Tag Archive for: Focus Online

Super-Symbolfoto (112)

von Boris Rosenkranz
24 Jun 15
24. Juni 2015

Bei „Focus Online“ suchen sie Symbolfotos mit Liebe aus.

Screenshot "Focus Online" 24.6.2015

Nachtrag, 27. Juni. „Focus Online“ hat das Foto ausgetauscht.

Folge 3911 der Serie „Der irre Varoufakis“ ist eine Wiederholung

20 Jun 15
20. Juni 2015

Es muss, um es mit dem Online-Liveticker des Nachrichtensenders n-tv zu sagen, ein wirklich denkwürdiges Treffen der Euro-Finanzminister gewesen sein am Donnerstag:

Zumindest, wenn man einem Bericht der

Die Kollegen vom Online-Liveticker des „Focus“ finden es fast schon nicht mehr denkwürdig in seiner Denkwürdigkeit:

Der Auftritt von Janis Varoufakis beim Treffen der Finanzminister scheint einem Bericht der

Und so steht es auch in der „Welt“, auf die sich „Focus Online“ und n-tv.de beziehen. Jedenfalls im Vorspann und auf der Startseite:

Athens Reformliste ist eine Sammlung von Stichworten. Mit einem Kamerateam im Schlepptau und einer 30-minütigen Rede erschien Janis Varoufakis beim Finanzministertreffen. Doch seine Vorschläge reichen den Euro-Kollegen nicht. Sie setzen ihm eine Frist.

Im Artikel selbst zeigt dann aber eine interessante Sollbruchstelle:

Der griechische Finanzminister Janis Varoufakis schätzt es, Licht in die Treffen der Amtskollegen zu bringen, die doch eigentlich hinter verschlossenen Türen stattfinden. Zu seinem ersten Treffen mit den Finanzministern der Euro-Gruppe erschien er Schilderungen zufolge mit einem Kamerateam im Schlepptau, was ihm eine Rüge von Euro-Gruppe-Chef Jeroen Dijsselbloem einbrachte. Und wie man hört, neigt er zu langen Reden in dem Gremium.

So auch am Donnerstag. …

Da steht genau genommen gar nicht, dass Varoufakis jetzt ein Kamerateam mitbrachte, sondern dass er das bei „seinem ersten Treffen mit den Finanzministern“ tat. Der „Welt“-Korrespondent hat das nur nochmal erzählt, um zu illustrieren, was für ein bizarrer Typ dieser Varoufakis ist (neigt zu langen Reden!), der Dinge gern für die Öffentlichkeit dokumentiert, wie er das auch diese Woche tat, indem er seinen Redetext „auf seinem Internetblog“ veröffentlichte.

Tatsächlich ist die Geschichte mit dem Kamerateam alt. Am 17. Februar, vor über vier Monaten also, berichtete dpa:

Der forsche Stil der neuen griechischen Regierung sorgte beim Eurogruppen-Treffen für reichlich Irritationen. Als Varoufakis erst eine halbe Stunde nach Verhandlungsbeginn den Raum betrat, sprach gerade der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi. Varoufakis platzte nach Angaben aus Verhandlungskreisen mit einem Kameramann im Schlepptau ins Zimmer — der dann zügig herauskomplimentiert wurde.

Oder in der Schilderung der „Stuttgarter Zeitung“ von damals:

Zu Sitzungsbeginn um 15 Uhr, berichten Diplomaten übereinstimmend, fehlte die Hauptperson. Als der griechische Kollege Giannis Varoufakis auch nach einer halben Stunde noch nicht erschienen war, weil er die Ergebnisse seiner Vorgespräche mit Premier Alexis Tsipras besprach, fing die Runde ohne ihn an. Athens Vertreter betrat erst um 15.58 Uhr den Saal, entgegen den Gepflogenheiten verfolgt von einem Kameramann. Sitzungspräsident Jeroen Dijsselbloem musste den gerade redenden Zentralbankchef Mario Draghi unterbrechen und Varoufakis darum bitten, den Fernsehmenschen abzuschütteln. „Das kam gar nicht gut an“, berichtet einer, der die Sitzung verfolgen konnte. Dann habe Varoufakis „wieder nur lange geredet, statt endlich etwas Konkretes auf den Tisch zu legen“.

Der „Welt“-Korrespondent hat gestern einfach die alte Geschichte noch einmal erzählt, und in der Redaktion haben sie nicht gemerkt, dass das eine alte Geschichte ist und sie als neue Geschichte verkauft, und in den Newsticker-Abteilungen von n-tv.de und „Focus Online“, wo man vermutlich ohnehin nicht viel merkt, wurde das gleich ein aufregender neuer Punkt.

Und bei „Focus Online“ haben sie bei der Gelegenheit noch Varoufakis‘ Äußerung, das einzige Gegenmittel gegen „Propaganda und bösartige Informationslecks“ sei Transparenz, die sich auf die Veröffentlichung des Redetextes in seinem Blog bezog, in den falschen Kontext mit dem Kamerateam gestellt.

Nur ein weiteres, winziges falsches Detail in der besinnungslosen Berichterstattung über die Griechenland-Krise. Falls es Ihnen also so vorkommt, als würde seit Monaten immer wieder dasselbe vermeldet, kann es auch daran liegen, dass es tatsächlich so ist.

Sie haben bisher immer das falsche Online-Angebot gelesen!

20 Mai 15
20. Mai 2015

Es gibt Menschen, die alles, aber auch wirklich alles in ihrem Leben falsch machen. Das sind die Leser von „Focus Online“.

Profitieren Sie von der geballten Wissenskompetenz von „Focus Online“!

16 Mrz 15
16. März 2015

Vergangene Woche habe ich etwas Verrücktes gemacht: Ich habe Artikel von „Focus Online“ gekauft. Richtig für Geld.

Das Angebot klang aber auch zu verlockend:

Möchten Sie Sie [sic!] sich von all Ihren Rechtschreibfehlern verabschieden? In diesem Wissensdossier zeigt Ihnen FOCUS Online die Fallschlingen der neuen deutschen Rechtschreibung und hilft Ihren [sic!], mit einer ausgezeichneten Rechtschreibung zu glänzen. Denn mit der deutschen Sprache, die über fünf Millionen Wörter verfügt, ist es nicht immer einfach. Deutsch birgt viele Tücken in sich. Vor allem bereitet sie Erwachsenen viele Schwierigkeiten. (…) Ein weiteres Problem auf dem Gebiet der neuen Rechtschreibung ist das „scharfe ß“ [sic!] sowie der Bindestrich, ein für viele [sic!] fremd vorkommendes Element. Anhand der Regel [sic!], die wir zusammengestellt haben, können Unsichere ihre Rechtschreibung überprüfen und texten wie aus dem Duden.

Wer wollte angesichts dieses Ankündigungstextes nicht der Aufforderung folgen:

Profitieren Sie von unserer geballten Wissenskompetenz, bleiben Sie gut informiert!

Das „exklusiv zusammengestellte“ PDF-Dossier mit den „wichtigsten Infos zum richtigen und guten Deutsch auf 38 Seiten“ kostet nur 7,49 Euro. Und es besteht nicht zu 75 oder 81 Prozent aus Qualität, nein: Es ist reine Qualität. Das garantiert „Focus Online“.

Tatsächlich stammen die Texte in dem Heft von namhaften Autoren. Also, von der einen:

Und dem anderen:

Um dem hier, na, dem Dings:

Anscheinend ist die deutsche Sprache keine einfache Sprache, und offenbar gibt es sogar eine Redensart, die genau das besagt und im PDF deshalb auf den Seiten 2, 5, 18 und 28 zitiert wird. „Richtige Zeichensetzung ist nach wie vor vielen ein Rätsel“, heißt es an anderer Stelle — unter anderem, möchte man hinzufügen, der Redaktion dieser „Focus Online“-Broschüre, wie sie an mehreren Stellen belegt:

Im Wesentlichen besteht das PDF neben einem Diktat aus Quizfragen, die aus verschiedenen Duden-Heften stammen und hier, nach der Verwendung als kostenlose „Focus Online“- Artikel, noch einmal drittverwertet werden, allerdings in der überaus unpraktischen Form von Tabellen …

… und mit eingebauten Fehlern:

Was kann man von einem Ratgeber „deutsche Sprache“ verlangen? Vielleicht mindestens dies: dass in ihm das Wort „Rechtschreibung“ richtig geschrieben ist.

Wenigstens in den Überschriften.

Jetzt frage ich mich, ob ich vielleicht mein Geld zurückverlangen kann. Andererseits lautet das „Qualitätsversprechen“ bei genauerem Hinsehen, dass es sich um das „garantiert Beste von FOCUS Online“ handelt und um „vertraute Qualität“ dieser Redaktion. Da könnte es mit einer Reklamation schwierig werden.

Griechenland will den Euro verlassen oder nicht oder ist auch egal.

06 Feb 15
6. Februar 2015

Ich fürchte, dass selbst Sisyphos den Auftrag ablehnen würde, all die Fehler, Irrtümer, Boshaftigkeiten, Unterstellungen, Voreingenommenheiten, Verdrehungen und Ressentiments in der Berichterstattung deutscher Medien über die neue griechische Regierung richtigzustellen, aus Sorge, die Aufgabe könnte ihn zu einem unglücklichen Menschen machen. Und natürlich wäre es komplett absurd, damit ausgerechnet bei einem Medium von der Seriosität von „Focus Online“ anzufangen.

Aber aus irgendeinem Grund bin ich über ein Video dort gestolpert und fand es auf noch mal besondere Art ekelhaft. Die „Focus Online“-Redakteurin Antonia Schäfer belehrt darin in einem Tonfall großer Herablassung den griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tispras, dass er ein Idiot ist. Die Pläne der neuen Regierung seien

in etwa so, als würde ich zu meinem Bankberater gehen und sagen: Sie sind ein mieses Arschloch, ich behalte ihr Geld aber trotzdem und will noch mehr haben.

Sie erklärt, was ein „Dirty Grexit“ sei, ein „schmutziger Austritt Griechenlands“ aus dem Euro, und sagt:

Das bezieht sich darauf, dass der griechische Finanzminister angekündigt hat, die Eurozone verlassen zu wollen und nicht mehr mit der Troika zu kooperieren. Sollte Griechenland aber wirklich aus dem Euro austreten wollen, schadet das Griechenland. Und nicht dem Rest Europas.

Dem ließe sich nun einiges entgegnen. Ich möchte es bei dem Offensichtlichsten belassen: Der griechische Finanzminister hat nicht angekündigt, die Eurozone zu verlassen. Er wird, im Gegenteil, nicht müde, zu betonen, dass er die Eurozone nicht verlassen will.

Ich habe Daniel Steil, den Chefredakteur von „Focus Online“ gefragt, wie Frau Schäfer darauf kommt. Er antwortete mir, „Focus Online“ sei hier ein „Fehler unterlaufen“:

Die Aussagen des Finanzminsters wurden am Wochenende zwar dahingehend interpretiert, im O-Ton hat er das aber nicht gesagt. Wir ändern das ab.

Und tatsächlich: „Focus Online“ hat den ersten Satz unauffällig aus dem Video herausgeschnitten. Nun sagt Frau Schäfer folgendes:

Das bezieht sich darauf, dass der griechische Finanzminister angekündigt hat, die Eurozone verlassen zu wollen und nicht mehr mit der Troika zu kooperieren. Sollte Griechenland aber wirklich aus dem Euro austreten wollen, schadet das Griechenland. Und nicht dem Rest Europas. Direkt nach dem Vorstoß seines Finanzministers wendete Tsipras sich an die Führer der EU.

Nun ist also von einem „Vorstoß seines Finanzministers“ die Rede, von dem nicht mehr die Rede ist. „Focus Online“ hat aus einem grotesk falschen ein komplett unverständliches Video gemacht. Mehr kann man von diesem Angebot aus dem Hause Burda nicht verlangen.

Und die Frau, die einen Austritt aus dem Euro nicht von keinem Austritt aus dem Euro unterscheiden kann, erklärt dem Publikum weiter kindgerecht, was da gerade (nicht) passiert.

(Kann es eigentlich sein, dass Burda seine rein werbefinanzierten Online-Angebote „Focus Online“ und „Huffington Post“ in Wahrheit heimlich im Auftrag von Springer betreibt, um täglich anschaulich für Paid Content zu werben?)