Barbra Wulff?

08 Sep 12
8. September 2012

Mal klingt es herablassend mitleidig, mal hämisch triumphierend, aber für viele im Netz scheint festzustehen, dass Bettina Wulff den Streisand-Effekt nicht kennt.

Ähnlich, wie das Wort „Shitstorm“ inzwischen reflexartig benutzt wird, wenn sich mehr als drei Menschen öffentlich über etwas aufregen, erschallt zuverlässig der Ruf „Streisand!“, wenn jemand sich gegen unliebsame Berichterstattung wehrt und ihr gerade dadurch erst Aufmerksamkeit verschafft.

Benannt ist er nach der amerikanischen Sängerin, die mit einer Klage verhindern wollte, dass eine Luftaufnahme von ihrem Haus im Netz zu sehen war. Das Foto und seine Verbindung zu Streisand wurde erst dadurch einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Statt sechsmal wurde das Bild in der Folge hunderttausendfach heruntergeladen.

Bettina Wulff, die Frau des früheren Bundespräsidenten, soll nun also den gleichen Fehler gemacht haben. Es geht um das Gerücht, sie habe früher als Model im Rotlichtmilieu gearbeitet. Dadurch, dass sie gegen Medien und Internetseiten vorgeht, die dieses Gerücht verbreitet hatten, hätten viele Menschen überhaupt erst von diesem Gerücht erfahren. Ihr Versuch, eine Information aus der Welt zu schaffen, habe dazu geführt, diese Information erst recht zu verbreiten.

Nun ist dieser Streisand-Effekt oft eine gute Sache; eine gewaltige und effektive gemeinsame Trotzreaktion gegen Einschüchterungs– und Vertuschungsversuche. Seine Wirkung wird aber gelegentlich im Netz unreflektiert in einer Weise gefeiert, die ignoriert, dass auf diese Weise auch berechtigte Anliegen konterkariert werden können. Selten ist die Grenze zwischen kollektiver Notwehr und Selbstjustiz eindeutig.

Warum sollte Bettina Wulff, insbesondere wenn die kolportierten Geschichten über ihre Vergangenheit schlicht unwahr sind, entsprechende Behauptungen und Andeutungen hinnehmen müssen? Wollen wir, dass die Angst vor dem Streisand-Effekt dazu führt, dass sich Opfer von Lügen nicht gegen sie wehren?

Doch es geht in der Sache Wulff ohnehin nicht um den Streisand-Effekt. Was sich jetzt schlagartig verbreitet, ist nicht das Gerücht, dass Frau Wulff einmal im Rotlicht-Milieu gearbeitet haben soll. Was sich jetzt schlagartig verbreitet, ist die Geschichte, wie Gegner von Christian Wulff dieses falsche Gerücht in die Welt gesetzt haben sollen.

Ein seit Jahren anhaltendes Raunen („Hast du die Geschichte über Bettina Wulff gehört?“) wird ersetzt durch eine offene Spekulation über die Hintergründe dieses Raunens. Es geht nicht mehr hinter vorgehaltener Hand darum, was Bettina Wulff angeblich gemacht hat, sondern es geht in aller Öffentlichkeit darum, was andere mit diesem Gerücht gemacht haben.

Ganz anders als bei Barbra Streisand und ähnlichen Fällen hat Bettina Wulff durch ihre Klage die Kontrolle über die Geschichte nicht verloren, sondern wiedergewonnen.

Notwendig dafür war auch ein Gang an die Öffentlichkeit, in diesem Fall indirekt über die „Süddeutsche Zeitung“, die die Hintergründe des Gerüchtes — sicher in Abstimmung mit Frau Wulff — jetzt öffentlich machte.

Ob dabei jedes einzelne juristische Gefecht, das Frau Wulff anstrengt, sinnvoll und hilfreich ist, ist natürlich eine andere Frage. Der Politikberater Michael Spreng klatscht ihr Beifall dafür, dass sie auch gegen Günther Jauch und Google vorgegangen ist. Jauch hatte das Gerücht indirekt in seiner ARD-Talkshow zitiert; Google nennt Spreng einen „willigen Helfer“, der

völlig neutral natürlich — jedem Verleumder die Plattform verbreitert und die Verleumdung ins Unendliche potenziert. Es ist nicht nur Bettina Wulff, sondern allen Opfern von Verleumdungen und üblen Nachreden zu wünschen, dass ihre Klage gegen Google Erfolg hat und alle Einträge gelöscht werden müssen.

Es geht aber nicht um „Einträge“, die Google löschen soll. Es geht darum, dass Google durch seine Vervollständigungsfunktion unbefangenen Nutzern schon während der Eingabe des Namens von Bettina Wulff vermeintlich passende Suchbegriffe wie „Escort“ oder „Prostituierte“ vorschlägt.

Diese Begriffe reflektieren keine Tatsachen oder vorhandenen „Einträge“, sondern das, wonach die Menschen suchen*.

Ein solcher automatischer Algorithmus hat das immanente Problem, Gerüchte zu reproduzieren, weiterzutragen und scheinbar zu bestätigen. Oft wird hinter den häufigen Suchanfragen auch nicht einmal ein konkretes Gerücht stecken, sondern nur Neugier und Wunschdenken — so erkläre ich mir jedenfalls, bei wie vielen Fußballspielern als passender Suchbegriff „schwul“ vorgeschlagen wird.

Google kann aus diesen Vorschlägen nicht konsequent die herausfiltern, die einen verleumderischen Zusammenhang herzustellen scheinen. Dazu müsste der Konzern selbst überprüfen, welche Wortkombinationen erwiesen wahre Sachverhalte beschreiben. Es dürfte auch schwer gelingen, eine vollständige Liste von Wörtern anzulegen, die wegen ihrer potentiell justiziablen Natur nie vorschlagen werden. Was müsste die umfassen? „Betrug“, „Prostituierte“, „Bordell“, „krank“, „homosexuell“, „Scheinehe“, „Unterhalt“, „Baby“, „schwanger“ …?

Google müsste realistischerweise die Vervollständigungsfunktion komplett abschalten, wenn sie in keinem Fall etwas vorschlagen darf, was eine unzulässige Tatsachenbehauptung suggeriert. Gibt es einen Anspruch darauf, zu erfahren, wonach alle anderen gesucht haben? Ich glaube nicht. Aber gibt es einen Anspruch darauf, zu verhindern, dass andere erfahren, wonach alle anderen gesucht haben? Ich bin mir nicht sicher.

Der Prozess wird interessant, aber vermutlich ist die Auto-Complete-Funktion von Google spätestens in ein paar Tagen für Frau Wulff eh unproblematisch. Sie wird vermutlich immer noch Begriffe wie „Escort“ zu ihrem Namen vorschlagen, aber die Suchergebnisse werden zu Artikeln führen, in denen nicht mehr das damit verbundene Gerücht kolportiert wird, sondern die Geschichte erzählt wird, wie sie durch dieses Gerücht unmöglich gemacht werden sollte.

*) Nachtrag/Korrektur: Genau genommen ist es laut Google eine Kombination aus eingegebenen Suchbegriffen anderer Nutzer und von Google erfassten Seiten.

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221 Gedanken
  1. 1
    Mocca says:

    Frau Wulff nutzt den Streisand-Effekt zur Vermarktung ihrer Biographie.

  2. 2
    Sven says:

    ach, und ich dachte, es geht bei dieser Geschichte alleine um PR fürs neue Buch. Hat für mich eher was von Verona Wulff

  3. 3
    Alexander says:

    Danke, dass es jemand aufschreibt. Diese „Streisand!“-Rufe, sobald irgendjemand gegen irgendetwas vorgeht, nerven kolossal; viele, die da rufen, scheinen die Pointe der damaligen Geschichte missverstanden zu haben.

  4. 4
    Quarkspeise says:

    Die gleichen Leute rufen auch immer „Stockholm-Syndrom“ wenn sie auf Leute treffen, die *freiwillig* etwas mögen, was doch jeder abzulehnen hat.

  5. 5
    Peter says:

    Die Geschichte hat eine Facette mehr: Hier geht es um die Vermarktung ihres demnächst erscheinenden Buches. Und daß das hervorragend funktioniert, sieht man z.B. an SpOn: Z. Zt. (18.55 Uhr) vier Artikel und eine Fotostrecke.

    In jeglicher Hinsicht schmierig.

  6. 6
    gant says:

    Soll sie doch ihr Buch sponsorn — dann ist das eben Teil der vorbereiteten Gegenoffensive zu diesem absolut widerlichen, boshaft lancierten Gerücht.

    Hände hoch, der sich freiwillig solchen Gerüchten ausgesetzt sehen will! Und nochmal Hände hoch, wer sich dann wegen des Versuchs zur Ehrenrettung Geldschneiderei vorwerfen lassen will…

    Im Ürbigen wird es selbst bei allen noch so klaren Gegenbeweisen am Ende wieder diejenigen geben, die weise den Finger erheben und verkünden, dass es solche Gerüchte ja nicht ohne Grund gäbe und dass allein deshalb schon etwas Wahres dransein müsse. *würg*

    Man kann/sollte wirklich nicht alle und alles in einen Topf werfen.

  7. 7
    Philipp He says:

    Seit Jahren ist dieses Gerücht online nachlesbar. Dass juristisch nicht zum Zeitpunkt der Wulff-Affäre dagegen vorgegangen wurde, leuchtet jedem noch ein.
    Dass aber nun nur wenige Wochen vor Publikation der Biographie dagegen vorgegangen wird, kann doch nicht wirklich ein Zufall sein. Ganz plumpe PR-Strategie.

  8. 8
    Martin says:

    Ich finde diese Diskussion um ihre rechtlichen Schritte auch befremdlich. Ich denke so gut wie jeder politisch interessierte Mensch hat in den letzten zwei Jahren dieses Gerücht mitbekommen. Ist ja schließlich kein Wunder, bei den ganzen Diskussionen die um Christian Wulff stattgefunden haben. Dementsprechend kann sich ihr Image-Schaden doch kaum noch vergrößern.

    Außerdem meine ich den Streisand-Effekt irgendwann mal so verstanden zu haben, dass es da um Fakten (oder zumindest wahre Dinge, Fotos etc.) geht, deren Verbreitung unterdrückt werden soll. Wenn es sich also wirklich um ein Gerücht politischer Gegener handelt, sollte es ja wohl erlaubt sein, das ganze aufzuklären und auch rechtlich durchzusetzen.

    Ich zähle mich auch zu den Kritikern von Wulff, aber jetzt so ein großes Brimborium um diese Aktion zu veranstalten ist schon ziemlich lächerlich.

  9. 9
    Sebastian W. says:

    @#1 Mocca: Es ist eventuell etwas zynisch aber aber das war auch mein erster Gedanke.
    Dennoch: Unabhängig davon und davon was ich von ihr und ihrem Mann halte begrüße ich den neuen Fokus der Berichterstattung über diesen Fall. Auch wenn ich ihre Klagen im einzelnen nicht unterstütze ist es doch in jedem Fall wichtig solche mutmaßlichen Manipulationsversuche aufzuklären und anzuprangern.

  10. 10
    Haco says:

    Jemand der Google nutzt sieht ja nur, dass da was automatisch ergänzt wird. Warum das so ist, und worauf sich das bezieht, weiß er erst mal nicht. Im Prinzip kann es auch so wahrgenommen werden, dass Google etwas anbietet was es gibt, in etwa so wie bei Ebay. Und dann haben die Vorschläge der Vervollständigungsfunktion eine andere Qualität. Entscheidend ist meiner Meinung nach, wie diese Funktion wahrgenommen wird, und nicht wie sie genau funktioniert (was außer Google eh niemand so genau weiß)

    Am erstaunlichsten an der Geschichte finde ich aber, dass die beiden Blogger, die das Gerücht maßgeblich verbreitet haben sollen, 71 und 88 Jahre alt sind. Und ich dachte immer, es ist die „junge Generation“, die für die Verrohung im und durch das Netz verantwortlich ist ;-)

  11. 11
    Regierungs4tel says:

    Lieber Herr Niggemeier,

    wie kommen Sie zu der Annahme, dass der vielbesungene Doyen des dt. investigativen Journalismus, Hans Leyendecker, seinen Artikel in der SZ „sicher in Abstimmung mit Frau Wulff“ veröffentlicht hat?

    Das wäre ja noch schöner.

  12. 12
    Frank says:

    Ich frage mich nur warum Frau Wulf nicht die Suchmaschine Bing verklagt. Dort werden die Begriffe auch vorgeschlagen.

  13. 13
    Heinz says:

    “ Aber gibt es einen Anspruch darauf, zu verhindern, dass andere erfahren, wonach alle anderen gesucht haben? Ich bin mir nicht sicher.“

    Sie glauben also ernsthaft, dass Sie das Recht haben (könnten) Google zu verbieten mit Autocomplete für (meist) sinnvolle Suchvorschläge zu sorgen?

    Dafür, dass Betina W. das versucht (und das mit dem Buch sh. hier drunter) hat hat sie sich den Streisand Effect redlich verdient — solch eine Zensur darf man nicht zulassen.

    „Seit Jahren ist dieses Gerücht online nachlesbar. Dass juristisch nicht zum Zeitpunkt der Wulff-Affäre dagegen vorgegangen wurde, leuchtet jedem noch ein.
    Dass aber nun nur wenige Wochen vor Publikation der Biographie dagegen vorgegangen wird, kann doch nicht wirklich ein Zufall sein. Ganz plumpe PR-Strategie.“

    ack

  14. 14
    Gichtl vom Berge says:

    Ein guter Grund, Ihr Blog zu lesen, ist, dass Sie Chauvinismus und Phrasendrescherei auch dann noch erkennen können (und wollen), wenn sie von der „Netzgemeinde“ kommen.

  15. 15
    Gregor Keuschnig says:

    Frau Wulffs Klagen sind wohlfeil. Die Gerüchte sind Monate alt; die Denunziationen längst eingesickert. Es gibt wichtigere Fälle als den der Bettina Wulff, die nur ihr Buch vermarkten möchte. Im Netz gibt es Zigtausende von Seiten die Nazi-Verbrechen leugnen, Verschwörungstheorien ausbreiten, Lügen potenzieren. Die Welt hält das aus; Aufklärung heißt das Zauberwort. Wir müssen mit Paranoikern, Lügnern, Schwachköpfen und Denunzianten leben, ob es einem passt oder nicht. Wer das glauben will glaubt es auch ohne Google, Jauch oder “Berliner Zeitung”. Ich hoffe, dass Frau Wulff mit ihren Klagen keinen Erfolg hat. Das glaubt sie womöglich selber nicht, aber es bringt eben ein bisschen PR. Im übrigen wird man sich in paar Jahren fragen, wer Bettina Wulff überhaupt ist (hoffentlich).

  16. 16
    sathomaso says:

    Daß man immer noch eine Rufmordkampagne mit dem Thema „Prostitution“ durchziehen kann finde ich erschreckend.
    Google (also die Suchmaschine) zensieren? Das machen die doch selbst schon zur Genüge.

  17. 17
    V40 says:

    …wie kann man sich mit diesem großen Kaliber nur ins eigene Knie schießen.…

    Ich denke auch dass es doch eher Buchwerbung ist…

  18. 18
    Jan says:

    @Martin, 8:

    Ich denke so gut wie jeder politisch interessierte Mensch hat in den letzten zwei Jahren dieses Gerücht mitbekommen

    Weil es ja so viel mit Politik zu tun hat? :)

  19. 19
    Dr. Golz says:

    Ich sehe da im Text eine „Prostiuierte“.

    :-)

  20. 20
    JMK says:

    ich zitiere mal die Wikipedia: „The Streisand effect is a colloquial term to describe the phenomenon whereby an attempt to hide or remove a piece of information has the unintended consequence of publicizing the information more widely. “

    Dass ihr Vorgehen gegen unrechtmäßige Berichterstattung rechtens und nachvollziehbar ist, hat aber nichts mit der Außenwirkung dieses Vorgehens zu tun. ich behaupte mal, ein Großteil der Menschen hat entweder nichts von den Vorwürfen mitbekommen oder sie schon wieder vergessen. Insoweit tut sie sich medientechnisch keinen Gefallen damit diese olle Kamelle wieder auszugraben.

  21. 21
    Herr Schlimmbeck says:

    Der Streisand-Effekt, also die größere Bekanntmachung der Gerüchte durch rigides Vorgehen, ist ja nunmal eingetreten. Somit kann man meines Erachtens durchaus von diesem Effekt sprechen.

    Aber die Gefahr des Streisand-Effekts bedeutet ja nicht zwangsläufig, sich von ihm einschüchtern zu lassen und nicht gegen Reputationsverluste (z.B. Wulff) oder Markenrechtsverletzungen (z.B. Nestlé/Kitkat/Palmöl) vorzugehen. Einen Streisand-Effekt zu provozieren ist also nicht unbedingt ein Fehler, sondern ein Übel, das man für eine bessere, höhere Sache in Kauf nehmen muss.

  22. 22
    Sebastian says:

    „Peter Alt“ zu tippen hat gereicht.

    Das Suchergebnis (bzw. der erste Treffer) sind Ironie pur.

  23. 23
    dirk says:

    @Stefan Niggemeier:

    Es ist wichtig, bei Google Suggest sprachlich präzise zu sein.

    Ihre Darstellung ist nicht ganz vollständig. Die Vorschläge reflektieren nicht nur das, wonach gesucht wird, sondern:

    „As you type, Google’s algorithm predicts and displays search queries based on other users‘ search activities and the contents of web pages indexed by Google.“

    http://support.google.com/websearch/bin/answer.py?hl=en&hlrm=de&answer=106230

  24. 24
    Alberto Green says:

    3 Dinge zum Text von Spreng:
    1.„Es ist neben seiner aufklärerischen Funktion auch eine riesige Denunziations– und Verleumdungsmaschine, häufig sogar vor der Information.„
    „Das haben nicht nur Bettina Wulff erlebt, sondern tausende oder zehntausende nichtprominenter Menschen, die im Internet gemobbt, denunziert und verleumdet werden.„
    „Es wäre ein zivilisatorischer Rückschritt, wenn es im Internet weiter erlaubt würde, die Regeln unseres Zusammenlebens außer Kraft zu setzen.“

    Der Herr Spreng wird ja plötzlich so schwammig. Ist doch sonst nicht so seine Art.

    2. „Und es wäre ein – hoffentlich – abschreckendes Beispiel, wenn neben den Verursachern auch Google zu einem hohen Schadensersatz verurteilt werden würde.„
    „Aber, so die verlogene Ausrede des netten Herrn Jauch, er habe doch nur eine Zeitung zitiert. Hoffentlich ist Bettina Wulff auch in diesem Fall erfolgreich.“

    Hat er diesen fiesen, hämischen Stil noch aus seiner Zeit beim Express und bei der BamS oder aus dem Internet?

    3. Wenn er jedesmal statt „Internet“ „Menschen“ geschrieben hätte, wäre ihm vielleicht vor dem Veröffentlichen aufgefallen, was für einen fast schon naiven Nulltext er da produziert hat.

  25. 25
    Stefan Niggemeier says:

    @Peter (#5) u.a.: Was ist daran schmierig?

    Gehen wir einmal davon aus, dass an den Gerüchten nichts dran ist und Frau Wulff das Opfer einer Verleumdungskampagne wurde. Hat sie dann nicht das Recht, selbst zu entscheiden, wie sie mit dieser Geschichte umgeht? Und ist es nicht legitim, falls sie versucht, aus dieser für sie schlimmen Geschichte am Ende wenigstens eine Art Vorteil zu ziehen?

    Man kann es als PR-Strategie bezeichnen. Man kann aber auch einfach sagen: Sie ist jetzt an dem Punkt, wo sie ihre Version der Geschehnisse erzählen will, in einem Buch, das bald herauskommt. Zu dieser neuen aktiven Kommunikation gehört auch ein offensiver Umgang mit dem, was sie als Lügen bezeichnet. Das mag auch eine kommerzielle PR-Strategie sein, es ist aber auch erst einmal eine klare eigene Kommunikationsstrategie.

    @Regierungs4tel (#11): Ich weiß nicht, was konkret war. Aber es ist offenkundig, dass Frau Wulff ein Interesse an dieser Geschichte in dieser Form zu diesem Zeitpunkt hat. Da liegt es nahe, dass es einen Anstoß, einen Hinweis, eine gewisse Abstimmung gegeben haben könnte.

    Ich weiß nicht, ob ich da jetzt zu große Illusionen zerstöre, aber viele Geschichten, die „exklusiv“ in den Medien erscheinen, tun das, weil irgendjemand ein Interesse daran hat und dafür sorgt, das sie das tun.

    @Frank (#12): Bing hat in Deutschland einen Marktanteil von gut 1 Prozent.

    @Gregor Keuschnig (#15):

    Es gibt wichtigere Fälle als den der Bettina Wulff, die nur ihr Buch vermarkten möchte.

    Natürlich gibt es wichtigere Fälle, aber vermutlich nicht für Frau Wulff. Und woher wissen Sie, dass sie nur ihr Buch vermarkten möchte. Könnte es nicht sein, dass sie auch sowas wie Gerechtigkeit will? (Von mir aus können Sie es auch „Rache“ nennen, beide Varianten fänd ich menschlich nachvollziehbar.)

    Sie mögen Frau Wulff nicht, oder?

  26. 26
    Stefan Niggemeier says:

    @dirk: Danke für den Hinweis, ich hab’s oben nachgetragen.

  27. 27
    nona says:

    „Warum sollte Bettina Wulff, insbesondere wenn die kolportierten Geschichten über ihre Vergangenheit schlicht unwahr sind, entsprechende Behauptungen und Andeutungen hinnehmen müssen? “

    Googles (oder Bings, oder Yahoos) automatisierte Autocomplete-Funktion als „Behauptung“ oder „Andeutung“ zu bezeichnen halte ich jetzt mal für… besonders kreativ…

    Wir wissen natürlich nicht im Detail, was Frau Wulffs grundlegende Motivation zu diesem Vorgehen ausgerechnet gegen Google ist. Da ist zwangsläufig viel Spekulation darüber im Spiel, was die Hintergründe sind (Promotion für das kommende Buch z.B. ist nun auch nicht gerade völlig von der Hand zu weisen). Vordergründig müssen wir ergo mit dem Vorlieb nehmen, wonach es aussieht: dem Versuch, die Verbreitung des Gerüchts zu stoppen. Was vorhersehbar gescheitert ist. Was es zum klassischen Beispiel für den Streisand-Effekt macht.

    (Und ohne diese absurde Klage gegen Google hätte vermutlich kaum jemand Notiz davon genommen, schliesslich geht sie offenbar schon seit Monaten in Dutzenden anderen Fällen juristisch vor ohne dass es zu irgendeinem grösseren öffentlichen Hallo gekommen wäre.)

  28. 28
    Stefan Niggemeier says:

    @nona: Google habe ich mit der Formulierung auch nicht gemeint.

  29. 29
    Mirco says:

    @nona

    Ich denke, man muss mal genau definieren, was der Streisand-Effekt ist. Man versucht eine Information, die nur wenige kennen, zu unterdrücken und dadurch verbreitet sie sich um ein vielfaches.

    Das passt hier aus zwei Gründen nicht.

    1. Sind die Gerüchte schon rum. Das heißt nicht, dass sie jeder kennt, aber so viele, das es aufs selbe hinausläuft. Das wäre, wie wenn man Kachelmann Streisand vorwerfen würde, wenn er gegen als Tatsache dargestellte Vorwürfe vorginge.

    2. Frau Wulff hat eine Geschichte dazu.
    So eine zusätzliche Information hatte die Barbra nicht. Nun wissen wir, dass das Gerücht vermutlich falsch ist, wie und wo es kolportiert wurde und last not least, dass es bald ein Buch dazu geben wird.
    Und die Zahl der Leute, die nur den ersten aber nicht den zweiten Teil der Geschichte, wird nun abnehmen.

  30. 30
    Stefan Niggemeier says:

    @Mirco: Ich würde es noch an etwas anderem festmachen. Barbra Streisand hat beim Versuch, die Kontrolle über Informationen zu gewinnen, diese Kontrolle vollständig verloren. Bei Frau Wulff ist die Sache natürlich noch nicht entschieden, aber ich habe das Gefühl, dass Sie es mit ihrem Vorgehen geschafft hat, eine größere Kontrolle über die Informationen zu gewinnen. Hier geht es weniger um das Verschwindenlassen unerwünschter Informationen, sondern darum, die Deutungshoheit über diese Informationen zu erlangen.

  31. 31
    S. Schwarzmeister says:

    Zumindest wissen wir jetzt dass weder Herr noch Frau Wulff bi/homosexuell sind, dann sähe der Artikel hier wieder ganz anders aus.

  32. 32
    amfenster says:

    @27/nona:

    Vordergründig müssen wir ergo mit dem Vorlieb nehmen, wonach es aussieht: dem Versuch, die Verbreitung des Gerüchts zu stoppen. Was vorhersehbar gescheitert ist. Was es zum klassischen Beispiel für den Streisand-Effekt macht.

    Nein. Im einen Fall wird eine weitgehend unbekannte Tatsache dadurch erst bekannt, dass sich jemand gegen ihre Verbreitung wehrt.

    Im anderen Fall wehrt sich jemand gegen eine kursierende Tatsachenbehauptung. Dadurch wissen vielleicht ein paar Leute mehr als vorher, dass es dieses Gerücht gibt. Aber es ist auch klargestellt, dass es sich dabei um eine falsche Behauptung handelt.

    Frau Streisand sagt: Ich will nicht, dass alle wissen, dass DAS HIER mein Haus ist. Mit dem Ergebnis, dass alle wissen, dass das ihr Haus IST.
    Frau Wulff sagt: Ich will nicht, dass weiterhin verbreitet wird, ich hätte als Escort oder Prostituierte gearbeitet, weil das nicht den Tatsachen entspricht. Mit dem Ergebnis, dass alle wissen, dass ihr das nachgesagt wurde — und dass es nicht stimmt.

    Das ist doch offensichtlich was anderes.

  33. 33
    Andreas WernerAndreas Werner says:

    Klar — Streisand liegt nahe. Es ist eigentlich gleich, ob an der Geschichte was dran ist oder nicht. Der Zeitpunkt und die Art der Themenkarriere irritieren ein wenig. Warum wurde das ausgerechnet jetzt wieder hochgekocht? Ging das tatsächlich von Frau W. aus? Wenn dem so ist, wäre ich doch arg enttäuscht. Bisher war ich der Meinung, dass sie mit solchen Verfahren nicht viel am Hut hat.
    Wurde das Thema von anderer Stelle hochgekocht, dann war dies nicht wirklich nett. Schwierig, schwierig…

  34. 34
    Stefan Niggemeier says:

    @amfenster: Ja. So hätte ich das sagen wollen.

  35. 35
    j. says:

    Irgendwie fand ich ja die Mailbox-Nachricht von Wulff schon gut. Es musste mal gesagt werden.
    Ich war auch ein Kritiker von Wulff, aber wenn ich den weinenden Gauck sehe, der ständig so staatstragend von Freiheit labert, …ich weiß ja nicht, was da besser ist. Ist ja auch egal.
    Wenn Bettina Wulff jetzt Google und Jauch verklagt, trifft es auf jeden Fall die Richtigen. Ob´s was bringt, ist die andere Frage, aber Promotion für ein Buch ist das sicher nicht. Bei dem „Ehrensold“ haben die das nicht mehr nötig.
    Die wollen sich halt wieder auf die Straße trauen verständlicherweise. Und dazu müssen sie in die Offensive gehen.
    Ich find´s gut. Ich befürchte nur, dass bald die Talkshow bei Lanz ansteht. Bitte nicht!! ;) Oder eher Beckmann. Nein!!

  36. 36
    Detlef Guertler says:

    „Google kann aus diesen Vorschlägen nicht konsequent die herausfiltern, die einen verleumderischen Zusammenhang herzustellen scheinen.„
    Aber Google kann aus diesen Vorschlägen etwas herausfiltern. Und hat es offensichtlich in der Vergangenheit auch schon getan. Sagt zumindest der Regensburger Kriminologe Henning-Ernst Müller:
    „Die Musikindustrie hat erreicht, dass Google die Namen bestimmter Plattformen, auf denen Musikdateien heruntergeladen werden können, bei der Suche nicht mehr automatisch vervollständigt. Auch werden andere Suchanfragen von Google bewusst vom Autocomplete ausgesperrt, so etwa das Wort „Bombe“.„
    http://blog.beck.de/2012/09/08/fall-bettina-wulff-google-argumente-fragwuerdig
    Und wenn die das für die Musikindustrie machen, ohne laut „Zensur!“ zu schreien, dann bitte auch für Bettina Wulff.

  37. 37
    Raventhird says:

    @Stefan Niggemeier: Danke für den Artikel und die Kommentare. Ich habe mich heute heftig über „das Internet“ erschrocken (ja, das ist verallgemeinernd, ich weiß, dass es da draußen auch eine Menge kluger Menschen gibt).

    Die Art und Weise, wie ein Mensch (und es ist völlig egal, wer dieser Mensch ist), der gegen ziemlich offensichtliche Verleumdungen vorgeht, heute in Blogs, auf Twitter und Facebook mal ganz nebenbei noch mit Häme, dummen Witzen und Spott übergossen wurde, hat mich wieder einmal sehr an der angeblichen „Schwarmintelligenz“ zweifeln lassen. Leider.

  38. 38
    Soso says:

    Herr Niggemeier, danke für diesen Beitrag.
    Genau das dachte ich mir, als ich die ersten Kommentare im Spiegelforum zu der Meldung las.

  39. 39
    Stefan Niggemeier says:

    @Detlef Guertler: Das schreibt ja auch Google selbst:

    While we always strive to algorithmically reflect the diversity of content on the web (some good, some objectionable), we also apply a narrow set of removal policies for pornography, violence, hate speech, and terms that are frequently used to find content that infringes copyrights.

    Ich glaube nur, dass diese Liste — mal unabhängig von der Frage, ob man schon ihre Existenz an sich gut oder schlecht findet — leichter formulieren kann als eine, die ausschließt, dass irgendjemand verleumdet wird.

  40. 40
    Jürgen Braatz says:

    Was ich heute über die Sache gelesen habe hat mich überwiegend erschreckt. Da waren die einen, die selbstverständlich davon ausgegangen sind, dass Frau Wulff doof ist und den Streisand-Effekt nicht kennt. (Auch wenn es keiner ist.) Da waren die anderen, die ihr unterstellten, sie sei ein raffiniertes Luder, kenne den Streisand-Effekt und klage jetzt (!) um ihr Buch zu promoten. Dass die juristischen Verfahren seit Monaten laufen steht seit gestern in der SZ online, wird aber überwiegend ignoriert.
    Da sind dritte die sagen, solle sie doch im eigenen Interesse die Klappe halten, denn bisher habe man die Gerüchte ja gar nicht gekannt. Ja, klar, vor dem Dilemma steht jede vergewaltigte Frau. Überwiegend wird sie weiter als Anhängsel ihres Mannes definiert, dessen Verfehlungen werden ihr zugerechnet. Zum Kotzen.
    Frau Wulff ist als einzelne Person zu sehen, der Unrecht geschehen ist. Sie will es nicht hinnehmen, als Prostituierte verleumdet zu werden. Sich dagegen zu wehren ist ihr gutes Recht. Wenn das Nebenzwecke erreicht wie Promotion ihres Buches, dann diskreditiert das nicht den Hauptzweck.

  41. 41
    nona says:

    Vielleicht möchte ja noch jemand einwerfen, es könne ja garnicht der Streisand-Effekt sein, weil Frau Wulff offensichtlich garnicht Streisand heisst?

  42. 42
    Helen says:

    Der Streisandeffekt kann den Schaden für BW doch nicht verschlimmern, weil sich das Gericht vor ihrem juristischen Einschreiten bereits maximal ausgebreitet hatte. Dafür kann sie nun unmißverständlich klarmachen, dass die Gerüchte nicht stimmen.

    Ich erinnere mich noch sehr gut an die Woche vor der Jauch-Sendung: Wir alle wollten das Gerücht unbedingt glauben, weil wir so verzweifelt waren, dass Wulff immer noch nicht zurückgetreten war. Es war die Zeit, wo alle glaubten, dass Gesetz und Anstand gegen Wulff nichts ausrichten konnten.

    Und das Gerücht ging damals so: Die Bildzeitung hätte Beweise für die Vergangenheit von BW in der Schublade, und würde alles als ultima ratio veröffentlichen, wenn Wulff nicht zurücktritt.

    Die Jauch-Sendung kam mir damals abgekatert vor: Die Frage von Jauch an Blome sollte die Bild von diesem Gerücht reinwaschen, weil sie unter dem Vorwurf stand, Wulff unbedingt stürzen zu wollen.

    Ich finde den Schritt von BW richtig. Wer sich nicht nur wie ich gewünscht hat, das Gerücht wäre wahr und der Kampf gegen Wulff noch nicht verloren, sondern es aufgeschrieben und in der Öffentlichkeit verbreitet hat, der muss jetzt daran glauben. Und es wird nun juristisch beurkundet, dass das Gerücht nicht stimmt. Das ist nur fair.

  43. 43
    W. Schmid says:

    Wenn es sich bei diesen Gerüchten offenbar um haltlose Behauptungen handelt — und das bestreitet im Moment doch niemand — dann hat Frau Wulff das Recht, dagegen vorzugehen. Obwohl auch ich denke, dass es sich um eine Werbemaßnahme für ihr Buch handelt.
    Was mich jedoch verwundert, ist das mediale Echo, das diese Unterlassungsklage hervorruft. Wieso schafft es diese Meldung in die Topthemen der (seriösen) Nachrichten?

  44. 44
    Detlef Guertler says:

    @Stefan: Kay Oberbeck hat in seinem Statement zu BW allerdings nicht gesagt, dass Google technisch in der Lage wäre, hier bestimmte autocomplete-Begriffe zu löschen, er hat rein darauf abgehoben, dass das Unternehmen nicht für die Suchbegriffe der Nutzer verantwortlich ist. Das halte ich in diesem Fall für eine Schutzbehauptung: Google greift sehr wohl in bestimmten Fällen in die autocomplete-Funktion ein — aber bei Bettina Wulff will es das nicht. Dafür könnte es eine Reihe von guten Gründen geben, aber Oberbeck hat leider keinen davon genannt.
    Genau hier liegt m.E. die interessante Frage: Wann muss Google eingreifen? Wann sollte Google eingreifen? Und wann sollte Google gerade nicht eingreifen?
    – Könnte Philipp Lahm verlangen, dass bei ihm „schwul“ aus Autocomplete getilgt wird?
    – Könntest du verlangen, dass bei dir „schwul“ getilgt wird?
    – Könnte Kay Oberbeck verlangen, dass bei ihm „pädophil“ getilgt wird?
    Letzteres steht nicht bei autocomplete. Mit relativ geringem Aufwand könnte eine relativ kleine Gruppe von Usern aber dafür sorgen, dass dieses zu einer der häufigsten Suchanfragen bei diesem Namen wird. Dann müsste ein Gerücht nicht einmal auf einem der bislang bekannten Wege verbreitet werden: Man gibt nur oft genug den entsprechenden Suchbegriff ein und Google autocomplete übernimmt dann ganz von alleine die Verbreitung des Gerüchts.

  45. 45
    Wolf says:

    „Oh wie schrecklich, wenn die Leute schlecht über mich reden…
    Aber was für eine Katastrophe wäre es, wenn die Leute gar nicht mehr über mich reden würden…“

    Die inzwischen längst in der Versenkung eines niedersächsischen Provinznestes verschollene Dame nutzt den Streisand– Effekt im perfekten timing. Sonst wäre sie gar nicht interessant genug, um demnächst bei Jauch & Co zu sitzen und ihr Buch in die Kameras halten zu können.

    Da im Safe des bekanntesten Revolverblatt– Chefredakteurs auch über diese Moderatoren irgendwelche peinlichen Dossiers liegen dürften, werden die alle brav mitmachen.

    Willkommen in der inszenierten Wirklichkeit!

  46. 46
    Uwe says:

    Ich wage, zu behaupten, dass es der Dame nicht unrecht wäre, wenn nach „Bettina Wulff“, der Begriff „Kinderschänder“ vorgeschlagen würde. War sie doch beteiligt an der umstrittenen „Überführung“ ANDERER Leute. (Leider nicht in der Autovervollständigung)
    Wenn man die Links jedenfalls anklickt, kommt man schnell darauf, dass es nicht sie SELBER war, sondern dass sie andere Leute in Fallen gelockt hat. Da wäre es ihr wohl recht gewesen, wenn Gerüchte sich weiterverbreiten, und Unschuldige in Verruf gekommen wären.
    Jetzt gibt es also „Prostituierte“… Hat sie sich auch zu den Zuständen in den Bordellen geäußert? Nö, DIESMAL steht sie SELBER in dem falschen Verdacht. Und jetzt will sie den Leuten aber die Möglichkeit geben, diese Schlagworte zu überprüfen.

  47. 47
    SvenR says:

    Ich finde es richtig, dass Bettina Wulff sich wehrt. Besonders gut gefällt mir, dass sie auch gegen die »Großen« vorgeht. I.d.R. werden ja die Kleinen gehängt, während die Großen laufen gelassen werden. Jauch hat ja schon den Schwanz eingezogen hat bereits eingelenkt. Egal, was Google jetzt tut, in meinen Augen geht sie als Gewinnerin aus der Gelegenheit hervor. Anders als Barbra.

  48. 48
    Luc says:

    @41, Nona: Sind Sie nur trotzig, weil Sie mit dem Streisand-Effekt hier nicht recht hatten oder haben Sie es immer noch nicht verstanden?

  49. 49
    Christian says:

    Bei diesem ganzen Thema geht es in meinen Augen noch um andere Fragen:

    Wann bzw. inwiefern haben Medien/Blogger/… mit ihren Veröffentlichungen in der Thematik Bettina Wulff evtl. gegen deren Rechte verstoßen? Sprich: Was ist eine aktive Verbreitung eines Gerüchtes und was ist einfach nur eine Berichterstattung darüber? Oder ist das beides das gleiche? Dann hätte man über das ganze Thema gar nichts schreiben dürfen?

    Ich habe die Frage im Forum zum Artikel „Gewerbliche Kopisten“ bereits in einem Kommentar aufgeworfen. Der Einfachheit halber möchte ich hieraus einige Passagen aus meinem Kommentar dort zitieren:

    „Worauf stützt sich Frau Wulff eigentlich bei ihrer Klage gegen Günther Jauch?

    Soweit ich mich erinnere (man möge mich ggf. korrigieren), hat Jauch in seiner Sendung nicht behauptet, daß die Gerüchte zutreffen würden, sondern einen Vertreter der Bild-Zeitung gefragt, ob es stimmt, daß Bild Material über sie hat. Welcher Art die Gerüchte sind, wurde in der Sendung meiner Erinnerung nach gar nicht gesagt.

    Inwiefern soll dies nun Ansprüche von Frau Wulff gegen Herrn Jauch auslösen können? Jauch hat doch im Grunde keine Behauptung aufgestellt, sondern lediglich (indirekt) über kursierende Gerüchte berichtet.

    Falls man der Ansicht wäre, das alleine schon das Berichten rechtlich problematisch ist, wären dann die jetzigen Berichte wie z.B. die hier diskutierten Artikel bei Spiegel und Süddeutsche nicht auch unzulässig?“

  50. 50
    Leo Fischer says:

    bestimmter Fußballer + schwul = Wunschdenken :-))))

  51. 51
    Blunt says:

    #37: Ich möchte mich dem anschließen. Dass Sie nicht jede Facette des Internets unkritisch bejubeln (wie so manche selbsternannten „Digital Natives“), macht dieses Blog glaubwürdig und selbst dann lesenswert, wenn man mal ganz anderer Meinung ist.

  52. 52
    BV says:

    Der Streisand-Effekt ist ja kein Selbstzweck, sondern eine Erscheinung, die der Betreffende in seine Überlegungen mit einbeziehen muss. Insofern kommt es auch nicht so sehr darauf an, ob und wie viele auf diesen Effekt hinweisen, sondern ob er tatsächlich eintritt und ob das vom Betroffenen möglicherweise kalkuliert oder auch völlig unterschätzt wurde.

    Es steht Frau Wulff völlig frei, sich gegen die Behauptungen zur Wehr zu setzen. Sie ist professionell vertreten und wird sich gemeinsam mit Ihrem Anwalt und vermutlich noch einigen weiteren Personen überlegt haben, wie die Öffentlichkeit diese Geschichte aufnehmen wird. Ich glaube auch, dass man den Begriff des Streisand-Effekts heute — fast 10 Jahre nach seiner Entstehung — etwas einschränkend dahingehend auslegen muss, dass nicht jede zusätzliche Information zu dem Thema gleich zu dem Effekt führt. Ansonsten wird fast jedes Vorgehen einer prominenten Person gegen eine unerwünschte Behauptung zum Streitsand-Effekt führen, weil zunächst einmal über das Vorgehen berichtet wird.

    Ich vermute, dass die aktuelle Berichterstattung recht schnell wieder abebben wird, zumal ja Günther Jauch auch bereits eine Unterlassungserklärung abgegeben hat und nun nur noch gegen Google gestritten wird. In diesem verbleibenden Streit geht es ja gar nicht so sehr um den Inhalt, sondern um spannende Rechtsfragen im Hinblick auf die Google-Suche, die in Zukunft vermutlich auch zum großen Teil abstrakt diskutiert werden.

    Ein fader Beigeschmack der mittelbaren Promotion ihres Buches bleibt. Über 30 Betroffene sollen bereits Unterlassungserklärungen abgegeben und teilweise sogar Schmerzensgeld gezahlt haben. Trotz dieser beachtlichen Zahl ist das — soweit ich das überblicke — praktisch geräuschlos über die Bühne gegangen. Und jetzt blieben noch Jauch und Google, die pünktlich zur Buchveröffentlichung verklagt werden. Dabei soll Jauch auch nur aus einem fremden Artikel zitiert und daraus eine Frage formuliert haben — nicht sehr spektakulär. Trotzdem wird überall umfassend berichtet.

  53. 53
    Blunt says:

    Noch etwas: Auch hier (z. B. #7, 15, 17) wieder wird vielfach das „Argument“ vorgebracht, es handele sich bestimmt „nur“ um eine PR-Strategie für das neue Buch. Ganz ähnlich schon in der LSR-Debatte: Bestimmt „nur“ Lobbyismus von Springer. Mag ja alles sein, glaube ich im zweiten Fall sogar auch. Aber was hat das mit der grundsätzlichen Berechtigung eines Anliegens zu tun? Ist immer alles falsch, was einen Buchverkauf fördern soll? Hat jeder Lobbyist grundsätzlich Unrecht, selbst wenn er für Frieden und soziale Gerechtigkeit einstünde? Das sind doch keine Argumente, allenfalls Totschlagargumente! Ich setze mich mit meinem Gegner nicht mehr auseinander, weil er bestimmt bloß von irgendwem für seine Meinung bezahlt wird, Ende der Debatte: Was ist denn das für eine Streitkultur?

  54. 54
    Weirdo Wisp says:

    Die Sache ist doch die: kaum jemand hatte noch diese Gerüchte im Kopf. Jetzt (warum erst jetzt, mehr als ein halbes Jahr später?) kommt Frau W. mit den Unterlassungsverfügungen und steht in allen Tageszeitungen und in Blogs und sonstwo im Netz. Nun haben mindestens 50 Millionen Menschen wieder diese Gerüchte im Kopf – und da bleibt eher hängen, dass sie entsprechende Vergangenheit hatte, als dass sie sie nicht hatte.

    Wäre sie jetzt nicht damit angekommen, sondern hätte gar nichts gemacht, dann hätten vielleicht ein paar hundert Leute diese Gerüchte noch im Kopf gehabt und die paar Leute, die nach ihrem Namen googeln entsprechende Vorschläge bekommen. Aber nicht 50 Millionen.

    Das ist nicht ganz der ursprüngliche, reine Streisand-Effekt. Aber schon sehr ähnlich.

    Frau W. tut mir leid. Ehrlich. Weil jetzt die Gerüchte wieder in allen Köpfen sind.

  55. 55
    ben_ says:

    Zur Autovervollständigung: Drüben bei Wirres wurde ja schon festgehalten, dass Google selber die Wortvorschläge bereits anhand der eigegeben Begriffs-Bereich flitert (Sexkram, wird – wie bei einem prüden amerikanischen Konzern kaum anders zu erwarten – unterdrückt).

    Davon abgesehen suggeriert auch Deine Position, was Google täte wäre ein neutrales Abbild, dess „worüber die Leute“ schreiben. Das ist es nicht Algorhtimen sind Interpretation. Immer.

    Und zu guter letzt und obwohl ich Programmierer bin und weiß was das im Zweifel für anspruchsvolle Konsequenzen hat: Entweder ist die Würde des Menschen unantastbar, auch druch eine Autovervollständigung oder sie es es eben nicht. Und wenn Google es halt nicht hinbekommt, eine Autovervollständigung so zu bauen, dass sie unser Grundgesetz achtet, dann muss man die halt abschalten.

    Meine fünf Groschen zum Thema

  56. 56
    Stefan says:

    Ich glaube nicht, dass Herr Jauch überhaupt beabsichtigt hat, diesen Satz noch einmal zu verbreiten oder gar eine Sendung zu diesem Thema ins Programm zu nehmen. In diesem Fall wird nur mithilfe eines prominenten Namens Aufmerksamkeit generiert.

    Ich habe seit Anfang 2012 überhaupt keine Hinweise auf Frau Wulff mehr gelesen oder gehört. Wenn es Ende 2011 im Zusammenhang mit ihrem Mann geschah, kamen solche Hinweise von Leuten, auf deren Meinung ich sowieso nichts gebe. Ich google auch nicht nach Frau Wulff.

    Man mag mich korrigieren, aber ich habe nicht den Eindruck, dass sich die Öffentlichkeit im Spätsommer 2012 noch für Frau Wulff interessiert hat oder dass vernehmbare Gerüchte im Umlauf gewesen sind. Man müsste das als politisch interessierter Mensch doch zumindest am Rande mitbekommen. Mir scheint das eine billige Inszenierung zu sein.

    Was mich an der Sache stört: Mir werden Informationen über Frau Wulff aufgedrängt, die ich eigentlich nicht haben will. Die Medien befassen sich lieber mit solchen Pseudo-Skandalen, als mit den wirklich drängenden Problemen der Gegenwart und der Zukunft.

  57. 57
    Weiterverbreitung, Verantwortung, Unwissenheit, Strafe und Versäumnisse | anmut und demut says:

    […] wie ich geade drüben bei Stefan Niggemeier kommentiert habe: Obwohl ich Programmierer bin und weiß was das im Zweifel für anspruchsvolle Konsequenzen hat: […]

  58. 58
    Linus says:

    @Blunt

    Ich setze mich mit meinem Gegner nicht mehr auseinander, weil er bestimmt bloß von irgendwem für seine Meinung bezahlt wird, Ende der Debatte: Was ist denn das für eine Streitkultur?

    Ich dachte, es hätte sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass öffentliche Meinungsäußerungen in der Regel durch eine (merh oder weniger bezahlte) Agenda, einfache Dummheit oder die Vermutung, Meinungsfreiheit hieße, man müsse zu allem eine Meinung haben, motiviert sind.

    Ansonsten bin ich da ganz bei #56 Stefan, mir kann keiner erzählen, dass das ein berechtigtes Anliegen ist, gegen ein Thema vorzugehen, das eigentlich gar keins mehr ist. Wenn Frau Wulff glaubwürdig hätte sein wollen, hätte sie viel früher reagieren müssen.

    Die viel größere Peinlichkeit als eine Google-Autovervollständigung ist doch, dass die Dame meint, ihre Sicht der Dinge (was auch immer die sein soll) in Buchform mitteilen zu müssen. Wer ist sie, dass sie glaubt, dass da irgendjemand (außer dem durchschnittlichen Bild-Voyeur) auch nur ein Funken Interesse dran hat?

  59. 59
    ben_ says:

    Noch eine Ergänzung: Das Beispiel mit den Fußballern und „schwul“ ist ziemlich gut, weil es fast noch besser veranschaulicht, was da eigentlich passiert. Ich für meinen Teil, will mir gar nicht ausmalen, unter welchem Druck sowohl die schwulen Fußballer als auch die heterosexuellen stehen, was dieses Thema angeht. Das ein gesellschaftlich so relevanter Dienst, wie die Google-Suche gleich „schwul“ vorschlägt (ohne, dass ich „schw“ getippt hätte, wohlgemerkt!), wenn man einen Namen eingibt, ist da auf gar keinen Fall eine Hilfe. Das ist sind die Mechanismen der Bild-Zeitung in Code gegossen.

    Und wenn sich dann jemand mit Robert Enke (zugegeben nicht wegen seiner sexuellen Orientierung, wenn ich mich nicht irre) umbringt, sind alle betroffen, waschen aber ihren Hände und Unschuld und zeigen mit dem Finger auf „das System“, von dem sie latürnich kein Teil sein wollen.

    Google trägt Verantwortung und muss sie daher auch annehmen. Dass man sowas bei der initialen Entwicklung eines Produktes wie Autocomplete nicht sofort sieht und versteht, ist selbstverständlich. Ebenso selsbstverständlich ist, dass sie jetzt Konsequenzen ziehen müssen, oder sie von Gerichten als Urteil bekommen.

    Nochmal: Ich halte das für aus-ge-sprochen wichtig, dass wir Code als ein Werkzeug begreifen, dass in hohem Maße verantwortungsvoll eingesetzt werden muss. Wenn man hier Google aus der Verantwortung entläßt schießt man sich selber in die Beine, auf denen man in den Diskussionen um Vorratsdatenspeicherung und Überwachung steht.

  60. 60
    BV says:

    @Blunt (#53): Ich finde schon, dass man da differenzieren muss. Natürlich steht es Frau Wulff grundsätzlich frei, wo und wie sie für ihr Buch wirbt. Aber es gibt Grenzen. Sollte es tatsächlich so sein, dass ihr die Behauptungen eigentlich völlig egal sind und sie nur deshalb den — freilich gegebenen — juristischen Weg geht, weil ihr das Presse für ihr Buch einbringt, fände ich das äußerst verwerflich. Das Ergebnis ergibt sich bereits daraus, dass sie ihren Gegnern ja auch einen Schaden zufügt bzw. zufügen kann. Günther Jauch wird seine Anwaltskosten verschmerzen, keine Frage. Aber trotzdem kann man ihr diese Art der Werbung nicht zubilligen, wenn sie sie auf Kosten anderer betreibt, die sie ansonsten — das sei erneut vorausgesetzt — in Ruhe lassen würde.

  61. 61
    Blunt says:

    @Weirdo Wisp: „Wäre sie jetzt nicht damit angekommen, sondern hätte gar nichts gemacht, dann hätten vielleicht ein paar hundert Leute diese Gerüchte noch im Kopf gehabt und die paar Leute, die nach ihrem Namen googeln entsprechende Vorschläge bekommen.“ Ja, für sie selbst ist das höchstwahrscheinlich eher kontraproduktiv. Aber (ohne sie zur Heldin stilisieren zu wollen): Sie setzt damit schon ein Zeichen für andere.
    Google ist nunmal die Auskunftei unserer Zeit. Und es gibt Menschen, die darin wegen eines einzigen dummen Sätzchens im Frühstücksfernsehen seit Jahren nur noch Charakterisierungen der übelsten Sorte von sich finden (Herr Niggemeier, das fanden Sie damals übrigens noch nicht schlimm, wenn ich Ihr Interview im „Journalist“ richtig in Erinnerung habe). Da kommen dann manche mit Carmen Thomas und ihrem Versprecher „Schalke 05″, der ihr auch bis heute nachhänge: Dazu bedurfte es damals aber schon ganz besonderer öffentlicher Auftritte — erste Frau im deutschen Sportfernsehen etc. Heute kann es jeden treffen, der auch nur einmal an der falschen Stelle Piep gesagt hat.

  62. 62
    rog says:

    Ich bin verblüfft: Da gibt es also wirklich Leute, die einen Menschen dafür kritisieren, dass er sich
    1. gegen ein Gerücht wehrt und dies auch noch
    2. zu einem in ihren Augen falschen Zeitpunkt tut.
    Hier scheinen manche Foristen ihren moralischen Kompass verloren zu haben.

  63. 63
    NaJa says:

    rog hat mit dem Kommentar Nr. 62 Recht. Wer ständig seine eigene Seite bei google aufruft, muss viel, viel Zeit (und Geld?) haben.

  64. 64
    Blunt says:

    @NaJa: Ego-Googlen ist heute so normal wie in den Spiegel schauen. Das kann bei übertriebenem Einsatz Eitelkeit sein, ist aber im Normalfall eine völlig berechtigte Überprüfung des eigenen Rufs in der Öffentlichkeit. Ist dieser Ruf beschädigt, darf man sich selbstverständlich dagegen wehren. Vielleicht sollten Sie auch mal nachsehen, was über Sie so alles verbreitet wird — manchmal sind die paar Minuten besser investiert als manche Stellenbewerbung.

  65. 65
    Martin Dreher says:

    Hurra: BILD jagt denjenigen, der das Geücht in die Welt gesetzt hat! Was wussten McAllister und Ursula von der Leyen?

  66. 66
    swina says:

    @ 43:
    Wieso schafft es diese Meldung in die Topthemen der (seriösen) Nachrichten?

    DAS frage ich mich auch.

    ist es so billig, daß männer (redakteure) nun mal lieber was zu sex als zur makroökonomie etc. basteln?

  67. 67
    Martin Dreher says:

    Und was machen wir, wenn die Auto-Vervollständigung bei einem Politiker die Begriffe „Wirtschaftskompetenz“ oder „Bürgernähe“ vorschlägt, es sich dabei aber um unwahre Gerüchte handelt? Die zwar nicht der Person, aber dem politischen Gegner schaden könnten?

  68. 68
    vib says:

    Je länger ich drüber nachdenke, desto mehr komme ich eigentlich nur noch zu einem Schluss: Ich will von diesem ganzen Wulff-Komplex einfach nichts mehr wissen. Und ich verstehe einfach nicht, wieso sich jemand genötigt fühlt, nach so einer Geschichte auch noch ein Buch veröffentlichen zu müssen. Noch weniger verstehe ich, warum Medien glauben, dass in irgendeiner Form ein allgemeines Interesse an der öffentlichen Begleitung von Frau Wulffs wasauchimmer besteht. Ich habe jetzt schon wahrscheinlich berechtigte Furcht vor den auf das Buch folgenden Talkshow-Panoptiken, deren Erkennisgewinn wahrscheinlich auch mit wissenschaftlichen Methoden nicht messbar ist. Wahrscheinlich kriegt Frau Wulff eine Sondersendung beim Jauch (sozusagen als Wiedergutmachung). Stefan Aust schreibt ein Buch namens „der Wulff-Komplex“. Und Bettinas Mann reüssiert dann demnächst als neuer Präsident vom Bund deutsche Radfahrer. Ich wünsche mir so sehr ein Firefox-Plugin, in das man Stichworte eingeben kann, zu denen man dann einfach nirgendwo mehr etwas sieht. „Wulff“ wäre dann schon lange on top of my list.

  69. 69
    Lars says:

    Es gab im Mai letzten Jahres einen äußerst grottigen SPIEGEL-Artikel über eine andere Hannoveranerin, der dazu führte, dass ich mein Spiegel-Abo gekündigt hatte (nicht wegen des Artikels selbst, mehr weil solch dummer und bösartiger Unsinn dort erscheinen konnte). Darin nutzte der Autor (neben anderen Unsinn) allen Ernstes argumentativ die Google-Ergänzungsfunktion, die „beweisen“ sollte, dass die auftauchenden Vorschläge tatsächlich eine Aussagekraft über die betreffende Person hätten. Ich kam nicht umhin, seinem Beispiel in gleicher Weise zu folgen und probeweise seinen Vornamen + „ist“ ins Google-Suchfenster einzugeben: „Thomas ist“. Die vorgeschlagenen Satz-Ergänzungen, die übrigens immer noch kommen, sind: „Thomas ist schwul“, „dumm“, „doof“, „aufgeregt“, „ein Lügner“. Na ja, dachte ich dann, da ist ja vielleicht doch was dran …
    Was ich damit sagen will: Wenn nicht mal Medienjournalisten des Spiegel wissen, wie Google-Vorschläge zustande kommen und zu bewerten sind, weiß es der normale Internet-Nutzer auch nicht, sofern ist Wullfs Klage durchaus sinnvoll, wenn auch sicher nicht juristisch, so doch erhellend über eine nicht unwichtige Alltagsfunktion und steigert vielleicht etwas die Medienkompetenz.

  70. 70
    Sonntagslinksrechtslinkszwodreivier — KALIBAN (You are likely to be eaten by a grue) says:

    […] Zum ungefähr gleichen Thema äußert sich auch Ix mit gewohnt scharfer Beobachtungsgabe. Ach, und der geschätzte Herr Niggemeier, natürlich. […]

  71. 71
    Deutschsprachige Qualitätspresse, Gerüchte und Suchmaschinenoptimierung | Erbloggtes says:

    […] Streisand-Effekt?[3] – Presserecht[4] – Google[5] – Googlebashing[6] – Bigotterie[7] – […]

  72. 72
    Stefan Niggemeier says:

    @Lars: Ganz so stellte der „Spiegel“ es nicht dar. Er interpretierte die Vorschläge nicht als Aussagen über die Person, sondern darüber, wie wir sie sehen: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-78313719.html

  73. 73
    Earonn says:

    Ich halte den Hinweis auf den Druck, der mit dem ständigen „Streisand-Effekt“-Gerufe auf Opfer ausgeübt wird, für äußerst wichtig. Zumal da auch eine Häme mitschwingt, die mir in Fällen wie diesen — jemand wehrt sich gegen ein Gerücht — nicht so recht gefallen will.

    Und bin ich mit 40+ eigentlich zu liberal, dass mich an der Sache besonders stört, wie „Escort“ und „Prostitution“ auf einmal als Beleidung hingestellt werden? Sollte so was inzwischen nicht genauso normal sein wie ‚schwul‘? Frau Wulff mag es persönlich noch so empfinden, aber anscheinend sind da auch alle anderen ihrer Meinung.
    Da hat die Gesellschaft aber wirklich noch einiges zu lernen!

  74. 74
    Stefan Niggemeier says:

    @Earonn: Zu dem zweiten Aspekt kann ich Ihnen einen Beitrag meines Freundes Michalis empfehlen: http://pantelouris.de/2012/09/08/endlich-reden-wir-mal-uber-sex-fickt-euch/

  75. 75
    Blunt says:

    #58 und 60: Ich würde Ihnen insoweit recht geben, als eine kritische Betrachtung der Motive durchaus angebracht ist. Aber den eigentlichen Inhalt damit völlig zu ignorieren und zu tun, als gäbe es da gar nichts zu diskutieren, das ist für mich keine Streitkultur.

  76. 76
    kurios says:

    Die Indizien für eine Escorttätigkeit der Bettina Wulff sind stark .
    Warum werden Hinweise auf die entsprechenden Bilder ständig gelöscht ?

    Weil sie klar Bettina Wulff zeigen .

  77. 77
    rog says:

    @73, Earonn: Eben lief der Tatort mit Sibel Kekilli, und da fiel mir der gute alte Spruch ein: „Trau keinem Mann, der sagt, dass er Pornografie verabscheut.„
    Ebenso, wie ich es bigott finde, dass BILD damals über diese Schauspielerin herfiel, halte ich die Leute für verlogen, die sich anlässlich des an den Haaren herbeigezogenen Gerüchts über Frau Wulff abfällig über Prostitution äußern.
    Da befriedigen Frauen wichtige Bedürfnisse von Männern, und was tun diese? Sie verachten deren Beruf.
    Hier liegt in meinen Augen das eigentliche Problem.

  78. 78
    Earonn says:

    Danke für den Link! Wirklich ein toller Text vom Herrn Pantelouris, auch zum Thema „Ehe ungleich Familie“.

  79. 79
    Blunt says:

    @kurios: Wenn dem so ist: Was geht das die Öffentlichkeit an?

  80. 80
    Earonn says:

    @kurios
    Oder weil es heutzutage kaum noch großen Aufwandes bedarf, um entsprechende Bilder zu fälschen?

  81. 81
    zoey says:

    freitag hat rtl in seinen nachrichten natürlich auch über bettina wulff berichtet.

    witzigerweise hatte sie dort die klage nur gegen google eingereicht.

    produktschutz oder der ganz kurze draht.
    die meldung, dass jauch noch vor zustellung die unterlassungserklärung abgegeben hat, kam erst am samstag.

  82. 83
    Linus says:

    @kurios

    Die Indizien für eine Escorttätigkeit der Bettina Wulff sind stark .
    Warum werden Hinweise auf die entsprechenden Bilder ständig gelöscht ?

    Weil sie klar Bettina Wulff zeigen .

    Wenn Sie die Bilder meinen, die auf den einschlägigen Blogs gezeigt/verlinkt wurden, muss ich Sie fragen, ob Sie vielleicht ne neue Brille benötigen.

    Und so wie Sie das munkeln, hört es sich so an, als sei „Escort“ aber mindestens sowas ähnliches wie Spionage, Landesverrat, Mord oder alles drei zusammen.

  83. 84
    Linus says:

    @rog

    Dass Frau Kekilli aber inzwischen mit der Bild in die Kiste gestiegen ist, haben Sie mitbekommen, oder? Scheint aus Karrieregründen opportun gewesen zu sein. Grenzwertig.

    @Blunt

    Das ist in diesem Fall doch ein bißchen arg an den Haaren herbeigezogen., finden Sie nicht? Wir haben es hier mit einer reinen PR-Strategie zu tun. Und so würde ich das in einer Diskussion auch bewerten wollen. Ich muss nicht das Lied der Dame singen, auch wenn Sie meinen, das sei aber ein schönes.

  84. 85
    S. Schwarzmeister says:

    @ 79 Blunt

    „Gewisse“ Leute hier vertreten ja auch die Ansicht dass die sexuelle Orientierung von Herrn Altmaier von Belang ist.

  85. 86
    rog says:

    @Linus: Ja, das habe ich mitbekommen. Es ändert aber nichts an meiner Auffasssung, dass BILD damals verlogen agiert hat.

  86. 87
    rog says:

    @Linus: Kleiner Nachtrag: Ihr soll wohl der Herr Wedel vor der Promotion-Tour für seinen Fernsehzweiteiler „Gier“ zur Kooperation mit der Zeitung geraten haben. So hab ich das zumindest irgendwo gelesen.

  87. 88
    Linus says:

    @rog

    Sie haben Recht, das ändert nichts an der Bigotterie der Bild, die auch im Fall Wulff prima zu besichtigen ist (Nein! Die bösen Gerüchte! Wie kann man nur!). Aber es ändert etwas an meiner Wertschätzung für Frau Kekilli. Und relativiert im Nachhinein ihren mutigen Auftritt bei der Bambi-Verleihung, wo sie als eine der wenigen mal Ross und Reiter genannt hat, doch erheblich.

    Wedel, der sowieso immer Gewehr bei Fuss steht, wenn irgendwo ein Sack Reis umfällt (Da mach ich n Film draus!), ist bei mir ohnehin untendurch.

  88. 89
    peter kroner says:

    diese autocomplete funktion soll sinnvoll sein? die ist für fantasielose dummköpfe, braucht kein mensch. finden sie mal als komplettierung ihres namens zb Kinderschänder ‚warum auch immer, kommt aber bestimmt vor auch wenn sie keiner sind.

  89. 90
    Benjamin Birkenhake über den Fall „Bettina Wulff und Google“ | Markus Freise | Internet . Illustration . Design . Poetry-Slam | Bielefeld says:

    […] fordere dann auf, den ganzen Beitrag zu lesen: Oder wie ich geade drüben bei Stefan Niggemeier kommentiert habe: Obwohl ich Programmierer bin und weiß was das im Zweifel für anspruchsvolle Konsequenzen hat: […]

  90. 91
    Maximillion says:

    Gutes Thema, habe darüber auch schon in den vergangenen Tagen nachgedacht. Über die Unterschiede dieses Falles zum Streisand-Fall wurde ja oben schon Einiges gesagt. Ich würde aber sogar sagen, dass wir hier gottlob mal einen Fall haben, in dem gerade nicht der „Streisand-Effekt“ vorliegt, sondern sein Gegenteil.

    Denn auch wenn viele diese Gerüchte nie mitbekommen haben (ich z.B. als durchaus viellesender Mensch), so ist doch mittlerweile die erste Information die hängenbleibt nicht „aha, da ist was mit Bettina Wulff und Rotlicht“, sondern eher „aha, da hat jemand Unfug über Bettina Wulff verbreitet“. Das ist das ideale Ergebnis. Ob man dieses Ergebnis selbst tatsächlich beeinflussen kann, ist so eine Sache. Das ist wahrscheinlich nicht immer möglich. Es kommt dann auch darauf an, wie die Medien darüber berichten. Es ist wohl so, dass der SZ-Artikel mit Bettina Wulff abgestimmt war. Aber diese Möglichkeit hat man vielleicht nicht immer und eben nicht immer so erfolgreich.

    Daher kann man den letzten Gedanken des Blogeintrages gar nicht klar genug hervorheben. Diese Googlefunktion stellt gar keine Behauptung auf. Die Behauptung lautet viel mehr: „Viele Leute suchen zu dem Begriff Bettina“ auch den Begriff „Wulff“ und „Escort“. Ob diese Behauptung stimmt, darauf wird es ankommen, wenn es eben überhaupt noch darauf ankommt, weil, wie Niggemeier zutreffen betont, die Sache sich eigentlich selbst erledigt, denn wenn diese Begriffe häufig eingegeben werden, dann kann das inzwischen auch daran liegen, dass die Sucher nach der Berichterstattung der SZ und ähnlichen Artikeln suchen. Das aber wiederum müsste Bettina Wulff dann im Grunde recht sein — und zwar in vielerlei Hinsicht (Buch).

    Ein rechtliches Problem der Sache ist also: Wie geht man damit um, dass die Kombination ein und der selben Begriffe einmal eine Rufschädigung und einmal ein großes Interesse an der Rufberichtigung andeuten kann.

    Da es — zumindest bei Unterlassungsansprüchen — nicht immer um die Meinungsfreiheitsfreundlichste Auslegung geht, wird das durchaus interessant.

  91. 92
    A. Genner says:

    Google schlägt „Bettina Wulff Prostituierte“ als Suchbegriff vor, obwohl dies nicht zu den Top-Suchbegriffen gehört, wie ein Blog aufgedeckt hat: http://vdsetal.wordpress.com/2012/09/09/die-such-spirale/
    Anscheinend filtert Google explizite Begriffe aus der eigenen Suchstatistik „Google Insights for Search“ raus, aber nicht aus den Suchvorschlägen. „Prostituierte“ möchte Google seinen Statistik-Nutzern nicht zumuten, aber Betina Wulff soll damit leben.

  92. 93
    Thomas Weiss says:

    Jetzt reicht schon in „B“.
    Daran hat dann, laut Nachtrag *, auch die SZ und die multiplizierte Berichterstattung darüber ihren Anteil.

    Insofern stimme ich Niggemeier nicht zu: Wenn jemand bei Google ein „B“ eingibt und an 4ter Stelle bereits „Prostituierte“ auftaucht, wird eben nicht über den Ursprung des Gerüchts debattiert.

    Das machen Blogger wie @MichPant

    Google reagiert übrigens schon: Man kann seit heute ein paar der einschlägigigen Vorschläge „entfernen“

  93. 94
    Moki says:

    Google verhält sich in dieser Debatte doch elend scheinheilig, wenn die Firma behauptet, dass bei der Vervollständigung der Suchbegriffe doch nur das Wiedergegeben wird, was alle suchen. Und um dem ganzen die Krone aufzusetzen behauptet der Konzern auch noch, auf die Suchbegriffe der User schließlich keinen Einfluss zu haben. Aber jeder User kann diese Behauptung selbst auf den Prüfstand stellen. Er/Sie muss nur hingehen und einfach mal einen anrüchigen Suchbegriff in die Maske eingeben. Ich schlage den eben von mir getesteten Begriff „Puff“ oder „Bordell“ vor. Und schon kommen die verschwurbelten Moralvorstellungen von Google zum tragen. Denn plötzlich bekomme ich keine vervollständigten Suchbegriffe mehr vorgeschlagen. Aber Frau Wulff soll damit leben müssen, dass Google eine Verbindung zum Rotlichtmillieu suggeriert, obwohl dem offensichtlich mit einfachsten technischen Mitteln ein Riegel vorgeschoben werden könnte?

  94. 95
    Blunt says:

    @Linus: Sie finden das an den Haaren herbeigezogen? Ich könnte Ihnen auf anhieb eine Handvoll Namen von Personen nennen, zu denen die Google-Suche auf Anhieb beleidigende, rassistische, hetzerische Ergebnisse ausspuckt — vielfach justiziabel, allerdings nicht zu verfolgen, da der Server sich im Ausland befindet. Nein, Sie müssen nicht das Lied der Bettina Wulff singen. Aber anerkennen, dass unsere Gesellschaft hier ein massives Problem hat, das könnten Sie schon.

  95. 96
    J. S. says:

    Sagen wir mal, die Gerüchte stimmen. Wäre das denn wirklich so schlimm?
    Wie viele junge Frauen posieren nackt, spielen in Pornofilmchen oder schaffen an, um ihr Studium zu finanzieren? Das gab es schon früher und das gibt es auch heute noch.
    Also ich finde es nicht schlimm, wenn man dann irgendwann aufhört, weil man das Studium durch hat und einer „normalen“ Beschäftigung nachgehen kann.

    Und wenn die Gerüchte nicht stimmen, hat die jetzige Abmahn– und Klagewelle ein Geschmäckle, weil ja bald ihr Buch veröffentlicht wird.

  96. 97
    Linus says:

    @Blunt

    Ich weiß nicht, ob „unsere Gesellschaft“ als solche hier ein massives Problem hat. Und wenn, ob das überhaupt so neu ist, als dass man sich ausgerechnet jetzt darüber massive Gedanken machen müßte.

    Ausgerechnet jetzt, weil eine Ex-First Lady meint, sie müßte die Umsätze für ihr Büchelchen ankurbeln. Ein Buch, für dass es nur deshalb einen Markt gibt und geben kann, weil die Gesellschaft so abgestumpft, heuchlerisch und voyeuristisch ist, wie sie ist. Und das finde ich zutiefst bigott.

  97. 98
    Kurt says:

    Wie jetzt? Barbra Streisand war eine Prostituierte?

  98. 99
    adrenalin says:

    Und auch der letzte Ahnungslose dürfte spätestens jetzt erkennen dass die Wulff bewusst einen Streisand-Effekt produzieren wollte.…

    **Auszüge aus Wulffs Buch in „Bild„
    „Ich habe nie als Escort-Lady gearbeitet„
    SPIEGEL ONLINE — 10.09.2012
    Die „Bild“-Zeitung zitiert aus dem neuen Buch von Bettina Wulff, auch aus einem Kapitel, das Gerüchte über ihre angebliche Rotlichtvergangenheit thematisiert. Darin wehrt sich die ehemalige First Lady vehement gegen entsprechenden Behauptungen.

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bettina-wulff-bild-verraet-details-aus-dem-skandalbuch-a-854848.html

    Und den wesentlichen Rest hat Michalis Pantelouris bei carta treffend zusammengefasst:

    Endlich reden wir mal über Sex: fickt euch!

    Die Sache Bettina Wulff könnte eine Debatte in Gang setzen, die bisher vermieden wurde: Über sexuelle Selbstbestimmung und den merkwürdigen besonderen Schutz der heterosexuellen Ehe.
    .…
    http://carta.info/48171/endlich-reden-wir-mal-uber-sex-fickt-euch/

    So entsteht aus Bettina Wulffs Selbstinszenierung wenigstens eine Sinnvolle Debatte und nicht nur schmierige Eigen-PR für ein Buch jener „Dame“ das die Welt nicht braucht.

    Siehe auch
    http://www.google.com/insights/search/#q=bettina%20wulff&cmpt=q

    Ein Schelm wer dabei böses denkt.…

  99. 100
    Stefan Niggemeier says:

    Warum darf eigentlich jeder mit allen Mitteln Werbung für sein Buch machen, außer Leute, die vorher in irgendeiner Weise Opfer geworden sind? Die Frage hab ich mir bei Gaby Köster auch schon gestellt: http://www.stefan-niggemeier.de/blog/gaby-koster-und-der-seltsame-beigeschmack/

  100. 101
    rog says:

    @100, Stefan Niggemeier: Vermutlich, weil viele Leute insgeheim denken: Das Opfer trägt doch selbst die Schuld an seinem Schicksal.
    Vielleicht ist der Vergleich jetzt zu hochgehängt, aber dieses klassische Muster findet sich auch in Familien, in denen sexueller Missbrauch vorkommt.

  101. 102
    Linus says:

    @Niggemeier

    Mir zumindest ging es weniger um die Werbung an sich (die ist mir wurscht, wobei ich doch auch trotzdem die Frage stellen möchte, ob die zeitliche Verknüpfung von rechtlichen Schritten und Buchpromo für das vermeintliche Anliegen von Frau Wulff besonders glaubwürdig kommt).

    Ich finde eine Diskussion öde, die mir von Leuten diktiert wird, die damit ganz eindeutig und auschließlich monetäre und narzistische Interessen verfolgen. Aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren und Frau Wulff ist eine altruistische Kämpferin für die Opfer des rechtdfreien Raumes Internet.

    Und ansonsten: Ich mag die Frau nicht. Das schränkt in keinster Weise ihr Recht ein, tun und lassen zu dürfen, was sie für richtig hält, aber ich muss nicht daneben stehen und Beifall klatschen.

    Und dämliche hingemurmelte Gerüchte mit sexuellem Missbrauch und Schlaganfällen vergleichen zu wollen, halte ich auch schon für sehr gewagt. Warum wird denn über die Tante überhaupt berichtet? Weil man die hübsche Lovestory der Bild verkauft hat damals. Sie hat damit den Markt für Intimschnüffeleien eröffnet. Vielleicht wußte sie das nicht, aber das macht es nicht besser, sowas kann man wissen. Ich lese jedenfalls keine absurden Theorien über die Vergangenheit von Merkels Ehemann, oder Raabs Frau oder Schmidts Frauen oder oder oder.

  102. 103
    Stefan Niggemeier says:

    die damit ganz eindeutig und auschließlich monetäre und narzistische Interessen verfolgen

    Das ist eine bloße Behauptung.

    Aber wenn Du Dir dieses Thema nicht diktieren lassen willst, dann diktiere es doch einfach nicht. Ich habe das Gefühl, die Diskussion mit Dir ist eh eher wenig fruchtbar, weil Dein Urteil über die „Tante“ ohnehin feststeht.

  103. 104
    rog says:

    @102, Linus: Bei allem Respekt, aber mit Ihren Worten stützen Sie meine vorsichtig geäußerte These.
    „Die Dame ist doch selbst schuld an dem, was ihr widerfahren ist.“ So lautet zumindest der Kern Ihrer Aussage.

  104. 105
    Blunt says:

    @Linus: So wie Sie es jetzt begründen, kann ich es sogar nachvollziehen. Allerdings: Offenbar lässt sich die Öffentlichkeit für dieses in der Tat seit Jahren bestehende Problem nur gewinnen, wenn man sich in diesen voyeuristischen Markt begibt. Alle bisherigen Versuche sind doch gescheitert.

  105. 106
    Frau Luna und Frau Wulff - Matthias Schumacher says:

    […] Linktipp: Stefan Niggemeier “Barbra Wulff?” […]

  106. 107
    peter wolf says:

    Frau Wulff hat jedenfalls mit Ihrer Kommunikationsstrategie insofern Erfolg gehabt, daß ich früher davon ausging, die Gerüchte über ihre Rotlicht-Vergangenheit würden „schon irgendwie“ stimmen, (was ich aber auch nicht weiter schlimm fand). Nun gehe ich eher davon aus, daß da in der Tat rein gar nichts dran ist.

    Bemerkenswert finde ich den kritischen Unterton, wenn der ein oder andere hier Frau Wulff vorwirft, dies sei Teil einer PR-Stratgie. Man kann dochj nur hoffen, daß Frau Wulff, bei einem sie dermaßen betreffenden Thema wohlüberlegt und strategisch vorgeht. Das würde doch niemand anders machen. Und natürlich will sie eine Menge ihrer Bücher loswerden, gerade weil das ja ihre beste Möglichkeit ist, sich zu den Gerüchten ausführlich zu erklären. Je mehr das lesen, desto besser für sie.

    Und ach wie schön ist es, daß sich die Wulffs und die BILD wieder versöhnt haben. Dann gehts ja vielleicht doch irgendwie weiter für den Herrn Wulff.

  107. 108
    Linus says:

    @Niggemeier

    Das ist eine bloße Behauptung.

    Wie gesagt, ich lasse mich gerne eines besseren belehren, ich glaube aber nicht mehr an das Wahre Schöne Gute. Schon gar nicht in medialen Zusammenhängen. Dafür war ich in den letzten Jahren zuviel hier und nebenan im Bildblog unterwegs.

    @rog

    Wo habe ich irgendwas über „selbst schuld“ gesagt? Dass kübelweise Häme und Dreck über die Dame ausgegossen wird, hat niemand „verdient“ und muss auch niemand tolerieren. Sie hat alles Recht, sich dagegen juristisch und publizistisch zu wehren. Als PR-Dingens kann man allerdings wissen, was passieren kann, wenn man mit der „Bild“ im Fahrstuhl nach oben fährt. Und wenn man das nicht weiß, ist man entweder einen Happen dusselig oder man hat den falschen Beruf.

  108. 109
    rog says:

    @Linus: Nur der Vollständigkeit halber zitiere ich Sie von weiter oben: „Warum wird denn über die Tante überhaupt berichtet? Weil man die hübsche Lovestory der Bild verkauft hat damals. Sie hat damit den Markt für Intimschnüffeleien eröffnet.„
    Wenn da nicht ein „selbst schuld“ drin steckt, habe ich offenbar das Lesen verlernt.

  109. 110
    rog says:

    @Linus: Im übrigen dürfte damit Ihre Argumentation der mancher BILD-Redakteure gleichen — und zugleich deren Handeln rechtfertigen: Die glauben vermutlich auch, dass die Opfer selbst den Markt für Intimschnüffeleien eröffnen.

  110. 111
    Linus says:

    @rog

    Ist denn an der Aussage irgendetwas auzusetzen? Stimmt da was nicht? Oder nur nicht mit dem Schluss, zu dem sie ausschliesslich zu kommen glauben?

    Nochmal: Wäre irgendjemand auf die Idee gekommen, sich dumme Gedanken über Frau Wulff zu machen, wenn sie nicht höchstselbst im Verbund mit ihrem Manne mit Home-, Love– und anderen Stories in die Boulevard-Öffentlichkeit gegangen wäre?

    „Selbst schuld“ ist was anderes. Aber eine eigene Verantwortung für die Konsequenzen des eigenen Tuns möchte ich halbwegs intelligenten Menschen dann schon angedeihen lassen.

  111. 112
    Linus says:

    @rog

    Ich bin kein Medienrechtsexperte, aber ist es nicht Konsens, dass jemand, der „Bild“ ins heimische Schlafzimmer einlädt, deutlich schlechtere Karten hat, sich später darüber zu beschweren, dass die dann nochmal klopfen, auch wenns grad nicht passt?

    Was ich von Blicken in fremde Schlafzimmer halte, steht auf einem ganz anderen Blatt. Ich muss aber nicht so doof sein, „Bild“ Waffen, Argumente oder irgendwas anderes an die Hand zu geben.

  112. 113
    rog says:

    @Linus: Schon Ihre Grundannahme steht meines Erachtens auf moralisch bedenklichen Füßen: Die Tatsache, dass Familie Wulff Redakteure bei sich zu Hause empfängt, rechtfertigt nicht, dass verschiedene Medien daraufhin mit Intimschnüffeleien beginnen.

  113. 114
    Artikelkritik – Konrad Lischka: Google misst mit zweierlei Maß | the hobo and the gypsy says:

    […] so wie sie Konrad Lischka vorschwebt,  ist nicht umsetzbar. Das hat beispielsweise Stefan Niggemeier mit sehr einfachen Worten auch für den Laien erklärt. Für die Bedrohung der Datenkrake, die […]

  114. 115
    rog says:

    @Linus: Ähnlich, wie Sie hier argumentieren, sagt es ja auch Kai Diekmann: „Ist es nicht Konsens, dass jemand, der »Bild« ins heimische Schlafzimmer einlädt, deutlich schlechtere Karten hat, sich später darüber zu beschweren, dass die dann nochmal klopfen, auch wenns grad nicht passt?„
    Das mögen Sie jetzt nicht gern hören, aber mit diesem Hauch von abgeklärtem Zynismus würden Sie — insofern Sie gut schreiben und sich dabei auch noch kurz fassen können — ganz gut in die Riege bestimmter BILD-Redakteure passen.
    Zumindest habe ich diese Haltung öfter kennengelernt, als ich dort vor vielen Jahren gearbeitet habe.
    Es gibt bei BILD allerdings auch Leute, die noch nicht dem Zynismus anheimgefallen sind. Das waren wiederum diejenigen, von denen ich was lernen konnte.

  115. 116
    Linus says:

    Abgeklärter Zynismus ist für mich, so zu tun, als sei Frau Wulff ein armes Hascherl, dass so gar nichts dafür kann, dass es in der Öffentlichkeit steht.

    Nichts rechtfertigt Intimschnüffeleien. Gar nichts. Muss man das wirklich erwähnen, das ist doch selbstverständlich. Aber man sollte darüber gewisse Zusammenhänge nicht aus den Augen verlieren. Und das ist keine Frage von „Schuld“ oder sonstwas. Ich halte es nur für einigermaßen geheuchelt, sich über mediale Präsenz zu freuen, sie auch noch ungezwungen zu befeuern und sich dann künstlich und öffentlich und mindestens um die PR-Mechanismen zur eigenen (Buch-)Vermarktung wissend aufzuregen, dass man öffentlich präsent ist, mit all dem Mist, den das mit sich bringen kann.

  116. 117
    rog says:

    @Linus: Wir schauen offenbar aus zwei völlig verschiedenen Blickrichtungen auf die große weite Welt der Medien.

  117. 118
    Stefan Niggemeier says:

    @Linus: Wir könnten gern über die „Heuchelei“ von Frau Wulff diskutieren, wenn sie sich jetzt gegen zutreffende Berichte über ihr Privatleben wehren würde. Sie wehrt sich aber gegen unzutreffende Berichte. Die muss niemand hinnehmen, auch nicht, wenn er sein Schlafzimmer der „Bild“ geöffnet hätte.

  118. 119
    Linus says:

    @Niggemeier

    Mir ist es ehrlich gesagt völlig wurscht, ob die Berichte zutreffen oder nicht. Wer bin ich, das zu entscheiden und vor allem, was interessierts mich?

    Wenn ich irgendjemand mein Schlafzimmer zeige, werde ich nicht verhindern können, dass derjenige sich vielleicht Gedanken darüber macht, was ich denn jetzt da so alles drin treibe. Hinnehmen muss ich deswegen natürlich gar nichts. Und wehren kann und darf man sich dagegen allemal. Glaubwürdig ist trotzdem was anderes.

    Ob das vor allem in Form eines Buches geschehen muss, dass nicht nur „Jenseits des Protokolls“ heißt (Ui, Blick hinter die Kulissen), sondern auch (laut Bild) so schöne Kapitelnamen wie „Die Männer“, „Mein Mann“ oder ein Kapitel über ihr Tattoo enthält, darüber kann man streiten, finde ich. Wer sich selbst für so wichtig hält, muss es auch aushalten können, wenn dummes Zeug geredet wird. Und wundern sollte er sich darüber schon mal gar nicht.

  119. 120
    Stefan Niggemeier says:

    @Linus: Dafür, dass es dich nicht interessiert, hast du dich aber ganz schön in dieses Thema verbissen. Aber warum sollte es Frau Wulff interessieren, ob es dich interessiert?

  120. 121
    Gregor Keuschnig says:

    Ich stimme Linus #116 zu und nenne als Quelle den „Bildblog“, wo aus Frau Wulffs Buch zitiert wird: „Ich konzentriere mich auf meinen Job, auf meine Termine, auf meine Kinder, auf unsere Zukunft als Familie.“ Wenn das keine Heuchelei ist, weiss ich es nicht.

    „Disclaimer“: Mich interessiert nicht, was Frau Wulff vor ihrer Zeit mit C. W. getan oder nicht getan hat. Es interessiert mich auch jetzt nicht, ob sie vielleicht im Kämmerlein Frösche bei lebendigem Leib röstet oder heimlich auf dem Klo raucht. Aber mir gefällt ihr Empörungsfuror nicht, mit dem sie einen Berufsstand als nieder einschätzt (ich rede von Prostituierten) und damit den Verkauf ihres Buches antreibt.

  121. 122
    Linus says:

    Hö? Das muss ein Mißverständnis sein.

    Frau Wulffs Privatleben interessiert mich wenig. Ihr Auftreten in der Öffentlichkeit schon. Und dachte, darum gings hier im weitesten Sinne.

  122. 123
    Stefan Niggemeier says:

    @Gregor Keuschnig: Sie schreibt am Anfang des Buches, wie unerträglich sie es findet, dass ihr Sohn, wenn er ihren Namen googelt, all diesen Mist findet. Insofern muss das Schreiben des Buches (als eine Art Gegendarstellung) und das juristische Vorgehen kein Widerspruch sein zu ihrer Behauptung, sie wolle sich jetzt auf „unsere Zukunft als Familie“ konzentrieren. Es ist vielleicht eine Art Großreinemachen vor einem Neuanfang.

    Um (weiteren) Missverständnissen vorzubeugen: Ich weiß nicht, wie hehr die Ziele von Frau Wulff in Wahrheit sind. Ich glaube nur, dass die anderen es auch nicht wissen, die gerade den Stab über sie brechen.

    Natürlich ist all das, was sie gerade tut, nicht uneigennützig. Aber das macht es für mich noch nicht unanständig.

  123. 124
    Linus says:

    Grossreinemachen schön und gut, ich find sowas peinlich:

    „Sie hoffe nun, dass ihre Vergangenheit als Gattin des Bundespräsidenten bald uninteressant für die Medien werde.“

    Und deswegen schreib ich n Buch? Über mein Privatleben? Über meine Gefühle als Bundespräsidentengattin? Das ist hanebüchener Unfug. Das Buch wird vor allem von denjenigen gelesen werden, die ansonsten außer Bild und Bunte sonst nicht viel zu lesen kriegen wollen.

    Und als Gegendarstellung hätte es auch eine Pressemitteilung getan. Oder meinetwegen n Interview im Spiegel, im Stern oder, haha, in der Bild. Dann glaube ich ihr das und ihre hehren Motive liebend gerne. Aber so?

  124. 125
    Blunt says:

    @124: Vielleicht sollte das nächste Kampagnenopfer erst mal die Bürger fragen, wie sie’s denn gern hätten. Pressemitteilung? Buch? Interview?

  125. 126
    Thomas says:

    Das mit dem Sohn und dem googeln ist lustig. Wozu noch googeln, wenn er die Gerüchte direkt in Mamas Buch lesen kann — und 100.000te, die vorher nix darüber wussten auch.

    Die Unterlassungsklagen: Absolut richtig, aber wieso erst jetzt und nicht schon als es in den Medien auftauchte?

    Und zum Buch lese ich vor mir schon Kommentare wie „Wulffs kassieren zusätzlich zum Ehrensold jetzt auch noch mit Buch ab“ und „Schnäppchenjäger auf Werbetour“ etc.

    Ob das PR-mäßig alles so ideal ist oder man das nicht hätte ruhiger machen sollen, nun ja…

  126. 127
    Blunt says:

    @Thomas: Ich muss da doch noch mal was zu diesem „wieso erst jetzt“ anmerken: Wann eigentlich wäre es nach Ansicht mancher Kritiker denn eigentlich genehm gewesen? Mitten in der Affäre? Damit es so aussieht, als wolle sie die kritische Berichterstattung bekämpfen? Unmittelbar nach dem Rücktritt? Damit es die Rache der Beleidigten ist? Am 13. Januar? Am 15. März? Wo genau liegt der Termin, an dem eine Frau Wulff sich wehren darf? Würde mich mal interessieren, damit zukünftige Opfer wissen, wann es den Deutschen in den Terminkalender passt.

  127. 128
    Moki says:

    Warum wirft hier jeder Frau Wulff vor, dass sie mit den ganzen Gegendarstellungen und Klagen nur PR für ihr Buch machen will? Würden über mich ähnlich schwere und offenbar haltlose Gerüchte kursieren, dann würde ich diese auch aus der Welt räumen wollen. Wer würde das nicht wollen? Aber das führt zur nächsten Frage: Wann hätte sie denn mit den Gerüchten aufräumen sollen? Etwa als ihr Mann noch Bundespräsident war? Oder als seine eigene Affäre gerade am überkochen war? Dann hätten alle, die ihr jetzt hier billige PR für ihr Buch vorwerfen, erst recht aufgeschrieen und ihr vorgeworfen, sie beschädige das Ansehen des Amtes des Bundespräsidenten. Also wartet Frau Wulff ab, bis die Wogen um den Rücktritt ihres Gatten geglättet sind. Und jetzt räumt sie mit den Gerüchten auf, mit allen Mitteln, die ihr zur Verfügung stehen. Und diese Mittel sind: Offensiv damit umgehen und Öffentlichkeit schaffen. Und das geht mit Unterlassungsklagen und öffentlichen Stellungnahmen, auch mit einem Buch, das eine ordentliche öffentliche Aufmerksamkeit erfährt. Wen das Buch nicht interessiert (mich zum Beispiel), der soll es doch einfach links liegen lassen. Dieses Buch tut niemandem weh. In der Gesellschaft laufen viel bedeutendere Dinge schief, in die sich die Berufskritiker verbeißen sollten…

  128. 129
    Linus says:

    @Blunt

    Ich vergass, wir gehen ja alle vollkommen uneigennützig durch die Gegend. Und es liegt vor allem selbsternannten Promis auch immer und einzig nur das beste für die Menschheit am Herzen und Sarrazin (auch son Kampagnenopfer, vor allem der der Systemmedien) hat bestimmt sein erstes Buch auch nur geschrieben, weil ihm das Thema Integration so wichtig war, dass er es nicht Experten überlassen wollte. Und die Tantiemen und den Vorschuss hat er bestimmt gespendet. Für die hungernden Negerkinder, die dann wahlweise von Madonna oder Angelina adoptiert werden können.

    Mal ganz im Ernst: Frau Wulff verdient einen Batzen Geld damit, Leuten aus ihrem Schlafzimmer zu erzählen und Sie sagen dazu: Ja, ist doch gut und allerehrenwert, wenn mal jemand erzählt, wie es sich sich anfühlt, wenn die ganze Nation wissen will, wie es dort zugeht.

  129. 130
    Earonn says:

    Na gut, dann veröffentlicht sie halt ein Buch, um wenigstens Bild & Co. nicht die einzigen sein zu lassen, die aus den blöden Gerüchten Geld abziehen. Ist vermutlich das beste, was man als Opfer machen kann (Disclaimer: ich-kenn-die-Wahrheit-auch-nicht).
    Hier sind sehr viele, die offenbar genau wissen, wie man in Frau Wulffs Situation handeln sollte. Ich fühle mich an diejenigen Fussballfans erinnert, die *nach* dem Spiel immer ganz genau wissen, was die Mannschaft hätte anders machen sollen… ^^

    Ein Leistungsschutzrecht für Opfer, DAS wäre übrigens mal ein tolles Gesetz!

    @Stefan # 100:
    Für den Kommentar umarm ich dich! ;)

  130. 131
    Thomas says:

    @Blunt: Ich persönlich würde es so machen: Sobald ich mitbekomme, dass diese oder jene Zeitung oder ein Blog Lügen über mich berichtet, oder ein Herr Jauch verschwurbelt von Gerüchten redet, würde ich am nächsten Tag bei meinem Anwalt auf der Matte stehen und Entsprechendes in die Wege leiten. Und nicht Monate später.

    Soweit ich weiß, kamen die Gerüchte im Internet etc. schon lange vor der Wulff-Affäre auf. Da hätte doch keiner an „Rache der Beleidigten“ gedacht. Ich befürchte eher, das passiert jetzt und es ist schade, dass sie durch die Medien jetzt wahrscheinlich nochmal durch den Kakao gezogen wird, aufgrund dieses merkwürdigen Zeitpunktes.

  131. 132
    Stefan Niggemeier says:

    Frau Wulff geht nicht „erst jetzt“ gegen die Medien vor, sondern seit Monaten. Sie wollte es nur nicht machen, solange sie Bundespräsidentinnengattin war, was ich nachvollziehbar finde.

    Auch mit Jauch und Google verhandelt sie seit Monaten.

  132. 133
    Wendy Gondelntrauertragen says:

    @Gregor Keuschnig: Moment, Frau Wulff schätzt den Berufsstand Call girl nieder, wenn sie sich dagegen wehrt, als ein ehemaliges solches bezeichnet zu werden? Das ist ungefähr so, als würden Sie jene, die schwulen Berufsfußballern davon abraten, sich zu outen, homophob nennen.

  133. 134
    Thomas Hillebrand says:

    Ich verstehe nicht, dass jeder juristische oder gesetzgeberische Eingriff in das Wirklich Wilde Web mit der Begründung abgelehnt wird, dann gingen all die tollen Websites und Funktionen kaputt. Die Autovervollständigung macht etwas, das die eigentliche Google-Suchfunktion nie tun würde: Sie promotet absolute Außenseitertexte im Web, solange sich nur ein paar User finden, de entsprechende Suchanfragen starten. Heißt: Zwei Blogger schreiben ein Gerücht über Bettina Wulff, Journalisten wie Jauch greifen das Gerücht vor Millionenpublikum dezent ebenfalls auf (Jauch dessen SternTV auch Filme von Filmfälscher Born sendete), Tausende googlen — und schon finden zwei unhaltbare Blogbeiträge ein Riesenpublikum. Warum nutzt Google nicht seinen PageRank und verhindert Suchen, die nur Ergebnisse mit unseriösen Seiten zeigen werden? Vielleicht weil es Google interessant macht und Klicks bringt?

    P.S.: Habe dazu gebloggt.

  134. 135
    Earonn says:

    @Wendy

    Nicht unbedingt. Sagen wir eher: beide bekräftigen gesellschaftliche Missstände, in dem sie so handeln, als wären dieselben völlig in Ordnung.
    Und auf diese Weise werden Missstände natürlich nicht überwunden sondern eher noch zementiert.

    Deswegen meine ich zwar nicht, dass Frau Wulff sich gelassener zeigen oder schwule Fussballer sich outen *müssten* — aber hilfreicher wäre es. Beispielsweise wurde die Reform um den §318 ja auch nicht durch Totschweigen des Themas angestoßen.

  135. 136
    inga says:

    Wenn ich der Meinung wäre, dass mich Medien unfair behandelt haben, und ich hätte die Möglichkeit (sprich einen Verleger), in einem Buch meine Sicht der Dinge zu schildern, dann würde ich das vermutlich tun. Ich kann nichts Ehrenrühriges daran finden, PR dafür zu machen, dass möglichst viele Leute mein Buch lesen, und damit meine Sicht der Dinge kennenlernen.
    Aber natürlich wissen wir ja alle, dass die Frau einfach nur geld– und aufmerksamkeitsgeil ist, also braucht man sich ja nicht die Mühe zu machen, sich in ihre Lage zu versetzen. (Dass ich diese Frau Wulff mal verteidigen würde, hätte ich auch nicht gedacht. Ich fand sie genauso wie ihren Mann schon immer äußerst unsympathisch und war froh, als das Bundespräsidentenintermezzo endlich ausgestanden war…).

  136. 138
  137. 139
    Wendy Gondelntrauertragen says:

    @Earon: Stimme ich zu. Natürlich hätte es echte Größe und, auch da haben Sie Recht, aufgrund ihres öffentlichen Potentials großen Einfluss gehabt, wenn sie die Nummer richtig schön pantelourisiert und gesagt hätte: „Nee, war kein Call Girl. Und wenn ichs gewesen wäre? So fucking what!“ So viel grace under pressure kann man sich wünschen, aber nicht erwarten, zumindest nicht von einer gewesenen First Lady. Das soll keine Absage an die Zivilcourage sein, aber die Angst, bei dem Versuch, die Zementmauer zu durchbrechen, an derselben zu zerschellen, ist weder unbegründet noch verwerflich. Bin mir aber nicht sicher, ob Frau Wulff das überhaupt erwogen hat. Nur: Das Kuschen vorm Zement heißt nicht automatisch, dass man seine Existenz gutheißt.

    Aber, jetzt wo Sie mich darauf gebracht haben: Wie cool (und wie folgenreich?) wäre das gewesen, wenn sich die Frau hingestellt und gesagt hätte: Ich bin froh, nicht länger ein Land (mit-)repräsentieren zu müssen, das es nicht aushält, eine ehemalige Prostituierte als Präsidentingattin zu haben.

  138. 140
    Wendy Gondelntrauertragen says:

    137/138: Oh mein Gott. Da hat Stefan Niggemeier ja gleich den nächsten Blogeintrag zu schreiben. Stefan Niggemeier „erinnert“ an den Streisand-Effekt, indem er daran erinnert, den Begriff nicht zu missbrauchen. Das gibts doch nicht!

  139. 141
    Linus says:

    @Wendy

    Das wäre großes Kino gewesen. Ich würde alle Hüte vor der Frau ziehen. Und auch vor Herrn Bierhoff, wenn er auf die Frage nach schwulen Fussballern im Tatort sagt: Ja und!? Wo ist da jetzt das Problem?

    Und den eigenen Kindern könnte man ja auch erklären, dass man nicht alles glauben sollte, was so im Internet steht. Und selbst wenn es stimmte, es noch dazu völlig egal wäre.

  140. 142
    sf2000 says:

    Sie scheinen mir, geht man nach den Google-Vorschlägen, auch ein Fußballer zu sein;) Fernab dessen hätte ich mir wenigstens einen Nebensatz dazu gewünscht, dass die Dame hier in erster Linie den einen Teil aufbläst, der ihr dieser Tage erscheinendes Buch wenigstens für Freunde des schlechten Geschmacks interessant macht. Aber ansonsten war das ein guter Zwischenruf, ich stelle fest, wie ich gerade meine vorgefaßte Meinung ändere und einfach beschließe, die ganze Seifenoper stattdessen vollständig zu verdrängen;)

  141. 143
    wachholder says:

    wo gibts nochmal die Online-Fortbildung vom Journalsiten zum Medien-Journalisten?

  142. 144
    Thomas says:

    Applaus für den PR-Berater von Frau Wulff (die ja doch (k)eine Eskort-Dame gewesen sein soll, munkelt man oder auch nicht).

    Vorgezogener Erscheinungstermin des Buches kombiniert mit dem (ich munkele mal: gewollten) Streisand-Effekt und dicke Schadensersatzforderungen an böse reiche Medienunternehmen oder –unternehmer (beim berüchtigten LG Hamburg, das für seine Urteile in Internet-Angelegenheiten mittlerweile bekannt ist — munkelt man). Eine Win-Win-Win-Situation für eine Frau, die sonst nie eine Rolle gespielt hat.

    Schade nur, dass da so viele Medien aufspringen und mir so viel Aufmerksamkeit für die wirklich wichtigen Nachrichten des Tages verloren ging.

  143. 145
    Claus says:

    Herr Niggemeier,

    ich dachte, zwar, auch Sie hätten in einem Spiegel-Essay mal den Opfern von Shitstorms empfohlen, diese einfach auszusitzen. Angesichts dieses Textes habe ich das offensichtlich falsch in Erinnerung.

    Danke, dass ein einflussreicher Blogger wie Sie einmal klar auf den Punkt bringt, was jedem Menschen mit Gerechtigkeitsgefühl eigentlich klar sein müsste: Es kann nicht sein, dass das Opfer sich verstecken muss. Wer im Recht ist, hat auch das Recht, sich zu wehren.

    Scheiß auf PR und Scheiß auf Vorteilsnahme des Ehegatten.

  144. 146
    inga says:

    @Thomas: Aber echtjetz. Diese aufmerksamkeitsraubend aufspringenden Medien zwingen einen förmlich dazu, mehrzeilige Kommentare in Blogs abzugeben anstatt sich um die wirklich wichtigen Dinge ™ zu kümmern.
    (Diese Frau Wulff wird mir irgendwie immer sympathischer. Hilfe.)

  145. 147
    hrool says:

    Bigotterie.

    Herr Niggemeier, Sie brauchen einen Reset.

  146. 148
    mepeisen says:

    Ich habe nun nicht jeden Kommentar gelesen, aber fast :)
    Dass dieses Gerücht in der breiten Öffentlichkeit nicht so bekannt war, heisst nicht, dass es gar nicht bekannt war. Die vorab veröffentlichten Passagen des Buches erzählen da etwas Eindeutiges. Und auch wenn sich beispielsweise die BILD anscheinend damals bewusst dagegen entschied, dieses Gerücht damals zu veröffentlichen, als ihr Ehemann in Ungnade viel: Die BILD hat ebenfalls bereits bestätigt, dass man seit Jahren in Berlin getuschelt hat. Der politischen Riege in Berlin war das Gerücht mutmasslich in der Breite bekannt und ebenfalls den Pressevertretern. Und es hielt sich jahrelang unterschwellig. So wie sich aber niemand so recht traute ein aus der Luft gegriffenes Gerücht zu veröffentlichen, als sie First-Lady war, so hat auch sie sich augenscheinlich entschieden, mit Gegenmaßnahmen und Klagen so lange zu warten, bis man ihr nicht mehr unterstellen kann, ihre Stellung und das Amt Ihres Mannes ausnutzen zu wollen um gegen die Gerüchte vorzugehen.

    In jedem Fall beglückwünsche ich Frau Wulff dazu, dies nun so ins Gegenteil zu kehren und dass sie es schaffen wird, das Gerücht damit zu überlagern: „Das war eine gezielte Schmutzkampagne von einigen aus der Landesregierung“. Warum das mit Google? Tja, das würde mich auch einmal interessieren. Aber Anrecht sich zu wehren hat sie.

    All die Akzeptanz zu käuflicher Liebe und zu sexuellen Neigungen bedeuten nicht, dass man sie akzeptieren muss, wenn man damit im Rahmen von Gerüchten konfrontiert wird. Erstens würde ich mich auch persönlich wehren, wenn ich jahrelang mit dem hartnäckigen Gerücht zu kämpfen hätte, ich sei einmal Entsorgungsspezialist gewesen (obgleich so manche meiner Tätigkeiten im übertragenen Sinne daran erinnern könnten). Und das unabhängig davon, ob das ein ehrrenwerter Beruf ist oder nicht. Zweitens sieht die poltische Tagesordnung anders aus und gewisse Dinge sind auch in der Politik tabut oder gerade in gewissen Ämtern. Ich will mal diejenigen erleben, die nun sagen sie solle sich nicht so anstellen, wenn es eine Schlagzeile gegeben hätte „Unsere First-Lady hat früher ihren Körper verkauft.“ Sie wären wohl die ersten, die sie fortgejagd hätten.

    Ich finde, die offensive bei gerüchten zu behalten ist besser als irgendwann in der Defensive zu sein, wenn das schwelende Gerücht endgültig ausbricht.

  147. 149
    Thomas says:

    @inga

    Nein, sie verdrehen da was. Aber kein Problem, kann mal passieren, wenn man nicht richtig liest.

  148. 150
    Lars says:

    @Stefan (#72): Ja, natürlich nicht als vom Autor affirmierte Aussage über die Person, das meinte ich auch nicht. Aber auch als angebl. Ausdruck einer öffentl. Meinung war das schon hanebüchener Unsinn, was Tuma da schrieb. Bei jeder Eingabe in der Form „häufiger Vorname + ist“ kommen bei Google nahezu dieselben, irgendeinen der Namensträger beleidigende, Vorschläge: „dumm“, „doof“ und bei männl. Namen „schwul“ sind immer ganz oben. Das als Beleg für irgendetwas zu verwenden, zumal als Beleg der öfftl. Einschätzung eines bestimmten Vornamenträgers, ist schon unsinnig. (Zumal er den Nachweis einer Änderung, also dass 1 Jahr zuvor wirklich anderes vorgeschlagen worden wäre, schuldig blieb. Auch wenn man einige der Autovervollständigungen als spezifisch betrachtet: diese bilden das übliche ständig wiederholte Mantra in den Leserkommentarhöllen bei BILD und ähnlichen seit Anbeginn ab, überhaupt nichts Verändertes. Aber gut: Schwamm drüber. ;)

  149. 151
    Harald Eisenmann says:

    Bettina Wulff wird hoffentlich nicht so unklug sein ein Gerücht zu bekämpfen von dem sie WEISS das es einen wahren Hintergrund hat. In diesem Falle hat jeder ehemalige Freier mit auch nur einem Hauch von Beweis (Fotos, Aufzeichnungen, sonstiges verfängliches Material) für immer ausgesorgt. Dann heisst es nämlich Zahlemann und Söhne bis in die Urne. Ich bin jedenfalls jetzt schon gespannt.

  150. 152
    rgroth says:

    Wenn ich eine Suchmaske nutze, habe ich immer ein grosses ? im Sinn — sonst würde ich ja nicht suchen.

    Und wenn ich nun im Zusammenhang der Eingabe des Namens „Bettina Wulff“ irgendwelche Stichworte vorgeschlagen bekomme, habe ich immer noch ein grosses ? — und lese dann evtl. die angezeigten Quellen — und bin über den derzeitigen Informationsstand informiert und habe ein !.

    Insofern halte ich die Klage von Fr. Wulff gegen Google’s Autocomplete für kontraproduktiv.

  151. 153
    Harry says:

    Besser Barbra Wulff als Bettina Santorum.

  152. 154
    Gregor Keuschnig says:

    @123/132/Stefan Niggemeier
    Ich breche nicht den Stab über Frau Wullf. Sie interessiert mich nicht und es ist bisweilen eine Belästigung, über ihr vollkommen uninteressanten Leben beschallt zu werden (ja, ich weiss, ich kann’s auch ignorieren). Im übrigen werden ihre Kinder sicherlich beim Googlen über C.W. als Bundespräsident ebenfalls keine schmeichelhaften Kommentare finden. Will man die auch reglementieren?

    Im übrigen ist C.W. im Februar zurückgetreten. Jetzt kommt sie Sache an die große Öffentlichkeit. Pünktlich zum Buch. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt?

    @133/Wendy Gondelntrauertragen
    Das in Unfug. Ich gehe einmal davon aus, dass die meisten eine evtl. „Rotlichtvergangenheit“ längst nicht mehr als Makel oder ehrenrührig sehen würden. Hierzu hätte im übrigen auch niemand das Recht. Es ist schon ein quantitativer Unterschied davon zu reden oder vielleicht eine wahrheitswidrige Behauptung bspw. über eine Straftat aufzustellen (Beispiel: „Frau X ist eine Diebin“).


    (Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, man kann bei Google-„Chrome“ die Autocomplete-Funktion bei der Suche auch abschalten.)

  153. 155
    Blunt says:

    @rgroth: Das soll jetzt aber bitte nicht im Ernst ein Argument dafür sein, Verleumdungen hinzunehmen.

  154. 156
    inga says:

    @Gregor Keuschnig: „Jetzt kommt sie Sache an die große Öffentlichkeit. Pünktlich zum Buch. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt?„
    Warum wäre es etwas „Böses“, PR für ein Buch zu machen? Vor allem, wo Bettina Wulff doch mit dem Buch exakt dasselbe Ziel verfolgt wie mit der Klage, nämlich ihre Sicht der Dinge mit möglichst großer Aufmerksamkeit unters Volk zu bringen? Ich finde dieses Anliegen legitim. Wie würden Sie denn an ihrer Stelle vorgehen?

  155. 157
    Adenalin says:

    @ Stewfan Niggemeier

    > Frau Wulff geht nicht »erst jetzt« gegen die Medien vor, sondern seit Monaten. Sie wollte es nur nicht machen, solange sie Bundespräsidentinnengattin war, was ich nachvollziehbar finde.

    Ich finde nicht nachvollziehbar dass sie, obwohl die scheinbar ach so schlimmen Gerüchte bereits 2006 aufkamen lt. SZ, sie jahrelang abgewarte hat und sich ncith umgehend darum kümmerte bevor sie Präsidentengattin wurde.

    Irgend eine plausibele Erklärung?

  156. 158
    Adrenalin says:

    @ Thomas Hillebrand

    > „Heißt: Zwei Blogger schreiben ein Gerücht über Bettina Wulff, ..:“

    Das wäre mir neu, ausnahmsweise hat das Internet am Aufkommen der Gerüchte nicht die Schuld sondern das Hannoveraner CDU Umfeld und das im Jahr 2006.

    Welche Webseiten konkret sollen es gewesen sein?

  157. 159
    Blunt says:

    Unfassbar. 2006 hat sie sich nicht gewehrt, und jetzt plötzlich kommt sie damit an? Ja, wo leben wir denn eigentlich? Ich soll als Opfer allen Ernstes erklären, warum ich erst zum Zeitpunkt X die Anzeige erstatte und nicht schon zum Zeitpunkt Y? Was spielt das für eine Rolle? Sind die Verleumdungen dann weniger schlimm? Vielleicht hat sie Rücksicht auf die Karriere ihres Mannes genommen, vielleicht hat sie gedacht, die Gerüchte hören von selbst auf, vielleicht war sie sich einfach noch nicht sicher, wie man mit so einer Situation umgehen soll — aber nein: Natürlich hat sie so lange gewartet, bis der ideale Moment für einen Bestseller da ist!
    Wir Deutschen sind wahrhaftig Weltmeister darin, Täter zu Opfern zu machen und Opfer zu Tätern.

  158. 160
    Christian A. says:

    Was mich mal interessieren würde: Gegen welche Texte/Autoren/… wurde denn eigentlich konkret vorgegangen?
    Es gibt hier und da zwar ein paar Namen (z.B. Jauch und Google), aber nur wenig konkrete Beispiele.

    Günther Jauch hat ja z.B. lediglich einen Bericht der Berliner Zeitung(?) aufgegriffen und einen Bild-Mitarbeiter dazu gefragt.
    Was ist daran ehrenrührig? Dürfte Jauch eigentlich überhaupt noch über die aktuelle Entwicklung in seiner Sendung berichten?

    Wann ist denn ein Blogger rechtlich gesehen „in Gefahr“? Wenn er schreibt: „Person X hat Y gemacht“? Wohl ja (wenn die Behauptung nicht stimmt). Aber was ist, wenn Blogger B schreibt: „Medium Z berichtet, Person X hat Y gemacht“? Oder gar schon mit „Medium Z1 berichtet, Medium Z2 schnüffelt im Privatleben von X“? Wo ist die Grenze?

    Und warum gerade die Klagen vorm bekannten Hamburger Gericht, das gerne für das Vorgehen gegen unliebsame Medienberichte verwendet wird? Alleine das hat für mich schon einen gewissen Beigeschmack.

    Könnte eigentlich jetzt die CDU gegen die Behauptung vorgehen, daß aus ihren Kreisen das Gerücht gestreut wurde?

  159. 161
    Blunt says:

    @Adrenalin: Nein, das Internet hat natürlich überhaupt keine Schuld, das ist ja nur ein technisches Konstrukt. Und das CDU-Umfeld hat die Gerüchte natürlich nicht mit Hilfe von Internetseiten wie „Gerüchteblog“ verbreitet, sondern mit Hauswurfsendungen. Und natürlich hat nicht ein Suchmaschinenanbieter die Bürger mit freundlicher Vervollständigung ihrer Suchbegriffe auf diese Seiten geführt, sondern ein Angestellter der Bundespost.

  160. 162
    Adrenalin says:

    @Stefan Niggemeier zum Streisand-Effekt

    Im NZZ Kommentar schreibst Du

    „Stefan Niggemeier Gestern 06:44 PM
    Ahem. „Erinnert“ habe ich nur insofern an den „Streisand-Effekt“, als ich geschrieben habe, dass es sich hier nicht um einen solchen handelt. Barbra Streisand wollte verhindern, dass zutreffende Informationen an die Öffentlichkeit kommen, und das Gegenteil erreicht. “

    Seit wann bewertet denn der Streisand-Effekt ob die Information die Unterdrückt werden soll wahr oder falsch ist?

    Nicht grundlos heißt es im Wikipedia-Eintrag

    „Als Streisand-Effekt wird bezeichnet, wenn durch den Versuch, eine Information zu unterdrücken, genau das Gegenteil erreicht wird, nämlich die Information besonders bekannt gemacht wird.“

    Für den Eintritt dieses Effekts ist gänzlich unerheblich ob und inwieweit die Information juristisch zutreffend ist, er tritt einfach ein, unabhängig vom Wahrheitsgehalt selbiger.

    Ob das gut oder schlecht ist, darüber läßt sich streiten.

  161. 163
    theo says:

    Es ist, wie Stefan Niggemeier schreibt, legitim, sich gegen Gerüchte zu wehren. Anderseits — im Fall unseres Umweltministers — fand er es legitim, darüber zu spekulieren, ob der schwul sei, weil:

    „Dadurch, dass man Homosexualität — anders als Heterosexualität — als etwas besonders Intimes, Privates, Verheimlichenswürdiges darstellt, trägt man zur Diskriminierung von Schwulen und Lesben bei. Dadurch, dass sie eine legitime Diskussion über die mögliche Homosexualität des Umweltministers unterdrückt, trägt die Chefredakteurin der »taz« zur Diskriminierung von Schwulen und Lesben bei.“

    Konsequent weitergedacht könnte man dann mit Fug und Recht auch behaupten, das Nicht-Spekulieren über eine angebliche Vergangenheit als Escort-Lady trage zur Diskriminierung von Huren bei? Und dass Frau Wulff ja — wie beim Umweltminister — damit rechnen müsse, weil sie selbst jahrelang nicht zu den Gerüchten Stellung bezieht?

  162. 164
    Tom says:

    Zitat theo:
    „Konsequent weitergedacht könnte man dann mit Fug und Recht auch behaupten, das Nicht-Spekulieren über eine angebliche Vergangenheit als Escort-Lady trage zur Diskriminierung von Huren bei? Und dass Frau Wulff ja — wie beim Umweltminister — damit rechnen müsse, weil sie selbst jahrelang nicht zu den Gerüchten Stellung bezieht?“

    So würde ich das nicht sehen! Sonst würde ein Spekulieren über die Tatsache bereits bestätigen, dass sie eine Escort-Lady ist. Denn wäre sie keine, wäre ein Nicht-Spekulieren auch keine Diskriminierung von Huren?!

  163. 165
    B.Schuss says:

    klar kann Frau Wulff machen was sie will, aber es hat aus meiner Sicht schon einen seltsamen Beigeschmack, wenn sie es bisher über Monate geschafft hat, ihren rechtlichen Kampf gegen diverse Blogger und Medienhäuser aus den Medien raus zu halten, und gerade jetzt, wo bald ihr neues Buch erscheint, die Sache quasi „offiziell“ ( im Sinne von: mir ihr abgesprochen ) doch wieder an die größere Öffentlichkeit kommt.
    Sorry, das riecht einfach nach PR, und eben nicht nach einer armen, gebeutelten Mutter, die bloß versucht, ihre Reputation wieder herzustellen.
    Dazu hätte es sicher auch ein Exklusivinterview in der SZ getan, oder von mir aus ein Besuch bei Günther Jauch ( hehe.. ).
    Aber das Buch bedeutet, dass sie aus der Sache noch Kapital schlagen will, und spätestens an der Stelle braucht sie ( zumindest mir ) mit Wörtern wie „Moral“ und „Reputation“ nicht mehr zu kommen.

    Was mich wundert ist deine eher unkritische Haltung zu ihrer Klage auf Unterlassung gegen Günther Jauch. Schließlich hatte der ja lediglich einen Artikel aus der Berliner Zeitung zitiert.
    Was kann der dafür, wenn die Kollegen so was drucken ?
    Ich hätte an seiner Stelle nicht unterzeichnet. Geld, um sich gute Anwälte ( Schertz ) zu leisten, hätte er wahrlich genug.

    Und die Klage gegen Google ist total absurd, und riecht eigentlich noch stärker nach PR und Kampf um Aufmerksamkeit. Aber eigentlich auch kein Wunder.
    Schließlich ist Frau Wulff vom Fach.

  164. 166
    inga says:

    @Adrenalin (#162): Bettina Wulff hat ein großes Interesse daran, dass die Information, dass sie nicht als Ecort-Lady gearbeitet hat, gerade nicht unterdrückt, sondern möglichst weit verbreitet wird. Sie möchte, dass möglichst viele Leute wissen, dass an den Gerüchten nichts dran ist. Das ist ihr gelungen. Folglich: Kein Streisand-Effekt weit und breit.

  165. 167
    inga says:

    @B.Schuss: Und wenn Wulff mit ihrem Buch womöglich tatsächlich nur das Ziel verfolgte, einer möglichst breiten Öffentlichkeit ihre Sicht der Dinge darzulegen? Wo sie doch dank des berühmten Ehrensolds ohnehin ausgesorgt hat? Wäre doch zumindest denkbar, oder? (Aber natürlich nur, wenn man sich von seinem Vorurteil über diese geldgeile Luxuslady mal einen Augenblick lang löst).

  166. 168
    Linus says:

    @Inga

    Inwiefern ist die „arme verfolgte Unschuld mit den besten Absichten“ als Vorurteil besser als das über die „geldgeile Luxuslady“?

  167. 169
    Blunt says:

    @Linus: Insofern, als die Unschuldsvermutung ein wesentlicher Faktor unserer Kultur ist, nicht zuletzt in der Rechtsprechung.

  168. 170
    inga says:

    @Linus: Nenn es “ total verrücktes Gedankenexperiment“. Könnte es, mal rein hypothetisch, sein, dass wir damals alle ein bisschen auf die negative Berichterstattung reingefallen sind? Weil es so schön in unser Weltbild passte? Falls Du das für komplett undenkbar hältst: Viel Spaß weiterhin beim Kognitiven-Dissonanz-Reduzieren. (Und damit sage ich übrigens nicht, dass sie recht hat und die Medienbericht über sie und ihren Mann alle aus der Luft gegriffen und falsch sind).

  169. 171
    Linus says:

    Och Gottchen, die Unschuldsvermutung, man kann sich aber auch arg naiv anstellen.

    Wie schon mehrfach erwähnt, die Dame ist im Bereich PR unterwegs, es ist bestimmt auch in Frau Wulffs Interesse, deren Absichten hier vehement verteidigt werden, ihr eine gewisse Kompetenz zu unterstellen.

  170. 172
    Linus says:

    @inga

    Reingefallen auf die negative Berichterstattung? Welche denn? Ich kann mich bei Frau Wulff an keine erinnern, außer halt dieses Gemurmel und Gemunkel, dass dann seinen Weg zu Jauch fand.

    Seriöse Berichterstattung, positiv wie negativ, fiel mir dabei nicht auf. Und ich glaube nicht, dass wir bei ihrem Gatten auf irgendetwas reingefallen sind.

  171. 173
    Blunt says:

    @inga: Ich glaube, dass die tatsächlichen Verfehlungen von Christian Wulff (Urlaub bei Maschmeyer, etc.), flankiert von der damaligen PR-Strategie mit Home Storys (und hier war seine Frau natürlich mit beteiligt), zusätzlich befeuert durch einen großen Durchhaltewillen am Ende wohl ein überzogenes Urteil ergeben haben. Wie oft bei solchen Medienhypes liegt die Wahrheit wahrscheinlich irgendwo dazwischen, weshalb wir Frau Wulff heute nicht verdammen aber auch nicht heroisieren sollten.

  172. 174
    inga says:

    @Linus: Dann verstehe ich aber erst recht nicht, woher diese aggressive Ablehnung dieser Frau gegenüber bei Dir kommt. Oder wie wird aus: „Eine Frau, die eine größtmögliche Aufmerksamkeit für ihre Sicht der Dinge schaffen möchte“ eine „arme verfolgte Unschuld mit den besten Absichten“?
    Ich jedenfalls halte sie weder für arm noch verfolgt. Ich kann mir lediglich vorstellen, dass sie den Wirbel ohne finanzielles Interesse veranstaltet. Und ich halte es für ein legitimes Anliegen, ihre eigene Sicht der Dinge zu veröffentlichen. Ich habe Dich in anderen Kommentaren als differenzierten Diskussionsteilnehmer wahrgenommen und finde es befremdlich, dass Du eine Dir im Prinzip unbekannte Frau in Bausch und Bogen verdammst und nicht einmal die Möglichkeit zulassen willst, dass sie womöglich an der ein oder anderen Stelle recht haben könnte.

  173. 175
    Blunt says:

    @Linus: Ja, och Gottchen. Wer PR-Frau ist, einen Politiker zum Mann hat und schon mal die Bild-Zeitung ins Haus geholt hat, für den gilt diese Vermutung grundsätzlich nicht mehr. Ist es das, was Sie meinen?

  174. 176
    B.Schuss says:

    @Inga: wenn es lediglich um die Darstellung ihrer Seite der Geschichte ginge, und noch dazu von dem Wunsch beseelt, eine möglichst große Öffentlichkeit zu erreichen, bedürfte es dazu nun wahrlich keines Buches.
    Denn das müssen die Leute ja erst mal für teuer Geld kaufen, und die Reichweite ist begrenzt.
    Mit einem Besuch bei Jauch, oder von mir aus auch Stern TV würde man wesentlich mehr Menschen erreichen, ohne diesen gleich das Geld aus der Tasche zu ziehen.
    Ähnliches gilt für ein Exklusivinterview mit einer der üblichen Holzmedien.
    Aber beides kann ja noch kommen. So ein Buch will ja anständig beworben sein…
    Was meine vemeintlichen Vorurteile gegenüber Frau Wulff betrifft, da — wie ich annehme — keiner von und beiden die Dame persönlich kennt, was bleibt schon, ausser Vermutungen ? Für uns alle hier.
    Unter den von mir beschriebenen Umständen, und mit Blick auf ihren beruflichen Hintergrund, ist meine Sicht auf die Dinge sicher nicht weniger valide, als deine ^^

  175. 177
    inga says:

    @B.Schuss: „wenn es lediglich um die Darstellung ihrer Seite der Geschichte ginge, und noch dazu von dem Wunsch beseelt, eine möglichst große Öffentlichkeit zu erreichen, bedürfte es dazu nun wahrlich keines Buches.„
    Was ist das denn für ein merkwürdiges Argument? Sie schreibt ja vermutlich nicht ein ganzes Buch darüber, dass sie keine Escort-Vergangenheit hat, sondern auch über ander Dinge, die sie aus ihrer Sicht richtig stellen will.
    Ich glaube, ich habe überhaupt nicht geschrieben, was ich von der Dame persönlich halte (außer irgendwo oben, dass sie mir schon immer höchst unsympathisch war). Aber egal, ob ich sie sympathisch finde oder nicht, ich halte es für legitim, dass sie ein Buch schreibt und dafür die Werbetrommel rührt. Und empfinde dabei keinerlei Gschmäckle.

  176. 178
    Thomas says:

    Wenn die gute Frau tatsächlich ein Interesse hätte, die „Wahrheiten“ über eine etwaige Eskortdiensttätigkeit zu verbreiten:

    Unter welchen Suchbegriffen sollte man nach ihrer Meinung fündig werden, sofern Google Suchbegriffe zensieren muss? „Bettina Wulff nicht-prostituierte“? Oder „Bettina Wulff nicht-escort“? Ja, sie wird natürlich sagen: Kaufen Sie mein Buch.

    Es ist doch einfach nur eine lächerlich durchschaubare Verkaufsförderung, der die etablierten Medien hier aufgesessen sind.

    Und ich mag mir gar nicht vorstellen, was passiert, wenn Google filtern muss und dann (irgendwann einmal) eine andere Frau Bettina Wulff auftaucht, die aber tatsächlich Prostituierte ist und dann gegen Google (oder Frau Wulff Nummer 1) vorgeht und Schadenersatz fordert, weil ihr Geschäft leidet. :D

  177. 179
    focion says:

    @Adrenalin (#162)

    Warum es sich nicht um einen Streisand-Effekt handelt hat bereits in #32 amfenster auf den Punkt gebracht.

    „Nein. Im einen Fall wird eine weitgehend unbekannte Tatsache dadurch erst bekannt, dass sich jemand gegen ihre Verbreitung wehrt.

    Im anderen Fall wehrt sich jemand gegen eine kursierende Tatsachenbehauptung. Dadurch wissen vielleicht ein paar Leute mehr als vorher, dass es dieses Gerücht gibt. Aber es ist auch klargestellt, dass es sich dabei um eine falsche Behauptung handelt.

    Frau Streisand sagt: Ich will nicht, dass alle wissen, dass DAS HIER mein Haus ist. Mit dem Ergebnis, dass alle wissen, dass das ihr Haus IST.
    Frau Wulff sagt: Ich will nicht, dass weiterhin verbreitet wird, ich hätte als Escort oder Prostituierte gearbeitet, weil das nicht den Tatsachen entspricht. Mit dem Ergebnis, dass alle wissen, dass ihr das nachgesagt wurde — und dass es nicht stimmt.

    Das ist doch offensichtlich was anderes.“

    Vielleicht könnte man sagen, dass zwei Bedingungen notwendigerweise erfüllt sein müssen, damit man sinnvoll von einem Streisand-Effekt sprechen kann:

    Dass es sich (1) um eine Tatsache handelt (jedenfalls ist dies in allen bei Wikipedia genannten Beispielen der Fall, auch wenn im Text von Information“ die Rede ist) und diese (2) „weitgehend unbekannt“ ist.

    Über Bedingung (1) könnte man vielleicht streiten, also auch zu Grunde legen, dass die zu Grunde liegende Information wahr oder falsch sein kann. Was bei den bei Wikipedia genannten Beispielen ja aber nicht der Fall ist. In dem Fall würde dann aber durch die Richtigstellung die ursprünglich falsche Information lediglich und willentlich „mitverbreitet“.
    Bedingung (2) „weitgehend unbekannt“ ist natürlich auch bis zu einem gewissen Grad relativ. Angesichts des Millionenpublikums von Günther Jauch ist sie im Fall Bettina Wulff meines Erachtens aber ganz sicher nicht erfüllt.

    Sehe deshalb wirklich nicht, wie man im Fall Wulff sinnvoll von einem Streisand Effekt sprechen kann.

  178. 180
    Adrenalin says:

    @ focion (#179)

    Danke für den Hinweis auf #32 amfenster.

    Ich komme zu einer anderen Beurteilung, denn bestenfalls stehen sich in der Sache 2 Aussagen diametral gegenüber.

    Man kann der Aussage von Frau W. glauben schenken aber muss man?
    Die Eidesstattliche Versicherung wäre nicht die erste die sich als Meineid erwiesen hätte. Strafbewährung hin oder her.

    Ein _Beweis_ für die eine oder andere Aussage existiert m.W. n. nicht.

    Ich will mir jetzt nicht ausmalen, was geschähe, fände sich jemand der behauptet Freier gewesen zu sein und das ebenso eidesstattlich versichert.

    Frau W. fällt jetzt die Vorgeschichte des Rückzugs auf die Füße und sie kämpft jetzt damit, dass im zurückliegenden Skandal von Familie W. nur jeweils das eingeräumt wurde, was offensichtlich nicht länger bestreitbar war.

    Aus juristischer Sicht mag das in Ordnung gewesen sein, niemand muss sich selbst belasten.

    Moralisch betrachtet war es ein Trauerspiel was da peu a peu an Weglassungen und Halbwahrheiten zu Tage gefördert wurde.

    Wie sagt so schön das alte Sprichwort? Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht und wenn er auch die Wahrheit spricht.

    Daher komme ich –im Gegensatz zu #32 und auch Dir NICHT zu dem Schluss, „dass es sich dabei um eine falsche Behauptung handelt“, sondern nur zu dem Schluss, dass sie die Behauptung zu der sie sich lange nicht geäußert hat inzwischen BESTREITET.

    Der Unterschied zu Streisand (Sachverhalt wird von S. bestätigt) ist mir jedoch klar geworden, danke, insoweit habt ihr recht.

    Letztendlich aber läuft es doch auf genau das gleiche hinaus, auch wenn es dafür scheinbar keinen eigenen Begriff gibt?

    Eine Menge Leute die den Sachverhalt gar nicht mitbekommen haben sind erst durch die Wulffschen Aktivitäten „wach“ geworden.

    Wie hoch der Anteil derer ist, die Familie Wulff nicht mehr glauben (unabhängig vom schwebenden Verfahren) so wie ich z.B. und der Anteil jener, die ihr trotz der Vorgeschichte glauben schenken, bleibt unbekannt.

    Unter dem Strich sehe ich sie durch eigenes Zutun mehr beschädigt, ich finde allerdings die beeindruckende Nähe zur (jetzt sogar vorgezogenen) Buchveröffentlichung und ihren beruflichen Background als PR –Fachfrau in diesem Zusammenhang erwähnenswert.

    PR-Fachleute lernen Krisen– und Reputationsmarketing und wenn sie jetzt so zeitgleich agiert, dann steht zumindest im Raum, dass sie die ihr so wichtige finanzielle Unabhängigkeit von Ihrem Gatten (->Buch) gegen den sowieso schon massiv lädierten Ruf gegengerechnet hat.

  179. 181
    Adrenalin says:

    Strafbewehrung ;)

  180. 182
    Gregor Keuschnig says:

    @156/inga
    Bei Ihren Kommentaren weiss ich nicht, ob ich sie ob des zuweilen reichlich naiven Weltbildes bewundern oder den Kopf schütteln soll. Natürlich ist es „legitim“ ein Buch zu schreiben, aber die Koinzidenz ist schon sehr prägnant. Wer hätte sich für Bettina Wulffs Leben interessiert — außer die üblichen Verdächtigen bei der Yellow-Press? Ihr Mann ist unten durch, ihr Glamourfaktor passé, weil sie nicht mehr „First-Lady“ ist. Sie ist weder Intellektuelle, noch Künstlerin, Unternehmerin oder Sportlerin. Politisch ist sie auch nicht in Erscheinung getreten?Was hat sie also mehr „zu bieten“ als eine Wirtin in der Düsseldorfer Altstadt? Aber jetzt sieht die Sache natürlich anders aus. Eine Klage gegen Google ist natürlich für eine gewisse Klientel ein zusätzliches Zuckerstückchen. Da wird Frau Wulff schnell heroisiert. In Wahrheit ist Frau Wulff die Autocompletefunktion von Google vollkommen gleichgültig.

    Was sie hätte tun können: Naja, ein Interview in der SZ oder sonstwo hätte auch gereicht. Aber manche Personen entwickeln mit der Zeit einen erstaunlichen Narzissmus.

  181. 183
    Linus says:

    @inga

    Inhaltlich kann ich #182 Gregor Keuschnig voll zustimmen (das Kopfschütteln vielleicht mal außen vor gelassen).

    Die Differenzierung in diesem Falle kommt doch daher, dass ich sage, die Frau kann doch bitte tun und lassen, was sie will. Ich fasse das auch nicht als persönliche Beleidung auf, dass sie glaubt, ein Buch schreiben und verkaufen zu müssen. Alles gut.

    Ich tue mich nur etwas schwer damit, darin etwas anderes zu sehen, als eben ein (worauf auch immer basierendes) übersteigertes Mitteilungsbedürfnis und den Wunsch, Kohle damit zu machen. Das ist nicht ehrenrührig, keine Frage, aber es wird doch wohl erlaubt sein, die Motive kritisch zu hinterfragen. Das tue ich auch bei Sarrazin und bei Kapitänchen Lahm, die bestimmt auch was ganz ehrenhaftes vorhatten mit ihren literarischen Ergüssen.

    Ich finde es in diesem Zusammenhang eine Zumutung (von Frau Wulff), mit Kai Diekmann und Frau zu dinieren und sich hinterher dann darüber zu beschweren, dass Kai Diekmann Kai Diekmann ist. Das ist eine Beleidigung der eigenen Intelligenz (also Wulffs) und der anderer. Und da werde ich dann das, was Sie aggressiv nennen. Besonders, wenn man sich dann noch anhören muss, dass sie ein „Opfer“ ist, für welches die normalen Maßstäbe der Heuchelei nicht zu gelten haben.

    Ich mag die Frau nicht. Ihren Mann schon gar nicht. Aber was heißt mögen? Ich versteh die nicht. Öffnet ihr Schlafzimmer der Bild und wundert sich dann, wenn dadurch in letzter Konsequenz Deppen an ihrem Laken schnüffeln. Das ändert nichts an der Widerlichkeit von Lakenschnüfflern, aber an meinem Urteil über die Dame.

  182. 184
    inga says:

    @Gregor Keuschnig: Es ist mir jetzt schon langsam peinlich, immer wieder dasselbe zu fragen… Was ist denn per se daran so verwerflich, für seine eigenen Belange eine größtmögliche Öffentlichkeit herzustellen? Ich will ja gar nicht abstreiten, dass darin auch ein gerüttelt Maß an Narzissmus liegen mag. Nur: Warum ist das im Fall von Bettina Wulff anscheinend so extrem anrüchig? (Und übrigens lasse ich mich lieber „naiv“ nennen als „misanthrop“ ;-)

  183. 185
    Dieter says:

    @Gregor Keuschnig: Ich muss 156/inge beipflichten.

    1. Jemand macht PR für sein Buch, das ist alltäglich in Deutschland und wird weitgehend akzeptiert.

    2. Jemand geht juristisch gegen Persönlichkeitsrechtverletzung vor, das ist auch ganz normal und alltäglich in Deutschland. Jeder hat das Recht dazu.

    Frau Wullf kombiniert beide Aktivitäten. Auf einmal bekommt es einen »Beigeschmack«, es wird »lächerlich«, »unmoralisch«, …
    Wieso ändert die Verbindung von 1. und 2. die moralische Wertvorstellung oder legen Sie bei Frau Wullf eine andere Messlatte an als bei anderen?

    Dieselben Leute, die sagen »Ein Interview hätte gereicht.« würden in Falle eines Interviews argumentieren: »Wenn Frau Wulff recht hätte, würde Sie juristisch Unterlassung fordern.« Die Frau kann nicht gewinnen.

  184. 186
    Blunt says:

    Habe gerade in einem Artikel gelesen, dass sich Frau Wulff über Ehe-Probleme geäußert hat: in der „Brigitte“ und in der „Gala“. Hmmm. Also, ich bleibe zwar dabei, dass sie jedes Recht hat sich zu wehren und es nicht sein kann, aus einem persönlichen Unbehagen heraus Opfer zu Tätern zu machen. Aber ich muss zugeben: Dass dieses Unbehagen besteht, kann ich emotional nachempfinden.

  185. 187
    flauschflausch says:

    Betty meine Perle…sing…Wenn Talkshow, und ich vermute sie ist ganz wild drauf, dann wird es wohl eher die gleiche Bühne werden, auf der auf C.Maschmeyer leider Platz nehmen durfte um seine Hände etwas reiner zu waschen (Wo war eigentlich Sandra M. im Sommer im Urlaub? Malle doch wohl nicht…oder?). Das wird dann „Frauen unter sich“ und garantiert eine mit allen Mitteln der Kunst organisierte Wiederherstellung der Reputation der Bettina Körner. Die Bilder, die sie ja angeblich zeigen sollen sehen ihr aber auch rein gar nicht ähnlich…schon komisch, dass sich weder diese „echte“ Escorddame bisher gemeldet hat, noch BW selber frühzeitig mit den Bildern etc. in der Öffentlichkeit „Luft“ verschaffte. Vermutlich hat Gatte Christian als Anwalts-Fuchs auch die Kasse klingeln hören und sofort gewusst, lass alle auf den Zug springen, am Ende lachen wir und verklagen gross auf Schmerzengeld. Wenn das alles zu 100% erstunken&erlogen ist, dann hat BW alle Rechte um sich zur Wehr zu setzen. Nur warum so spät ??? Ein Schelm (Jauch, Google…warum nicht Springer?) der Taktik mehr als nur erahnt. Und so tanzte sie in ihrer Jugend in Kampen auf den Tischen, schaffte es bis nach ganz ganz oben…und musste, welch ein Witz, endlich genau da angekommen dann dem angetrauten Mann im höchsten deutschen Amte mit eigenem Geld, von Mutti zum Geburtstag bekommen, .…aushelfen…hust. That´s reality and not taken from „Schtonk“ :)

  186. 188
    rofl says:

    Also, wenn ich bei Google was über Frau Wuff eintippe, gehören die Daten und die Entscheidung nicht mehr mir oder Google, sondern Frau Wuff? Interessanter Ansatz, der durch welche Gesetze gedeckt sein soll?

    Und die peinliche Streisandabklopfnummer: sie heißt ja auch nich wie die Streisand — kann also wohl kein Streisand sein, wie? m(
    Fakt ist: über Frau Wulff hat keine Sau mehr geredet, auch nicht über ihre angebliche Vergangenheit. Dass es nun zum Gegenteil gekommen ist, ist der Verdienst von Frau Wulff. Warum sollte man es also nicht Streisand nennen? Es handelt sich immerhin um den Streisand„effekt“ und nicht den Streisand-Präzedenzfall.

    Darüber hinaus vermisse ich das Wort Buchveröffentlichung im Vortrag. So wird das nix, mit Ausblenden der Realität.

    Ich muss sagen, ich bin ein wenig enttäuscht über die Qualität des Artikels, sonst gefällts mir hier wesentlich besser.

  187. 189
    Stefan Niggemeier says:

    @Gregor Keuschnig (#182):

    Wer hätte sich für Bettina Wulffs Leben interessiert — außer die üblichen Verdächtigen bei der Yellow-Press?

    Die ehemalige First Lady, deren Mann auf spektakuläre Weise gescheitert ist und über die es erstaunliche Gerüchte gibt, schreibt ein Buch? Viele Leute hätten sich dafür interessiert.

    Ihr Mann ist unten durch, ihr Glamourfaktor passé, weil sie nicht mehr »First-Lady« ist.

    Ah, Sie möchten Autobiographien nur von den Erfolgreichen. Ich finde im Zweifel die von den Gestrauchelten interessanter.

    Was hat sie also mehr »zu bieten« als eine Wirtin in der Düsseldorfer Altstadt?

    Sie ist viel bekannter, war die First Lady, ihr Mann ist unter spektakulären Umständen zurückgetreten, über sie selbst gab es.… ach so, das hatte ich gerade schon.

    In Wahrheit ist Frau Wulff die Autocompletefunktion von Google vollkommen gleichgültig.

    Woher nehmen Sie die absolute Gewissheit, die „Wahrheit“ zu kennen, wenn Sie einen solchen Satz formulieren? Woher wissen Sie, dass es Frau Wulff nicht ganz persönlich fertig macht, wenn Sie ihren Namen eingibt und dazu einschlägige Vorschläge liest und nirgends eine Darstellung, dass dem widersprechen, was die Schlagworte suggerieren? Warum schließen Sie die Möglichkeit vollständig aus, dass Sie schon der Gedanke, dass Ihr Sohn in diesem Internet unterwegs ist, fertig macht?

    Ich will Frau Wulff nicht heroisieren, ich tue es auch nicht, weil ich gar nicht weiß, welche Motive sie hat. Aber warum dämonisieren Sie Frau Wulff so? Was hat Sie Ihnen getan?

    Was sie hätte tun können: Naja, ein Interview in der SZ oder sonstwo hätte auch gereicht.

    Wer entscheidet das im Einzelfall, was „gereicht“ hätte?

  188. 190
    peter says:

    Habt ihr eigentlich alle nichts zu tun? Das ist ja hier schlimmer als beim Friseur oder am Stammtisch …

  189. 191
    hrool says:

    Apropos reflexartig.

    Warum beginnt der Artikel eigentlich mit der Unterstellung, B. W. kenne den Streisand-Effekt nicht?

    (rhetorische Frage)

  190. 192
  191. 193
    rofl says:

    „Wenn also die Annahme zutreffend ist, dass Google mit seiner Autocomplete-Funktion die Verbreitung von Verleumdungen fördert, müssten insbesondere die ersten Treffer, also Focus und ZEIT, persönlichkeitsrechtsverletzende Inhalte aufweisen. Genau das ist aber nicht der Fall.“

    Die beiden Sätze dokumentiert einen der zentralen Denkfehler des Artikels hier sehr gut. Wenn Frau Wulff die Debatte doch angeblich in die richtige Richtung gelenkt hat und es ihr darum ging, warum darf man dann nicht mal danach suchen?

    http://www.internet-law.de/2012/09/haftet-google-fur-seine-autovervollstandigung.html

  192. 194
    theo says:

    Was ich noch nicht so ganz verstanden habe: warum klagt Frau Wulff gegen Google, gegen Jauch, aber offensichtlich nicht gegen die Urheber der Gerüchte? In mindestens einem Fall ist nach meinem Wissen der Name bekannt. Da drängt sich schon der Eindruck auf, Frau Wulff habe sich bewusst große Namen ausgesucht, gegen die sie dann öffentlichkeitswirksam vorgeht.

    Interessantes Interview zum Thema mit Lutz Hachmeister, der von einer PR-Orchestrierung Bettina Wulffs spricht.

    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1863103/

    Ob diese Offensive dann wirklich „klug geplant“ ist, wie Hachmeister anmerkt, möchte ich bezweifeln. Frau Wulff ist derzeit auf allen Kanälen, es gelingt ihr nicht, Maß zu halten.

  193. 195
    Mirco says:

    Man kann sich übrigens fragen, warum Jauch und Google übrig geblieben sind.

    Jauch. Der hat Pech gehabt, er hat sich gewehrt, weil er ja gar nichts gegen Frau Wulff gesagt hat. Jetzt knickt er ein, weil er das nur juristisch gewinnen kann. Frau Wulff hat hier nun einen Präzedenzfall was nicht geht.

    Bei Google kann man eine Win Win Situation sehen (bei der aktuellen Eskalation in Hinblick auf Aufmerksamkeit, nicht der Situation als solchen). Durch diese Aufmerksamkeit kann Wulff Ihre Sicht der Dinge unterbringen, und Google seinen Standpunkt zur Einmischung von außen. Wie der Streit ausgeht, ist dabei fast egal. Der Ausweg die Suchvorschläge still und heimlich auszutauschen ist Google nun verbaut.

  194. 196
    Werner Berger says:

    Frau Wulff kann für ihr Buch soviel Werbung machen, wie sie möchte, und das zu jedem Zeitpunkt, der ihr dafür genehm erscheint. Üble Nachrede bleibt üble Nachrede, auch wenn sie „nur“ als Zitat aus der Berliner Zeitung erfolgt. Hätte Jauch schon im Mai bei der ersten Aufforderung die gewünschte Unterlassungserklärung abgegeben, wäre ihm die Klage jetzt erspart geblieben. Den Grund für das Vorgehen gegen Google hat Wulff plausibel dargelegt. Niemand wird gezwungen, das Buch zu kaufen. Die Verkaufszahlen wie auch die zahlreichen Interviews in diesen Tagen belegen, dass ein öffentliches Interesse tatsächlich vorhanden ist.

  195. 198
    Klaus says:

    Ach so… DARUM geht´s also: http://ecx.images-amazon.com/images/I/51JRC4YN94L._SS500_.jpg — Von Nicole Maibaum, Bettinas Co-Autorin.

  196. 199
    Moki says:

    @rofl #188

    Zitat: „Also, wenn ich bei Google was über Frau Wuff eintippe, gehören die Daten und die Entscheidung nicht mehr mir oder Google, sondern Frau Wuff? Interessanter Ansatz, der durch welche Gesetze gedeckt sein soll?“

    Weiß nicht… durch das Recht auf den Schutz der Privatsphäre… oder durch das Recht auf Schutz gegen üble Nachrede (ehrverletzende Tatsachenbehauptung)? Das wären solche Sachen, die mir spontan einfallen. Aber Sie scheinen auch zu der Fraktion zu gehören, die der Meinung ist: Ich habe ja nichts zu verbergen. Also brauche ich keine Privatsphäre.

    Gerade den Aspekt mit der üblen Nachrede finde ich eigentlich interessant. Denn irgendwo habe ich gelesen, dass Google teilweise seine Suchbegriffe sogar durch die Meinungsfreiheit geschützt sehen will. Wenn Google also selbst seine Suchbegriffe inklusive Ergänzungsfunktion als Meinung geschützt sehen will, dann muss Google auch die Grenzen der Meinungsfreiheit respektieren. Und eine dieser Grenzen lautet eben, dass falsche Tatsachenbehauptungen nicht durch die Meinungsfreiheit geschützt sind.

  197. 200
    rofl says:

    „Aber Sie scheinen auch zu der Fraktion zu gehören, die der Meinung ist: Ich habe ja nichts zu verbergen. Also brauche ich keine Privatsphäre.“

    Blabla. Welchem Satz entnehmen Sie das? Oder ist das wieder nur das übliche ad hominem, weil man anderer Meinung ist?

  198. 201
    Christian A. says:

    @196: Wo hat Günther Jauch denn genau üble Nachrede betrieben? Er hat meiner Erinnerung nach nur allgemein davon gesprochen, daß laut einem Bericht angeblich die Bild-Zeitung Material über Frau Wulffs Vergangenheit haben soll und einen Bild-Mitarbeiter darauf angesprochen. Er hat meines Wissens selbst nicht von Escort, Rotlicht oder dergleichen gesprochen.

    Falls man dieses Zitieren und Fragen schon als üble Nachrede einstuft: Ist dann nicht auch jeder aktueller Bericht zu dem Thema üble Nachrede, weil möglicherweise irgendeine Person erst dadurch von der ganzen Thematik erfährt?

    Ist dann die Behauptung, daß das Gerücht aus den Kreisen der CDU stamme, nicht auch üble Nachrede?

    Und ist es möglicherweise nicht sogar üble Nachrede, Günther Jauch üble Nachrede zu unterstellen, wenn man dies nicht beweisen kann? ;-)

    Ich mache Jauch in Bezug auf seine damalige Sendung keinen Vorwurf. Die rechtliche Attacke jetzt hätte er aber meiner Ansicht nach auskämpfen müssen.

  199. 202
    Moki says:

    @rofl #200: Das entnehme ich gleich der ersten Frage ihres Beitrages (#188):

    Zitat: „Also, wenn ich bei Google was über Frau Wuff eintippe, gehören die Daten und die Entscheidung nicht mehr mir oder Google, sondern Frau Wuff?“

    Denn diese Frage impliziert aus meiner Sicht, dass Sie sich jedes Recht rausnehmen, im Netz pikante Informationen über das Privatleben fremder Menschen finden zu können. Im logischen Umkehrschluss darf ich dann ja wohl davon ausgehen, dass es Ihnen auch nichts ausmacht, wenn jemand pikante Details über Ihr Privatleben ins Netz stellt. Oder ist dem etwa nicht so?

  200. 203
    Moki says:

    @Christian A: Falls Sie sich mit Ihrem Kommentar auf meinen beziehen: Ich habe nicht von Günther Jauch gesprochen. Bei Jauch ist der Fall auch aus meiner Sicht anders gelagert. Da gebe ich Ihnen recht.

    Ich sprach von der Verknüpfung des Namens von Frau Wulff bei Google. Und da ist es immer noch so, dass ich aktuell nur die Buchstabenkombination „bet“ eingeben muss und schon schlägt mir Google als erstes vor: „Bettina Wulff prostituierte“. Ich muss nicht wiederholen, was ich oben zum Thema Google und Meinungsfreiheit geschrieben habe. Das können Sie ja einfach nochmal genau lesen. Aber wenn Google tatsächlich die Meinungsfreiheit für seine Auto-Vervollständigen-Funktion für sich reklamiert (genau belegen kann ich das nicht), dann grenzt das aus meiner Sicht an üble Nachrrede oder Verleumdung.

  201. 204
    Harald Eisenmann says:

    Musste man vor Frau Wulffs Aktionen noch den ganzen Namen eingeben reicht jetzt ein „Be“ und bekommt von Google.de gleich die gewünschten Vorschläge. Herzlichen Glückwunsch Frau Streisand ähm..Wulff.

  202. 205
    B.Schuss says:

    @Moki: Die Auto-Vervollständigung spiegelt lediglich die bisherigen Suchanfragen andere Nutzer wider, und dafür, dass andere Menschen nach solchen Informationen suchen, kann man ja schlecht Google verantwortlich machen.
    Das Argument, dass Google alleine durch diese Auto-Vervollständigung schon einen Zusammenhang zwischen den genannten Begriffen herstellt, und ihnen dadurch quasi „Legitimität“ verleiht, ist interessant, aber aus meiner Sicht nicht haltbar. Es wäre dennoch interessant, zu sehen, wie ein Gericht das sieht.

  203. 206
    alter Jakob says:

    @Moki
    Erstens ist das ein Suchbegriff. Da steht nicht „Bettina Wulff ist eine Prostituierte“, sondern das sind drei Begriffe, die in Kombination auf irgendwelchen Seiten gefunden werden sollen. Zweitens können Sie ja mal nachsehen, was Sie unter dem Suchbegriff finden, wieviele Suchtreffer Google also ausspuckt, in denen Ihre „üble Nachrede“ betrieben wird. Vielleicht finden Sie ja auch nur Artikel, die über die Klage von Frau Wulff berichten. Und drittens spiegelt das, was Google vervollständigt, offenbar nur das wieder, was ein Großteil der Leute gesucht haben. Wenn ich aber selbst nach „Bettina Wulff Prostituierte“ suchen darf, wieso soll Google mir diesen Suchbegriff nicht vorschlagen dürfen? Und darf dann Gerhard Schröder den Voschlag „Gerhard Schröder Haare färben“ auch verbieten lassen?

  204. 207
    Moki says:

    @B.Schuss: Das ist nur die halbe Wahrheit. Die Autovervollständigung spiegelt die bisher eingegeben Suchbegriffe der Benutzer wider, richtig. Aber wenn ich die Buchstabenkombination „bet“ eingebe, bekomme ich vorgeschlagen: „Bettina Wulff prostituierte“. Vielleicht möchte ich aber mit „bet“ nach „bettgestell ikea“ suchen. Aber uups… schon bin ich unfreiwillige darüber informiert, dass es offenbar Gerüchte gibt, Frau Wulff hätte etwas mit Prostitution zu tun. Google hat hier eine Verantwortung und kann sich nicht damit rausreden, dass die User nur das bekommen, was sie offenbar am meisten suchen. Und: google mischt sich doch schon längst aktiv in die eigene Autovervollständigung ein. Beispiel gefällig? Geben Sie mal „Bordell“ in die Suchmaske bei Google ein. Da wird plötzlich nichts mehr autovervollständigt… komisch, oder? Also gibt es scheinbar irgendwelche unternehmensinterne Regeln, die Einfluss auf die Autovervollständigung haben. Ich weigere mich, diese Regeln unhinterfragt zu akzeptieren, wenn diese offensichtlich einen so großen Einfluss auf das Verhalten der User im Netz haben.

    @alter Jakob: Ich behaupte ja nicht, dass hinter dem Suchbegriff bei Google Inhalte auffindbar sind, die üble Nachrede betreiben. Ich behaupte, dass zu prüfen wäre, ob alleine schon die Autovervollständigung von „bet“ zu „Bettina Wulff prostituierte“ schon eine üble Nachrede sein könnte. Das ist ein Unterschied.

  205. 208
    alter Jakob says:

    @Moki:
    Okay, akzeptiert, das ist ein Unterschied. Dass die Autovervollständigung keine Behauptung ist, sondern nur ein Vorschlag für einen Suchbegriff, ist ein weiterer Unterschied, der üble Nachrede schon ausscheiden lässt. Ich empfehle den Link in #194.

  206. 209
    B.Schuss says:

    @Moki: sie schreiben:

    „Aber wenn ich die Buchstabenkombination »bet« eingebe, bekomme ich vorgeschlagen: »Bettina Wulff prostituierte«. Vielleicht möchte ich aber mit »bet« nach »bettgestell ikea« suchen. Aber uups… schon bin ich unfreiwillige darüber informiert, dass es offenbar Gerüchte gibt, Frau Wulff hätte etwas mit Prostitution zu tun.“

    Stimmt so nicht ganz. Wenn überhaupt, wurden sie unfreiwillig darüber informiert, dass eine große Anzahl Googler-Nutzer in Deutschland mit dieser Begriffskombination gesucht haben.
    Und Tatsache ist, wie Stefan es ja auch schon geschrieben hat, viele der Links, die bei dem genannten Suchbegriff auftauchen, werden eben auch zu Artikeln führen, in denen der Sachverhalt klar gestellt wird. Im Moment dürfte dies sogar die Mehrzahl der Links sein. Es hängt halt vom Nutzer ab, ob er auf einige der Links klickt, und sich informiert.
    Google hierbei eine Mitverantwortung zu unterstellen halte ich für absurd.

    Warum Google bei dem Begriff Bordell nicht auto-vervollständigt, keine Ahnung. Möglicherweise spiegelt sich dort die Moralvorstellung des amerikanischen Unternehmens wider. Begriffe wie „Krieg“, oder „Gewalt“ werden übrigens auto-vervollständigt.
    Und natürlich können Sie hinterfragen, so viel Sie wollen.
    Aber letzten Endes bleibt Google ein privates Unternehmen, und niemand zwingt Sie, oder Frau Wulff, seine Dienste in Anspruch zu nehmen.
    Google zwingt keinen seiner Nutzer, tatsächlich nach dem Begriff zu suchen, der per Auto-Vervollständigung angezeigt wird, und schon gar nicht stellt Google notwendigerweise einen logischen Zusammenhang zwischen solchen Begriffen her.
    Wenn überhaupt, dann geschieht das im Kopf des Nutzers.

  207. 210
    B.Schuss says:

    anders formuliert könnte ich sogar behaupten, dass Frau Wulff momentan sehr von der Auto-Vervollständigung profitiert, denn 99% der Links dürften zu Quellen im Netz führen, die den wahren Sachverhalt darstellen, und ihren Kampf um die Wiederherstellung ihrer Reputation beschreiben. Eine bessere Werbung für das aktuelle Buch könnte es gar nicht geben.…

  208. 211
    Moki says:

    @B.Schuss: Da sind wir eben sehr unterschiedlicher Ansicht, was die Verantwortung von Google angeht. Ich bin der Meinung, dieser Konzern — mit einer absolut marktbeherrschenden Stellung unter den Suchmaschinen in Deutschland — sich nicht auf die Position stellen kann/darf, nicht für das verantwortlich zu sein, was die eigene Autovervollständiung-Funktion produziert. Und nur weil Google ein Privatunternehmen ist, bedeutet das ja keinesfalls, dass es machen kann, was es will. Wer als großer US-Konzern am Markt in Deutschland agiert, muss sich eben auch nach deutschen Maßstäben und Gesetzen messen lassen.

  209. 212
    alter Jakob says:

    @Moki
    Sie betreiben etwas, das man rückschauende Betrachtungsweise nennt. Sie wissen, dass es ein Gerücht über Bettina Wulff gibt, nach dem sie eine Prostituierte sein soll. Jetzt verbinden Sie also automatisch die Suchbegriffe BW und Prostituierte so, dass sie nach ihrer Auslegung nur eine Bedeutung haben könnten. Dieser Auffassung sind Sie aber nur, gerade weil Sie das Gerücht schon kennen.

    Jemand der dagegen die Geschichte kennt, dass Bettina Wulff gegen eine Verbreitung des Gerüchts klagt, denkt wohl eher an die Klage und dass das Gerücht falsch oder zumindest noch nicht bewiesen ist. Ein (wohl nicht vorhandener) früherer Freier hätte vielleicht an die schönen Zeiten zurückgedacht.Und jemand der Bettina Wulff nur als Präsidentenstaffage oder sogar gar nicht kennt, fragt sich alles mögliche, bspw. ob BW eine Prostituierte ist/war, ob sie eine kennt, ob sie mit einer zu tun hatte, ob sie als eine beleidigt wurde, ob sie sich vielleicht eine genommen hat, ob sie einer geholfen hat oder was auch immer. Gerade aber derjenige, der nichts über das Gerücht weiß, bekommt damit eben nicht eine Behauptung vorgehalten, sondern nur drei Wörter, die alles mögliche bedeuten können. Über die Bedeutung kann der Sucher sich aber nur durch die damit gefundenen Artikel informieren.

    Nochmal: Diese drei Suchbegriffe sind nur ein Suchvorschlag und keine Behauptung. Und sie legen auch nichts nahe.

  210. 213
    Moki says:

    @alter Jakob: Ein gutes Argument, das Sie da anführen. Es regt mich zum überdenken meiner Sichtweise an.

  211. 214
    B.Schuss says:

    @Moki: ich verstehe deinen Standpunkt ( „aus großer Macht erwächst große Verantwortung“ ), aber bedeutet das nicht, dass du im Grunde Google für Dinge verantwortlich machen willst, die andere Menschen im Netz veröffentlichen ? Das macht doch keinen Sinn.

    Aus meiner Sicht spiegelt Google lediglich das Internet, und damit die Gesellschaft / Welt, in der wir leben. Ohne Wertung, ohne Maßstab.

    Ich stimme dir zu, dass Google sich natürlich an deutsches Recht halten muss, aber Frage ist halt, ob hier ein Rechtsbruch vorliegt. Schließlich behauptet ja Google nicht, dass Frau Wulff mal eine Prostituierte war. Google verweist auf diverse Quellen im Netz, und es liegt am Nutzer, sich sein eigenes Urteil zu bilden.
    Du würdest ja auch nicht Google dafür verantwortlich machen, dass jemand Scientology-Anhänger wird, nur weil die Auto-Vervollständigung bei „scien“ als ersten Begriff „Scientology“ aus spuckt ?
    So viel Eigenverantwortung muss dann doch sein, finde ich.
    Noch sind wir schließlich selbstständig denkende Wesen mit freiem Willen.

  212. 215
    B.Schuss says:

    @212, Jakob: what he said. ^^

  213. 216
    Moki says:

    @B.Schuss: So weit liegt man manchmal gar nicht auseinander, wie es auf den ersten Blick scheint…

  214. 217
    Thomas says:

    Bei Amazon gibt es jetzt mal die ersten Feedbacks zum Buch selbst. Die „vermeintlichen Adressaten“ des Buches äußern sich also:

    http://www.amazon.de/product-reviews/3868832734/ref=dp_top_cm_cr_acr_txt?ie=UTF8&showViewpoints=1

    Und auch die von Nutzern vergebenen Schlagworte bei Amazon sind beachtenswert:

    http://www.amazon.de/Jenseits-Protokolls-Bettina-Wulff/dp/tags-on-product/3868832734

  215. 218
    rofl says:

    „Denn diese Frage impliziert aus meiner Sicht, dass Sie sich jedes Recht rausnehmen, im Netz pikante Informationen über das Privatleben fremder Menschen finden zu können. Im logischen Umkehrschluss darf ich dann ja wohl davon ausgehen, dass es Ihnen auch nichts ausmacht, wenn jemand pikante Details über Ihr Privatleben ins Netz stellt. Oder ist dem etwa nicht so?“

    Bullshit. Eine Suche ist eine Anfrage — soll man jetzt plötzlich keine Fragen mehr stellen dürfen, oder wie?
    Zumal das die gängigen Suchbegriffe sind um an Frau Wulffs „Debattenbeiträge“ zu gelangen. Und unter Privatsphäre verstehe ich auch etwas anderes als in der Öffentlichkeit medienwirksam rumzuklagen. Sie vergleichen Äpfel mit Kokusnüssen.

    Darüber hinaus stehe ich gar nicht in der Öffentlichkeit und hab auch nicht mein Privatleben über die Bild vermarktet (kleine Auswahl zB bei Bildblog), als es opportun erschien. Wo Sie Zusammenhänge sehen gibt es keine.

  216. 219
    Moki says:

    Bullshit? In Ordnung. Die gepflegte Wortwahl zeigt mir, dass es sich gar nicht lohnt, mit Leuten wie Ihnen zu diskutieren. Sie scheinen ohnehin nicht zu verstehen, worum es geht. Bleibt nur zu wünschen, dass Sie mal Ihre eigenen schlechten Erfahrungen mit der Thematik machen…

  217. 220
    rofl says:

    @Moki
    1) Sie scheinen sich in der Tat viel zu viel mit Anschein, anstatt mit Tatsachen auseinander zu setzen. So wird das nichts mit dem Diskutieren und Sie verharren im Modus Schlammschlacht.

    2) Nachdem Sie sich hier tätlich bemüht haben mit Kot auf mich zu werfen und im letzten Post sogar noch unterirdischer ausholen und explizit Schlechtes in meine Richtung „wünschen“, stören wir uns dann ganz, ganz dolle an dem Wort „Bullshit“ und zwar just in dem Moment, wo uns grad komplett die Argumente ausgehen? Wenns nich so schrecklich unoriginell wäre, würde ich jetzt vermutlich schmunzeln …

    3) Wenn im nächsten Post wieder nichts Argumentatives von ihrer Seite kommt (ich hab da so eine Vorahnung), wünsche ich Ihnen noch ein schönes Leben. Im Gegensatz zu Ihnen kann ich nämlich auch Leute respektieren, deren Meinung und Wortwahl mir nicht gefällt. Eventuell schaffen Sie das ja auch mal irgendwann … alles Gute auf dem Weg dorthin.

  218. 221
    Lesen mit Links says:

    […] mit der alles anfing, wurde zum Teil tiefer debattiert, wie in Stefan Niggemeiers “Barbra Wulff?”-Artikel. Freude brachte in dem Zusammenhang, die Verbindung “Name + Escort” ins Google-Fenster […]

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