Die ARD behaup­tet, der zusätz­li­che Finanz­be­darf, den sie für die kom­men­den vier Jahre ange­mel­det habe, ent­spre­che einer jähr­li­chen Stei­ge­rung um 1,1 Pro­zent. Die ARD-Vorsitzende Monika Piel hat diese Zahl auch in diver­sen Inter­views genannt. Das ZDF rech­net sei­nen zusätz­li­chen Bedarf öffent­lich in eine jähr­li­che Stei­ge­rung von 1,3 Pro­zent um. Beide Anga­ben sind falsch. In Wahr­heit sind die Stei­ge­run­gen deut­lich höher.

Das wird jetzt ein biss­chen kompliziert.

Es gibt meh­rere Gründe, warum die Zah­len über die von ARD und ZDF bei der zustän­di­gen Kom­mis­sion KEF bean­trag­ten Mit­tel so schwer ein­zu­ord­nen und so leicht zu skan­da­li­sie­ren sind. Der nahe­lie­gendste sind natür­lich die schie­ren abso­lu­ten Größe der Zah­len, die Mil­lio­nen– und Mil­li­ar­den­be­träge. Aber es kommt noch etwas hinzu: Die Gebüh­ren­pe­riode läuft über vier Jahre. Die bewil­lig­ten Etats stei­gen am Anfang sprung­haft an und blei­ben dann konstant.

Die ARD zum Bei­spiel hat eine Bedarfs­stei­ge­rung um ins­ge­samt 900 Mil­lio­nen Euro ange­mel­det. Das ent­spricht 225 Mil­lio­nen Euro jähr­lich. Diese 225 Mil­lio­nen Euro stel­len eine Zunahme des Etats um 4,1 Pro­zent dar. Dem ste­hen dann aber drei Jahre ohne wei­te­res Wachs­tum gegen­über. Die 4,1 Pro­zent las­sen sich des­halb nicht mit jähr­li­chen Stei­ge­rungs­ra­ten wie etwa der Infla­tion vergleichen.

Es ist des­halb prin­zi­pi­ell sinn­voll, diese Zahl auf eine jähr­li­che Stei­ge­rungs­quote umzu­rech­nen, wie es ARD und ZDF tun. Mit der behaup­te­ten jähr­li­chen Anpas­sung von 1,1 Pro­zent der ARD ergäbe sich aller­dings fol­gen­des Bild:

Tat­säch­lich ist nach vier Jah­ren mit einer jähr­li­chen Stei­ge­rung von 1,1 Pro­zent die neue bean­tragte Etat­höhe erreicht. Nur hat die ARD diese Höhe ja auch schon für die Jahre zuvor bean­tragt. Anstatt der 900 Mil­lio­nen, die sie angeb­lich ins­ge­samt zusätz­lich braucht, bekäme sie mit einer jähr­li­chen Stei­ge­rungs­rate von 1,1 Pro­zent in vier Jah­ren nur rund 614 Mil­lio­nen zusätzlich.

Um auf 900 Mil­lio­nen Mehr­ein­nah­men zu kom­men, müsste der Etat nicht vier Jahre lang um 1,1 Pro­zent, son­dern um 1,6 Pro­zent steigen.

Das ZDF hat exakt den­sel­ben Rechen­feh­ler gemacht. Es hat — nach neu­es­ten Zah­len — einen Bedarf von 411 Mil­lio­nen Euro ange­mel­det. (Die von der »Zeit« behaup­te­ten 435 Mil­lio­nen sind falsch; die vom ZDF spä­ter bestä­tig­ten 428 Mil­lio­nen inzwi­schen nach ZDF-Angaben überholt.)

Der Sen­der erklärt mir:

Die­ser Finanz­be­darf (411 Mio) würde bezo­gen auf die Bei­trags­pe­riode 2013–2016, bei dem ange­nom­me­nen Bei­trags­auf­kom­men eine Erhö­hung des Rund­funk­bei­trags um 0,248 € bedeu­ten. Der aktu­elle Anteil des ZDF an der Rund­funk­ge­bühr beträgt 4,735 €. Setzt man die ermit­tel­ten 0,248 € in Rela­tion dazu, ent­spricht dies einer Stei­ge­rung von 5,2 Pro­zent für den Zeit­raum von vier Jah­ren. Ver­teilt man diese Stei­ge­rung gleich­mä­ßig über die vier Jahre, ergibt sich mit Hilfe des geo­me­tri­schen Mit­tel­werts eine jähr­li­che Stei­ge­rung von 1,3 Prozent.

Nur ver­teilt sich die Stei­ge­rung eben nicht gleich­mä­ßig über die vier Jahre, son­dern wird sofort im ers­ten Jahr wirk­sam und bleibt dann kon­stant. In Wahr­heit ent­spricht der ange­mel­dete zusätz­li­che Bedarf des ZDF nach mei­nen Berech­nun­gen einer jähr­li­chen Stei­ge­rung um gut 2,0 Prozent.

Das ist immer noch eine Grö­ßen­ord­nung, die ver­mut­lich bes­ten­falls einen Infla­ti­ons­aus­gleich dar­stellt. Inso­fern halte ich die Reak­tio­nen auf diese Bedarfs­an­mel­dung (die ohne­hin von der KEF deut­lich gekürzt wer­den wird) für unver­än­dert abwe­gig und hys­te­risch. Ich hätte mich aber nicht auf die Zah­len ver­las­sen dür­fen, die ARD und ZDF ange­ge­ben haben. Sie erwe­cken einen fal­schen, zu nied­ri­gen Ein­druck von dem zusätz­li­chen Bedarf, den sie ange­mel­det haben.

[via Michael in den Kom­men­ta­ren]