Sodomobil revisited

Ein Gericht hat die sogenannte Westboro Baptist Church von Fred Phelps dazu verurteilt, dem Vater eines im Irak getöteten amerikanischen Soldaten insgesamt elf Millionen Dollar zu zahlen. Die Mitglieder der Organisation, die sich als Baptisten bezeichnen, demonstrieren mit Sprüchen wie „God Hates Fags“ nicht nur bei Beerdigungen von Schwulen und feiern öffentlich den Tod von Opfern wie Matthew Shepard. Sie nehmen auch Beerdigungen von Soldaten ins Visier, weil sie zu glauben behaupten, der Krieg sei eine Strafe Gottes für die Homosexualität in den USA.

Das Urteil, das mit etwas Glück den finanziellen Ruin der Truppe bedeutet, ist ein schöner Anlass, den Ausschnitt zu zeigen, wie Michael Moore in seiner Fernsehsendung „The Awful Truth“ 1999 gegen Fred Phelps und seine Anhänger vorging — mit dem Sodomobil:

Außerdem angucken:
BBC-Doku: Louis Theroux lebt mit der Phelps-Familie.
[via nobbi]

39 Replies to “Sodomobil revisited”

  1. Louis and the Nazis ist empfehlenswert. Da trifft er sich mit amerikanischen neonazis, u.a. Tom Metzger. Müsste es noch bei Google Video geben.

  2. erklär mal einem bekloppten, dass er bekloppt ist: unmöglich!
    die bbc-doku ist erschreckend – irgendwie tun mir die kinder leid…

  3. ich wäre ja für ein mosquemobile vor die PI haustür, aber dann macht sich dort wieder jemand in die hosen…

  4. Weitere Doku-Tipps: „Weekend Nazis“ über Kriegsspiele in Großbritannien, die angeblich nur dem historischen Interesse dienen, aber offensichtlich rechtsradikalem Gedankengut entspringen. Außerdem: Die „Nazi-Twins“ über ein amerikanischen Mädchen-Pop-Duo, das aus der Militia-Szene kommt, und über „amerikanische Tugenden“ singt. Und natürlich „Jesus Camp“. Wer danach noch glaubt, es reiche als Skeptiker und Vernunftmensch, sich rauszuhalten, der sollte sich schämen…

  5. Herr Niggemeier, seit letzter Woche sind nicht geklickte Links in diesem Blog in blauer Farbe. Ist das Absicht, Absynth* oder spielt Opera mir einen Streich?

    *steht für „Huch, kaputt“

  6. Awful Truth und TV Nation sind wirklich gut – auch wenn man, wie ich inzwischen weiß, Michael Moore nicht unbesehen alles glauben kann, weil er im Endeffekt (leider) mit dem Zeug einen riesen Haufen Kohle verdient/verdienen möchte, und irgendwann kein Sender seine Sendungen aufgrund der rechtlichen Probleme mehr senden wollte – da blieb dann nurd er Dokumentarfilm für’s Kino (es kann halt nur einen Bill Maher geben, dem ich übrigens seine Kommentare zu Michael Jackson immer noch übel nehme, da ist er zu weit gegangen).

    Wie bei allem darf man sich halt nicht nur auf die eine Quelle verlassen. Theroux ist da ein guter Hinweis.

    Nur, und das ist mein Kommentar zum Ganzen: Theroux geht gar nicht. Der ist weder lustig noch intelligent für meinen Geschmack. Ich habe eine halbe Folge ausgehalten und mich dann entschieden, doch lieber Seinfeld oder Curb Your Enthousiasm zu sehen als das. Er ist einfach nicht vordergründig hintergründin sondern einfach nur seltsam und durchgeknallt.

    Wie gesagt: dann lieber TV Nation. Oder halt Real Time. Oder Daily Show. Oder Colbert Report.

  7. @18 nicht unbesehen alles glauben kann, weil er im Endeffekt (leider) mit dem Zeug einen riesen Haufen Kohle verdient/verdienen möchte,

    Eine eigenartige Begründung. Im Volksmund nennt man das: Neid.

  8. I. Theroux zeigt, dass grundsätzlich auch in Deutschland weiter mit Presenter-Reportagen experimentiert werden sollte.

    II. Formatklau gibts auch in England. Kurz nach der BBC hat ITV den Schauspieler und Myspace-Sängerinnenvater Keith Allen zu den Phelps geschickt. Der setzt im Vergleich auf eine Hau-Drauf-Methode, aber wenigstens kommt dabei am Ende raus, dass die Phelps-Tochter und Clansprecherin ein uneheliches Kind hat. Und, Überraschung: sie geht nicht davon aus, deswegen in die Hölle zu kommen.
    http://www.youtube.com/user/natr75

    III. Die Familie hat gestern wieder demonstriert, will damit weitermachen und gegen das Urteil Berufung einlegen.
    http://www.queerty.com/news/wpcs-past-present-and-future-protests-20071101/

  9. @22: nein das ist kein Neid und Danke dass dieses dämliche Argument sofort vorgekramt wird wenn ich sage, dass man keiner Quelle unbesehen glauben soll, andere Beispiele nenne und auch Alternativquellen. Oder gehen Sie davon aus, dass alle anderen genannten Personen keinen Riesenhaufen Kohle verdienen? Jon Stewart hat grad bis 2013 verlängert. a geht’s um zig Millionen.

    Aber ich gebe gerne ein paar Beispiele: das Problem ist, dass Moore erwiesenermaßen (ich komm grad nicht auf den Titel der Dokumentation über ihn) Sachverhalte unterschlägt, Dinge überspitzt und krasse Situation arrangiert – wie eben dieses Sodomobil. Manche Sachen sind so krass – andere sehen nur so aus, weil er moderatere Szenen einfach weglässt in seinen Sendungen.

    Ich meine wer hätte denn gedacht, dass er sich mit dem Chef von GM, Roger Smith, tatsächlich getroffen hat für „Roger & Me“? Oder dass der Anteil der Kongreßabgeordneten, die Familienmitglieder im Irak haben, gemessen an der Bevölkerung, doch nicht niedriger ist als der der Restbevölkerung – wenn man eben die Offiziere dazuzählt, die zwar nicht in den Straßenschluchten rumrennen sondern höchstw. im Basislager oder auf einem Flugzeugträger im persischen Golf, sich aber für Fahrenheit 9/11 vor das Kapitol zu stellen und so zu tun, als wären da keine Abgeordnetensöhne im Irak ist einfach eine Lüge. Fertig ab. Miiltär ist Militär und im Gegensatz zu Prinz Harry sind da Kongressabgeordnetensöhne im Irak.

    Nächstes Mal bitte gerne meine Argumente angreifen und nicht mich persönlich als Neidhammel.

    Der Niggemeier verkauft ja jetzt auch Mützen auf Bildblog.de. Kapitalisten*piep* ;-)

  10. Das Treffen Moores mit Roger Smith fand lange Zeit vor Beginn der Dreharbeiten zu „Roger & Me“ statt und hatte inhaltlich auch nichts mit dem Film zu tun. So jedenfalls Moore selbst, und angesichts der Tatsache, daß General Motors Moore wahrscheinlich sein letztes Baseball-Cap weggeklagt hätte, wenn die in „Manufacturing Dissent“ aufgebrachten Vorwürfe den Tatsachen entsprechen würden, bin ich geneigt, ihm zu glauben. Ich bin Moore gegenüber selbst teilweise kritisch eingestellt, aber was uns da in „Manufacturing Dissent“ als große Skandale verkauft wurden, sind in Wahrheit wohl oft keine.

  11. Weiß jemand, wie man diese dämlichen Traffic-Beschränkungen bei google video umgehen kann? Ich hatte schon zwei Filme geschaut, bevor ich jetzt hier auf den Theroux-Link gestoßen bin und google will mich den Film partout nicht schauen lassen. Klar, man könnte jetzt mit TOR und Konsorten rumtricksen, aber das ist zu langsam …

  12. Natürlich sind das keine Skandale. Das sag ich ja auch nicht.

    Nur sollte man nicht immer alles, was Moore sagt, so einfach hinnehmen.

    Die Szene in Paris bezüglich Gesundheitsvorsorge und in England bezüglich dem Gesundheitssystem grenzte an Schlaraffenland. Irgendwer zahlt schon für die ganzen Sachen, es ist halt nur ein Versicherungssystem, das nicht auf Gewinn ausgelegt ist. Dieser Hintergrund wird zumeist nie klar bei Moore, sondern immer nur „Das ist ein Skandal, so geht’s woanders besser“.

    Da gefielen mir seine Auftritte bei Wolf Blitzer in den vergangenen Wochen um Einiges besser RE Dr Gupda.

  13. habe mit diesem Text das erst mal vom Sodomobil gehört. Habe mich schief gelacht… Ob man damit Toleranz schafft, weiss ich allerdings nicht….

  14. >>die sogenannte Westboro Baptist Church…

    rein stilistisch: ich denke mal, daß die sich wirklich so nennen, was man auch selber immer von Baptisten meinen mag. Ob es wirklich welche sind, vermag glaube ich niemand zu sagen…

  15. Micheal Moore kann einem mit seiner ewigen Rechthaberei aber auch tierisch auf den Sack gehen. Naja…in diesem Zusammenhang…passt’s ja wieder.

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