Perlen von den Säuen

13 Aug 13
13. August 2013

Jung von Matt, die Werbeagentur, die Gustl Mollath nach sieben Jahren in der Psychiatrie als erstes gleich wieder entmündigte.

Die die Idee hatte, die Bekanntheit seines Gesichts und seines Schicksals auszubeuten und für die kommerziellen Zwecke eines Autovermieters zu benutzen.

Die auch schon dafür verantwortlich war, aus der empörten Absage von Judith Holofernes an eine Werbung für die „Bild“-Zeitung eine Werbung für die „Bild“-Zeitung zu machen.

Und die auf diese demonstrative Missachtung des erklärten Willen eines Menschen so stolz war, dass sie sie beim Art Directors Club erfolgreich für einen Preis einreichte.

Diese sympathische Werbeagentur also hat vor zwei Jahren auch Anzeigenmotive für das Geschäft der Frau des Agenturinhabers entwickelt. Natalie von Matt verkauft darin „bedeutungsvolle Schmuckstücke“. Der Laden heißt „Nuts & Pearls“.

„Nuts“ bedeutet auf englisch auch „verrückt“, und so entwarfen die jungen Kreativen von Jung von Matt Anzeigenmotive, die psychisch Kranke zeigen. Anstaltskacheln, davor verzerrte Gesichter und Bling-Bling-Gehänge. Die Models nicht geschminkt, um ihre „Störungen“ visuell deutlich zu machen.

Im Irrenhaus glänzen die Perlen umso schöner. Nuts & Pearls.

Die Werber von Jung von Matt haben auch diese Motive bei verschiedenen Kreativwettbewerben eingereicht. Sie haben eine Notiz an die Jury dazugeschrieben:

All models are currently undergoing psychological treatment.

Alle Modelle befinden sich gerade in psychologischer Behandlung.

Im Gegensatz zu den bis heute offenkundig vollständig unbehandelten Verantwortlichen der sympathischen Werbeagentur Jung von Matt.

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101 Gedanken
  1. 1
    Charis says:

    Geschmacklos und abstoßend.

  2. 2
    Claus says:

    Da sage noch einer, es gehe im Leben nicht gerecht zu: Der Werber und seine Gattin Natalie von Matt haben einander verdient.

  3. 3
    Mela says:

    Konsequent wäre, wenn Frau von Matt ihr Talmi auch noch in den Therapie-Werkstätten von Psychiatrien für 20 Cent Stundenlohn gefertigt würden.

  4. 4
    Twipsy says:

    @3
    Oder da, wo der Gatte von Frau Haderthauer seine Modellautos fertigen lässt.
    Was macht eigentlich Jenny Elvers gerade?

  5. 5
    Joerg Kachelmann says:

    Grusig.

  6. 6
    Lisa says:

    Klar, schlechte PR ist auch PR, aber irgendwann ist die Grenze auch mal erreicht, also jetzt …

  7. 7
    Michael says:

    Leider werden sich die beiden wohl auch für so einen Artikel auf die Schultern klopfen. Ihr Klientel wird das ja wahrscheinlich noch mehr zum Kaufen animieren.

  8. 8
    ulf_der_freak says:

    Ich bin psychisch Krank (Depression) und gehe damit eigentlich entspannter um, aber das ist wirklich widerlich. Zurschaustellung wie im Zoo, verzerrtes Bild und sowas.

  9. 9
    zwiesel says:

    …im fall von judith holofernes hielt sich mein mitleid allerdings in grenzen. ihr fischen nach applaus nur dafür, dass sie nicht für die bild werben will, fand ich schon ein bisschen affig und affektiert. das soll aber keine rechtfertigung für „dumm von platt“ sein.

  10. 10
    René says:

    Irgendwann bekommt jeder seine Strafe, auch (die) Jung(s) von Matt.

  11. 11
    Stefan K says:

    Für so eine Werbeagentur kommt eigentlich nur ein Preis in Frage: Der Integrationsbambi!

  12. 12
    Fritz says:

    Dass JvM hohe kreative Risiken eingeht, ist ja eigentlich ganz schön und auflockernd. In Fällen wie diesen — und da gab es ja z.B. auch noch die Sache mit der Castor-Demo (http://meedia.de/werbung/zum-fremdschaemen-sixt-bei-castor-demo/2010/11/08.html ) — wird allerdings offenbar, dass die Agentur so rabiat ist, weil sie im Zweifelsfall ihr eigenes Interesse über alles andere und sogar über Geschmack und Anstand stellt. Dabei ist das eigentlich die Unfähigkeitssünde schlechthin für Werber, sich nicht in die Perspektive der Adressaten hineinzudenken oder einzufühlen. Man könnte kalauern: Bei JvM wird der Ehrgeiz des öfteren krankhaft …

  13. 13
    Martin says:

    Sollte es nicht eigentlich „Nutters & Pearls“ heißen?

  14. 14
    Mißfeldt says:

    Die lachen sich doch ins Fäustchen, dass ihre Provokation offenbar wirkt. Solange es Reaktionen wie diese hier (s.o.) gibt, haben sie — aus Werber-Sicht — alles richtig gemacht. Provokation ist kreativ. Das Ganze hatten wir doch schon vor 20 Jahren mit der Benetton-Werbung.

  15. 15
    Johannes says:

    Es ist natürlich im Gesamtbild völlig unbedeutend, aber das sind Entscheidungen, die den persönlichen Konsum betreffen, eigentlich immer. Daher:

    Dank dieser Werbung werde ich im Leben kein Auto bei Sixt mehr mieten.

    So, zumindest ICH fühle mich jetzt besser.

  16. 16
    Homer S. says:

    Wenn sämtliche „Mitarbeiter“ all dieser Spam-Agenturen morgen ihre „Tätigkeit“ einstellten… *träum*

  17. 17
    Alexander says:

    JvM war schon immer ein Drecksladen — in allen Belangen. Nicht nur die Arbeiten sind gelegentlich zutiefst streitbar, fragt mal nach den Arbeitszeiten und den „Streßfaktoren„der Angestellten.

    Und trotzdem wollen alle hin — ich verstehe es nicht. Bin selbst aus der Branche, und ein JvM im Lebenslauf ist für mich eher ein Warnhinweis als eine Auszeichnung!

  18. 18
    Peter says:

    Ich ertrage dieses stoische Resignieren vor dem vermeintlich positiven Effekt eines möglichst großen Lärms nicht mehr. Nach dieser Logik müsste Kim Jong Un längst die am besten laufende Werbeagentur der Welt haben.

    Wann merken die Kunden endlich, dass es bei jedem Auftrag nur um den Ruhm der Agentur geht und nicht um ihr eigenes Unternehmen? Dass der Leihwagen-Bums der Sixts nur ein Vorwand für kostenlose Agentur-PR ist. BILD ist Agentur-Kunde — das lässt sich nutzen! Wie simpel. Wann merken die Unternehmen, dass die Kreativmedaillen-Sucht in den vergangenen Jahren nur einen Profiteur hatte — die Agentur? Selbst wenn man beim Plagiieren erwischt wurde, was häufig der Fall war, waren Bad News immer auch Good News.

    Die psychisch Kranken als Models für Billigschmuck zu benutzen, war deshalb nur folgerichtig. Man hört förmlich, wie sich die Designer selbst als „mutig“ abklatschen. Nur leider sind sie nicht so schlau wie Oliviero Toscani, dessen Provokationen eine politische Dimension hatten. Ihnen geht es nur um Kontraste. Aber in einem dunklen Kopf ist auch ein sehr schwaches Flämmchen schon ein Kontrast.

  19. 19
    Oli says:

    Jung von Matt Firmenwagen wurden ( und werden vielleicht immer noch) in Jena angemeldet um J-VM Kennzeichen zu erhalten. Schlimm genug. Dazu haben sie auch Kennzeichen-Halterungen an denen folgender Satz steht: „Ich komme nicht aus Jena, ich bin bei Jung von Matt.„Das erklärt doch alles, denke ich.

  20. 20
    Tomte says:

    „Perlen von den Säuen“ — darf ich mal betonen, wie stark diese Überschrift ist?

    @Stefan Niggemeier: Hat JvM nicht bereits angefragt, ob Du hier als Texter einsteigen möchtest? Ach, Du hast grad bei der „Aktuellen“ unterschrieben. Titelgeschichten und so…Bingo!

  21. 21
    rog says:

    Das Bild, das diese Werber von psychisch Kranken haben, scheint aus schlechten Horrorfilmen zu stammen. Vielleicht müsste mal jemand Edgar Selge und seine Frau Franziska Walser darauf aufmerksam machen, die gemeinsam das hilfreiche Bündnis BASTA unterstützen.

  22. 22
    Harald Jochums says:

    Heißen die nich „Jungs van Nutts“?

    Mit wenigen Ausnahme verwurstet diese Branche alles, was die Schweinepriester so hergeben. -

    Habe eben ein Nachrichtenvideo über einen schweren Unfall auf einer Autobahn gesehen, davor eine Werbung geschaltet war. -
    Und wer warb da? Ein Autokonzern, der uns eintrichtern wollte (nein, es war keiner aus Nürnberg), wie wir uns gerade und insbesondere in ihren KaRossen frei entfalten könnten, sollten. -
    Tja, manche haben eben Pech und werden zusammengefalten. — Dumm dann gelaufen das. -

    Der Zweck heiligt aber doch die Mittel …!?

    Das mag im Einzelfall sogar so sein, aber:
    Wer heiligt eigentlich den Zweck?

    Stecken wir aber nicht den Kopf in den Werbesand, den sie uns in die Augen streuen wollen:
    Mediamarkt? Ich bin doch nich blöd!

    Harald Jochums / Archetekt / DU-Rheinhausen

  23. 23
    Jung von Matt | Roberts Blog says:

    […] [weiter bei Stefan Niggemeier] […]

  24. 25
    Ulf Böhme says:

    Jung von Platt? Aber so was von…

  25. 26
    Link(s) vom 14. August 2013 - e13.de says:

    […] Aufstieg und typischer Fall eines Underdogs“ von Thies Thiessen und „Perlen von den Säuen“  von Stefan Niggemeier schildern in wohlgesetzten Worten die Arbeitsweise einer sehr erfolgreichen […]

  26. 27
    marmes says:

    Die Werbung ist ein lächelndes Aas. Wusste schon Oliviero Toscani.

  27. 28
    theo says:

    Mit der „Kreativität“, die hinter dieser Sixt-Werbung steckt, könnte man auch Radiowerbung für ein Möbelhaus an der B9 betreiben. Da ist kein Unterschied mehr. Zielsicher immer den nächstgelegenen Gag anpeilen und dann möglichst laut. Sixt zahlt viel Geld, um billig zu wirken.

  28. 29
    Volker Davids says:

    Es ist wirklich interessant zu beobachten, das Jung van Matt jeden Mist als Kreativität verkaufen kann, solange sie es einem Kunden unter dem Motto „Bad news are good news“ aufdrücken können. Das Jung van Matt dabei häufig den Kunden als Werbefläche für sich selbst (Jung van Matt) missbrauchen und dieser so für Werbung für Jung van Matt auch noch zahlt, geht meistens unter.

  29. 30
    PeterPan says:

    Es ist eine Gratwanderung, für alle Beteiligten. Die Verhaltensweisen diverser Zeitgenoss/Inn/en, im Bezug auf Kapitalgewinn und Besitzanspruch auf das Ungewöhnliche, sollte Gutachter auf den Plan rufen; sobald das Persönlichkeitsrecht verletzt wird auch Staatsanwälte.
    Derartige, hier beschriebene Verfahrensweisen bekunden die Rechtlosigkeit der Kranken und das Versagen jener, in deren Obhut sie sich befinden.

    An haltlosen Rechtfertigungen fehlt gerade noch der Verweis auf die Nähe von Wahnsinn und Genie, auf ein abgeschnittenes Ohr oder den Verkauf von Kunst von Behinderten. Der feine Unterschied dabei– der freie Wille von Autoren, der alleinige Verkauf ihrer Werke für soziale Zwecke und der Schutz ihrer Persönlichkeitsrechte– wird im Namen des Mammons ignoriert.

    Doch Vorsicht vor einseitiger Verurteilung, man vergesse nicht die marktbildende Masse. Diese hat zwar mit jedem Zuchtpelz größtes Mitleid, der entrechtete Mitmensch spielt jedoch kaum eine Rolle.

  30. 31
    Nicht in der klapsmühle: werber Jung von Matt | Schwerdtfegr (beta) says:

    […] All models are currently undergoing psychological treatment./blockquote> […]

  31. 32
    Hanns-Lutz Opperman says:

    Skrupel, Tabubruch das ist JvM’s Kundenpflege — so geht das. Win-Win! Und Kunden der #Konsumlust-Industrie suchen sich genau diese Leute. Selbtsähnlichkeit. Erich Sixt und JvM war das von Beginn an klar. Die Entschuldigung und Rücknahme der Anzeige Teil der Kampagne, denn eine Nachricht war es alle mal und die ist kostenfrei .…usw. Die Performance der Kampagne hat auch eingeplant Mollath aus der Portokasse des größten Gebrauchtwagenhändlers Deutschlands zu bezahlen. Win-Win! Und alle reden darüber, ich auch. Und darum geht es doch.

  32. 33
    williw says:

    wahrscheinlich ist es viel skurriler und Frau von Matt war eine Kundin der Petra M. und ihres neuen Mannes, die sich jetzt als sie sich im Zigarrenzimmer trafen um das weitere Vorgehen um Gustl zu besprechen auf die weitere pervertierte Idee kamen, diesem auf diesem unauffälligen Weg den mantel „Irrer“ erneut umzuhängen, weil „irgendetwas“ ja immer hängen bleibt…hohe Schule der Psychologie…oder bin ich jetzt wahnhaft paranoide???

  33. 35
    knorke says:

    Ich hatte gelegentlich beruflich mit diesen Leuten zu tun.

    Anderes Thema:
    Ich frage mich was im Duden und Schnösel,Lackaffen, und Selbstverliebten Opportunisten eingetragen ist. Mal nachsehen.

  34. 36
    creezy says:

    Ich frage mich immer, sitzt denn bei denen im Büro wirklich keine einzige Person, die mal den Finger hebt und sagt, das ist „pfui”? Nicht mal die Raumpflegerin? (Nicht dass ich Herrn von Matt unterstellen würde, dass er auf diese hören wollen würde …)

    Aber hat bei denen wirklich gar keiner mehr sein Gehirn am laufen?

  35. 37
    elias says:

    „Nuts“ soll hier also in einer Doppelbedeutung gelesen werden? In welcher denn?

  36. 39
    Michael Landwehr says:

    Könnte man auch mal über die Qualitäts-Tageszeitung reden, die die Anzeige veröffentlicht und dafür Geld kassiert hat?

  37. 40
    Maximillion says:

    @ Nummero, (Herr/Frau Zwiesel):

    Eine kleine Gegenfrage: Wozu genau schreibt man eigentlich Kommentare in einem Internetblog, also eine unbekannte Öffentlichkeit, wenn man den Gedanken genauso gut für sich behalten könnte? Weil man seine Gedanken öffentlich machen will und …vielleicht doch ein wenig auf Applaus hofft?

    Wir drehen uns jetzt schon im Kreis. Ich steige aus. Die Frage war ohnehin rhetorisch.

  38. 41
    Fred says:

    Aus einem kranken Arsch kommt kein gesunder Furz !
    (Martin Luther)

  39. 42
    Tim von Wertheim says:

    Nicht zu reden von der ebenfalls sehr „stilvollen“ damaligen Kampagne für das DEUTSCH-Magazin (Hund leckt Frau, Hund in Missionarstellung auf Frau)…
    Natürlich geht bei JvM sehr viel über den Tisch an täglicher Arbeit (im Vergleich zu anderen Agenturen das Vielfache an Projekten), aber es vor allem liegt es am „Kreativ-Hochmut“ von einigen jungen, ehrgeizigen Werbern, die sich gerne auf 18/1 sehen wollen und die zunehmende Nachlässigkeit (und Kompetenz) der JvM-Manager, die auf Qualität und Wirkung achten (sollten).

  40. 43
    Herr Sixt says:

    Weiß nicht… Mal abgesehen von den Fällen Mollath und Holofernes, über die man ja zumindest diskutieren kann: Wer sagt denn, dass die (sich in psychiatrischer Behandlung befindlichen) Kranken nicht völlig freiwillig und womöglich sogar ganz gern als Models aufgetreten sind , Geld dafür erhalten und einen lustigen Tag am Set verbracht haben?! Die Bilder womöglich sogar als gelungen empfinden? Wem tut das also weh? Wohl doch eher dem Betrachter, der sich in seinen Sehgewohnheiten irritiert sieht. Und dann, wie hier in diesem Blog, gleich mal die Empörungs-Routine ablaufen lässt — statt sich mal zu fragen, ob Irritation bei der Rezeption von Werbildchen nicht auch Sinn machen kann. Und was an einem psychisch Kranken mit Ohrringen schlimmer ist, als an den sonst üblichen anorektischen Minderjährigen…

  41. 44
    Stefan Niggemeier says:

    @#43: mir wärs lieb, wenn Sie sich ein anderes Pseudonym ausdenken würden.

  42. 45
    Maximillion says:

    @ 43:
    Jaja, den Gedanken kann man freilich schon haben. Aber „wer sagt denn“, dass das so war. Und wer sagt dann eigentlich, dass selbst wenn das so war, also jemand einfach nur einen schönen, freiwilligen Tag an einem Set hatte, dass es deswegen ok ist, Leute in einer Art und Weise abzulichten, die dämliche Klischees und gefährliche Gedanken bedient? Das ist die Argumentation von Schundfernsehsendern, die mediengeile Leute, die die Folgen nicht richtig abschätzen können, ins Fernsehen locken, um sie in Sendungen wie „Bauer sucht Frau“ dem Gespött eines nach Erhabenheit geifernden Publikums freizugeben. Auch diese Leute hatten bestimmt jede Menge Spass am Set. Der ein oder andere bekommt vielleicht noch nicht einmal mit, dass man sich zu Tausenden über ihn lustig macht. Aber ist es deshalb gleich ok das zu tun? Anderes Besipiel: Ist es ok, einer älteren Dame das Geld abzunehmen, nur weil sie einem die betrügerische Geschichte glaubt, die man ihr auftischt und denkt, sie würde etwas Gutes tun?

    Und ja, auch grundsätzlich richtig, dass Irritation eine Mittel sein kann, um Aufmerksamkeit zu erreichen. Aber heiligt ein Zweck jewdes Mittel?

    Zusammenfassend: Ich verstehe Ihre Gedanken. Ich halte sie aber für zu unausgegoren, um hier eine echte Gegenmeinung darstellen zu können.

  43. 46
    EbenenochHerrSixtjetztschonHerrSieben says:

    @45: Da sind Sie scheinbar ein Opfer ihrer Vorurteile: Warum sollten psychisch Kranke (da ist ja von Depression bis Schizophrenie alles drin) denn bitte nicht in der Lage sein, eine verantwortliche Entscheidung für oder gegen den Auftritt in einer Werbekampagne zu treffen ? Wir wissen beide nicht, wie es gewesen ist — aber während ich nur eine (gar nicht mal unbedingt als ‚echte Gegenmeinung‘ gedachte) Möglichkeit in den Raum stelle, wird von ihnen gleich mal unterstellt, JvM habe die arglosen Irren gewissenlos und in betrügerischer Weise übertölpelt, um sie dann mal lustig auszustellen. Empirische Grundlage: Die bloße Ansicht eines Fotos. Schon klar, dass ein Durchblicker von Ihrer Klasse jede andere Wortmeldung für unausgegoren hält.

  44. 47
    rog says:

    @46: Aber was sollen denn die Leute für ihr Urteil heranziehen, wenn nicht diese Fotos? Vielleicht den Wasserstand der Spree?
    Jung von Matt will schließlich auch, dass die Fotos für sich sprechen. Und das tun sie.

  45. 48
    EbenenochHerrSixtjetztschonHerrSieben says:

    @47: Meine Güte, niemand zwingt doch ‚die Leute‘ beim Blick auf ein Werbefoto über dessen Herstellungsprozess zu ‚urteilen‘. Das kann man nämlich nicht — ist ja nur ein Foto. Entweder es spricht einen an und transportiert die Botschaft — oder eben nicht. Was hinter den Kulissen stattgefunden hat, kann man da nur raten. Sollte man aber nicht — es sei denn, man tummelt sich in einem Forum und hat mal wieder Bock, sich über egalwas aufzuregen.

    Ist es tunlich, psychisch Kranke abzulichten und auszustellen, wie sie nunmal sind — (um damit Gefühle beim Betrachter auszulösen)? In der Kunst doch zweifelsohne ja. Wenn man nun mit Andy Warhol annimmt, dass die Übergänge zur Werbung diesbezüglich zumindest fließend sind, spricht also eigentlich doch wenig gegen eine Verwertung in diesem Bereich; (ob das im konkreten Fall gute Werbung ist, ist eine völlig andere Frage). Aber wo alle immer einer Meinung und Werber ‚Säue‘ sind, macht so ein Vortrag sicher nicht viel Sinn. Ich geh‘ dann mal was trinken.

  46. 49
    rog says:

    @48: Niemand zwingt einen, da haben Sie Recht. Hindert den Rezipienten trotzdem nicht daran, über den Entstehungsprozess eines Bildes/Romans/Films/Fotos nachzudenken. Erstaunlich finde ich, dass Sie sich darüber aufregen.
    Aber mich interessiert etwas anderes: Was gefällt IHNEN denn an diesen Motiven?

  47. 50
    Interessante Links und Nachrichten 13.08.2013f - Pirat Aleks A. says:

    […] Modelle befinden sich gerade in psychologischer Behandlung.” Im Irrenhaus von Jung von Matt http://www.stefan-niggemeier.de/blog/perlen-von-den-saeuen/ #Mollath /via […]

  48. 51
    Stefan Niggemeier says:

    @48: Der Halbsatz „wie sie nun mal sind“ steht da lustig ohne jedes Fundement herum. So sind psychisch Kranke nun mal? Mit wirrem Blick, in einer Art Irrenhaus-Umgebung, mit einer Art Kranken-Leibchen, ungeschminkt (im Gegensatz zu vermeintlich normalen Menschen, die man sonst in der Werbung sieht, was sie besonders krass wirken lässt)?

  49. 52
    amfenster says:

    @48:
    „Entweder es spricht einen an und transportiert die Botschaft — oder eben nicht.“

    Und welche Botschaft wäre das in diesem Fall?

  50. 53
    EbenenochHerrSixtjetztschonHerrSieben says:

    @49: Ganz ehrlich: nix. Ich finde, das ist eine ganz uns gar misslungene Werbung, die wahrscheinlich kaum jemanden zum Kauf von Schmuck animieren konnte. Ich finde nur grundsätzlich nichts dabei, mit solchen Motiven Werbung zu machen, (sofern die Models nicht in irgendeiner Weise betrogen, übervorteilt oder in ihrer Würde verletzt worden). Und derart kategorische Handlungsverbote: ‚Wer so was macht, ist eine Sau‘, sind mir grundsätzlich erstmal suspekt. Warum? Alles, was es gibt, muss man auch zeigen dürfen — ob ein Betrachter da Geschmacksgrenzen überschritten sieht, ist erstmal keine Kategorie, sofern die Ausgestellten es in Ordnung finden. Und im vorliegenden Fall spricht — anders, als bei Fernsehformaten wie „Schwiegertochter gesucht“, wo man die Protagonisten bewusst der Peinlichkeit preisgibt — doch erstmal nichts dafür, dass es anders war. So sehen Menschen in der Psychiatrie eben gern mal aus, ob einem das gefällt, oder nicht. Sonst müsste man ja auch Fotos von Übergewichtigen mit dem Argument verdammen: Die sind peinlich und schüren Vorurteile gegen Dicke.

    Nun bin ich aber wirklich weg, schönen Abend.

  51. 54
    rog says:

    @53: Meine Erfahrung besagt: Menschen in der Psychiatrie sehen nicht so aus, wenn sie vernünftig behandelt werden und keine Neuroleptika-Überdosis bekommen. Aber vielleicht kennen Sie sich mit diesem Fachgebiet ja besser aus.

  52. 55
    inga says:

    @#53: Depressive versuchen sich viel zu häufig, das Leben zu nehmen. Menschen mit bipolarer Störung neigen in manischen Phasen zu Größenphantasien und damit einhergehend riskantem Verhalten. Schizophrene hören manchmal Stimmen, haben Gedankeneingebungen, sind paranoid oder haben Halluzinationen. Aber nee, psychische Krankheiten haben ganz sicher erstmal keine Auswirkungen auf die Urteilsfähigkeit der Erkrankten.

  53. 56
    Jörg Kremer says:

    Die Headline des Artikels ist wirklich groß! Chapeau!

  54. 57
    EbenenochHerrSixtjetztschonHerrSieben says:

    @54/55: Und nochmal. Es tut zwar für meine Argumentation eigentlich nichts zur Sache: Aber ich lebe seit meinem 28. Lebensjahr mit der Diagnose Schizophrenie. Ich war damals ein dreiviertel Jahr in der Psychiatrie, wurde medikamentös eingestellt und kann seitdem (mit einigen Abstrichen) ein, wie man das so gern sagt, normales Leben führen. Von Zeit zu Zeit, inzwischen nur noch alle paar Jahre, setzt mal die Wirkung aus und ich mache einen kleinen Ausflug in die Welt des Wahnsinns, dann werde ich wieder eingestellt und alles läuft weiter wie bisher.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Menschen in psychiatrischer Behandlung können in vielen Fällen prima ihr Leben betreffende Entscheidungen fällen. Meiner Erfahrung nach oftmals sogar dann, wenn sie gerade in einem Parallel-Universum mit dem Teufel Murmeln spielen und deshalb ihre Gesichtszüge nicht unter Kontrolle haben.. Sie können sich sogar an Forums-Diskussionen wie diesen beteiligen.

    Dass ist — und jetzt kommt’s — aber letztlich völlig egal: Weil wir alle nicht wissen, wie das im konkreten Fall gewesen ist. Und so lange sind irgendwelche Vermutungen, wem da angeblich welche Rechte genommen wurden und wer hier von Herrn Niggemeier beschützt werden muss, völlig müßig. Und die Opfer, schnallt Euch an, sind vorerst und bis das Gegenteil bewiesen ist, erstmal nur die Leute von JvM, die sich hier als Säue betiteln lassen müssen.

  55. 58
    rog says:

    @57: Wer es auf Provokation anlegt, ist doch kein Opfer, sobald diese Provokation auf fruchtbaren Boden fällt.
    Zumal eine Schizophrenie-Diagnose nicht bedeutet, dass man nur noch wild grimassiert. Es sei denn, die Werber haben sich bewusst Leute mit Spätdyskiniesie ausgesucht. Dann sind sie allerdings erst recht keine Opfer, sondern wussten genau, was sie da taten.

  56. 59
    Lars says:

    Jung von Matt scheinen für „Kreativität“ ihre Fähigkeit zu halten, mühelos jede Geschmacks– und Anstandsgrenze zu überschreiten. Im Allgemeinen ist diese Fähigkeit aber als „Skrupellosigkeit“ bekannt.

  57. 60
    inga says:

    @57: Eben, heutzutage gibt es ziemlich gute und erfolgreiche Therapiemöglichkeiten, weshalb Leute mit psychischen Erkrankungen oft über lange Zeiträume ein „normales“ (selbstbestimmtes) Leben führen können. Jung von Matt ziehen es aber vor, nicht die langweilige Normalität psychischer Erkrankung zu zeigen, sondern Menschen in akuten Krankheitsphasen. Und ich widerspreche noch nicht einmal, dass auch akut Kranke „prima ihr Leben betreffende Entscheidungen fällen“ können . Aber viele können das eben auch nicht. Im Bekanntenkreis habe ich leider mehrfach die Erfahrung gemacht, dass es Freunde mit psychischen Erkrankungen nach erfolgreicher Therapie sehr schwer hatten, mit dem Stempel „psychisch krank“ im Alltag wieder Fuß zu fassen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es da hilfreich ist, immer wieder mit diesen Fotos, die man in der akuten Phase für eine Super Idee hielt, konfrontiert zu werden.

  58. 61
    Frank says:

    Spalten statt versöhnen.

  59. 62
    Stefan Max says:

    Ich habe bestehende Sixt Reservierung storniert, denen das auch gemailt, die sind nun für die nächsten 10 Jahre auf meiner persönlichen Blacklist. Sind nur 4–5 mal im Jahr, wo ich eine Woche oder so ein Auto brauche, aber egal.… Kleinvieh macht …

    Habe mich selten so über Werbea*schl*cher aufgeregt.

    Der M. ist der Hölle entkommen!!!!!

  60. 63
    PJBisa says:

    Habe Sixt mitgeteilt, daß ich zukünftig auf dieses Unternehmen bei Leihwagen verzichte und in meinem gesamten Netzwerk allen anderen Unternehmern dafür auch noch werbe. JvM ist mehr als geschmacklos in seiner Vorgehensweise. Leider gehört dieses Unternehmen zu denen, für die nur eins zählt: Auffallen um jeden Preis.
    Man kann sich nur vor solchen Menschen ekeln! Und das Beispiel der Werbung für die Produkte seiner Frau belegen dies ebenfalls.

  61. 64
    polyphem says:

    Jonathan Meese ist Sixt-Kunden vermutlich zu teuer.

  62. 65
    Anderer Gregor says:

    Und selbst wenn die Models tatsächlich „echte“ Patienten sind, genau wussten worauf sie sich einlassen und einen schönen (und gut bezahlten) Tag hatten: All die anderen, die jetzt mit dieser hässlichen Klischee-Kampagne assoziiert werden, hatten das nicht. Und genauso wie es mich aufregt, wenn Frauen in der Werbung als autofahruntaugliche Putzweibchen, Schwule als tuntige Weicheier, Ausländer als diebische Brutaloschläger, Kopftuchträger(innen) als Terrorist(in)en und (im Ausland) Deutsche als einmarschierende Lederhosennazis herhalten müssen — weil das den meisten Vertretern der Gruppe großen Unrecht tut — so regt es mich jetzt auf, wenn Leute mit psychischen Erkrankungen grundsätzlich als „wirre Irrenhausinsassen“ dargestellt werden. Dargestellt wird nämlich nicht „Katja A., Industriedesignerin, Freiwillige Feuerwehr Liblar-Süd, und übrigens wegen eines eingewachsenen Zehennagels und einer leichten Schizophrenie in Behandlung“, sondern nur als „under psychological treatment“.

  63. 66
    Sascha says:

    Du bist und bleibst halt Deutschland, JvM :/

  64. 67
    Ute says:

    Spannend… allerdings würde mich mal interessieren wie „krank“ die Models tatsächlich sind und ob sie dieser Werbung im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte waren…

  65. 68
    tom k. says:

    Der Ägyptische Gesundheitsminister gab laut AP vor einer Stunde bekannt, dass die Unruhen von Mittwoch 525 Tote gefordert haben …

    … Der Abtransport der Leichen wurde freundlich unterstützt durch Sixt …

    … Kennzeichen der Fahrzeuge: WST (Westerstede) : Wir sammeln Tote …

    … Die Menschenwürde ist eben doch antastbar …

  66. 69
    slacker says:

    nicht zu vergessen, die sexuelle konotation von nuts und von pearl im sinne einer anspielung auf pearl necklace (selbst googlen plz, aber bei der sujetauswahl voller necklace, ist der schluss einfach zu naheliegend), die mit sicherheit eine schenkelklopfende rolle gespielt hat.

  67. 70
    someonesdaughter says:

    @57: „Wer es auf Provokation anlegt, ist doch kein Opfer, sobald diese Provokation auf fruchtbaren Boden fällt.“

    Oh, interessant — wer es also auf Provokation anlegt, muss sich als ‚Sau‘ bepöbeln lassen? Nimmt man diese eigenwillige Rechtsauffassung mal zur Grundlage, frage ich mich, wie das dann wohl mit Leuten ist, die andere als Säue bezeichnen — ist das schon Provokation genug für ein paar in die F*esse?

  68. 71
    someonesdaughter says:

    @68. „Der Ägyptische Gesundheitsminister gab laut AP vor einer Stunde bekannt, dass die Unruhen von Mittwoch 525 Tote gefordert haben …“

    Und Ihnen fällt nichts besseres ein, als in einem vergleichsweise irrelevanten Blog mit vergleichsweise irrelevanten Themen diese Toten zu instrumentalisieren, um Sixt oder JvM eins auszuwischen. Oder wollten Sie einfach nur mal klarstellen, wer die größte Sau im Land ist?

    „… Die Menschenwürde ist eben doch antastbar …“

    Ja, wenn der Zweck die Mittel heiligt und Sie oder ein anderer eingebildeter Moralist der Überbringer der Botschaft sind, nicht wahr?

    BTW Als Angela Merkel ob ihrer unvorteilhaften Frisur ungefragt zum Sixt-Model avancierte, war eher hihihi als Empörung über dieses ‚frauenfeindliche‘ Motiv mit der armen armen Frau, die nicht gefragt wurde … Bisschen sehr bigott, das alles.

  69. 72
    rog says:

    @70, someonesdaugther: Ich gehe sogar davon aus, dass sich jemand, der eine derart provokante Werbekampagne lostritt, klammheimlich über heftige Reaktionen freut — und diese sogar von vornherein einkalkuliert. Alles andere wäre naiv. Und für naiv halte ich die Leute von Jung von Matt nicht.
    Warum Sie mir hier aber eine „Rechtsauffassung“ andichten, verstehe ich nicht ganz. Ich denke nur: Wer krasse Reaktionen provozieren will, dem wird es gefallen, krasse Reaktionen zu erhalten. Umso mehr, wenn sie so richtig krass sind — wie zum Beispiel das Wort „Sau“.
    Und ja, Jung von Matt würde aus „einem in die Fresse“ mit großer Freude eine neue Kampagne entwickeln. Siehe Frau Holofernes, wenn auch im metaphorischen Sinn.

  70. 73
    Albert Rum says:

    „Oh, interessant — wer es also auf Provokation anlegt, muss sich als ›Sau‹ bepöbeln lassen?“

    Ja, wer sich z.B. psychisch Kranker bedient (oder allgemein: wer sich anderer Menschen BEDIENT), um zu provozieren, den darf man mit Fug und Recht als „Säue“ bezeichnen.

    Auch wenn ich als bekenndender Schweine-Freund es immer schade finde, dass dieses Wort zum Schimpfwort taugt: Hier passte es im Rahmen des Wortspiels.

    „Auf die Fresse“ fände ich bei den feinen Damen und Herren dieser Agentur aber auch nicht so schlimm.

  71. 74
    Daniel says:

    Vor zwei Jahren? Da ist in China auch ein Sack Reis umgefallen.

  72. 75
    Chio says:

    JvM würde für ein Quentchen Aufmerksamkeit auch seine Großmutter verkaufen und ist mit dieser Art der Kommunikation bis an die Spitze der deutschen Agentur-Rankings vorgestoßen. Die ziehen das Thema: „Es gibt keine schlechte Presse, es gibt nur Presse,„geradlinig durch und gehen dabei weit über die Grenzen auch noch des schlechten Geschmacks hinaus. Es scheint wohl eine ganze Menge Unternehmenskunden zu geben, die ähnlich ticken, sonst würde es solche zynischen Kotzbrocken-Agenturen nicht geben.

  73. 76
    Patrick Neser says:

    Diese abstoßende Art Umgang mit Minderheiten ist evtl. eine Gemeinsamkeit die Kunde und Auftragnehmer verbindet:
    Als ich meinen Schein vom Amt in der Filiale vorlegte worin erklärt wurde, daß die Kosten für das Fahrzeug ubernommen werden wollte der Junge Mann dem damaligen Hartz IV Empfänger noch nicht einmal ein Angebot für den Umzugs-LKW erstellen.

  74. 77
    someonesdaughter says:

    @72: „Ich gehe sogar davon aus, dass sich jemand, der eine derart provokante Werbekampagne lostritt, klammheimlich über heftige Reaktionen freut — und diese sogar von vornherein einkalkuliert.“

    Dann funktionieren Sie also genau so, wie JvM es angeblich will? Sie befeuern durch Ihre Reaktion die unterstellte „klammheimliche Freude“? Naja, wenn Sie sich in der Rolle wohlfühlen …

    
„Warum Sie mir hier aber eine »Rechtsauffassung« andichten, verstehe ich nicht ganz. Ich denke nur: Wer krasse Reaktionen provozieren will, dem wird es gefallen, krasse Reaktionen zu erhalten.“

    Ja, sie wiederholen sich. ‚Der hat mich provoziert, also sag ich Sau zu ihm…‘. Pöbeln hilft. Zumindest dem, dem es an anderem mangelt.

    @73: „Ja, wer sich z.B. psychisch Kranker bedient (oder allgemein: wer sich anderer Menschen BEDIENT), um zu provozieren, den darf man mit Fug und Recht als »Säue« bezeichnen.“

    Wer genau hat sich „psychisch Kranker bedient“? Sind auf den zwei Jahre alten Motiven psychisch Kranke zu sehen, derer sich JvM irgendwie, vielleicht unter Vorspiegelung falscher Tatschen, bedient hat oder oder unterstellen Sie den Abgebildeten, psychisch krank zu sein? Oder meinen Sie gar Mollath?

    „»Auf die Fresse« fände ich bei den feinen Damen und Herren dieser Agentur aber auch nicht so schlimm.“

    Trauen Sie sich, stehen Sie zu Ihrer Haltung! So bleibt es eben Geschmiere an einer Klowand des Internet. Da hatte von Matt also vor Jahren doch Recht …

  75. 78
    Pascal says:

    PR ist PR und das scheint das Motto der Agentur zu sein. Es gibt ja kaum Werbung die aus deren Feder stammt die nicht in sämtlichen Kreisen diskutiert und ausgeschlachtet wird. Effektiver als mit Jung und Matt kann man als Unternehmen gar nicht werben…

    Ob man die Inhalte für gut befindet oder nicht sei mal dahingestellt.

  76. 79
    rog says:

    @77, someonesdaughter: Es mag Sie überraschen, aber mein Widerwillen gegen diese Werbung existiert unabhängig davon, ob es Jung von Matt ins Konzept passt oder nicht. Und ich glaube kaum, dass jemand, der eine solche Kampagne entwirft, so mimosenhaft konstituiert ist, dass ihn die herzliche Anrede „Sau“ aus der Bahn werfen würde.

  77. 80
    Spiegeltest says:

    Wo benennt denn jemand die Agentur direkt als Säue? Die Überschrift gibt jedenfalls nicht genug her für eine Beleidigung. Eigentlich verdreht die Überschrift nur geschickt ein geflügeltes Wort und öffnet neue Assoziationsketten.
    Wenn sich jemand, sagen wir mal someonesdaughter also dadurch provoziert fühlt … ich darf mal zitieren:

    „Dann funktionieren Sie also genau so, wie (Stefan Niggemeier) es angeblich will? Sie befeuern durch Ihre Reaktion die unterstellte »klammheimliche Freude«? Naja, wenn Sie sich in der Rolle wohlfühlen …“

  78. 81
    Albert Rum says:

    „…oder unterstellen Sie den Abgebildeten, psychisch krank zu sein?“

    Ich muss das nicht verstehen, oder?

  79. 82
    theo says:

    78, Pascal:

    Bekannter als jetzt kann Sixt kaum werden, da hat man in den zurückliegenden Jahren ganze Arbeit geleistet. Nun dürfte es aber darum gehen, auch „beliebt“ zu sein. Ich habe nicht den Eindruck, dass JvM mit der aktuellen Kampagne — Auffallen um jeden Preis — Kunden an ein Unternehmen binden kann.

  80. 83
    rog says:

    @81, Albert Rum: Ich bin auch gespannt auf die Auflösung, die uns Someonesdaughter hoffentlich bald liefern wird.

  81. 84
    Ospero says:

    @70: Auf die Gefahr hin, hier anzufüttern: Das deutsche Strafrecht kennt die Notwehr auch gegen nicht-körperliche Angriffe — ich darf mich also (mit angemessenen Mitteln) auch gegen eine Beleidigung zur Wehr setzen. Gegenbeleidigungen fallen möglicherweise darunter, aber wer als Reaktion auf eine Beleidigung körperlich ausfallend wird, hat den Notwehrrahmen gesprengt und wird dafür bestraft.

  82. 85
    Stefan Niggemeier says:

    Ich will die Fotos hier aus naheliegenden Gründen nicht zeigen, aber auf den Seiten des Fotografen kann man leicht weitere „Nuts & Pearls“-Motive finden, die eindrucksvoll zeigen, wie hier psychische Erkrankungen nicht als weit verbreitete „Normalität“ inszeniert sind, sondern als klinischer Wahnsinn. http://www.olafblecker.de/advertising.html

  83. 86
    rog says:

    @85, Stefan Niggemeier: Einige seiner Motive — allerdings zu anderen Themen — gefallen mir richtig gut. Schade, dass er sich ausgerechnet für diese Perlen-Kampagne hergegeben hat.

  84. 87
    EbenenochHerrSixtjetztschonHerrSieben says:

    @85: Keine Ahnung, warum man psychische Erkrankungen nun unbedingt „als weit verbreitete Normalität inszenieren sollte“, wenn der Aufhänger der Plakat-Kampagne doch nunmal „Nuts“ — also „durchgedreht“ ist. Derartige Empörung hätte man doch eher von CSU-Fossil Norbert Geis erwartet. Und ich wette mal, dass die JvM-Leute damals auch eher mit Protest aus dieser Ecke geliebäugelt haben, als sie sich ihre (15 Jahre nach Benetton ja nun auch nicht mehr soo provokante) Werbung ausgedacht haben. Die freuen sich jetzt sicher ein Loch in den Bauch.

    Von der hier schon ausführlich diskuttierten Frage der (ja nunmal bislang nicht bewiesenen) Rechtsverletzung mal abgesehen, hat die Geschmacks-Polizei-Attitüde des Beitrags doch irgendwie was Seltsames. Wer diskriminiert psychisch Kranke denn mehr: Derjenige, der Fotos ihrer womöglich von der Norm abweichenden und sonst hinter Psychiatrie-Mauern versteckten Gesichter (wahrscheinlich mit ihrem vollen Einverständnis) zu Werbezwecken nutzt — oder derjenige, welcher ebendiese Gesichter in Texten wie dem hier vorliegenden ungefragt als peinlich und vorurteilsfördernd abstempelt? Und den Kranken ohne Kenntnis der näheren Umstände mal eben die Fähigkeit abspricht, selbst über die Verwendung ihrer Bilder zu entscheiden — nur um sich als Kämpfer für das Wahre und Gute inszenieren zu können.

    Mag ja sein, dass der Anblick eines über Jahre psychisch Kranken für viele schwer erträglich ist — aber der Gedanke, man müsste das öffentliche Bild von Psychiatrie-Patienten nun unbedingt stets mit Schminke in Richtung „weitverbreitete Normalität“ glätten, um keine Vorurteile zu schüren, ist so falsch wie nur irgendwas. Das ist, als würde man Einbeinige immer nur mit Prothese ablichten oder Obdachlose erst in einen Brioni-Anzug stellen — ich kann den Sinn dabei nicht erkennen.

    In dem Argument, man müsste die unmündige Menge da draußen vor falschen Schlüssen (und dem Gedeihen von Vorurteilen) schützen, liegt am Ende doch eine ziemliche Selbstüberhebung. Und diese Tendenz, angeblich im Interesse aller mal eben allgemeingültige Geschmacksgrenzen zu definieren, ist meiner Ansicht die neue und vielleicht schlimmste Form des Spießertums.

  85. 88
    Stefan Niggemeier says:

    @87: Ich bin mir nicht ganz sicher, mit wem Sie da jetzt Schattenboxen betreiben, aber ich bin es offensichtlich nicht.

  86. 89
    theo says:

    … und ich frage mich, warum den Jüngern des „anything goes“ nie was Besseres einfällt, als die Menschen, denen Ethik etwas bedeutet, als „Spießer“ zu bezeichnen. Das klingt eher nach gymnasialer Oberstufe.

  87. 90
    rog says:

    @89, Theo: Wenn es wenigstens eine echte Anything-Goes-Haltung wäre, könnte ich es immerhin noch nachvollziehen, wenn auch nicht vorbehaltlos teilen.
    Denn wer wirklich glaubt, dass in der Kultur alles möglich ist, der findet es auch in Ordnung oder begrüßt es gar, dass Leute ernsthaft von etwas empört sind.
    Hier jedoch lese ich eine Alles-Ist-Wurscht-und-wer-sich-empört-hat-nix-begriffen-Attitüde aus manchen Beiträgen.
    Wenn man wie ich in der DDR aufgewachsen ist, beschleicht einen mitunter der Gedanke: Genau so eine Haltung ist es, die im Ernstfall auch eine Diktatur stützt. Aber vielleicht schlage ich da den Bogen etwas zu weit.

  88. 91
    tomk says:

    @someonesdaugther Mit dem Hinweis auf die Toten in Ägypten wollte ich nur anschaulich zeigen, wohin die Missachtung der Menschenwürde führen könnte. Schon Benetton instrumentalisierte drn Tod für Werbezwecke. Wenn JvM und Sixt keine Grenzen gesetzt werden, passiert so eine Ekelkampagne irgendwann…

  89. 92
    Erdenker says:

    In der Tat wird auch mir manchmal zu schnell und unreflektiert „Skandal!“ gerufen. Aber derartige, vermeintliche Tabu-Brüche sind immer dann problematisch, wenn sie um ihrer selbst willen inszeniert werden. Und der einzige Grund, warum bei dieser Kampagne keine Profi-Models zum Einsatz kamen, ist der, dass man sich von dem Siegel „100 % original Verrückte!“ deutlich mehr Publicity versprochen hat. Nicht mal für den Kunden, den kleinen Schmuckladen der Frau des Chefs, was schlimm genug wäre, sondern vor allem für sich selbst, also die Agentur. Und das ist für mich ganz klar ein Missbrauch des an sich legitimen und manchmal notwendigen Stilmittels „Provokation“, das durch solche billigen Effekthaschereien massiv abgewertet wird.

    Sicher, auf sowas muss man erst mal kommen. Mit Kreativität im herkömmlichen Sinne hat es dennoch wenig zu tun. Und es gehört auch kein Mut dazu, sondern bestenfalls Chuzpe.

  90. 93
    amfenster says:

    @87:
    Sie arbeiten sich am einem Pappkameraden ab. Es geht weder um das „Verstecken“ psychischer Krankheiten noch um die Frage der Selbsbestimmtheit der Dargestellten.
    Vielmehr geht es darum, dass hier mit Klischees von „Irresein“ und „Verrücktheit“ gespielt wird (weil: supercleverer Bezug zu „nuts“) und man die total creativedirectormäßige Idee hatte, dafür echte psychisch Kranke abzubilden. Und zwar aus reinem Selbstzweck (vgl. #92) und in allererster Linie, um beim nächsten Branchen-Contest als irre provokant aufzufallen („note to the jury“).
    Das kann man schon abgebrüht und widerwärtig finden.

  91. 94
    Maximillion says:

    @87
    Aus der in der Antwort auf mich noch unechten Gegenmeinung (#47) ist inzwischen aber ein Fels geworden, der sich unbedingt in die Brandung stellen will?

    Dass Sie meine „Klasse“ in Frage stellen, resultierte aus einem Nichtverständnis meiner Kommentars. Es geht nicht darum, dass man bei psychisch Kranken generell davon ausgehen darf, dass sie überrumpelt wurden. Es ist aber doch fraglich, wenn die Fotos am Schluss so aussehen, ob sich alle Beteiligten wirklich bewusst waren, was sie da abbilden und was sich da am Schluss für ein Gesamtbild der Kampagne ergibt. Was für einen Eindruck diese fertigen Fotos im Zusammenhang dieser Kampagne bei vielen Betrachtern hinterlassen, können Sie ja hier erkennen. Da ich mal in der Werbebranche tätig war, habe ich Anlass zu der Annahme, dass vorher die endgültige Anzeige niemand der Fotografierten gesehen hat.

    Es geht aber zentral darum, dass der Agentur Jung van Matt solche Gedanken generell eher egal zu sein scheinen, sondern der Werbezweck jedes noch so problematische Mittel zu heiligen scheint. Ich glaube, das darf man missbilligen.

  92. 95
    Bernd says:

    Seit der Beleidigten-Leberwurst-Reaktion von Oberwerber Jean-Remy von Matt auf die Internet-Parodien zur „Du bist Deutschland“-Kampagne vor einigen Jahren — und der damit verbundenen „Klowand“-Beschimpfung von Weblogs — kann ich diese Agentur ohnehin nicht mehr ernst nehmen. (Es hatte mich damals übrigens verwundert, dass JvM so dünnhäutig reagiert. Dachte, eine Werbeagentur preist ironische Repliken von vornherein ein — oder setzt diese sogar gewissermaßen voraus.)

  93. 96
    Ach Werbung, du alte Schlunze … | bukowskigutentag says:

    […] ihres Niveau-Untertagebaus erschlossen. (Ein beeindruckendes Worst-of Jung von Matt finden Sie hier bei Stefan Niggemeier.) Das Image der Werber in der Öffentlichkeit rangiert, so liest man, längst unter dem von […]

  94. 97
    Fontblog | bukowskigutentag 14/13: Ach, Werbung … says:

    […] neues, noch tieferes Kellergeschoss ihres Niveau-Untertagebaus erschlossen. (Ein beeindruckendes Worst-of Jung von Matt finden Sie hier bei Stefan Niggemeier.) Das Image der Werber in der Öffentlichkeit rangiert, so liest man, längst unter dem von […]

  95. 98
    Grosser Bruder says:

    @85 /Stefan Niggemeier
    kann es sein, dass diese Bilder dem Fotographen jetzt unangenehm geworden sind, nachdem sie jetzt neue Aufmerksamkeit gefunden haben?
    Auf der website von Olaf Becker ist unter der Rubrik „advertising“ jetzt jedenfalls alles leer.
    http://www.olafblecker.de/advertising.html

  96. 99
    Grosser Bruder says:

    Korrektur: Olaf Blecker natürlich
    und Ergänzung:
    Hier
    http://stephaniewuestemann.de/
    findet man die Motive noch. Das ist die Seite der „Stylistin“, die bestimmt ganz stolz darauf ist, wie sie es geschafft hat, dass die Menschen so richtig schön irre und fertig, aber dabei dann doch nicht _zu_ eklig aussehen.

  97. 100
    ProFixx says:

    Das ist nicht widerwärtig, das ist normal! Genau so funktioniert Werbung. Entweder „Persil-Weiß“ und „Bacardi-Feeling“ oder — kennen wir ja von Benetton — Schockieren. Irritieren. Provozieren. Hauptsache man redet darüber. Anders gefragt: Seit wann hat Werbung etwas mit Wahrheit und Moral zu tun? Es geht um’s Verkaufen. Hier herrschen Marktgesetze. Welcher Konsument will schon die ganze ungeschminkte Wahrheit präsentiert bekommen? Würde er dann kaufen? VW? Mercedes? Porsche? Viel dünnes Blech mit vier Rädern und jede Menge ungesunde Luft aus dem Auspuff. Inhalieren ist tödlich und Fahren auch und das alles für verdammt viel Geld! Unsere Supermodels und Politiker sind doch alle falten-, leberflecken-, warzen– und furunkelfrei, mittels Photoshop getunt. Das Dumme ist ja nur, dass sich Geist und Klugheit in der Werbung schlecht visualisieren lassen, das Gute: Dummheit lässt sich auch mit der neuesten Photoshop-Version nicht wegretuschieren. Über Geschmack lässt sich eben streiten, über Dummheit nicht. Das gilt auch für die JvM-Werbung. Ich erkenne nur eines: die armen Models sehen so verhärmt und leidend aus, weil sie den Schmuck tragen. Hände weg. Nicht kaufen! Allergie auslösend! Lebensgefahr!

    PS: Die Arbeit der Agentur JvM mit phsychisch Kranken als „Werbemodels“ ist entweder vom Arzt verordnet und Betandteil der Therapie oder ein Fall für die Berufsgenossenschaft (bezahlte Arbeit während der Krankschreibung und vorsätzliche Gefährdung der Gesundheit etc.)!

  98. 101
    Theo says:

    Hi, würde mich nicht wundern, wenn seine Perlenfädlerin im prozentstatus des delliriums auch noch verwendung fände

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