Kurz verlinkt (14)

23 Jan 08
23. Januar 2008

Was Jens Jessen, dem Kulturchef der „Zeit“, derzeit im Internet entgegenbrandet, ist widerlich und totalitär. Die Welle von Schlamm, die sich über ihn ergießt, ist in ihrer Monströsität kaum zu beschreiben. Sie überschwemmt alles, was man an öffentlicher Wortkultur für gesichert hielt.

Christian Geyer in der „FAZ“.

Detailfragen

23 Jan 08
23. Januar 2008

Falls Sie sich wundern, warum verschiedene Qualitätsmedien berichten, der gestern tot aufgefundene Schauspieler Heath Ledger hätte demnächst bei den Dreharbeiten für den nächsten „Batman“-Film „The Dark Knight“ als Joker vor der Kamera stehen sollen, obwohl diese Dreharbeiten bereits abgeschlossen sind: Der Fehler stammt von der Nachrichtenagentur AP.

AP berichtete das um 23:09 Uhr und dann noch einmal um 23:12 Uhr. Erst in einer weiteren AP-Meldung um 23:52 Uhr stand es richtig („Bei den Dreharbeiten für den nächsten ‚Batman‘-Film stand er als Bösewicht Joker vor der Kamera.“), aber natürlich ohne jeden Hinweis, dass diese Formulierung eine Korrektur darstellt.

Natürlich ist es kein Wunder, dass in den Online-Redaktionen um diese Zeit keine Filmexperten mehr im Dienst sind. Nur die Variante, die exklusiv bei Bild.de steht, die hätte man ganz ohne Fachwissen ausschließen können:

Bei den Dreharbeiten für den nächsten „Batman“-Film wird er als Bösewicht vor der Kamera stehen.

Nachtrag, 10:00 Uhr: tagesschau.de, Focus Online und Spiegel Online haben den Fehler inzwischen korrigiert, Bild.de jeden Hinweis auf „Batman“ sicherheitshalber ersatzlos gestrichen.

Sport1 interschuht Philipp Lahm

22 Jan 08
22. Januar 2008

Und dann war da noch „Deutschlands größtes Sportportal“ Sport1.de, das ein Exklusiv-Interview mit Philip Lahm geführt hat, in dem er u.a. über seine Erwartungen an Jürgen Klinsmann und die Ziele für die Rückrunde plaudert. Das Gespräch nimmt kurz vor Schluss eine überraschende Wendung:

Der Link führt, natürlich, hierhin. Autor Michael Gerhäußer ist übrigens aus unerklärlichen Gründen Mitglied im Verein Münchner Sportjournalisten.

[Mit Dank an Robin Heintze!]

Nachtrag, 22.00 Uhr. Nicht dass jemand denkt, das wäre Schleichwerbung. Wir befinden uns mit diesem Sport1-Artikel „an der Nahtstelle zwischen gutem Sport-Journalismus und intelligentem Marketing“.

[via dogfood in den Kommentaren]

Nachtrag, 27. Januar. Das Interview ist spurlos verschwunden.

Das Schlimme

22 Jan 08
22. Januar 2008

Man kann es natürlich auch so machen wie die Zeitschrift „Das Neue“ aus dem Heinrich-Bauer-Verlag und als Reaktion auf die ethisch und juristisch gut begründete Aufforderung, nicht öffentlich über den Gesundheitszustand der Komikerin Gaby Köster zu spekulieren, die angebliche Diagnose fett und mit Ausrufezeichen auf die Titelseite schreiben und für alle, die es möglicherweise übersehen haben, drei Tage nach Erscheinen des Heftes eine Pressemitteilung herausgeben, in der keine, aber auch wirklich keine Frage offen bleibt.

Schneewitschen und die welt.de-Zwerge

20 Jan 08
20. Januar 2008

Immer mittags verschickt RTL in diesen Tagen eine Pressemitteilung, in der (mit einer Sperrfrist bis nach der Sendung) steht, was am vergangenen Tag im Dschungelcamp passiert ist und am späten Abend im Fernsehen gezeigt werden wird. Das ist ein Angebot, das von einem Qualitätsmedium wie welt.de für die eigene, äh, Nachberichterstattung natürlich dankbar angenommen wird.
 

RTL-Pressemitteilung Welt.de-Artikel
Das gab es bei der Dschungelshow noch nie. Heute lehnt erstmals ein prominenter Camper eine Herausforderung ab und schreit: „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ Das gab es bei der Dschungelshow noch nie. Nach über 40 Prüfungen lehnte in der neunten Folge erstmals ein prominenter Camper eine Herausforderung ab und schrie: „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“
Nervös kommt Julia zur Prüfung. (…) Julia: „Das hört sich eklig an, aber ich habe mir diesmal vorgenommen nicht schlapp zu machen.“ (…) Dr. Bob: „Halte den Mund zu, denn sonst kriechen die Kakerlaken rein. Und wenn sie es schaffen, dann musst Du gut kauen. Sie laufen überall hin, wo es dunkel ist. (…)“ Julia Biedermann kam schon nervös zur Prüfung. Zunächst gab sie sich kämpferisch: „Ich habe mir diesmal vorgenommen, nicht schlapp zu machen.“ Der Camp-Arzt Dr. Bob riet ihr noch: „Halte den Mund zu, denn sonst kriechen die Kakerlaken rein. Wenn sie es schaffen, dann musst Du gut kauen. Sie laufen überall hin, wo es dunkel ist.“
Sie bekommt eine Schutzbrille und legt sich in den Schneewitschensarg. Darüber krabbeln hinter einer Glasscheibe 40.000 Kakerlaken. Julia blickt hinauf in die kriechenden Küchenschaben und ist völlig fertig. (…) Julia: „Nein, ich will die Prüfung nicht machen und höre auf. Ich will die Kakerlaken nicht haben.“ Sie bekam eine Schutzbrille und legte sich in den Schneewitschensarg. Darüber krabbelten hinter einer Glasscheibe 40.000 Kakerlaken. Julia blickte hinauf in die kriechenden Küchenschaben – und war völlig fertig. Schließlich gab sie zu: „Nein, ich will die Prüfung nicht machen und höre auf. Ich will die Kakerlaken nicht haben.“
Als Julia enttäuscht und ohne Sterne ins Camp zurückkehrt, akzeptieren die Anderen noch ihre Bauchentscheidung, nicht zur Prüfung anzutreten. Doch die Stimmung kann sich auch ganz schnell ändern. Als Julia enttäuscht und ohne Sterne, die sie hätte abschrauben sollen, ins Camp zurückkehrte, akzeptierten die anderen noch ihre Bauchentscheidung, nicht zur Prüfung anzutreten. Doch die Stimmung kann sich auch ganz schnell ändern.
Es fängt am Vormittag an. Lisa kommt mit starken Magenschmerzen von der Toilette. Heulend bricht sie in Michaelas Armen zusammen. Dr. Bob und der deutsche Camparzt untersuchen Lisa. Der erste Verdacht: Blinddarmentzündung. Dann kommt Lisa von der Voruntersuchung des Arztes zurück ins Camp. Sie weint herzzerreißend (…). Es fing am Vormittag an. Lisa kam mit starken Magenschmerzen von der Toilette. Heulend brach sie in Michaelas Armen zusammen. Dr. Bob und der deutsche Camparzt untersuchten Lisa. Ihr erster Verdacht: Blinddarmentzündung. Als Lisa von der Voruntersuchung des Arztes zurück ins Camp kam, weinte sie herzzerreißend (…).
Da die Gesundheit der Stars oberste Priorität hat, wird Lisa sofort ins nächste Krankenhaus eingewiesen. (…) Von dort geht es in eine Privatklinik. Die Ärzte entscheiden, dass Lisa nicht mehr zurück ins Camp darf. Im Krankenhaus wird eine Gastritis, eine Entzündung der Magenschleimhäute, diagnostiziert. Lisa später: „Ich war deswegen schon zwei Mal in Deutschland beim Arzt. Mein Freund und meine Mutter wussten nichts davon. Ich wollte sie nicht beunruhigen. Der Arzt hat auch gesagt, dass es mit dem wenigen Essen hier nicht so toll ist.“ Lisa wurde sofort ins nächste Krankenhaus eingewiesen. Von dort ging es in eine Privatklinik. Die Ärzte entschieden, dass Lisa nicht mehr zurück ins Camp darf. Im Krankenhaus wurde schließlich eine Gastritis – eine Entzündung der Magenschleimhäute – diagnostiziert. Lisa erzählte später: „Ich war deswegen schon zwei Mal in Deutschland beim Arzt. Mein Freund und meine Mutter wussten nichts davon. Ich wollte sie nicht beunruhigen. Der Arzt hat auch gesagt, dass es mit dem wenigen Essen hier nicht so toll ist.“
Durch das vorzeitige Ausscheiden von Lisa wird in der heutigen Show niemand mehr das Camp verlassen. Wegen des vorzeitigen Ausscheidens von Lisa wird in der zehnten Folge der Show niemand mehr das Camp verlassen.
Eigentlich war es Lisas Idee im Camp eine DSDS-Show zu veranstalten, doch die verbliebenen neun Dschungelstars halten an der Idee fest. „Für Lisa“, erklärt der selbsternannte Moderator Björn zu Beginn der Camp-Recall-Show. Dann stellt er die Jury, bestehend aus Bata, DJ Tomekk und Ross vor und begrüßt die sieben Sangeskandidaten, er selbst eingeschlossen, die die Jury von ihrem Talent überzeugen wollen. Eigentlich war es Lisas Idee, im Camp eine DSDS-Show zu veranstalten. Die verbliebenen neun Dschungelstars hielten an der Idee fest. „Für Lisa“, erklärt der selbsternannte Moderator Björn zu Beginn der Camp-Recall-Show. Dann stellt er die Jury, bestehend aus Bata, DJ Tomekk und Ross, vor und begrüßte die sieben Sangeskandidaten, ihn selbst eingeschlossen. Alle mussten die Jury von ihrem Talent überzeugen.
Trotz des aufregenden Tages mussten wieder zwei VIP-Camper zur Schatzsuche antreten. Es traf diesmal Ross und Bata. Nach einem kurzen Marsch fanden sie eine Schatztruhe, die verschlossen und an einen Baum gekettet war. Der passende Schlüssel dazu musste von den beiden in unmittelbarer Umgebung gefunden werden. Eine fröhliche Suche mit anschließendem Buddeln in der Erde begann. Dann zog Bata endlich den Schlüssel aus dem Loch. Die Kiste konnte geöffnet werden. Darin war eine Plexiglas-Kiste, darin gut sichtbar neun rohe Eier. Trotz des aufregenden Tages mussten wieder zwei VIP-Camper zur Schatzsuche antreten. Es traf diesmal Ross und Bata. Nach einem kurzen Marsch fanden sie eine Schatztruhe, die verschlossen und an einen Baum gekettet war. Der passende Schlüssel dazu musste von den beiden in unmittelbarer Umgebung gefunden werden. Eine fröhliche Suche mit anschließendem Buddeln in der Erde begann. Dann zog Bata endlich den Schlüssel aus dem Loch. Die Kiste konnte geöffnet werden. Darin war eine Plexiglas-Kiste, darin gut sichtbar neun rohe Eier.
Die Eier sollten die beiden Schatzsucher möglichst unbeschadet ins Camp bringen. Doch schon nach wenigen Metern fiel Ross die Kiste aus der Hand. Fünf Eier gingen zu Bruch. Ross war untröstlich, doch die anderen im Camp fanden das nicht so tragisch. Michaela: „Dann gibt es eben Rührei!“ Besser als Reis und Bohnen, denn mehr hätte es sonst nicht gegeben – schließlich hatte Julia ihre Dschungelprüfung nicht angetreten. Die Eier sollten die beiden Schatzsucher möglichst unbeschadet ins Camp bringen. Doch schon nach wenigen Metern fiel Ross die Kiste aus der Hand. Fünf Eier gingen zu Bruch. Ross war untröstlich, doch die anderen im Camp fanden das nicht so tragisch. Michaela: „Dann gibt es eben Rührei!“ Besser als Reis und Bohnen, denn mehr hätte es sonst nicht gegeben – schließlich hatte Julia ihre Dschungelprüfung nicht angetreten.

Nicht dass hier der Eindruck entsteht, welt.de würde einfach nur Pressemitteilungen von RTL mitsamt Original-Tippfehlern als journalistische Artikel ausgeben: Die Information, dass es schon über 40 Dschungelprüfungen gab, stammt nicht von RTL (und ist falsch). Und auch die Angabe, dass in der zehnten Folge niemand das Camp verlassen muss, hat welt.de exklusiv (und ist falsch).

Nachtrag, 12:10 Uhr. welt.de hat den Artikel jetzt umgeschrieben und erheblich gekürzt.