„Frischer Fisch und Sonnenwonne“

09 Apr 07
9. April 2007

Darf ich mir etwas wünschen?

Könnte, wenn das nächste Mal Mathias Müller von Blumencron oder ein anderer „Spiegel Online“-Vertreter auf irgendeinem Podium sitzen und über Qualitätsjournalismus im Internet sprechen, jemand bitte diesen „Spiegel Online“-Artikel dabei haben, der ausschließlich daraus besteht, zu berichten, dass Angela Merkel auf dem Weg in den Osterurlaub „wie jeder normale Tourist am Hafen ein Ticket für ein Tragflügelboot bezahlt und in 45 Minuten nach Ischia übergesetzt“ habe und am nächsten Tag „frischen Fisch gekauft und anschließend mit ihrem Mann Kaffee getrunken habe“, inklusive einer siebenteiligen Fotoserie, die genau das zeigt — übrigens, wie ich sagen würde, zur „bloßen Befriedigung von Neugier“?

Je nachdem, wie hoch das Ross war, auf das sich Müller von Blumencron oder einer seiner Vertreter vorher gesetzt haben, würde ich mir dann noch Gelächter wünschen, aber das ist optional.

20 Gedanken
  1. 1
    Martin says:

    Einen Mangel an Qualität kann ich nicht entdecken: 2 Alliterationen plus einen Binnenreim in den ersten zwei Sätzen (Überschrift inklusive), schöne Klischees („frischen Fisch“, hat schon mal jemand stinkigen Fisch am Hafen gekauft?; Energie tanken, oh yeah!), die notwendige Redundanz bei wichtigen Informationen (der Fisch ist zwei mal frisch), die seit Wolf Schneider unabdingbaren Details für eine anschauliche Reportage („Ticket selber gekauft“, „Kaffe getrunken“), historischer Hintergund („Bereits im vergangenen Jahr …“), seltene Figuren („Joachim Sauer“), eine behutsame Würdigung des Vorgangs durch den kritischen Reporter („wie jeder normale Tourist“) und schließlich die weltpolitische Relevanz („Anti-Terrorismus-Maßnahmen“, hmm, hört sich ein bisschen nach Afghanistan-Invasion an …).

  2. 2
    Stefan says:

    (allmählich muss ich doch mal nach einem plug-in suchen, mit dem man seine lieblingskommentare im blog besonders hervorheben kann)

  3. 3
    Steffen says:

    @Martin

    Glückwunsch: Den heutigen Ostermontag-Ironiepreis hast eindeutig du gewonnen! ;-)

    @Stefan
    Ja, such mal noch so einem Plugin… oder mach eine monatliche Rubrik auf mit „Die besten 10 Comments des Monats“. Das wär fein.

    Die inhaltliche Qualität von SPON nimmt tatsächlich rapide ab. Ich habe vor eineinhalb Wochen dem verantwortlichen Autor diesen SPON-Artikels hier:
    http://​www​.spiegel​.de/​n​e​t​z​w​e​l​t​/​w​e​b​/​0​,​1​5​1​8​,​4​7​4​8​2​9​,​0​0​.​h​tml

    eine Mail geschickt, geschätzte Länge ca. 5 DIN-A4-Seiten. U.a. habe ich ihm ein wenig aufgeklärt, dass Myspace, dem zentralen „Erkenntnisobjekt“ diesen Artikels. alles andere als ein Freehoster ist. Eigentlich habe ich zu jedem zweiten Absatz ein inhaltiches Statement abgegeben (konkret: abgeben müssen).

    Whatever. Bis heute habe ich auf meine Mail hin keine Rückantwort seitens des Autors erhalten. Interessant ist aber, dass der Artikel über die Suchfunktion von SPON nicht mehr zu finden ist. Zufall? Oder kam MySpace mal auf ein Kaffeekränzchen bei SPON vorbei?

  4. 4
    dussel says:

    Und dafür zahl ich — ach nee, zahl ich ja nix. Aber selbst das ist eigentlich zu teuer für so’n Geschreibsel… Ist Spon eigentlich traurig, nicht die Bild-Leser-Reporter-Aktion erfunden zu haben? Nicht dass das zu ihrem Image passen würde, aber zu ihrem Anspruch anscheinend schon.

  5. 5
    stefanolix says:

    Ich habe mir gerade die Mühe gemacht, diesen Unfug hier zu kommentieren:
    http://​www​.spiegel​.de/​w​i​r​t​s​c​h​a​f​t​/​0​,​1​5​1​8​,​4​7​5​9​2​9​,​0​0​.​h​tml
    Der Autor weiß offensichtlich überhaupt nichts über den Zusammenhang zwischen der Halbleiterindustrie und ihrer Forschung und Entwicklung, darf aber bei SPON darüber schreiben.

    Da ich als Abonnent des SPIEGEL das SPON-Angebot wahrscheinlich indirekt mitfinanziere, habe ich denen auch einen Leserbrief geschrieben.

  6. 6
    Chat Atkins says:

    Oh Herr, deine Welt ist voller Wunder: Es gibt tatsächlich Leute, die in Aust’schen Zeiten noch ein Spiegel-Abo haben!

  7. 7
    stefanolix says:

    Das Spiegel-Abo habe ich seit der »Wende« und ich bin eigentlich ein ziemlich markentreuer Mensch. Aber jetzt denke ich doch langsam über eine Kündigung nach.

    Ich habe meine Anmerkungen zu dem oben genannten Artikel in kurzer und sachlicher Form an SPON gesendet. Und es geht mir wirklich um das Richtigstellen dieses Unfugs. Wenn sie mir auch auf diesen Leserbrief nicht antworten, dann folgt nach der aktuellen Bezugsperiode die Kündigung.

  8. 8
    Chat Atkins says:

    Als in ein und demselben Heft — allerdings derzeit noch in zwei Artikeln — der Sozialstaat erst redaktionell vor die Wand gestellt und füsiliert wurde, während im Folgeartikel über das grausame Schicksal der neuen Armut herzzerreißend gebarmt werden durfte, da war für mich endgültig Schluss mit diesem gedruckten Tandaradei aus der Brandstwiete. ‚Ein Kerl muss eine Meinung haben‘, sagt zwar Döblin. Aber doch nicht alle Viertelstunde eine neue …

  9. 9
    westernworld says:

    ich weiß gar nicht was ihr alle habt, spon ist doch prima.
    ich finde da könnte sich die bunte ruhig eine scheibe von abschneiden.

  10. 10
    Lukas says:

    Für fünfseitige Stellungnahmen wäre mir meine Zeit zu schade — es sei denn, man kennzeichnet das Schreiben gleich als Initiativbewerbung auf den seit Jahren vakanten Posten eines SpOn-Schlussredakteurs (ich will doch hoffen, dass der Posten vakant ist …).
    Meine E-Mails an die Redaktion haben schon lange den typisch-herablassenden Leserbriefstil, in dem ich knapp alle gefundenen Fehler und Irrtümer aufführe. Eine Antwort habe ich zwar noch nie erhalten, aber länger als eine halbe Stunde habe ich auch nie auf die Korrektur warten müssen.
    Jedweden Hinweis gespart hab ich mir bei dieser Meldung, aber da war wohl doch noch irgendwann ein Serviermädchen zur Stelle.

  11. 11
    stefanolix says:

    Die »Bunte« weckt wenigstens keine Erwartungen und hat keinen Ruf zu verlieren. Der SPIEGEL schon.

  12. 12
    Lascha Sobo says:

    Manchmal, an stillen Feiertagen etwa, denke ich darüber nach, ob man in Zeiten des Internet und des ebenso hastig geschriebenen wie gelesenen Kommentars nicht so etwas wie ein Ironieanzeigeelement einführen sollte.

  13. 13
    mart says:

    Sollte man nicht mal eine „Woche der SpOn-Fehler“ ins Leben rufen?
    Eine Woche lang jeden gefundenen Fehler dokumentieren. Man könnte die zu prüfenden Ressorts ja vorher an einzelne, teilnehmende Blogs verteilen. Ich wäre jedenfalls dabei.

  14. 14
    Steffen says:

    @Lukas

    Bin gerade „im Training“. Bastel an meiner Diplomarbeit herum. 5 Seiten inhaltliche Anmerkungen sind für mich eine Angelegenheit von vielleicht 30 Minuten… und auch ganz schön zur Abwechslung, wenn man mal selber nicht hinter jedem Satz eine Quelle setzen muss, sondern einfach frei nach „Schnauze“ herunterschreiben kann. Hehe;-)

    Ansonsten warte ich sehnsüchtig auf http://​www​.sponblog​.de

  15. 15
    Torsten says:

    Ich habe Spon vor ca einem halben Jahr aus meinen Bookmarks gestrichen. Wenn denn doch mal ein lesenswerter Artikel erscheint, erfahre ich das durch Links in Blogs, Foren oder Mailinglisten. Allzu oft passiert das aber nicht.

    Folge dieser Entscheidung: Ich bin plötzlich bedeutend schlechter über Dieer Bohlen & Co informiert. Die Spon-Zeit stecke ich lieber in zeit an der frischen Luft in Verbindung mit Podcasts.

  16. 16
    stefanolix says:

    @#12: Ich hätte wohl schreiben sollen: »Ironie erkannt, aber …« ;-)

    Leider musste ich heute einen derart inkompetenten SPON-Artikel über meine Heimatstadt lesen, dass mir der Sinn für die Feinheiten etwas abhanden gekommen ist. Nach einer Tour durch einige der schönsten Gegenden meiner Stadt bin ich nicht mehr verstimmt, sondern fühle nur noch Mitleid für den Autor.

  17. 17
    Spiegel-Kritik says:

    @ 2, 14, Steffen: Leserbriefe mit Kritik an der journalistischen Arbeit im Hause Spiegel nehmen auch wir gerne (cc)

    @4, dussel: natürlich zahlst du dafür, es sei denn, die werbetreibend SpOn Finanzierenden räubern sich das Geld ganz wo anders.

    Frohe Ostern gehabt zu haben, Tg

  18. 18
    westernworld says:

    @#12 lasha sobo , ich möchte an dieser stelle auch die bereitstellung eines „bitterer sarkasmus-tags“ anregen.
    stelle mich als betatester zur verfügung.

    @#17 danke ihr habt gefehlt hoffentlich hilft’s, aber ich kann mich des öfteren des eindrucks nicht erwehren als sei die ursache des pisaschocks in der spon-redaktion bereits solide etabliert.

  19. 19
    Stefan mit f says:

    Und ich dachte, das wäre auf die geburtenschwachen Jahrgänge zurückzuführen?
    Bei SPON ist doch nur die SPAM-Redaktion wirklich lesenwert. Eiskalt recherchiert, scharf formuliert und manchmal auch nur böse.
    Aber so uninformativ ist der Artikel nun auch nicht. Jetzt weiß ich (wieder), wie der Bundeskanzleringatte heißt. Falls bei 9live danach gefragt werden sollte…

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