Liebe Leserschaft, ich höre ein Rumpeln im Hausflur, der Hausherr ist zurück. Zeit für mich, meine Urlaubsvertretung zu beenden und meine Strandmuschel im Vorgarten wieder abzubauen. Die letzten Wochen haben mir hier wirklich großen Spaß bereitet und ich verabschiede mich nun mit passender Musik (mit meiner künftigen Ehefrau am Gesang) und bedanke mich rechthermzlich für ihre Aufmerksamkeit.
Neben dem heimlichen Versuch, zu sehen wie lange es wohl dauert bis der Blog eines renommierten Medienjournalisten aufgrund von Kommafehlern und Grammatikschwächen implodiert, wurde ich hier ja eigentlich zur Bearbeitung des Karma-Kontos dieses Blogs engagiert. Bitteschön:
[Aufgrund rechtlicher Bedenken wurde das ursprüngliche Video durch ein anderes, besseres ersetzt. Marshmallows werden bekanntermaßen ja auch aus Wolken hergestellt, von daher passt der Titel auch weiterhin.]
Dann können wir ja mal loslegen mit der Urlaubsvertretung. Wenn man genauer darüber nachdenkt fühlt es sich ja eigentlich eher wie ein Ferienjob an. In etwa so, als würde man einem Bekannten wohlwollend versichern, dass man sich um dessen Hund kümmert, während er im Urlaub ist.
Wenn es dann so weit ist und man einen Korb mit den »nötigsten Sachen« bekommt und der Hund in der eigenen beschaulichen 1-Raum-Wohnung steht, fällt einem erstmal auf wie riesig der doch eigentlich ist. Außerdem macht er nicht annähernd das was er soll, macht mit Vorliebe, aus Versehen natürlich, alles kaputt und hat ein ununterbrochenes Hungergefühl. Letztlich wird man also feststellen, dass man im Prinzip aus dem gleichen Holz geschnitzt ist, braucht zuvor aber ein wenig Eingewöhnung.
So geht es mir auch gerade. Ist ja auch gar nicht mal so einfach sich hier etwas einfallen zu lassen, wenn man zwischen den eingefleischten Kritikern auch noch gute Stimmung verbreiten soll. Emotional erschwert wird die Ideenfindung noch durch ein Musikstück, welches jedes Mal gespielt wird, wenn man sich im Backend dieses A-Blogs einloggt um beispielsweise die leere Eingabemaske anzustarren:
Aber ich bin da sehr zuversichtlich. Und während ich mir noch ein wenig Gedanken über eine adäquate Urlaubsvertretung mache, gibt es zur Einstimmung keinen Hund, sondern eine Katze: Party Cat! (Aus dem Hause Nedroid Comics.)
Ein chronisches Problem mit diesem Blog ist ja die schlechte Stimmung, die es verbreitet. Dauernd machen alle alles falsch, Menschen mit gefärbten Haaren bekommen Aufmerksamkeit zugefächert, und in den Kommentaren versuchen die Leute immer wieder, sich Konsonanten zu kaufen!
Aber das ändert sich jetzt, denn in den kommenden zweieinhalb Wochen wird dieser freundliche junge Mann hier unten (also, der rechts) für Stimmung sorgen und versuchen, das hoffnungslos überzogene Karma-Konto dieses Blogs ein bisschen auszugleichen:
Er heißt Markus Herrmann, man nennt ihn Herm, er kommt aus dem Wald, ist vor wenigen Wochen erst von Bielefeld nach Berlin gezogen und verbringt seine Tage gerade damit, seine Bachelorarbeit zum Mediengestalter nicht zu schreiben. Ich muss zugeben, dass ich wenig über ihn weiß, aber irgendwann dem Charme seines Blogs »Herm’s Farm« erlegen bin, in dem er auf außerordentlich schluffieske Weise über sein Leben schreibt und sich keine unnötigen Gedanken über Zeichensetzung und überschüssige Apostrophe macht und in dem für mich völlig unerklärlich Sätze wie »Das wird so toll alles« ohne eine wattige Ironiehülle herumstehen.
Das könnte ein ziemlicher Kulturschock werden, wenn er hier übernimmt, und als kleine Demonstration, wie fremd und unangemessen positiv sein Zugang zu mir vertrauten Themen ist, zitiere ich hier mal aus einem aktuellen Eintrag:
Ich weiß nicht so recht wie ich damit umgehen soll. Jeden Morgen, den ich neuerdings mit fürchterlich guten fürchterlichen Reality-Soaps und Süßigkeiten ausgiebig im Bett verbringe, muss ich dran denken, dass sich in der Wohnung drunter ein Zahnarzt befindet. Quasi parallel zu mir liegt da also gerade jemand auf diesem Stuhl, während ich hier mein Schlafshirt mit Hilfe von Knusperflocken in eine Landkarte der Mecklenburgischen Seenplatte verwandele. Furchterregend. Manchmal hört man auch Bohrgeräusche wenn man durch den gewohnten Zahnarztpraxengeruch im Treppenhaus läuft.
Steht man aber erstmal bei Sonnenschein im Hof, ist aber alles wieder gut, denn dann fühlt man sich so, als wäre man in einer lauen ZDF Donnerstag Abend Verfilmung gelandet. Warum das so ist weiß ich auch nicht, fühlt sich halt so an.
Ich mag ja auch Klischees und wenn sie sich bewahrheiten. So gibt es neben den lustig anzusehenden Hipstern in Prenzlberg natürlich auch Unmengen an Kindern und dazu gehörigen Muttis. Ganz ehrlich, ich weiß nicht wie lange ich das noch aushalten werde bevor ich nicht auch sowas haben möchte, also Mutti und Kind. Hier gibt es im näheren Umkreis gleich 5 große Spielplätze und wenn man zu den richtigen Zeiten nach draußen geht gibt es nur kleinwüchsiges Gewusel. Wunderbar! Als beim letzten Einkauf der Supermarkt von besagtem Gewusel durchzogen wurde, habe ich erstmals überlegt, wie lange so ein kleines Kerlchen wohl unbeaufsichtigt sein muss, bevor man dazu berechtigt ist ihn mitzunehmen. Ich sehe schon wie ich hier eine gefürchtete Kinderarmee errichte. Wir werden in ganz Berlin gefürchtet und Schutzgeld wird in Knisterkaugummi bezahlt.
Ich weiß nicht, wie das »Wunderbar!« in diese Beschreibung rutschen konnte, und in meinen üblichen Fantasien in solchen Situationen kommen zwar auch Armeen vor, aber anders.
Eine gute Einstimmung ins Lebenswerk dieses Herm ist auch sein Live-on-tape-blogging eines Musikantenstadls, mit sauber beobachteten Beschreibungen der Sexfixiertheit dieser Szene und kleinen, wie sagt man, Schmankerln wie diesen:
“Die Ursprung Buam” stehen auf der Bühne, die waren sogar mal in meinem wunderbaren Heimatdorf zu Gast. Großartiger, wenn auch leicht bedrängender Text: »Latte Macchiato, du und i ja des passt scho. Trink ma aus du und i [Textteil den ich nicht verstehe, der aber mit großer Wahrscheinlichkeit von körperlicher Interaktion handelt]«
Ah, Urgesteine der volkstümlichen Schlagerszene: Die Paldauer! Der neue Hit trägt den Titel “Du Du Du”. Womöglich eine Coverversion von The Police. Wo ich es jetzt gerade wieder sehe, ein weiterer Punkt den ich bei derartigen Sendungen immer erstaunlich finde ist, dass gut 2 Drittel der Instrumente auf der Bühne im Lied gar nicht vorkommen.
Herr Borg sagt, dass Publikum soll das mit den Fahnen noch mal machen, ich denke an Früher.
(Bitte beachten Sie auch die Bildbeschreibungen, insbesondere zu Florian Fesl sowie dem kleinen Mädchen, das von seiner Mutter zum Klatschen gezwungen wird.)
Ich habe mir von ihm unter anderem schöne Beschreibungen der frisch gestrichenen »Scripted Reality«- und Kindertausch-Hölle gewünscht, in die RTL sein Nachmittagsprogramm verwandelt hat, und sonst steht die nächsten zweieinhalb Wochen so nachrichtentechnisch ja auch nichts größeres an.
Seien Sie nett zu Herm, und ich schau in der Zwischenzeit mal, was die in den USA so an Schafcontent zu bieten haben.
Was sich insofern ganz gut trifft, als ich ab morgen für zwei Wochen Urlaub mache.
In der Zwischenzeit übernimmt an dieser Stelle ein Mann, der von der Stadtillustrierten »tip« im vergangenen Jahr zu einem der »100 peinlichsten Berliner« gewählt wurde, was schon deshalb peinlich ist, weil Sascha Lobo nicht einmal in der Liste vorkommt. Er ist der »Hitlerblogger« der »taz«, und ich habe ihn kennengelernt, als er einen ebenso klugen wie lustigen Vortrag namens »Das (kleine) Hitler-Diplom« hielt.
Und wenn diese Sätze nicht geeignet sind, völlig unrealistische Erwartungen an Daniel Erk und das, was er hier in meiner Abwesenheit veranstalten wird, zu wecken, weiß ich es auch nicht.