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Was vom Oslog übrig blieb

Es ist ein verstörender Blick hinter die Kulissen. Erstmals wird die ganze grausame Wahrheit hinter der glatten Fassade einer „lustigen” Videoproduktion sichtbar: all die Witzleichen und abgebrochenen Pointenversuche, der Wahn, der Rausch, die Gier, notdürftig kaschierte menschliche Abgründe, die sich zwischen den Protagonisten auftun, endlose Wiederholungen und immer wieder: Schweigen.

In der ersten Folge der neuen Reality-Reihe „Oslog: The Outtakes” sehen Sie:

  • wie Lukas mir was hustet
  • warum wir die Siegfried & Roy des deutschen Internet-Fernsehens sind
  • wie man eine Fähre verschwinden lässt
  • warum Lena Meyer-Landrut in Oslo nicht ausschlafen musste und Sie das im Zweifel auch schaffen
  • wieviel Lukas mit den Beinen baumelt
  • wie eine zwielichtige Gestalt am Bahnhof uns unsere Kamera (fast) und unsere Konzentration (ganz) raubt
  • warum Lukas und ich bald verwandt sein werden
  • was sich alles Schlechtes über Dinslaken sagen lässt
  • was Stefan Raab von RTL-Zuschauern hält
  • und vieles mehr

Andererseits besteht das Filmchen überwiegend daraus, dass wir sinnlos vor uns hin kichern, was bekanntlich für andere nie so lustig ist, wie man selber glaubt.

Bedenken Sie also, dass es jeweils gute Gründe gab, all das, was da zu sehen ist, nicht in einer der regulären Oslog-Folgen zu zeigen. Und beschweren Sie sich hinterher nicht, dass Sie die knapp zehn Minuten Ihrer Lebenszeit zurückhaben wollen. Ich habe Sie gewarnt!

— 20. Juni 2010, 23:41 — 27 Kommentare

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Ist Merkel noch zu retten?

Gerade zufällig auf der „Spiegel Online”-Startseite den Link ins Archiv zu einer alten „Spiegel”-Ausgabe entdeckt:

Helmut Kohls Kanzlerschaft steht zur Disposition.

(…) Beklagt werden Kohls mangelnde Entscheidungskraft und Verläßlichkeit, das Fehlen einer Konzeption, Mißmanagement in der Regierungszentrale. Die Diskussion spitzt sich, nach dem CDU-Wahldebakel an Rhein und Ruhr, bei Christ- und Freidemokraten auf die Frage zu: Ist mit Kohl 1987 die Bundestagswahl noch zu gewinnen? Ist die Koalition aus CDU und den sich bekriegenden kleinen Partnern CSU und FDP überhaupt noch regierungsfähig? (…)

Das Deutsche Fernsehen verbreitete letzten Freitag neueste Zahlen des Infas-Instituts, wonach nur noch 38 Prozent Kohl als Kanzler sehen wollen – ein Prozent weniger als den letzten SPD-Bewerber Hans-Jochen Vogel. Und die CDU/CSU würden heute nur noch 43 Prozent wählen – 5,8 Prozent weniger als am letzten Wahltag und ebensoviel wie jetzt die SPD (1983: 38,2 Prozent). (…)

Weizsäcker könnte Kanzler werden. Der Schwenk der „Bild”-Zeitung von der Kohl-Wahlhilfe zur Anti-Kohl-Kampagne.

(…) Entsetzt sichteten Kohl-Helfer harte Kritik von der „FAZ” bis hin zu Springer-Blättern wie der „Welt” und dem „Hamburger Abendblatt”, das am Mittwoch mit der Schlagzeile erschien: „Kohl hat die Erwartungen nicht erfüllt”. Der „Abendblatt”-Kommentar begann mit dem vernichtenden Satz: „Des Kanzlers betuliche, oft selbstgefällige Art kommt nicht mehr an.”

Als geradezu katastrophal werten Parteistrategen die radikale Wende, die Axel Springers „Bild” vollzog. Das Boulevard-Blatt, mit zwölf Millionen täglichen Lesern bislang wichtigste publizistische Stütze Kohls, verfolgt den Oggersheimer neuerdings ähnlich gnadenlos wie einst den SPD-Kanzler Brandt. (…)

Dem Wahlschock in der Westregion folgte Dienstag letzter Woche die „schreckliche Umfrage” („Bild”): Fast 60 Prozent der Bevölkerung seien, so Emnid, mit Kohls Leistung unzufrieden. „Bild”-Schlagzeile: „Kohl – der Riese wankt”.

Zugleich machte sich „Bild”-Kolumnist Mainhardt Graf Nayhauß über Kohls Entschlußlosigkeit lustig. Kohl habe zwar begriffen, „daß er etwas gegen seinen rapiden Ansehens-Verlust tun” müsse, sei aber nicht in der Lage, „etwa ruckzuck” zu handeln: „Er sitzt die bisher schwerste Krise seiner Kanzlerschaft wieder aus.”

Das Heft ist von 1985. Helmut Kohl regierte danach noch 13 Jahre.

— 17. Juni 2010, 19:56 — 69 Kommentare

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Eine Umverpackungsindustrie

Am vergangenen Samstag veröffentlichte die „Berliner Morgenpost” einen Text von Julien Wolff über Fabio Capello, den italienischen Trainer der englischen Nationalmannschaft. Derselbe Artikel erschien am selben Tag leicht gekürzt in der Schwesterzeitung „Welt”.

Auf den Online-Seiten der „Berliner Morgenpost” kann man denselben Artikel zweimal lesen, einmal kostenpflichtig unter der Überschrift „Für mehr italienische Momente im Leben”, einmal kostenlos und mit Foto unter der Überschrift „Capello verpasst seinem Star Rooney einen Maulkorb”.

Auch auf den Online-Seiten der „Welt” ist derselbe Artikel ebenfalls zweimal veröffentlicht, einmal für das Internet aufbereitet mit Foto, einer 33-teiligen und einer 32-teiligen Bildergalerie sowie einer siebenteiliger Textklickstrecke („Capello verpasst seinem Star Rooney einen Maulkorb”), und einmal als Text pur („Für mehr italienische Momente im Leben”).

Auf den Online-Seiten des „Hamburger Abendblattes” hat die Axel Springer AG den Artikel ein weiteres Mal veröffentlicht, hier unter Überschrift „Ein Trainer als Hoffnungsträger”.

Und vermutlich weil es schade wäre, wenn ein solcher Artikel nur fünfmal fast wortgleich im Netz stünde, hat den Text auch der Online-Ableger des „Stern” auf seinen Seiten veröffentlicht, hier unter der Überschrift „Capello verpasst Rooney Maulkorb”. Der „Stern” erscheint nicht im Springer-Verlag, sondern bei Gruner+Jahr. Die vermeintlichen Konkurrenten „Welt Online” und stern.de haben aber vereinbart, zur Feier der Fußball-Weltmeisterschaft Artikel „auszutauschen”.

Vielleicht steckt dahinter eine große Qualitätsoffensive, mit der die Verlage all denen, die im Internet nur Inhalte kopieren, mal zeigen, was Vielfalt bedeutet.

— 16. Juni 2010, 0:37 — 45 Kommentare

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Zwischenfrage für Schriftnerds

Vermutlich hat es jeder niemand bemerkt, aber seit ein paar Tagen sehen die Überschriften hier im Blog anders aus. Die Schrift ist eine andere, nicht mehr die „Tagesschrift” von Yanone, sondern die „IM FELL DW Pica”.

Vor allem aber hat sich die Methode hinter der Darstellung geändert. Bislang generierte ein WordPress-Plug-in aus dem Text eine Grafik — das war die eher mittelelegante Notlösung, um nicht nur Standardschriften benutzen zu können, die auf fast allen Computern installiert sind. Inzwischen ist das nicht mehr nötig: Die meisten modernen Browser beherrschen die Möglichkeit, eingebettete Schriftarten anzuzeigen. Dadurch ist der Text tatsächlich Text und keine Grafik (und lässt sich zum Beispiel kopieren), und es gibt eigentlich keine Ausrede mehr für die große typographische Monotonie im Netz.

Ich habe allerdings ein Problem: Die Schriften sehen auf dem Mac anders aus als auf dem PC. Das hier ist die Darstellung auf meinem MacBook:

Auf meinem PC im Büro (Windows 7) aber sehen dieselben Buchstaben unabhängig vom verwendeten Browser furchtbar abgemagert aus:

Im Oslog, wo die Überschriftentype „Clarendon Text Pro Bold” auf dieselbe Art dargestellt wird, fand ich die PC-Ansicht mit ihrer fehlenden Glättung so unansehnlich, dass ich versucht habe, mit einem Schatten für Linderung zu sorgen. Aber das kann doch auf Dauer auch keine Lösung sein.

Weiß ein typophiler Leser vielleicht Abhilfe?

— 15. Juni 2010, 18:18 — 92 Kommentare

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Farbe!

[für SvenR]

Um zwischendurch das Karma-Konto dieses Blogs wieder ein bisschen aufzuladen, ein herzerwärmendes Video (auch wenn es nur Werbung ist):

Der Regisseur des Filmes ist Adam Berg, die Musik „Go Do” von Jónsi, und angeblich ist all das, was da zu sehen ist, echt: Mit dem „Let’s Colour Project” hat Dulux Menschen in Rio de Janeiro, Paris, London und Jodhpur ihre Straßen und Häuser farbig anstreichen lassen.

Was für eine einfache, schöne Werbeidee.

— 15. Juni 2010, 16:43 — 32 Kommentare

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