Jens Wein­reich und der Deut­sche Fußball-Bund haben ihren Rechts­streit beige­legt.

Der Sport­jour­na­list Wein­reich erklärt, dass er DFB-Präsident Theo Zwan­zi­ger nicht in die Nähe eines Volks­ver­het­zers rücken wollte, als er ihn einen »unglaub­li­chen Dem­ago­gen« nannte. Der DFB erklärt, dass er Wein­reich nicht in sei­ner Arbeit behin­dern wollte, als er Lügen über ihn ver­brei­tete (das mit den Lügen erklärt der DFB natür­lich nicht).

Der DFB wird sein bis­lang erfolg­lo­ses Unter­las­sungs­ver­fah­ren gegen Wein­reich nicht wei­ter ver­fol­gen. Und Wein­reich wird nicht dar­auf behar­ren, dass der DFB die Gegen­dar­stel­lung ver­öf­fent­li­chen muss, die er gericht­lich bereits durch­ge­setzt hatte.

Ich ver­stehe sehr gut, dass Jens sich auf die­sen Ver­gleich ein­ge­las­sen hat. Aber er bedeu­tet aus mei­ner Sicht, dass der DFB, der sowohl juris­tisch als auch publi­zis­tisch in die­ser Aus­ein­an­der­set­zung bis­lang der klare Ver­lie­rer war, nun als Sie­ger vom Platz geht. Dass der Ver­band nicht ein­mal dazu gebracht wer­den konnte, eine Gegen­dar­stel­lung gegen seine ver­leum­de­ri­sche Pres­se­mit­tei­lung über Wein­reich abzu­dru­cken, spricht Bände.

Die Zer­mür­bungs­tak­tik des DFB und sei­nes Anwal­tes (des­sen Kanz­lei in ande­ren Fäl­len auch mich ver­tritt) ist voll auf­ge­gan­gen. In den vier Ver­fah­ren, die das ehe­ma­lige Call-TV-Unternehmen Cal­lac­tive und ihr Geschäfts­füh­rer Ste­phan May­er­ba­cher gegen mich ange­strengt haben (der mir neu­er­dings unauf­ge­for­dert Mails mit mög­li­cher­weise bri­san­ten Doku­men­ten über angeb­li­che Mau­sche­leien zwi­schen 9Live und der Baye­ri­schen Lan­des­me­di­en­an­stalt schickt), habe ich erlebt, wie­viel Kraft, Zeit und Geld eine sol­che Aus­ein­an­der­set­zung kos­tet. Wäh­rend ein Mann wie Theo Zwan­zi­ger einen gan­zen Stab von Juris­ten und PR-Leuten kom­man­die­ren kann, um mit allen Mit­teln seine Ehre und sei­nen Stolz zu ver­tei­di­gen, ist für einen Freien Jour­na­lis­ten wie Jens Wein­reich jede Ver­hand­lung nicht nur mit Kos­ten, son­dern auch mit Ein­nah­me­ver­lus­ten und einer erheb­li­chen psy­chi­schen Belas­tung verbunden.

Jens Wein­reichs Bitte um Spen­den hat eine ver­diente und, wie ich finde, sen­sa­tio­nelle Reso­nanz gefun­den: Rund 860 ver­schie­dene Men­schen gaben ins­ge­samt knapp 22.000 Euro. Das ist nicht nur, aber auch ein Beweis dafür, wie­viel Soli­da­ri­tät im regel­mä­ßig ver­fluch­ten Inter­net zu fin­den ist und ich bin ein biss­chen stolz dar­auf, einen klei­nen Bei­trag dazu geleis­tet zu haben.

Aber letzt­lich ist es mit all dem Geld nicht getan. Es geht darum, immer wie­der die Kraft auf­zu­brin­gen, die Zumu­tun­gen und Dro­hun­gen der Gegen­seite aus­zu­hal­ten. Und es geht darum, für sich die Ent­schei­dung zu tref­fen, ob man wirk­lich einen erheb­li­chen Teil des eige­nen Lebens mit einer so unpro­duk­ti­ven Aus­ein­an­der­set­zung ver­schwen­den will, die man letzt­lich nicht gewin­nen kann, egal wie sie for­mal aus­geht: Weil jeder Sieg so teuer mit eige­ner Ener­gie erkauft ist, wäh­rend die Gegen­seite gelas­sen den Ein­satz immer wei­ter erhö­hen kann.

Wie gesagt: Ich ver­stehe die Ent­schei­dung von Jens sehr gut, und ver­mut­lich ist es sogar die rich­tige Ent­schei­dung. Aber machen wir uns nichts vor: Der DFB hat durch den Ver­gleich klar gewon­nen. Jedem Kri­ti­ker, der es wagen könnte, von sei­ner Mei­nungs­frei­heit Gebrauch zu machen und den DFB-Präsidenten in einer Form zu kri­ti­sie­ren, die ihm nicht passt, wird es eine War­nung sein.

Nach­trag. Auch lesens­wert: Alex­an­der Svens­sons Inter­pre­ta­tion des Ver­gleichs, die sich eigent­lich nicht so sehr von mei­ner unter­schei­det, aber einen deut­lich posi­ti­ve­ren Tenor hat.