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Birand Bingül

— 5. November 2006

Und dann sagte »Tagesthemen«-Moderator Tom Buhrow, als sei es die normalste Sache der Welt: »Zu den Drohungen gegen die Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz jetzt der Kommentar von Birand Bingül vom Westdeutschen Rundfunk.« Hö? Hatten die richtigen Kommentatoren alle frei? Dürfen denn Menschen mit Migrationshintergrund bei uns im Fernsehen Kommentare abgeben, und sei es auch nur zum Thema Menschen mit Migrationshintergund? Also, im richtigen Fernsehen, nicht in irgendwelchen Multikulti-Sendungen im Dritten?

Birand Bingül darf das seit Mai. Und hat es am Dienstag zum zweiten Mal getan. Natürlich merkt man, daß ihm noch Erfahrung und Übung fehlen. Sein Kommentar war zwar schon ein bißchen verquast, aber nicht halb so gaga und überbildert wie der eines Profi-Kommentierers wie Stephan Bergmann vom Bayerischen Rundfunk, der an keinem Faß vorbei gehen kann, ohne ihm die Krone ins Gesicht zu schlagen.

Daß Bingül auf der offiziellen Kommentatorenliste der »Tagesthemen« steht, verdankt er einer »Integrationsoffensive« des WDR, für den er frei arbeitet und sonst zum Beispiel das Magazin »Cosmo TV« moderiert*. Natürlich wirkt er, wie er da mit seinem kleinen »ü« in den »Tagesthemen« plötzlich zum Thema Islam und Integration spricht, ein bißchen wie ein Quoten– oder Alibi-Deutschtürke. Verstärkt wird der Eindruck noch dadurch, daß es zwar auch zwei »Tagesschau«-Sprecher aus Einwandererfamilien gibt, Tarek Youtzbachi und Michail Paweletz, man beide eigentlich aber nur kennt, wenn man sehr, sehr spät am Abend oder in der Nacht Nachrichten sieht. Übernehmen Migrantenkinder dort die Schichten, die kein anderer machen will?

Egal. Jedesmal, wenn ich Paweletz mit seiner dunklen Hautfarbe in der vertrauten »Tagesschau«-Kulisse sehe und kurz erschrecke, weil das ein so ungewöhnlicher Anblick ist, wird mir erst bewußt, wie monochrom mitteleuropäisch weiß diese Plätze in unseren Informationsprogrammen sonst besetzt sind. Und wie weit ausgerechnet diese Sendungen damit von unserer Lebensrealität entfernt sind. Bei den Deutsch-Türken, glaubt Birand Bingül, könnte das allerdings das auch daran liegen, daß deren Eltern meist einfache Leute waren, die ihren Kindern beibrachten, was respektable Berufe sind: Arzt oder Ingenieur. Aber nicht Journalist.

*) Ich muss mich korrigieren, und das gleich doppelt: Bingül ist beim WDR nicht freier Mitarbeiter, sondern festangestellt. Und bei »Cosmo TV« nicht Moderator, sondern Redakteur.

© Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

3 Kommentare

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Kommentare:

  1. ist das der durchbruch? dürfen angehörige unserer ethnischen minderheiten nun endlich mehr moderieren als wissenssendungen und viva-charts?

    vielleicht wird gülcan ja nachfolgerin von anne will in … 30 Jahren?

    — h. aus f. — 6. November 2006, 12:00  #
  2. demnächst dürfen dann frauen auch noch sportsendungen außerhalb von eistanzen und synchronschwimmen moderieren? ich glaub es hackt!

    am rande erwähnt: der erste nicht-weiße der in frankreich nachrichten moderiert hat, war 1998 rachid arhab, der im zweiten programm zwei jahre lang die mittagsnachrichten präsentieren durfte. es hat nun acht jahre gedauert, bis der erste nicht-weiße es als moderator bis in die hauptnachrichten geschafft hat. seit diesem sommer harry roselmack als urlaubsvertretung für die 20h-nachrichten von TF1.

    acht jahre. das nur so als maßstab…

    — dogfood — 6. November 2006, 14:11  #
  3. […] zu schauen. Der Aufmacher im “Leben” ist ein bewegender Aufruf des WDR-Journalisten Birand Bingül (32) an die Deutschtürken, das Jammern aufzugeben, aus der Schmoll-Ecke zu kommen und ihren […]

    Die Zeit - joerglau » Deutschtürken, kämpft selbst für eure Integration! — 14. November 2007, 21:17  #

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