Es war ange­sichts der rie­si­gen Kon­kur­renz nicht leicht, sich am gest­ri­gen Tag für den Titel des dümms­ten vor­ei­li­gen Kom­men­tars zu den Anschlä­gen von Oslo zu qua­li­fi­zie­ren. Aber ich glaube, Man­fred Scher­mer von der Poli­tik­re­dak­tion der »Ful­daer Zei­tung« liegt den­noch mit die­sem Kom­men­tar unein­hol­bar in Führung:

Und selbst wenn es so gewe­sen wäre, dass Isla­mis­ten für die­ses Mas­sa­ker ver­ant­wort­lich gewe­sen wären, müsste man ihn ver­ach­ten für seine erbärm­li­che Schein­ar­gu­men­ta­tion, die ihn in direk­ter Linie vom »Dia­log mit mus­li­mi­schen Zuwan­de­ren« zum »fei­gen Ter­ror­pack« bringt.

Bis­lang waren die Nor­we­ger stolz auf ihre offene Gesell­schaft. Die Mitte-Links-Regierung mit Regie­rungs­chef Jens Stol­ten­berg an der Spitze hat im Gegen­satz zur Regie­rung im benach­bar­ten Däne­mark auf eine libe­rale Aus­län­der­po­li­tik und einen Dia­log mit mus­li­mi­schen Zuwan­de­rern gesetzt. Nun muss sie bit­ter erfah­ren, wie ihnen ihre Libe­ra­li­tät gedankt wird. So sym­pa­thisch eine offene Gesell­schaft ist — sie lässt eben nicht nur ihren geset­zes­treuen Mit­glie­dern, son­dern auch Kri­mi­nel­len und Ter­ro­ris­ten Frei­hei­ten, die in etli­chen ande­ren Län­dern seit den Anschlä­gen von New York, Lon­don und Madrid teils dras­tisch ein­ge­schränkt wor­den sind. Offen­sicht­lich nicht ohne Grund. Die­sem fei­gen Ter­ror­pack mit Groß­zü­gig­keit zu begeg­nen, hieße, ein Feuer mit Ben­zin löschen zu wol­len. Wer die­sen Fana­ti­kern ver­söhn­lich kom­men will, muss damit rech­nen, dass ihm dies als Schwä­che aus­ge­legt und skru­pel­los aus­ge­nutzt wird.

Wer nett zu Mos­lems ist, darf sich also nicht wun­dern, von ihnen umge­bracht zu werden.

Apro­pos feige: Als die »Ful­daer Zei­tung« irgend­wann fest­stel­len musste, dass es — anders als sie auto­ma­tisch annahm — keine Mos­lems waren, die da gemor­det hat­ten. Da hat sie den Arti­kel nicht ersetzt durch einen Hin­weis, dass sie sich geirrt hatte. Hat sich nicht bei ihren Lesern ent­schul­digt, dass ihre Fan­ta­sien mit ihr durch­ge­gan­gen sind. Hat nicht erklärt, dass der Kom­men­tar — um mal das kleinst­mög­li­che Adjek­tiv zu neh­men — unpas­send war, und des­halb ent­fernt wurde.

Sie hat ihn ein­fach gelöscht. Als hätte es ihn nie gege­ben. Wer dem Link folgt, bekommt nur noch die Mel­dung: »Es ist ein Feh­ler auf­ge­tre­ten.« In der Tat.
 
Lesens­wert:

Nach­trag, 24. Juli. Ich habe in der »Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung« über die Reflexe der Medien und ihrer ver­meint­li­chen Exper­ten geschrie­ben.

Nach­trag, 24. Juli, 18.30 Uhr. Die »Ful­daer Zei­tung« mel­det »in eige­ner Sache«:

Lange Zeit hat am Frei­tag­abend Vie­les dar­auf hin­ge­deu­tet, dass die bei­den Anschläge in Nor­we­gen von isla­mis­ti­schen Ter­ror­ris­ten began­gen wor­den sein könn­ten. In diese Stun­den vager und sich lei­der erst am spä­ten Abend kon­kre­ti­sie­ren­der Hin­weise auf einen ein­hei­mi­schen Täter fiel die Pro­duk­tion des Kom­men­tars zu den Atten­ta­ten. Wir möch­ten an die­ser Stelle um Ent­schul­di­gung bit­ten, dass wir Indi­zien falsch inter­pre­tiert und Ver­mu­tun­gen anstelle von Fak­ten gesetzt haben. Dies geschah im Ver­lauf hek­ti­scher Arbeits­stun­den. Es hätte nicht gesche­hen dürfen.

Der betref­fende Kom­men­tar wurde auch in der Online­aus­gabe der Ful­daer Zei­tung ver­öf­fent­licht. Dort wurde er dann am Sams­tag auf­grund der neuen Erkennt­nisse zu den Anschlä­gen in Nor­we­gen wie­der entfernt.