Herdentriebtäter

03 Jun 11
3. Juni 2011

Die elementarste Aufgabe [der Medien], das Doppelleben des netten Herrn Kachelmann zu enthüllen, war lange vor Prozessbeginn erledigt.

Schreibt Georg Altrogge, Chefredakteur des Braanchendienstes „Meedia“.

Auf mehrmalige Nachfrage von Kommentatoren, ob er (sinngemäß) noch alle Vokale im Alphabet hat, begründet Altrogge diese Definition der „elementarsten Aufgabe“ mit der „Medienrealität“:

Nennen Sie mir ein Leitmedium, das nicht detailreich über eben dieses Thema berichtet hätte. Und natürlich gehört es zu den Aufgaben der Medien, bei prominenten Personen im Zusammenhang mit einem öffentlich geführten Gerichtsverfahren auch über diese Dinge zu berichten. Das war nie anders und wird nie anders sein. Niemand, der in der Branche operativ Verantwortung trägt, würde diesen Grundsatz ernsthaft in Zweifel ziehen.

Bereits vor einem Jahr hatte Altrogge in ähnlichem Zusammenhang erklärt, dass es „rufschädigend für den Journalismus“ sei, auch nur öffentlich darüber nachzudenken, ob es nötig ist, sich an der rufschädigenden Berichterstattung über einen möglicherweise Unschuldigen zu beteiligen. Er kommentierte damals im Blog von Michalis Pantelouris:

Ich kapiere das nicht: Ganz Deutschland diskutiert über den Fall Kachelmann, und Herr Pantelouris würde all das gern wegzensieren. Damit steht er außerhalb der Leitmedien wie Spiegel & Co. Wer so denkt, sollte sich vielleicht einen anderen Job suchen, denn mit Journalismus hat eine solche Einstellung m.E. nichts zu tun.

Ich glaube ihm inzwischen, dass er das wirklich nicht verstehen kann. Vielleicht ist es ein genetischer Defekt. Er kann sich nicht vorstellen, dass das, was alle tun, falsch sein kann. Leitmedien, glaubt Altrogge, heißen Leitmedien, weil man sich danach richten kann, soll und muss, was sie tun.

Er ist nicht nur ein überzeugter Mitläufer. Er verklärt das Mitlaufen zur höchsten Pflicht und Tugend.

Und wenn alle Medien, wie unter Zwang, im Privatleben eines Prominenten wühlen, dann muss das wohl, ja: ihre „elementarste Aufgabe“ sein.

(Ich versuche wirklich, „Meedia“ nicht mehr zu lesen. Ich habe alle Feeds aus meinem Feedreader gelöscht. Aber dann schicken mir Leute sowas per Mail und ich kann mir nicht helfen.)

61 Gedanken
  1. 1
    Michalis says:

    Lustigerweise hat Altrogge als „rufschädigend für den Journalismus“ bezeichnet (und von mir verlangt, mir einen anderen Job zu suchen), was in den Richtlinien des Presserates steht:

    Richtlinie 8.1 – Nennung von Namen/Abbildungen
    (1) Bei der Berichterstattung über Unglücksfälle, Straftaten, Ermittlungs- und Gerichtsverfahren (s. auch Ziffer 13 des Pressekodex) veröffentlicht die Presse in der Regel keine Informationen in Wort und Bild, die eine Identifizierung von Opfern und Tätern ermöglichen würden.

    mit der Ausnahme

    (4) Die Nennung des vollständigen Namens und/oder die Abbildung von Tatverdächtigen, die eines Kapitalverbrechens beschuldigt werden, ist ausnahmsweise dann gerechtfertigt, wenn dies im Interesse der Verbrechensaufklärung liegt und Haftbefehl beantragt ist oder wenn das Verbrechen unter den Augen der Öffentlichkeit begangen wird.

    Zu dem Zeitpunkt gab es noch nicht einmal eine Anklage gegen Kachelmann.

    Nach Altrogges professioneller Ansicht hat also der Pressekodex „mit Journalismus […] nichts zu tun.“

    Ich bin mir nicht sicher, ob man das überhaupt noch diskutieren kann. Aber ich bin mir sicher, dass ich es nicht will.

  2. 2
    Muriel says:

    Ich könnte mich ja auch regelmäßig über die Leute aufregen, die Zwang und Kritik nicht auseinanderhalten können. Die offenbar der Meinung sind, dass alles, was nicht gesetzlich verboten ist, auch moralisch in Ordnung sein muss.
    Wenn ich öffentlich sage, dass ich etwas für falsch halte, ist das keine Zensur. Und wenn ich eine Veröffentlichung kritisiere, heißt das nicht, dass ich sie „wegzensieren“ will.
    (Für’s Protokoll: Ich mag die Meedia-Beiträge hier, und ich lache auch jedes Mal über den Braanchendienst. Echt. Jedes Mal.)

  3. 3
    Björn Reinhardt says:

    Ist diese merkwürdige Ansicht, dass Wahrheit und richtiges Handeln demokratisch entschieden werden könnten.

  4. 4
    teekay says:

    Ich bin keine Medienhistoriker, aber finde vor allem das ‚zeitlose Element‘ in der Argumentation schwach. Soso, als es wirklich noch Leitmedien und eine Bonner Republik gab (so cirka 1950-1990), da haetten alle genauso ueber den Fall K. geschrieben? Glaube ich nicht. Diese Veraenderung haengt sicherlich mit sehr vielen Faktoren zusammen, aber ein ‚war schon immer so‘ ist eine ganz schwache Argumentation.

  5. 5
    Felix Nagel says:

    „Er kann sich nicht vorstellen, dass das, was alle tun, falsch sein kann. […] Er ist nicht nur ein überzeugter Mitläufer. Er verklärt das Mitlaufen zur höchsten Pflicht und Tugend.“
    Der Mann hält sich eben an gute, alte Deutsche Tugenden.

  6. 6
    Gregor Keuschnig says:

    Es müsste definiert werden, was an einer Berichterstattung im Zusammenhang mit einem solchen Prozess „rufschädigend“ ist und was nicht. Natürlich ist es Unsinn, wenn Altrogge diese Vokabel auf die eher zurückhaltenden Medien verwendet. Dennoch kann die Alternative nicht heißen, die Angelegenheit totzuschweigen bis ein Urteil gesprochen ist. Inzwischen wird ja bereits bei entsprechenden Ermittlungen gemeldet – also vor der eigentlichen Anklage. Die Empörung hierüber vernimmt man nur äußerst selektiv. Herr Zumwinkel und Herr Strauss-Kahn scheinen andere Persönlichkeitsrechte zu genießen wie Herr K.

  7. 7
    jokahl says:

    Man muss aber auch einmal sagen, dass die Kritik an der Berichterstattung über Kachelmanns Privatleben auch in diesem Blog und bei den Kommentatoren recht verlogen daherkommt. Ich bin mir sicher, dass alle geifernd mitgelesen haben. Altrogge hat insofern recht, dass der gesellschaftliche Mainstream das rücksichtslose Vorgehen der Medien in diesem Fall und auch bei anderen Gelegenheiten auf jeden Fall längst adelt, auch wenn das keiner zugeben will. Es ehrt ihn, dass er das wenigstens zugibt.

  8. 8
    Hecke says:

    „Die elementarste Aufgabe, das Doppelleben des netten Herrn Kachelmann zu enthüllen, war lange vor Prozessbeginn erledigt.“
    ich hätte das ja direkt ironisch verstanden, aber nach altrogges antwort in den kommentaren erübrigt sich das.
    viel interessanter ist aber doch das hier:
    „Dass am Ende doch mehr als neun Monate lang das Intimleben der Beteiligten quasi öffentlich seziert wurde, war erst durch die Entscheidung des Gerichts möglich geworden [das Verfahren zu eröffnen], das den Angeklagten jetzt freigesprochen hat. Schon deshalb gibt es wenig Grund, den Richtern einen guten Job zu bescheinigen…“
    wirklich kurzsichtig, dass das gericht bei seinen entscheidungen nicht auf die schäbige berufsinterpretation einiger journalisten rücksicht genommen hat!

  9. 9
    Stefan Niggemeier says:

    @jokahl: Und das eigene Gaffen bei einem Unfall wird dadurch legitimiert, nein: geadelt, dass ja schon 100 Schaulustige dastehen?

  10. 10
    Manfred says:

    Mit etwas Glück passiert es ihm mal selber. Könnte glatt seine Meinung ändern.

  11. 11
    Sebastian says:

    Das „nette“ in dem eingangs zitierten Satz legt nahe, man habe ein Recht, es zu erfahren, wenn Herr K. eben nicht so nett sei, wie wir ihn finden. Mir scheint da der Irrtum offenbar recht vieler Fernsehzuschauer einzufließen, man habe eine persönliche Beziehung zu den Fernsehfiguren, aus der sich deren Rechenschaftspflicht darüber, inwiefern sie nett sind oder nicht und wenn nicht, warum nicht, dann ableitet. Die nach Altrogge fällige Enthüllung muss also stattfinden, um die emotionalen Illusionen dieser Zuschauer zu bedienen. Das ist echt krank.

    @jokahl: Also ich sehe da nichts zu geifern und finde, wer da geifert, sollte sich das verkneifen. Wenn Kachelmann was mit mehreren Frauen hat, geht mich das nichts an. Wenn er eine vergewaltigt hat, soll er bestraft werden. Fertig.

  12. 12
    Laura says:

    „Die elementarste Aufgabe“… Wenn ich das so lese, sollte ich mir wohl noch vor Berufseinstieg nen anderen Job suchen… Aber die Argumentation, man müsse darüber berichten, weil es die anderen auch tun, ist im Bezug auf Medien üblich – nichtsdestotrotz finde ich sie nicht hilfreich. Denn: Sollten Medien nicht versuchen, sich von der Konkurrenz abzuheben? Einzigartig zu sein? Versuchen die Leitmedien nicht ständig, ihre hohe Moral in der Berichterstattung zu betonen? Ich möchte ja wirklich als Journalistin arbeiten und habe mir vorgenommen, derart moralisch verwerfliche Geschichten nicht zu bringen (und nie für die Bild-Zeitung zu arbeiten), aber nach Altrogge bin ich damit wohl in der falschen Branche. Kein Wunder, dass Journalisten unter Nichtjournalisten so einen schlechten Ruf haben.

  13. 13
    jokahl says:

    @SN/9. et.al.: Nein, das wird es natürlich nicht, dafür bin (wäre) ich selbst verantwortlich. Aber man muss halt leider erkennen und eingestehen, dass die meisten gaffen (würden), die Medien genau das abbilden und Medienkritik hier oft so ein wenig auf „Ich lese Bild nur wegen Sport“-Niveau daher kommt. Und das ist zwar genauso menschlich wie offenes Gaffen aber eben auch in etwa so verlogen wie katholische Doppelmoral.

  14. 14
    theo says:

    Man muss das nicht ernst nehmen, was Altrogge schreibt. Meedia ist so etwas wie die Bäckerblume des Medienjournalismus (ohne die Bäckerblume beleidigen zu wollen).

  15. 15
    Karsten says:

    Von der Thematik mal abgesehen, scheint es nicht viele gute Mediendienste zu geben.. Herr Niggemeier mag weder turi2 noch Meedia, DWDL hat es nicht so mit Quotenmeter.de (berechtigterweise) .. was bleibt denn da noch? :) Wie siehts aus mit heise.de??

    Zum Thema: Ich komme nicht aus der Branche und mir fehlt hier vielleicht auch fundiertes Grundwissen.. aber allein schon aus ethischen Gründen kann ich die Meinung des Chefredakteurs überhaupt nicht verstehen. Dafür braucht man weder einen Kodex noch einen Presserat.. einfach nur ein Gewissen. :(

  16. 16
    Gregor Keuschnig says:

    @11/Sebastian
    Wenn Kachelmann was mit mehreren Frauen hat, geht mich das nichts an. Wenn er eine vergewaltigt hat, soll er bestraft werden. Fertig.
    Naja, das ist mir jetzt reichlich wohlfeil. Ob K. mit mehreren Frauen rummacht und seine Bakterienbrause zur Werbung schlürft, ist mir in Hinsicht auf seine Wettervorhersagen natürlich egal. Wenn er aber nun Gegenstand eines Prozesses wird, kann man nicht so tun, als sei das seine Privatsache. Dass hier alle Dämme gebrochen sind, ist seinerseits wieder medialen Affekten geschuldet. Statt sich dauernd Heiligenscheine zu basteln wäre es interessant zu recherchieren, wer wann was derart gezielt an Medien lanciert hat, dass diese Schlammschlacht erst entstehen konnte. Da ist ein Herr Altrogge naturgemäss der falsche Ansprechpartner.

  17. 17
    jokahl says:

    @16./Gregor Keuschnig: Die gebrochenen Dämme sind nicht medialen sondern gesellschaftlichen Affekten geschuldet.

  18. 18
    Alberto Green says:

    @ Jokahl. Und das hätte ich jetzt gerne belegt.

  19. 19
    nona says:

    Meedia gehört zu den Lightmedien. Mehr als amateurhafte Amateur-Aussagen würde ich da garnicht erwarten.

  20. 20
    irreversible says:

    @jokahl:
    Bitte mal nicht von sich selbst auf andere schließen. Ich (und da bin ich sicher nicht der Einzige) habe bei diesem abstoßenden Theater weder „geifernd mitgelesen“ noch interessiert zugeschaut, sondern die diesbezügliche Berichterstattung vielmehr bewusst gemieden weil ich sei schlicht abstoßend finde, mich Details aus Vergewaltigungsprozessen nichts angehen und nicht interessieren.

    Was ich an diesem Thema wirklich „interessant“ (nicht in einem positiven Sinne) finde, ist, dass einige der Lautsprecher, die jedes Jahr bei einem relativ harmlosen TV-Format wie dem Dschungelcamp den Untergang des Abendlandes ausrufen, offenbar kein Problem damit haben sich bei einer Vergewaltigung zum Obersten Gerichtshof aufzuschwingen und jedes intime Detail des Falles zu kommentieren.

  21. 21
    jokahl says:

    @18./Alberto Green: Jo Groebel, der Kölner FrauenMediaTurm und die Bertelsmannstiftung arbeiten noch an der Studie. Im Ernst: Jeder, der die Medien zum Thema Kachelmann et. al. kritisiert, führt das Argument „Auflage und Quote“ im Munde. Und in der Tat, warum sollten sie es auch sonst tun. Sie sind skrupellos, weil wir sie lassen, sie dabei unterstützen. Weil in jedem von uns ein Kai Diekmann oder eine Patricia Riekel steckt. Wir geben das nicht zu. Weil wir uns schämen, aber trotzdem hingucken, also feige sind. Altrogge hat nur beschrieben, wie Medien ihr Geschäft in unser aller Auftrag führen. Man muss ihn dafür loben.

  22. 22
    theo says:

    Ich finde es aber wirklich humorvoll, bei einem so winzigen Haufen den Titel „Chefredakteur“ zu benutzen.

  23. 23
    Martin says:

    Noch wichtiger als das Wetter ist doch die persönliche Integrität eines Wettermoderators. Ich vertraue doch nicht jedem x-beliebigen, bez. der Vorhersage der Hochs und Tiefs. Kachelmann hat einigen Menschen Sonnenschein versprochen und sich zumindest geirrt. Warum sollte ich mir weiterhin von ihm das Wetter erklären lassen?

  24. 24
    Georg Altrogge says:

    [Fake-Kommentar gelöscht]

  25. 25
    Gunnar says:

    Wenn man noch in der Ausbildung ist, dann macht man sich häufiger so seine Gedanken: Müsste es im Studium nicht noch etwas schneller gehen? Bekomme ich hinterher nen Job? Kann ich dann von diesem Job auch leben?

    Und dann sieht man, dass es Typen mit ganz offensichtlich bescheidenen intellektuellen Fähigkeiten gibt, die einen Baaachendiesnst führen.

  26. 26
    Sebastian says:

    @Gregor Keuschnig, 16: Ich habe mich missverständlich ausgedrückt; ich meinte nicht, dass über den Vergewaltigungvorwurf gar nicht berichtet werden solle, sondern dass vieles, was dann durch die brechenden Dämme kommt, mich immer noch nichts angeht, sofern es mit dem Vorwurf nichts zu tun hat. Vor allem wollte ich jokahls Behauptung von mir weisen, „wir“ seien alles kleine Diekmänner, die sich brennend für Details aus dem Privatleben des Beschuldigten interessieren. Mich interessieren sie nicht und ich mache vor allem kein eingebildetes Recht geltend, sie zur Stimulation meines Gefühlslebens ausgeschlachtet und aufbereitet zu bekommen.

  27. 27
    Georg Altrogge says:

    Damit keine Missverständnisse entstehen: Der Kommentar Nr. 24 stammt nicht von mir. @Stefan Niggemeier: Ich bitte darum, dies auch von Ihrer Seite klarzustellen.

  28. 28
    VonFernSeher says:

    Und schon ist Meedia wieder in meiner Blockroll. Schon zweimal dabei, bitte nicht wiederwählen.
    (Ich lese „Meedia” wirklich nicht. Aber ich habe es aus Nachgiebigkeit dann doch wieder aus der Blockroll gelöscht. Aber dann schickt mir Stefan Niggemeiers Blog sowas per Feed und ich kann mir nicht helfen.)

  29. 29
    Michalis says:

    Schade. Hatte gehofft.

  30. 30
    Michalis says:

    War zu spät: Kommentar 29 bezieht sich auf Kommentar 28.

  31. 31
    Konstantin Neven DuMont says:

    Welcher Medienunternehmer, Journalist oder Blogger wird als Nächstes durch unser „Deutschland-Dorf“ getrieben? Nur weil alle Fehler machen, sollten wir unsere (prinzipiell) angeborene Nächstenliebe nicht vergessen. Trotz der berechtigten Kritik der beteiligten Protagonisten vertrete ich nach wie vor die Meinung, dass alles gut wird. Das wird aber erst dann passieren, wenn sich begrüßenswerte Allianzen gebildet haben.

  32. 32
    VonFernSeher says:

    @Michalis
    Nein ;) schon wieder zu spät, 29 bezieht sich auf den Artikel…

  33. 33
    jokahl says:

    @diverse: Ich finde das immer wieder hier aufkeimende standardisierte meedia/Altrogge-Bashing unziemlich. Stellt Euch einfach vor, es sei die Bild der Branchendienste, nur besser. Ersteres ist einfach so (größte Reichweite) und Letzteres ist nicht schwer, aber auf jeden Fall lobenswert. meedia ist halt Mainstream, und solange das hier keiner begreift, ist keine qualifizierte Auseinandersetzung möglich.
    @Sebastian: Es geht nicht um Recht, sondern um Mehrheiten. So wie bei der vielzitierten Todesstrafe. Aber die wird (glücklicherweise) nicht über Wahlen, Kioske, Quoten oder Klicks verkauft. Wenn Sie das mit der kachelmanndetailgeilen Mediennutzung ändern wollen, müssen Sie zensieren, die Menschen oder das System ändern. Viel Spaß, vor allem bei den Menschen.

  34. 34
    SvenR says:

    [gelöscht]

  35. 35
    Lisa M. Koßmann says:

    Wieder so ein Fall, wo jemand seine Verantwortung über der Lust an Sensation vergessen hat.

  36. 36
    Stefan Niggemeier says:

    Da ist man mal ein paar Stunden nicht am Computer…

    #27 ist der „echte“ Georg Altrogge. Alles zuvor waren Fakes.

  37. 37
    Sebastian says:

    @jokahl: Es geht insofern um Recht, als ein angenommenes oder gefühltes Recht des Publikums, dies und jenes zu wissen, als Argument angeführt wird. Selbst wenn es stimmen sollte, dass gar niemand an dieses Recht glaubt und es auf der einen Seite nur ums Geifern und auf der anderen nur um Auflage geht, dass die Boulevarderzeuger insgeheim also gar nicht glaubten, das richtige zu tun, könnte und müsste man dieses Argument kritisieren, weil es eben als Argument gebraucht wird.

    Und zunächst mal geht es hier nicht um Zensur, sondern wie gesagt um Kritik. Das mit dem Menschen ändern ist nicht so abwegig wie Sie es darstellen. Wir tun das den ganzen Tag. Eine Diskussion ändert die Meinung von Menschen, wenn auch nicht immer in der gewünschten Richtung, und schon eine simple Nachricht ändert den Informations- und Wissensstand von Menschen und die Meinung womöglich dazu. Wenn man es nicht für möglich hielte, dass Menschen (und „das System“) sich ändern, könnte man sofort alle geistige Arbeit einstellen. Und alles irgendwie geartete Bemühen um andere gleich mit.

  38. 38
    Michael Ziesmann says:

    Finde es bemerkenswert, dass Herr Niggemeier bei jeder sich bietenden Gelegenheit Onlinemedien als der Weisheit letzter Schluss sehen will (weil Printmedien und erst TV noch viel schlimmer sind), aber die meisten Angebote (außer seinem eigenen natürlich) weder mag noch liest – oder sie wahlweise liest um sie nicht zu mögen: Meedia, DWDL, Stern.de…

  39. 39
    Maifeld says:

    Der Stuckrad-Barre unter den Journalisten.

  40. 40
    StephanZ says:

    @Niggemaier

    Irgendwie stößt mir diese Formulierung: „Vielleicht ist es ein genetischer Defekt.“ auf. Wenn ich dann noch an den „vorzeitigen Samenerguss“ des letzten Post denke, dann frage ich mich, ob da jemand zu einem Machoproll aus dem Empörungsproletariat mutiert.

  41. 41
    Xaerdys says:

    Das mit dem Mitläufertum in nden 1930ern bis 1940ern hatten wir schonmal. Hatte verheerende Konsequenzen für alle Beteiligten. Ich würde es lassen.

  42. 42
    Michalis says:

    @VonFernSeher: ich lern es nicht mehr. Grrrr … 27! 27!

  43. 43
    theo says:

    31, KND:

    „Nur weil alle Fehler machen, sollten wir unsere (prinzipiell) angeborene Nächstenliebe nicht vergessen.“

    Neven junior kündigt an, demnächt nicht mehr Vater und Schwester medial via Bild zu attackieren?

    ;-)

  44. 44
    Gregor Keuschnig says:

    @17/jokahl
    Jein. Es ist die Frage, was zuerst da war: die Henne oder das Ei. Heizen die Medien mit ihrer Berichterstattung an – oder erfüllen sie nur die Informationspflicht des Publikums? Die Wahrheit liegt vermutlich dazwischen. Mich interessieren die Einzelheiten in K.s Sexualleben gar nicht und ich glaube, ich bin da auch überhaupt nicht auf dem aktuellen Stand. Das der Mann promisk gelebt hat, scheint jedoch ein Faktum zu sein. Das spielt dann sicherlich in der Beurteilung dieses Falls eine gewisse Rolle. So etwas gezielt zu verschweigen, ist lächerlich. Man lese sich einmal durch, was über DSK u. a. in der FASZ geschrieben wurde.

    Mein Mitleid mit K. hält sich in sehr engen Grenzen. Er wird die Angelegenheit noch versilbern. Mich stört dieser mönchische Heiligenschein, den hier einige an den Tag legen, so als hätten sie die wahre Berichterstattung erfunden. Dabei vergessen sie – gewollt oder nicht – das mutmaßliche Opfer bzw. deren Motivationen für eine solche Anschuldigung. Mit einer anderen „Medienanwältin“ als der deplatzierten und überforderten Alice S. hätte man da mehr Empathie entwickeln können. Hierüber redet aber kein Mensch.

  45. 45
    Gunnar says:

    @Gregor Keuschnig

    Das der Mann promisk gelebt hat, scheint jedoch ein Faktum zu sein. Das spielt dann sicherlich in der Beurteilung dieses Falls eine gewisse Rolle.

    Nö. Das Eine hat mit dem Anderen überhaupt nix zu tun. Mit der Information, dass eine Person polygam lebt, bzw. häufig wechselnde Sexual-Partner hat lässt sich nicht beurteilen, ob diese Person auch ein Vergewaltiger ist.
    Und die Medien gehen solche intimen Details schonmal gar nichts an.

    Mein Mitleid mit K. hält sich in sehr engen Grenzen.

    …sagt Jemand, der seinen Kram dann doch lieber unter Pseudonym im Internet veröffentlicht.

  46. 46
    JMK says:

    „Dennoch kann die Alternative nicht heißen, die Angelegenheit totzuschweigen bis ein Urteil gesprochen ist.“
    Wieso nicht? Nur weil Kachelmann als Moderator auftritt? Wo setzt die vermeintliche Grenze ein, wann ist jemand prominent (genug) dass darüber berichtet wird?
    Grundsätzlich sind solche Prozesse eine Angelegenheit zwischen zwei Menschen und nur weil eine große anzahl von Menschen sensationsgeil ist, kann das keine Berechtigung sein, darüber zu berichten.

  47. 47
    Gregor Keuschnig says:

    @45/Gunnar
    Das Eine hat mit dem Anderen überhaupt nix zu tun. Mit der Information, dass eine Person polygam lebt, bzw. häufig wechselnde Sexual-Partner hat lässt sich nicht beurteilen, ob diese Person auch ein Vergewaltiger ist.
    Da hat das Gericht eine andere Meinung vertreten.

    Sagt Jemand, der seinen Kram dann doch lieber unter Pseudonym im Internet veröffentlicht.
    Mit der Information, dass eine Person im Internet unter Pseudonym veröffentlicht hat lässt sich nicht beurteilen, ob diese Person auch ansonsten mitleidlos gegen Promis ist.

  48. 48
    Gregor Keuschnig says:

    @46/JMK
    Was sagen Sie denn zu Zumwinkel und DSK? Berichterstattungsverbot auch hier? (Die Liste ließe sich beliebig fortführen.)

  49. 49
    JMK says:

    Wer schrieb etwas von Verbot? der Pressekodex wurde oben schon zitiert. Und ja natürlich ist ein Prozeß um DSK oder Zumwinkel für die Öffentlichkeit und für die Ausübung ihrer Tätigkeiten völlig irrelevant. Oder interessiert es Sie ob gegen Filialleiter Müller von der Sparkasse Buxtehude ermittelt wird. Immer vorausgesetzt, dass es den Beruf nicht einschränkt. Der Witz ist doch, dass heutzutage schon hysterisch vor jeglicher möglichen Anklage massiv berichtet wird. Da muss ja nicht mal mehr ein Staatsanwalt tätig werden um Leben und Karrieren zu zerstören.

  50. 50
    Earonn says:

    @der echte Altrogge:
    Sie nennen sich Chefredakteur und können nicht zwischen (vielleicht) unumgänglicher aber in gebotener Weise zurückhaltender Berichterstattung über einen laufenden Prozess und dem genüßlichem Auswälzen pikanter sexueller Details unterscheiden?!
    Und es ist okay, weil es ja alle machen? Was haben Ihre Eltern Ihnen eigentlich früher gesagt, wenn Sie unbedingt auf die Saufparty gehen (o.ä.) wollten, weil „aber alle aus meiner Klasse das machen“?

    Darum bezahle ich für keine Zeitung etc.: weil es keine integre Berichterstattung gibt. Und ich bezahle doch nicht für etwas, dass ich später selbst verbessern (d.h. mit Hilfe anderer Berichte oder insb. Blobbeiträgen korrekt einordnen) muss!

  51. 51
    Gunnar says:

    @Gregor Keuschnig

    Da hat das Gericht eine andere Meinung vertreten.

    Wie sinnvoll das war hat man ja gesehen. Hätte das Durchwühlen des Privatlebens von Kachelmann irgendwelche Erkenntnisse zu Tage gefördert, wäre er wohl verurteilt worden. Mal ganz abgesehen davon, dass einem auch der gesunde Menschenverstand sagt, dass man nicht weiß, ob eine Person auch B tut, nachdem sie A getan hat.

    Mit der Information, dass eine Person im Internet unter Pseudonym veröffentlicht hat lässt sich nicht beurteilen, ob diese Person auch ansonsten mitleidlos gegen Promis ist.

    Es lässt aber vermuten, dass diese Person bestimmte Informationen über sich nicht im Internet lesen will, obwohl sie die Öffentlichkeit für sich nutzt.

  52. 52
    theo says:

    50
    („Darum bezahle ich für keine Zeitung etc.: weil es keine integre Berichterstattung gibt.“)

    Um eine solche Ausage zu tätigen, muss man schon allwissend sein. Respekt. Meedia.de (=Altrogge) ist übrigens ein Gratis-Produkt.

  53. 53
    Konstantin Neven DuMont says:

    Heute morgen lag die FAS ungefragt als Papierprodukt in unserem Briefkasten. Was hat das zu bedeuten?

  54. 54
    Ein Mensch says:

    „Er ist nicht nur ein überzeugter Mitläufer. Er verklärt das Mitlaufen zur höchsten Pflicht und Tugend. “
    Er ist halt ein guter, dummer Deutscher. So what?!

  55. 55
    Daniel says:

    @40: Irgendwie stößt mir der Name „Niggemaier“ in Ihrem Post auf. Wie der Blogbetreiber tatsächlich heißt, können Sie hier überall lesen – es muss doch möglich sein, den Namen korrekt abzuschreiben?

  56. 56
    Krems says:

    @Konstantin Neven DuMont: Wo bleibt Ihr Blog?

  57. 57
    o aus h says:

    „nicht mehr alle Vokale im Alphabet“ – hihi! Dabei hat Meediiaa doch eher zu viele.

  58. 58
    Patrick says:

    Ich finde meedia niedlich. Insbesondere die Blogs dort. Da wird immer so schön alles routiniert weganalysiert. Von Apples Produktpolitik bis hin Verlagsstrategien: allen wird erklärt, wie sie es richtig machen sollten. Herrlich!

  59. 59
  60. 60
    theo says:

    Schade, jetzt kann Altrogge auf meedia keine enthusiastischen Huldigungen mehr auf Julia Jäkel (G&J verfassen. ;-)

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  1. […] “Meedia”, dessen Chefredakteur es als “elementarste Aufgabe” der Medien ansah, “das Doppelleben des netten Herrn Kachelmann zu enthüllen”, und der es als […]

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