarzhaupt fragte er, warum sie in New York Gesangsunterricht genommen habe und nicht zum Beispiel in Dinslaken.

Ich bin ganz froh, inzwischen in Bochum zu leben, wo man sich hauptsächlich mit Herbert Grönemeyer und der Selbstmordrate unter den dortigen Studenten herumzuschlagen hat.

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Fixing A Hole

von Lukas
09 Aug 07
9. August 2007

Früher, als man noch drei Kanäle hatte, die neuesten Nachrichten erst einen Tag später am Frühstückstisch lesen konnte und grobkarierte Sakkos und Hornbrillen trug, nannte man die Zeit, in der es nicht ausreichend Nachrichten gab, um damit eine ganze Tageszeitung zu füllen, „Saure-Gurken-Zeit“. Heute heißt sie weitaus weniger poetisch „Sommerloch“ und wird von den Medien Klischee-gemäß mit Kaimanen in Baggerlöchern, enthüpften Kängurus und Deutschen in ausländischen Gefängnissen gefüllt. Manchmal entstehen während dieser Zeit auch Serien, die sich leicht abseitigen Themen widmen: Da werden Menschen mit exotischen Hobbies porträtiert, Regionalzeitungsredakteure wandern zu Fuß durch das Verbreitungsgebiet ihrer Zeitung und Kinder dürfen Politiker interviewen oder so.

In den letzten Jahren, in denen es genau genommen gar keine Sommerlöcher mehr gab, weil eben immer irgendwas ist, über das man berichten kann, hat sich ein mäßig unterhaltsames Subgenre des Metajournalismus etablieren können, das sich dem Sommerloch widmet. Es schlägt sich nieder in Glossen, die davon handeln, dass ja gerade das sogenannte Sommerloch vorherrsche, in dem nichts passiere und in dem alle Journalisten des Landes hofften, dass irgendwo ein exotisches Tier ausbreche, zu Fuß durch die Gegend jage und Politiker interviewe. So weit, so tragisch …

Bei „ARD Aktuell“ hat man sich in diesem Sommer deshalb mal was ganz anderes einfallen lassen, um das Sommerloch zu füllen: Für das „Nachtmagazin“ schickte man diese Woche die Reporterin Ingrid Bertram nach — und jetzt kommt’s: Sommerloch, eine kleine Gemeinde im Landkreis Bad Kreuznach.

Die „FAZ“ berichtete vor zwölf Jahren darüber, die „taz“ gleich zweimal (1995 und 2001), die „Süddeutsche Zeitung“ war auch schon da und im Jahr 2003 hieß es dann beim SWR:

In dieser „Tote-Hose-Zeit“ für Presse, Rundfunk und Fernsehen fallen Reporter und sogar Politiker seit einigen Jahren in der Gemeinde ein und schnüffeln in jedem Dorfwinkel auf der Suche nach der ganz besonderen Meldung. 1995 standen gleich fünf Fernsehteams auf der Matte.

Blicken wir der Wahrheit also ins Auge: Diese Idee war nicht besonders originell. Um nicht zu sagen: Sie ist toter als Problembär Bruno. Ihre Umsetzung ist dann wenigstens konsequent schwach, denn was die ARD da jetzt Abend für Abend sendet, ist noch schlimmer als die durchschnittliche „Satire“ der Politmagazine: Während die erste Episode noch mit der üblichen Meta-Ebene (in Form von Stoffbären, Gummikrokodilen und — Hoho! — „Zeitungsenten“) jonglierte, wird ab der zweiten Folge krampfhaft versucht, aktuelle Themen witzig und vermutlich auch noch „frech“ aufzugreifen und auf diese arme, arme Gemeinde in Rheinland-Pfalz runterzubrechen. Ob es nun um Doping oder Lokführerstreiks geht: Alles wird auf auf eine erschreckend biedere und weitgehend unkomische Art (gehässige Menschen würden sagen: „öffentlich-rechtlich“) thematisiert.

RTL würde so etwas bei „Punkt 12″ versenden, der WDR hätte dafür wenigstens Christian Dassel, der aus wirklich jeder Geschichte eine sympathische kleine Reportage zaubern kann, und ein aufgeweckter Chefredakteur hätte bei der Redaktionskonferenz, auf der die Idee zu dieser lockeren Serie aufkam, kurz angemerkt, dass wir inzwischen das 21. Jahrhundert schreiben und man solcherlei Späße doch bitte den Schülerreporten der Regionalzeitungen überlassen möge. Oder wenigstens dem „Morgenmagazin“.

Die gute Nachricht zum Schluss: Jeder Sommer ist irgendwann vorbei. Dann ziehen die Reporter weiter nach Himmelpforten.

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