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Re:Publica

Chronologie einer Falschmeldung III

Die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung” hat versucht, ihre Behauptung richtigzustellen, ein „junger Mann” habe auf der Rostocker Kundgebung gegen den G8-Gipfel in Mikro gerufen: „Wir müssen den Krieg in diese Demo tragen”. Nicht in der Zeitung, aber online. Auf der Ressortseite Politik steht folgende „Korrektur”:

Korrektur. Umstrittenes Zitat. Die WAZ hat am 4. Juni ein Zitat aus einem Text der Deutschen Presseagentur (dpa) über die G-8-Proteste in Rostock gedruckt. Dieses Zitat war sinnentstellend, dpa hat die Meldung berichtigt. Das Zitat eines Globalisierungskritikers "Wir müssen den Krieg in diese Demo tragen" war in Zusammenhang mit dem Irak-Krieg gefallen und keine Aufforderung zu mehr Krawallen in Rostock.

Nein. Dieses Zitat ist, wie inzwischen vielfältig dokumentiert, nicht nur in einem anderen Zusammenhang gefallen, sondern gar nicht.

Wird es der „WAZ” noch gelingen, den Fehler zu korrigieren? Kann es die Korrektur sogar noch aus dem Online-Auftritt in die gedruckte Zeitung schaffen? Überwindet sich die „WAZ” gar noch, nicht nur dpa die Verantwortung zu geben, sondern eigene Fehler einzuräumen?

Bleiben Sie dran!

(Was bisher geschah: I, II)

— 13. Juni 2007, 12:55 — 27 Kommentare

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Kommentare:

  1. Wieso habe ich jetzt die Melodien von Flash Gordon (die alte schwarz/weiß-Serie aus den 30ern (?)) und der Lindenstraße im Kopf?

    — SvenR — 13. Juni 2007, 13:06  #
  2. Die Lindenstraßen-Abspannmelodie fehlte …

    Chat Atkins — 13. Juni 2007, 13:16  #
  3. Hmm? Für mich klingt „Wir müssen den Krieg in diese Demo tragen” (WAZ) nach einer legitimen Übersetzung von „We have to bring the war right into this meeting” (Protokoll Niggemeier, 5.6.).

    — Steve — 13. Juni 2007, 13:35  #
  4. @Steve:

    Der Satz „We have to bring the war right into this meeting” fiel (der von Stefan Passage zufolge) im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg, der zum Thema des Gipfel gemacht werden müsse. Insofern wäre „Demonstration” eine verfehlte Übersetzung von „meeting”.

    — Kai — 13. Juni 2007, 14:02  #
  5. huch, „der von Stefan ZITIERTEN Passage zufolge” natürlich.

    — Kai — 13. Juni 2007, 14:03  #
  6. Ich würde Geld darauf setzen, dass die WAZ keine stimmige Korrektur mehr rausgibt.

    Auch hier riecht es mir nach Grundsätzlichkeit: Vielleicht hat der Webjournalismus durch seine Geschwindigkeit und die Vielzahl seiner sich mitunter widersprechenden Quellen konsequenter die Wahrscheinlichkeit verinnerlicht, dass jeder mal Fehler macht. Es gibt im Netz weniger Eitelkeit, wenn es darum geht, einen Patzer zuzugeben.

    „Kleiner Irrtum”, nichts zu sehen, bitte gehen Sie weiter.

    Es ist gerade die stoische Beharrung auf die Unantastbarkeit des einmal Gedruckten, die aus Fehlern Desinformation macht.

    Das sind aber nur meine zwei Cent – weder durch harte Fakten belegt, noch von Web-Vorreitern gedeckt.

    Torsten Dewi — 13. Juni 2007, 14:51  #
  7. „Wird es der „WAZ” noch gelingen, den Fehler zu korrigieren? Kann es die Korrektur sogar noch aus dem Online-Auftritt in die gedruckte Zeitung schaffen? Überwindet sich die „WAZ” gar noch, nicht nur dpa die Verantwortung zu geben, sondern eigene Fehler einzuräumen?”

    Ich bin noch sehr, sehr spektisch ;).

    Frederic Schneider — 13. Juni 2007, 14:55  #
  8. Hab nachher auch noch ein Meeting. Werde wohl meine Splitterschutzweste mitnehmen.

    Limited — 13. Juni 2007, 15:11  #
  9. Wie ist das eigentlich genau bei fehlerhafter Übersetzung? Ist das dann eine Falschmeldung?
    „Wir müssen den Krieg in diese Demo einbringen” wäre vielleicht besser, oder?

    — Tobi — 13. Juni 2007, 15:24  #
  10. Ich bin froh wenn sich am Ende alle mal ordentlich auskorrigiert haben. Langsam hat die Diskussion darüber nämlich den Krieg in mein Nervenkostüm getragen ;)

    — Winnie — 13. Juni 2007, 15:26  #
  11. @Tobi: Es ging nicht um die Demo, sondern das G8-Treffen. Der Redner (Bello) sprach unmittelbar von „discussions”, der Übersetzer auf der Bühne von „Diskussionen”, in die man den Krieg „reinbringen” müsse.

    Stefan — 13. Juni 2007, 15:32  #
  12. @SvenR
    Ich habe da eine ganz andere Melodie im Kopf. Frei nach ‚Eric Burdons declares War’:

    War
    right into this meeting
    We have to bring…
    War

    — grey²³ — 13. Juni 2007, 15:42  #
  13. OK, erst lesen dann Fragen, bzw. erst Teil 1, dann Teil 2, dann Teil 3 lesen hätte mir diese überflüssige Frage erspart…
    Sorry!

    — Tobi — 13. Juni 2007, 15:42  #
  14. Sorry, ich gebe nur ungern den Oberlehrer, aber als Vertreter dieses Berufsstandes sei mir die kleine Korrektur gestattet: Der „Übersetzer” auf der Bühne war ein Dolmetscher. Übersetzer erledigen ihre Arbeit prinzipiell schriftlich.

    — scream_queen — 13. Juni 2007, 16:29  #
  15. @scream_queen: danke und sorry. ich merk’s mir!

    Stefan — 13. Juni 2007, 16:39  #
  16. Was wäre denn eine passende Übersetzung von „We have to bring the war right into this meeting.”?

    — Georg — 13. Juni 2007, 17:21  #
  17. WAZ.de korrigiert falsches G8-Zitat einigermaßen; die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (Print) schweigt anscheinend noch dazu…

    Die unendliche Geschichte geht weiter:
    Wie hier beschrieben, wurde in der Print-Ausgabe der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) in einem Bericht zu den G8-Demonstrationen in Rostock ein Zitat falsch wiedergegeben.
    Durch diese falsche Wiedergabe kon…

    Pottblog — 13. Juni 2007, 17:29  #
  18. @Georg: Der Dolmetscher auf der Bühne hat es, wie gesagt, so übersetzt:

    „Vor zwei Jahren hat es geheißen: Wir sollen den Krieg nicht in die Diskussion mit reinbringen. Wir sollen uns nur auf Armutsbekämpfung konzentrieren. Aber ich sage: Wir müssen den Krieg hier mit reinbringen. Denn ohne Frieden kann es auch keine Armutsbekämpfung geben.”

    Stefan — 13. Juni 2007, 17:29  #
  19. Ins reine übersetzt, würde ich sagen: „Wir müssen den Krieg zu einem (zentralen) Thema dieses Gipfels machen.”

    — scream_queen — 13. Juni 2007, 17:43  #
  20. @Stefan: OK, ist denn nun

    „Wir müssen den Krieg hier mit reinbringen.”

    wirklich weit entfernt von

    „Wir müssen den Krieg in diese Demo tragen.”?

    Oder kritisiert man vor allem, dass es aus dem Zusammenhang des Irak-Krieges gerissen wurde?

    Letzteres ist ja auch Merkel passiert . :)

    — Georg — 13. Juni 2007, 17:46  #
  21. Schon erstaunlich, ……

    … wie schwer es offenbar ist, sich korrekt zu korrigieren. Die NZZ kann es aber noch besser.
    (via Jens)

    ……

    blog.50hz.de — 13. Juni 2007, 21:03  #
  22. @Georg: 1. ist, wie ich oben bereits kurz angedeutet habe, „Wir müssen den Krieg hier mit reinbringen”, als Übersetzung bestenfalls eine Ad-hoc-Notlösung. „To bring in(to) bedeutet definitiv „einbringen”, „einbeziehen”, das „Thema anschneiden”, das Gegenteil von „ausklammern”. 2. bezeichnet „meeting” ganz klar den G8-Gipfel und nicht die Demo. Und 3. ist mit „the war” eindeutig der Irakkrieg gemeint. Wenn es darum ginge, das „meeting” etwas kriegerischer zu gestalten, müßte es „war” heißen, ohne Artikel. Und „to take”, nicht „to bring”. Kurz: „Wie müssen den Krieg in diese Demo tragen” ist von einer richtigen Übersetzung nicht nur meilenweit entfernt, sondern schlicht komplett falsch. Diese „Interpretation” gibt das Englische einfach nicht her.

    — scream_queen — 14. Juni 2007, 7:50  #
  23. Nana, „the war” ginge sehr wohl auch. In der Gedankenwelt einiger Linker schmilzt leicht alles zusammen zu dem einen grossen Klassenkampf. Nicht dass dem hier so waere, dazu ist das Zitat in der Tat nicht zu verbiegen, aber „the War” ginge sehr wohl.

    — Theo — 14. Juni 2007, 18:44  #
  24. Noch mal in einem Satz: Es geht darum, dass „hier mit reinbringen” nicht sinngemäß durch „in diese Demo tragen” ersetzt werden kann, sehr wohl aber mit „auf diesem Gipfel diskutieren”.

    — Ben — 14. Juni 2007, 19:17  #
  25. Die „seriöse” NZZ schießt heute den Vogel ab.

    Dort kartet man wegen der Kritik an der G8-Medienberichterstattung gegen Blogger aus …

    http://www.nzz.ch/2007/06/03/a.....LH-12.html

    … und hat die Falschmeldung immer noch online:

    http://www.nzz.ch/2007/06/15/em/articleF993Z.html

    Ein Armutszeugnis!

    Spiegelfechter — 15. Juni 2007, 13:54  #
  26. Nach 8 Monaten wird aus einer beständigen Falschmeldung wohl eine Lüge, oder nicht?
    Die NZZ lügt in dieser Sache (wie in anderen auch..) immer noch, wie die anderen Medien auch :(
    Ich bin für einen Entzug der Betriebserlaubnis für Zeitungen bei derartigen unbehobenen Verstössen..

    — Gast — 5. Februar 2008, 16:03  #
  27. [...] übernahmen den Fehler, manche schmückten ihn aus, kaum einer korrigierte ihn (die „WAZ” schon gar nicht) – und die „Neue Zürcher Zeitung” verbreitet ihn trotz [...]

    Geschichte einer Falschmeldung V « Stefan Niggemeier — 6. März 2008, 2:11  #

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