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Klatschvieh (2): Wie das Fernsehen an der Dehydrierung seines Publikums arbeitet

06 Feb 14
6. Februar 2014

Die Aufzeichnung der Oliver-Pocher-Show „Alle auf den Kleinen“ zieht sich. Die Sprecherin von RTL hatte mich vorher gewarnt, ich solle Sitzfleisch mitbringen: Das könne auch sechs Stunden dauern. Und in der Tat. Alles fängt schon verspätet an, woran wohl Boris Becker Schuld ist, der sich an diesem Tag mit Pocher duelliert. Dann entstehen lange Pausen, ein ganzes Spiel klappt erst nicht, dann immer noch nicht, dann immer noch nicht und wird schließlich aus der Show geworfen. Die Stimmung ist im Keller.

René, der Warm-Upper, versucht sein Bestes, das Publikum bei Laune zu halten. Bald werden seine Ansagen in den Umbaupausen zu Durchhalteparolen: Nach Spiel neun, verspricht er, werde Wasser verteilt werden, und keine Sorge: Es sei genug für jeden da. Die ersten Worte der Mitarbeiterin, die endlich mit einem Gebinde von Plastikflaschen die Treppe herunterkommt, als Spiel vier, fünf, sechs, sieben, acht und neun vorbei sind, lauten dann: „Könnt ihr es euch bitte einteilen, wir haben nicht genug für alle.“

Seit rund fünf Stunden sitzt das Publikum zu dieser Zeit in der Halle. Es dauert danach noch zwei.

Man kann beim Fernsehen den Eindruck gewinnen, es arbeitete systematisch an der Dehydrierung seines Publikums.

Nicht alle Zuschauer machen das mit. Bei der Pocher-Show entscheidet sich eine ganze Reihe, dass sie im Zweifel dann doch darauf verzichten können, den Ausgang des groß angekündigten Duells zu erleben, und verlassen vorzeitig das Studio. Die Reihen lichten sich.

Zum Glück wird an diesem Abend in einem Nachbarstudio noch eine andere Show aufgezeichnet: „Jungen gegen Mädchen“. Die sind früher fertig. Deren Zuschauer werden gefragt, ob sie nicht Lust haben, noch ein Stückchen zu bleiben und sich Boris Becker anzugucken.

Manchmal, wenn der Produzent verantwortungsvoll ist und schon im Voraus fest steht, dass eine Aufzeichnung sehr lang wird, wird bereits vorher „Nachschubpublikum“ geordert, einhundert Zuschauer, die gegen eine kleine Aufwandsentschädigung zu einem späteren Zeitpunkt kommen. Frisch und noch nicht leergeklatscht ersetzen sie die ermattet und durstig Ausgeschiedenen.

Die Sache mit dem Wasser ist das für mich größte Rätsel am Umgang deutscher Fernsehproduzenten mit dem Studio-Publikum ihrer Shows. Das war schon damals so, als ich über die Umstände einer Aufzeichnung von „Das Supertalent“ staunte. Und das bestätigte sich bei meiner kleinen Tournee durch Fernsehstudios Ende vergangenen Jahres.

Es gibt natürlich Ausnahmen. Bei der Aufzeichnung einer Thorsten-Havener-Show für RTL mit dem irreführend brisanten Titel „Geheimnisse der Körpersprache“ durfte sich einfach jeder Zuschauer am Eingang bedienen. (Die Gefahr dabei ist natürlich, wie ein Warm-Upper erzählt, dass die Leute das Wasser schon ausgetrunken haben, bevor er überhaupt mit dem Aufwärmprogramm fertig ist.) Bei der Produktionsfirma Brainpool konnte man gar nicht verstehen, wie das Thema Wasser ein Drama sein könnte: Bei „Schlag den Raab“ gebe es für jeden soviel Wasser, wie er wolle, und er könne es dann auch wieder wegbringen.

Das ist eher nicht die Regel. An Wasser wird gespart. Und wenn sich herausstellt, dass es doch nicht ohne geht, weil sich eine Aufzeichnung so lange hinzieht, wird spät abends eilig noch der Praktikant losgeschickt, die Tankstellen in der Umgebung auf der Suche nach Wasser abzuklappern.

Günther Jauchs Produktionsfirma i&u scheint ganz besonders sparsam zu sein bei Getränken. Sie produziert unter anderem „Alle auf den Kleinen“ (siehe oben) und hat auch die beiden Jubiläumsshows „30 Jahre RTL“ hergestellt. Die waren auf eine Aufnahmezeit von viereinhalb Stunden angelegt. Der Warm-Upper hatte die Verantwortlichen vorher gefragt, ob es da nicht gut wäre, die Zuschauer zwischendurch mal mit Flüssigkeit zu versorgen, bekam er die Antwort: Geht auch ohne.

Auch das „Jahresquiz“ der ARD wird von i&u produziert, weshalb man auch dort als Zuschauer eng gedrängt auf dem Trockenen sitzt und zusieht, wie die Prominenten auf der Bühne angesichts der vielstündigen Aufnahmezeit immer wieder mit Getränken und irgendwelchen Riegeln versorgt werden. Dabei sind eigentlich auch wir, das Publikum, zum Arbeiten hier, zum Klatschen und Amüsiertsein auf Kommando. Aber mit uns kann man es machen.

Ich habe bis jetzt nicht herausgefunden, warum viele Fernsehproduzenten gerade eine so günstige Ressource wie Wasser als zu vernachlässigenden Posten und Sparfaktor behandeln. Es kann natürlich daran liegen, dass man Leuten, die etwas trinken, auch die Möglichkeit geben muss, im Lauf von vielen Stunden auf die Toilette zu gehen. Aber das wäre doch ohnehin ein feiner Zug.

Meine Anfrage an i&u mit der Bitte um eine Erklärung brachte eher keine Aufklärung. „Wir haben diese Dinge bislang nie als mögliches Problem gesehen“, antwortete die Unternehmenssprecherin. „Bei den zahlreichen von i&u produzierten Shows gab es bisher keine Klagen über einen möglichen Wassermangel.“ Und „unter besonderen Umständen“ werde das Publikum von i&u „durchaus“ mit Wasser versorgt.

Haben Sie etwas Interessantes mit oder ohne Wasser im Fernsehstudio erlebt? Schreiben Sie es mir oder in die Kommentare!

Die Spulphobie des Mario Barth

04 Dez 13
4. Dezember 2013

Mario Barth ist lustig. Er will zum Beispiel nicht, dass die Leute bei seinen Fernsehshows einfach vor– oder zurückspulen oder zu bestimmten Stellen springen. Und hat die Möglichkeit deshalb in der RTL-Mediathek unterbinden lassen.

Aktuell kann man das zum Beispiel bei seiner Sendung „Willkommen bei Mario Barth“ auf RTLnow sehen. Die übliche Fortschrittsanzeige beim Player fehlt. Dafür steht dort der Hinweis: „Aus rechtlichen Gründen ist die Spulfunktion bei diesem Format deaktiviert.“


Screenshow: RTLnow

Man kann nicht einfach ein paar Sekunden zurückspringen, um sich eine Szene nochmal anzugucken. Man kann auch nicht bei Minute 30 einsteigen, um den Rest der Sendung nachzuholen, den man im Fernsehen vielleicht verpasst hatte. Und man kann nicht nur die Werbung nicht überspringen, wie es üblich ist bei solchen Video-on-Demand-Angeboten, sondern gar nichts.

Das war auch bei „Mario Barth deckt auf“ schon so, einem neuen Unvestigativ-Format des sympathischen Nachwuchskomikers, das im Oktober auf RTL lief. Auf Anfrage erklärte mir RTL interactive damals, dass der Lizenzgeber der Sendung, das Management von Mario Barth, dem Unternehmen die Auswertungsrechte nur unter der Bedingung eingeräumt habe, dass die Spulfunktion deaktiviert wird. Sonst hätte RTLnow die Sendung gar nicht zeigen können.

Barth und sein Management kämpfen offenbar bereits seit Jahren gegen die Unsitte des eigenmächtigen Hin– und Herspringens in seinen Programmen. Schon 2009 klagte ein Mensch im Internet, dass ihm beim Anschauen von „Willkommen bei Mario Barth“ der Browser abgestürzt sei, und er danach nicht einfach an der Stelle weiterschauen konnte, wo er war, sondern wieder alles von vorne hätte gucken müssen („das war mir dann zui doof“).

Es gibt bestimmt einen Super-Grund dafür, dass Mario Barth den Leuten, die ihn sich im Internet ansehen wollen, die Fernbedienung aus der Hand nimmt. Aber sein Management — eine Düsseldorfer Firma, die ihm gehört und den vermutlich doppelt ironischen Namen „Hauptstadt-Helden“ trägt — möchte nicht drüber reden. (Ich hatte allerdings auch zuerst von einem Mobiltelefon aus dort angerufen, was die zuständige Frau äußerst dubios fand, da könnte ja auch jeder kommen.) Aber schon auf meine dritte schriftliche Anfrage bekam ich, wenn schon keine Antwort, so doch zumindest eine Reaktion:

Leider kann ich Ihnen keine aussagekräftige Auskunft zu diesem technischen Vorgang geben.

Weitere Nachfragen verhallten ohne Lebenszeichen.

Also müssen wir uns das wohl alleine zusammenreimen. Hat jemand eine Idee, welchen Sinn so ein Barthsches Spulverbot hat?

Eine Haltung mit Anstand? Das kann für RTL nur ein Missverständnis sein

17 Okt 13
17. Oktober 2013

Es war der Versuch, bei einem Sender wie RTL so etwas wie Anstand zu beweisen. Er ist umfassend gescheitert.


Foto: RTL

Es geht, zugegebenermaßen, scheinbar um nicht viel: den „Deutschen Comedypreis“ bloß, eine Auszeichnung, die Jahr für Jahr in Erinnerung ruft, wie klein die fernsehaffine Humorindustrie in Deutschland ist. (Mario Barth wurde sieben Jahre in Folge ausgezeichnet; Olaf Schubert war in diesem Jahr in einer bezeichnenden Doppelfunktion als Vorsitzender der Jury und Gewinner in der Kategorie „bester Komiker“ beteiligt — das Personal ist knapp.)

Nun gewannen aber gestern in der Kategorie „beste Moderation“ auch Sonja Zietlow und Daniel Hartwich: für die RTL-Dschungelshow „Ich bin ein Star — holt mich hier raus“. Das war einerseits nicht ganz unverdient, andererseits aber unglücklich, denn es war der erste Jahrgang ohne den verstorbenen Dirk Bach. Man konnte das, mit bösem Willen, so interpretieren, als hätte es geholfen, dass Bach nicht dabei war. Die Auszeichnung war mindestens ungeschickt.

Zietlow und Hartwich empfanden das offenbar auch so und kamen nicht zur Preisverleihung. Sie schickten stattdessen eine bemerkenswerte Videobotschaft mit folgendem Wortlaut:

Zietlow: Pünktlich zum ersten Todestag von Dirk Bach bekommen wir für den Dschungel also den allerallerallersten Preis überhaupt. Und zwar für die erste Staffel ohne Dirk Bach. Was für ein beschissenes Timing! Seit exakt zehn Jahren machen wir jetzt „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“. Für diese zehn Jahre würde ich jeden Preis der Welt mit Kusshand annehmen. Aber nicht für die erste Ausgabe ohne meinen Dickie.

Hartwich: Für Sonja und Dirk kommt dieser Preis ein Jahr zu spät. Für Sonja und mich kommt er ein Jahr zu früh. Ich kann keinen Preis annehmen, den mein Vorgänger verdient gehabt hätte. Ich hab mich nur ins gemachte Nest gesetzt. Und dann gewinnen wir auch noch in der Kategorie „Beste Moderation“. Aber von den vier Menschen, die für diese Moderationen zuständig sind, sind zwei gar nicht nominiert: Nämlich unsere beiden Autoren Jens Oliver Haas und Micky Beisenherz.

Zietlow: Es fühlt sich nicht richtig an. Nicht die richtige Kategorie, nicht die richtigen Nominierten und nicht der richtige Zeitpunkt. Und deshalb bitten wir um Verständnis, dass wir heute nicht mit euch feiern können.

Hartwich: Vielleicht nächstes Jahr. Vielleicht bekommt die Show dann endlich ihren ersten Preis. Ausgezeichnet… ist sie ja sowieso schon.

In dieser Form schaffte es das Statement aber nicht in die Preisverleihung. RTL schnitt die ersten drei Sätze von Zietlow und die letzten drei von Hartwich weg.

Es blieb, immerhin, eine klare Haltung, die viel positive Resonanz auslöste.

Auf seiner Internetseite ließ RTL zwar die darin enthaltene Kritik weg, berichtete aber:

Große Gefühle beim Comedypreis 2013: Sonja Zietlow und Daniel Hartwich wurden in der Kategorie „Beste Moderation“ für „Ich bin ein Star — Holt mich hier raus!“ ausgezeichnet. Die beiden Moderatoren waren bei der Preisverleihung in Köln nicht anwesend, verkündeten aber via Video-Botschaft, dass sie den Preis ein Jahr nach dem Tod von Dirk Bach nicht annehmen. Aus Respekt für „Dicki“ und weil es sich „komisch anfühle“, wie Zietlow in ihrer emotionalen Botschaft verkündete.

Hier könnte die Geschichte enden.

Aber offenbar war das noch zuviel kritische Haltung für RTL. Und so mussten die beiden Moderatoren plötzlich in einer neuen Erklärung ihre Haltung revidieren. Nun verlautbarten sie:

„Der Comedypreis für die beste Moderation ist das Ergebnis einer Teamleistung — den können und wollen wir deshalb gar nicht ablehnen. Den Zeitpunkt für die Nominierung finden wir nicht glücklich, aber die Auszeichnung ehrt uns. Wir wollten nur erklären, warum wir kurz nach Dickies erstem Todestag keinen Preis entgegennehmen und feiern können, den wir für die erste Staffel ohne ihn bekommen.“

Dass das im klaren Widerspruch zur Videoerklärung der beiden steht — und sogar zur früheren eigenen Darstellung auf der Seite von RTL — verschweigt der Bohlen-Sender. In einer Pressemitteilung schrieb er, die Videobotschaft von Zietlow und Hartwich sei „missverständlich so interpretiert“ worden, „dass sie den Preis abgelehnt hätten“.

RTL hat auch seine Berichterstattung auf rtl.de nachträglich geändert. Nun steht da nicht mehr, dass Zietlow und Hartwich den Preis nicht annahmen, sondern dass es „Verwirrung um die vermeintlich abgelehnte Ehrung“ gegeben habe. Nach der entsprechenden vermeintlichen Richtigstellung heißt es jetzt im Text:

Zuvor hatte es so ausgesehen, als wollten sie die Auszeichnung gar nicht annehmen. Die beiden waren in der Kategorie „Beste Moderation“ für „Ich bin ein Star — Holt mich hier raus!“ ausgezeichnet worden.

Die beiden Moderatoren waren bei der Preisverleihung in Köln nicht anwesend, hatten sich aber in einer Videobotschaft zu Wort gemeldet. Darin drückten sie sich allerdings so unklar aus, dass sie die Gäste im Saal ratlos zurückließen. Sie würden sich „komisch“ fühlen, weil Dirk Bach den Preis nicht bekommen hatte. „Der Preis kommt für mich zehn Jahre zu spät“, so Zietlow.

(Nein.)

Aus RTL-Sicht ist damit vermutlich alles wieder in Butter: Natürlich haben die tollen RTL-Moderatoren den schönen RTL-Comedypreis für die feine RTL-Sendung angenommen, sie wollten halt nur aus Pietät oderwiedasheißt nicht feiern kommen. Die eigene Berichterstattung wurde entsprechend geschönt.

Nur die Moderatoren, die eigentlich Haltung bewiesen hatten, stehen nun da wie Idioten, die nicht wissen, was sie wollen, und sich nicht einmal klar ausdrücken können.

Nachtrag, 18:55 Uhr. Als wäre die Sache nicht verworren genug, hat Sonja Zietlow nun gegenüber DWDL folgendes Statement abgegeben, das man schwerlich als „Erklärung“ bezeichnen kann:

„Eine Auszeichnung ist für mich wie ein Lob! Das hat man bekommen und Punkt. Ob man sich des Lobes für würdig hält und wie man damit umgeht, das steht auf einem anderen Blatt. Ich bin nicht wegen Terminschwierigkeiten nicht zur Verleihung des Comedypreises gegangen, sondern weil ich der Meinung bin, dass ich eine Auszeichnung zu genau diesem Zeitpunkt, in genau dieser Kategorie nicht verdient habe. Jedenfalls nicht NUR Daniel und ich.

Mit dieser Haltung wollte ich keineswegs respektlos gegenüber dem Preis, den Veranstaltern und der Jury erscheinen, nein, ich wollte meine höchste Anerkennung denjenigen zollen, die seit 10 Jahren für eine außergewöhnliche, mit Herzblut und Liebe gemachte Sendung stehen. Allen voran einem Mann, der zu Lebzeiten genau diesen Preis mehr als verdient hat: Dirk Bach! Aber wir haben diesen Preis nun mal genau JETZT bekommen, das Lob wurde ausgesprochen und ist angekommen. Und ich weiß auch schon genau, was ich damit machen werde…“

Gottschalk und Jauch wiederholen komplette Hängepartie

13 Sep 13
13. September 2013

Es war der unbestrittene Höhepunkt der neuen RTL-Show „Die 2 — Gottschalk und Jauch gegen alle“: Wie Günther Jauch eine gefühlte Ewigkeit an stilisierten Hubschrauberkufen hing, während Thomas Gottschalk Quizfragen beantwortete. Jauch machte einen großen Bohei darum, wie wenig ihm diese Aufgabe liege und dass er sowas seit 30 Jahren, seit der legendären Show „Rätselflug“, nicht mehr gemacht habe.

Tatsächlich ist es erst drei Jahre her. Seine Produktionsfirma i&u wiederholte für das neue vermeintliche Show-Event einfach nochmal das Spiel, mit dem sie Jauch 2010 bei der „Großen Geburtstagsshow“ zum 60. Geburtstag der ARD schon einmal, öh, überrascht hatte.

Jaja, das habe ich am Dienstag schon aufgeschrieben.

Aber man muss es gesehen haben, in welchem Maß sich die Szenen von damals und heute gleichen: die Musik und die Soundeffekte, die vermeintlich spontanen Kommentare von Gottschalk, das ganze Geplänkel zwischen den beiden — und der behauptete Widerwille von Jauch, sich einer Übung auszusetzen, die ihm angeblich gar nicht liegt.

Sehen und staunen Sie:

Jauchs Produktionsfirma lässt ihn wieder hängen

10 Sep 13
10. September 2013

Blicken wir noch einmal zurück, auf dieses große Show-Event mit Günther Jauch und Thomas Gottschalk, und lassen uns von sueddeutsche.de einen der Höhepunkte schildern:

Deutlich größeres Kino war dagegen eine Stunt-Einlage in bester Schlag den Raab–Manier. Nur dass hier Jauch gegen sich selbst antreten musste: In Erinnerung an eine im Rückblick haarsträubende Himmelfahrtsmission aus seiner früherem SDR-Sendung Rätselflug musste sich der heute 55-Jährige wie seinerzeit an die Kufen eines Helikopters hängen. In der Abenteuer-Gameshow galt es für Jauch damals, mit Hubschrauber-Hilfe einen „Schatz“ hoch oben auf dem Loreley-Felsen zu bergen. Der tollkühne Twen verhinderte dabei 14 Sekunden lang mit bloßen Händen den eigenen Absturz. Diesmal bekam Jauch einen Sicherheitsgurt umgeschnallt („Ich habe zuhause versprochen, dass ich so etwas nicht mehr mache“) und wiederholte die Klammerübung verbissen. Fazit: Jauch hielt heute 69 Sekunden durch — die ARD ist ihm jede Kraftanstrengung wert.

Kollege Gottschalk war jedenfalls sehr angetan und zelebrierte den Moment, in dem er Jauch den von ihm während des Turn-Kunststücks verwahrten Ehering zurückgab: „Nimm diesen Ring zum Zeichen meiner Hochachtung“, scherzte der ZDF-Mann.

Hm? Die ARD? Der ZDF-Mann?

Ach so, das ist gar nicht die Kritik der RTL-Sendung „Die 2 — Gottschalk & Jauch gegen alle“ von gestern Abend. Das ist die Kritik der Sendung „60 Jahre ARD — Die Geburtstagsshow“ vom April 2010.

Die ganze Nummer mit dem Rätselflug–Remake gestern in der Sendung war eine Wiederholung. Das Getue Jauchs, mit dem er sich gegen die Übung sträubte, wie er einen Absturz nach zehn Sekunden prognostizierte und jammerte, sowas seit über 30 Jahren nicht mehr gemacht zu haben — alles Show.

Seine Produktionsfirma i&u, die die Sendung produziert, hat ihm sicherheitshalber einfach noch einmal das Spiel geschenkt, in dem er schon vor dreieinhalb Jahren gut aussah. Auch die Show damals war eine i&u-Produktion.

Ideen sind eher nicht deren Stärke. Recyceln, das können sie.